Wenn die Gotzinger Trommel an die Mordnacht von Sendling erinnert

Das erste Mal hörte ich von der Mordnacht von Sendling durch Gerhard Polt. Er imitiere einen Gebirgsschützen, der krakeelend an den Freiheitskampf der Bayern gegen die österreichische Besatzer erinnerte. Ich fand das witzig und Polt weckte Damit mein Interesse an der bayerischen Geschichte.

Damals im Jahre 1705 erhoben sich bayerische Bauern am Weihnachtsabend gegen die österreichischen Besatzer und wurden massakriert. Über 1100 Bauern fanden in der Mordweihnacht von Sendling, einem Stadtteil von München, grausam den Tod. In meinem Heimat- und Sachkundeunterricht in der Schule wurde an diese Tat erinnert und es wurde Teil der bayerischen Identitätsgeschichte.
Bei der Bayerischen Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“ in Regensburg, die ich auf der Herbstreise des Münchner Presseclubs besuchte, sah ich zum ersten Mal die legendäre „Gotzinger Trommel“, die eine große Rolle bei der Mordnacht von Sendling spielte. Sie ruft, so sagt es die bayerische Legende, in der Heiligen Nacht im Jahr 1705 zum Sturm auf München. Auf der legendären Trommel ist geschrieben „Lieber baierisch sterben als wie kaiserlich verderbn.“

Nun der Bauernaufstand wurde brutal von den Österreichern zusammengeschossen. Diese Aktion schuf aber ein bayerisches Nationalbewusstsein. Die Trommel wurde von dem überlebenden Jakob Mayr, Linnererbauer von Goetzing, in sein Heimatdorf gebracht. Und seitdem wurde die Trommel wie eine Reliquie im Freistaat verehrt. Es ist im Grunde eine typische Landtrommel ihrer Zeit mit hörzerner Zarge mit oben und unten Felldruckreifen sowie gespannten Stricken. Der bekannte Spruch ist ergänzt durch die Aufschrift „Zur Erinnerung an die Christnacht im Jahre 1705, also diese Trommel zum Kampfe rief.“


Interessant ist, dass die Zarge mit dem bayerischen Wappen zwischen zwei Löwen verziert ist. Immer wieder hieß es, dass die Trommel nicht echt sei, denn das Wappen wird erst ab 1729 verwendet. Es kann sein, dass die Originaltrommel übermalt wurde. Aber eigentlich ist es egal, denn das Symbol der bayerischen Identität ist wichtig. Die Trommel steht sonst im Heimatmuseum von Miesbach.

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2 Antworten to “Wenn die Gotzinger Trommel an die Mordnacht von Sendling erinnert”

  1. geldecho Says:

    Servus Matthias,

    ein sehr interessanter Beitrag das mit der „Gotzinger Trommel“ und der Sendlinger Mordnacht von 1705.

    Ich bin seit über 20 Jahren der Chef der Veteranenministranten von St. Margaret (München-Sendling). Immer am vierten Adventsonntag (außer wenn der 24. Dezember ein Sonntag am dritten Adentsonntag ist) findet auf dem alten Sendlinger Friedhof (gegenüber dem Schmied-von-Kochel-Denkmal) nach einem Gottesdienst gegen 12:00 Uhr die Gedenkfeier bezüglich der Opfer von 1705 statt. Bis 2005 (300 Jahre) haben wir ehemaligen Ministranten unseren Dienst bei diesem Gottesdienst getan. Mittlerweile sind wir etwas bereiter geworden und kommen nicht mehr in die Ministrantengewänder.

    Aber wir gehen immer noch hin. Auch in diesem Jahr. Diesmal am Sonntag, den 22. Dezember. Der Gottesdienst beginnt um 10:30 Uhr in der „neuen“ Margaretenkirche in Sendling. Nach dem Friedhofbesuch treffen wir uns im „Meindl-Eck“ (Meindlstraße) zum Essen (gegenüber der neuen Margaretenkirche), in der Nähe vom Harras.

    Wir sind eine lustige Truppe. Ich bin mit 58 Jahren noch einer der Jüngeren.

    Unter unseren ehemaligen Ministranten ist auch der jetzige Bischof von Regensburg, Prof. Dr. Rudolf Voderholzer. Seit er dieses Amt hat, sehen wir ihn meistens nur noch im Fernsehen. Rudi ist um die Margaretenkirche als Kind aufgewachsen.

    Zwei der ehemaligen Ministranten sind katholische Diakone in Gmund am Tegernsee und München-Sendling (St. Margaret).

    Vielleicht schaust du mal vorbei.

    Wir sind auch einen Beitrag in deinem Blog wert.

    Für Rückfragen stehe ich dir gerne zur Verfügung.

    Die Bilder stammen von 2005. Mich findest du beim ersten Bild ganz rechts unten und im zweiten Bild als Zweiten von links. So sah ich vor 14 Jahren aus.

    Dann gibt es auch noch ein Gruppenbild mit damaligen Erzbischof von München, Kardinal Wetter. Da sind neben den ehemaligen auch die aktuellen Ministranten noch zu sehen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Schmatz Chef der Veteranenminstranten von St. Margaret (München-Sendling)

    Sindelsdorfer Straße 7 82377 Penzberg

    Telefon (08856) 80 09 09 Telefax (08856) 80 09 10 Handy (0177) 241 64 29

    Email: michael.schmatz@t-online.de

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