Der Podcast „Hertlein und Lange“ des Landesinnungsverbandes Friseure und Kosmetiker Bayern widmet sich diesmal einem Thema, das weit über das Friseurhandwerk hinausreicht: der Zukunft der beruflichen Bildung. Im Mittelpunkt steht Christian Hertlein, Berufsbildungsexperte des Landesinnungsverbandes und des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks. Im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42 spricht Hertlein offen über Schwächen des Bildungssystems, blockierte Reformansätze und die Frage, wie junge Menschen besser auf das Berufsleben vorbereitet werden können.
Hertleins Diagnose fällt deutlich aus. Das Bildungssystem stehe „auf ganz alten Füßen“ und brauche dringend Modernisierung. Zwar hätten die Verbände in der beruflichen Ausbildung Einfluss auf Rahmenbedingungen und Inhalte, doch gerade im theoretischen Unterricht der Berufsschulen und bei den allgemeinbildenden Fächern seien die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. Dort werde aus seiner Sicht vielfach noch nach überkommenen Methoden gearbeitet. Die Lehrerinnen und Lehrer allein sieht Hertlein dabei nicht als Problem. Auch sie seien Teil eines Systems mit festen Vorgaben. Veränderung müsse deshalb auf mehreren Ebenen ansetzen: bei Schulen, Ministerien, Politik, Betrieben und Handwerksorganisationen.
Besonders kritisch blickt Hertlein auf das allgemeinbildende Schulsystem. Bayern gehöre im innerdeutschen Vergleich zwar zu den besseren Bildungssystemen, international aber sei das deutsche Modell kaum Vorbild. Das humboldtsche Bildungsideal, auf das sich das System gerne berufe, sei im Grundsatz richtig: Es gehe um Reflexionsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Selbstbestimmung. Doch genau diese Fähigkeiten sehe er bei vielen jungen Menschen, die in die Ausbildung kommen, nicht ausreichend entwickelt. Für die berufliche Bildung sei das ein großes Problem. Wer eine Aufgabe ausführen, das eigene Ergebnis überprüfen und bei Bedarf den Weg korrigieren müsse, brauche genau diese Kompetenzen.
Hertlein kritisiert dabei nicht Allgemeinbildung an sich. Ein Grundbestand an Wissen sei selbstverständlich notwendig. Zugleich stellt er aber die Frage, ob manche Inhalte und Strukturen noch zur heutigen Lebenswirklichkeit passten. Als Beispiel nennt er den verpflichtenden Religionsunterricht an Berufsschulen. In Klassen, die kulturell und religiös sehr unterschiedlich zusammengesetzt seien, müsse man überlegen, ob nicht stärker Sozialkompetenz, Wertebildung und gesellschaftliches Zusammenleben im Mittelpunkt stehen sollten. Viele Defizite, die eigentlich früher aufgefangen werden müssten, landeten am Ende bei Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben.
Ein konkreter Reformversuch im bayerischen Friseurhandwerk ist nach Hertleins Darstellung vorerst gescheitert. Geplant war ein Pilotprojekt für ein Berufsgrundschuljahr an einem Berufsschulstandort und in nur einer Klasse. Das erste Ausbildungsjahr sollte schulisch organisiert werden, um sprachliche Defizite, Sozialkompetenzen und berufliche Grundlagen gezielt zu stärken. Junge Menschen hätten dadurch besser vorbereitet in die Betriebe gehen können. Gleichzeitig sollten die Betriebe entlastet und Ausbildungsabbrüche in der schwierigen Anfangsphase reduziert werden. Der Standort sei vorbereitet gewesen, inklusive sozialpädagogischer Begleitung und Sprachförderung.
Trotzdem kam das Projekt nicht zustande. Hertlein sieht die Gründe weniger in fachlichen Einwänden als in handwerkspolitischen Widerständen. Innerhalb der Handwerksorganisation habe es die Sorge gegeben, ein solches Modell könne sich ausweiten und auch andere Gewerke erfassen. Man habe an der klassischen Vorstellung festhalten wollen, dass Ausbildung vor allem im Betrieb stattfindet. Hertlein betont, dass dieser Grundsatz des dualen Systems richtig sei. Angesichts veränderter Voraussetzungen bei vielen Jugendlichen hätte ein schulisch gestützter Einstieg aber helfen können, Lücken zu schließen und den Übergang in die Praxis erfolgreicher zu gestalten.
Die Verantwortung für Reformen sieht Hertlein vor allem bei der Politik. Solange dort signalisiert werde, das bestehende System solle im Wesentlichen bleiben, wie es ist, seien Veränderungen schwer durchzusetzen. Er fordert mehr Bereitschaft, über Landesgrenzen hinauszuschauen und von anderen Ländern zu lernen. Als Beispiel nennt er Skandinavien: Dort seien Erfahrungen mit Digitalisierung in Schulen bereits gemacht und teilweise korrigiert worden. Bayern stehe in diesem Bereich aus seiner Sicht an einem Punkt, an dem andere schon vor Jahren gewesen seien, nutze deren Erfahrungen aber zu wenig.
Auch in der Berufsschule gebe es Stellschrauben, die Wirkung entfalten könnten. Kleinere Klassen in den ersten Ausbildungsjahren wären nach Hertleins Einschätzung ein wichtiger Schritt. Doch dafür brauche es mehr Räume, mehr Lehrkräfte und damit mehr Geld. Ebenso müssten Lehrpläne und Unterrichtsstrukturen stärker auf die Bedürfnisse der Auszubildenden ausgerichtet werden. Fachtheoretischer Unterricht in Lernfeldern sei bereits ein Ansatz, weil dort verschiedene Aufgaben miteinander verzahnt würden. Was aber fehle, sei eine konsequente Entwicklung der Persönlichkeit, des Selbstbildes und der Fähigkeit, eigenständig und reflektiert zu handeln.
Auf Bundesebene sieht Hertlein ähnliche Probleme, aber unterschiedliche Lösungsansätze. In der beruflichen Bildung gebe es zwar bundesweite Rahmenlehrpläne, deren Umsetzung liege jedoch bei den Ländern. Dadurch entstünden Unterschiede, etwa bei theoretischen Prüfungen, die von Multiple-Choice-Aufgaben bis zu offenen handlungsorientierten Aufgaben reichten. Hertlein spricht von einer breiten Spannweite und auch von einem gewissen Nord-Süd-Gefälle: Während im Süden manches sehr anspruchsvoll angesetzt werde, sei man im Norden teils lockerer.
Trotz der Rückschläge will Hertlein nicht aufgeben. Das Berufsgrundschuljahr sei zwar mittelfristig vom Tisch, bleibe aber als Idee im Hintergrund. Politische Konstellationen und handelnde Personen könnten sich ändern. Entscheidend sei, die Diskussion weiterzuführen und immer wieder deutlich zu machen, dass das Bildungssystem junge Menschen besser auf Ausbildung und Beruf vorbereiten müsse. Hertlein zeigt sich enttäuscht über das Scheitern des Pilotprojekts, bleibt aber kämpferisch. Man werde weiter nach Lösungen suchen, auch wenn es zunächst nur kleine Schritte seien. Sein Fazit: Wer die Probleme erkenne, dürfe sich von einem Rückschlag nicht entmutigen lassen.
Im Podcast „Hertlein und Lange“ des Landesinnungsverbands Friseure und Kosmetiker Bayern spricht Christian Hertlein, Berufsbildungsexperte des Landesinnungsverbands und des Zentralverbands, über die Nachwuchsprobleme im Friseurhandwerk und über die Frage, ob tatsächlich „das System“ daran schuld sei. Seine Antwort fällt differenziert aus: Ja, das System trage eine Mitschuld – allerdings nicht das System der dualen Berufsausbildung selbst, sondern vielmehr die Art und Weise, wie in vielen Betrieben ausgebildet und mit Nachwuchs umgegangen werde. Genau diese Unterscheidung sei entscheidend, werde in der öffentlichen Debatte aber oft nicht sauber getroffen.
Hertlein macht deutlich, dass das duale Ausbildungssystem mit seinem Zusammenspiel von Betrieb und Berufsschule den rechtlichen und fachlichen Rahmen vorgibt, während die konkrete Ausbildungsrealität in den Salons von den Betrieben gestaltet wird. Und genau dort liege häufig das Problem. Das Friseurhandwerk präsentiere sich nach außen als kreativ, modern, vielseitig und attraktiv – und das sei es grundsätzlich auch. Kaum ein anderes Handwerk biete eine solche Mischung aus Kreativität, handwerklicher Präzision, Kundennähe und persönlicher Entwicklung. Doch viele junge Menschen machten nach dem Einstieg in die Ausbildung sehr schnell die ernüchternde Erfahrung, dass der betriebliche Alltag mit diesen Versprechen nicht immer übereinstimme. Statt intensiver Begleitung, Förderung und individueller Entwicklung würden Auszubildende in manchen Betrieben eher nebenher im Tagesgeschäft mitlaufen. Viele erhielten nicht den Input, den sie erwarteten und brauchten, manche seien sogar unterfordert. Für Hertlein ist das ein zentraler Grund für die Nachwuchsprobleme und auch für die hohen Abbruchquoten.
Zugleich weist er darauf hin, dass gerade in der Branche oft pauschal „das System“ kritisiert werde, ohne zwischen gesetzlichen Rahmenbedingungen und betrieblicher Praxis zu unterscheiden. Diese Vereinfachung sei zwar populär, helfe aber in der Sache nicht weiter. Notwendig seien vielmehr vernünftige Lösungsansätze und ein gemeinsamer Austausch auf Augenhöhe. Nach seiner Beobachtung melden sich in Diskussionen häufig gerade jene Betriebe besonders laut zu Wort, die selbst sehr gut ausbilden und mit berechtigter Kritik auf Schwachstellen hinweisen. An die Betriebe hingegen, in denen Ausbildung tatsächlich mangelhaft laufe und besonders viele Auszubildende abspringen, komme man oft nur schwer heran. Genau darin liege eine der großen Herausforderungen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Kommunikation. Häetlein betont, dass das Friseurhandwerk dringend eine bessere und klarere Kommunikation brauche. Viele Betriebe würden die Ausbildungsordnung und den Ausbildungsrahmenplan nicht richtig lesen oder missverstehen. Wenn dort etwa allgemein von „Haare schneiden“ oder „Haare farblich verändern“ die Rede sei, dann sei das keineswegs altmodisch oder unkonkret, sondern bewusst offen formuliert. Diese Begriffe umfassen sämtliche modernen Techniken und Methoden und geben den Betrieben größtmöglichen Gestaltungsspielraum. Die Ausbildungsordnung schränke also nicht ein, sondern ermögliche sehr viel mehr, als viele glaubten. Das Problem sei oft nicht der Rahmen, sondern dass seine Möglichkeiten zu wenig erkannt und genutzt würden.
Auch beim Thema Digitalisierung widerspricht Hertlein einfachen Heilsversprechen. Die Digitalisierung werde die Nachwuchsprobleme nicht allein lösen, könne aber eine wichtige Rolle spielen. Sie sei im Ausbildungsrahmenplan längst vorgesehen, nur werde sie vielerorts nicht konsequent umgesetzt. Digitale Tools könnten nicht nur im unternehmerischen Alltag eines Salons, etwa bei Kundenbindung, Mitarbeitergewinnung oder Kommunikation, eine wichtige Rolle spielen, sondern auch direkt in der Ausbildung. So könnten Auszubildende mit digitalen Werkzeugen arbeiten, sich mit KI Frisurenkonzepte erstellen lassen oder Schnittformen grafisch und dreidimensional darstellen. Solche Anwendungen seien kein Allheilmittel, gehörten aber selbstverständlich zu einer modernen Ausbildung.
Für Hertlein liegt die Aufgabe der Verbände deshalb vor allem darin, stärker aufzuklären, gute Beispiele sichtbar zu machen und erfolgreiche Ausbildungsbetriebe als Vorbilder herauszustellen. Best-Practice-Beispiele könnten zeigen, wie gute Ausbildung heute funktioniert. Zugleich müssten Betriebe, die Schwierigkeiten in der Ausbildung haben, ermutigt werden, sich Unterstützung zu suchen, Kooperationen einzugehen und ihre Ausbildungsstrukturen zu überdenken. Denn die Chancen, die das duale System und die bestehenden Regelungen bieten, seien groß – sie müssten nur konsequent genutzt werden.
Am Ende beschreibt Hertlein das Friseurhandwerk als eine sehr emotionale Branche, die dadurch besonders anfällig sei – sowohl für positive Hypes als auch für negative Stimmungen. Gerade in sozialen Medien würden einfache Schuldzuweisungen oft schneller verbreitet als differenzierte Erklärungen. Umso wichtiger sei es, sachlich zu bleiben, Potenziale sichtbar zu machen und den Blick stärker auf Lösungen statt auf Schuldfragen zu richten. Seine Botschaft ist klar: Nicht das duale Ausbildungssystem ist das eigentliche Problem, sondern die Art, wie Ausbildung in Teilen der Branche gelebt wird. Wer den Nachwuchs gewinnen und halten will, muss Ausbildung moderner, verbindlicher, intensiver und glaubwürdiger gestalten.
Ich durfte wieder einen Podcast Hertlein & Lange für den LIV Friseure und Kosmetiker Bayern aufnehmen. Bildungsexperte Christian Hertlein beschreibt das Friseurhandwerk als eine sehr vielfältige Branche, die derzeit von einem hohen Anteil an Solo-Selbstständigen und Kleinstbetrieben geprägt ist. Hier der Podcast:
Daneben gebe es einen mittleren Bereich mit kleinen Teams von ein bis vier Mitarbeitenden sowie größere Betriebe und Filialisten. Für die Zukunft sieht er jedoch deutliche Verschiebungen: Der klassische Familienbetrieb mit gewachsener Struktur verliere an Bedeutung, während kleinere Einheiten und Formen gemeinsamer Selbstständigkeit zunehmen dürften. Gleichzeitig stünden auch große Filialkonzepte unter Druck, weil sich Standorte und Kundenverhalten verändern.
Besonders kritisch bewertet Hertlein die Zunahme von Klein- und Kleinstbetrieben mit Blick auf die Ausbildung. Je kleiner ein Betrieb sei, desto schwieriger werde es, qualitativ hochwertige Ausbildung im Alltag zu leisten. Für eine gute Ausbildung brauche es aus seiner Sicht mindestens drei bis vier Mitarbeitende, damit Zeit, Anleitung und fachliche Begleitung überhaupt möglich seien. Wenn immer weniger Betriebe diese Voraussetzungen erfüllten, sinke automatisch auch die Zahl der Ausbildungsplätze, was den Fachkräftemangel weiter verschärfe. Gerade deshalb sieht Hertlein seine Aufgabe als Berufsbildungsexperte heute als besonders wichtig an: Es gehe darum, tragfähige Konzepte für Ausbildung, Weiterbildung und Kooperationen zu entwickeln, damit Betriebe trotz schwieriger Rahmenbedingungen Nachwuchs gewinnen und fördern können.
Für die kommenden zehn Jahre wünscht sich Hertlein vor allem eine starke, qualitativ hochwertige Branche mit gutem fachlichem Anspruch und angemessenen Preisen. Idealerweise sollten sich wieder mehr mittlere Betriebsgrößen mit etwa vier bis acht Mitarbeitenden entwickeln, auch wenn dies mit höherem unternehmerischem Risiko verbunden sei. Viele junge Friseurinnen und Friseure scheuten heute genau dieses Risiko, weil Personalführung, Ausfälle, Qualitätsmanagement und wirtschaftliche Verantwortung komplexer geworden seien. Deshalb hält er es oft für sinnvoll, nach der Meisterprüfung zunächst Berufserfahrung als angestellte Fach- oder Führungskraft zu sammeln, statt sofort den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Denn seit der Wegfall früherer Wartezeiten den direkten Anschluss von Ausbildung, Meisterprüfung und Selbstständigkeit erleichtert habe, fehle manchen jungen Meisterinnen und Meistern noch die nötige praktische Reife.
Auch in Quereinsteigern und Rückkehrern in den Beruf sieht Hertlein Potenzial, etwa bei Menschen, die nach einer Familienphase wieder in den Salonalltag einsteigen wollen. Allerdings sei auch hier Einarbeitung, Schulung und fachliche Weiterentwicklung nötig, was kleinere Betriebe oft weder zeitlich noch finanziell leisten könnten. Größere Teams hätten hier deutlich bessere Möglichkeiten. Als wichtigen Zukunftsweg nennt Hertlein daher Kooperationen: in Städten etwa das Teilen von Ladenlokalen, im ländlichen Raum eher die Zusammenarbeit zwischen Betrieben bei einzelnen Dienstleistungen, Spezialisierungen, Ausbildung oder Mitarbeiterschulungen. Insgesamt erwartet er, dass die Zahl der Spezialisten weiter zunimmt. Gerade in kleineren Strukturen sei es schwierig, das gesamte Leistungsspektrum dauerhaft auf hohem Niveau anzubieten. Deshalb werde sich aus seiner Sicht künftig mehr Spezialisierung durchsetzen als die breite Tätigkeit des Generalisten.
Ich habe im Rahmen meines wöchentlichen Newsletters gefragt, ob ich stärker ins Podcasten einsteigen soll. Die Mehrheit der Abonnenten sagte Ja. Also taste ich mich weiter vor.
Im Rahmen eines Podcasts des Landesinnungsverbandes Friseure & Kosmetiker Bayern sprach ich mit dem stellvertretenden Landesinnungsmeister und Berufsbildungsexperte Christian Hertlein über die Chancen und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz (KI) für die Friseur-Branche. Dabei wurde deutlich: Digitale Technologien gewinnen auch im Friseurwesen zunehmend an Bedeutung – sie ersetzen jedoch nicht die zentralen Kompetenzen des Handwerks.
„Empathie, Kreativität und handwerkliches Geschick sind die drei Eigenschaften, die den Friseurberuf auch in Zukunft unverzichtbar machen“, betonte Hertlein. KI könne den Beruf nicht ersetzen, sondern biete vielmehr zusätzliche Werkzeuge, um Salons moderner, effizienter und kundenorientierter zu gestalten. Schon heute ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten – von automatisierten Kundeninformationen über KI-generierte Bilder für Marketingmaterialien bis hin zu digitalen Tools, die Auszubildende bei der kreativen Gestaltung von Frisuren unterstützen. Hertlein sieht darin auch Chancen für die berufliche Bildung: „Wenn junge Menschen lernen, präzise mit KI zu arbeiten, stärkt das sowohl ihre Sprachkompetenz als auch ihre Kreativität.“
Damit diese Potenziale ausgeschöpft werden können, sei es notwendig, Berufsschulen und Betriebe gezielt zu schulen und Lehrpläne an die neuen Anforderungen anzupassen. Auch die Verbände stünden in der Verantwortung, die Digitalisierung aktiv zu begleiten und praxisnahe Schulungsangebote bereitzustellen.
Das Gespräch macht deutlich: Die Digitalisierung ist auch im Friseurhandwerk längst Realität. Für die Betriebe bedeutet das, rechtzeitig den Anschluss zu finden, um Wettbewerbsfähigkeit, Kundenbindung und Ausbildungsqualität langfristig zu sichern.
Ich hab ja versprochen, dass ich dieses Jahr mehr im Bereich Podcast machen werde. Ich nähere mich in der Regel von der filmischen Seite dieses Thema als Videopodcast, aber Zug um Zug spiele ich auch Audio-Podcasts aus.
Ich traf ihn in der Kreishandwerkerschaft Fürth zu einem Gespräch über Berufsnachwuchs. Wie ticken eigentlich Jugendliche und wie müssen sich Friseursalons darauf einstellen. Die Aussagen gelten aber nicht nur für Friseurbetriebe, sondern im Grunde für jede Art von Ausbildungsbetrieben der neuen Generation Z. Wer Lust hat, bitte gerne mal hineinhören.
Die „Woche der Ausbildung“ im Handwerk, die vom 24. bis 28. März 2025 stattfindet, ist eine bundesweite Initiative, um Jugendliche für eine duale Ausbildung im Handwerk zu begeistern und Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung zu unterstützen. Sie wird von Organisationen wie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), den Innungen und auch den Handwerkskammern getragen.
Ich engagiere mich hier und habe für diese Woche zwei Podcasts für Kunden produziert, die sich dem Thema Ausbildung im Handwerk widmen. Zum einen mit dem Berufsbildungsexperten des Friseurhandwerks Christian Hertlein, zum anderen mit Bäckermeister Martin Reicherzer. Eine duale Ausbildung im Handwerk ist Startpunkt für eine Bildungskarriere mit Sinn, Sicherheit und Zukunft.
Fokus auf das Friseurhandwerk Das Friseurhandwerk verbindet Kreativität, handwerkliches Geschick und Kundenorientierung. Die dreijährige Ausbildung umfasst sowohl praktische Tätigkeiten im Betrieb als auch theoretische Inhalte in der Berufsschule. Lernfelder reichen von der Pflege von Haaren und Kopfhaut über das Schneiden und Stylen.
Mein Gesprächspartner Christian Hertlein ist selbst Friseurmeister in Franken und gilt in Deutschland als der Experte für Berufsbildung im Friseurhandwerk, sowohl auf bayerischer als auch auf deutscher Ebene. Ich traf ihn in Fürth zu einem sachlichen, aber unterhaltsamen Gespräch ohne Geschwätz. Ein typischer Arbeitstag eines Friseurs beginnt mit der Vorbereitung des Salons, gefolgt von Kundengesprächen, Haarpflege, Schneidetechniken und Beratung zu Frisuren. Der Beruf erfordert ein hohes Maß an Präzision und die Fähigkeit, auf individuelle Kundenwünsche einzugehen.
Fokus auf das Bäckerhandwerk Das Bäckerhandwerk bietet eine ebenso vielfältige Ausbildung. Diese umfasst die Herstellung von Teigen, Kenntnisse über Backverfahren sowie Hygiene- und betriebswirtschaftliche Aspekte. Die Ausbildung erfolgt dual in Betrieb und Berufsschule und legt großen Wert auf die Vermittlung praktischer Fertigkeiten.
Das Bäckerhandwerk ist geprägt von Tradition und Innovation: Neben klassischen Rezepturen wird zunehmend auf Nachhaltigkeit und hochwertige Rohstoffe geachtet. Initiativen wie „Back dir deine Zukunft“ fördern den Nachwuchs durch moderne Lernangebote wie Videos und Tutorials, die theoretische Grundlagen und praktische Techniken vermitteln. Ich sprach mit Bäckermeister Martin Reicherzer, der Bäckereien in Fürstenfeldbruck und Aubing betreibt. Sein Unternehmen bildet erfolgreich Lehrlinge in den Berufen Bäcker, Konditor und Bäckereifachverkäufer aus.
Woche der Ausbildung Die „Woche der Ausbildung“ bietet Jugendlichen die Möglichkeit, Einblicke in Berufe wie Friseur oder Bäcker zu gewinnen. Praktika oder Schnuppertage helfen dabei, erste Erfahrungen zu sammeln und eine fundierte Berufswahl zu treffen. Gleichzeitig können Betriebe potenzielle Auszubildende kennenlernen und für sich gewinnen.
Beide Berufe zeigen für mich exemplarisch, dass das Handwerk nicht nur Tradition bewahrt, sondern auch zukunftsorientiert agiert – sei es durch innovative Ausbildungsansätze oder den Einsatz moderner Technologien.
Wie wichtig eine gute Vorbereitung und Planung für PR und ÖA ist, zeigte sich unlängst bei einer Aktion für den Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern. Meine Gattin ist Geschäftsführerin dieses Arbeitgeberverbandes und sie bekam über ein Vorstandsmitglied eine Einladung nach Berlin. Dort findet vor der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages ein Wirtschaftsgipfel unter dem Motto „Wir hören zu“ statt.
Wir diskutierten die Möglichkeit und kamen überein, dass das Friseurhandwerk noch mehr in der politischen Öffentlichkeit gehört werden sollte. Ich arbeite nebenbei für den Verband und ich bin davon überzeugt, dass wir in gutem Kontakt mit der Politik stehen, aber so eine Chance sollte sich das bayerische Friseurhandwerk nicht entgehen lassen. CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sowie viele konservative Bundestagsabgeordnete sind auf der Veranstaltung, so dass hier die bayerischen Friseure mit ihren Forderungen Flagge zeigen sollten. Wir setzten alle Hebel in Bewegung, damit wir nicht nur nach Berlin reisen, sondern auch sprechen könnten. Viele Mails und Telefonate mit den Büros der MdB waren notwendig, viele Kontakte wurden aktiviert.
Parallel liefen die Vorbereitungen für das Statement meiner Gattin. Wir diskutierten, verwarfen, rangen um Positionen. Was ist zuviel, was ist zuwenig? Ist es zu lang? Kann sie die Aufmerksamkeit der Politiker auf sich und damit auf die Forderungen der Friseure lenken? Und sollten wir uns einen Aufmerksamkeitsgag erlauben?
Nachdem in den vergangenen Wochen im ganzen Land Proteste der Landwirtschaft zu verspüren waren, setzten wir auf diese Karte. Meine Frau beschloss mit einem Traktor auf die Situation der mittelständischen Friseure aufmerksam zu machen. Natürlich nicht mit einem echten Traktor, Bulldog, Trecker oder Schlepper, sondern wir entscheiden uns, einen Traktor als Luftballon in den Versammlungsort, das Paul Löbe Haus nach Berlin mitzubringen. Zur Info: Der Sozialdemokrat Paul Löbe wirkte als Mitglied der verfassungsgebenden Nationalversammlung an der Weimarer Verfassung mit. Löbe war überzeugter Europäer mit hohem Engagement für die Einigung Westeuropas und die Wiedervereinigung Deutschlands.
Meine Frau kaufte im örtlichen Ballonladen einen Traktorballon und übers Netz eine Ballonpumpe. Während wir auf grünes Licht aus Berlin warteten, arbeiteten wir an dem möglichen Statement. „Bei den (Corona-)Auflagen die Ersten, bei den Hilfen die Letzten, brauchen Friseure Traktoren, um gehört zu werden?“ Wir organisierten die Reise in die Hauptstadt mit dem ICE. Der Bahnstreik war erst wenige Tage vorüber. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Ursprünglich war gedacht, die Stichpunkte des Statements am iPad vorzutragen, wenn meine Frau zu Wort kommen sollte. Auf der Fahrt nach Berlin mit dem Sprinter diskutierten wir das Vorgehen nochmals und sahen die Gefahr, dass es ein Standmikro sein könnte und damit kein Platz für das iPad vorhanden ist. Also schrieb sich meine Frau Stichworte auf nummerierte Stichwortkarten und ging die Rede immer wieder durch.
In Berlin schnell das Hotel bezogen, frisch gemacht und umgezogen. Die Gattin entschied sich für einen grünen Blazer in der Hoffnung, dass die Masse der (männlichen) Besucher der CDU/CSU-Veranstaltung im grauen Zweireiher erscheinen würde. Da sticht die Farbe wunderbar heraus und fällt richtig auf. Zudem rechneten wir damit, dass die Masse der Besucher männlich sein würde und damit stiegen die Chancen auf einen Redebeitrag als Frau.
Ich begleitete die Gattin zum Paul Löbe Haus neben dem Reichstag. Es war schon eine lange, graue Schlange der üblichen Lobbyisten und Interessensverteter anwesend. 700 Vertreter waren angemeldet, die sich alle für wichtig empfanden und zumeist auch etwas sagen wollten. Die Gattin reihte sich in die Schlange ein und ich kehrte ins Hotel zurück, weil ich zur gleichen Zeit ein Online-Seminar halten musste. Ich drückte ihr noch eine Weitwinkelkamera in die Hand, eine Insta360, um den möglichen Redebeitrag irgendwie mitzufilmen. Wir brauchten ja einen Tätigkeitsnachweis und mögliches Material für die Öffentlichkeitsarbeit des Landesinnungsverbandes.
Nach der Sicherheitskontrolle, bei der der Gattin allerdings der Luftballon abgenommen wurde und damit der Einstiegsgag geplatzt war, gab sie ihre Redemeldung ab und wartete. Sie ergatterte einen Platz in der zweiten Reihe zwischen zumeist grauen Männern. Ein paar Fotos hier, ein paar Selfies da und die Nervosität stieg. Und hurra, die Entscheidung ist gefallen: Sie sollte die zweite Rednerin sein. Damit hatte sie und das Friseurhandwerk die geballte Aufmerksamkeit der politischen Vertreter auf ihrer Seite. Sie gab ihr Statement ab und filmte es etwas unglücklich von unten, aber besser als gar nicht. Die örtliche Stimmkreisabgeordnete Katrin Staffler machte ein Foto von meiner Frau in ihrer grünen Jacke, wie sie von einer Kamera gefilmt wurde. Starkes Foto und danke für das Überlassen des Bildes. Nach zwei Stunden und zahlreichen Reden war die Veranstaltung zu Ende. Die Wortbeiträge gingen wohl in das Mittelstandsprogramm der CDU/CSU ein, das einige Tage später veröffentlicht wurde. Nachts stellten wir unseren Film auf den YouTube-Kanal des Verbandes. Leider die Perspektive von unten und auch der Ton war nicht übermäßig gut. Aber die Verantworten bei der CDU/CSU hatten die Rede in perfekter Qualität mitgefilmt und wir capturten noch nachts das Material und setzten es in der Kommunikation ein. Das WLAN im Hotel arbeitete hervorragend.
Per Newsletter ging die Meldung an die Mitglieder der bayerischen Friseurinnungen, der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks nahm es in seinen Newsletter auf und die Fachmedien im Friseurhandwerk verbreiteten die Botschaft. Es kam Lob von vielen Seiten und die Aktion war dank einer guten Vorbereitung ein Erfolg. Nun muss sich eigentlich nur noch die Politik für das Friseurhandwerk ändern. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die Mischung macht es. Das merke ich bei meinen Kunden besonders deutlich. Einer meiner Kunden ist der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, also die Arbeitgeberorganisation der bayerischen Friseure. Neben der klassischen Verbandsarbeit wie Tarife und Stellungnahmen in arbeitsrechtlichen Fragen sind die Friseure natürlich wichtiger Teil der Beauty-Branche und führen Modeveranstaltungen durch. Ach ja und sie feiern gerne, sie sind gesellig und sich ihrer Tradition bewusst. Das gefällt mir. Und daher veranstaltet der Landesinnungsverband einmal im Jahr eine Wallfahrt nach auf den Heiligen Berg nach Andechs. „Als modernes und modisches Handwerk sind wir Friseure unserer Tradition verpflichtet“, so der Landesinnungsmeister Christian Kaiser.
Eine Wallfahrt und geselliges Feiern passt das zusammen? Ja tut es, wie die jüngste Wallfahrt mit rund 150 Friseurinnen und Friseuren aus ganz Bayern wieder zeigte. Ich war dabei und half bei der Dokumentation der Veranstaltung mit.
Der Hintergrund zur Friseurwallfahrt ist ein sehr ernster: Im Jahre 2003 drohte das Friseurhandwerk aus der Liste der Vollhandwerke gestrichen zu werden. Der Bundesgesetzgeber war am Streichen, viele Gewerbe blieben auf der Strecke. Das bedeutet: Bei einem Rauswurf aus der Anlage A der Handwerksrolle braucht es keinen Meister als Voraussetzung, um sich selbstständig zu machen. Die Qualität im Friseurhandwerk stand auf dem Spiel.
Auf Initiative des LIV-Vorstandsmitglied Josef Wieser veranstaltete der Verband einen Bittgang nach Andechs, um auch göttlichen Beistand zu erbeten. Mit allerlei Plakaten und Transparenten bauten sich die Friseure vor der Wallfahrtskirche in Andechs auf und veranstalteten dann einen Festgottesdienst.
Ob die Pakete, die Gespräche im Hintergrund, der Druck der Öffentlichkeit, der Bittgang oder der Festgottesdienst am Ende ausschlaggebend war, weiß ich nicht. Fest steht, die Friseure sind in der Anlage A der Handwerksrolle geblieben.
Seitdem veranstaltet der Landesinnungsverband jedes Jahr eine Friseurwallfahrt nach Andechs, wobei einmal auch Vierzehnheiligen bei Staffelstein auch das Ziel der Pilger war. Die Wanderung von Herrsching nach Andechs durch das schöne Kiental dauerte eine Stunde. Dann war der heilige Berg erklommen. Nach dem obligatorischen Gruppenbild vor der Kirche ging es in den Gottesdienst. Mit dabei waren zahlreiche Fahnendelegationen verschiedener Friseurinnungen. Auch der LIV hat eine eigene Fahne. Sehr schön war auch, dass die Zunftfahne der Münchner Friseure in Andechs im Einsatz war. Vor kurzem wurde auch die historische Zunftfahne von 1927 der Friseurinnung München aufwendig restauriert. Sie wurde in alter Tradition geweiht. Der kirchliche Segen wurde am Schrein von St. Cosmas und St. Damian, den Schutzpatronen des Friseurhandwerks, in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael erteilt.
Zu Andechs gehört auch der Biergarten mit Bier und Haxn. Und zum bayerischen Biergarten gehört eigentlich auch Blasmusik. Die ist im Biergarten des Heiligen Bergs von den Geistlichen nicht so gerne gesehen, aber die Friseure verhandeln geschickt und so spielt jedes Jahr zur Freude aller eine bayerische Kapelle. Und mitten drin ist auch LIV-Vorstandsmitglied Josef Wieser.
Der Friseurmeister aus Mammendorf im Landkreis Fürstenfeldbruck ist nicht nur erfolgreicher Friseurunternehmer, er ist im auch Musiker. Nach jahrelangen Einsätzen auf dem Oktoberfest in der Vergangenheit greift er auch bei der Friseurwallfahrt zur Posaune. Dabei kommt es vor allem auf die Stimmung an. Viele Bilder gibt es hier.
Wie eingangs gesagt: Die Mischung macht es und hier stimmt die Mischung.
Die Beautybranche hat mich endlich als Mann entdeckt. Auf der HAARE 2014 in Nürnberg, der wichtigsten Regionalmesse für das Friseurhandwerk, wurde ich als Mann fündig. Wer dachte, Friseurmessen seien nur für Friseurinnen und deren Kundinnen interessant, der irrt sich. Auf der HAARE wurde ich als Mann als Zielgruppe entdeckt und zwar beim Thema Nassrasur.
Das musste ich gleich mal ausprobieren. Auf der HAARE war ein großartiger Barber-Shop errichtet worden. Barbers 101, so hieß der Aussteller, hatte ganze Arbeit geleistet. Stilvoll und geschmackvoll hatte er einen Shop in warmen Holzfarben aufegbaut. Alles erinnerte an die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und das lag nicht nur an der Elvis-Mucke, die aus den Boxen lief.
Im Mittelpunkt des Barber-Shops war der Barbersessel, auf dem ich zugleich Platz nahm. Vertrauensvoll begab ich mich in die Hände von Friseurmeister Joachim Groha aus Schweinfurt. Ich hatte mit Joachim Groha bereits mehrmals gearbeitet und bin von seinem Konzept eines Barber-Shops begeistert. Groha mit weißem Hemd und schwarzem Hut unter dem seine schwarzen Locken herausquollen, ist eine interessante Erscheinung. Ich wählte die klassische Messerrasur. Also zurücklehnen, Brille ab und genießen.
Als erstes wurden warme Handtücher auf das Gesicht gelegt. Dadurch wurde mein Bart weicher. Anschließend wurde die Rasiercreme aufgetragen und dann kam der Moment, wo Joachim Groha sein Rassiermesser ansetzte. Mit geschlossenen Augen genoss ich die Dienstleistung eines Profis. Das scharfe Messer rasierte den Bart wunderbar ab. Nassrasur mit dem Messer will gelernt sein und Joachim Groha ist ein Meister seines Fachs. Dazu gibt er auch Kurse. Hier wird beispielsweise an einem aufgeblasenen Ballon mit Rasierschaum geübt.
Dieses Mal mussten die Frauen auf ihre Männer im Barer-Forum auf der HAARE warten.
Ich stand nach 10 Minuten vollkommen zufrieden und entspannt aus meinem Barbierstuhl auf. Das nenne ich Beauty-Dienstleistung für den Mann von heute.
Friseure erinnern sich noch gut an die Zeit, als das Rasieren in den Salons zu den Standarddienstleistungen gehörte. Die jüngere Generation schaut beim Thema Nassrasur des Öfteren genauer hin, da das Rasieren nach wie vor im Ausbildungsplan steht. Das Barber-Forum auf der HAARE 2014, organisiert vom Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, hatte es sich auf die Fahne geschrieben, die professionelle Dienstleistung in den Salons zu stärken. Die Aussteller der HAARE präsentieren rund um das Programm-Highlight Barber Shop alles, was für eine traditionelle und professionelle Rasur notwendig ist. Angefangen bei Rasiermessern, über Dachshaarpinsel, Seifen und Mugs bis zu Pflege-Tonics und After-Shave. Die HAARE bewies damit wieder, dass sie Trendsetter ist. Vor Jahren hat das HAARE-Team das Thema Nassrasur aufgegriffen und dieser fast ausgestorbenen Friseurtätigkeit einen breiten Raum eingeräumt.
Kerstin Lehmann von L’Oreal am Stand von Ich bin Friseur.
Auch wenn das Thema von vielen Handwerksbetrieben immer noch tot geschwiegen wird, steht fest: Das Handwerk hat Nachwuchsprobleme. Die demographische Entwicklung sorgt für weniger Schulabgänger und zahlreiche Firmen können freie Lehrstellen nicht mehr mit qualifizierten Bewerbern besetzen.
Das Friseurhandwerk hat das Problem erkannt und meiner Meinung nach den richtigen Weg eingeschlagen. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat sich mit seinen Berufsfachleuten in den Landesverbänden beraten und zusammen mit der kosmetischen Industrie in Form von L‘Oreal eine coole Nachwuchsaktion auf den Weg gebracht. Unter dem Slogan „Ich bin Friseur“ nimmt diese frische Kampagne in den nächsten Wochen Fahrt auf und soll Schülern den Beruf des Friseurs schmackhaft machen. Die Premiere der Nachwuchskampagne fand vor kurzem auf der Hair&Beauty in Frankfurt statt. In meiner Reihe „Matthias fragt nach …“ traf ich mich mit Kerstin Lehmann von L‘Oreal, die federführend für die Aktion zuständig war.
Bei der zweitägigen Friseurmesse in Frankfurt sollte die Aktion auch Obermeistern vorgestellt werden. Diese blieben aber der Veranstaltung als Masse fern, was wahrscheinlich an dem unglücklichen Termin an einem Montagnachmittag lag. Montag ist bei Friseurmessen traditionell der Tag der Lehrlinge. Effektiver hätte die Vorstellung am Sonntag sein können, wenn Obermeister auch bei der Veranstaltung anwesend waren.
Dennoch die Aktion ist gut durchdacht. Die Nachwuchskampagne „Ich bin Friseur“ basiert auf drei Säulen: Klassische Information, digitale Information und persönliche Information. Eine ansprechend gemachte Broschüre stellt emotional Erfolgsgeschichten im Friseurhandwerk vor und zeigt die Vielfalt der Branche. Nicht nur klassisches Haareschneiden gehört hier zum Beruf, sondern u.a. Arbeit als Creative Director, Manager, Artist. Damit die Broschüre auch von den Betrieben angenommen wird, kann der Friseur eine Seite in dem Magazin beisteuern. Das erhöht die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz.
Natürlich gehört heute ein digitaler Auftritt dazu. Neben einer statischen Website setzt „Ich bin Friseur“ auf Facebook als Massenmedium. Dienste wie Twitter oder Pinterest sind bisher noch nicht eingebunden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Kampagne erst einmal in die Welt getragen werden und schnell Fahrt aufnehmen soll. Zahlreiche Videos sind auch bei YouTube eingebunden und können so einfach viral verbreitet werden.
Als anspruchsvollste Aufgabe und dritte Säule der Kommunikation setzen die Organisatoren auf persönliche Informationen. Hier sollen Botschafter in die Schulen und die Botschaft verbreiten. Dies ist vor allem Aufgabe des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, der mit seinen Landesverbänden und angeschlossenen Innungen viele Friseure erreicht. Hier muss sich jetzt zeigen, ob die Aktion von den Handwerkern vor Ort angenommen wird. Wenn diese aber weiterhin das Problem der fehlenden Lehrlinge nicht wahrhaben wollen, dann wird die Aktion ins Leere laufen.