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In Londoner Supermärkten die Einkäufe selbst scannen

13. Juni 2018

In vielen kleinen Supermärkten in London bin ich die Self Scanner-Kassen gestoßen. Was bei uns bei IKEA oder den großen Handelshäuser langsam eingeführt wird, sehe ich in London in vielen kleinen Geschäften: Der Kunde scannt an der Kasse seine Waren selbst und bezahlt in Bar, mit eCash wie Karte oder Smartphone. Das ist inzwischen Standard. 

Ei ohne Schale aber mit Plastikverpackung - aus einem englischen Supermarkt.

Ei ohne Schale aber mit Plastikverpackung – aus einem englischen Supermarkt.

Wie geht das? Als erstes scannt man seinen Einkäufe Stück für Stück ein und legt die Waren auf einem speziellen Bereich ab, wo das Gewicht überprüft wird. Stimmt die gescannte Waren mit dem hinterlegten Gewicht überein? 

Dann wird der Kauf abgeschlossen, ich habe die Wahl einer Tüte oder nicht, und dann kommt die Bezahlung: Bar oder Karte und die Sache ist gegessen. Personal ist eingespart, es braucht nur noch einen Supervisor, der den ganzen Prozess überwacht, Kunden wie mir es erklärt oder in Vorgänge eingreift. Ich habe dazu ein Video gedreht:

Ich sprach mit einem Mitarbeiter in einem Supermarkt über Sinn und Unsinn der Self Scanner-Kassen. Als Antwort bekam ich einiges zu hören: Man finde keine Kassenkräfte im leergefegten Londoner Arbeitsmarkt mehr, die bereit sind im Service zu arbeiten. Die Leute können sich schlichtweg die Mieten in dieser Stadt bei so einer Arbeit nicht leisten. Der Roboter ersetzt diese Arbeitsleistung. Die Digitalisierung an der Supermarktkasse schreitet voran. Zudem habe sich in London eine Imageänderung ergeben: Wer an eine Kasse mit Kassierer geht, sei entweder alt oder er sei faul. Das war eine heftige Aussage. In einer Stadt in der Kleinbeträge wie ein Glas Bier mit der Kreditkarte gezahlt werden und Abrechnungssysteme mit Apple Pay auf dem Vormarsch sind, geht das Bargeld immer weiter zurück.

Wäre ich ein paar Tage später zum Einkaufen in London gewesen, hätte ich Probleme mit diesem System gehabt. Wer am Freitag, den 1. Juni 2018, seine Visa-Karte zum Zahlen zückte, konnte sie gleich wieder einstecken: Ein Fehler im Netzwerk des Kartenanbieters Visa sorgte in Europa für Ausfälle. Das bargeldlose Bezahlen in Geschäften, an Bahnautomaten und in Restaurants war gestört. Viele sonst bargeldlose Transaktionen mussten in Cash abgewickelt werden – Wasser auf die Mühlen der Bargeldfreunde.

Stromtanken mit Karte.

Stromtanken mit Karte.

Ich bin mir sicher, dass Supermarktketten in Deutschland über ein System der Self Scanner-Kassen nachdenken. Die Voraussetzungen sind die gleichen: Leergefegter Arbeitsmarkt, Zuwachs von Kartenzahlung – und ich bin gespannt, wie der Deutsche auf diese Entwicklung reagiert. Was meinst du? 

In englischen Pubs ist das Zahlen mit Karte kein Problem.

In englischen Pubs ist das Zahlen mit Karte kein Problem.

Zukunft der Arbeit: Automobilbranche als nächstes Opfer

6. Juni 2018

Gestern war ich Mäuschen und belauschte bei einer Zugfahrt zwei Herren, die sich über eine Fraunhofer-Studie zur Automobilindustrie unterhielten. Die Studie sagt, dass ein Umstellen auf Elektroautos in der deutschen Automobilindustrie zehntausende von Jobs kosten würde. Die beiden Herren waren sich einig, dass der Staat – also ich als Steuerzahler – den Autofirmen helfen müssten und das so ein Umstieg generell eher Blödsinn sei. Benziner seien doch besser als Elektroaustos. Dann stiegen die Herren aus und ich fuhr zu meinen Seminarort weiter und machte mir meine Gedanken. 

Stromtanken mit Karte.

Stromtanken mit Karte.

Es ist richtig, dass diese Transformation Arbeitsplätze kosten wird und ja ich halte es für richtig, dass diese Transformation kommen wird. Wir können Veränderung nicht aufhalten, aber in vernünftige Bahnen lenken – das nennt sich soziale Marktwirtschaft. Die Welt dreht sich weiter, ob mit oder ohne deutscher Automobilindustrie. Und nein: Der Staat soll und darf mit meinen Steuergeldern nicht in diesen Prozess eingreifen. Sollen sie doch Kuchen essen. Ich habe kein Mitleid mit einem Industriezweig, der sich nur schwer bewegen will. Für mich sind die Zeiten der PS-starken Benzinmotoren vorbei und es kommt etwas Neues. 

Die Autoindustrie hat den Arbeitsmarkt leer geräumt. Sie hat mit Verlockungen und Rabatten an Mitarbeiter dem klassischen Mittelstand die Arbeitsplätze weggenommen. Das Handwerk hatte das Nachsehen, weil junge Menschen lieber zu einem Automobiler gegangen sind als sich im Rückgrat unserer mittelständischen Wirtschaft zu engagieren. Der Handwerksmeister oder der klassischer Unternehmer bei KMU konnte mit den Prämien und Geschenken der Autobauer nicht mithalten. Politiker aus Bundesländern mit Autobauern begehren nicht gegen diese Industriegiganten auf und ganze Branchen mussten sich der Automobilindustrie unterordnen: Arbeitsplätze waren immer das Todschlagargument.  

Ist das wirklich zeitgemäß?

Ist das wirklich zeitgemäß?

Die Automobiler haben jahrelang große Gewinne gemacht und wenn jemand nun nach staatlicher Unterstützung schreit, halte ich es für falsch. Die Fraunhofer-Studie sagt: Bei einem angenommenen Anteil von 40 Prozent Elektroautos im Jahr 2030 würde allein in der Motoren-und Antriebsproduktion jeder dritte Arbeitsplatz wegfallen, weil Elektromotoren aus weniger Einzelteilen bestehen und dafür weniger Arbeit anfällt. Das Worst-Case-Szenario sagt sogar bei 90 Prozent Neuwagen-Elektroanteil einen Verlust von mehr als die Hälte der rund 210.000 Jobs im Fahrzeugbau aus. 

Die Diskussion um die Zukunft der Arbeit halte ich für ein enorm wichtiges Thema. Die Zukunft hat begonnen und die Transformation ist eingeläutet. Die beiden Herren hatten vielleicht berechtige Angst um ihren Arbeitsplatz, aber die Veränderungen wird eintreten. Es wäre wichtig, dass Eltern und Kinder sich dieser Veränderung bewusst machen und entsprechend reagieren. Angst vor der Transformation und Digitalisierung zu haben, ist falsch, denn diese Angst lähmt. Wir müssen unser Potenzial entfalten, dass wir haben.