Posts Tagged ‘Big Data’

Digitalisierung – der Angst entgegenwirken

10. Oktober 2017

Wir müssen den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Immer wieder gebe ich Seminare rund um Big Data, IT-Sicherheit, Social Media oder Künstliche Intelligenz und ich stelle fest, viele Menschen haben Angst vor Veränderung. Angst ist aber immer ein schlechter Ratgeber. Daher ist Information angesagt. Nur Wissen und Information kann den Menschen die Angst nehmen und treibt sie nicht in die Arme von seltsamen Heilsversprechern. Natürlich gilt es die Digitalisierung zu hinterfragen und zu diskutieren. Aber dies kann man nur durch Information.
Mir begegnen als Referent immer wieder Menschen, die irre stolz sind, wenn sie ihren Mailaccount beim Smartphone einrichten können. Für diese Menschen ist dies bereits ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung. Da sind manche meiner Vorträge nahezu Science Fiction, wenn ich über KI oder Sprachassistenten spreche. Für uns IT-Fuzzis ist dies schon normal. Wir diskutieren die Feinheiten zwischen Siri, Alexa und Google Assistent. Die biometrische Gesichtserkennung beim kommenden iPhone X grenzt für diese Seminarteilnehmer nahezu an ein Wunder und von autonomem Fahren haben die Leute nur am Rande etwas gehört.

Die MS Hololens ist für viele Science Fiction.

Die MS Hololens ist für viele Science Fiction.

Hier greifen meine Vorträge zur Digitalisierung, denn ich will diese Leute mitnehmen in eine spannende technische Zukunft, die kritisch hinterfragt werden muss. Wenn ich im Spiegel lese, dass viele Wirtschaftslenker in Deutschland von Digitalisierung keine Ahnung haben, macht es mir um unser Land und unsere Wirtschaft Angst. Hier setze ich mit meinen Seminaren an – und sehe dies als Beitrag zur Medienkompetenz. Aber dazu braucht es auch aufgeschlossene, interessierte Zuhörer.
Vielen Menschen geht die technische Veränderung zu schnell. Sie fühlen sich überfahren, oft allein gelassen und von den Entwicklungen überfordert. Das darf aber in einem Bildungsland wie Deutschland meiner Meinung nach nicht sein.

Technische Neuerungen setzen sich langsam durch.

Technische Neuerungen setzen sich langsam durch.

Technische Neuerungen hatten früher lange gedauert. Ich erinnere mich als Kind, wie der erste Farbfernseher von Grundig die Schwarzweißröhre abgelöst hat, und dann veränderte sich jahrelang nichts mehr im elterlichen Wohnzimmer. Als der Videorekorder kam, musste ich ihn bedienen, meine Eltern waren überfordert. Von der Wählscheibe zum Tastentelefon war es auch ein langer Weg. Die Einführung von technischen Neuerungen beschleunigte sich und meine Eltern waren neugierig, geschockt und verharrten in ihrer alten, oftmals analogen Welt. Jetzt will ich die Erfahrungen mit meinen Eltern nicht auf die Gesellschaft übertragen und dennoch merke ich bei vielen Leuten eine Angst vor etwas Neuem.

Der Computer war eine Revolution.

Der Computer war eine Revolution.

Und im Vordergrund stehen auch immer Sicherheitsbedenken. Smart Home wird verteufelt, weil in irgendeiner Reportage gesagt wurde, wie leicht man ausspioniert werden kann. Ich will mich nicht über die Bedenken lustig machen, sondern wir müssen die Angst ernst nehmen und die Leute informieren. Nicht Panikmache ist wichtig, sondern Information. Information über die Chancen und Risiken, so dass ich am Ende ein Urteil fällen kann und die Digitalisierung in das Leben einbeziehen kann. Wir stehen erst am Anfang der Digitalisierung. Die digitale Welle ist schon am Horizont zu sehen und die Vogel-Strauß-Taktik ist sicher der falsche Weg.

Zutritt zur DB Lounge nur nach Nutzung des elektronischen Lesegeräts

1. August 2017

Nürnberg waren die erste DB-Lounge, dann folgten alle anderen. Seit kurzem muss der Bahnkunde seine BahnCard zücken und durch ein neues elektronische Lesegerät ziehen, um den heiligen Ort der DB Lounge zu betreten. Bisher reichte es aus, dem freundlichen DB-Mitarbeiter die Karte zu zeigen, jetzt muss es elektronisch erfolgen.

So sieht das neue Lesegerät in der DB Lounge aus.

So sieht das neue Lesegerät in der DB Lounge aus.

Als Verbraucherschützer klingeln bei mir die Alarmsirenen. Was macht die Bahn jetzt mit meinen Daten? In Gesprächen mit mir stellen die Mitarbeiter der Deutschen Bahn klar: „Wir speichern keine personenbezogenen oder personenbeziehbaren Daten.“ Gerade das letztere wäre im Hinblick auf Big Data interessant, aber die Bahn hat sich die Sache scheinbar gut überlegt. Es werden ausschließlich folgende Daten erfasst: Zutrittsdatum, Legitimationsberechtigung (BahnCard oder Ticket) und Klasse. Bei den Tickets werden zusätzlich erfasst, um welchen Tarif es sich handelt (Flexpreis, Sparpreis) und Start- sowie Zielbahnhof. Also dann doch wieder Big Data, oder was? Bei den BahnCards werden BahnCard Typ und Comfort-Status erfasst.

Und so funktioniert das neue Lesegerät.

Und so funktioniert das neue Lesegerät.

Die Bahn stellt klar: „Es erfolgt keine Weiterleitung der Daten, die Daten verbleiben bei der verantwortlichen Stelle der DB Fernverkehr AG!“ Sollte mich das jetzt beruhigen? Ich muss sagen, dass alte System, gefiel mir besser. Ich zeigte meine Karte dem freundlichen Bahnmitarbeiter, führte ein Schwätzchen und gut war es. Warum müssen die Daten jetzt elektronisch erfasst werden. Will die Bahn ihre Mitarbeiter einsparen? „Die Legitimationsprüfung erfolgt mittels des elektronischen Lesegeräts anstelle der bisherigen Sichtkontrolle durch unsere Mitarbeiter“, heißt es bei der Bahn. In den DB Lounges, die bereits mit einem elektronischen Lesegerät ausgestattet sind, also alle, sei ein Zutritt ohne Prüfung der Zugangsberechtigung per Scanner nicht mehr möglich. Hossa, das finde ich ganz schön heftig.
Die Bahn sagt: „Die automatische Datenerfassung dient allein der Prüfung der Zugangsberechtigung und der statistischen Auswertung der Besucherzahlen und Kundengruppen.“ Bislang wurden diese Informationen manuell erhoben, der Einsatz des Scanners gewährleiste eine zuverlässigere Erfassung. Jetzt muss der Scanner nur noch richtig funktionieren. Ich bin gespannt, wie sich das System in der Praxis bewährt und was die Bahn mit ihren Mitarbeitern in der DB Lounge vorhat.

Info-Flyer für die Kunden.

Info-Flyer für die Kunden.

Big Data – die Welle wird noch kommen

24. Oktober 2016

Seit einigen Jahren halte ich Vorträge zum Thema Big Data. Die Möglichkeit, alles mit allem zu kombinieren, finde ich faszinierend. Als positiver Mensch war für mich bisher immer das Glas halb voll statt halb leer. In meinem Seminaren stoße ich aber immer wieder Teilnehmer vor dem Kopf, die sie sich vor Big Data schützen wollen. Sie wollen nicht mitmachen. Da muss ich diese Teilnehmer restlos enttäuschen. Mein Credo: Sie haben nicht mehr die Entscheidung, ob Sie mitmachen oder nicht. Sie haben nur noch die Wahl, wie viel Sie mitmachen. Der Zug, ob Ja oder Nein, dieser Zug ist schon lange abgefahren.
Ich propagiere in meinem Seminaren die Datensparsamkeit. Nicht jede digitale Sau, die durchs digitale Dorf getrieben wird, macht das Lebens lebenswerter.
Aber auch mich holt die Realität ein. Die Seuche und Datenkrake WhatsApp ist allgegenwärtig. Die gleichen Leute, die nach Schutz ihrer Daten rufen, nutzen WhatsApp, weil man ja umsonst chatten kann. Gleichzeitig überspielen wir unsere Adressbücher zu Herrn Zuckerberg, der sich ins Fäustchen lacht. Der Typ hat 18 Miliarden US-Dollar dafür gezahlt, der will damit Geld machen. Wer WhatsApp nutzt, hat sich in Sachen Datenschutz disqualifiziert und hält bitte einfach mal den Mund. Ok, das war jetzt hart, aber es ist leider so.
Die Gier ist etwas Gutes, so sagte es Gordon Geko in Wallstreet. Und die Gier, etwas zu sparen, ist weit verbreitet. Geiz ist geil hat diese Gesellschaft durchsetzt. Haben eure Eltern euch nicht beigebracht, dass es nichts umsonst gibt? Wir bezahlen für alles. Nicht immer mit Geld, heute mehr und mehr mit Daten. Die Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts und ich ziehe vor Zuckerberg, Page und Brin meinen Hut.
Vor kurzem erreichte mich eine neue Umfrage. Deutschland bleibt ein Land der (Schnäppchen)-Jäger und (Treueherzen)-Sammler. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Cashback-Portals Shoop.de. So nutzen bereits 90 Prozent aller Deutschen immer bzw. gelegentlich Bonusprogramme beim Online- und Offlineshopping. Ganz vorne unter den beliebtesten Treueprogrammen liegt dabei Payback, das von rund 71 Prozent der Befragten bei jedem Einkauf bzw. gelegentlich genutzt wird. Bei jedem Besuch in meinem örtlichen Rewe die Frage: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Auf Platz zwei folgt dann die Deutschlandcard, die bei immerhin knapp 42 Prozent der Verbraucher zum Einsatz kommt.

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Weitere beliebte Bonus- und Rabattaktionen der Deutschen sind die Ikea Family Card (28 Prozent), kostenlose Kundenkarten (29 Prozent) sowie Treuepunkte-Aktionen (23 Prozent) und Treueprogramme (26 Prozent) verschiedener Einkaufs- und Handelsketten wie Kaisers, Kaufland, Rossmann und Co. Weniger genutzt werden hingegen kostenpflichtige Kundenkarten (13 Prozent) und Shoppingclubs (11 Prozent). Auch das Prinzip Cashback ist bislang bei Verbrauchern noch wenig bekannt. Hier geben lediglich 14 Prozent der Befragten an, dieses immer oder gelegentlich zu nutzen.
Der Fall Target in den USA müsste eigentlich ins jedes Schulbuch gehören. Die Drogeriekette hatte die Schwangerschaft einer minderjährigen Kundin via Datenanalyse herausgefunden und der jungen Frau Werbung für Babyartikel geschickt. Big Data macht es möglich. Und was machen wir mit den Treueprogrammen? Wir geben fleißig unsere Einkaufsdaten ab zur Profilerstellung, nur um ein paar Cent zu sparen.

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Interessant: Gefragt nach der generellen Nutzung von Bonus- und Rabattaktionen, fällt auf, dass speziell Einkommensstarke großen Gefallen an Treueprogrammen finden und sich als wahre Sparfüchse erweisen – ich würde sie eher als Datenschleudern bezeichnen. So nutzen knapp 94 Prozent der Befragten mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von mehr als 3.000 Euro meistens oder gelegentlich Bonusprogramme. Verbraucher mit einem Einkommen von 1.500 bis 3.000 Euro pro Monat greifen ebenfalls zu rund 92 Prozent auf eines der vielen Vorteilsangebote zurück. In der unteren Einkommensgruppe bis 1.500 Euro sind dagegen nur noch vier von fünf Befragten (83 Prozent) an Rabatten oder Boni interessiert. Kaum Unterschiede bei der Nutzung von Treueprogrammen sind hingegen zwischen den verschiedenen Geschlechtern festzustellen. Hier greifen knapp 91 Prozent der Frauen und mehr als 89 Prozent der Männer beim Einkauf meistens oder manchmal zu einem Rabattprogramm. Lediglich die Ikea Family Card (31 Prozent Frauen, 24 Prozent Männer) und die kostenlosen Kundenkarten (33 Prozent Frauen, 24 Prozent Männer) werden deutlich häufiger von Frauen als von Männern genutzt.

Viele Kunden bevorzugen Geld-zurück statt Sachprämien
Fragt man nach den konkreten Gründen für die Nutzung von Bonusprogrammen, geben knapp 82 Prozent der Befragten an, sich darüber zu freuen, bei jedem Einkauf Sofortrabatte zu bekommen. Vier von fünf Verbrauchern (79 Prozent) schätzen es außerdem, wenn sie sich bei einer Rabatt- oder Treueaktion Geld direkt auf das eigene Konto überweisen lassen können. Dass Cashback klare Vorteile im Vergleich zu anderen Programmen hat, wurde bereits von der Stiftung Warentest bestätigt (Finanztest Ausgabe 01/2016). Das Geld-zurück-Prinzip ist für Verbraucher deutlich lohnenswerter und sie müssen auch weniger persönliche Daten angeben als bei anderen Treueprogrammen. Email-Adresse und Passwort für die einmalige Registrierung reichen und schon kann man bequem in einem der vielen Partnershops einkaufen gehen, so die Erklärung von Shoop.de.
Im Gegensatz zu Programmen werden bei Cashbackportalen wie Shoop (www.shoop.de), keine Treueherzen geklebt und auch keine Punkte gesammelt. Der Kunde erhält bei jedem Einkauf einen festgelegten Prozentsatz des Nettowarenwerts in klaren Raten bzw. konkreten Eurobeträgen zurück. Cashback bietet somit transparente Vorteile und der Verbraucher weiß immer genau, wie viel er für seinen jeweiligen Einkauf zurückbekommt. Das hat auch schon über 500.000 Nutzer von Shoop.de überzeugt, so die Pressemitteilung.
Und ich werde nicht müde in meinem Seminaren das Thema Big Data zu thematisieren. Ich halte den Verbraucherschutz in unserem Lande für wichtig.

#rpTEN: Meine Eindrücke von Snowden, TTIP-Leaks und Lobo

3. Mai 2016
Held oder Verbrecher? Eduard Snowden live in Berlin.

Held oder Verbrecher? Eduard Snowden live in Berlin.

Für mich stand der erste Tag der zehnten re:publica #rpTEN im Zeichen der Extreme. Er stand zwischen kompletten Quatsch und hochbrisanter Politik. Ich beginne mal mit dem Quatsch.
Die Bloggerkonferenz ist voller geworden, 8000 Leute haben sich angemeldet. Warum wollen eigentlich alle Leute in die Sessions, in die ich auch hinein will. Die Konsequenz war, entweder am Boden sitzen oder vor der Tür bleiben. Die Räume sind eindeutig zu klein, die Menge zu groß. Vielleicht lasse ich aus diesen Gründen die nächste re:publica 2017 aus. Das Ding ist extrem erfolgreich, wächst und wächst und wird sogar am 20. Oktober 2016 noch eine Konferenz in Dublin durchführen. Aber ich wollte ja etwas humorvolles berichten.

Geburtstagsständchen für #rpTEN
Als mein Kollege Thomas Gerlach und ich mal wieder nicht in einen Vortrag wegen Überfüllung kamen, würden wir von jungen Leuten angesprochen, die ein Geburtstagsvideo zur #rpTEN drehen wollten. Klar machen wir da mit. Die jungen Kolleginnen und Kollegen hatten eine 360 Grad-Konstruktion von GoPro-Kameras, Funkmikros, Luftschlangen, Partyhüte und aufblasbarerer Torte dabei. Also bauten wir uns auf, wurden verkabelt und ausstaffiert und machten zwei Durchgänge mit Happy Birthday. Ich waren uns richtig zum Affen gemacht und schaurig gesungen. Die Sache war im Kasten, wir verließen die Szene und für das Filmteam begann der Ärger. Ein Techniker der rpTEN stürmte auf die Kameracrew zu und stauchte sie zusammen. Die jungen Menschen hatten sich nicht an die Frequenz der Funkmikros gehalten und fröhlich Frequenzen eingestellt. Blöderweise war das auch die Frequenz der Mikros bei den offiziellen Sessions. Unser schauriger Gesang wurde also zweimal in die volle Veranstaltung übertragen, in die wir wegen Überfüllung abgewiesen wurden. Rache ist eben Blutwurst.

TTIP-Leaks: Greenpeace veröffentlicht Dokumente
Ganz ohne Humor und ernsthaft lief die Veröffentlichung der TTIP-Leaks durch Greenpeace ab. Der Zulauf der klassischen Massenmedien war enorm, dazu noch eine Konferenz voller hervorragend vernetzter Blogger und Social Media-Fuzzis – da war Reichweite garantiert. Greenpeace Niederlande hat 13 Kapitel der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU veröffentlicht. Die Dokumente haben einen Umfang von 250 Seiten sowie Anhänge. Ein Verbund von Greenpeace, NDR, WDR und SZ haben die Dokumente analysiert. Die Texte zeigen, mit welchem Druck die USA ihre Interesse nachhaltig vertreten. Obwohl die Veröffentlichung illegal ist, erklärt Greenpeace: „Vielmehr geht es um die grundlegenden Fragen etwa des Umwelt- und Verbraucherschutzes, der Produktsicherheit und der Arbeitnehmerrechte. Die Antworten auf diese Fragen werden das Leben von einer halben Milliarde Europäer verändern. Deshalb sind wir der Auffassung, dass derart weitreichende Entscheidungen in transparenter Form und nach breiter gesellschaftlicher Debatte getroffen werden müssen.“

Snowden ist genervt
Für mich war sicherlich die Live-Schaltung zu Eduard Snowden nach Moskau ein HighlIght. Der Whistleblower wurde von den 800 Besuchern im Raum der #rpTEN gefeiert, beklatscht, bejubelt. Die Frage, die ich via Twitter und Facebook stellte, ob er ein Held oder ein Verbrecher sei, wurde in Berlin eindeutig mit Held beantwortet. Mein Eindruck war, dass Snowden trotz seines Heldenstatus von der Bundesregierung genervt ist. Sie haben ihn noch immer nicht ins Land gelassen. Wörtlich sagte er: „Wir haben jetzt 2016 und niemand ist wegen meiner Enthüllungen gestorben. Aber die deutsche Regierung lässt mich nicht einreisen.“ Snowden habe in 21 Ländern Asyl beantragt, aber noch nichts gehört. Das zerrt an den Nerven. Neue Aussagen kamen von ihm nicht: Er erinnerte an Datenschutz, wies auf die Gefährlichkeit von Metadaten hin, sah die Privatsphäre weiterhin gefährdet. Wenn ich in meine Seminarpraxis schaue, dann merke ich, wie wenig Snowden erreicht hat. Sätze wie „Ich hab doch nichts zu verbergen“, zeigen die Hilflosigkeit der Bürger und das fehlende Wissen um Big Data-Zusammenhänge.

Und trotzdem Sascha Lobo
Abends kam dann noch Sascha Lobo auf die Bühne und ließ sich feiern. Nachdem er 2015 nicht auf der re:publica dabei war, hielt er zu #rpTEN wieder eine launige Rede. So wie die Spiegel, die überall auf dem Gelände hängen und aus der TEN ein NET machen, so hielt er den Besuchern der Bloggerkonferenz den Spiegel vor. Und die Besucher seien in die Jahre gekommen, verstünden wie er auch Snapchat nicht. Dabei geht es nicht mehr um Tools, sondern um Konzepte und Einstellungen. Ach ja, Deutschland liegt beim Ausbau von Glasfaserkabeln auf dem drittletzten Platz, kurz vor Jordanien.
Lobo glaubt nicht mehr daran, dass die Verantwortlichen der NSA-Affäre bestraft würden. Schließlich sei die Gesamtzahl der entlassenen Mitarbeiter nach den Snowden-Enthüllungen in der vergangenen Woche auf zwei gestiegen: Gerhard Schindler, der bisherige Chef des Bundesnachrichtendienstes, und Edward Snowden selbst. Lobo machte den Zuhörern weiter Mut: „Trotzdem möchte ich versuchen, optimistisch zu bleiben.“ Trotzdem war das Wort des Abends, trotzdem werde man weiter kämpfen, trotzdem werde man sich nicht unterkriegen lassen. Er zeichnete ein düsteres Bild, die politische Rechte haben soziale Netzwerke für sich entdeckt und nutzen Facebook und Co. Mit 237000 Fans auf der AfD Facebook-Seite gebe es mehr Fans als bei SPD, CDU und FDP zusammen. Und trotzdem müsse es weitergeh, so Sascha Lobo in seinem Vortrag „The Age of Trotzdem.“

Reiseführer ins Neuland

25. Februar 2016

Seit mehreren Jahren gebe ich intensiv Seminare zum Thema Medienkompetenz. In Bayern und Deutschland bin ich mit meinen Vorträgen unterwegs und bin als digitaler Nomade eine Art Reiseführer ins Neuland. Ich habe Erfolg und es macht Spaß. Aber wenn ich mir die neuen Ergebnisse von TNS Infratest ansehen, komme ich zu zwei Ergebnissen:
1) Das negative Ergebnis: Meine Schulungen und Seminare sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie überzeugen zwar meine Kunden, aber gesamtgesellschaftlich gesehen, hat es kaum Impact.
2) Das positive Ergebnis: Es besteht ein großer Bedarf über meine Schulungen zur Medienkompetenz. Es gibt noch genügend Leute, für die technische Themen noch wirkliches Neuland sind und die einen Reiseführer wie mich benötigen.

neuland
Da für mich das Glas immer halb voll statt halb leer ist, nehme ich die zweite Schlussfolgerung. Der Realität muss ich ins Auge sehen und den Markt angehen. Digitale Begriffe wie Wearables, mCommerce oder auch das Internet der Dinge sind den Bundesbürgern weitgehend unbekannt. 80 Prozent und mehr wissen nicht, worum es sich bei diesen Begriffen handelt. Auch die häufiger im Sprachgebrauch oder in den Medien zu hörenden Begriffe wie Big Data oder Industrie 4.0 sind drei Viertel der Bundesbürger kein Begriff. Insgesamt 14 Begriffe aus der digitalen Welt haben die EMNIDbusse exklusiv für das Magazin für Media-, Markt- und Werbeforschung Research & Results bevölkerungsrepräsentativ telefonisch zwischen dem 14. und 16. Januar abgefragt. 1.003 Personen antworteten auf die Frage, welche der aus dem täglichen Sprachgebrauch ausgewählten Begriffe unbekannt, zumindest dem Namen nach bekannt sind oder kurz inhaltlich beschrieben werden können.
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ab 14 Jahre – Onliner wie Offliner – gibt es keinen bei nahezu allen Bundesbürgern auch nur bekannten Begriff. Wenn es um die genauere Vorstellung geht, so trauen sich nur wenige zu, einzelne Begriffe zu beschreiben. Am ehesten ist dies noch bei Begriffen wie Social Media (38 Prozent), Smart Home (25 Prozent) und Mobile Payment (24 Prozent) der Fall. Für insgesamt sieben der 14 Begriffe liegen die Werte unter zehn Prozent.
Der „durchschnittliche Bundesbürger“ kann also nur zu zwei der 14 Begriffe eine nähere Beschreibung abgeben. Es überrascht nicht, dass dieser Wert bei den unter 30-Jährigen mit durchschnittlich 4,1 Begriffen deutlich höher ist und bei den über 60-Jährigen mit durchschnittlich 0,6 Begriffen sehr gering. Selbst für die „digitale Generation“ der unter 30-Jährigen haben 8 der 14 Begriffe 50 – zum Teil über 70 Prozent noch nie gehört. Mit einer Ausnahme: Social Media ist bekannt und beschreibbar.
Daher auf geht es zur nächsten Medienkompetenz-Schulung. Ich freue mich, meine Teilnehmer ins Neuland zu begleiten und sich zurecht zu finden.

ResearchKit: Apple positioniert sich im Gesundheitsmarkt

10. März 2015
ResearchKit ist Open Source

ResearchKit ist Open Source

Natürlich stand Hardware im Mittelpunkt des Apple Events vom März 2015: Apple Watch und MacBook wurden vorgestellt und beides werde ich mir als Fanboy wohl zulegen. Aber richtig interessant fand ich das Open Souce-Tool ResearchKit. Das Werkzeug soll Mediziniern medizinische Studien erleichtern. Die ersten Apps sind bereits in den USA erschienen und dienen der Erforschung von Asthma, Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Parkinson.
Damit weitet Apple sein Geschäftsmodell vom klassischen Fitnessmarkt auf den Gesundheitsmarkt aus. Was deutschen Usern wohl wichtig ist: Apple erklärt eindeutig, dass man keinen Einblick in die Gesundheitsdaten seiner Nutzer hat. Es heißt: Anwender entscheiden selbst, ob sie an einer Studie teilnehmen möchten und wie ihre Daten geteilt werden.
Ich finde es interessant, wie sich Apple hier an einen neuen Markt herantastet. Die Mitbewerber am Markt stellen einfach neue Computer, Mobiltelefone oder jetzt neue Smartwatches her. Apple blickt über den Tellerrand hinaus und greift Google mit seinen Gesundheitsvorhersagen an.


Was kann ResearchKit? Es ist eine Open Source Softwareumgebung für Medizinier. ResearchKit hilft je nach programmierter App Gesundheitsdaten von Teilnehmern zu sammeln, die iPhone Apps nutzen. Forschungsinstitute haben bereits Apps mit ResearchKit entwickelt, um Studien über Asthma, Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Parkinson durchzuführen.
„Mit Hunderten Millionen von iPhones im weltweiten Einsatz sahen wir eine Möglichkeit für Apple, eine sogar noch größere Wirkung zu erzielen, in dem wir Menschen befähigen sich an der medizinischen Forschung zu beteiligen und dazu beizutragen“, sagt Jeff Williams, Senior Vice President of Operations von Apple. „ResearchKit gibt der Gemeinschaft der Wissenschaftler Zugang zu einer vielschichtigen Bevölkerung auf der ganzen Welt und bietet mehr Möglichkeiten Daten zu erheben als jemals zuvor.“ Warum macht Apple das alles? Der Medizinmarkt ist einer der größten Märkte überhaupt. Das Zauberwort hinter den gesammelten Daten heißt schlichtweg Big Data und Apple hat mit den iPhones eine ungeheuere Marktmacht und weiß sie zu nutzen. Aber Tim Cook weiß hoffentlich, dass er diese Daten niemals missbrauchen darf. Hoffentlicht weiß das die NSA auch.

Apple zeigt Flagge im Gesundheitsmarkt.

Apple zeigt Flagge im Gesundheitsmarkt.

Klar ist: Laut Apple wird durch ResearchKit das iPhone zu einem starken Werkzeug für die medizinische Forschung. Wenn der Anwender die Erlaubnis gibt, können die Apps auf Daten der Health App zugreifen. Das sind beispielsweise Gewicht, Blutdruck, Blutzuckerspiegel oder die Nutzung von Asthmasprays, die durch Geräte und Apps von Drittherstellern gemessen werden. Ich selbst habe die Withings-App am Laufen, um Daten der Waage und des Blutdruckmessgerätes einzulesen.
Mit der Apple Keynote wurde zeitgleich auch iOS 8.2 veröffentlicht. Hier wurde fleißig an der Health App optimiert. Neben zahlreichen Verbesserungen gibt es jetzt eine neue Datenschutz-Einstellung. Diese ermöglicht jetzt das Deaktivieren der Protokollierung von Schritten, Wegstrecken und erklommenen Stockwerken.
Software für Health entstammen der Softwareumgebung HealthKit. Diese wurde durch ResearchKit nochmals aufgewertet und mächtiger gemacht. ResearchKit kann von einem Anwender den Zugriff auf Beschleunigungssensor, Mikrofon, Gyroscope und GPS-Sensoren im iPhone anfragen, um Informationen über den Gang, die motorische Verfassung, seine Fitness, Sprache und den Gedächtniszustand des Patienten zu bekommen.
Eine Bekannte aus dem Medizinbereich begrüßte die Möglichkeiten von ResearchKit in Sachen Langzeitstudien. ResearchKit macht es einfacher für Mediziner, entsprechende Teilnehmer für Langzeitstudien zu rekrutieren, weil es eine breite Auswahl der Bevölkerung anspricht und nicht nur diejenigen, die in Reichweite zum Institut wohnen. Studienteilnehmer können Aufgaben erledigen oder Zugriffsrechte an der Studie über die App einräumen, so dass die Forscher weniger Zeit mit Datenverwaltung und mehr Zeit mit der Datenanalyse verbringen können. ResearchKit ermöglicht es Forschern zudem einen interaktiven Einwilligungsprozess anzubieten. Anwender können auswählen, an welcher Studie sie partizipieren und welche Daten sie bei welcher Studie zur Verfügung stellen möchten.
Das bestätigen laut einer Apple-Meldung auch die Partner von Apple, was freilich nicht verwundert. „Wir sind erfreut die neuen ResearchKit-Werkzeuge von Apple zu nutzen, um mehr potentielle Teilnehmer ansprechen zu können und noch mehr Daten durch die einfache Nutzung einer iPhone App zu erlangen. Die zur Verfügung gestellten Daten bringen uns bei der Entwicklung individuellerer Hilfe einen Schritt weiter“, sagt Patricia Ganz, MD, Professor an der Fielding School of Public Health der UCLA und Director of Cancer Prevention & Control Research im Jonsson Comprehensive Cancer Center der UCLA. „Zugang zu vielschichtigen, von den Patienten übermittelten Gesundheitsdaten, hilft uns, mehr über Langzeitnachwirkungen von Krebsbehandlungen zu erfahren und gibt uns ein besseres Verständnis der Erfahrungen von Brustkrebspatienten.“
Ich bin mal gespannt, wann sich deutsche Mediziner äußern und wann sie ResearchKit überhaupt mitbekommen. Allgemein stimmt es mich nachdenklich, warum solche Entwicklungen eigentlich in den USA stattfinden. Was macht unsere Medizinbranche eigentlich außer Geldverdienen?

US-Medizinier arbeiten mit Apple zusammen. Wo sind unsere?

US-Medizinier arbeiten mit Apple zusammen. Wo sind unsere?

Apple legt in den Lobpreisungen noch nach und betont das Thema Big Data indirekt. „Wenn es darum geht bei der Forschung bessere Diagnosen und Krankheitsvorbeugung zu erzielen, sind Zahlen alles. Durch den Einsatz von Apples neuer ResearchKit-Umgebung sind wir in der Lage, die Teilnahme über unseren lokalen Radius hinaus auszuweiten und signifikant mehr Daten zu erfassen, die uns dabei helfen zu verstehen, wie Asthma funktioniert“, sagt Eric Schadt, PhD, der Jean C. und James W. Crystal Professor of Genomics an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai und Gründungsdirektor des Icahn Institute for Genomics and Multiscale Biology. „Durch die Verwendung der fortschrittlichen iPhone-Sensoren sind wir in der Lage den Zustand des Asthmapatienten besser abzubilden und das ermöglicht es uns dann, eine persönlichere, noch präzisere Behandlung durchzuführen.“

Die Asthma Health App ist so konzipiert, dass sie Schulung und Selbstkontrolle von Asthmapatienten erleichtert.

Die Asthma Health App ist so konzipiert, dass sie Schulung und Selbstkontrolle von Asthmapatienten erleichtert.

Und die Forscher haben gleich eine eigene App dazu auf den Markt gebracht, derzeit nur für den US-Store. Entwickelt von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai und LifeMap Solutions ist die Asthma Health App so konzipiert, dass sie Schulung und Selbstkontrolle von Asthmapatienten erleichtert, positive Veränderung am Zustand kommuniziert und an das Einhalten des Behandlungsplans nach aktuellen Asthmarichtlinien erinnert. Die Studie misst Symptome von individuellen und potentiellen Auslösern von Verschlimmerungen des Zustands, so dass Forscher neue Möglichkeiten bei der individuellen Asthmabehandlung erfahren können.
Die Share the Journey-App vom Dana Farber Cancer Institute, Penn Medicine, Sage Bionetworks und dem Jonsson Comprehensive Cancer Center der UCLA entwickelt, ist eine Forschungsstudie, dessen Ziel es ist herauszufinden, warum einige Patienten, die den Brustkrebs überlebt haben, sich schneller erholen als andere, warum ihre Symptome über die Zeit variieren und was getan werden kann, um die Symptome zu verbessern. Share the Journey wird Studien und über iPhone-Sensoren erfasste Daten verwenden, um Müdigkeit, Stimmungsbild, kognitive Veränderungen sowie Schlafstörungen und eine Verringerung der Anzahl an Übungen zu sammeln und zu beobachten.

Daten ist das Zauberwort in der medizinischen Forschung.

Daten ist das Zauberwort in der medizinischen Forschung.

Die MyHeart Counts-App, entwickelt von Stanford Medicine, misst die Aktivität und nutzt Risikofaktoren und Studienergebnisse, um Forscher dabei zu unterstützen genauer zu beurteilen, wie Aktivität und Lebensstil eines Patienten sich zum Herz-Kreislauf-Zustand verhalten. Dadurch, dass diese Verhältnisse auf einer breiten Basis verglichen werden können, sind Forscher besser in der Lage zu verstehen, wie man das Herz gesünder halten kann.
Das Massachusetts General Hospital hat die GlucoSuccess-App entwickelt, um zu verstehen, wie verschiedene Aspekte im Leben eines Menschen – sei es Diät, körperliche Anstrengung und Medikationen – den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Die App kann Teilnehmer auch bei der Erkenntnis unterstützen, wie sich ihr Essverhalten und ihre Aktivität in Relation zu ihren optimalen Zuckerwerten verhalten und sie somit in die Lage versetzen, Abhängigkeiten klar zu erkennen und eine aktivere Rolle für ihr eigenes Wohlbefinden einzunehmen.
Von Sage Bionetworks und der Rochester-Universität entwickelt, hilft die Parkinson mPower-App Menschen, die mit der Parkinsonkrankheit leben müssen, ihre Symptome durch die Aufnahme der Aktivitäten über die iPhone-Sensoren zu beobachten. Diese Aktivitäten beinhalten ein Gedächtnisspiel, Fingerübungen, Sprechen und Gehen. Die Aktivitäts- und Studiendaten vom Mobiltelefon werden mit Daten einer Vielzahl anderer Teilnehmer kombiniert, um die Forschung über Parkinson auf ein bisher noch nie erreichtes Niveau zu treiben und dies zur weltweit größten und umfangreichsten Studie über diese Krankheit macht.

Wie das iPad meinen Arbeitsalltag verändert

24. Juli 2014

Der Apple-CEO Tim Cook erledigt nach eigenen Angaben rund 80 Prozent seiner Arbeiten am iPad und nutzt nicht mehr einen Mac dazu. Aus diesem Grund und der Tatsache, dass Apple und IBM in Sachen Firmen-Apps kooperieren, habe ich mir meine Arbeitsweise mal näher angesehen und bewusst reflektiert.

Apple und IBM hatten ja vor kurzem eine exklusive Partnerschaft bekannt gegeben, die die marktführenden Stärken beider Unternehmen zusammenführt, um die Mobilität in Unternehmen durch eine ganz neue Kategorie an Apps zu verändern, die IBMs Big Data und Analytik-Fähigkeiten auf iPhone und iPad bringen.

Nun, 80 Prozent der Arbeiten sind es bei mir nicht, da hat Herr Cook wohl ein anderes Nutzerverhalten als ich – dachte ich zumindest am Anfang, Grundsätzlich hat der Apple-Chef recht. Das iPad hat mein privates und berufliches Leben verändert. Aber bis ich den Mac in Rente schicken kann, wird noch einige Zeit vergehen.

Meine hauptsächlichen Arbeiten am Mac, sei es jetzt das MacBook Pro oder der Mac Pro, sind Videoschnitt, DTP und Bildbearbeitung. Auch PDF-Erstellung und Fotoarchivierung läuft noch über den schnellen Maschinen. Das Thema 3D möchte ich gar nicht erst ansprechen. Aber wenn ich meinen Arbeitsablauf ansehen, dann brauche ich Video, DTP, Foto, aber nicht den ganz Tag.

Das iPad ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich diktiere sehr viel, surfe durchs Netz und konsumiere Musik und Filme. Auch soziale Netzwerke nutze ich hauptsächlich über das Apple-Device.

Meine Präsentationen, wie hier vor 500 Lehrern beim regionalen Schulentwicklungstag in Niederbayern, mache ich nur noch mit dem iPad.

Meine Präsentationen, wie hier vor 500 Lehrern beim regionalen Schulentwicklungstag in Niederbayern, mache ich nur noch mit dem iPad.

Jetzt ist der Übergang zwischen Berufs- und Privatleben bei mir als Freiberufler fließend. Auf dem Sofa checke ich schon mal am iPad in meiner Freizeit meine beruflichen Mails oder reagierte auf Kommentare auf meiner beruflichen Facebook-Seite redaktion42. Aber so richtig macht sich der Zeitenwechsel bei meiner Arbeit unterwegs bemerkbar. Ich bin für Vorträge viel auf Reisen und früher schleppte ich den Rechner mit, um meine Vorträge zu halten. Das ist in der Regel vorbei. Ich habe heute nur noch mein iPad mini dabei, wenn ich meine Keynote-Präsentationen halte. Nach dem letzten Update ist Keynote für mich das ultimative Präsentationsstool, zudem die wichtigsten Präsentationen von mir in der iCloud liegen. Damit hat die Schlepperei ein Ende. Das iPad mini mit den VGA- und HDMI-Adapeter ist überall einsatzbereit. Als nächstes werde ich mir noch ein Apple TV besorgen, um das iPad mini drahtlos an die HDMI-Beamer anzuschließen. Allerdings: Die Verbreitung von HDMI-Beamer ist bei meinen Kunden eher noch ein Mangel. Verdammt: Also hier hat Mister Cook komplett recht behalten: Bei meiner Präsentationsarbeit nutze ich das iPad nahezu zu 100 Prozent. Beim Erstellen allerdings nutze ich den Mac, weil ich auf meine Foto- und Filmdatenbank zurückgreifen muss.

Tim Cook hat recht. Ich wollte es zunächst nicht glauben.

Tim Cook hat recht. Ich wollte es zunächst nicht glauben.

Ich saß in der Macworld-Keynote in San Francisco als Steve Jobs das iPad vorgestellt hat. Wir waren als Publikum begeistert, dass der Guru zu uns sprach. Aber wir wussten allerdings nicht recht so, wozu das iPad gut sein sollte. Kaum hatten wir es in den Händen und einige Zeit genutzt, war uns klar: Es ist ein perfektes Konsumgerät. Nach und nach stellte sich heraus, dass es aber auch ein exzellentes Produktionsgerät ist. Mein Alltag als mobiler Journalist wäre ohne iPhone/iPad nicht mehr vorstellbar. Erst neulich habe ich einen ausgebuchten Kurs zum Thema Mobile Journalismus gegeben und zeigte dort, wie sich die Welt verändert.

Das iPad gehört heute zum Alltag meiner Familie. K1/2 nutzen es, deutlich mehr als den Rechner. Sogar das lästige Latein-Volkabeltraining passiert am iPad von K1. Und immer wieder kommt die Frage, warum das Kind noch Schulbücher schleppen muss? Warum können diese Bücher nicht einfach als eBook vorliegen und die elende Schlepperei der Kinder hätte ein Ende? Wer verhindert eigentlich hier schon wieder im Land von Laptop und Lederhose? K1 und K2 werden in eine Welt wachsen, in der ihr Rechner nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Schon heute sind ihre iPod touch der ständige Begleiter. Sie dienen als Fotoapparat oder Musikabspielgerät. Die Kommunikation von zu Hause erfolgt über FaceTime, wenn ich unterwegs bin. Im Moment stellt sich die Frage, brauchen die Kinder überhaupt noch einen Mac oder reicht nicht einfach ein iPad Air?

 

Medienkompetenz: Sprachforscher wollen Wahrheitsgehalt von Infos im Netz sichtbar machen

13. Februar 2014
Wahr oder falsch? Brennt das London eye?

Wahr oder falsch? Brennt das London eye?

Ist eine Information im Internet vertrauenswürdig? Im Moment verbringe ich einen Teil meiner Schulung mit Medienkompetenz. Zur Vorbereitung von Referaten u.a. wird in der Regel auf Wikipedia und Co gegangen und kopiert. Doch ist die Info überhaupt wahr und kann ich mich auf dem Informationsgehalt verlassen?

Damit diese Frage künftig beantwortet werden kann, arbeitet der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck seit Anfang des Jahres im Rahmen des Projekts „Pheme“ mit Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen aus England, Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Spanien und Kenia zusammen. Ziel der Forscher ist es, ein automatisches Analyseverfahren zu entwickeln, das dem Internetnutzer schnell und verlässlich mitteilt, ob er einer gefundenen Information trauen kann oder eher nicht. Die Ergebnisse werden in zwei Fallstudien getestet, Testgebiete sind Medizinische Informationssysteme und digitaler Journalismus. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, hat ein Gesamtvolumen von rund 4,3 Millionen Euro und wird von der EU mit rund drei Millionen Euro gefördert. Ich finde diese Forschung super interessant.

Der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck

Der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck

„Das Wahrzeichen Londons, das London Eye, brennt.“ Ein Satz wie dieser verbreitet sich über Facebook, Twitter und Co. explosionsartig. Aber stimmt er auch? Die Folgen solcher Falschmeldungen sind unberechenbar – je nach Brisanz des Inhalts ist von Gewaltexzessen bis hin zum Einbruch von Aktienmärkten alles möglich. Die Frage der Vertrauenswürdigkeit von Informationen im Netz stellt sich daher immer dringlicher. Auch jeder, der schon nach Krankheitssymptomen gesucht hat, kennt das Problem. Aber wie misst man den Wahrheitsgehalt von Online-Informationen? Und das schnell genug? Gemeinsam mit seinen internationalen Forschungspartnern will der Sprachtechnologe Thierry Declerck hierfür Antworten finden. Die Wissenschaftler arbeiten an einer robusten Methode, die jeweils zuverlässig angibt, wie vertrauenswürdig eine Information ist. „Wir konzentrieren uns dabei auf vier Arten problematischer Informationen: die Spekulation, die kontroverse Diskussion, die Fehlinformation und die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Tatsachen“, erklärt er.

Für mich klingt das alles nach Science Fiction, aber wir sind wohl nicht weit von einer Lösung entfernt. Eine der größten Herausforderungen hierbei ist die Datenflut. „Mehrere tausend Textnachrichten werden jede Sekunde neu eingestellt. Daher wenden wir Methoden an, um große Datenmengen zu verarbeiten, so genannte Big Data-Analysen“, sagt Declerck, der in der Computerlinguistik der Saar-Universität am Lehrstuhl von Professor Hans Uszkoreit und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz forscht. „Wir verbinden statistische Methoden mit präzisen sprachwissenschaftlichen Analysen. Die Lösung liegt in der Kombination der verschiedenen Verfahren. Im Projekt arbeiten hierzu Wissenschaftler unterschiedlicher Ausrichtung zusammen“, erläutert er. Computerlinguistische Sprachanalysen werden verknüpft mit Informationen aus sozialen Netzwerken, Inhalte werden mit zuverlässigen Datenbanken abgeglichen, statistisch geprüft und mittels Grafiken ausgewertet. Die Aussage wird gleichsam durch verschiedenste Filter geschickt; am Ende steht eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, die für oder gegen die Wahrheit spricht.

Declercks Aufgabe im Projekt ist die Sprachtechnologie. Er baut dabei auf Vorarbeiten im EU-Projekt „TrendMiner“ auf: „Wir haben Methoden entwickelt, die es möglich machen, aus der Datenflut Themen und Trends herauszufischen, die im Internet aktuell diskutiert werden. So lassen sich etwa Stimmungen erkennen.“ Mit Hilfe eines komplexen Systems aus Sprachverarbeitungs-Modulen will der Forscher jetzt die Informationen weiter auswerten, sie von ihrer Bedeutung und von Besonderheiten im Satzbau her erfassen. „Zum Beispiel wollen wir Satzstrukturen, die Zweifel am Wahrheitsgehalt einer Aussage ausdrücken, sowie bestimmte Schlüsselwörter wie ´scheinbar` oder ´nicht` automatisch erkennen“, sagt Declerck. Im Ausgangsbeispiel mit dem London Eye würde das System die Häufung von Zweifel wie „Stahl brennt doch gar nicht“ oder „Ich bin am London Eye, hier brennt nichts“ in seine Wahrheits-Analyse einbeziehen. Hierzu entwickelt Declerck derzeit mathematische Algorithmen: In Zahlen übersetzt, lassen sich Muster und Strukturen erkennen – die Informationen werden berechenbar.

Besonderer Knackpunkt für die Forscher wird die Unbeständigkeit der Wahrheit in unserer realen Welt sein. Was heute wahr ist, kann morgen schon falsch sein: „Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Zum Beispiel ist eine Aussage der Form ´X ist Präsident des Landes Y` nur so lange wahr, wie der genannte Präsident auch tatsächlich amtiert. Unser System muss sich also ständig anpassen können“, erklärt er. Daher verknüpft er die zu überprüfenden Informationen mit den entsprechenden Daten in zuverlässigen Quellen, z.B. Online-Nachschlagewerken wie DBpedia. „Hinter den Texten solcher Datenbanken liegen verschlüsselte, maschinenlesbare Informationen. Wir nutzen diese derzeit sozusagen als Spielwiese, um Gesetzmäßigkeiten zu finden und neue leistungsfähige Algorithmen zu entwickeln“, sagt der Sprachtechnologe.

Die EU fördert das Projekt „Pheme“ als „Specific Targeted Research Project (STREP)“. Partner im Projekt sind in England die University of Sheffield (Koordinator), das Kings College London, sowie die University of Warwick, in Österreich die Modul Universität Wien, in der Schweiz swissinfo.ch, in Bulgarien Ontotext, in Spanien ATOS Spain SAU, in Kenia Ushahidi und in Deutschland die Universität des Saarlandes.

Medienkompetenz: Google-Werbung mit dem eigenen Gesichtern verhindern

30. Oktober 2013

Beim Umgang mit Google sollte Medienkompetenz nicht zu kurz kommen. Ich merke in meinen Seminaren, dass Teilnehmer sich beim Umgang mit Google sicher fühlen, aber in der Praxis dann doch massive Schwierigkeiten haben. Nehmen wir beispielsweise das Thema soziale Empfehlungen. Empfehlungsmarketing ist das Zauberwort der Branche: Der User gibt im Netz Bewertungen ab und Google sammelt sie und bereitet sie auf. Zum Beispiel: „Matthias J. Lange findet die neue Bob Dylan-CD sehr gut und gab 5 Sterne.“ Dazu gibt es dann ein Bildchen von mir in der Werbung.

Ab 11. November kann Google eine Werbung im Netz mit dem Gesicht der User schalten, die ein Produkt empfehlen. Außer der User wird aktiv und schaltet diese Maßnahme aus und unterbindet die ganze Aktion. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die ganzen Daten bereits im Netz vorhanden sind und Google bereitet sie im Rahmen von Big Data nur neu auf. Es sind also keine neuen Informationen, die dort erscheinen – nur besser aufbereitet.

So könnte die Werbung von Google mit deinen Namen aussehen.

So könnte die Werbung von Google mit deinen Namen aussehen.

Wer nicht will, dass Google mit den Profilbildern aus dem Google+ Account und Namen seiner Nutzer Werbung macht, sollte aktiv werden. Immerhin gibt es weltweit 520 Millionen Google+-Mitglieder und Google bündelt mehr und mehr Dienste darunter. Was ist zu tun, um gegen das von Google bezeichnete Shared Endorsements vorzugehen?

Mein Tipp zum Vorgehen ist:

Auf der so genannten Endorsement-Seite mit Google+-Profil einloggen.

Achten, ob ein Haken neben folgendem dem Satz gesetzt ist oder nicht: „Basierend auf meinen Aktivitäten kann Google meinen Namen und mein Profilbild in sozialen Empfehlungen einblenden, die in Anzeigen erscheinen.“

Wenn ich nicht will, dass Google mein Profil für Werbung verwendet, dann darf kein Haken gesetzt sein.  Also kein Haken.  

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