Posts Tagged ‘Matthias Lange’

BistroTalk: Mit Herz, Handwerk und Haltung: Metzgermeister Alexander Häuserer über die Zukunft der Metzgerei Da Häuserer

2. Juni 2026

Im Bistro Sixtyfour in Maisach wurde es beim jüngsten „BistroTalk“ handwerklich, bodenständig und stellenweise sehr persönlich: Metzgermeister und Fleischsommelier Alexander Häuserer von der Metzgerei „Da Häuserer“ in Gernlinden sprach ich über seinen Weg ins Metzgerhandwerk, über Qualität, Personal, Nahversorgung, neue Ideen und die Frage, warum gutes Fleisch mehr ist als nur ein Produkt in der Theke. Die Veranstaltung wurde als Videopodcast aufgezeichnet und auf YouTube gestreamt. Hier ist die Aufzeichnung:

Schon zu Beginn ging es um den Standort in Gernlinden und die Entwicklung der Metzgerei. Häuserer erinnerte daran, dass die Räume vor der Übernahme ganz anders aussahen. Früher sei dort eine Bäckerei gewesen, später sei das Gebäude aufgeteilt worden. Beim Umbau habe man praktisch alles entkernt, den Estrich entfernt und die Räume komplett neu aufgebaut. Dabei seien auch alte Installationen wie eine frühere Fußbodenheizung zum Vorschein gekommen. Für Häuserer war dieser Neuanfang mehr als nur eine Renovierung: Er wollte einen modernen, sauberen und gepflegten Laden schaffen, in dem die Qualität der Produkte auch durch die Umgebung sichtbar wird.

Dass er einmal Metzger werden würde, scheint im Rückblick fast folgerichtig. Häuserer stammt aus einer Metzgerfamilie, inzwischen ist es die vierte Generation. Aufgewachsen ist er in Hilgertshausen, wo das Hauptgeschäft der Familie liegt, das heute sein Bruder führt. Dort bekam er schon als Kind mit, wie eng Metzgerei, Küche, Gastwirtschaft und gesellschaftliches Leben miteinander verbunden waren. In dem großen Saal fanden früher Tanzveranstaltungen, Feiern und Leichenschmäuse statt. Als Kind erlebte er, wie in der Großküche gearbeitet wurde, wie geschlachtet, zerlegt und vorbereitet wurde. Diese frühen Eindrücke haben ihn geprägt. Egal, was er später machte, sagte Häuserer, er sei immer wieder an den Punkt gekommen, an dem für ihn klar war: Metzgerei ist sein Ding. Er sei Metzger mit Leib und Seele.

Im Gespräch wurde deutlich, wie sehr sich das Handwerk verändert hat. Natürlich spiele Bürokratie heute eine große Rolle, etwa durch Temperaturkontrollen, Dokumentationspflichten und viele weitere Vorgaben. Doch für Häuserer ist eine andere Herausforderung noch entscheidender: das Personal. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, zu halten und ihnen Bedingungen zu bieten, unter denen sie gerne bleiben, sei eine der wichtigsten Aufgaben. Dazu gehört für ihn auch, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Gerade im Münchner Speckgürtel, wo Mieten schnell enorme Höhen erreichen, sei das ein entscheidender Faktor. Häuserer hat deshalb Mitarbeiterwohnungen geschaffen, die zwar nicht riesig, aber neu, schön und bezahlbar seien. Nur so könnten Menschen auch wirklich ankommen.

Besonders stolz zeigte sich Häuserer darauf, dass ab September drei Auszubildende im Verkauf beginnen sollen, zwei davon aus Vietnam und einer aus der Region. In Zeiten, in denen viele Handwerksbetriebe händeringend Nachwuchs suchen, ist das für ihn ein großer Erfolg. Auch eine Mitarbeiterin aus Vietnam sei bereits im Betrieb und mache ihre Sache hervorragend. Sprachliche Hürden gebe es natürlich, sagte Häuserer mit Humor, aber die hätte er mit seinem bayerischen Dialekt in Vietnam ebenso. Entscheidend sei, dass jemand fleißig sei, lernen wolle und sich ins Team einfüge.

Der direkte Kontakt zu den Kundinnen und Kunden spielt für Häuserer eine große Rolle. Er steht nicht nur als Unternehmer im Hintergrund, sondern ist auch im Laden präsent. Die Resonanz am Standort Gernlinden beschreibt er als sehr positiv. Er sei mit dem Geschäft und den Menschen sehr zufrieden, auch wenn der Betrieb noch im Aufbau sei. Sechs Jahre seien im Handwerk keine lange Zeit. Eine gute Metzgerei zeichne sich für ihn vor allem durch Frische, gleichbleibende Qualität und Verlässlichkeit aus. Genau darauf lege er größten Wert. Jeden Morgen ist er früh im Betrieb, kontrolliert die Ware, richtet Spieße her, schaut sich Fleisch und Wurst an und achtet darauf, dass alles so präsentiert wird, wie es seinem Anspruch entspricht.

Dabei versteht sich die Metzgerei auch als Teil einer funktionierenden Nahversorgung. In der Nähe gibt es weitere Geschäfte, unter anderem einen kleinen Supermarkt und einen Bäcker. Für Häuserer ist das keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Wer kleine Einkäufe erledigt, könne mehrere Dinge miteinander verbinden. Zahnpasta werde man bei ihm nicht bekommen, dafür gute Wurst und gutes Fleisch. Gerade diese Mischung aus verschiedenen Geschäften mache einen Ort lebendig. Auch ein neuer Dönerstand in Gernlinden bereitet ihm keine Sorgen. Im Gegenteil: Mehr kleine Geschäfte könnten dazu beitragen, dass wieder mehr Leben in den Ort komme. Entscheidend sei, dass man zusammenarbeite und nicht gegeneinander denke.

Ein weiteres Thema war die Zukunft des Metzgerhandwerks. Häuserer denkt über neue Konzepte nach, etwa über einen 24-Stunden-Shop oder Automatenlösungen. Solche Angebote seien aber keine Arbeitsersparnis, sondern vor allem eine Erweiterung der Verfügbarkeit. Die Arbeit verschwinde nicht, sie verlagere sich nur stärker in den Hintergrund. Produkte müssten vorbereitet, verpackt, kontrolliert und nachgefüllt werden. Dennoch sieht er darin eine mögliche Richtung, weil viele Menschen unter der Woche wenig Zeit hätten und schnell etwas Gutes zum Mitnehmen suchten. Besonders reizvoll findet er die Idee fertig zubereiteter warmer Gerichte in geeigneter Verpackung, die ohne Qualitätsverlust mitgenommen werden können. Seine Ideen entstehen dabei weniger durch klassische Marktforschung, sondern aus Gesprächen, Beobachtungen und Bauchgefühl – manchmal, wie er schmunzelnd sagte, auch bei einer halben Bier.

Als Fleischsommelier bringt Häuserer eine zusätzliche Qualifikation mit, die über das klassische Metzgerhandwerk hinausgeht. Dabei gehe es unter anderem um Sensorik, Fleischqualität, Geruch, Struktur und Reifung. Besonders eindrücklich sei für ihn die Schulung im Erkennen bestimmter Geruchsstoffe gewesen. Noch bietet er keine regelmäßigen Tastings an, doch Steaktastings oder ähnliche Veranstaltungen könnten in Zukunft ein Thema werden. Derzeit sei aber noch vieles im Aufbau. Auch am Standort Buchenau gebe es viel zu tun, bevor weitere Projekte umgesetzt werden könnten.

Ausführlich sprach Häuserer über Fleischqualität, Zuschnitte und Grillen. Er selbst grillt gerne, auch wenn ihm in den vergangenen Jahren oft die Zeit gefehlt habe. Besonders begeistert zeigte er sich vom sogenannten Rückwärtsgaren: Fleisch wird zunächst bei niedriger Temperatur im Ofen auf Kerntemperatur gebracht und anschließend auf dem Grill scharf angebraten. Mit Rosmarin, Butter und etwas Geduld entstehe daraus ein besonderes Geschmackserlebnis. Auf die Frage nach seinem persönlichen Lieblingsstück nannte er schließlich Flat Iron. Dieser Zuschnitt aus der Schulter sei feinfaserig, zart und für ihn fast besser als Flanksteak. Gleichzeitig betonte er, dass jedes Stück Fleisch seinen eigenen Charakter habe. Wer sich wirklich für Fleisch interessiere, müsse sich durchprobieren und die unterschiedlichen Strukturen kennenlernen. Auch gutes Suppenfleisch, besonders von den Zwerchrippen, schätzt er sehr.

Beim Thema vegane Ersatzprodukte zeigte sich Häuserer offen, aber auch klar in seiner Haltung. Jeder solle essen, was er möchte, und vegane Produkte hätten selbstverständlich ihre Berechtigung. Schwieriger findet er jedoch Bezeichnungen wie „veganer Leberkäse“ oder „vegane Salami“. Für ihn sind das eigene Produkte, aber keine Wurst im klassischen Sinne. In seiner Metzgerei gibt es solche Produkte derzeit nicht; dafür sei eher der Bäcker zuständig, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Einen deutlichen Unterschied sieht Häuserer zwischen handwerklicher und industrieller Produktion. Industrielle Ware werde häufig anders hergestellt, schneller gereift, stärker standardisiert und mit Hilfsmitteln wie Farbe oder Schnellreifeverfahren produziert. Das ermögliche niedrigere Preise, längere Haltbarkeit und höhere Margen, gehe aber oft zulasten von Frische und Aroma. Im Handwerk stehe dagegen das Produkt selbst im Mittelpunkt. Beim Aufschneiden einer guten Mortadella oder eines hochwertigen Schinkens merke man sofort, was Aroma bedeute. Gleichzeitig räumte Häuserer ein, dass auch sein Betrieb nicht alles selbst herstellt. Südtiroler Spezialitäten, Parmaschinken oder andere Originalprodukte werden bewusst zugekauft, weil sie dort ihre eigene Qualität und Tradition haben.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Wertschätzung von Lebensmitteln. Häuserer beobachtet, dass Menschen, die in seine Metzgerei kommen, meist bewusster einkaufen. Sie nehmen den Weg auf sich, weil sie gutes Brot, gute Wurst und gutes Fleisch wollen. Gleichzeitig sei Zeitmangel ein großes Thema. Viele Menschen nähmen beim schnellen Einkauf im Supermarkt einfach mit, was verfügbar sei. Das sei nachvollziehbar, aber es verändere das Einkaufsverhalten. Für Häuserer stellt sich daher immer wieder die Frage, wie ein Handwerksbetrieb Qualität, Alltagstauglichkeit und moderne Verfügbarkeit miteinander verbinden kann.

Besonders gut laufen in der Metzgerei nach seinen Angaben Weißwürste, Wiener, Bierschinken sowie Dry-Aged-Cuts wie Club Steaks und T-Bone-Steaks. Der große Reifeschrank im Laden war für Häuserer eine bewusste Anschaffung. Er wollte sichtbar machen, dass Fleisch Zeit braucht. Gerade Dry-Aged-Produkte seien gefragt, aber eben nicht beliebig schnell verfügbar. Wer zu besonderen Anlässen etwas Bestimmtes möchte, sollte deshalb vorbestellen. Für die Planung des Betriebs sei das wichtig.

Auch über Gastronomie und Mittagstisch wurde gesprochen. In Gernlinden werde das Angebot gut angenommen, besonders von Handwerkern, Berufstätigen und Menschen, die mittags schnell und unkompliziert etwas essen möchten. Für Häuserer war es eine bewusste Entscheidung, Metzgerei und Verzehrangebot miteinander zu verbinden. Es erweitere den Betrieb und mache ihn stärker zu einem Treffpunkt im Ort.

Kritisch wurde es beim Thema Vereinsfeste und günstige Lebensmittel. Viele Vereine grillen selbst, kaufen günstig ein und verkaufen Speisen bei Veranstaltungen weiter. Häuserer sieht das differenziert. Natürlich verstehe er das Vereinsleben und dessen Bedeutung. Gleichzeitig stellt er die Frage, ob Vereine nicht auch Verantwortung für die lokale Nahversorgung tragen. Wenn ein Ort seinen Metzger, seinen Bäcker und seine kleinen Geschäfte erhalten wolle, müsse er diese auch unterstützen. Wer nur auf den billigsten Preis schaue, übe Druck auf die Qualität aus. Handwerkliche Produkte könnten nicht zu Dumpingpreisen angeboten werden, wenn sie sauber zugeschnitten, gut gewürzt und verantwortungsvoll hergestellt werden sollen. Die reine Preisdiskussion verliere man immer, sagte Häuserer, denn irgendwo gebe es immer jemanden, der billiger sei.

Wichtig ist ihm deshalb Transparenz. Kundinnen und Kunden fragten durchaus nach, woher Fleisch und Wurst stammen. Der Verkauf müsse solche Fragen beantworten können. „Ich weiß nicht“ sei keine gute Antwort. Herkunft, Qualität und Beratung gehören für Häuserer zusammen. Dazu zählt auch, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Eigeninitiative zeigen, Produkte kennenlernen und Fragen stellen. Nur so könne Beratung glaubwürdig funktionieren. Wer hinter der Theke stehe, müsse wissen, was er verkauft.

Zum Ende des BistroTalks wurde es noch einmal leichter. Thema war unter anderem die Playmobil-Sonderfigur eines Metzgermeisters, die im Laden verkauft wurde und als Sympathieträger offenbar bestens funktionierte. Die Figuren seien schnell vergriffen gewesen. Häuserer erzählte lachend, dass seine Mitarbeiterinnen nun auf eine passende Verkäuferinnen-Figur hofften. Auch das passte zum Gesamtbild dieses Gesprächs: Es ging um Handwerk, Verantwortung und wirtschaftliche Realität, aber immer wieder auch um Humor, Teamgeist und die Freude an einem Beruf, der tief in der Region verwurzelt ist.

Der BistroTalk mit Alexander Häuserer zeigte einen Metzgermeister, der Tradition und Veränderung nicht als Gegensätze versteht. Er kommt aus einer alten Metzgerfamilie, denkt aber über 24-Stunden-Angebote, Social Media, Mitarbeiterwohnungen, neue Produkte und moderne Verkaufskonzepte nach. Er steht für handwerkliche Qualität, weiß aber auch, dass ein Betrieb heute mehr leisten muss als früher. Am Ende blieb der Eindruck eines Unternehmers, der mit großem persönlichen Einsatz arbeitet, sein Team ernst nimmt, den Standort Gernlinden stärken will und trotz aller Herausforderungen an die Zukunft des Metzgerhandwerks glaubt.

Der nächste BistroTalk in Youtube mit Evi Huttenlohrer, dritte Bürgermeisterin Maisach, im sixtyfour ist am Mittwoch, 10. Juni, 18 Uhr online und in Maisach.

BistroTalk: Mit Herz, Ideen und ganz viel Liebe zu Büchern: Beate Seyschab macht die Maisacher Bücherei zu einem Ort voller Leben

2. April 2026

Im Bistro SixtyFour in Maisach war diesmal ein Gast zu Besuch, der keinen weiten Anreiseweg hatte: Beate Seyschab, Leiterin der Gemeindebücherei Maisach. Die Bücherei liegt nur 50 Meter vom Bistro entfernt. Im Gespräch mit mir wurde schnell deutlich, wie lebendig, vielseitig und wichtig die Bücherei für das Gemeindeleben ist. Gleich zu Beginn verwies Seyschab auf ein aktuelles Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt: den gemeinsam gestarteten Podcast „Seitensprung“, der sich rund um Bücher und Bücherthemen dreht. Darüber hinaus sei der Alltag in der Bücherei aber ohnehin stets abwechslungsreich – mit Ausleihbetrieb, Veranstaltungen, Autorenlesungen und Vorleseaktionen in Kindergärten. Hier die komplette Aufzeichnung des BistroTalks.

Besonders erfreulich sei derzeit die enge Zusammenarbeit mit den Kindergärten im Ort. Seyschab besucht die Einrichtungen regelmäßig zum Vorlesen und organisiert für Vorschulkinder den sogenannten Büchereiführerschein. Dabei lernen die Kinder spielerisch, wie eine Bücherei funktioniert, wie man mit Büchern umgeht und was die Einrichtung alles zu bieten hat. Für viele Kinder sei die Bücherei bereits durch ihre Familien vertraut, andere dagegen hätten mit Büchern bislang kaum Berührungspunkte gehabt. Gerade darin sieht Seyschab eine wichtige Aufgabe: Kindern früh den Zugang zum Lesen und zu Büchern zu ermöglichen. Wenn sie anschließend mit ihrem Büchereiführerschein in die Bücherei kommen und ihren Eltern zeigen, was sie gelernt haben, sei das immer wieder ein schönes Erlebnis.

Im Verlauf des Gesprächs wurde deutlich, wie eng Seyschabs eigene Lebensgeschichte mit Büchern und Büchereien verbunden ist. Schon als Kind habe sie jede freie Minute in der kleinen Zweigstelle ihrer Heimatbibliothek verbracht. Daraus entstand schließlich der Wunsch, selbst in diesem Bereich zu arbeiten. Heute, nach jahrzehntelanger Berufserfahrung, sagt sie noch immer mit Überzeugung, dass sie ihren Beruf liebt. Der Reiz liege für sie in der Vielseitigkeit: vom Medieneinkauf über Veranstaltungsorganisation bis hin zu ganz praktischen Aufgaben im Haus sei kein Tag wie der andere.

Auch über die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit sprach Seyschab offen. Als Teil der Gemeindeverwaltung sei die Bücherei zwar organisatorisch eingebunden, arbeite aber in vielen Bereichen ganz anders als das Rathaus. Gleichzeitig spüre natürlich auch die Bücherei die angespannte Finanzlage der Kommunen. Am Personal werde zwar nicht gespart, beim Medienetat gebe es aber Einschränkungen. Dennoch sei sie dankbar für die Möglichkeiten, die sie habe, und könne eigenverantwortlich entscheiden, welche Bücher und Medien angeschafft werden. Dabei verlasse sie sich auf Erfahrung, Gespür und die Beobachtung dessen, was die Menschen vor Ort tatsächlich lesen und nachfragen.

Dass eine Gemeindebücherei heute längst mehr ist als ein Ort für Bücher, wurde im Gespräch ebenfalls deutlich. Zwar gehören Bücher weiterhin zum Kern des Angebots, doch daneben gibt es in Maisach auch Hörbücher, Musik-CDs, DVDs, Tonie-Figuren und verschiedene weitere Medien. Gerade die Tonies seien derzeit ein absoluter Renner. Mehr als 800 Figuren hat die Bücherei inzwischen im Bestand, und die Ausleihzahlen sind enorm. DVDs dagegen hätten seit der Corona-Zeit stark an Bedeutung verloren – vor allem wegen der Streaming-Angebote. Diese Entwicklung habe sie durchaus überrascht, sagte Seyschab. Auch dass viele Haushalte heute nicht einmal mehr einen CD-Player besitzen, sei für sie noch immer bemerkenswert.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Rolle der Bücherei als sozialer Ort. Seyschab bezeichnet die Gemeindebücherei gern als „Wohnzimmer des Ortes“. Menschen sollen dort nicht nur Medien ausleihen, sondern sich auch treffen, ins Gespräch kommen, verweilen und an Veranstaltungen teilnehmen. Tatsächlich hat sich die Bücherei in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Ort der Begegnung entwickelt. Lesungen, Tauschbörsen, Vorträge, Kinderaktionen und Sonderveranstaltungen gehören inzwischen fest zum Programm. Seyschab berichtete etwa von Harry-Potter-Tagen, Lesenächten und besonderen Aktionen wie der „Langen Nacht der Büchereien“.

Mit viel Begeisterung sprach sie auch über kreative Ideen, die den Büchereialltag bereichern. Dazu zählt etwa das „Blind Date mit einem Buch“. Neue Bücher werden dabei in Papier eingeschlagen und nur mit wenigen Stichworten versehen. Wer sich darauf einlässt, leiht ein Buch aus, ohne Titel oder Autor zu kennen, und entdeckt so vielleicht einmal etwas ganz Neues. Seyschab erzählte, dass diese Aktion bei vielen gut ankommt, auch wenn manche zunächst skeptisch reagieren. Gerade darin liege aber der Reiz: Leserinnen und Leser aus ihren Gewohnheiten herauszulocken und neue literarische Wege zu eröffnen.

Auch das Thema Lesegewohnheiten kam zur Sprache. Seyschab beobachtet, dass klassische Kinder- und Jugendbücher wie „Hanni und Nanni“ oder die „Fünf Freunde“ heute deutlich weniger gefragt sind. Andere Stoffe und modernere Themen hätten diese Reihen abgelöst. Bei Erwachsenen seien ebenfalls neue Vorlieben erkennbar, etwa für Lokalkrimis oder True-Crime-Stoffe. Klassiker würden zwar geschätzt, aber weit weniger ausgeliehen. Insgesamt gelte: Die Bücherei müsse sich ständig mit den Interessen und Bedürfnissen ihrer Nutzerinnen und Nutzer weiterentwickeln.

Zugleich wurde auch deutlich, dass Seyschab ihre Arbeit mit einem klaren Verantwortungsgefühl ausübt. Sie berät Leserinnen und Leser individuell, spricht Empfehlungen aus und achtet gerade bei Kindern und Jugendlichen auch auf altersgerechte Inhalte. Bei bestimmten Büchern oder Mangas gebe es daher klare Hinweise oder Grenzen. Regeln gehörten für sie durchaus dazu – auch wenn die Bücherei ein offener und einladender Ort sein solle.

Zum Schluss sprach Seyschab noch über die Tauschbörsen, die in der Bücherei regelmäßig stattfinden. Ob Weihnachtsdekoration oder Osterartikel – viele Menschen bringen Dinge vorbei, die sie selbst nicht mehr benötigen, und andere freuen sich darüber. Entstanden sei diese Idee einst ganz pragmatisch, nachdem Dekoration aus dem Lesecafé verschwunden war. Inzwischen sind die Tauschbörsen zu einer beliebten Einrichtung geworden, die ebenfalls den Gemeinschaftsgedanken stärkt. Vielleicht, so verriet Seyschab, werde es künftig sogar einmal eine Börse für Gartendeko geben.

So zeigte der BistroTalk eindrucksvoll, dass die Gemeindebücherei Maisach weit mehr ist als ein Ort zum Bücherleihen. Sie ist Treffpunkt, Kulturort, Wohnzimmer, Ideenschmiede und für viele Menschen ein Stück Heimat mitten im Ort. Beate Seyschab gelingt es mit spürbarer Leidenschaft, diesen Ort lebendig zu halten und immer wieder neu mit Leben zu füllen.

Dombo bewegt – Wo Gesundheit in Maisach lebendig wird

20. November 2025

Ich steige verstärkt in Podcasts ein und mit meinem neuen Kunden Norman Dombo vom Zentrum für Gesundheit Dombo habe ich abgesprochen, dass wir zweimal im Monat einen Videopodcast aufnehmen. Ein Videopodcast ist ein Podcast, der nicht nur Ton, sondern auch Bewegtbild enthält. Er verbindet also klassische Podcast-Elemente wie Gespräche, Interviews oder Moderationen mit Videoaufnahmen. Ein Videopodcast ist im Grunde eine Talk- oder Informationssendung im Videoformat, die regelmäßig erscheint und online abgerufen werden kann – meist über Plattformen wie YouTube.

Die Vorteile für uns sind: Man sieht Mimik, Gestik und Präsentationen und die Inhalte wirken persönlicher und oft dynamischer. Heute nehme ich eine neue Folge auf.

Hier der Inhalt des ersten Podcasts: Der neue Podcast „Dombo bewegt“ aus Maisach startet mit einem Gespräch zwischen Matthias J. Lange und Norman Dombo, dem Mitinhaber des Zentrums für Gesundheit Dombo. Norman Dombo erklärt, dass der Titel des Podcasts das zentrale Anliegen ihres Unternehmens widerspiegelt: Menschen in Bewegung zu bringen – sei es durch Physiotherapie oder durch gezieltes Training. Das Zentrum für Gesundheit besteht seit über 30 Jahren in Maisach. Ursprünglich als reine Physiotherapie gegründet, wurde das Angebot im Laufe der Zeit um einen modernen Trainingsbereich erweitert.

Norman Dombo selbst ist kein Physiotherapeut, sondern kam über Umwege in die Branche. Er arbeitete zunächst im Vertrieb von Gesundheits- und Sportartikeln, unterstützte parallel die physiotherapeutische Arbeit seiner Frau und bildete sich schließlich weiter – zunächst zum Schlafberater, später zum Trainer und Meal-on-Coach.

Im Gespräch berichtet er, dass das Zentrum nicht immer am heutigen Standort angesiedelt war. Der Start erfolgte im Gewerbegebiet, damals noch im ersten Obergeschoss und nicht barrierefrei. Vor rund zwölf Jahren zog das Unternehmen in die Frauenstraße 31 um, wo sich nun ein ebenerdiger, barrierefreier Zugang befindet. Die gute Verkehrsanbindung und die zahlreichen Parkplätze vor Ort erleichtern vielen Kundinnen und Kunden aus Maisach und den umliegenden Ortsteilen den Besuch.

Norman Dombo betont, dass sich das Zentrum bewusst nicht als Fitnessstudio versteht. Zwar ähnelt das Equipment dem eines Studios, doch die Betreuung, die dahinterstehende Software und die Auswertungsmöglichkeiten unterscheiden sich grundlegend. Die Geräte erfassen Trainingsdaten, dokumentieren Bewegungswinkel, Belastungen und die korrekte Ausführung. Dadurch können individuelle Einschränkungen – etwa nach Operationen oder Verletzungen – berücksichtigt und präzise eingestellt werden. Die Mitglieder trainieren nicht allein, sondern werden durch fachlich qualifiziertes Personal begleitet: Physiotherapeutinnen, Sporttherapeuten und Personal Trainer überwachen den Trainingsfortschritt und führen regelmäßige Rechecks durch, um Parameter anzupassen und das Training gezielt weiterzuentwickeln.

Die Öffnungszeiten des Trainingsbereichs liegen im Wesentlichen zwischen 8 und 20 Uhr, lediglich mittwochs und freitags wird etwas früher geschlossen. Neue Kundinnen und Kunden benötigen einen Termin, damit ausreichend Zeit für die Erstanalyse und das Einrichten der Geräte bleibt.

Der Podcast wird künftig weitere Themen aufgreifen, etwa Gebührenrezepte, Vertragsmodelle oder eine Vorstellung der Trainingsgeräte. Da die Aufnahme direkt im laufenden Studio stattfindet, sind Hintergrundgeräusche Teil des authentischen Formats. „Dombo bewegt“ soll künftig nicht nur vor Ort, sondern auch online neue Impulse geben.