Posts Tagged ‘Schülerzeitung’

Raute – der Preis für Schülerzeitungen

1. September 2016
Ein ganzer Tag Jury-Sitzung kann anstrengend sein.

Ein ganzer Tag Jury-Sitzung kann anstrengend sein.

Ganz so einfach, wie man es sich vorstellt, ist eine Jury-Sitzung dann doch nicht. Vor kurzem wurde ich von der Hanns Seidel Stiftung zur Teilnahme an einer Jurysitzung eingeladen, um die beste Schülerzeitung Deutschlands zu küren. Der Preis heißt Raute. Das Ergebnis verrate ich natürlich nicht, aber verraten kann ich, dass wir es uns nicht leicht gemacht haben. Wir haben ganz schön miteinander gerungen, abgewägt und auch mal gestritten.


Wer gewonnen hat, das wird am 7. November verkündet. Dann findet ein Festakt in der Zentrale der HSS in München statt. Eingeladen hat die Vorsitzende der Stiftung, Ursula Männle. Die Festansprache hält dieses Mal der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. Spaenle ist selbst Journalist und wird den jungen Kollegen sicher Mut zusprechen. Ich hoffe, dass wenig Politik in seiner Rede vorkommt und vielmehr viel, viel Motivation für die Nachwuchsjournalisten.

Die eintägige Jury-Sitzung zur Raute hat Spaß gemacht. Ich wurde als Jurymitglied aus zwei Gründen nominiert. Zum einen, sicher der wichtigere Grund, ich mache seit über 20 Jahren Trainings für Schülerzeitungen. Ich betreue mehrere Zeitungen und ganze Redaktionen sind schon durch meine Schulungen gegangen. So mancher Schülerzeitungsredakteur ist später selbst Journalist geworden, was mich besonders freut. Ab und zu besteht der Kontakt noch immer. Zudem habe ich mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht. Hier gibt es eines zum kostenlosen Download. Wer gedruckte Exemplare braucht, bitte eine Mail an mich.
Zum anderen bin ich vor kurzem zum Vorsitzenden des Bloggerclubs gewählt worden. Zusammen mit vielen Gleichgesinnten haben wir den Verein gegründet, um Bloggern eine Unterstützung zu geben und auch um eine Interessenvertretung für Blogger zu sein. Und ich sehe, so manche Schülerzeitung hat als Marketinginstrument neben der Print-Schülerzeitung einen Blog am Start. Das passt ideal zusammen.
Die eingesandten Schülerzeitungen aus ganz Deutschland wurde in Schularten eingeteilt. Grund-/Mittelschulen, Förderschulen, Realschulen sowie FOB/BOS und Gymnasien. Es wurde von Mitarbeitern der HSS eine Auswahl getroffen und dann trat die Jury zusammen. Ich bewertete die Grund-/Mittelschulen und Förderschulen.


Bei unserer Arbeit waren wir sehr überrascht von der Qualität der Beiträge. Wir – das waren meine Blogger-Kollegin Miriam Zöllisch und der HSS-Praktikant Jan-Philipp Grande und ich. Bewertet wurde in den Kategorien Gesamtbild, journalistischer Einzelbeitrag und journalistische Vielfalt. Wir machten uns die Sache nicht leicht und rangen um die beste Entscheidung und die beste Begründung. Beim Durchlesen und Blättern ist mir wieder aufgefallen, wie kreativ die jungen Blattmacher sind. So hat eine Förderschule beispielsweise alle Beiträge als Audiodatei auf eine CD abgelegt, damit die sehbehinderten Mitschüler auch in den Genuss der Artikel kommen. Eine andere Zeitung hat beispielsweise auf einem Jahreskalender die Geburtstage der Lehrer veröffentlicht – freilich nicht ohne Hintergedanken. Bei Geburtstag muss der Lehrer einen Kuchen für die Klasse springen lassen. Schönes Thema war auch die Haustiere der Lehrer in der Grundschule.
Für mich als Blogger auch interessant, war der Einsatz von QR-Codes in den Heften. Hier wird auf eine Langfassung des Artikels gelinkt. Und was natürlich auch passiert und wo viele Profizeitungen lernen können, ist eine Verlinkungen auf Fotogalerien.
Ich habe gleich mal ein 360 Grad Video mit Stefanie von Winning vom Institut für politische Bildung der HSS gedreht. Sie ist die zuständige Referentin, wenn es um Schülerzeitungen geht. Viel Spaß mit dem Video.

Betreuungslehrer für Schülerzeitungen – ab zum Seminar

24. Februar 2016
Schülerzeitungen machen Spaß und fördern die Schulgemeinschaft.

Schülerzeitungen machen Spaß und fördern die Schulgemeinschaft.

Bei all meinen Seminaren mag ich besonders die Schülerzeitungsseminare. Es herrscht dort eine wunderbare Win-Win-Situation. Die Schüler bekommen aktuelles Know-how zu Print- und Online-Schülerzeitungen und ich erhalte Zugang zu neuen Denkweisen und Jugendtrends. Jetzt möchte ich mich auch intensiv um die Betreuungslehrer von Schülerzeitungen kümmern.
In der Regel sind die Betreuungslehrer von Schülerzeitungen die Deutschlehrer. Entsprechend gut sind die Zeitungen inhaltlich aufgestell, gute Artikel, interessante Themen und kaum Rechtschreibfehler. So viel Deutschlehrer über Texte wissen, so wenig wissen sie allerdings über Gestaltung, Typografie und Layout. Noch weniger Wissen ist vorhanden, wenn wir von der Druckvorstufe und PDF-Erzeugung sowie Marketingmaßnahmen reden.
Daher bin ich nun Referent eines Schülerzeitungsseminars für Betreuungslehrer. Das Seminar wird veranstaltet von der Hanns Seidel Stiftung und findet von 1. bis 3. April 2016 in Kloster Banz (Franken) statt. Das genaue Programm und die Modalitäten gibt es hier als PDF Betreuungslehrerseminar.


Meine Bitte: Wenn jemand einen Betreuungslehrer kennt, schickt ihm diesen Post weiter. Es wäre toll, wenn dieses Seminar stattfinden kann und wir genügend Anmeldungen haben.
Inhaltlich werden wir uns nicht ums Schreiben kümmern, sondern viel mehr um technische Abläufe, Redaktionsworkflow und Redaktionsmanagement. Die Lehrer bekommen Wissen um PDF-Erstellung und geeignete DTP-Software. Außerdem will ich mich um das Thema Foto kümmern, dass leider in Schülerzeitungen stiefmütterlich behandelt wird. Immer wieder kommt es vor, dass Schülerzeitungen einfach Bilder aus dem Netz klauen und sich damit angreifbar machen. Daher sind die Themen Fotorecherche und noch besser das Fotoshooting auch Bestandteil des Seminars.
Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung und freue mich auf dieses Seminar. Das Seminar ist für alle Schularten geeignet und natürlich können sich auch Lehrer anmelden, die für den Jahresbericht ihrer Schule zuständig sind. Hier mich ist das ein aktueller Beitrag zur Medienkompetenz.

Ein Resultat einer früheren Fortbildung war eine Schülerzeitung für fünfte Klassen. Der kleine Sobbit – in Anlehnung an den kleinen Hobbit ist ein klasse Projekt des Gymnasiums Schrobenhausen. Entwickelt wurde eine Schülerzeitung für die fünfte Klassen, die im September neu an das Gymnasium kommen. Hier ein kleines Video mit den engagierten Betreuungslehrern.

Ein Schülerzeitungsseminar für Schüler mit geistiger Behinderung

17. Dezember 2015
Die ComPost-Redaktion im Kaisersaal in Kloster Banz.

Die ComPost-Redaktion im Kaisersaal in Kloster Banz.

Eine Leidenschaft von mir ist das Thema Schülerzeitung. Es macht mir seit Jahren absoluten Spaß, die Nachwuchsredakteure und -layouter zu schulen. Jetzt durfte ich im Auftrag der Hanns Seidel Stiftung eine besondere Schulung durchführen: Ein Schülerzeitungsseminar für Schüler mit geistiger Behinderung.
Es war eine Premiere und es wurde ein Schülerzeitungsseminar der ganz besonderen Art. Im oberfränkischen Kloster Banz hatten sich acht Schülerinnen und Schüler der Comenius-Schule Aschaffenburg getroffen. Die Comenius-Schule Aschaffenburg ist ein staatliches Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Sie wird von 180 Schülerinnen und Schülern mit den differenziertesten Förderbedürfnissen besucht. Die Schüler haben unterschiedliche geistige Behinderungen – das hält sie aber keineswegs davon ab, mit voller Begeisterung ihre Schülerzeitung ComPost zu produzieren. Auch wenn manches natürlich anders geht als an anderen Schulen.
“Manches geht bei uns halt ein bisschen langsamer: Ein Interview mit 20 Fragen üben wir tagelang”, sagt Betreuungslehrerin Andrea Greiner. Aber am Ende hat jeder Schüler “seine” Frage auswendig parat und ist am Ende mächtig stolz, wenn dann das Interview “im Kasten” ist. Auch Fotografieren und das Tippen am Computer macht den Schülern einen riesigen Spaß. Mit Feuereifer wird jeder Winkel des Klosters Banz abfotografiert – besonders interessant sind der barock-prächtige Kaisersaal, das Videostudio und natürlich das Schwimmbad.


Pädagogisch behutsam gehe ich als Referent vor. Kurze, klare Sätze helfen den Schülerinnen und Schülern bei ihrer Arbeit. Grundlagen der Fotografie werden in Theorie und Praxis durchgenommen. Themen für die kommende Ausgabe der ComPost werden geplant und besprochen. Zudem werden In- und Out-Listen gesammelt und am Computer eingegeben – für die behinderten Schüler ein großer Erfolg und eine Bestätigung ihrer Arbeit. Fotos und Texte wurden auf USB-Sticks überspielt und werden jetzt in Aschaffenburg in die ComPost-Ausgabe eingearbeitet.


“Für uns ist das Seminar ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Inklusion in der Praxis funktionieren kann”, so Referentin Stefanie von Winning vom Institut für politische Bildung der Hanns Seidel Stiftung. Für die Zukunft sind weitere ähnliche Seminare geplant.

Sponsoren für weitere Seminare gesucht
Der Besuch des Schülerzeitungsseminars für die Schülerinnen und Schüler war nur möglich, da Eltern einer Schülerin der Schülerzeitung eine großzügige Spende zukommen ließen. Für künftige Seminare in Kooperation mit der Hanns Seidel Stiftung sind die Schüler auf weitere Sponsoren angewiesen. Nachdem ja viele nach Inklusion in der Gesellschaft rufen, bin ich mal gespannt, ob sich jetzt jemand meldet. Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen und den Kontakt zur Schülerzeitungsredaktion ComPost vermitteln.

Flüchtlinge in Passau – ein Erfahrungsbericht und wie eine 19jährige Schülerin hilft

6. Oktober 2015
Am Bahnhof in Passau kommen die Flüchtlinge an - Tag für Tag.

Am Bahnhof in Passau kommen die Flüchtlinge an – Tag für Tag.

Wir erleben gerade eine Zeitenwende, eine moderne Völkerwanderung. Dabei sind wir an dem Flüchtlingsstrom, der Europa erreicht nicht unschuldig. Jetzt gilt es mit kühlem Kopf die Herausforderung anzunehmen. Ich bin mir sicher, die Welt ändert sich und wir müssen sie aktiv gestalten. Voller Respekt schaue ich zu den vielen freiwilligen Helfern auf, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Und ich ziehe meinen Hut vor der Leistung der Bundespolizei und den staatlichen Kräften. Selten habe ich so viele ehrenamtliche und hauptamtliche Helfer gesehen, die Hand in Hand greifen. Das gibt mir Hoffnung für das Gute im Menschen.

Bundespolizei und Helfer nehmen die Flüchtlinge in Empfang.

Bundespolizei und Helfer nehmen die Flüchtlinge in Empfang.

In einem Seminar verschlug es mich in die Dreiflüssestadt Passau. Ich leitete dort ein Schülerzeitungsseminar für die Redaktion sechzehn12, der Zeitung des Leopoldinum-Gymnasiums. sechzehn12 weil die Schule 1612 gegründet wurde. Am Bahnhof Passau kamen und kommen täglich Flüchtlinge an und werden von Bundespolizei und ehrenamtlichen Helfern in Empfang genommen. Zusammen mit ein einigen Schülerzeitungsredakteuren machte ich daher eine Recherchenexkursion zum Bahnhof. Die Schüler sollten das journalistisch höchst spannende Thema aufgreifen – und zugleich auch etwas fürs Leben lernen. Am Bahnhof fällt als erstes ein großes gelbes Plakat von anmesty international auf. Dort ist zu lesen: „Jeder Mensch hat das Recht in anderen Ländern vor Verfolung Asyl zu suchen und zu erhalten.“

Klare Worte von ai.

Klare Worte von ai.

Charlotte, die Chefredakteurin der Schülerzeitung sechzehn12, engagiert sich dabei stark in der Flüchtlingshilfe. Provokant fragt sie: „Was wirst du tun?“ Die engagierte 19jährige will helfen und tut es. „Alles geht viel zu schleppend und vieles läuft gründlich verkehrt. Doch Flüchtende warten nicht. Sie haben einiges durchgemacht, da sind ein paar Hindernisse mehr oder weniger auf ihrer Route lästig, beängstigend, aber nicht abschreckend.“ Sie zeigt sich als junger Mensch enttäuscht von der mangelnden Solidarität in Europa. Und auch ich stimme zu: Das ist nicht das Europa, das ich mir vorgestellt habe.

Mit meinen Schülerzeitungsredakteuren mache ich eine Exkursion zum Bahnhof Passau. In der Mitte die Chefredakteurin Charlotte.

Mit meinen Schülerzeitungsredakteuren mache ich eine Exkursion zum Bahnhof Passau. In der Mitte die Chefredakteurin Charlotte.

Charlotte berichtet von ihren Erfahrungen am Passauer Bahnhof. In ihrem ersten Entwurf ihres Artikels für die Schülerzeitung schreibt sie: „Daraufhin geselle ich mich zu den freiwilligen Helfern, unter denen sich Vertreter aller Altersgruppen finden. Ich zähle insgesamt 15 Anwesende, darunter drei Dolmetscher. Eine von ihnen erzählt mir, dass es sehr schwer einzuschätzen ist, wann, wie viele mit einem Zug ankommen, da selbst die Polizei meistens erst 10 Minuten vor Ankunft Bescheid bekommt. Doch sind sie erst einmal da, werden sie mit allen Kräften versorgt und dann von den Polizisten zur Erstaufnahmestelle gefahren. Dabei geben anscheinend immer mehr an, überhaupt nicht in Deutschland bleiben zu wollen – zu viel Angst vor den Rechtsextremen, sagen sie.


Der nächste Zug wird um 15.23 Uhr erwartet, doch dann kommt die Meldung: die Reisenden werden nicht aussteigen, der Zug fährt gleich weiter. Also wird wieder gewartet, neue Plakate mit „Willkommen“ auf arabisch, englisch und deutsch aufgehangen, das Lager sortiert. Während wir nichts weiter zu tun haben, spreche ich mit Marco, der in meinem Alter zu sein scheint und eineinhalb Stunden entfernt an der Grenze zu Österreich lebt. Er erzählt mir, dass in seinem Dorf oft Flüchtlingsgruppen durchgehen und sich zwar einerseits schnell kleine Hilfstruppen bilden, andererseits aber auch viel negativ über diese Entwicklung geredet wird, vor allem in den Wirtshäusern. Da merkt man richtig, wie sich die Leute gegenseitig aufschaukeln und sich großes Unbehagen verbreitet. Allerdings sagt er auch, dass ihm schon oft aufgefallen sei, dass genau diese Leute, viel weniger extrem sind, wenn sie alleine darüber sprechen. Um 17.20 Uhr kommt dann der nächste Zug an und um die 15 Flüchtende steigen aus – eine syrische Familie mit zwei kleinen Töchtern, der Rest männliche Jugendliche aus Syrien und Afghanistan. Sofort bieten wir ihnen Wasser und Tee an, die Dolmetscher beantworten Fragen und machen anscheinend Späße, denn man hört ab und zu Lachen. Dann wird warme Kleidung verteilt und die Kinder bekommen Süßes. Bei manchen sind es bereits eingespielte Handgriffe und die, die neu dazu gekommen sind, so wie ich, schauen zu und machen nach.“
Die Organisation am Bahnhof in Passau ist eingespielt. Die Flüchtlinge werden registriert und versorgt. Dolmetscher helfen die Sprachbarriere zu überwinden. Interessant ist auch, dass vermeintliche Asylbewerber, die vorgeben aus Syrien zu kommen, aber es gar nicht sind, durch einfache Ansprache auf Arabisch erkannt werden. Die Temperaturen werden niedriger, so wird mehr warme Kleidung benötigt. Etwas gibt etwas zu essen und warme Getränke. Es gibt für die Kinder Spielzeug. Wie die Versorgung im Winter aussehen wird, weiß noch niemand.


Als Schülerin hat Charlotte eine Möglichkeit gefunden, aktiv zu helfen. Sie macht etwas, was ein Schüler machen kann. Sie gibt Nachhilfe. Viele von den Flüchtlingskindern gehen auf die Nikola-Mittelschule und kommen dann anschließend ein- bis zweimal pro Woche in die Bibliothek des Leopoldinums, um dort ihr Deutsch durch einfache Gespräche, Grammatikaufgaben oder Spiele zu verbessern. Eine der Nachhilfelehrer ist Charlotte und ihr Schüler ist der 16jährige Hafiz (Name geändert). Sie erzählt ihm viel von unserer Kultur und unseren Werten. Und sie hat sich auch seine Geschichte angehört und darüber geschrieben. Ihren Artikel gebe ich auszugsweise wieder: „Wir setzten uns etwas abseits in eine Ecke, ich zücke Block und Stift und er fragt mich, wo er anfangen soll. Unsicher, wieweit Hafiz bereit ist, sich mir zu öffnen, sage ich „am Anfang“ und er fängt an. Geboren wurde er in Afghanistan. Mit leuchteten Augen erzählt er mir wie lebendig dort das Leben ist, dass sich alle Kinder auf den Straßen treffen, miteinander spielen und die Älteren von ihnen fast die Erziehungsaufgaben der Eltern übernehmen. „Die Kinder auf den Straßen kennen keine Regeln“, sagt er, „Dass es welche gibt, habe ich auch erst gelernt, als ich älter wurde.“ Doch seine Kindheit war eine glückliche Zeit, am besten würde das ein Sprichwort aus seiner Heimat ausdrücken: „Wenn du 20 Jahre alt bist, hast du 60 Jahre gelebt.“


Seine Mutter ist Lehrerin und brachte ihm Zuhause unter anderem auch Englisch bei. Viel mehr aber war sie wohl seine Beschützerin, denn sein Vater war drogenabhängig, verdiente sich mit Wetten etwas dazu und war Zuhause oft wütend. Eines Tages kam es dann dazu, dass er nichts mehr zu verwetten hatte und so setzte er auf Hafiz, seinen damals 13-jährigen Sohn. Seine Mutter bekam zum Glück früh genug davon Wind, sagte ihm, er solle seine Sachen packen und versteckte ihn für ein paar Tage bei einem Nachbarn. Dieser gab ihnen Geld und den Kontakt zu einer Schleuserorganisation. Somit war Hafizs Reise nach Deutschland beschlossen. Zunächst stand ein neun Stunden langer Fußmarsch in den Iran an. Dort wurde er für zwei Jahre von seiner Tante aufgenommen und fing an, sich mit Nähen Geld zu verdienen, das er seiner Tante gab. Irgendwann sagte sie ihm, ihre Familie könne ihn nicht mehr mit ernähren und er wurde weiter geschickt. Die zweite Etappe bis in die Türkei konnte er in einem Transporter überwinden. Nach zwei Wochen des Wartens brachte man ihn schließlich auf ein drei Meter langes und zwei Meter breites Boot, welches ihn nach Griechenland bringen würde. 51 Menschen quetschten sich neun Stunden auf engsten Raum zusammen, es gab keine Verpflegung, nur eine Schwimmweste für jeden. Kurz vor der griechischen Küste zerschellte dann ihr Boot an einem Felsen. Doch trotz großer Erschöpfung, schafften es zum Glück alle an Land zu schwimmen und Erleichterung machte sich breit. Nach erneuten zwei Wochen Aufenthalt nahm Hafiz dann – bevor Ungarn seine Grenze dicht gemacht hat – die meist gewählte Route: Albanien, Serbien, Ungarn, Österreich und dann, endlich, Deutschland. Insgesamt hat ihn das drei Monate und 4000 Euro gekostet. Nun lebt er schon fast ein Jahr in Passau, spricht gutes Deutsch und hat neue Freunde gefunden, bis jetzt hauptsächlich andere Ausländer. Ich möchte von ihm wissen, was er in Zukunft vorhat. „Arbeiten“, antwortet er sofort, „Schulabschluss machen und mir dann ein neues Leben aufbauen.“
„Und hast du was von deiner Familie gehört?“, frage ich und er schüttelt zunächst nur den Kopf. „Irgendwann habe ich dann meine Tante angerufen. Die hat mir gesagt, dass sie weggezogen wären, aber keine Adresse hinterlassen haben. Ich weiß nicht, wo meine Familie ist. Ich werde sie wahrscheinlich nie wieder sehen.“ Hafizs Stimme ist klar und ruhig, dann sieht er mich direkt an und sein Blick lässt fast keine Trauer zu. „Am Anfang, habe ich oft geweint, doch irgendwann habe ich kapiert, dass ich damit abschließen muss. Ich schaue nach vorne, denn hier ist jetzt mein Leben.“

Schülerzeitungen – mehr als nur Schule

9. Februar 2015
DTP-Arbeit am PC gehört dazu.

DTP-Arbeit am PC gehört dazu.

Im Moment führe ich zahlreiche Seminare für Schülerzeitungen durch und ich muss sagen, ich genieße die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen. Auf meiner Facebook-Seite gibt es ein paar Beispiele. Durch die Zusammenarbeit mit den Schülern bekomme ich Einblick in moderne Denkweisen, welche Musik gehört wird, welches Spiel gespielt wird – wie man gerade so tickt.
Bei meiner Arbeit habe ich mich gefragt, warum die Mitarbeit in einer Schülerzeitung so sinnvoll ist. Natürlich könnte ich jetzt sehr pädagogisch mit Integration in die Schulfamilie argumentieren. Aber viel wichtiger finde ich, was die jungen Schülerzeitungsredakteure wirklich für sich lernen. Der blöde Spruch, nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt man, passt hier ausgezeichnet.

Teamwork ist Bestandteil des Seminars.

Teamwork ist Bestandteil des Seminars.

Zum lernen die Nachwuchsjournalisten den Umgang mit Texten. Sie lernen journalistisch zu arbeiten: Artikel zu schreiben, zu kürzen, zu längen, Interviews zu führen, Material aufzubereiten, unter Zeitdruck zu schreiben, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Hinzu kommt die Arbeit mit dem Fotoapparat und bei Online-Journalismus das Drehen von Filmen mit dem Smartphone. Es gilt, die richtige Einstellung zu finden, den optimalen Blick für ein Motiv zu finden, den Augenblick festzuhalten.
Und schließlich der Umgang mit der DTP-Software. Die Programme QuarkXPress, Adobe InDesign, Adobe Photoshop oder die Open Source-Varianten wie Scribus oder GIMP verlangen präzises Arbeiten. Wer schludert, der wird im Druck bestraft. Das Layout selbst fördert die Kreativität und gibt Mut zu neuen Ideen, einmal aus dem vorgegebenen Rahmen auszubrechen.
Das sind alles klassische handwerkliche Tätigkeiten, die zu dem Beruf des Journalisten gehören. Aber zudem lernen die Schülern enorm über Verantwortung und sie lernen Management und Workflow.

SZ2

Ganz wichtig ist auch, dass sie Projektmanagement aktiv betreiben. Die Kinder müssen im Team arbeiten und müssen als Team Ergebnisse nach einer festgelegten Zeit vorlegen. Das formt die jungen Schülerzeitungsredakteure, fördert sie und fordert sie. Am Ende eines Seminars sind alle von dem Ergebnis begeistert – Schüler und Lehrer und natürlich ich als Referent. Die Schüler durchlaufen in diesen Seminaren eine persönliche Entwicklung durch und das macht unheimlich Spaß, dies zu verfolgen. Und das gilt für jedes Alter und für jede Schulart.

SZ1
Interessant ist aber auch die Entwicklung der begleitenden Lehrer. In der Regel sind die Betreuungslehrer von Schülerzeitungen Deutschlehrer. Hier wird naturgemäß sehr viel Wert auf Texte und Textformen gelegt. Es kommt auch vor, dass der Betreuungslehrer ein Kunstlehrer ist. Hier kommt dann der kreative Moment stärker zum Tragen. Am schönsten ist es allerdings, wenn die Betreuungslehrer sich aus Kunst- und Deutschlehrer zusammensetzen. Dann passt beides. Außerdem stelle ich fest, dass Lehrer so gut wie nichts über technische Prozesse wie Layouten, PDF X3-Export oder Umgang mit Druckereien wissen.
Im Moment biete ich gerade Schülerzeitungsseminare für Online-Journalismus an sowie wie ein Seminar für Betreuungslehrer von Schülerzeitungen. Wer Lust hat teilzunehmen, sollte sich bitte umgehend bei mir melden. Gerade das Thema Online-Journalismus wird in Zeiten knapper werdender Werbung immer wichtiger. Wie kann so eine Online-Zeitung für eine Schule aussehen? Auch als Schule muss ich mich auf den Zeitenwandel vorbereiten.

SZ3

Kochkurse für den Nachwuchs

13. August 2014

Essen1

Ich habe das Gefühl, dass in unserem Land ein Umdenken in Sachen Ernährung festzustellen ist. Aber natürlich nicht bei allen. Es sind kleine Schritte, aber es bewegt sich etwas.
Während früher das Auto und der Urlaub die wichtigsten Statusmerkmale waren, ändert sich die Einstellung in Bezug aufs Essen. Für die Generation meiner Eltern galt als gutes Essen, wenn der Teller voll war. Das ist aus der Sicht der Kriegs- und Nachkriegsgeneration zu verstehen und ich werde die Elterngeneration nicht mehr ändern.
Bei meinen Kindern K1/2 achte ich darauf, dass sie sich richtig ernähren. Das bedeutet nicht, dass sie sich ausschließlich gesund ernähren und natürlich gibt es schon ein paar Ausrutscher. Aber sich einer Sache bewusst zu machen, ist der erste Schritt diese Sache zu ändern.
Dennoch stelle ich fest: zwischen dem Erzählten und dem wirklich praktizierten gibt es gewaltige Unterschiede. Das merke ich beispielsweise bei meinen Schülerzeitungsseminaren. Wenn ich auf das journalistische Thema Gesundheit komme, dann wissen meine Schülerzeitungsredakteure im Großen und Ganzen Bescheid über gesunde Ernährung. Groß wird über die richtige und gesunde Ernährung philosophiert und diskutiert. Und dann kommt die Pause: einige, die vorher gesunde Ernährung sprachen, hauen sich fettige Pommes und Currywurst rein. Und billig muss es sein, hauptsache billig. Für Essen wird nicht gerne Geld ausgegeben, anders als bei unseren italienischen oder französischen Nachbarn.
Aber, wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Journalistisch wird das Thema Essen und Ernährung in Angriff genommen. Zu Hilfe kommen mir hier die Kochsendungen im Fernsehen. Seien es das Kochduell oder der Restauranttester. Die Schülerzeitungsredakteure kopieren diese Formate für ihre Publikationen. Sie laden sich bei bei ihren Lehrern ein, lassen sich bekochen, fotografieren und schreiben darüber. Es werden Werte und ein Bewusstsein geschaffen.

Essen2
Leider hab ich erst jetzt erfahren, dass es sogar hier ein Wertebündnis in Bayern gibt, an dem ich mich gerne beteiligt hätte.
Im Rahmen des Wertebündnis Bayern wurde das Projekt Bayern schmeckt. vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern als Projektleitung, unterstützt von der Bayerischen Staatskanzlei, dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium sowie fünf weiteren Projektpartnern, entwickelt.
Das Projekt Bayern schmeckt. rückt wertvolles Essen in den Alltag junger Menschen und deren Eltern. Sie sollen heimische Lebensmittel kennen und verarbeiten lernen sowie Esskultur in der Gastronomie und der Landwirtschaft (er)leben. Generell haben gesundes Essen und regionale Küche in Bayern Tradition und sind heute gefragter denn je, so zumindest der Gaststättenverband in einer Mitteilung. „Essen und Trinken bedeutet aber nicht nur Tradition und Kultur. Eine ausgewogene Ernährung beeinflusst vielmehr die eigene Gesundheit, das Wohlbefinden und den persönlichen Erfolg“, so DEHOGA Bayern-Präsident Ulrich N. Brandl.
Und auch die Politik appelliert: „Wenn wir in unserer Gesellschaft mehr Wertschätzung und Sensibilität für den Umgang mit hochwertigen Lebensmitteln erreichen wollen, müssen wir vor allem bei den Jugendlichen ansetzen“, sagte Ernährungsminister Helmut Brunner bei der Vorstellung in München. Das Projekt Bayern schmeckt. sei ein wichtiger Baustein dafür. Mensch, dann bin ich ja mit meinen Schülerzeitungseminaren an richtigen Stelle – nur haben es die zuständigen Stellen bisher noch nicht gemerkt. Das will ich ändern.
Bayern schmeckt. will jungen Menschen die Wertschätzung für Essen, heimische Lebensmittel und Traditionen vermitteln. Aber wir wollen auch aufzeigen, wie ereignisreich und sinngebend Berufe in Landwirtschaft und Tourismus sind und dass diese Berufe Menschen ein ganzes Leben begeistern und ernähren können.

Essen3
Im Rahmen des Projektes Bayern schmeckt. richten junge Menschen gemeinsam ein Event aus und laden ihre Eltern und Freunde ein. In fünf Modulen, meist an fünf Nachmittagen, planen und organisieren die Jugendlichen das Event, wählen heimische Nahrungsmittel aus, bereiten Speisen und Getränke zu, dekorieren die Tische und verwöhnen als Gastgeber ihre Gäste.
Dazu bietet Bayern schmeckt. Kochworkshops für Jugendliche an, in denen Praxisnähe groß geschrieben wird: Vom Einkauf über das Dekorieren bis hin zur abschließenden Feier heißt es Hand anlegen. Unterstützt von erfahrenen Gastronomen und angehenden Meisterköchen erhalten junge Menschen direkte Einblicke in die Herkunft unserer bayerischen Lebensmittel und die Welt der Gastronomie. Dabei darf der Spaß nicht zu kurz kommen.
Über diese Kochkurse würde ich gerne berichten ausführlich darüber bloggen. Gegebenenfalls kann ich die Thematik auch in meine Seminare aufnehmen.

BMW-Stiftung fördert Tatfunk – Schüler machen Radio

4. Februar 2014

Zu einem meiner Tage der Medienkompetenz war ich neulich ans Gymnasium Dingolfing eingeladen. Dort schulte ich Schüler und Lehrer in Sachen Soziale Netzwerke. Der Tag war ein voller Erfolg. In der Pause durfte ich dem Tatfunk ein Interview geben.

Der Redaktion des Tatfunk im Interview mit mir.

Der Redaktion des Tatfunk im Interview mit mir.

Der Tatfunk ist eine Gruppe von engagierten Schülern, die Medienkompetenz praktisch erlernen. Ein 20minütiges Interview mit mir wurde aufgenommen und wird nun unter professioneller Anleitung geschnitten und sendefertig gemacht. Ich habe zum Spaß das Interview mit dem iPhone mitgefilmt und bei YouTube eingestellt. Medienarbeit an Schulen ist vielfältig und muss nicht nur Schülerzeitung bedeuten. Durch meine verschiedenen Vorträge an Schulen und Arbeit für Schülerzeitungsredaktionen hab ich unterschiedliche Ansätze gesehen. So gab es beispielsweise im Norden Bayerns in Selb eine super engagierte Gruppe Schulfernsehen und eben nun in Niederbayern den Tatfunk.

In Dingolfing hat BMW ein großes Werk und der Tatfunk gehört zur Eberhard von Kuenheim Stiftung. Diese BMW-Stiftung wurde im Jahre 2000 gegründet und nach dem langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden benannt. Ziel der Stiftung ist es, Pilotprojekte zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln und umzusetzen.

Der Tatfunk ist eines dieser Projekte. Hier entwickeln Oberstufenschüler im Verlauf eines Schuljahres eine eigene Radiosendung und erhalten ein kleines Budget mit dem sie eigenverantwortlich ihre Sendung produzieren. Journalistische Grundlagen bekommen die Schüler von einem Mediencoach und auf einer Lernplattform im Internet vermittelt. In unserem Fall in Dingolfding ist es ein Radiokollege aus Regensburg.

Weitere Lernziele sind es, ein Projekt von Beginn an selbst zu planen, als Projektteam zusammenzuarbeiten und die eigenen Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Bei Tatfunk kooperiert die Stiftung u.a. mit BMW, dem Bayerischen Rundfunk und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Das Projekt läuft in sechs Bundesländern. Das Thema Soziale Netzwerke passt ideal zu den Zielen der Eberhard von Kuenheim Stiftung. Da gebe ich gerne ein Interview und unterstütze die engagierten Schüler des Gymnasiums Dingolfing. Super, solche Leute brauchen wir.

Bei einem Vortrag war ich zu Gast am Gymnasium Dingolfing.

Bei einem Vortrag war ich zu Gast am Gymnasium Dingolfing.

Schülerzeitungspreis Die Raute: Der Amtschef ist Kollege

19. November 2013

Aufmerksame Blogleser wissen es, ich bin oft in Sachen Schülerzeitung unterwegs. Und so auch wieder vor kurzem: Als Jury-Mitglied nahm ich an der Preisverleihung der Raute teil. Die Raute ist ein Schülerzeitungspreis der Hanns-Seidel-Stiftung, zu dem ich einige Ideen beigetragen habe. Inzwischen wurde der Preis zum vierten Mal vergeben und ich war zum ersten Mal bei der Preisverleihung dabei. Schön war es, muss ich sagen und ich bin schon stolz auf mein Zutun.

Die Verlegung wurde vorgenommen von Peter Müller (KuMi), Franz Guber und Hans Zehetmair (beide HSS).

Die Verlegung wurde vorgenommen von Peter Müller (KuMi), Franz Guber und Hans Zehetmair (beide HSS).

210 Schülerzeitungen hatten sich an der diesjährigen Ausschreibung beteiligt. Dr. Peter Müller, Amtschef im Bayerischen Kultusministerium, und Stiftungsvorsitzender Prof. Hans Zehetmair überreichten den mit insgesamt 4.500 Euro dotierten Preis an fünfzehn Redaktionsteams. Sehr nett, war die Rede von Peter Müller, der von seiner Schülerzeitungszeit erzählte. Das ist wichtig, denn wenn der Amtschef des Kultusministeriums ein Schülerzeitungsmacher war, dann rennen wir mit dem Thema bei ihm offene Türen ein.

Als Jury-Mitglied durfte ich vorne sitzen.

Als Jury-Mitglied durfte ich vorne sitzen.

In diesem Zusammenhang war eine Bemerkung eines Schülers nett, der hinter mir saß. Er meinte zu seinem Nachbarn: „Cool, dann kann ich zum Müller jetzt auch Kollege sagen, denn wir Schülerzeitungsredakteure sind ein immer ein Team.“ Respekt vor so viel Chutzpe. Das gefällt mir am journalistischen Nachwuchs.

Wie schon im vergangenen Jahr wurde der Preis in fünf Schularten (Hauptschule/Mittelschule, Realschule, Gymnasium, Förderschule und Berufliche Schulen mit FOS/BOS) und jeweils in drei Kategorien vergeben: „Journalistischer Einzelbeitrag“, „Kreativität und Gestaltung“, „Informationsvielfalt“.

Es war wunderbar zu sehen, wie sehr sich die jungen Redakteure über den Preis gefreut haben. Ein junger Bub, der gerade mal bis zum Bistrotisch reichte, erklärte mir stolz beim anschließenden Empfang: „Wissen Sie, das ist mein allererster Preis, den ich je bekommen habe.“ Hab ich ihm gerne geglaubt und ihn nochmals beglückwünscht. Der kleine Mann wuchs in dem Moment sichtlich. Motivation ist schließlich alles. Was er in Latein oder Mathe gelernt hat, wird er wahrscheinlich vergessen, aber diesen Moment der Ehrung sicherlich niemals.

Der Amtschef des KuMi im Gespräch mit mir.

Der Amtschef des KuMi im Gespräch mit mir.

In diesem Jahr siegten die Redaktionen folgender Schülerzeitungen: Pippifax, HKS World, Kunterbunte Schatztruhe, V.I.N., Volltreffer, Schilly Schote, paparazzi, eigenleben, wortwechsel, freestyle, die idee, egon, Camerjäger, Konkret, Herbert.

Viele der Preisträger werde ich wohl wiedersehen und weiter schulen. Ich freue mich darauf. Die Sieger bekommen eine Schulung und zusammen mit einem Kollegen optimieren wir die Zeitungen. Wichtig ist, dass wir die jungen Zeitungsmacher ernst nehmen und uns konkret um die Probleme kümmern. Diese sind in erster Linie gar nicht mehr journalistischer Art. Vielmehr drehen sich viele Fragen um redaktionelle Konzepte und Redaktionsworkflow. Auch werden mehr und mehr Konzepte erarbeitet, wie eine Schülerzeitung im Web 2.0-Zeitalter aussehen könnte. Auf die Ideen bin ich gespannt.

Martin Ruf vom Eigenloben der Klara Oppenheimer Schule.

Martin Ruf vom Eigenloben der Klara Oppenheimer Schule.

Adobe schließt Verträge zur Softwarelizenzierung für Schulen und Hochschulen

10. November 2013

Für Software-Firmen ist es wichtig, in Schulen zu gelangen. Wer als Schüler eine Software lernt, wird sie später weiter verwenden, weil er sie gewohnt ist. Adobe schloss vor kurzem bundesweite Rahmenverträge zur Softwarelizenzierung für Schulen und Hochschulen und ist damit einen Schritt weiter. Bei meinen Schülerzeitungsseminaren zeigt sich, dass viele Schulen ein Software-Problem haben. Dies könnte sich mit dem Rahmenvertrag entspannen.

Web_Kreativitaetsbarrieren

Adobe Systems hat mit dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) sowie dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) bundesweit gültige Rahmenverträge zur Lizenzierung von Adobe-Software an Bildungseinrichtungen abgeschlossen. Mit den Rahmenverträgen bietet Adobe ein neues Mietlizenzmodell namens ETLA („Enterprise Term License Agreement“) an. Deutsche Schulen und Hochschulen können sich den Rahmenverträgen anschließen, was sowohl Planung, Kostenkalkulation, Beschaffung als auch die Verwaltung der Programme für Bildungseinrichtungen stark vereinfacht. Laut einer aktuellen Studie, für die im Auftrag von Adobe weltweit mehr als 4.000 Eltern und Lehrer zu Barrieren in Bildungssystemen befragt wurden, ist eine bessere Integration von Technologien zur Förderung der Kreativität auch dringend notwendig. So stellen 71 Prozent der befragten Lehrer in Deutschland fest, dass sie mehr für die wichtige Kreativitätsvermittlung im Unterricht tun könnten, ihnen jedoch schlichtweg die Mittel dafür fehlen. Das kann ich bestätigen. Obwohl alle von Bildung sprechen, ist in den Schulen kaum Geld vorhanden. Hier eine Grafik über die Kreativitaetsbarrieren zum Download.

Zwei Drittel der befragten Pädagogen aus Deutschland sind sich einig, dass Kreativität eine tragende Säule der Wirtschaft ist und die effektive Förderung die Entwicklung des Landes vorantreibt. Die überwiegende Mehrheit der befragten Eltern und Lehrer ist sich zudem einig, dass Kreativität, Innovationsvermögen und Medienkompetenz wichtige Lernfelder der Zukunft sind und Kreativität im Bildungsumfeld in den nächsten 25 Jahren sogar noch stärker an Bedeutung gewinnen wird. Dabei ist in vielen Lehrbereichen der Einsatz neuer Medien unter kreativen Aspekten bereits vorgesehen, doch allzu oft fehlen die Ressourcen. Es fehlt an Werkzeugen sowie an der Zeit für die Vermittlung und Umsetzung innovativer Ideen im Schulalltag. 81 Prozent der Lehrer besitzen derzeit nicht die richtigen Tools, um Kreativität bei Schülern und Studenten effektiv zu fördern. Eine logische Schlussfolgerung daraus ist, dass sich die befragten Lehrer für einen Wandel von Lehrplänen und Studieninhalten aussprechen und die bessere Integration von Werkzeugen zur Kreativitätsförderung in die Lehrpläne fordern.

Jetzt wissen wir auch, wie lange es braucht, bis Lehrpläne geändert werden. In Bayern haben wir 2016 neue Lehrpläne, die lange vorbereitet werden. Dennoch kann Kreativ-Software in den Schulen beitragen, dass das Schulleben spannender wird. Genannt seien nur die Schülerzeitung, der Jahresbericht, P-Seminare, Kreativseminare, Fotoseminare, Filmseminare. Und hier alle diese Seminare und Aktionen brauche ich moderne Software.

Kostenvorteile durch ETLA-Rahmenverträge mit FWU und LRZ

Um den besonderen Anforderungen von Bildungseinrichtungen gerecht zu werden, bietet Adobe Schulen und Hochschulen seit diesem Jahr ein neues Mietlizenzmodell namens ETLA („Enterprise Term License Agreement“). Über den Beitritt der Bildungseinrichtungen zu einem Rahmenvertrag werden Software-Lizenzen für Adobe Creative Cloud-Produkte gemietet, was allerhand Vorteile gegenüber Kaufverträgen bietet. Das Mietlizenzmodell erleichtert die Planbarkeit sowie die Kostenkalkulation der Softwareanschaffungen für Bildungseinrichtungen, da Kosten für die Softwarelizenzen künftig auf Basis beschäftigter Vollzeitmitarbeiter berechnet werden. Mit der Ermittlung des Lizenzbedarfs per Mitarbeiter statt per Computer entsteht ein signifikanter Preisvorteil gegenüber der traditionellen Kauflizenzierung.

Software bleibt immer auf dem aktuellsten Stand 

Kostenfreie Updates auf die jeweils aktuellsten Software-Versionen sind standardmäßig in den Mietlizenzen der Rahmenverträge enthalten. Kostenpflichtige Upgrade-Pläne gehören so der Vergangenheit an, wodurch Bildungseinrichtungen ihre EDV-Kosten senken und sie langfristig transparent sowie planbar halten. Zusätzlich haben alle teilnehmenden Einrichtungen eine „Work-at-home“-Möglichkeit, mit der sich Lehrkräfte auch zu Hause auf den Unterricht vorbereiten können. Damit auch Schüler und Studenten die Creative Cloud-Tools in ihrer Freizeit einsetzen können, besteht die Option, sie in die Lizenzstaffelung mit einzubeziehen. So können alle Schüler, Dozenten und Verwaltungsangestellte innerhalb der Einrichtung immer die aktuellsten Versionen der Creative Cloud-Werkzeuge für Lern- und Privatzwecke nutzen.

Das Angebot der Rahmenverträge senkt den Aufwand des Vertragsmanagements für alle Bildungseinrichtungen um ein Vielfaches, da bei Beitritt für alle Teilnehmer die jeweiligen Konditionen der verabschiedeten Rahmenverträge gültig sind. Der Rahmenvertrag für Schulen wurde im ersten Schritt zwischen Adobe und dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) abgeschlossen. Schulen können diesem Vertrag zu unterschiedlichen Zeitpunkten innerhalb eines Kalenderjahres beitreten, die Gesamtlaufzeit beträgt drei Jahre. Die gleichen zeitlichen Modalitäten bietet auch der Rahmenvertrag für Hochschulen, der zwischen Adobe und dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in München vereinbart wurde, lediglich das Startdatum des Hauptvertrags unterscheidet sich.

 

Erfolgsrezept: Schülerzeitung Maulkörbchen für die fünfte Klasse

18. Oktober 2013

IMG_6398

Schülerzeitungen in Bayern verändern sich. Zum einen haben die Schüler am Gymnasium durch G8 weniger Zeit für nebenschulische Aktivitäten, zum anderen bekommen auch Schülerzeitungen in Ballungsräumen die Print-Anzeigenkrise zu spüren. Gleichzeitig steht auch fest: Print hat an Schulen noch eine Zukunft, muss aber finanziell anders auf die Beine gestellt werden. Das klassische Modell von Vertriebs- und Werbeeinnahmen funktioniert nur noch bedingt.

Als Referent für Schülerzeitungsredakteure wies ich länger auf diese Entwicklung hin und zeigte Auswege an, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Von einem wunderbaren Ergebnis kann ich nun berichten. Das Celtis-Gymnasium im fränkischen Schweinfurt hat meine Ideen umgesetzt und damit ungeheuren Erfolg gehabt. Die Schülerzeitung heißt Maulkorb und zum Schulanfang gab es das Maulkörbchen.

Was verbirgt sich dahinter? Das Maulkörbchen ist eine Schülerzeitung nur für die Fünfklässler, die in den Anfangstagen des neuen Schuljahrs verkauft wird. Die fünften Klassen sind neu aufs Gymnasium gekommen und sind hoch motiviert. Der Inhalt der Zeitung ist Service pur. Er erklärt den Neulingen ihre neue Schule und zwar in Schülersprache. Also wo sind die Räume, wie läuft das mit den Fächern und wer ist eigentlich wer an der neuen Schule? Zusätzlich gab es einen Stundenplan zum Ausschneiden.

Als Erwachsener und Papa kenne ich die offiziellen Begrüßungsschreiben von Schulen, die für einen Erwachsenen okay und verständlich sind. Aber diese Schülerzeitung hat die Schüler als Zielgruppe und kommt bei ihrer Zielgruppe gut an. So muss zielgruppenspezielle Ansprache sein.

Die Idee hat ausgezeichnet funktioniert. Zum einen hat die Schülerzeitungsredaktion durch den Verkauf gleich ein Startguthaben erwirtschaftet und kann beruhigt in das Schülerzeitungsjahr starten. Zum anderen wurden die Fünftklässler gleich an ihre Schülerzeitung hingeführt. So gelingt perfekt eine Markeneinführung.

Jetzt kann das Produkt noch optimiert werden. So gibt es im Maulkörbchen (noch) keine  Anzeigen. Für Bäckereien, Schreibwarenläden usw. wäre so eine Zeitschrift die ideale Werbeplattform, weil sie mit einer neuen Zielgruppe, eben neuen Schülern in Kontakt treten könnten.

Übrigens, das Maulkörbchen kam gut bei Schule und Elternbeitrat des Gymnasiums an. Die künftigen Ausgaben werden von der Schule finanziert und frei an die neuen Schüler verteilt. Jetzt muss die Schülerzeitung nur etwas für sich heraushandeln.