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Bayerische Könige und die ihre Haltung zur Verfassung

1. November 2019

Ist euch schon mal aufgefallen, wie die bayerischen Könige zur bayerischen Verfassung gestanden haben? Im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg ist dies mir auf der Herbstreise des Münchner PresseClubs aufgefallen.

Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

Die Verfassung des Königreichs Bayern stammt vom 26. Mai 1818 und liegt heute im Bayerischen Staatsarchiv. In Regensburg ist ein Faksimile ausgestellt.

Die Verfassung des Freistaats Bayern.

Die Verfassung des Freistaats Bayern.

Im Eingangsbereich der Dauerausstellung sind Gemälde der vier bayerischen Könige ausgestellt. König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825), König Ludwig I. von Bayern (reg.1825-1848), König Maximilian II. von Bayern (reg. 1848-1864) und König Ludwig II. von Bayern (reg. 1864-1886). Und bei den Gemälden ist die Bayerische Verfassung auch immer auf dem Bild zu sehen. Interessant ist die Haltung der Monarchenhand zur Bayerischen Verfassung. Das lässt Rückschlüsse über das Verhältnis König-Staat zu.

Zwei von vier Königen.

Zwei von vier Königen.

Beginnen vor mit König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825). Seine Krone liegt auf der Bibel, seine Hand liegt auf der Verfassung. Bei seinen Untertanen wurde er mit der populären Kurzform seines Namens „König Max“ genannt. Zwischen 1796 und 1817 bestand eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Max Joseph und Minister Montgelas. Der König gilt mit seinem Ersten Minister Montgelas als Schöpfer des modernen bayerischen Staates. Maximilian I. Joseph und Montgelas schufen ein Beamtenwesen und eine effiziente Staatsverwaltung für das vergrößerte Bayern. Als König war Max Joseph sehr bürgernah, ging gerne ohne große Begleitung zu Fuß durch die Münchner Straßen und unterhielt sich zwanglos mit seinem Volk.

König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825)

König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825)

 

König Ludwig I. von Bayern (reg.1825-1848) war da schon anders drauf. Er hat sein königliches Zepter auf der Verfassung. Zu Beginn seiner Restaurationspolitik betrieb Ludwig eine gemäßigt liberale Politik, basierend auf der Verfassung von 1818. Eineinhalb Monate nach seinem Amtsantritt hob er die Pressezensur auf. Im März 1844 gab es Unruhen nach einer Brotpreiserhöhung und folgender Bierpreiserhöhung bei der sogenannten Münchner Bierrevolution. 1846 kam die irische Tänzerin Lola Montez nach München und wurde die Geliebte des Königs. Sie erhielt eine luxuriöse Villa in der Barer Straße in München, einen Adelstitel (Gräfin von Landsfeld) und finanzielle Unterstützung von Ludwig. Er initiierte den Ludwig-Donau-Main-Kanal, eine Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer, den Vorgängerbau des heutigen Main-Donau-Kanals. Er war ein großer Kanalbauer, sah in der Eisenbahn nicht so die Zukunft – beides Fehlentscheidungen. Und er sein Verhältnis mit Lola Montez war schwierig, so dass 1848 im Revolutionsjahr Minister und Volk rebellierten.

König Ludwig I. von Bayern

König Ludwig I. von Bayern

König Maximilian II. von Bayern (reg. 1848-1864) lag die Verfassung hinter der Krone. Er sucht die Nähe zu seinem Volk. Zudem war er gerne auf Reisen, benannte die Ständeversammlung in den Landtag um. Es gibt sogar eine Skulptur von ihm auf dem Pferd, wo der den Hut zum Gruße hebt. Das war schon eine Revolution und daher wurde die Skulptur nie zum Reiterdenkmal. „Ich will Frieden haben mit meinem Volke und mit den Kammern“, sagte der König einmal.

König Maximilian II. von Bayern

König Maximilian II. von Bayern

„Ich will Frieden haben mit meinem Volke und mit den Kammern“

„Ich will Frieden haben mit meinem Volke und mit den Kammern“

König Ludwig II. von Bayern (reg. 1864-1886) sah sich vielmehr in der Tradition der absolutistischer Könige. Die Hand am Zepter, die Verfassung liegt am Tisch. Ludwig II. war kein Gestalter, kein Visionär. Politisch unerfahren stimmte er dem Bündnis mit Preußen zu und Bayern verlor die Souveränität. Ludwig II. Begeisterte sich für Architektur und ruinierte den Staat, schuf aber heute weltberühmte Baudenkmäler. Für mich wichtig: Er war ein großer Förderer von Richard Wagner, dessen Musik ich verehre. Über das Ende von Ludwig II. brauchen wir an dieser Stelle nicht spekulieren.

König Ludwig II. von Bayern

König Ludwig II. von Bayern

Ludwig II. war zudem ein Technikfan. Das zeigte sich an seinem Schlitten, mit dem er nachts durch das verschneite Bayern rauschte. Künstler wie Franz von Seitz, Johann Christian Hirth oder Mathilde Jörren schufen den verspielten Prunkwagen. Übrigens, der Schlitten war das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeugs Bayerns. Eine Batterie mit Chromschwefelsäure speist eine Glühbirne mit Platinfaden.

Ludwig II. ging damit ein Licht auf – ha Sparwitz.
Damit endet meine Berichterstattung über die Herbstreise des PresseClub München nach Ostbayern.

Nicht das ist Bayern, sondern vielmehr.

Nicht das ist Bayern, sondern vielmehr.

CI bis in die Türschilder – wunderbares Hotel-Marketing

19. März 2015

Wer im Hotel nächtigt, der kennt die kleinen Türanhänger aus etwas dickeren Papier. Diese Anhänger sind meist hinter der Zimmertür zu finden. Sie haben die Aufschrift auf der einen Seite „Bitte nicht stören“ und auf der anderen Seite steht „Bitte Zimmer aufräumen.“ Meist gibt es noch ein Farbleitsystem. Grün heißt „Reinkommen ist ok“, Rot heißt „Draußen bleiben“.
Diese Anhänger werden bei Bedarf einfach an die Türklinke des Hotelzimmers gehängt und das Reinigungspersonal weiß, was zu tun ist. So kann es nicht passieren, dass die Reinigungstruppe mit den Worten „Housekeeping“ die Zimmertür aufreißt, während man selbst noch beim Anziehen ist. So etwas soll es schon gegeben haben. Ich habe es mir daher zur Angewohnheit gemacht, beim Schlafengehen, dass „Bitte nicht stören“-Schild und meine Tür zu hängen und Ruhe vor Störungen zu haben.

Mein Bett aus dem 19. Jahrhundert im Hotel Prinz Luitpold Bad.

Mein Bett aus dem 19. Jahrhundert im Hotel Prinz Luitpold Bad.

Bei meinem jüngsten Urlaub im Allgäu im wunderbaren Wellnesshotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang, entdeckte ich eine besondere Variante dieser Türanhänger. Dazu folgernder Hintergrund: Ich nächtigte in der so genannten Ludwig II.-Suite des Allgäuer Hotels. Im Zentrum meines Schlafzimmers stand ein antikes Bett mit feinen Holzarbeiten aus dem 19. Jahrhundert.

Schwäne am Bett - passt also zu Ludwig II.

Schwäne am Bett – passt also zu Ludwig II.

 

Die wunderbaren Holzlegearbeiten zeigten Schwäne und auch am Kopf waren Holzschwäne angebracht. Das passt alles zu unserem König Ludwig II. Links und rechts vom Bett hängen zwei Bilder, eines von König Ludwig II. und eines von seinem Märchenschloss Neuschwanstein.

„Audienz wird gewährt!“ - Zimmer aufräumen.

„Audienz wird gewährt!“ – Zimmer aufräumen.

Die Türschilder hatten die Aufschrift „Wichtige Regierungsgeschäfte – Störung unerwünscht“. Das Schild war in Rot. Und die Variante „Bitte Zimmer aufräumen“ lautete im Hotel Prinz Luitpold Bad „Audienz wird gewährt!“ Und das Schild war in einem freundlichem Grün. Zudem gab es auf beiden Seiten des Schildes das Logo des Hotels.

Bitte draußen bleiben - „Wichtige Regierungsgeschäfte - Störung unerwünscht“

Bitte draußen bleiben – „Wichtige Regierungsgeschäfte – Störung unerwünscht“

Hier hat das Hotel Prinz Luitpold Bad seine CI konsequent umgesetzt. Der Hotel-Claim ist „ein bisschen königlich“ und das passt auch bei den Türschilder. Wunderbar mitgedacht und Vorbild für andere Hotels.

Ein bisschen königlich - die CI der Türschilder passen zum Hotel in Bad Hindelang.

Ein bisschen königlich – die CI der Türschilder passen zum Hotel in Bad Hindelang.

Persönlicher Nachruf auf Peter Sehr

14. Mai 2013

Irgendwie hab ich es nicht mitbekommen, es war einfach zu viel zu tun. Jetzt erfuhr ich, dass der deutsche Regisseur Peter Sehr verstorben ist. Das ist schade, sehr schade. Mit 61. Jahren ist es zu früh zum Sterben. Aber Peter Sehr war an Krebs erkrankt.

Peter Sehr ist tot.

Peter Sehr ist tot.

Die deutsche Filmszene ist nicht so groß, da läuft man sich immer wieder über den Weg. Das letzte ausführliche Gespräch mit Peter Sehr hatte ich im Mai 2011. Dort war er auf einer ausgezeichneten Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung eingeladen über seinen Film Kaspar Hauser zu diskutieren. Anschließend standen wir noch zusammen und diskutieren über seine Einflüsse und seine Projekte.

Engagiert ist der Diskussion ...

Engagiert ist der Diskussion …

Peter Sehr ist ja eigentlich promovierter Physiker, studierte in Oxford, entdeckte aber früh seine Liebe zum Film. Mit seiner wundervollen Ehefrau Marie Noëlle gründete er die P’ARTISAN-Filmgesellschaft und war seit 1988 nicht mehr vom deutschen Film wegzudenken. Sein Erstlingswerk war Das serbische Mädchen, der richtige Durchbruch kam aber mit Kaspar Hauser. Hier gibt es viel zu analysieren. Der Physiker Sehr machte es dem Publikum nicht leicht und schuf komplexe Figuren. Das Kino von Peter Sehr ist kein einfaches Popcorn-Kino, dennoch ist es unterhaltend und machte mir immer Spaß. In der Tradition des Autorenkinos brach er Grenzen auf und dafür gebührt ihm Dank.

... und präzise beim Filmemachen.

… und präzise beim Filmemachen.

Bei unserer Begegnung 2011 begann er mit den Dreharbeiten seines letzten Films Ludwig II. Lange diskutierten wir bei der HSS über Ludwig II. Als Visconti-Anhänger war ich neugierig über die Interpretation von Peter Sehr. Es durfte keine Kopie des Visconti-Werkes werden, zudem Sehr auch nicht die Größen wie Helmut Berger oder Romy Schneider zur Seiten standen. Sehr überraschte mich. Er setzte auf das Jungtalent Sabin Tambrea, der den wahnsinnigen König interpretierte. Starkes Schauspiel, tiefer Charakter, großes Kino. Fulminant die Ausstattung und keine Visconti-Kopie machte mir der Film im Kino großen Spaß. Leider konnte ich es Peter Sehr nicht mehr direkt sagen.

Peter Sehr und seine Frau Marie Noëlle.

Peter Sehr und seine Frau Marie Noëlle.

 

Buchtipp: Helmut Berger: Ein Leben in Bildern

25. Januar 2013

Natürlich ist Helmut Berger heute voll durchgeknallt, aber auf seine Art auch ein Genie. Wahrscheinlich ist dieser einst großartige Schauspieler heute einfach nur krank vom Alkohol und Depressionen. Das ändert aber nichts daran, dass er einer der ganz großen Darsteller war. An diese Zeit erinnert der neue Bildband Helmut Berger: Ein Leben in Bildern aus dem Hause Schwarzkopf & Schwarzkopf.

In der ersten Auflage auf 2500 Exemplare limitiert und mit einem Autogramm von Helmut Berger versehen, zeigen die Fotos, warum Berger als einer der schönsten Männer galt. Helmut Berger – mein Leben in Bildern ist ein eindrucksvolles Bilderbuch, gemischt mit zum Teil sehr persönlichen Texten des österreichischen Schauspielers, der dem jungen Publikum durch peinliche Rüpelauftritte oder Dschungelcamp-Ausflüge bekannt ist – wenn überhaupt.

berger

Berger hat in zahlreichen wichtigen Filmen des europäischen Kinos mitgespielt. Für mich sind diese: Das Bildnis des Dorian Gray, die Verdammten und Ludwig II. – die beiden letzteren inszeniert von Luchino Visconti. Mit dem italienischen Starregisseur hatte Berger seit 1964 eine Liebesbeziehung und nach dem Tod Viscontis 1976 begann Bergers dramatischer Verfall. Gastauftritte wie im Denver Clan dienten nur noch dazu, den Geldbeutel zu füllen. So wird es sich heute beim RTL-Dschungelcamp verhalten, bei dem Berger aber nach zwei Tagen aufgrund gesundheitlicher Probleme ausscheiden musste. Aber sprechen wir nicht von der dunklen Seite Bergers, sondern blättern in dem exzellenten Bildband über die Sonnenseite des heute 68jährigen. Eine aussagekräftige Biografie leitet den Bildband Helmut Berger: Ein Leben in Bildern ein. Die Texte sind durchgehend in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch – Berger war schließlich ein europäischer Darsteller ersten Ranges (und der Verlag will das Buch in ganz Europa verkaufen). Die Bilder der Kindheit wirken wie andere Bilder aus der Vergangenheit und sind für mich überflüssig. Begeistert war ich von den frühen sechziger Jahren als Berger in London modelte, posierte und allerlei verrücktes Zeug anstellte. Aufnahmen der Vogue, Partybilder mit den Schönen und Reichen und erste größere Filme. Liz Taylor, Romy Schneider, Annie Girardot oder Burt Lancaster – mit ihnen spielte Berger und ließ sich ablichten. Und dann immer wieder Visconti. Private Aufnahmen zeigen Berger, der sich in verschiedenen Posen vor der Kamera inszenierte, mal selbstverliebt, mal verliebt, mal provokativ. Er hat keine Scheu vor der Kamera, sie gehört zu seinem Leben dazu – auch wenn es heute in dieser Form vorbei ist. Ein wunderbares Bilderbuch dieses Helmut Berger: Ein Leben in Bildern