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Berufsbild König der Nacht und woher kommt der Ausdruck „Die Sau durchs Dorf treiben“?

24. Oktober 2019
In Passau gab es das Berufsbild „König der Nacht.“

In Passau gab es das Berufsbild „König der Nacht.“

Im Mittelalter und später gab es schon eigenartige Berufe, die nicht sehr hoch im gesellschaftlichen Ansehen waren. Dazu gehörten zum Beispiel Henker, Scharfrichter, Rattenfänger, Totengräber, Geldwechsler aber auch der König der Nacht.

 

Der Müll wurde in Passau auf die Straße geworfen.

Der Müll wurde in Passau auf die Straße geworfen.

Dieser König der Nacht war nicht ein Zuhälter, wie man vielleicht annehmen würde, sondern es war vielmehr der Müllmann, wie Gästeführerin Anneliese Hertel von Dreiflüsse Tours bei einer Stadtführung durch Passau erklärte. Bei der Herbstreise des PresseClubs München lernten die Journalisten vor der fürstlichenischöflichen Pagerie einige Gepflogenheiten der Vergangenheit kennen. Damals warfen die Passauer ihren Dreck und Müll einfach auf die Straße. Spät nachts kam dann der König der Nacht hervor, sammelte den Müll auf und trieb die Schweine der armen Leute durch die Gassen der Stadt. Vor den Häusern der reichen Bewohner gab es immer was zu fressen.
Daher stammen die Begrifflichkeiten, „die Sau herauslassen“ und „die Sau durchs Dorf treiben“. Und jetzt frage ich mich als digitaler Nomade, was es heißt, die digitale Sau durchs Dorf zu treiben?

Wenn es einfach zuviel wird: Schiffkreuzfahrten in Passau

15. Oktober 2019

Passau ist eine Tourismusstadt – doch mehr und mehr leidet die Drei-Flüsse-Stadt unter dem modernen Massentourismus. Als Problem kristallisiert sich das Thema Schiffkreuzfahrten heraus. Waren es im Jahr 1992 16 Schiffe, die in Passau anlegten, sind es 2019 schon 189 Kreuzfahrtschiffe, die 3500 Mal an den Uferbauwerken von Passau festmachen. Aus den Schiffen, die die Donau Richtung Wien bereisen, steigen 350-400.000 Passagiere ein und aus.

Auf der Herbstfahrt des Internationalen PresseClubs München im Oktober 2019 machten die Mitglieder im Venedig Bayerns Station und informierten sich aus erster Hand bei Gästeführerin Anneliese Hertel und Tourismusdirektorin Pia Olligschläger.

Die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen bringen nur bedingt Geld in die Stadt. Natürlich übernachten die Gäste auf den Schiffen und nicht in den zahlreichen Hotels der Stadt. Zudem werden die Passagiere mit Lunch-Paketen ausgestattet, wenn sie Passau besichtigen. So gehen viele Passauer Gaststätten leer aus. Tourismusexperten sprechen von 15 bis 20 Euro, die pro Passagier in Passau gelassen werden. Das ist nicht viel für die Tourismusmetropole an Donau, Ilz und Inn. Morgens gehen die Passiere von Bord und Schlusspunkt der Tour ist oftmals das Orgelkonzert im Passauer Dom um 12 Uhr. Dann heißt es wieder einschiffen und weiter geht es zum nächsten Haltepunkt an der Donau.

Die Gästeführer von Passau haben das Nachsehen, weil die Kreuzfahrtschiffe einige Guides an Bord haben und die Passiere mit Audioguides ausgestattet sind. Per Funk werden die Touristen von Guides in der Landessprache über die Geschichte der Stadt unterrichtet.
Was bleibt für die Passauer Wirtschaft? Zum einen sind es die Reinigungskräfte, die vom Land angefordert werden. Aber auf Müllentsorgung kann man keine Stadt finanzieren. Zum anderen kommen frische Waren von ausgewählten Einzelhändlern an Bord.

Bei unserem Besuch in Passau fiel mir auf, dass die Schiffsmotoren der Schiffe oft im Leerlauf laufen. Es waren hauptsächlich Dieselmotoren. Ob das in Zeiten der Klimadiskussion noch opportun ist? Elektromotoren sind mir nicht aufgefallen, soll es aber auch bei den Kreuzfahrtschiffen geben. Berichtet wurde mir, dass es auch vorkommt, dass mancher Passagier seinen Abfall in die Donau illegal kippt, gesehen hab ich es aber nicht. In Passau sind die Liegeplätze für die Kreuzfahrtschiffe begrenzt, so dass bis zu drei Schiffe nebeneinander liegen. Die Schiffe werden auch immer größer. Passten früher vier Schiffe in eine Schleuse, so ist heute ein Schiff pro Schiff.

So kommt es vor, dass Schiffe beispielsweise in Österreich anlegen und die Passagiere per Bus nach Passau kommen. Doch die Parkplätze für Busse in Passau sind begrenzt und die Busse dürfen am Ufer nur 20 Minuten stehen.
Ich bin gespannt, wie die Stadt das Problem lösen will. Das Thema soll bei der Kommunalwahl 2020 eine Rolle spielen.