Posts Tagged ‘Metropolis’

Die Nibelungen – Entdeckungsreise in den Expressionismus

14. Februar 2019

Ich liebe den deutschen Film des Expressionismus und der Folgezeit. Das heißt, ich verehre Leute wie Friedrich Wilhelm Murnau oder Fritz Lang. Die Murnau-Stiftung hat einige der Klassiker auf Bluray in exzellenter Qualität herausgebracht, darunter Metropolis, Nosferatu, Caligari oder der Zweiteiler Die Nibelungen. Vor kurzem dürfte ich der Deutschlandpremiere von Golem beiwohnen.

Der Drache aus den Nibelungen in der UFA-Ausstellung.

Der Drache aus den Nibelungen in der UFA-Ausstellung.

Als ich mal wieder in Potsdam weilte, besuchte ich das Filmmuseum Potsdam, weil mich ein Freund darauf aufmerksam gemacht hat, dass dort etwas interessantes zu sehen sei. Ich hatte in München die UFA-Ausstellung besucht und ein schönes Bild vom Drachen aus den Nibelungenfilm gesehen. Auf Nachfrage sagte man mir, dass mehr Material im Filmmuseum Potsdam zu sehen sei.

Maria in Metropolis
Also auf nach Potsdam und ab ins Filmmuseum. Zunächst stieß ich nur auf ein Abbild von Maria aus Metropolis von 1927.

Maria aus Metropolis im Filmmuseum Potsdam.

Maria aus Metropolis im Filmmuseum Potsdam.

Maria, die später zum Roboter wird, bedeutet mir sehr viel. Ich habe auf meinem Schreibtisch eine Statue von Maria stehen und es für mich immernoch der schönste Roboter schlechthin.

Gespielt wurde der Maschinenmensch von Brigitte Helm. In der UFA-Ausstellung war eine Tonbüste dieser schönen Schauspielerin zu sehen, die mich faszinierte. Die Büste wurde von Jussuf Abbo (1888-1953) angefertigt.

Brigitte Helm - die Maria - hier in der UFA-Ausstellung.

Brigitte Helm – die Maria – hier in der UFA-Ausstellung.

Die Nibelungen
Aber ich war ja eigentlich auf der Suche nach der Nibelungen-Saga, die Fritz Lang 1924 vor Metropolis verfilmt hatte. In einer Nische des Potsdamer Filmmuseums fand das gesuchte Material: Es gab Bilder und Skizzen von dem Fritz Lang-Zweiteiler Nibelungen.

Ein wirklicher Schatz, der dort ausgestellt ist. Mein Herz als Filmfan schlug höher. Die Reise von München nach Potsdam und der Besuch des Museums hatte sich also gelohnt. Die Nibelungen-Filme Die Nibelungen habe ich einst im Fernsehen gesehen und später dann auf Bluray erworben. Es gab später noch eine schwache Neuverfilmung des Sagenstoffs Die Nibelungen , aber mit einer gewaltigen Musik Die Nibelungen von Rolf Wilhelm.

Mechanischer Drache – lange vor CGI
Bei all der Schwere der Nibelungensaga war für mich als Kind der Drache immer das Wichtigste. Während es heute ein Drache wie Smaug bei Peter Jackson aus CGI wäre, war der Drache bei Fritz Lang noch klassische Handarbeit. Ich zeigte meinen Kindern den Drachen von damals. Natürlich grinsten sie über die Effekte aus der Stummfilmzeit im Vergleich zum CGI der Neuzeit, aber sie wollten wissen, wie der Drache damals gemacht wurde.
In der Drachen-Szene muss sich Filmarchitekt Karl Vollbrecht als Drachenlenker bewähren. Er war Mitarbeiter des legendären Otto Hunte, der den Drachen konstruiert hat. An vorderster Stelle dirigiert er Kopf und Augen des Drachens, der aus Eisen, Hartholz, Draht und Kaschierung bestand. Innen waren Mitarbeiter, die den Drachen in Bewegung versetzen. Es muss furchtbar heiß im Inneren des Drachens gewesen sein und Fritz Lang gilt ja als unnachgiebiger Filmemacher. Er ließ die Szenen wiederholen bis er zufrieden war.

Der Drache allein war schon ein Hingucker. Aber nun muss ja der Drache noch gegen Siegfried ins Felde ziehen. Und Siegfried kämpft heldenmütig gegen das Ungetüm. Sein Schwert Balmung trifft das Auge des Drachens. Der Drache windet sich vor Schmerzen. Das berstende Auge ist übrigens eine gefüllte Schweinsblase. Der Drache wird besiegt, blutet und Siegfried wird unverwundbar durch das Drachenblut, wäre da nicht ein Lindenblatt. Der Rest der Geschichte ist ja bekannt.

Otto Hunte schuf die vier Welten
Der Ur-Wald mit dem Drachen ist eine von vier Welten, die Fritz Langs damalige Ehefrau Thea von Harbous in ihrem Drehbuch forderte. Dann gibt es noch den ritualisierten Burghof, Brunhilds nordische Burg, und König Etzles Hunnenburg. „Hunte, du sollst mir die Nibelungen bauen“, soll Regisseur Fritz Lang zu seinem Filmarchitekten gesagt haben.

Und der fing detailreich für das „geistige Heiligtum einer Nation“ (Lang) zu bauen. Und Otto Hunte schuf ein Meisterwerk des Expressionismus mit Kontrasten, Ornamenten, Gewändern, Symbolen. Das Spiel mit dem Licht ist grandios. Otto Hunte war der vielleicht bedeutendste Architekt der Universum-Film AG (Ufa) in den zwanziger und dreißiger Jahren und für die opulente Ausstattung vieler Ufa-Großproduktionen verantwortlich, die Filmgeschichte schrieben.
Leider habe ich bisher ein Art of Nibelungen-Buch gefunden, denn das in Potsdam ausgestellte Material ist grandios. Es gibt nur einen vergriffenen Band vom Deutschen Filmmuseum: Otto Hunte: Architekt für den Film

Schichtwechsel – Einsatz von Mähroboter

19. Mai 2016

Ich genieße die aktuellen Gespräche mit Microsoft-Mitarbeitern. Sie geben mir Inspiration und Denkanstöße. Dabei meine ich nicht Briefings über ein neues Office oder ein Betriebssystem, sondern die Gespräche, die unsere Arbeits- und Lebenswelt betreffen. Im vergangenen Jahr habe ich viel über #OutOfOffice diskutiert und nachgedacht, das Microsoft damals thematisiert hat. Dieses Jahr standen die Gedanken unter dem Hashtag #Schichtwechsel.

Tolles Filmteam bei MS auf der #rpTEN.

Tolles Filmteam bei MS auf der #rpTEN.

Auf der #rpTEN gab es einige Panels von Microsoft zu diesem Thema, die ich mir in Berlin angeschaut habe. Inspirierend, wie ich finde. Und am Stand von MS hab ich Interview zum Thema #Schichtwechsel gegeben. Hier ist der Clip zum Ansehen.

Aus Platzgründen wurde er etwas zusammengeschnitten, meine Ausführungen zu Maria in Metropolis und Roboterspielzeug (Hobby von mir) sind nicht mehr im Video enthalten. Aber der Grundgedanke zählt: Wie verändert Technologie unser Leben? Als Journalist beobachte ich genau, zu welchen Entwicklungen es im Bereich Roboterjournalismus kommt. In absehbarerer Zeit wird der ganze Bereich des Servicejournalismus von Maschinen produziert, die ersten Ansätze sind vielversprechend.

Unser R2Mäh2 hat neuerdings Augen.

Unser R2Mäh2 hat neuerdings Augen.

Viele der Veränderungen, die meinen Alltag betreffen, finden in Details statt. Ich will nur ein kleines Beispiel nennen. Wir haben einen Garten. Nun, er ist nicht sehr groß, aber er macht Arbeit. Zu den grünen Pflichten gehört auch das Rasenmähen. Diese lästige Pflicht erledigt seit ein paar Jahren unser Mähroboter R2Mäh2. Zweimal die Woche fährt er leise den Garten ab und stutzt das Gras zurecht. Das Schneiden klappt ideal und wir haben dadurch ein wenig mehr Freizeit. Der Mähroboter aus dem Hause Husqvarna muss sich nicht an die vorgeschriebenen Mähzeiten der Gemeinde halten, er kann auch nachts fahren – so leise ist der Mähroboter. Wir haben ihn von unserem Fachbetrieb Anton Jais, der uns den R2Mäh2 verkauft hat und ihn immer wieder pflegt. Um den Mähroboter menschlicher zu machen, habe ich ihn vor kurzem zwei Augen aufgeklebt. Die eingesparte Zeit, die das Rasenmähen verbraucht, ist nicht enorm. Und natürlich kostet so ein Mähroboter sein Geld – und dennoch: Es ist für mich ein kleines Symbol von #Schichtwechsel.


Es geht auch größer: Bei meinem Kurzurlaub im Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang sah ich eine Gruppe von Hotelgästen, die auf die großen Rasenflächen des Allgäuer Hotels schauten und diskutierten. Als neugieriger Mensch gesellte ich mich dazu und entdeckte Ludwig und Poldi. Ludwig und Poldi sind zwei große Mähroboter von Husqvarna, die die Rasenflächen um das Hotel Prinz Luitpold Bad schneiden. Tag ein, Tag aus, Stunde um Stunde drehen sie ihre Runden.

Ludwig dreht seine Runde im Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang im Allgäu.

Ludwig dreht seine Runde im Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang im Allgäu.

Der Gärtner des Hotels wurde nicht eingespart, wie mir der Hotelier Armin Gross versicherte. Aber seine Arbeit ist qualifizierter geworden. Klassisches Rasenmähen überlässt der Hotelbetrieb jetzt den Mährobotern, die sogar Steigungen der Allgäuer Berge bewältigen können. Für komplizierte Aufgaben im Mähen muss freilich noch ein Mensch ran, aber der stupide Arbeitsalltag des Rasenmähens hat sich durch den #Schichtwechsel-Gedanken von Microsoft erledigt.

Ich gratuliere: 100 Ausgaben DIGITAL PRODUCTION

9. Dezember 2014

Von Juni 2007 bis Februar 2010 hatte ich die Chefredaktion der DIGITAL PRODUCTION inne, dem wichtigsten Magazin der 3D-Branche in Deutschland. Zudem war ich verantwortlich für den animago AWARD, dem Preis der Branche. Zur 100. Ausgabe der DIGITAL PRODUCTION schrieb ich für meine alte Zeitschrift ein Grußwort und bedanke mich an dieser Stelle dafür

Hier meine Ausführungen, die in der DP erschienen sind:

Mehr als nur ein Branchenmagazin

100 Ausgaben DIGITAL PRODUCTION – ein Grund zum Feiern und als ehemaliger Chefredakteur will ich natürlich zu dieser Erfolgsgeschichte gratulieren. Als ich zu meiner aktiven Zeit durch die Lande reiste und viele 3D-Artists besuchte, sprach ich die Kreativen immer auf den schwarzen (Zeitschriften-)Block in ihren Studios und Arbeitszimmer an. Wie ein schwarzer Monolith stand die DP in den Regalen der Kreativen, wuchs und wuchs mit jeder Ausgabe. Zusammen mit meinem damaligen Redaktionsteam Sabine Hatzfeld, Jan Bruhnke und Michael Krimmer sowie natürlich Mr. animago Günter Hagedorn und meinem Layouter Steffen Kulpe produzierten wir ein Magazin mit viel Ecken und Kanten.
Durch die DIGITAL PRODUCTION habe ich viele Charakterköpfe und Persönlichkeiten kennengelernt, viele unterschiedliche Meinungen gehört und Bekanntschaften geschlossen, ein paar Freundschaften waren auch dabei. Leider habe ich auch viele dieser Bekanntschaften wieder verloren – leider für immer. Erinnert sei nur an die Tode von Robert Mayer (weltenbauer), Iris Asche (3D Powerstore), Harald Siepermann oder Bernd Willim. Gemeinsam war ihnen allen der Wille, sich für das zarte Pflänzchen 3D in Deutschland einzusetzen. Die DIGITAL PRODUCTION war auf ihrer Seite. Wir unterstützen die Branche, förderten sie, tauschten uns mit ihr aus. Ich erinnere mich daran, dass ein großer Teil meiner Arbeit aus Gesprächen bestand, heute nennt man es wohl Community Management.
Und diese Branche war streitbar. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem hohen Autodesk-Manager, als damals Maya von Alias übernommen wurde. Er checkte bei der wichtigsten 3D-Messe Siggraph in sein Hotel ein. Der junge Typ hinter der Hotelrezeption, der ihm den Zimmerschlüssel überreichte, entpuppte sich als überzeugter Maya-Anwender. Und er war sichtlich sauer über den Kauf von Autodesk. Er warf dem Autodesk-Manager etwa folgenden Wortlaut an den Kopf: “Wenn ihr jetzt Maya einstellt, dann setzt es von mir Prügel. Darauf kannst du dich verlassen.” Nun, Maya gibt es noch immer im Autodesk-Konzern, nachdem Softimage XSI Geschichte ist.
Aber die DP ist mehr als nur ein Branchenmagazin. Sie wollte Spiegel der Szene sein. Als Print-Redakteuere waren wir Teil des dramatischen Medienwandel. Deshalb legten wir damals den Grundstein für die Expansion unseres animago AWARD. Zu meiner Zeit kam der animago AWARD von der FMX aus Stuttgart und wanderte als animago AWARD & CONFERENCE über Karlsruhe schließlich nach Berlin Babelsberg. Heute ist er nach dem FX-Center an dem Platz deutscher Filmgeschichte, der Metropolis-Halle. Mitstreiter waren als Projektverantwortliche neben mir über die Jahre die Kollegen Jürgen Pfister, Maik Euscher und nun Jana Freund. Durch unsere gemeinsame Arbeit ist aus der zarten Pflanze 3D über die Zeit ein fester Baum geworden und auch das freut mich. Darauf können wir als Branche stolz sein.
Also nochmals danke für die Zeit bei der DIGITAL PRODUCTION und ich möchte es mit den Worten von Douglas Adams sagen: „Macht’s gut und danke für den Fisch!“

TrendSet: Ein paar Trends fürs neue Jahr

9. Januar 2014

Zwar betreibe ich kein Einzelhandelsgeschäft, aber als Journalist ist es dennoch toll, über eine Trendmesse zu flanieren und sich von den neuesten Angeboten und Trends inspirieren zu lassen. So auch auf der TrendSet in München. Diese Fachmesse findet zweimal im Jahr statt und liefert Konsumgüter für Lebensart, wie der Claim so schön verlautet.

Ich sah mir mal die TrendSet 2014 genauer an.

Ich sah mir mal die TrendSet 2014 genauer an.

Lebensart muss nicht nur für den Menschen gelten. Es gilt auch für das Tier, in unserem Fall der Hund. Im Newcomerbereich der Messe fiel mir ein netter Stand von Rosirufus mit Hundesofas auf. Faulheit in Form gebracht. Wohnraumkultivierung für den urbanen Hund – hieß es über die ausgestellten Sofas und Hundehütten. Und die Sprüche waren auch gut, wie zum Beispiel “Schräger Hund – schräge Hütte”.

Foto 2

Foto 3

Ich hab zwar nur zwei Wellensittiche, aber die Hundesofas wirken für den verwöhnten Wauwau schon recht einladend. Und was wichtig ist: Die Hütte ist so stylisch, dass sie in die Großstadtwohnung des Herrchens passt. Die TrendSet Newcomer Area sieht sich als Sprungbrett für junge Designer und Start-up-Unternehmen der Branche. Die Sonderausstellungsfläche ist speziell für kleine Unternehmen reserviert, die sich in der Branche erst einen Namen machen wollen.

Foto 2

Foto 4

Das Geschäft mit der Ente kenn ich als Zeitungsmann schon lange. Quietsche-Entchen sind im Grunde auch nichts neues. Es gibt sie in vielen Läden bereits. Ich war auf der TrendSet dennoch überrascht, wie positiv die Leute auf den schwimmenden Badebegleiter aus Plastik reagieren. Der Trend geht nach verschiedenen Themenbereichen wie König, Pirat, Teufel oder Weihnachtsente jetzt zu berufsbezifischen Enten, also die Ente als Feuerwehrler, Polizist, Bäcker und auch Friseur. Wahrscheinlich im Hinblick auf die Wiesn gibt es jetzt auch Bayern-Enten von dem Hersteller LiLaLu aus Aachen (!). Gegen die Bayern-Ente verwahre ich mich allerdings.

Wer findet die Ente zur Bundeskanzlerin?

Wer findet die Ente zur Bundeskanzlerin?

Sehr nett fand ich übrigens eine der neuen Ende, die Bundeskanzlerin Angela Merkel darstellen soll. Erkennungszeichen ist nicht etwa die Frisur, sondern das Falten der Hände im typischen Merkel-Stil.

Auch das Traditionsunternehmen Goebel bringt 2014 Neues auf den Markt. Goebel war mir im erster Linie durch seine Hummel-Figuren bekannt. Meine Mutter arbeitete als junge Frau einstmals in der Produktion dieses traditionsreichen Unternehmens. Aber Hummel ist inzwischen Geschichte. Goebel muss sich neue Einnahmequellen suchen.

Foto 1

Foto 2

Foto 3

Das Unternehmen versucht es jetzt mit Kunst. Zwei Künstler, die ich durch ihre Bilder in der Galerie Mensing kennen und schätzen lernte, verkaufen hier ihre Kunst nun auch auf diesem Kanal. Die beiden Pop-Art Künstler Romero Britto und James Rizzi sind künftig bei Goebel unter Vertrag. Mal sehen, ob weitere Künstler folgen. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass auch mit Ed Heck ein gutes Geschäft zu machen ist. Beide Künstler, Britto und Rizi, sind durch ihre Kunst, aber auch durch ihren Geschäftsideen extrem erfolgreich geworden. Bei Rizzi profitieren jetzt nur noch die Erben, aber Britto scheint ein ganzes Heer von Mitarbeiter zu beschäftigen, die seine Kunst vermarkten. Ich bleibe wohl aber erst mal bei den Bildern.

Foto 1

Foto 2

Foto 3

In einer Halle fand ich einen Hersteller von Blechspielzeug. Im Grunde kann ich damit eigentlich nicht viel anfangen. Dennoch entdeckte ich etwas, so dass mir das Herz aufging. Es handelt sich um Blechfiguren von alten Roboter-Spielzeug. Da ich ja immer wieder Seminare und Vorlesungen zur Geschichte von Roboter als Spielzeug halte, interessiert mich diesen Blech-Kameraden sehr. Als Klassiker gab es einen der ersten Spielzeugroboter namens Lilliput. Für die Kino-Freunde unter uns gab es auch den berühmten Roboter Robby, the Robot. Er erblickte erstmals im US-Kinofilm mit Forbidden Planet das Licht der Welt. Vor R2D2 und C3PO war er neben Maria aus Metropolis sicher der berühmteste Roboter. Dieser Begegnung war sicherlich ein netter Abschluss der TrendSet.

Kritik: Walt Disneys Fantasia in München

31. Dezember 2013

Foto 2

Als Fantasia 1940 in die Kinos kam, war Walt Disneys dritter abendfüller Spielfilm schlichtweg eine Revolution. So etwas hatte das Kino der damaligen Zeit noch nicht gesehen. Im Grunde war Fantasia ein gigantisches Klassik-Video. Von bekannten klassischen Werken ließen sich die Disney-Zeichner inspirieren und zauberten ihre visuellen Emotionen auf die Leinwand. So viel Revolution wollte das Kinopublikum nicht haben und der Film floppte. Erst die Hippies der späten sechziger Jahre erkannten die psychedelische Kraft des Films.

Im Münchner Kulturzentrum Gasteig kam es Ende Dezember 2013 zu einer Wiederaufführung von Fantasia, kombiniert mit der Fortsetzung Fantasia 2000. Zum Film wurde Livemusik gespielt. Am Dirigentenpult der Münchner Symphoniker stand Jonathan Stockhammer. Diese Art von Events sind scheinbar in Mode gekommen und bei Fantasia passt die Kombination auch hervorragend. Der Film kommt ohne Dialoge aus und die Musik ist gleichwertig neben den bewegten Bildern. Das hat ebenso wunderbar bei Stummfilmen geklappt, ich erinnere mich an großartige Events wie bei den Murnau-Filmen Faust oder Nosferatu und natürlich an den Lang-Film Metropolis, zu dem auch die damalige Musik wiederentdeckt wurde.

Foto0

Aber zurück zu Fantasia. Die musikalische Darbietung war wunderbar und machte viel Spaß. Stockhammer, geboren in Berlin aber aufgewachsen in Hollywood, machte seine Sache sehr gut. Immer wieder streute er kleine Geschichten ein, ähnlich wie beim Originalfilm. Das Publikum war Großteils begeistert. Es gab auch ein paar wenig verwirrte Stimmen. Die Hardcore-Klassik-Liga meinte, was habe denn das Micky Maus und Donald Duck hier zu suchen, und die uninformierten Disney-Freunde warteten wohl darauf, wann die Musik zu Ende sei und die Handlung beginnt. Beide Seiten wurden enttäuscht. Fantasia ist ein wunderbarer Musik- und Filmgenuss und gilt heute als Meilenstein der Filmgeschichte.

Foto 1

Dennoch machten es sich die Verantwortlichen in München einfach. Die wählten aus Fantasia und Fantasia 2000 nur die gefälligen Stücke aus. Stücke, die an (gezeichneten) Figuren geknüpft sind. Hier natürlich als bestes Beispiel der Zauberlehrling mit der Maus. Die ursprüngliche Absicht von Walt Disney war es allerdings, den Ton zu visualisieren. Der Ton spielte die Hauptrolle in dem Film. Emotionen der Musik sollten über Zeichnungen und Animationen dargestellt werden. Dies endete im Film in Farben, Formen und Vielfalt. Im Grunde war der Film die Darstellung der visuellen Effekte von iTunes der damaligen Zeit. Dies ist bei der Live-Aufführung von Fantasia in München nicht geschafft worden. Hier wurde Walt Disney von seinen Erben übergangen. Der Kunstgenuss der Ton-Interpretation und Ton-Variation bliebt aus. Dem Publikum wurde eine Standard-Auswahl an Musikstücken vorgesetzt, die bloß nicht zu schwer sein darf. Ein bisschen Tschaikowski hier, ein wenig Beethoven da, ach ja Gershwin und Elgar für die Moderne sind schon fein, aber nicht mehr als ein Best-of-Classic. Die Verantwortlichen hätten aus dem Disney-Fundus von Fantasia oder Fantasia 2000 mehr Stücke wählen können, die der Idee von Walt Disney näher gekommen wären. Aber hier ging man wohl auf Nummer sicher. Keine schwere Kost, sondern gefälliges.

Foto 3

Von dieser Seite her gesehen, war der Abend leider eine Enttäuschung. Ebenso wie die Projektion. Fantasia wurde im 4:3-Fomat auf großer Leinwand gezeigt, Fantasia 2000 dagegen in 16:9. So hatten die Zuschauer während des Konzerts immer wieder einen Formatwechsel zu erleiden. Für den Filmfan ein Verbrechen, den meisten Musikfreunden ist es wohl nicht aufgefallen.

Restaurierung des Eichinger Film „die unendliche Geschichte“

16. November 2012
Morla die Schildkröte

Morla die Schildkröte

Damit die Restaurierung der unendliche Geschichte nicht zu einer unendlichen Geschichte wurde, hat die CinePostproduction einen speziellen Restaurierungsworkflow für Bernd Eichinger Film entwickelt. Die Restaurierung eins Film kann ewig dauern, schließlich muss Bild für Bild bearbeitet werden. Bei der Veröffentlichung der James Bond-Filme auf Blu ray wurde hervorragendes geleistet und auch der restaurierten Version von Metropolis.

Jetzt galt es für die CinePostproduction im Auftrag der Constantin Film die am 6. Dezember erscheinende DVD-Edition überarbeiten. Eine der Herausforderungen: Die deutsche Fassung lag nur als Dup-Positiv vor und unterschied sich damit deutlich von der hinsichtlich Schärfe, Farbbrillanz und Kornverhalten überlegenen – aber kürzeren – internationalen Fassung auf Originalnegativ. Mit einem speziell auf das Projekt zugeschnittenen Restaurierungsworkflow, dessen Herzstück die eigen entwickelten ReFine-Tools bilden, führte die CinePostproduction die aufwendigen Bildkorrekturen Shot für Shot effizient durch.

Die Sache ist ganz schön kompliziert: Als Grundlage für die Restaurierung diente das Originalnegativ, ergänzt um die fehlenden Sequenzen aus der um knapp 7 Minuten längeren deutschen Fassung vom Dup-Positiv. Ungewöhnlich für eine Restaurierung: Da es sich um ein Cinemascope-Format handelte, dessen anamorphotisch verzerrte Bilder nicht die volle Breite eines 35 mm-Negatives ausfüllen, entschied sich das Restaurierungsteam, die beiden Fassungen in 3K zu scannen. Dadurch konnte eine tatsächliche Auflösung von 2,5K auf die volle bildinhaltliche Breite des Negativs erzielt werden.

Nach der Bildanalyse jedes einzelnen Shots entwickelte die CinePostproduction einen Workflow, innerhalb dessen jedes einzelne Bild je nach Restaurierungsbedarf einer von acht Kategorien und damit unterschiedlichen Restaurierungsschritten mit den entsprechenden ReFine-Tools wie beispielsweise „Deflicker“, „Dirt Removal“, „Grain Management“ und „Stabilize“ zugeordnet wurde. Die Eigenentwicklungen ermöglichen eine effiziente und bildgenaue Angleichung von Helligkeitsschwankungen, Bildstand-Stabilisierung, Schmutzentfernung oder Reduzierung des Filmkorns ohne wiederum Artefakte durch den Bearbeitungsprozess zu generieren, wie es bei den branchenüblichen vollautomatischen Filtern häufig der Fall ist.

Manuel Georg, Leiter digitale Postproduktion, fand denn auch lobende Worte: „Diese Restauration war ein besonderes Projekt, hinter dem viel Herzblut, Leidenschaft und neueste technische Entwicklungen stecken – was man dem Film auf jeden Fall ansehen wird.“

Auch die Farbkorrektur war aufwendiger als bei anderen Projekten und erforderte im Vorfeld viel Zeit für die Analyse des Looks verschiedener Kinokopien, Sendebänder und DVDs. Coloristin Meike Weimann dazu: „Gerade bei Restaurationen ist es sehr wichtig, ein Gefühl für die damalige Farbgebung des Films zu bekommen, da es quasi keine Materialien mehr gibt, die das Werk in seiner Ursprünglichkeit zeigen. Kinokopien sind zum Beispiel von einem Farbdrift über die Jahre betroffen, und ältere Abtastungen sind mit den alten TV-Standards erstellt und geben nicht unbedingt das Werk in seiner Urfassung wieder.“

Der Film soll optisch ein Leckerbissen geworden sein, doch die dramaturgischen Schwächen von damals sind nicht ausgebügelt. Seinerzeit haben mich Fuchur oder Morla nicht vom Hocker gehauen. Klar, dass bei der schrecklichen Musik von Limahl das Land Phantásien untergehen musste. Naja, ich schau mir die Blu ray der unendliche Geschichte aus optischen Gründen an, vielleicht ändert sich ja meine Meinung.

Sensationsfund von Hitchcocks früher Mitarbeit „The White Shadow“

3. August 2011
Szene aus „The White Shadow".

Szene aus „The White Shadow".

Die Filmwelt ist um einen Sensationsfund reicher. Jetzt wurden drei von sechs Filmrollen des verschollen geglaubten Films „The White Shadow“ von 1923 wieder gefunden. Das Melodrama „The White Shadow“ handelt von zwei Schwestern, von denen die eine fast engelsgleich, die andere aber völlig herzlos ist.

Die Massenmedien jubeln den Film als ersten Film von Alfred Hitchcock hoch, der wieder entdeckt wurde. Das ist nicht ganz richtig so. Regie führte damals Graham Cutts. Der Film stammt aus einer Serie von fünf Graham Cutts-Filmen, die zwischen 1923 und 1925 in England entstanden. Hitchcock nahm zwar mehr und mehr Einfluss auf die Filme, die Regie hatte allerdings Cutts inne. Hitchcock schrieb wohl das Drehbuch, sorgte für die Ausstattung und machte den Schnitt, war aber Assistenz des Regisseurs. Filmexperten meinen, die spätere Handschrift Hitchcocks sei aber deutlich zu sehen. Ich freue mich, wenn die ersten Kopien des Films für uns Normalsterbliche erhältlich sind.

Die jetzt entdeckten Filmrollen kommen aus einer Sammlung des neuseeländischen Filmvorführers Jack Murtagh, der 1993 starb. Er arbeitete als Vorführer in dem neuseeländischen Kaff Hastings und hob illegalerweise die Zelluloid-Kopien in seinem Gartenschuppen auf. Nach seinem Tod kamen die Filme ins neuseeländische Filmarchiv, die jetzt den Fund verkündeten. Wo die restlichen drei Rollen sind, weiß allerdings keiner. Wir erinnern uns gerne an das Erlebnis, als die verschwundenen Filmrollen von Metropolis gefunden wurden.

Postwertzeichen von Loriot – genial

11. Januar 2011

Die Sache mit den Briefmarkenalben hat bei mir nie geklappt. Briefmarken sind für mich, wie Woody Allen es einmal ausdrückte, nichts anderes als bedrucktes Papier. Zwei Mal in meinem Leben bin extra zur Post, damals noch zur Bundespost marschiert, und habe bewusst nach Marken verlangt. Es handelte sich einmal um Sondermarken zu Elvis Presley, Jim Morrison und Buddy Holly und ein anderes Mal um Marken zum Deutschen Film mit Metropolis als Motiv.
Jetzt bin ich ein drittes Mal bewusst zu unserer Dorfpost gelaufen, die mittlerweile in einem Getränkemarkt gastiert. Grund: Es gibt seit 1. Januar vier Wohlfahrtsmarken meines Lieblingshumoristen Loriot: Es handel sich um die bekannten Motive: „Herren im Bad“, „Auf der Rennbahn“, „Der sprechende Hund“ und „Das Frühstücksei“.
Die Dialoge sind bekannt und in den allgemeinen Wortschatz meiner Generation übergegangen: „Wo laufen sie denn?“ oder „Nehmen Sie die Ente aus meiner Wanne!“ gehören heute zu jeder gepflegten Konversation. Herrlich.
Völlig absurd ist dagegen der sprechende Hund. Ich kann mich noch heute kugeln über die Szene. Und seit dem ich verheiratet bin, weiß ich, welche Kämpfe sich beim „Frühstücksei“ abspielen. „Irgendwann bring ich sie um!“
Also Leute, kauft die Wohlfahrtsmarken bei eurem örtlichen Briefmarkendealer. Parallel zu den Briefmarken mit dem Thema „Motive von Loriot“ aus der Serie „Für die Wohlfahrtspflege“ erscheint auch dieses Mal ein Markenset mit zehn selbstklebenden Postwertzeichen (geiles Wort) zu je 55 ct + 25 ct Zuschlag. Aus dem Verkaufserlös dieses Markensets fließen 2,50 € in soziale Projekte der Wohlfahrtsverbände: Vom Kindergarten und Jugendclub über die Betreuung alter, kranker und behinderter Menschen bis hin zu Hilfen für Opfer von Krieg und Naturkatastrophen.
Und immer daran denken: Mein Hund kann sprechen – Prust.

Teil 4: Die Restauration von Metropolis

24. April 2010
Einen gänzlich anderen Weg der Auseinandersetzung mit den Bildern von Metropolis schlug 1984 der Komponist Giorgio Moroder ein. Anstatt eine weitere historische oder kritische Perspektive zu eröffnen, interpretierte Moroder Fritz Langs Vision bewusst als 80-minütiges Bild- und Musikerlebnis. Er kombinierte Standfotos der verschollenen Szenen mit den überlieferten Szenen, so dass die Fehlstellen möglichst verschleiert wurden. Ganze Sequenzen ließ er entsprechend der jeweiligen Atmosphäre einfärben und unterlegte sie mit Synthesizermusik; Songs von Bonnie Tyler, Queen und Jon Anderson unterstreichen die Dramatik der Handlung.
Diese Form der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit historischem Filmmaterial erschloss Fritz Langs Filmklassiker weltweit erstmals einem breiten und vor allem jungen Publikum. Von Archivaren und Historikern kritisch aufgefasst, gab diese Neumontage Film- und Kulturwissenschaftlern gleichzeitig Anlass, über Praktiken historischer Filmaneignung nachzudenken. Filmrestaurierung dokumentiert nicht nur den jeweiligen technischen Stand der fotochemischen oder digitalen Restaurierungstechnik, sondern anhand des Umgangs mit den Lücken der Überlieferung auch die Entwicklung einer Ethik der Restaurierung.

Teil 3: Die Restauration von Metropolis

25. März 2010
In Filmarchiven auf der ganzen Welt sind unter dem Titel Metropolis unterschiedlichste Materialien eingelagert. Es existieren einige Rollen 35-mm-Originalnegativ auf brennbarem Nitromaterial, des Weiteren Nitro-Dup-Negative und zeitgenössische Positive, außerdem zahlreiche Kopien auf Sicherheitsfilm –– alle in unterschiedlichstem technischen Zustand, gezeichnet vom Verlust der fotografischen Qualität durch vielmaliges Projizieren oder Duplizieren. Das überlieferte Material unterscheidet sich jedoch nicht allein im Grad der Abstammung oder in der Abnutzung von dem ursprünglich von der Ufa hergestellten.
Zur Entstehungszeit von Metropolis gab es noch keine hochwertigen Duplikatmaterialien. Deswegen wurden damals parallel mehrere Originalnegative hergestellt, um die große Anzahl von Kopien für den Verleih und den Export ziehen zu können. Diese Negative stammten aus mehreren Kameras, die man beim Drehen nebeneinander platzierte, oder sie wurden aus verschiedenen, im besten Fall schauspielerisch gleichwertigen, aber natürlich niemals ganz identischen Aufnahmen derselben Einstellung montiert. Die Arbeit der Filmarchive besteht also nicht allein darin, die überlieferten Materialien unter klimatisch optimalen Bedingungen zu konservieren und ihren Verfall möglichst aufzuhalten, sondern auch darin, die unterschiedlichen Versionen miteinander zu vergleichen und zu Schlüssen darüber zu kommen, welche von ihnen die „„richtige““ sein könnte.
Von zahlreichen Filmarchiven wurden Versuche initiiert, Metropolis in der Premierenfassung zu rekonstruieren. Nach ersten Bemühungen in Moskau fand ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine vollständigere Fassung des Films zwischen 1969 und 1972 im Staatlichen Filmarchiv der DDR statt. Aus verschiedenen Materialien, die internationale Archive zur Verfügung stellten, entstand die so genannte FIAF-Fassung. Viele der im Material verborgenen Rätsel konnten damals jedoch noch nicht gelöst werden. Auch fotografisch war diese Fassung unbefriedigend, da statt des verfügbaren guten Paramount-Negativs für den amerikanischen Markt andere Bildquellen genutzt wurden. Dafür verantwortlich war vermutlich ein Brief des Regisseurs Fritz Lang selbst, in dem er 1971 die amerikanische Paramount-Version als „„gedankenlos und diktatorisch gekürzt““ bezeichnet, sich allerdings auch nicht daran erinnerte, dass sein Film ursprünglich einmal eine halbe Stunde länger gewesen war.
In den 1980er Jahren startete der Münchner Filmhistoriker Enno Patalas den für lange Zeit am weitesten gehenden Rekonstruktionsversuch, bei dem er inzwischen aufgefundene Quellen wie Zensurkarte, Drehbuch und Partitur aus dem Archiv der Deutschen Kinemathek nutzen konnte. Neu war, dass dank der wiedergefundenen Zensurkarte die Zwischentitel textgetreu wiedergegeben werden konnte. Drehbuch und Musik lieferten wertvolle Hinweise zur Szenenabfolge und auch zu den immer noch verbleibenden Fehlstellen. Diese wurden, sofern zum Verständnis der Handlung notwendig, durch Texttafeln ergänzt. Die so entstandene Fassung des Filmmuseum München zeigte den Film so zum ersten Mal in einer Annäherung an die Premierenfassung und wurde selbst zur Quelle für alle folgenden Bearbeitungen.