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insideAR: Wie Verlage von augmented reality profitieren können

30. Oktober 2014
Timon von Bargen von appear2media

Timon von Bargen von appear2media

Unter augmented reality (AR) wird die erweitere Realität verstanden, also zusätzliche Informationen, die im Netz hinterlegt sind. Das können Texte, Videos, Grafiken oder Animationen sein. Auf der insideAR, der wichtigsten Konferenz für AR von metaio, ergeben sich gerade für klassische Zeitungs- und Zeitschriftenverlage interessante Möglichkeiten. Einige Verlage experimentieren bereits mit der Technik, wie mir Timon von Bargen von appear2media erklärte. Die Agentur mit Sitz in Hamburg und Berlin unterstützt Verlage mit Schritt in die virtuelle Realität. Die Ergebnisse sind meines Erachtens faszinierend.


Dennoch vermute ich, dass AR in der Print-Verlagswelt auf massive Vorbehalte stößt. Viele meine Journalistenkollegen sehen sich als Inhalte-Produzent oder besser noch als klassische Redakteure. Da geht es in erster Linie um Texte. AR ist für viele bunte Bilder, eine Spielerei. Ich vermute, dass sich viele Journalisen in ihrem Selbstverständnis mit AR schwer tun und AR eher ablehnen werden. Zudem haben wir oft in Deutschland mittelständische Verleger, die es über Jahre gewohnt waren, richtig großes Geld zu verdienen. Sie sind jetzt beleidigt, dass sie in neue Formen der Kommunikation investieren sollen. Viele von den Damen und Herren Verleger wollen die Zeit zurückdrehen.
Und wir haben das Problem mit der Grafik. Grafik in Print bedeutet klassische DTP also beispielsweise InDesign, Qurak XPress und Photoshop. Zwar kann der neue Adobe Photoshop schon 3D, aber wird es von den klassischen Mediengestaltern eingesetzt? Und oftmals ist die Grafik nur noch externer Dienstleister in den Verlagshäusern. Material für AR aufzubereiten, kostet wiederum Geld für die Verlagshäuser, nachdem sie ja vorher Knebelverträge mit ihren Dienstleistern ausgehandelt haben.
Und ich glaube, dass viele Mediaberater immernoch gerne in Millimeter verkaufen. Sie taten sich mit Online-Kampagnen schon schwer und der TKP für online ist ein Witz. Viele Mediaberater machen sich nicht die Mühe, die digitalen Pennys zu verdienen, wenn sie immernoch auf den analogen Dollar hoffen. Wie soll man AR dem Kunden verkaufen, wenn man es selbst nicht daran glaubt.
Ich bin also pessimistisch und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Das Team von Timon von Bargen von appear2media macht mir einen kompetenzen Eindruck und steht sicher mit Rat und Tat zur Seite. Jetzt gilt es durchzustarten und Marken in neuen Märkten zu festigen.

Buchkritik: Netzkinder gegen Offliner – Danke, Internet. von Alexander Fuchs

22. April 2012

Ich bin ja ein Freund von deutlichen Worten, aber bei der Lektüre des Buches Netzkinder gegen Offliner – Danke, Internet. von Alexander Fuchs blieb mir erst einmal die Spucke weg. Der 23jährige Autor gibt ein klares Plädoyer pro Netz ab und positioniert sich gegen die Offliner. Gefangene werden nicht gemacht. Die Sprache ist klar, eindeutig, provozierend. Nerd Fuchs hat wahrscheinlich schon so viele Kämpfe hinter sich, so viele Diskussionen, so viele Anfeindungen, dass es ihm jetzt reicht. Fuchs feuert aus allen Rohren. Für ihn besteht die Welt nicht aus Grautönen, sondern sie ist entweder klar schwarz oder weiß. Er hat keine Geduld mit den Offlinern mehr, die seine Netzwelt zerstören, die Freiheit determinieren und einschränken wollen. Und er findet mit diesem Buch genügend Anhänger.

Seine Thesen für seine Netzkinder, seine Leserschaft formuliert er radikal, vielleicht nicht immer sprachlich geschliffen, aber eindeutig und – verdammt nochmal – er hat in vielen Dingen schlicht und einfach recht. In vielen seiner Thesen spricht er mir aus dem Herzen. Hut ab vor soviel Chuzpe. Endlich sagt es mal einer diesen Offlinern.

Wer von den angegriffenen Offlinern den Mut hat, sollte dieses Buch lesen, aber Bedenken, es hat ein junger Wilder geschrieben. In zwei, drei Stunden hat der Leser das Buch durch. Wenn der lesende Offliner keinen Herzanfall bekommen oder seinen Rechtsanwalt wegen Nötigung angerufen hat, dann erfährt er etwas aus erster Hand, wie eine Generation tickt. Und wir reden nicht mehr von der Generation C64, die heute um die 40 ist und den Aufstieg des Webs erlebt hat. Wir erfahren von den Sorgen und Nöten einer Generation von Mitte 20, für die das Netz allgegenwärtig ist. Sie sind im Netz aufgewachsen und kennen es nicht anders. Wenn es ein Problem gibt, führen Google und Co zur Antwort. Für diese Generation ist das Netz nicht ein abstrakter, virtueller Raum in den man sich begibt, sondern es ist Alltag.

Auch Videogames gehören zum Leben des Nerds dazu. Fuchs rechnet ab mit den Vorwurf der Killerspiele in Form von Counter-Strike. Alles Terroristen und Mörder, die diese Spiele spielen. Und er rechnet ab mit den Medien ab, die krampfhaft die alten Denkstrukturen  bewahren und ihre Netzberichterstattung mit Trojaner, Facebookpartys und Abzocke anreichern. Ja, auch diese Medien gehören zu den Offlinern. Und wenn sich die Medien nicht ändern, verlieren sie weiter den Einfluss auf diese Generation (und sie verlieren Auflage).

Natürlich ist das Buch absolut subjektiv geschrieben. Es handelt von Alexander Fuchs und seiner Sicht auf die Welt. Hier werden die Offliner einhaken und dem Autoren Fuchs vorwerfen, dass seine Erlebnisse von LAN-Partys, Bewerbungsgesprächen und IT-Sicherheit durch Noobies und Dummschwätzern nicht zu verallgemeinern sind. Doch, sie viele sind es – leider. In vielen meiner Seminaren mit Offlinern kommen die Gedanken, Vorurteile in der ein oder anderen Form immer wieder an den Tag. Meine Erfahrungen mit der Welt der Offlinern sind ähnlich, allerdings rege ich mich nicht mehr so darüber auf wie Alexander Fuchs. Wenn Offliner etwas nicht verstehen, dann reagieren sie mit Angst und Unsicherheit, dann machen sie sich über das Unbekannte lächerlich und werden unsachlich.  Wie oft höre ich, dass es die Welt nicht interessiert, was ich zu Mittag essen und darüber twittere. Alexander Fuchs hat recht. Bleibt doch in eurer Offline-Welt und übertragt nicht euer Denkmodell auf andere. Diesen Bedenkenträgern aus der Politik und Gesellschaft hält Fuchs einen Spiegel vor. Für meinen Geschmack macht er allerdings den Fehler, die Offliner in eine Ecke zu stellen und sich zum Teil über sie lustig zu machen, anstatt nur seine Thesen zu erhärten. Aber dies liegt wahrscheinlich daran, dass Fuchs jahrelang im Umgang mit den Offlinern frustriert wurde.

Ich habe die drei Stunden Lektüre des Buches Netzkinder gegen Offliner – Danke, Internet. genossen, nicht die Sprache, aber die Thesen. Und ich empfehle das Buch allen On- und Offlinern, die über den Tellerrand sehen oder sich einfach mal wieder richtig ärgern wollen.