Posts Tagged ‘S-Bahn München’

Lost Place: S-Bahnhof Olympiastadion in München

21. Juni 2022

Normalerweise darf man den Ort eines Lost Place nicht verraten, aber in meinem Fall ist es offensichtlich. Der Platz ist bekannt: Es handelt sich um den S-Bahnhof Olympiastadion in München.

Es ist schon eine seltsame Atmosphäre. Ich hatte hinter dem Bahnhof lange Zeit gearbeitet, aber seinen Betrieb nicht mehr erlebt. Der Bahnhof wurde für die olympischen Spiele 1972 gebaut, um die U-Bahn zu entlasten und 1988 stillgelegt. In bester Münchner Baulage verfällt diese Infrastruktur zum Geisterbahnhof. Abgerissen darf dieses Bauwerk nicht, denn es steht unter Denkmalschutz.

Die Bahnlinie schloss 1858 einstmals Landshut an die bayerische Landeshauptstadt an. Dann gab es eine andere Trassenführung und erst 1972 wurde der neu errichtete Bahnhof zu den Olympischen Spielen angefahren. Anschließend wurde die Strecke nur bei speziellen Fußballspielen und Veranstaltungen wie der Katholikentag 1984 im Olympiastadion aktiviert.

Am 8. Juli 1988 wurde der Bahnhof geschlossen, nachdem Kinder bei Berühren der Hochspannungsleitung gestorben waren. Seitdem verfällt der Bahnhof. Das Gelände ist zu weiten Teilen mit Bauzäumen formal abgesperrt. Bei meinem Besuch standen die Zäume weit offen und ich schaute kurz zu diesem Lost Place. Am Eindrucksvollsten waren für mich die Gleise samt Vegetation, die mich an ein Videospiel oder einen Endzeitfilm erinnerten.

9 Euro Ticket – und nun das Leben neu denken

1. Juni 2022

Heute startet das 9 Euro Ticket und natürlich bin ich dabei. Die Familie ist für drei Monate öffentlich unterwegs und ich finde die Einführung des subventionierten Fahrpreises richtig und sinnvoll. Ich hoffe, es bewirkt bei manchen Mitmenschen etwas im Kopf.

Vor Corona war ich intensiver Bahnreisender. Mit er BahnCard 100 bin ich quer durch Deutschland gefahren, beruflich mal schnell nach Berlin, Hamburg, Köln, aber auch in die bayerischen Regionen. Dann kam Corona und ich war rund zwei Jahre zu Hause. Veranstaltungen außer Haus waren selten, die BahnCard habe ich schweren Herzens nicht verlängert. Die Auftragslage lässt es nicht zu.

So freue ich mich, wenn ich wieder mit dem Ticket die eine oder andere Reise machen kann – mit Maske versteht sich, denn Corona ist nicht vorbei. Und natürlich bin ich in einer privilegierten Situation. Ich wohne im Speckgürtel von München und habe einen einigermaßen funktionierenden ÖPNV, obwohl die Technik des S-Bahn-Streckensystems hier danieder liegt. Ich bin nicht so stark auf das Auto angewiesen wie andere.
Ich bin der Meinung: Wir müssen arbeiten und wohnen wieder mehr zusammenbringen. Als Festangestellter war ich als Pendler früher 2,5 Stunden täglich mit der S-Bahn unterwegs, hab zwar viel Bücher gelesen, aber die Lebensqualität litt ziemlich. Meine Frau hatte die Pendelei nach München satt und löste ihr Büro in München auf. Jetzt arbeitet sie mit ihrem Team 2 Kilometer entfernt und kann zu Fuß oder mit dem Rad hinkommen oder sogar mit dem Bus. Lebensqualität pur, wenn das Leben wieder stattfindet und nicht auf der Straße oder in Zügen.

Unsere Familie versucht ihr Leben neu zu denken. Auch wenn es Leute belächeln, der Klimawandel ist da und jeder muss seinen Beitrag leisten. Aber noch steht bei vielen meiner Bekannten die Frage im Mittelpunkt: Wo fliegen wir dieses Jahr in Urlaub hin? Und warum nur einmal im Jahr Urlaubsreisen? Der Krieg in der Ukraine lässt zudem die Kosten explodieren.

Da kommt das Angebot mit dem 9 Euro Ticket gerade recht. Ich will es nutzen. Bei all der Diskussion um die Ein- und Durchführung ist es für mich der richtige Schritt das Arbeits- und Berufsleben neu zu denken.

Reportage: VIP-Shopping im Lego Store Pasing

24. November 2013

Im Moment bombardieren mich viele Händler mit Vorweihnachtsangeboten. Rabatt hier, Ermäßigung da, Schnäppchen dort. Sicherlich die größte Aktion liefert sich Amazon mit dem Cyber Monday – eigentlich ein Montag, der eine ganze Woche läuft. Dann kommt am 29. November der Black Friday zu uns und es lohnt sich ein Blick zu Apple, Arktis oder Cyberport. Ich wollte es aber persönlich haben, bin auch langsam in Weihnachtsstimmung und habe als Lego-Fan eine Einladung zum VIP-Shopping im Lego Store Pasing angenommen.

Einladung zum Lego VIP-Shopping.

Einladung zum Lego VIP-Shopping.

Dazu musste man sich persönlich anmelden, den Ausweis und die VIP-Karte sowie die Einladung mitnehmen. Eine Person darf mich begleiten. Dann macht Lego bereits für VIP-Kunden um 8:30 Uhr in den Pasing Arkaden auf. Das normale Kundenvolk darf erst ab 9:30 Uhr eintreten. Also so richtig VIP-Feeling beim Geldausgeben.

Doch irgendwie sieht es zu Tagesbeginn nicht danach aus. Die Münchner S-Bahn hat mal wieder eine ihrer beliebten Pannen, von wegen Weltstadt. Um 6 Uhr twittert der Münchner Verkehrsverbund: „Wegen einer technischen Störung an einem Stellwerk in München-Pasing sind derzeit keine Zugfahrten von und nach München-Pasing möglich.“ 6:32 Uhr dann der nicht ermutigende Tweet „Wir bitten Sie bis zur Behebung der Störung von Reisen abzusehen.“ Irgendwann läuft es dann wieder, dennoch dürfen K1 und ich über 20 Minuten in der morgendlichen Kälte warten. Mit dabei etliche Reisende, die den MVV verfluchen – mich eingeschlossen. Anschlusszüge und Flieger werden von den Wartenden verpasst. Und wir verpassen vielleicht unseren VIP-Shopping-Tag bei Lego, hatten uns aber extra Samstag morgen aus dem warmen Bett gequält. Die Stimmung bei uns droht zu kippen.

Ankunft im Lego Store.

Ankunft im Lego Store.

8:40 Uhr kommen wir dann endlich im Store in den Pasing Arkaden an. Während die Shoppingmall noch im Dunkeln liegt, ist der Lego Store im ersten Stock hell erleuchtet. Die Rolltreppe zum Obergeschoss ist noch nicht in Betrieb, also zu Fuß hoch ins Shopping-Paradies der bunten Steine. Im Schaufenster sind einige Modelle mit weihnachtlichem Brimborium ausgestellt. Die Oper aus Sydney sieht stark aus, der dunkle Turm aus Mordor ist ein echter Hingucker und der Weihnachtsmarkt aus Lego City passt zur Weihnachtszeit. Am Eingang werden wir freundlich empfangen. Wir nennen einem jungem Mann im T-Shirt unsere Namen, der sie mit der VIP-Liste vergleicht. Wir bekommen ein VIP-Armband überreicht, das ich zu Hause gleich ins Lego-Archiv lege (wie die Gattin richtig vermutet). Ganz so streng geht es mit der Kontrolle bei Lego dann doch nicht zu.

Shopping für VIP-Gäste.

Shopping für VIP-Gäste.

Im Store habe ich ein wenig mehr VIP-Feeling erwartet, vielleicht zumindest einen Kaffee für die Frühaufsteher oder frische Muffins. Aber zu viel erwartet, vielleicht ist es in Dänemark nicht üblich morgens Kaffee zu trinken. Es gibt aber Lego und zwar zuhauf. Die neuen Weihnachtssets sind aufgereiht und warten auf Käufer. Wer über 125 Euro einkauft, bekommt 10 Prozent Rabatt – schließlich geht es ja um eine Rabattaktion. Das gleiche Rabattangebot gibt es für VIP-Kunden im Online-Store auch. Dann gibt es in Pasing noch ein kleines Auto und vor allem eine Brick-Box als Geschenk. K1 ist von dieser Brick-Box begeistert. Im Grunde ist es eine simple gefaltete Pappschachtel. Sie sieht aus wie die Fressbox beim Chinesen, wenn man gebratene Nudeln mit Hühnerfleisch zum Mitnehmen wählt. Der Clou: Ab 27. Dezember kann ich als Kunde meine Lego Brick-Box mit Lego-Steinen auffüllen, die ich dann kostenlos mitnehmen darf. Kundenbindung nennt man das im Marketing, geile Sache nennen wir es.

Beim Shopping schielen wir immer aufs iPhone, denn zeitgleich startet Amazon seine Cyber Monday Aktion. Und dort reduziert Amazon auch Lego-Produkte – in unserem Fall den Lego Star Wars 75012 – Barc Speeder, den K1 (und ich) wollen. Also den Speeder zurück ins Regal gestellt und gleich bei Amazon bestellt. Ja, das ist Preiskapitalismus. Dafür sucht sich K1 dann was anderes aus, schließlich hat Papa ja gespart, so die Argumentation von K1. Von wem hat K1 das Verhandlungsgeschick? Also alle haben gewonnen: Lego, Amazon, K1 – nur ich muss bezahlen.

Nach einer Stunde ist alles vorbei. Tüten sind gefüllt, VIP-Punkte sind gesammelt, Kreditkarte ist belastet. Und Kaffee gibt es dann auch noch – allerdings bei einem Kaffeehaus gegenüber. Fazit von K1: „Nächstes Mal kaufen wir wieder online ein, dann muss ich nicht so früh aufstehen.“ Ja, ja, diese Jugend.

Aussteigen: MVV München mit neuer Stimme

23. Dezember 2009

Ich höre diese Stimme. Jeden Tag, wenn ich mit der S-Bahn in die Arbeit oder nach Hause fahre, höre ich seit kurzem diese Stimme. Der Münchner Verkehrsverbund MVV hat seit kurzem eine neue Sprecher für die Zugdurchsagen. Die weibliche Stimme gehört Regina Wallner und ist eigentlich ganz nett anzuhören, bis auf einen Satz: „Bitte rechts aussteigen“. Frau Wallner betont das Aussteigen schrecklich. Ich will es nicht hören und achte dafür um so mehr darauf. Schrecklich, aufhören AussteiGEEEEEN. Ich gründe jetzt den Regina Wallner-Fanclub.

Nach neun Jahren hat sich der MVV entschlossen, die monotone Ansagerstimme zu wechseln. Engagiert wurden Regina Wallner, 31 Jahre aus Prien, und Graham Baxter. Letzterer ist Brite, kommt aus Oxford und sorgt für den internationalen Flair in der Weltstadt mit Herz. Älteren Radiohörern ist Regina Wallner aus den Verkehrsmeldungen auf Bayern 1 und Bayern 3 bekannt, mit Verkehr kennt sie sich aus.

Im Juni 2009 machte sich die Deutsche Bahn auf die Suche nach neuen Sprechern. Es gab ein klar festgelegtes Stellenprofil, auf das sich 220 Kandidaten bei der Deutschen Bahn gemeldet haben.

Freundliche Stimme mit oberbayerischer Tonfärbung

  • Klare und deutliche Aussprache
  • Angenehme Stimmmodulation, idealerweise eine abgeschlossene Sprachausbildung (z. B. Schauspiel, Moderation)
  • Bereitschaft, an einem Auswahlverfahren mit Vorsprechen teilzunehmen
  • Bereitschaft in der ersten Augusthälfte 2009 an mehreren Tagen (voraussichtlich vier bis fünf Tage) für die Aufnahme der Ansagetexte in einem Berliner Studio zur Verfügung zu stehen
  • Mehrjährige Verfügbarkeit für weitere Aufnahmen
  • Bereitschaft für öffentlichkeitswirksame Auftritte

Folgende Kriterien sollten die Bewerber für die Ansagen in englischer Sprache erfüllen:

  • Native Speaker (Oxford English)
  • Freundliche Stimme
  • Saubere Aussprache und natürliche Artikulation
  • Ruhiger, gleichmäßiger Sprachfluss/-rhythmus
  • Bereitschaft zur Unterstützung bei der Gestaltung der Ansagetexte

Warum man in einem Berliner Studio Texte für die Münchner S-Bahn aufnehmen muss, ist mir schleierhaft. Wahrscheinlich liegt es am Auftraggeber Deutsche Bahn. Außerdem ist mir aufgefallen: das schöne deutsche Bürokratenwort: Mobilitätseinschränkungen gibt es auch nicht mehr bei den neuen Ansagen. Schad drum, dafür hab ich jetzt „AussteiGEN“.