Posts Tagged ‘Vietnam’

Anforderungen an den Journalisten von heute – Dietmar Gaiser im Interview

8. Dezember 2014
Dietmar Gaiser (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42.

Dietmar Gaiser (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42.

Wie muss der Journalist der Gegenwart und Zukunft aussehen? Diese Frage stellte ich einen alten Hasen der Zunft: Dietmar Gaiser.
Gaiser ist gelernter Tageszeitungsjournalist, arbeitete im Lokalen im Allgäu, berichtete ein Jahr als Korrespondent aus Vietnam und schrieb später für die tz München. Später wechselte er zum Bayerischen Fernsehen und wurde richtig bekannt als Moderator verschiedener Sendungen wie Kunst und Krempel oder Bürgersendungen wie Jetzt red i. Hier zeigte sich vor allem seine Schlagfertigkeit. Noch heute arbeitet Dietmar Gaiser als Coach und Trainer.
Gaiser gibt dem Journalisten eine Chance, aber das Berufsbild hat sich dramatisch verändert. Ein Journalist müsse alle Kanäle ausnützen und seine Geschichten in den verschiedenen Formen erzählen. Jemand, der für eine Tageszeitung nur die schönen Geschichten schreiben will, der werde keine Chance am Arbeitsmarkt haben. Der Journalist von heute müsse in der Flut von Meldungen und Nachrichten Orientierung geben. Das werde mehr denn je benötigt.
Ich führte mit Dietmar Gaiser dieses Interview:

Predator im Hangar 7

6. Juli 2014

predator

Erst spät habe Ich den Film Predator zu schätzen gelernt. Dabei meine ich ausdrücklich den Film von John McTiernan aus dem Jahr 1987 mit Arnold Schwarzenegger. Alle Fortsetzungen und Crossovers und Variationen halte ich weiterhin für Müll – vor allem die Alien-Filme sind ein Verbrechen am Publikum.

Erst vor kurzem habe ich mir die Blu ray des Films ansehen und war wirklich gefesselt. Ich kann in dem Film natürlich einen harten Actionfilm sehen, aber auch eine sehr gute Parabel auf den Vietnamkrieg. Diese Parabel habe ich damals im Kino übersehen und eben erst vor kurzem auf Blu ray entdeckt. Schließlich spielt der Film ausschließlich im Dschungel und stellt die Aussichtslosigkeit der Kämpfer wunderbar dar. Die Bedrohung ist unsichtbar, kommt von allen Seiten und stellt sich nicht direkt zum Kampf – eben wie in Vietnam. Durch die Science Fiction-Elemente wie die feindlichen Außerirdischen kommt neuer Wind und eine neue Perspektive herein. Mir hat der Film nach Jahren endlich gefallen.

Wer ist das Monster?

Wer ist das Monster?

Um so überraschter war ich, als ich bei einem Besuch des PresseClubs Münchens im Hangar-7 in Salzburg eine riesige Statue eines Predators entdeckte. Sie steht etwas abseits beim Eingang zum Außenrestaurant. Der Ausstellungsbereich des Hangar-7 dient als Museum für die historischen Flieger der Flying Bulls und Formel-1-Rennboliden. Dort findet sich auch der Recycling Predator in der Ecke, dieser ist über zwei Meter groß und bewaffnet.

Eine Mitarbeiterin des Hangar-7 für unsere exklusive Führung des PresseCubs konnte leider keine Aussagen über die Figur treffen. Sie verwies auf die Marketing-Abteilung. Die Figur habe wohl dem charismatischen Chef der Flying Bulls Sigi Angerer gefallen und er habe sie gekauft und aufgestellt. Mir hat sie auf jeden Fall auch gefallen und ich habe auf gleich ein kleines Video gedreht – viel Spaß.

Taxi Driver: Redest du mit mir?

3. März 2012
Robert de Niro als Taxi Driver.

Robert de Niro als Taxi Driver.

„Redest du mit mir? Du laberst mich an? – Na, welcher Film ist das? „You talkin‘ to me?” Klar, es ist Martin Scorseses Meisterwerk Taxi Driver als dem Jahre 1976. Hier spielt ein genialer Robert de Niro einen kontaktarmen Taxifahrer, der sich in seine Psychosen hineinsteigert, bis er schließlich bewaffnet ausrastet. Hervorragend auch die Leistung der Neuentdeckung Jodie Foster, die damals erst 13 Jahr alt war und eine Nutte spielt.

Der Film ist weltberühmt und erhielt zahlreiche Preise. Ein Grund war die Kritik Scorseses an der amerikanischen Gesellschaft Mitte der siebziger Jahre. Es war nicht die Glitzerwelt von Abba, sondern die Verarbeitung ein trostloser Blick auf die US-Nation. Hier will ein verstörter Geist den Abschaum von der Straße waschen, wie es in Taxi Driver heißt. Der Vietnamkrieg war verloren und wurde zum Trauma, das Vertrauen in politische Institutionen war nach Watergate zerstört und die Wirtschaftskrise breitete sich aus. Entstanden ist ein gewalttätiger Film, der den Zuschauer verstört zurücklässt. Er zeigt eine verrückte, aus den Fugen geratene Welt: Der Killer wird am Ende als Held gefeiert, weil er die Nutte auf den Weg der Tugend zurückbringt.

Ich habe immer wieder die Bilder des Films in Erinnerung. Die Standfotos stammten von Steve Schapiro. Aber Schapiro hat noch viel viel bessere Bilder gemacht, als die paar Standfotos, die veröffentlicht wurden. Er hat am Set Hunderte von Bilder geschossen, vor und hinter den Kulissen. Zwei Bücher mit seinen Werken hat er bislang publiziert, „American Edge“ und „Schapiro’s Heroes“. In Hollywood hat er an mehr als 200 Filmen mitgearbeitet; zu seinen berühmtesten Filmplakaten zählen die zu Asphalt Cowboy, Taxi Driver, Eine Wahnsinnsfamilie und Der Pate III. Bei Taschen ist zu Taxi Driver vor längerem ein hervorragendes Buch mit den Bildern erschienen. Das Werk Taxi Driver ist auf 1000 Exemplare limitiert und wenn ich mir wieder etwas Besonderes gönne, dann ist es dieses Buch. Beim Durchblättern hat es die triste Stimmung des Filmes hervorragend eingefangen.

Limitiert auf 1000 Exemplare bei Taschen.

Limitiert auf 1000 Exemplare bei Taschen.

Immer wieder schaute ich mir den Film an. Hier passt einfach alles: Regie, Schauspieler, Set, Licht und die Musik – ja vor allem die Musik. Es war die unvergleichliche Musik von Bernard Herrmann, die zur Stimmung beiträgt. Und die Geschichte dahinter ist tragisch. Wenige Stunden nach dem Abschluss der Musikaufnahmen verstarb Herrmann am 24. Dezember 1975 im Schlaf. Taxi Driver bleibt sein letztes Meisterwerk, nachdem er viel Schrott für das Fernsehen aufnahm. Vor kurzem ist der Soundtrack in einer remasterten Neuauflage mit der Musik von Taxi Driver erschienen, die um vier Stücke länger ist als die 30 minütige alte Fassung. Und der Soundtrack war es, der den Film den letzten Schliff gab. Wir kennen alle das Werk von Herrmann in „Der Mann, der zuviel wusste“ oder natürlich „Psycho“ und anderen Hitchcock-Filmen. Der Duschmord in „Psycho“ wäre ohne die Suite von Herrmann längst nicht so durchschlagend gewesen. In Taxi Driver erinnert sich der Komponist an seine Leistungen von früher, spielte einen genialen Score ein und verstarb kurz nach der Aufnahme. Sicher wusste er, dass er etwas Großes geschaffen hatte und konnte so dieses Welt mit der Gewissheit verlassen, dass er es uns allen nocheinmal bewiesen hat. Es ist ein klassischer, dennoch verstörender Score mit Orchester, nicht so groß wie sonst, sondern eher bescheiden, gefühlvoller, jazziger. Herrmann bricht bei Taxi Driver mit seiner Tradition von opulenten Orchesterwerken und setzt auf Stimmung und Gefühl, unterbrochen von schrillen Klängen aus längst vergangenen Hitchcock-Zeiten. Saxophonist Tom Scotts wunderbar satte Interpretation des Titelthemas zeigt, zu welcher Leistung Herrmann noch am Ende imstande war. Der Film ist drückend, die Musik ist es noch viel mehr. Der Film wurde dem Andenken Bernard Herrmanns gewidmet. Mehr brauche ich eigentlich nicht zu sagen, außer: Genießt Taxi Driver.

Neu erschienen und überarbeitet: Der Soundtrack von Bernard Herrmann.

Neu erschienen und überarbeitet: Der Soundtrack von Bernard Herrmann.