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Podcast: Mehr als nur Bücher – Wie die Gemeindebücherei Maisach mit Herz und Ideen begeistert

8. April 2026

In der zweiten Folge des Podcasts „Seitensprung“ der Gemeindebücherei Maisach sprechen Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange über die Arbeit hinter den Kulissen der Bibliothek, über neue Bücher, Lesergewohnheiten und kommende Veranstaltungen. Nach der erfolgreichen ersten Ausgabe, die ausschließlich positive Resonanz erhielt, war für beide schnell klar, dass der Podcast als monatliches Format weitergeführt wird. Diesmal geht es direkt ins „Allerheiligste“, in Beate Seyschabs Büro, wo zwischen Bücherkisten und Neuerscheinungen deutlich wird, wie viel Organisation und Auswahl hinter dem Angebot der Gemeindebücherei steckt. Hier die zweite Folge des Podcasts:

Beate Seyschab erzählt, dass sie jede Woche neue Bücher bestellt, bewusst über den örtlichen Buchhandel und nicht über große Online-Konzerne. Ihr ist wichtig, die Strukturen vor Ort zu stärken und mit lokalen Partnern zusammenzuarbeiten, die die Bücherei auch bei Veranstaltungen unterstützen. Bei der Auswahl neuer Titel verlässt sie sich nicht nur auf feste Bestseller-Listen, sondern vor allem auf Erfahrung, Bauchgefühl und auf das, was die Leserinnen und Leser wünschen. Viele Anregungen kommen direkt aus Gesprächen in der Bücherei, wenn Besucher nach bestimmten Neuerscheinungen, Fortsetzungen oder Themen fragen. Genau dieses Gespür für den Ort und seine Menschen macht für sie gute Büchereiarbeit aus.

Im weiteren Gespräch geht es um die große Vielfalt des Bestands, etwa im Bereich Kochen, Backen und Haushalt. Seyschab berichtet, dass Kochbücher nach wie vor stark gefragt sind – von Familien über Singles bis hin zu Kindern, die mit eigenen Kinderkochbüchern erste Erfahrungen sammeln. Gerade seit der Corona-Zeit beobachtet sie ein wachsendes Interesse am Selberkochen. Präsentation spielt dabei eine wichtige Rolle: Bücher werden bewusst sichtbar und thematisch passend ausgestellt, damit Besucher auch Titel entdecken, nach denen sie gar nicht gezielt gesucht haben. Nicht nur Neuerscheinungen, sondern auch ältere Bestände können auf diese Weise wieder in Erinnerung gerufen werden.

Auch regionale Themen und Veranstaltungen kommen in der zweiten Podcast-Folge zur Sprache. So weist Beate Seyschab auf die kommende Lesung des Arbeitskreises Geschichte hin, der mit Texten aus dem Meisaha erneut in der Gemeindebücherei zu Gast sein wird. Außerdem kündigt sie die englische Vorlesestunde sowie die deutschsprachige Vorlesestunde an, zu denen alle Interessierten eingeladen sind. Gerade das niedrigschwellige Angebot der englischen Lesestunde soll Menschen ermutigen, ohne Leistungsdruck und ganz spielerisch in die Sprache hineinzuhören. Zum Schluss geht es noch um Lernhilfen für die anstehenden Prüfungen, wobei auch hier deutlich wird, dass die Bücherei nicht nur ein Ort für Literatur, sondern ebenso für praktische Unterstützung im Alltag ist.

Die zweite Folge von „Seitensprung“ zeigt damit erneut, wie lebendig, vielseitig und nahbar die Gemeindebücherei Maisach ist. Der Podcast verbindet Einblicke in den Alltag der Bücherei mit persönlichen Gesprächen, Veranstaltungstipps und der Begeisterung für Bücher. Zugleich macht er deutlich, dass eine moderne Gemeindebücherei weit mehr ist als ein Ort der Ausleihe – sie ist Treffpunkt, Kulturort und ein Stück gelebtes Gemeindeleben.

BistroTalk: Mit Herz, Ideen und ganz viel Liebe zu Büchern: Beate Seyschab macht die Maisacher Bücherei zu einem Ort voller Leben

2. April 2026

Im Bistro SixtyFour in Maisach war diesmal ein Gast zu Besuch, der keinen weiten Anreiseweg hatte: Beate Seyschab, Leiterin der Gemeindebücherei Maisach. Die Bücherei liegt nur 50 Meter vom Bistro entfernt. Im Gespräch mit mir wurde schnell deutlich, wie lebendig, vielseitig und wichtig die Bücherei für das Gemeindeleben ist. Gleich zu Beginn verwies Seyschab auf ein aktuelles Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt: den gemeinsam gestarteten Podcast „Seitensprung“, der sich rund um Bücher und Bücherthemen dreht. Darüber hinaus sei der Alltag in der Bücherei aber ohnehin stets abwechslungsreich – mit Ausleihbetrieb, Veranstaltungen, Autorenlesungen und Vorleseaktionen in Kindergärten. Hier die komplette Aufzeichnung des BistroTalks.

Besonders erfreulich sei derzeit die enge Zusammenarbeit mit den Kindergärten im Ort. Seyschab besucht die Einrichtungen regelmäßig zum Vorlesen und organisiert für Vorschulkinder den sogenannten Büchereiführerschein. Dabei lernen die Kinder spielerisch, wie eine Bücherei funktioniert, wie man mit Büchern umgeht und was die Einrichtung alles zu bieten hat. Für viele Kinder sei die Bücherei bereits durch ihre Familien vertraut, andere dagegen hätten mit Büchern bislang kaum Berührungspunkte gehabt. Gerade darin sieht Seyschab eine wichtige Aufgabe: Kindern früh den Zugang zum Lesen und zu Büchern zu ermöglichen. Wenn sie anschließend mit ihrem Büchereiführerschein in die Bücherei kommen und ihren Eltern zeigen, was sie gelernt haben, sei das immer wieder ein schönes Erlebnis.

Im Verlauf des Gesprächs wurde deutlich, wie eng Seyschabs eigene Lebensgeschichte mit Büchern und Büchereien verbunden ist. Schon als Kind habe sie jede freie Minute in der kleinen Zweigstelle ihrer Heimatbibliothek verbracht. Daraus entstand schließlich der Wunsch, selbst in diesem Bereich zu arbeiten. Heute, nach jahrzehntelanger Berufserfahrung, sagt sie noch immer mit Überzeugung, dass sie ihren Beruf liebt. Der Reiz liege für sie in der Vielseitigkeit: vom Medieneinkauf über Veranstaltungsorganisation bis hin zu ganz praktischen Aufgaben im Haus sei kein Tag wie der andere.

Auch über die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit sprach Seyschab offen. Als Teil der Gemeindeverwaltung sei die Bücherei zwar organisatorisch eingebunden, arbeite aber in vielen Bereichen ganz anders als das Rathaus. Gleichzeitig spüre natürlich auch die Bücherei die angespannte Finanzlage der Kommunen. Am Personal werde zwar nicht gespart, beim Medienetat gebe es aber Einschränkungen. Dennoch sei sie dankbar für die Möglichkeiten, die sie habe, und könne eigenverantwortlich entscheiden, welche Bücher und Medien angeschafft werden. Dabei verlasse sie sich auf Erfahrung, Gespür und die Beobachtung dessen, was die Menschen vor Ort tatsächlich lesen und nachfragen.

Dass eine Gemeindebücherei heute längst mehr ist als ein Ort für Bücher, wurde im Gespräch ebenfalls deutlich. Zwar gehören Bücher weiterhin zum Kern des Angebots, doch daneben gibt es in Maisach auch Hörbücher, Musik-CDs, DVDs, Tonie-Figuren und verschiedene weitere Medien. Gerade die Tonies seien derzeit ein absoluter Renner. Mehr als 800 Figuren hat die Bücherei inzwischen im Bestand, und die Ausleihzahlen sind enorm. DVDs dagegen hätten seit der Corona-Zeit stark an Bedeutung verloren – vor allem wegen der Streaming-Angebote. Diese Entwicklung habe sie durchaus überrascht, sagte Seyschab. Auch dass viele Haushalte heute nicht einmal mehr einen CD-Player besitzen, sei für sie noch immer bemerkenswert.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Rolle der Bücherei als sozialer Ort. Seyschab bezeichnet die Gemeindebücherei gern als „Wohnzimmer des Ortes“. Menschen sollen dort nicht nur Medien ausleihen, sondern sich auch treffen, ins Gespräch kommen, verweilen und an Veranstaltungen teilnehmen. Tatsächlich hat sich die Bücherei in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Ort der Begegnung entwickelt. Lesungen, Tauschbörsen, Vorträge, Kinderaktionen und Sonderveranstaltungen gehören inzwischen fest zum Programm. Seyschab berichtete etwa von Harry-Potter-Tagen, Lesenächten und besonderen Aktionen wie der „Langen Nacht der Büchereien“.

Mit viel Begeisterung sprach sie auch über kreative Ideen, die den Büchereialltag bereichern. Dazu zählt etwa das „Blind Date mit einem Buch“. Neue Bücher werden dabei in Papier eingeschlagen und nur mit wenigen Stichworten versehen. Wer sich darauf einlässt, leiht ein Buch aus, ohne Titel oder Autor zu kennen, und entdeckt so vielleicht einmal etwas ganz Neues. Seyschab erzählte, dass diese Aktion bei vielen gut ankommt, auch wenn manche zunächst skeptisch reagieren. Gerade darin liege aber der Reiz: Leserinnen und Leser aus ihren Gewohnheiten herauszulocken und neue literarische Wege zu eröffnen.

Auch das Thema Lesegewohnheiten kam zur Sprache. Seyschab beobachtet, dass klassische Kinder- und Jugendbücher wie „Hanni und Nanni“ oder die „Fünf Freunde“ heute deutlich weniger gefragt sind. Andere Stoffe und modernere Themen hätten diese Reihen abgelöst. Bei Erwachsenen seien ebenfalls neue Vorlieben erkennbar, etwa für Lokalkrimis oder True-Crime-Stoffe. Klassiker würden zwar geschätzt, aber weit weniger ausgeliehen. Insgesamt gelte: Die Bücherei müsse sich ständig mit den Interessen und Bedürfnissen ihrer Nutzerinnen und Nutzer weiterentwickeln.

Zugleich wurde auch deutlich, dass Seyschab ihre Arbeit mit einem klaren Verantwortungsgefühl ausübt. Sie berät Leserinnen und Leser individuell, spricht Empfehlungen aus und achtet gerade bei Kindern und Jugendlichen auch auf altersgerechte Inhalte. Bei bestimmten Büchern oder Mangas gebe es daher klare Hinweise oder Grenzen. Regeln gehörten für sie durchaus dazu – auch wenn die Bücherei ein offener und einladender Ort sein solle.

Zum Schluss sprach Seyschab noch über die Tauschbörsen, die in der Bücherei regelmäßig stattfinden. Ob Weihnachtsdekoration oder Osterartikel – viele Menschen bringen Dinge vorbei, die sie selbst nicht mehr benötigen, und andere freuen sich darüber. Entstanden sei diese Idee einst ganz pragmatisch, nachdem Dekoration aus dem Lesecafé verschwunden war. Inzwischen sind die Tauschbörsen zu einer beliebten Einrichtung geworden, die ebenfalls den Gemeinschaftsgedanken stärkt. Vielleicht, so verriet Seyschab, werde es künftig sogar einmal eine Börse für Gartendeko geben.

So zeigte der BistroTalk eindrucksvoll, dass die Gemeindebücherei Maisach weit mehr ist als ein Ort zum Bücherleihen. Sie ist Treffpunkt, Kulturort, Wohnzimmer, Ideenschmiede und für viele Menschen ein Stück Heimat mitten im Ort. Beate Seyschab gelingt es mit spürbarer Leidenschaft, diesen Ort lebendig zu halten und immer wieder neu mit Leben zu füllen.

Burg Landeck – wo Geschichte atmet und die Seele der Pfalz den Himmel berührt

20. August 2025

Urlaub in der Südpfalz. Das bedeutet gutes Essen, guter Wein und Burgen soweit das Auge reicht. Beeindruckt hat mich die Burg Landeck. Die Burg Landeck thront hoch über der malerischen Weinlandschaft der Südpfalz, unweit des idyllischen Winzerdorfes Klingenmünster.

Schon von weitem ist ihre imposante Silhouette zu erkennen, die sich stolz gegen den Himmel abzeichnet und Besuchern einen Eindruck davon vermittelt, welche Bedeutung die Anlage einst hatte. Errichtet wurde die Burg im frühen 12. Jahrhundert als Reichsburg, die sowohl Schutzfunktion erfüllte als auch ein sichtbares Zeichen kaiserlicher Macht darstellte. Strategisch günstig auf einem Bergsporn gelegen, bot sie einen weiten Blick über das Rheintal bis hinüber zum Schwarzwald und spielte über Jahrhunderte hinweg eine zentrale Rolle in der Geschichte der Region.

Heute ist die Burg Landeck ein Zeugnis mittelalterlicher Baukunst und eine der besterhaltenen Burgruinen der Pfalz. Mächtige Mauern, Toranlagen und der Bergfried sind noch erhalten und vermitteln ein anschauliches Bild mittelalterlicher Wehrarchitektur. Von den Zinnen der Ruine eröffnet sich ein grandioser Panoramablick über die Weinberge, die Rheinebene und bei klarem Wetter bis zu den Vogesen – ein Anblick, der den Besucher die Geschichte der Region unmittelbar spüren lässt.

Besonders reizvoll ist die Burg nicht nur als historisches Denkmal, sondern auch als lebendiger Kulturort. Regelmäßig finden hier Führungen, Mittelaltermärkte, Konzerte und Feste statt, die die Vergangenheit aufleben lassen und die altehrwürdigen Mauern mit Leben füllen. In der Burgschänke können Gäste regionale Weine und eigentlich Pfälzer Spezialitäten genießen (wobei es bei unserem Besuch gebackenes Fischfilet gab), während sie den Blick über die sanfte Hügellandschaft schweifen lassen. Damit ist Burg Landeck nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein Ort der Begegnung, an dem Geschichte, Kultur und Genuss harmonisch ineinandergreifen.

Die Anlage selbst war ursprünglich von beachtlicher Größe und gehörte zu den bedeutendsten Burgen der Pfalz. Ihre starken Mauern, Wehrtürme und der imposante Bergfried boten Schutz gegen Angreifer, während die innere Bebauung mit Palas, Kapelle und Wirtschaftsgebäuden den Alltag der Burgbewohner prägte. Über die Jahrhunderte wechselten die Herren von Landeck mehrfach, und die Burg wurde in kriegerischen Auseinandersetzungen wiederholt beschädigt und erneuert. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg Ende des 17. Jahrhunderts schließlich wurde die Burg stark zerstört und verfiel in den folgenden Jahrhunderten zunehmend zur Ruine.

Die mächtigen Mauern und Türme, die den Jahrhunderten trotzten, sind wie Zeitzeugen, die leise vom Glanz und Leid vergangener Tage erzählen. Wenn der Wind durch die offenen Fensterhöhlen streicht, scheint es, als würde er längst verklungene Stimmen zurückbringen. Und wer den Bergfried erklimmt, wird mit einem Panorama belohnt, das Herzen höherschlagen lässt: die Weite der Rheinebene, das zarte Blau der Vogesen am Horizont und die Reben, die sich wie ein grünes Meer zu Füßen der Burg ausbreiten.

Die Burg Landeck ist damit weit mehr als nur eine Ruine: Sie ist ein Symbol für die wechselvolle Geschichte der Pfalz, für den Stolz und die Wehrhaftigkeit vergangener Jahrhunderte und zugleich ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise zusammenfinden.