Streaming: Musik direkt auf die Ohren

Ich bin ein-, zweimal pro Woche an bayerischen Schulen aller Schularten unterwegs und darf Vorträge zum Thema Medienkompetenz vor Schülern, Lehrern und Eltern halten. Zu Beginn frage ich in der Regel nach der Verbreitung von Handys und Smartphones sowie dem Nutzungsverhalten. Und siehe da, Smartphones sind bei der Schülergruppe absolut führend. Es gibt kaum noch klassische Mobiltelefone und kaum ein Schüler ab der fünften Klasse besitzt kein Mobiltelefon.
Und ich komme auch auf die Nutzung von Musik zu sprechen. Es freut mich, dass es bei den Schülern noch ein paar Verfechter des klassischen Vinyls gibt. Zumeist sind dies Schüler, die entweder die Schallplattensammlung von den Eltern samt Schallplattenspieler geerbt haben, oder die jungen Menschen sind finanziell potent, um sich dieses Hobby leisten zu können.

spotify
In der Regel wird Musik heute aber digital konsumiert. Und dabei fällt mir bei meinen Vorträgen weiter auf, dass die CDs auf absteigendem Ast sind. Downloadportale wie Amazon und iTunes sind führend, wenn Musik legal gekauft wird. Und es kommen mehr und mehr Streaming-Dienste bei den Jugendlichen an. Sie treffen ihren Geschmack. Der Typus Jäger und Sammler (wie ich ganz klar einer bin), wird weniger. Ich will Musik besitzen, doch damit gehöre ich zu einem Auslaufmodell in der Medienwelt.
Musik wird nicht mehr besessen, sondern gemietet. Und dieses Mieten von Inhalten lässt sich überall feststellen. Es beginnt bei Cloud-Software (Software as a Service SaaS) wie Adobe oder Microsoft. Die Online-Videotheken mit ihren Streaming-Angeboten sind an der Tagesordnung: Die Mediatheken der TV-Sender, Amazon Instant Video, iTunes, Watchever und ab Herbst Netfix verdrängen klassische Datenträger. Amazon setzt in den USA zudem auf eine Bücherflatrate.
Und bei uns in Deutschland sind inzwischen die Musikflatrates voll angekommen und gewinnen Marktanteil um Marktanteil. Bei den Schülern oft nicht mehr via Rechner, sondern via Smartphone. Seit rund zwei Jahren bietet die Deutsche Telekom als einziger Mobilfunk-Provider in Deutschland eine Kooperation mit dem Musikstreamingdienst Spotify an. Was die Jugendlichen besonders freuen wird, wenn sie den Dienst mit ihrem Smartphone nutzen: Die Telekom will künftig das gesamte durch Spotify anfallende Datenvolumen auf null setzen. Das bedeutet, die Datennutzung durch Spotify wird nicht auf das Datenvolumen des Smartphone-Nutzers angerechnet.

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Wie wichtig diese Dienste sind, zeigt ein 3-Milliarden-US-Dollar-Kauf von Apple. Cupertino reagierte auf den Trend und kaufte mit Beat nicht nur einen Kopfhörerhersteller, sondern auch ein Streaming-Portal für Musik. Streaming ist im Moment die Zukunft. Einen idealen Überblick über die verschiedenen Anbieter wie Spotify und Co gibt diese Webseite.
Streaming ist natürlich abhängig von der Gegend, in der man wohnt. Im ländlichen Raum ohne schnelles oder ausreichendes Internet ist die Streaming-Nutzung nur theoretisch möglich. Es macht ohne vernünftige Anbindung einfach keinen Spaß. Aber sobald ausreichende Bandbreite verfügbar ist, fahren die Jugendlichen voll auf die Streamingdienste ab. Die Dienste setzen derzeit noch auf Masse, dann und wann fehlt die musikalische Qualität. Und auch an der audiophilen Qualität lässt sich noch einiges verbessern. Hier wird sicher der Pono-Player von Neil Young und seine Musikplattform Pono Music Ende des Jahres noch mehr Druck ausüben. Aber wir stehen vor interessanten Zeiten.

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4 Antworten to “Streaming: Musik direkt auf die Ohren”

  1. Werner Says:

    Gelingt es uns jungen Menschen die Ressource Musik im aktiven Handeln beizubringen, dann werden es interessante Zeiten. Das Lernen von Instrumenten, die Mitarbeit im Schulchor und im Schulorchester, in der Theater- und Ballettgruppe usw. Es ist dann unerheblich, ob der passive Teil heruntergeladen oder auf den Plattenteller gelegt wird. Abgesehen davon halte ich es für bedenklich, wenn jeder Fünftklässler schon ein Handy hat. Dieser Trend wird sich nicht mehr aufhalten lassen, er macht uns in den Schulen aber stark zu schaffen. In der Medienkompetenz müssen wir nicht den Konsum fördern, wir müssen den vernünftigen Umgang damit lehren. Vor allem auch die Tatsache des sinnvollen Zeitvertreibes außerhalb des Internets: Sport, Musik, Kultur, Engagement im Ehrenamt usw.

  2. Dirk Beichert Says:

    Ich gehöre auch zur Sammler-Fraktion und ich habe mich eben gefragt, warum für mich Streaming nicht in Frage kommt. Zur Antwort gehe ich mal viele, viele Jahre (Jahrzehnte) zurück, als ich meine ersten Schallplatten auf einem Flohmarkt verkauft hatte, ohne noch eine Version auf Kassette zu haben (ja ja, „home taping is killing music“). Da war diese Musik weg. Gone. Forever. Und mit ihr die Erinnerungen, die damit verbunden sind. Der erste Engtanzblues zum Beispiel.

    Ich habe mir nach und nach die Musik, die ich auf raumgreifenden Datenträger auf Vinyl oder Polycarbonat verkauft oder entsorgt habe in digitaler Form auf den Rechner, den iPod Classic (der mit Festplatte und ordentlich Kapazität) gezogen. Und ich geniesse es, bei langen Autofahrten jeden einzelnen meiner über 12.000 hören zu können. Und in den jeweiligen Erinnerungen zu schwelgen.

    Dabei bin ich niemand, der nur in der Vergangenheit lebt und „das beste aus den 80ern und 90ern“ hört. Immer wieder gibt es neue Künstler, neue Stücke, die mich begeistern, die eine Reise begleiten und die ab da für immer mit diesem speziellen Erlebnis verbunden sein werden. Und meine Erinnerungen gehören mir, die lasse ich nicht streamen! 😉

  3. Jürgen Pieperhoff Says:

    Ich nutze Spotify seit vier Monaten und wohne im ländlichen Raum. Mit der Premium Version habe ich 1400 Lieder auf mein iPad und mein iPhone sowie meinen MacBook geladen und bin damit für 30 Tage auch unabhängig davon, ob ich ins Internet kann! Die Downloads Qualität habe ich auf extreme gestellt so dass sich ein fantastischer Klang über die Geräte erzeugen lässt. Ich bin Besitzer von etwa 4000 CDs diese fasse ich seit Spotify bei so gut wie gar nicht mehr an, die Verstauben im Regal! Kürzlich habe ich mein Teac Tonbandgerät bei eBay verkauft. Komisch was man früher mal gut fand…

  4. lcsksr Says:

    Bei mir ist das Streaming im Mobilfunkvertrag inkludiert und deswegen nutze ich es auch. Ich finde es praktisch, wenn ich Musik hören kann, bevor ich sie mir kaufe. So entdecke ich entspannt neue Interpreten und kann mir die neusten Alben derer anhören, die ich mag, bevor ich mich für einen Kauf entscheide. Ich gehöre nämlich auch zu den Sammlern, meine CD-Sammlung ist eine Art Merkliste für Musik, die mir gefällt. Downloads kaufen kommt für mich nicht in Frage, dafür bin ich bei Musik zu altmodisch. Bei Software sieht es wiederum anders aus, die kaufe ich gerne digital, wenn es sich lohnt.

    Ich habe übrigens keinen Vertrag bei T-Mobile. Die anderen Anbieter schlafen nicht, sondern kooperieren mit anderen Streamingdiensten. 😉

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