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Wenn es einfach zuviel wird: Schiffkreuzfahrten in Passau

15. Oktober 2019

Passau ist eine Tourismusstadt – doch mehr und mehr leidet die Drei-Flüsse-Stadt unter dem modernen Massentourismus. Als Problem kristallisiert sich das Thema Schiffkreuzfahrten heraus. Waren es im Jahr 1992 16 Schiffe, die in Passau anlegten, sind es 2019 schon 189 Kreuzfahrtschiffe, die 3500 Mal an den Uferbauwerken von Passau festmachen. Aus den Schiffen, die die Donau Richtung Wien bereisen, steigen 350-400.000 Passagiere ein und aus.

Auf der Herbstfahrt des Internationalen PresseClubs München im Oktober 2019 machten die Mitglieder im Venedig Bayerns Station und informierten sich aus erster Hand bei Gästeführerin Anneliese Hertel und Tourismusdirektorin Pia Olligschläger.

Die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen bringen nur bedingt Geld in die Stadt. Natürlich übernachten die Gäste auf den Schiffen und nicht in den zahlreichen Hotels der Stadt. Zudem werden die Passagiere mit Lunch-Paketen ausgestattet, wenn sie Passau besichtigen. So gehen viele Passauer Gaststätten leer aus. Tourismusexperten sprechen von 15 bis 20 Euro, die pro Passagier in Passau gelassen werden. Das ist nicht viel für die Tourismusmetropole an Donau, Ilz und Inn. Morgens gehen die Passiere von Bord und Schlusspunkt der Tour ist oftmals das Orgelkonzert im Passauer Dom um 12 Uhr. Dann heißt es wieder einschiffen und weiter geht es zum nächsten Haltepunkt an der Donau.

Die Gästeführer von Passau haben das Nachsehen, weil die Kreuzfahrtschiffe einige Guides an Bord haben und die Passiere mit Audioguides ausgestattet sind. Per Funk werden die Touristen von Guides in der Landessprache über die Geschichte der Stadt unterrichtet.
Was bleibt für die Passauer Wirtschaft? Zum einen sind es die Reinigungskräfte, die vom Land angefordert werden. Aber auf Müllentsorgung kann man keine Stadt finanzieren. Zum anderen kommen frische Waren von ausgewählten Einzelhändlern an Bord.

Bei unserem Besuch in Passau fiel mir auf, dass die Schiffsmotoren der Schiffe oft im Leerlauf laufen. Es waren hauptsächlich Dieselmotoren. Ob das in Zeiten der Klimadiskussion noch opportun ist? Elektromotoren sind mir nicht aufgefallen, soll es aber auch bei den Kreuzfahrtschiffen geben. Berichtet wurde mir, dass es auch vorkommt, dass mancher Passagier seinen Abfall in die Donau illegal kippt, gesehen hab ich es aber nicht. In Passau sind die Liegeplätze für die Kreuzfahrtschiffe begrenzt, so dass bis zu drei Schiffe nebeneinander liegen. Die Schiffe werden auch immer größer. Passten früher vier Schiffe in eine Schleuse, so ist heute ein Schiff pro Schiff.

So kommt es vor, dass Schiffe beispielsweise in Österreich anlegen und die Passagiere per Bus nach Passau kommen. Doch die Parkplätze für Busse in Passau sind begrenzt und die Busse dürfen am Ufer nur 20 Minuten stehen.
Ich bin gespannt, wie die Stadt das Problem lösen will. Das Thema soll bei der Kommunalwahl 2020 eine Rolle spielen.

Zukunft der Arbeit: Automobilbranche als nächstes Opfer

6. Juni 2018

Gestern war ich Mäuschen und belauschte bei einer Zugfahrt zwei Herren, die sich über eine Fraunhofer-Studie zur Automobilindustrie unterhielten. Die Studie sagt, dass ein Umstellen auf Elektroautos in der deutschen Automobilindustrie zehntausende von Jobs kosten würde. Die beiden Herren waren sich einig, dass der Staat – also ich als Steuerzahler – den Autofirmen helfen müssten und das so ein Umstieg generell eher Blödsinn sei. Benziner seien doch besser als Elektroaustos. Dann stiegen die Herren aus und ich fuhr zu meinen Seminarort weiter und machte mir meine Gedanken. 

Stromtanken mit Karte.

Stromtanken mit Karte.

Es ist richtig, dass diese Transformation Arbeitsplätze kosten wird und ja ich halte es für richtig, dass diese Transformation kommen wird. Wir können Veränderung nicht aufhalten, aber in vernünftige Bahnen lenken – das nennt sich soziale Marktwirtschaft. Die Welt dreht sich weiter, ob mit oder ohne deutscher Automobilindustrie. Und nein: Der Staat soll und darf mit meinen Steuergeldern nicht in diesen Prozess eingreifen. Sollen sie doch Kuchen essen. Ich habe kein Mitleid mit einem Industriezweig, der sich nur schwer bewegen will. Für mich sind die Zeiten der PS-starken Benzinmotoren vorbei und es kommt etwas Neues. 

Die Autoindustrie hat den Arbeitsmarkt leer geräumt. Sie hat mit Verlockungen und Rabatten an Mitarbeiter dem klassischen Mittelstand die Arbeitsplätze weggenommen. Das Handwerk hatte das Nachsehen, weil junge Menschen lieber zu einem Automobiler gegangen sind als sich im Rückgrat unserer mittelständischen Wirtschaft zu engagieren. Der Handwerksmeister oder der klassischer Unternehmer bei KMU konnte mit den Prämien und Geschenken der Autobauer nicht mithalten. Politiker aus Bundesländern mit Autobauern begehren nicht gegen diese Industriegiganten auf und ganze Branchen mussten sich der Automobilindustrie unterordnen: Arbeitsplätze waren immer das Todschlagargument.  

Ist das wirklich zeitgemäß?

Ist das wirklich zeitgemäß?

Die Automobiler haben jahrelang große Gewinne gemacht und wenn jemand nun nach staatlicher Unterstützung schreit, halte ich es für falsch. Die Fraunhofer-Studie sagt: Bei einem angenommenen Anteil von 40 Prozent Elektroautos im Jahr 2030 würde allein in der Motoren-und Antriebsproduktion jeder dritte Arbeitsplatz wegfallen, weil Elektromotoren aus weniger Einzelteilen bestehen und dafür weniger Arbeit anfällt. Das Worst-Case-Szenario sagt sogar bei 90 Prozent Neuwagen-Elektroanteil einen Verlust von mehr als die Hälte der rund 210.000 Jobs im Fahrzeugbau aus. 

Die Diskussion um die Zukunft der Arbeit halte ich für ein enorm wichtiges Thema. Die Zukunft hat begonnen und die Transformation ist eingeläutet. Die beiden Herren hatten vielleicht berechtige Angst um ihren Arbeitsplatz, aber die Veränderungen wird eintreten. Es wäre wichtig, dass Eltern und Kinder sich dieser Veränderung bewusst machen und entsprechend reagieren. Angst vor der Transformation und Digitalisierung zu haben, ist falsch, denn diese Angst lähmt. Wir müssen unser Potenzial entfalten, dass wir haben.