Posts Tagged ‘Wege zum Ruhm’

Filmtipp: Wege zum Ruhm zum 100. Ende des Ersten Weltkriegs

11. November 2018

Nachdem ich den Film vor Jahren mal im Kino und dann auf DVD gesehen hatte, wusste ich ja eigentlich was mich erwartete, als ich die neu erschienene Bluray von Wege zum Ruhm meines Lieblingsregisseurs Stanley Kubrick in den Player schob. Und dennoch hat mich Paths of Glory, wie der 1957 entstandene Film im Original heißt, wieder erschüttert. Es ist für mich einer der besten Antikriegsfilme überhaupt. Ein Film, der in Mark geht und an der Menschheit zweifeln lässt.

Ein chloriertes Aushangfoto von 1957 aus meiner Sammlung.

Ein chloriertes Aushangfoto von 1957 aus meiner Sammlung.

Der Zufall wollte es, dass ich mir den Film über die Brutalität des Ersten Weltkriegs am Vorabend des 100. Ende des Ersten Weltkriegs ansah. Der Weltenbrand hatte damals die Welt verändert. Der Film spiegelt diesen Irrsinn des Nationalstaates.
Nachdem mir die zuständige Hamburger Agentur den Film zum Bluray-Start dankenswerterweise überlassen hatte, bereitete ich mich auf den Filmabend vor. Die Regierarbeit von Kubrick ist genial.

Die neu erschienene Bluray von Wege zum Ruhm neben einem Autogramm von Christiane Kubrick.

Die neu erschienene Bluray von Wege zum Ruhm neben einem Autogramm von Christiane Kubrick.

Ich hatte selbst mit Christiane Kubrick, die damals noch Christiane Harlan hieß und nach den Dreharbeiten Kubrick heiratete, über die einzige Frauenrollen in den Film gesprochen. Kubrick hatte eigens die Rolle für sie ins Drehbuch geschrieben. Das Lied vom treuen Husar, dass die verängstige deutsche Frau vor französischen Soldaten singt, zeigt die Emotion des Krieges. Die Soldaten summen das deutsche Lied mit Tränen in den Augen mit, noch zuvor waren ihre Augen geifernd und voller Gier. Diese Szene geht dem Zuschauer nicht mehr aus dem Kopf.
Im Grunde zeigt der Film Wege zum Ruhm den brutalen Grabenkrieg des Ersten Weltkriegs. Französische Truppen scheitern beim Angriff auf deutsche Stellungen und aus politischen Gründen werden drei französische Soldaten wegen Feigheit vor dem Feind von einem Militärgericht abgeurteilt und erschossen. Der zuständige Offizier wird versetzt. Zurück bleiben desillusionierte Soldaten und ihr Truppenführer, gespielt von Kirk Douglas.

Christiane Kubrick, damals noch Harlan, auf einem Foto aus dem Film samt Autogramm.

Christiane Kubrick, damals noch Harlan, auf einem Foto aus dem Film samt Autogramm.

Der Film wurde bei mir um die Ecke im Schloss Schleißheim gedreht. Die Kulissen des Schlosses und des Schlossgartens waren genial von Kubrick gewählt. Sein filmisches Genie zeigte sich in Wege zum Ruhm an vielen Einstellungen. Die Gerichtsverhandlung im Schloss fand auf den Schachbrettmustern des Bodens von Schleißheim statt, die Akteure bewegen sich wie Schachfiguren. Das Gericht ist eine Farce, das Urteil steht längst fest. Die Szene ist ein Lehrbuchbeispiel für Filmstudenten. Der Lichteinfall ist perfekt.
Die Kamerafahrten durch die Gräben, die Kamerafahrten die Zuschauer des Erschießungskommandos waren intensiv. Hauptdarsteller Kirk Douglas erkannte das Genie Kubricks und holte ihn später 1960 nochmals für die Mammutproduktion Spartacus. Anschließend arbeitete Kubrick niemals mehr als Auftragsregisseur, sondern zog sein eigenes Ding durch.
Wege zum Ruhm ist daher ein klarer Filmtipp. Es ist keine heroische Version eines Krieges, sondern der Film zeigt den Irrsinn.

Werkschau Stanley Kubrick startet heute

31. Juli 2018

Leider wohne ich nicht in Frankfurt am Main, aber die Filmfans aus Hessen möchte ich auf eine besondere Werkschau hinweisen, die heute beginnt. Das Filmmuseum zeigt eine Werkschau des US-amerikanischen Regisseurs Stanley Kubrick. Einige der Filme sind rar, sehr rar. Der große Mann wäre vor ein paar Tagen90 Jahre alt geworden und ich habe über ihn gebloggt. 

Das besondere Schmankerl ist die Langversion von The Shining von 1980 in der Fassung von 146 Minuten. Kubrick hatte nach einem schleppenden Start des Films den Horrorstreifen um rund 40 Minuten für den europäischen Markt gekürzt. Die US-Version wird nur selten in Europa aufgeführt, in Frankfurt ist dies der Fall. Und diese Chance sollte man nutzen. Ich habe die US-Version von Shining noch nie im Kino gesehen, ich besitze eine Blu ray mit der ungeschnittenen Version und kann sagen: Es lohnt sich. Und ich werde ihn wieder im Kino versäumen, weil ich in Bayreuth bei der Wallküre bin. 

Here is Johnny - einer der besten Horrorfilme überhaupt - in der ungeschnittenen US-Fassung. Foto: Warner

Here is Johnny – einer der besten Horrorfilme überhaupt – in der ungeschnittenen US-Fassung. Foto: Warner

Es sind nicht alle Filme des Meisterregisseurs in Frankfurt zu sehen. Das Erstling Fear and Desire von 1953 fehlt – ein Film, auf den Kubrick nicht besonders stolz war, dennoch zeigt der Film, welches Auge der Mann für das Kino hatte. Der Tiger von New York ist ebenso nicht im Programm wie die Kurzdokus, die Kubrick gedreht hat. Und leider, leider gibt es Dr. Seltsam nicht zu sehen. Für den Film gibt es derzeit eine Kinosperre, warum weiß ich nicht. 

Also  

Hier sind die Filme der Werkschau:

Mittwoch, 1. August, 20:30 Uhr und Freitag, 3.August, 18 Uhr

THE KILLING Die Rechnung ging nicht auf (US 1956. R: Stanley Kubrick)

 

Samstag, 4. August, 20:30 Uhr

PATHS OF GLORY Wege zum Ruhm (US 1957. R: Stanley Kubrick)

 

Sonntag, 5. August, 19:30 Uhr und Sonntag, 12. August, 17 Uhr

SPARTACUS (US 1960. R: Stanley Kubrick)

 

Mittwoch, 8. August, 20:30 Uhr und Freitag, 10. August, 17:30 Uhr

LOLITA (GB/US 1962. R: Stanley Kubrick)

 

Donnerstag, 9.August, 20:15 Uhr mit Vortrag (Filmbeginn: ca. 21:15 Uhr) und Samstag, 11.August, 20:15 Uhr

FULL METAL JACKET (GB/US 1987. R: Stanley Kubrick)

 

Mittwoch, 15. August, 20 Uhr und Sonntag, 19. August, 17 Uhr

BARRY LYNDON (GB 1975. R: Stanley Kubrick)

 

Donnerstag, 16. August, 20:30 Uhr, Freitag, 17. August, 20:30 Uhr, und Samstag, 18. August, 17:30 Uhr

2001: A SPACE ODYSSEY 2001: Odyssee im Weltraum (GB/US 1968. R: Stanley Kubrick)

 

Freitag, 24.August, 18 Uhr und Samstag, 25. August (Museumsuferfest), 20 Uhr

A CLOCKWORK ORANGE Uhrwerk Orange (GB 1971. R: Stanley Kubrick)

 

Sonntag, 26.August (Museumsuferfest), 17:30 Uhr und Freitag, 31. August, 17:30 Uhr

EYES WIDE SHUT (GB 1999. R: Stanley Kubrick)

 

Mittwoch, 29. August, 20:30 Uhr

THE SHINING Shining (GB/US 1980. R: Stanley Kubrick)

Buchtipp: Extrablatt von Michael Graeter

3. Januar 2013

Extrablatt

Klatsch gehört zu den Medien einfach dazu. Jeder Zeitungsmacher weiß um die richtige Mischung aus Klatsch, Sex, Gesundheit und Geld. Wer das richtige Verhältnis kennt, der hatte zumindest früher eine Goldgrube. Und der Klatschreporter schlechthin war für mich immer Michael Graeter.

Sein Buch und Autobiografie Extrablatt ist für mich ein Lehrbuch für angehende Klatschkolumnisten oder Dekolleté-Detektive wie sich Graeter selbst bezeichnet. Das Lesen des unterhaltsamen Buches war für mich wie eine Reise in die Vergangenheit. Graeter berichtet von seinen Anfängen als Volontär bei der Mindelheimer Zeitung. Richtig, im Lokaljournalismus lernte man das Schreiben, das Produzieren und Recherchieren. Immer wieder erinnerte mich die Ausführungen von Graeter an meine eigene Zeit bei der Lokalzeitung. Es war eine harte Schule, aber es hat unglaublich Spaß gemacht. Und das scheint es Graeter auch gemacht zu haben. Er wechselte dann zum Boulevard und durfte nach dem Verleger Curt Frenzl nun mit Werner Friedmann und Schreiberlegende Sigi Sommer zusammenarbeiten. Es war eine schöne Zeit, das liest man aus jeder Zeile heraus.

Die Münchner Zeit war auch die Vorlage für die Helmut Dietl-Serie Kir Royal, die ich damals im TV und später auf DVD verschlungen haben. In seinem Buch Extrablatt  berichtete Graeter viele schlüpfrige Details aus der Welt der Reichen und Schönen und begeht immer wieder Streifzüge in die Politik (soweit sie das Thema Klatsch betrifft). Vielleicht liegt darin auch ein Fehler des Buches: Es sind zu viele Namen, es ist eine Marathon der damaligen Größen. Auch wenn der eine oder andere in der Versenkung verschwunden ist, der Graeter-Stil ist gut zu lesen.

Graeter berichtet stolz in seinem Buch, dass er bei seinen Verträgen darauf achtete, dass ein Graeter nicht redigiert wird. Ja, aus seiner Sicht verstehe ich das. Dennoch kann ich aus meiner Erfahrung als Textchef für zahlreiche Publikationen sagen: Besser wäre es gewesen, wenn das Buch besser lektoriert gewesen wäre. Es schleichen sich einfach Fehler ein, die nicht sein müssten. Beispiel gefällig? So behauptet Graeter, dass der legendäre Steve McQueen zu Beginn seiner Karriere mit dem Film „Gesprengte Ketten“ in der Münchner Bavaria mit dem Regisseur Stanley Kubrick gearbeitet habe. Das ist definitiv falsch. Regisseur von „Gesprengte Ketten“ war John Sturges und nicht Kubrick. Der McQueen-Film wurde 1963 in Bayern gedreht. Kubrick drehte 1957 zum letzten Mal in München seinen Wege zum Ruhm. Solche Fehler müssen nicht sein. Wenn man aber solche Sachen bemerkt, wirft das kein gutes Licht auf das Buch. Könnte es vielleicht sein, dass die eine oder andere Geschichte auch nicht stimmt?

Viel erfahren wir von seiner Cafe-Kette „Extrablatt“. In der Leopoldstraße saß ich auch als Student und war von der Atmosphäre des französischen Cafes begeistert. Endlich erfahre ich die Hintergründe, wie es zu dem Cafe kam und warum die heutige Gattin von Christian Ude, die SPD-Stadträtin Edith von Welser, nie eine Freundin von Graeter wurde. Von seinen Knast-Erfahrungen und Problemen mit der bayerischen Justiz handelt das Buch ebenso.

Aber das Wichtigste sind für einen Journalisten doch die sieben W-Fragen: Wer, was, wann, wo, wie, wie und warum gemacht und welche Quelle haben wir. Die Quelle war immer Michael Graeter selbst, der sich in der Society wunderbar bewegt, die Durchwahlnummern seiner Kontakte hat. Herrlich, wie er das Verhältnis von Caroline mit Ernst August von Hannover aufdeckt. Und auch interessant zu lesen, wie Graeter so manchen Promi auf die Füße tritt und Verhältnisse aufdeckt, sei es Edmund Stoiber, Franz Beckenbauer usw. Endlich weiß ich die Graeter-Variante, warum der Stoiber nicht nach Berlin wollte/durfte.

Graeter ist auch ein Medienmensch. Er kopierte die Idee einer täglichen TV-Seite. Aber noch besser: Seine Idee, das Format Seitenblicke vom ORF in abgewandelter Form in die ARD vor der Tagesschau zu bringen, wäre revolutionierend gewesen. Stattdessen wählte die ARD einen Quatsch wie die Börse im Ersten. Dabei habe ich die Seitenblicke oder der bayerische Ableger Leo‘s Magazin mit Leo Lukoschik geliebt. Die Saat wurde damals von Graeter gelegt, die Ernte fahren aber andere ein. Heute haben wir Boulevard-Magazine wie Brisant, Leute heute oder private Ableger Exklusiv. Ich denke, ein Graeter hätte mehr daraus gemacht.

Und heute? Graeter ist noch immer im Geschäft. Allerdings haben sich die Zeiten für Journalisten geändert. Promis twittern selbst, Whistleblower verraten Geheimnisse. Eher halbherzig betreut Michael Greater einen WordPress-Blog. Es wäre viel Potenzial mit Klatsch auch im Web 2.0. Aber Graeter tut sich wohl mit Technik schwer, wie sich am fälschlichen Ausdruck Fotoshop in seinem Buch zeigt. Ein Extrablatt  im Web wäre ein interessanter Format, vielleicht wäre Michael Graeter der richtige Mann dafür.