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BistroTalk: Mit Herz, Ideen und ganz viel Liebe zu Büchern: Beate Seyschab macht die Maisacher Bücherei zu einem Ort voller Leben

2. April 2026

Im Bistro SixtyFour in Maisach war diesmal ein Gast zu Besuch, der keinen weiten Anreiseweg hatte: Beate Seyschab, Leiterin der Gemeindebücherei Maisach. Die Bücherei liegt nur 50 Meter vom Bistro entfernt. Im Gespräch mit mir wurde schnell deutlich, wie lebendig, vielseitig und wichtig die Bücherei für das Gemeindeleben ist. Gleich zu Beginn verwies Seyschab auf ein aktuelles Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt: den gemeinsam gestarteten Podcast „Seitensprung“, der sich rund um Bücher und Bücherthemen dreht. Darüber hinaus sei der Alltag in der Bücherei aber ohnehin stets abwechslungsreich – mit Ausleihbetrieb, Veranstaltungen, Autorenlesungen und Vorleseaktionen in Kindergärten. Hier die komplette Aufzeichnung des BistroTalks.

Besonders erfreulich sei derzeit die enge Zusammenarbeit mit den Kindergärten im Ort. Seyschab besucht die Einrichtungen regelmäßig zum Vorlesen und organisiert für Vorschulkinder den sogenannten Büchereiführerschein. Dabei lernen die Kinder spielerisch, wie eine Bücherei funktioniert, wie man mit Büchern umgeht und was die Einrichtung alles zu bieten hat. Für viele Kinder sei die Bücherei bereits durch ihre Familien vertraut, andere dagegen hätten mit Büchern bislang kaum Berührungspunkte gehabt. Gerade darin sieht Seyschab eine wichtige Aufgabe: Kindern früh den Zugang zum Lesen und zu Büchern zu ermöglichen. Wenn sie anschließend mit ihrem Büchereiführerschein in die Bücherei kommen und ihren Eltern zeigen, was sie gelernt haben, sei das immer wieder ein schönes Erlebnis.

Im Verlauf des Gesprächs wurde deutlich, wie eng Seyschabs eigene Lebensgeschichte mit Büchern und Büchereien verbunden ist. Schon als Kind habe sie jede freie Minute in der kleinen Zweigstelle ihrer Heimatbibliothek verbracht. Daraus entstand schließlich der Wunsch, selbst in diesem Bereich zu arbeiten. Heute, nach jahrzehntelanger Berufserfahrung, sagt sie noch immer mit Überzeugung, dass sie ihren Beruf liebt. Der Reiz liege für sie in der Vielseitigkeit: vom Medieneinkauf über Veranstaltungsorganisation bis hin zu ganz praktischen Aufgaben im Haus sei kein Tag wie der andere.

Auch über die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit sprach Seyschab offen. Als Teil der Gemeindeverwaltung sei die Bücherei zwar organisatorisch eingebunden, arbeite aber in vielen Bereichen ganz anders als das Rathaus. Gleichzeitig spüre natürlich auch die Bücherei die angespannte Finanzlage der Kommunen. Am Personal werde zwar nicht gespart, beim Medienetat gebe es aber Einschränkungen. Dennoch sei sie dankbar für die Möglichkeiten, die sie habe, und könne eigenverantwortlich entscheiden, welche Bücher und Medien angeschafft werden. Dabei verlasse sie sich auf Erfahrung, Gespür und die Beobachtung dessen, was die Menschen vor Ort tatsächlich lesen und nachfragen.

Dass eine Gemeindebücherei heute längst mehr ist als ein Ort für Bücher, wurde im Gespräch ebenfalls deutlich. Zwar gehören Bücher weiterhin zum Kern des Angebots, doch daneben gibt es in Maisach auch Hörbücher, Musik-CDs, DVDs, Tonie-Figuren und verschiedene weitere Medien. Gerade die Tonies seien derzeit ein absoluter Renner. Mehr als 800 Figuren hat die Bücherei inzwischen im Bestand, und die Ausleihzahlen sind enorm. DVDs dagegen hätten seit der Corona-Zeit stark an Bedeutung verloren – vor allem wegen der Streaming-Angebote. Diese Entwicklung habe sie durchaus überrascht, sagte Seyschab. Auch dass viele Haushalte heute nicht einmal mehr einen CD-Player besitzen, sei für sie noch immer bemerkenswert.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Rolle der Bücherei als sozialer Ort. Seyschab bezeichnet die Gemeindebücherei gern als „Wohnzimmer des Ortes“. Menschen sollen dort nicht nur Medien ausleihen, sondern sich auch treffen, ins Gespräch kommen, verweilen und an Veranstaltungen teilnehmen. Tatsächlich hat sich die Bücherei in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Ort der Begegnung entwickelt. Lesungen, Tauschbörsen, Vorträge, Kinderaktionen und Sonderveranstaltungen gehören inzwischen fest zum Programm. Seyschab berichtete etwa von Harry-Potter-Tagen, Lesenächten und besonderen Aktionen wie der „Langen Nacht der Büchereien“.

Mit viel Begeisterung sprach sie auch über kreative Ideen, die den Büchereialltag bereichern. Dazu zählt etwa das „Blind Date mit einem Buch“. Neue Bücher werden dabei in Papier eingeschlagen und nur mit wenigen Stichworten versehen. Wer sich darauf einlässt, leiht ein Buch aus, ohne Titel oder Autor zu kennen, und entdeckt so vielleicht einmal etwas ganz Neues. Seyschab erzählte, dass diese Aktion bei vielen gut ankommt, auch wenn manche zunächst skeptisch reagieren. Gerade darin liege aber der Reiz: Leserinnen und Leser aus ihren Gewohnheiten herauszulocken und neue literarische Wege zu eröffnen.

Auch das Thema Lesegewohnheiten kam zur Sprache. Seyschab beobachtet, dass klassische Kinder- und Jugendbücher wie „Hanni und Nanni“ oder die „Fünf Freunde“ heute deutlich weniger gefragt sind. Andere Stoffe und modernere Themen hätten diese Reihen abgelöst. Bei Erwachsenen seien ebenfalls neue Vorlieben erkennbar, etwa für Lokalkrimis oder True-Crime-Stoffe. Klassiker würden zwar geschätzt, aber weit weniger ausgeliehen. Insgesamt gelte: Die Bücherei müsse sich ständig mit den Interessen und Bedürfnissen ihrer Nutzerinnen und Nutzer weiterentwickeln.

Zugleich wurde auch deutlich, dass Seyschab ihre Arbeit mit einem klaren Verantwortungsgefühl ausübt. Sie berät Leserinnen und Leser individuell, spricht Empfehlungen aus und achtet gerade bei Kindern und Jugendlichen auch auf altersgerechte Inhalte. Bei bestimmten Büchern oder Mangas gebe es daher klare Hinweise oder Grenzen. Regeln gehörten für sie durchaus dazu – auch wenn die Bücherei ein offener und einladender Ort sein solle.

Zum Schluss sprach Seyschab noch über die Tauschbörsen, die in der Bücherei regelmäßig stattfinden. Ob Weihnachtsdekoration oder Osterartikel – viele Menschen bringen Dinge vorbei, die sie selbst nicht mehr benötigen, und andere freuen sich darüber. Entstanden sei diese Idee einst ganz pragmatisch, nachdem Dekoration aus dem Lesecafé verschwunden war. Inzwischen sind die Tauschbörsen zu einer beliebten Einrichtung geworden, die ebenfalls den Gemeinschaftsgedanken stärkt. Vielleicht, so verriet Seyschab, werde es künftig sogar einmal eine Börse für Gartendeko geben.

So zeigte der BistroTalk eindrucksvoll, dass die Gemeindebücherei Maisach weit mehr ist als ein Ort zum Bücherleihen. Sie ist Treffpunkt, Kulturort, Wohnzimmer, Ideenschmiede und für viele Menschen ein Stück Heimat mitten im Ort. Beate Seyschab gelingt es mit spürbarer Leidenschaft, diesen Ort lebendig zu halten und immer wieder neu mit Leben zu füllen.

Comics total und ich darf hin

3. Juni 2010

Und da sage noch einer, bei den Franken ist nix los. Der 14. Internationale Comic-Salon Erlangen, das wichtigste Festival für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum, findet ab 3. Juni wieder statt. Ausstellungen, Comic-Messe, Comic-Börse, Comic-Künstler, Max und Moritz-Preis, Comic Film Fest, Comic Podium, Junges Forum, Familien-Sonntag, Lesungen, Performances, Workshops …

Auf über 12.000 Quadratmetern wird sich vier Tage lang alles um die „Neunte Kunst“ drehen. Und ich liebe diese Kunst. Comics haben durch das iPad neuen Zulauf bekommen, denn wer einmal die Marvel App geladen hat, freut sich auf Comics im digitalen Stil. Auch das Comiczeichnen hat sich verändert. Waren früher Blockund Stift die Arbeitsmaterialien sind es heute Grafiktablett und Zeichensoftware. Ich habe einige Comcis-Zeichner erlebt, die mit 3D-Software arbeiten. Mal sehen, wie es in Erlangen wird.

Rund 150 Aussteller präsentieren ihr Programm auf der Messe im Erlanger Kongresszentrum, mehr als 350 Comic-Künstler aus über 20 Ländern sind vor Ort und signieren ihre Bücher. In rund 30 Ausstellungen in der ganzen Erlanger Innenstadt sind Tausende von Exponaten zu sehen, 130 Veranstaltungen zählt das Programm – von der Vortragsreihe zum Thema Comic und Politik, über Gesprächsrunden zu Themen des Comic-Markts bis zum Comic Film Fest in den Erlanger Kinos. Der Familien-Sonntag am 6. Juni bietet zu ermäßigten Eintrittspreisen ein vielfältiges Programm für Kinder und Jugendliche, vom Manga-Workshop bis zur Comic-Druckwerkstatt. Rund 25.000 Besucher werden vom veranstaltenden Kulturprojektbüro der Stadt Erlangen zum 14. Internationalen Comic-Salon Erlangen insgesamt erwartet.

Die Ausstellung „Jahrhundert der Comics“ zeigt wertvolle Originale aus der Pionierzeit des US-amerikanischen Zeitungscomics, die Wiedergeburt des deutschen Zeitungs-Strips und der sechzigste Geburtstag der „Peanuts“ von Charles M. Schulz sind weitere Ausstellungsthemen. Die Schau „Mecki – sechzig Jahre Comic-Abenteuer“ des Wilhelm-Busch-Museums Hannover zeichnet in eindrucksvollen Originalen die Entwicklung des erfolgreichsten deutschen Zeitschriften-Comics des 20. Jahrhunderts nach. „Sechs Zeichner – Ein Autor“ ist der Titel einer weiteren zentralen Ausstellung des 14. Internationalen Comic-Salons: Am Beispiel des norddeutschen Schriftstellers Peer Meter und sechs Zeichnerinnen und Zeichner – unter anderem Isabel Kreitz und Barbara Yelin – erzählt sie von der komplexen Zusammenarbeit zwischen Zeichner und Comic-Szenarist und unterstreicht den Anspruch des Internationalen Comic-Salons, nicht allein die Grafik, sondern auch die literarische Qualität von Comics zu thematisieren. In Einzelausstellungen sind außerdem Nicolas Mahler, Jens Harder, Pascal Rabaté und Oliver Grajewski zu sehen, Themen wie „Comic und Religion“, deutsche Comic-Blogs und autobiografische Comics sind Gegenstand weiterer Ausstellungen.

Im Rahmen des Internationalen Comic-Salons wird auch der Max und Moritz-Preis, die wichtigste Comic-Auszeichnung im deutschsprachigen Raum, vergeben. Der Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk steht bereits fest: Er geht in diesem Jahr an den französischen Szenaristen Pierre Christin.