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Werkschau Stanley Kubrick startet heute

31. Juli 2018

Leider wohne ich nicht in Frankfurt am Main, aber die Filmfans aus Hessen möchte ich auf eine besondere Werkschau hinweisen, die heute beginnt. Das Filmmuseum zeigt eine Werkschau des US-amerikanischen Regisseurs Stanley Kubrick. Einige der Filme sind rar, sehr rar. Der große Mann wäre vor ein paar Tagen90 Jahre alt geworden und ich habe über ihn gebloggt. 

Das besondere Schmankerl ist die Langversion von The Shining von 1980 in der Fassung von 146 Minuten. Kubrick hatte nach einem schleppenden Start des Films den Horrorstreifen um rund 40 Minuten für den europäischen Markt gekürzt. Die US-Version wird nur selten in Europa aufgeführt, in Frankfurt ist dies der Fall. Und diese Chance sollte man nutzen. Ich habe die US-Version von Shining noch nie im Kino gesehen, ich besitze eine Blu ray mit der ungeschnittenen Version und kann sagen: Es lohnt sich. Und ich werde ihn wieder im Kino versäumen, weil ich in Bayreuth bei der Wallküre bin. 

Here is Johnny - einer der besten Horrorfilme überhaupt - in der ungeschnittenen US-Fassung. Foto: Warner

Here is Johnny – einer der besten Horrorfilme überhaupt – in der ungeschnittenen US-Fassung. Foto: Warner

Es sind nicht alle Filme des Meisterregisseurs in Frankfurt zu sehen. Das Erstling Fear and Desire von 1953 fehlt – ein Film, auf den Kubrick nicht besonders stolz war, dennoch zeigt der Film, welches Auge der Mann für das Kino hatte. Der Tiger von New York ist ebenso nicht im Programm wie die Kurzdokus, die Kubrick gedreht hat. Und leider, leider gibt es Dr. Seltsam nicht zu sehen. Für den Film gibt es derzeit eine Kinosperre, warum weiß ich nicht. 

Also  

Hier sind die Filme der Werkschau:

Mittwoch, 1. August, 20:30 Uhr und Freitag, 3.August, 18 Uhr

THE KILLING Die Rechnung ging nicht auf (US 1956. R: Stanley Kubrick)

 

Samstag, 4. August, 20:30 Uhr

PATHS OF GLORY Wege zum Ruhm (US 1957. R: Stanley Kubrick)

 

Sonntag, 5. August, 19:30 Uhr und Sonntag, 12. August, 17 Uhr

SPARTACUS (US 1960. R: Stanley Kubrick)

 

Mittwoch, 8. August, 20:30 Uhr und Freitag, 10. August, 17:30 Uhr

LOLITA (GB/US 1962. R: Stanley Kubrick)

 

Donnerstag, 9.August, 20:15 Uhr mit Vortrag (Filmbeginn: ca. 21:15 Uhr) und Samstag, 11.August, 20:15 Uhr

FULL METAL JACKET (GB/US 1987. R: Stanley Kubrick)

 

Mittwoch, 15. August, 20 Uhr und Sonntag, 19. August, 17 Uhr

BARRY LYNDON (GB 1975. R: Stanley Kubrick)

 

Donnerstag, 16. August, 20:30 Uhr, Freitag, 17. August, 20:30 Uhr, und Samstag, 18. August, 17:30 Uhr

2001: A SPACE ODYSSEY 2001: Odyssee im Weltraum (GB/US 1968. R: Stanley Kubrick)

 

Freitag, 24.August, 18 Uhr und Samstag, 25. August (Museumsuferfest), 20 Uhr

A CLOCKWORK ORANGE Uhrwerk Orange (GB 1971. R: Stanley Kubrick)

 

Sonntag, 26.August (Museumsuferfest), 17:30 Uhr und Freitag, 31. August, 17:30 Uhr

EYES WIDE SHUT (GB 1999. R: Stanley Kubrick)

 

Mittwoch, 29. August, 20:30 Uhr

THE SHINING Shining (GB/US 1980. R: Stanley Kubrick)

90. Geburtstag von Stanley Kubrick – ich verbeuge mich

26. Juli 2018
Stanley Kubrick wäre heute 90 Jahre alt geworden. Hier auf einem Bild seiner Frau Christiane Kubrick. Foto: Lange

Stanley Kubrick wäre heute 90 Jahre alt geworden. Hier auf einem Bild seiner Frau Christiane Kubrick. Foto: Lange

Ich liebe Film als Medium und es gibt Regisseure, die ich für großartig und wegweisend halte. Aber es gibt nur einen schlichtweg genialen Regisseur für mich, der zudem heute seinen 90. Geburtstag feiern würde: Stanley Kubrick
Ich verehre den Meister. Seine Filme und sein Universum haben mir gezeigt, was möglich ist: Filmisch, intellektuell, emotional. Kubrick ist einer der wenigen Künstler, die ein Gesamtkunstwerk erstellt haben.

Foto: Lange

Foto: Lange

Sein Repertoire an Filmen ist übersichtlich. Er hat nicht viele Filme gedreht. Aber egal, welches Genre er sich vorgenommen hat, er hat in diesem Genre Meilensteine gesetzt, um die man nicht herumkommt. Alle – und ich betone alle seine offiziell veröffentlichten Filme sind stilprägend und setzten Maßstäbe. Und dann kommt immer die Frage, was ist mein Lieblingsfilm? Und das ist wirklich schwer. Im Jahr von 2001 muss ich 2001: A Space Odyssey sagen, aber auch The Shining und Eyes wide shut bedeuten mir sehr viel. Aber nein: Ich entscheide mich im Moment für den erhabenen Barry Lyndon. Und was ist mir dem Frühwerk? Dr. Seltsam ist ein Hammer, Wege zum Ruhm ist schockierend, Lolita ist provokativ – also ich kann mich nicht entscheiden, ich weiß nur, dass der Mann ein Genie war.
Es heißt, Kubrick war eigen, manches Mal seltsam und er soll besessen von Details gewesen sein. Mag alles stimmen, aber ich glaube, der Mann hat seine Berufung gefunden und ging konsequent seinen Weg. Kompromisse waren wohl nicht so sein Ding. Ich bewundere Kubrick, weil er auch ein besonderer Familienmensch gewesen sein muss. Bei all den Gesprächen, die ich selbst mit seinem Umfeld führen durfte, bei all den Interviews und Geschichten kommt immer wieder heraus, wie sehr er seine Familie liebte. Er hatte das Glück, dass er zu Hause arbeiten konnte, die legendäre Küche mit dem langen Tisch sind bekannt. Seine Schneideräume waren auf dem Familiensitz untergebracht und die Studios waren nicht weit entfernt.
Aber es gibt etwas, was mich wirklich ärgert: Ich habe Stanley Kubrick nie persönlich getroffen. Das ist schade, ich hätte gerne in seine Augen geschaut, ihm die Hand geschüttelt und ihm meinen Respekt gezollt.

Ich war einmal auf seinem Landsitz zu seiner bezaubernden Frau Christiane Kubrick und seinem Schwager Jan Harlan in der Nähe von London eingeladen. Diese Begegnung hat mich mit viel Ehrfurcht und Freude erfüllt. Mit dem Zug fuhr ich nach Harpenden zu St Albans in der Grafschaft Hertfordshire und spazierte ein wenig durch das kleine Städtchen. Dort erfuhr ich, dass Christiane Kubrick eine Art Kunstschule leitet, gerne wäre ich hier Gast gewesen. Sie malt sehr schöne Bilder und ich hatte die Gelegenheit, einige ihrer Bilder zu betrachten. Vielleicht findet sich mal ein Verleger, der ein Kunstbuch daraus macht. Einige ihrer Bilder kamen beispielsweise in Eyes wide shut als Set Design vor. Ihre Bilder gefallen mir und vielleicht kann ich meine Gattin mal überzeugen, eines zu kaufen.

Ich wurde abgeholt und zum Landsitz der Kubricks gefahren. Da bekam ich eine Ahnung, was es heißt, einen englischen Landsitz sein eigen zu nennen. Nicht schlecht das Gelände mit seinen Gärten, Gewässer und zahlreichen Gebäuden. In den früheren Stallungen waren die Schnittplätze untergebracht. Etwas zurückgezogen ist das stattliche Landhaus, davor eine weite grüne Wiese zum Flanieren. Das Anwesen heißt Childwickbury Manor und wurde von Kubrick 1978 gekauft.

Im Gebäude gibt es zahlreiche Repräsentationsräume, geschmackvoll eingerichtet. Die Privaträume durfte ich freilich nicht besichtigen, privat ist schließlich privat.

Ich habe viel gelacht und gelernt, ich habe die Atelier von Christiane Kubrick gesehen, von weitem die legendäre Küche, viele der Empfangssäle und ich saß in der roten Bibliothek von Stanley Kubrick. Dort führte ich ein Videointerview mit Jan Harlan und Christiane Kubrick.

Christiane Kubrick, Jan Harlan und ich. Foto: Lange

Christiane Kubrick, Jan Harlan und ich. Foto: Lange

 

Später zeigte sie mir den Garten und dann wurde mir die Ehre zuteil, das Grab von Stanley Kubrick und seiner Tochter Anya zu besuchen. Beide sind im Garten des Anwesens begraben unter beeindruckenden Affenbäumen. Stanley Kubrick verstarb am 7. März 1999. Anya verstarb im Alter von 50 Jahren am 7. Juli 2009 an Krebs. Über die andere leibliche Tochter Vivian habe ich mich nicht getraut nachzufragen. Ihren Soundtrack zu Full Metal Jacket mochte ich, will mich aber in das private Leben nicht einmischen. Auch Kubricks Stieftochter Katharina wollte ich dazu nicht befragen.
Als ich am Grab von Kubrick stand, sprach ich ein kurzes Gebet und setzte mich auf einen weißen Metallstuhl, der vor dem Grab stand.

Wahrscheinlich sitzt hier Christiane Kubrick oft und denkt über ihren Mann nach. Ich ungehobelter Klotz habe mich einfach auf diesen Platz gesetzt und an dieses Genie gedacht. Die Gräber sind Naturgräber mit einem riesigen Stein markiert. Darauf ist die Beschriftung angebracht. Es hat was Schönes, wenn der Liebste nach dem Tod noch immer in der Nähe ist – und dies nicht nur in Gedanken und im Herzen.

Der Mond über Stanley Kubricks Grab. Foto: Lange

Der Mond über Stanley Kubricks Grab. Foto: Lange

Und als ich zum Landsitz zurückging, blickte ich nach oben in den Himmel und sah einen erleuchteten Mond. Es fehlte nur die Musik von Also sprach Zarathustra. Also lieber Stanley Kubrick – ich wünsche Ihnen alles, alles Gute zu Ihrem 90. Geburtstag. Ich danke Ihnen.

Stanley Kubricks Barry Lyndon auf Blu ray

25. Februar 2011

Meine Gebete wurden erhört. Am 10. Mai erfüllt sich endlich ein langgehegter Wunsch: mein Stanley Kubrick Klassiker Barry Lyndon wird endlich auf Blu ray veröffentlicht. Gleichzeitig gibt es Uhrwerk Orange als Special Edition zum 40. Geburtstag und außerdem Lolita. Zudem hat Warner eine neue Stanley Kubrick Collection angekündigt, die in den USA und Deutschland in unterschiedlichen Versionen erscheint.

Leser dieses Blogs wissen, wie wichtig Kubrick für mich ist. Er ist ganz entschiedenen der wichtigste Filmemacher aller Zeiten. Es gibt im Olymp des Films einige Helden wie Alfred Hitchcock, Andrej Tarkowski, Ingmar Bergmann, Steven Spielberg, aber es gibt nur einen Regiegott, der alle überstrahlt: Stanley Kubrick.

Sein Gesamtwerk fasziniert, begeistert, provoziert. Alle seine Filme leben von einer Ästhetik, einer künstlerischen Tiefe ohnegleichen. Sie schlagen den Filmfan sofort in den Bann. Und genauso erging es mir mit Barry Lyndon aus dem Jahre 1975. Es gab die Kritik, dass der Film zu kalt geworden ist. Ich finde ihn dagegen wunderschön und die Figuren berühren mich auf einer anderen Ebene. Der Aufstieg und Fall von Redmond Barry ist ein Symbol für das ewige Streben des Menschen. Doch wie es am Schluss heißt: „Ob arm, ob reich – am Ende sind sie alle gleich.“ Es ist auch ein Symbol dafür, wie determiniert der Mensch ist. Redmond Barry versucht als Barry Lyndon aufzusteigen, auszubrechen und er scheitert – am Ende scheiterte aber die gesamte Gesellschaft, denn das Jahr 1789 naht und wird ganz Europa verändern.

Eigentlich sollte der Film ja Napoleon werden. Doch Kubrick schockierte Warner mit seiner Detailverliebtheit. Ihr Erbsenzähler hättet das Geld bereit stellen sollen, dann hätten wir heute DIE Napoleon-Verfilmung schlechthin. Jahre später wurden die Bildersammlungen und das Drehbuch von Napoleon veröffentlicht. Ich könnte heulen, dass wegen ein paar Tausend US-Dollar dieses Meisterwerk nie gedreht wurde. Das war ein klarer Fehler.

Kameramann John Alcott fing in Barry Lyndon mit NASA-Objektiven die Stimmung der Zeit ein. Heraus kamen Filmgemälde und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes dieser Filmbilder könnte ein Gemälde sein – jedes könnte in der Tate-Gallery hängen. Und ich hoffe, dass die Blu ray auch die entfallenen Szenen enthält.

Geschnittene Szene bei Barry Lyndon - ich hoffe, die Blu ray enthält das Material.

Geschnittene Szene bei Barry Lyndon - ich hoffe, die Blu ray enthält das Material.

Zudem erscheint am 10. Mai eine Neuauflage von Clockwork Orange. Dieser Film ist reine Gewalt und ein Plädoyer für den freien Willen. Nach 40 Jahren hat der Film von seiner Brisanz nichts verloren. Gewalt ist heute allgegenwärtig. Die Gretchenfrage: Darf ein Mensch zum Guten gezwungen werden oder verliert er durch den Verlust des freien Willens die Menschlichkeit von der er sich als Gewalttäter verabschiedet hat? Der Film erscheint als Doppel-Blu ray mit ein paar Interviews.

Zudem kommen zwei Editionen der Stanley Kubrick Collection auf den Markt. In der US-Version mit Spartacus und Dr. Seltsam – in Europa aus Rechtegründen ohne diese Filme.