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90. Geburtstag von Stanley Kubrick – ich verbeuge mich

26. Juli 2018
Stanley Kubrick wäre heute 90 Jahre alt geworden. Hier auf einem Bild seiner Frau Christiane Kubrick. Foto: Lange

Stanley Kubrick wäre heute 90 Jahre alt geworden. Hier auf einem Bild seiner Frau Christiane Kubrick. Foto: Lange

Ich liebe Film als Medium und es gibt Regisseure, die ich für großartig und wegweisend halte. Aber es gibt nur einen schlichtweg genialen Regisseur für mich, der zudem heute seinen 90. Geburtstag feiern würde: Stanley Kubrick
Ich verehre den Meister. Seine Filme und sein Universum haben mir gezeigt, was möglich ist: Filmisch, intellektuell, emotional. Kubrick ist einer der wenigen Künstler, die ein Gesamtkunstwerk erstellt haben.

Foto: Lange

Foto: Lange

Sein Repertoire an Filmen ist übersichtlich. Er hat nicht viele Filme gedreht. Aber egal, welches Genre er sich vorgenommen hat, er hat in diesem Genre Meilensteine gesetzt, um die man nicht herumkommt. Alle – und ich betone alle seine offiziell veröffentlichten Filme sind stilprägend und setzten Maßstäbe. Und dann kommt immer die Frage, was ist mein Lieblingsfilm? Und das ist wirklich schwer. Im Jahr von 2001 muss ich 2001: A Space Odyssey sagen, aber auch The Shining und Eyes wide shut bedeuten mir sehr viel. Aber nein: Ich entscheide mich im Moment für den erhabenen Barry Lyndon. Und was ist mir dem Frühwerk? Dr. Seltsam ist ein Hammer, Wege zum Ruhm ist schockierend, Lolita ist provokativ – also ich kann mich nicht entscheiden, ich weiß nur, dass der Mann ein Genie war.
Es heißt, Kubrick war eigen, manches Mal seltsam und er soll besessen von Details gewesen sein. Mag alles stimmen, aber ich glaube, der Mann hat seine Berufung gefunden und ging konsequent seinen Weg. Kompromisse waren wohl nicht so sein Ding. Ich bewundere Kubrick, weil er auch ein besonderer Familienmensch gewesen sein muss. Bei all den Gesprächen, die ich selbst mit seinem Umfeld führen durfte, bei all den Interviews und Geschichten kommt immer wieder heraus, wie sehr er seine Familie liebte. Er hatte das Glück, dass er zu Hause arbeiten konnte, die legendäre Küche mit dem langen Tisch sind bekannt. Seine Schneideräume waren auf dem Familiensitz untergebracht und die Studios waren nicht weit entfernt.
Aber es gibt etwas, was mich wirklich ärgert: Ich habe Stanley Kubrick nie persönlich getroffen. Das ist schade, ich hätte gerne in seine Augen geschaut, ihm die Hand geschüttelt und ihm meinen Respekt gezollt.

Ich war einmal auf seinem Landsitz zu seiner bezaubernden Frau Christiane Kubrick und seinem Schwager Jan Harlan in der Nähe von London eingeladen. Diese Begegnung hat mich mit viel Ehrfurcht und Freude erfüllt. Mit dem Zug fuhr ich nach Harpenden zu St Albans in der Grafschaft Hertfordshire und spazierte ein wenig durch das kleine Städtchen. Dort erfuhr ich, dass Christiane Kubrick eine Art Kunstschule leitet, gerne wäre ich hier Gast gewesen. Sie malt sehr schöne Bilder und ich hatte die Gelegenheit, einige ihrer Bilder zu betrachten. Vielleicht findet sich mal ein Verleger, der ein Kunstbuch daraus macht. Einige ihrer Bilder kamen beispielsweise in Eyes wide shut als Set Design vor. Ihre Bilder gefallen mir und vielleicht kann ich meine Gattin mal überzeugen, eines zu kaufen.

Ich wurde abgeholt und zum Landsitz der Kubricks gefahren. Da bekam ich eine Ahnung, was es heißt, einen englischen Landsitz sein eigen zu nennen. Nicht schlecht das Gelände mit seinen Gärten, Gewässer und zahlreichen Gebäuden. In den früheren Stallungen waren die Schnittplätze untergebracht. Etwas zurückgezogen ist das stattliche Landhaus, davor eine weite grüne Wiese zum Flanieren. Das Anwesen heißt Childwickbury Manor und wurde von Kubrick 1978 gekauft.

Im Gebäude gibt es zahlreiche Repräsentationsräume, geschmackvoll eingerichtet. Die Privaträume durfte ich freilich nicht besichtigen, privat ist schließlich privat.

Ich habe viel gelacht und gelernt, ich habe die Atelier von Christiane Kubrick gesehen, von weitem die legendäre Küche, viele der Empfangssäle und ich saß in der roten Bibliothek von Stanley Kubrick. Dort führte ich ein Videointerview mit Jan Harlan und Christiane Kubrick.

Christiane Kubrick, Jan Harlan und ich. Foto: Lange

Christiane Kubrick, Jan Harlan und ich. Foto: Lange

 

Später zeigte sie mir den Garten und dann wurde mir die Ehre zuteil, das Grab von Stanley Kubrick und seiner Tochter Anya zu besuchen. Beide sind im Garten des Anwesens begraben unter beeindruckenden Affenbäumen. Stanley Kubrick verstarb am 7. März 1999. Anya verstarb im Alter von 50 Jahren am 7. Juli 2009 an Krebs. Über die andere leibliche Tochter Vivian habe ich mich nicht getraut nachzufragen. Ihren Soundtrack zu Full Metal Jacket mochte ich, will mich aber in das private Leben nicht einmischen. Auch Kubricks Stieftochter Katharina wollte ich dazu nicht befragen.
Als ich am Grab von Kubrick stand, sprach ich ein kurzes Gebet und setzte mich auf einen weißen Metallstuhl, der vor dem Grab stand.

Wahrscheinlich sitzt hier Christiane Kubrick oft und denkt über ihren Mann nach. Ich ungehobelter Klotz habe mich einfach auf diesen Platz gesetzt und an dieses Genie gedacht. Die Gräber sind Naturgräber mit einem riesigen Stein markiert. Darauf ist die Beschriftung angebracht. Es hat was Schönes, wenn der Liebste nach dem Tod noch immer in der Nähe ist – und dies nicht nur in Gedanken und im Herzen.

Der Mond über Stanley Kubricks Grab. Foto: Lange

Der Mond über Stanley Kubricks Grab. Foto: Lange

Und als ich zum Landsitz zurückging, blickte ich nach oben in den Himmel und sah einen erleuchteten Mond. Es fehlte nur die Musik von Also sprach Zarathustra. Also lieber Stanley Kubrick – ich wünsche Ihnen alles, alles Gute zu Ihrem 90. Geburtstag. Ich danke Ihnen.

Krachmacher Iron Man 2

22. Oktober 2010
Viel Krach in Iron Man 2.

Viel Krach in Iron Man 2.

Als Fan der klassischen Marvel-Comics beobachte ich die Verfilmungen meiner Jugendhelden sehr kritisch. Es gibt es paar Perlen, aber die meisten Verfilmungen bringen mir nicht den Zauber meiner Comiclektüren zurück. Ich versuchte es unlängst wieder, als ich mir  Iron Man 2 auf Blu ray kaufte. Nachdem Teil 1 eigentlich unterhaltsam war, wollte ich wissen, wie es weitergeht. Es zeigte sich nämlich in Teil 1 von Iron Man , dass Iron Man seine Identität der Öffentlichkeit verriet. Daraus hätte man einen interessanten Teil 2 machen können – ja: hätte können, tat man aber nicht. Story war wirr und mein Marvel-Feeling kam nicht auf.

Allerdings hat der Film auch seine hervorragenden Momente: Hier vor allem zwei: Einmal braucht Iron Man eine Stütze und nimmt aus einem Haufen Schrott das zerbeulte Schild eines meiner anderen Marvel-Helden: Captain America. Sein Film wird nächstes Jahr in die Kinos kommen und ich musste laut lachen, als ich den Gag verstand. Der zweite Hammer kommt nach dem Abspann des Films. Es wird in der Wüste der Hammer von Thor gefunden, auch ein versteckter Hinweis auf die nächste Marvel-Verfilmung.

Hervorragend sind die Tricks von Iron Man 2. Software-Riese Autodesk geht in Hollywood ein und aus. Dank der Technologie von Autodesk ist Prävisualisierung inzwischen Bestandteil der Filmproduktion geworden. Für „Iron Man 2“ hat das in Los Angeles ansässige Previsualisierung-Studio „The Third Floor“ Autodesk Maya und Autodesk MotionBuilder eingesetzt. Damit war es den Filmmachern möglich, detailreiche Prävisualisierungen ihrer kreativen Ideen zu realisieren.

Die Produktion von Kinohits wird mit wachsenden Budgets, immer ausgefeilteren visuellen Effekten und ständig enger werdenden Postproduktionsterminen zunehmend komplex. Filmemacher haben sich schon immer auf Storyboards, künstlerische Entwürfe und reale Modelle gestützt, um sich ihre Filme im Vorhinein vergegenwärtigen zu können. In den vergangenen 25 Jahren hat sich nun die digitale Previsualisierung (kurz „Previs“ genannt) zum Bestandteil der Filmproduktion entwickelt. Inzwischen beauftragen Filmemacher häufig spezielle Previs-Unternehmen, die dann mithilfe hoch entwickelter Computer-Animationsverfahren eine digitale Präsentation der Akteure und der Filmkulisse erstellen.

The Third Floor arbeitete dabei Hand in Hand mit dem „Iron Man 2“-Regisseur Jon Favreau und den verschiedenen Produktionsbereichen und erstellte nahezu 700 Einstellungen mit jeweils drei bis vier Varianten, so dass insgesamt mehrere Tausend Einstellungen produziert wurden. Während der gesamten Produktion half der Previs-Prozess, den Film im Voraus zu visualisieren, die Produktion strategisch zu planen und die kreativen Vorstellungen der Filmemacher umzusetzen.

Nicholas Markel, bei Third Floor für die Previsualisierung von „Iron Man 2“ zuständig, erklärte: „Previs verschafft allen an der Filmproduktion Beteiligten – angefangen beim Regisseur und Produktionsdesigner über den Kameramann und Supervisor für visuelle Effekte bis hin zum Editor und Art Direktor – eine größere künstlerische Freiheit. Autodesk Maya ist das Rückgrat unserer Previs-Pipeline, wobei MotionBuilder eine hervorragende Ergänzung für die virtuelle Filmproduktion darstellt. Dank der Autodesk FBX Technologie können wir Material problemlos zwischen Maya und MotionBuilder austauschen. Das bietet dem Filmemacher die notwendige Flexibilität, sowohl seine Vorstellungen als auch sein Budget zu handhaben, so dass am Ende der bestmögliche Film zustande kommen kann.“

Teil 3: Die Restauration von Metropolis

25. März 2010
In Filmarchiven auf der ganzen Welt sind unter dem Titel Metropolis unterschiedlichste Materialien eingelagert. Es existieren einige Rollen 35-mm-Originalnegativ auf brennbarem Nitromaterial, des Weiteren Nitro-Dup-Negative und zeitgenössische Positive, außerdem zahlreiche Kopien auf Sicherheitsfilm –– alle in unterschiedlichstem technischen Zustand, gezeichnet vom Verlust der fotografischen Qualität durch vielmaliges Projizieren oder Duplizieren. Das überlieferte Material unterscheidet sich jedoch nicht allein im Grad der Abstammung oder in der Abnutzung von dem ursprünglich von der Ufa hergestellten.
Zur Entstehungszeit von Metropolis gab es noch keine hochwertigen Duplikatmaterialien. Deswegen wurden damals parallel mehrere Originalnegative hergestellt, um die große Anzahl von Kopien für den Verleih und den Export ziehen zu können. Diese Negative stammten aus mehreren Kameras, die man beim Drehen nebeneinander platzierte, oder sie wurden aus verschiedenen, im besten Fall schauspielerisch gleichwertigen, aber natürlich niemals ganz identischen Aufnahmen derselben Einstellung montiert. Die Arbeit der Filmarchive besteht also nicht allein darin, die überlieferten Materialien unter klimatisch optimalen Bedingungen zu konservieren und ihren Verfall möglichst aufzuhalten, sondern auch darin, die unterschiedlichen Versionen miteinander zu vergleichen und zu Schlüssen darüber zu kommen, welche von ihnen die „„richtige““ sein könnte.
Von zahlreichen Filmarchiven wurden Versuche initiiert, Metropolis in der Premierenfassung zu rekonstruieren. Nach ersten Bemühungen in Moskau fand ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine vollständigere Fassung des Films zwischen 1969 und 1972 im Staatlichen Filmarchiv der DDR statt. Aus verschiedenen Materialien, die internationale Archive zur Verfügung stellten, entstand die so genannte FIAF-Fassung. Viele der im Material verborgenen Rätsel konnten damals jedoch noch nicht gelöst werden. Auch fotografisch war diese Fassung unbefriedigend, da statt des verfügbaren guten Paramount-Negativs für den amerikanischen Markt andere Bildquellen genutzt wurden. Dafür verantwortlich war vermutlich ein Brief des Regisseurs Fritz Lang selbst, in dem er 1971 die amerikanische Paramount-Version als „„gedankenlos und diktatorisch gekürzt““ bezeichnet, sich allerdings auch nicht daran erinnerte, dass sein Film ursprünglich einmal eine halbe Stunde länger gewesen war.
In den 1980er Jahren startete der Münchner Filmhistoriker Enno Patalas den für lange Zeit am weitesten gehenden Rekonstruktionsversuch, bei dem er inzwischen aufgefundene Quellen wie Zensurkarte, Drehbuch und Partitur aus dem Archiv der Deutschen Kinemathek nutzen konnte. Neu war, dass dank der wiedergefundenen Zensurkarte die Zwischentitel textgetreu wiedergegeben werden konnte. Drehbuch und Musik lieferten wertvolle Hinweise zur Szenenabfolge und auch zu den immer noch verbleibenden Fehlstellen. Diese wurden, sofern zum Verständnis der Handlung notwendig, durch Texttafeln ergänzt. Die so entstandene Fassung des Filmmuseum München zeigte den Film so zum ersten Mal in einer Annäherung an die Premierenfassung und wurde selbst zur Quelle für alle folgenden Bearbeitungen.