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Podcast Hertlein & Lange: Nachwuchs im Friseurhandwerk: Nicht das System ist das Problem, sondern seine Umsetzung

4. Juni 2026

Im Podcast „Hertlein und Lange“ des Landesinnungsverbands Friseure und Kosmetiker Bayern spricht Christian Hertlein, Berufsbildungsexperte des Landesinnungsverbands und des Zentralverbands, über die Nachwuchsprobleme im Friseurhandwerk und über die Frage, ob tatsächlich „das System“ daran schuld sei. Seine Antwort fällt differenziert aus: Ja, das System trage eine Mitschuld – allerdings nicht das System der dualen Berufsausbildung selbst, sondern vielmehr die Art und Weise, wie in vielen Betrieben ausgebildet und mit Nachwuchs umgegangen werde. Genau diese Unterscheidung sei entscheidend, werde in der öffentlichen Debatte aber oft nicht sauber getroffen.

Hertlein macht deutlich, dass das duale Ausbildungssystem mit seinem Zusammenspiel von Betrieb und Berufsschule den rechtlichen und fachlichen Rahmen vorgibt, während die konkrete Ausbildungsrealität in den Salons von den Betrieben gestaltet wird. Und genau dort liege häufig das Problem. Das Friseurhandwerk präsentiere sich nach außen als kreativ, modern, vielseitig und attraktiv – und das sei es grundsätzlich auch. Kaum ein anderes Handwerk biete eine solche Mischung aus Kreativität, handwerklicher Präzision, Kundennähe und persönlicher Entwicklung. Doch viele junge Menschen machten nach dem Einstieg in die Ausbildung sehr schnell die ernüchternde Erfahrung, dass der betriebliche Alltag mit diesen Versprechen nicht immer übereinstimme. Statt intensiver Begleitung, Förderung und individueller Entwicklung würden Auszubildende in manchen Betrieben eher nebenher im Tagesgeschäft mitlaufen. Viele erhielten nicht den Input, den sie erwarteten und brauchten, manche seien sogar unterfordert. Für Hertlein ist das ein zentraler Grund für die Nachwuchsprobleme und auch für die hohen Abbruchquoten.

Zugleich weist er darauf hin, dass gerade in der Branche oft pauschal „das System“ kritisiert werde, ohne zwischen gesetzlichen Rahmenbedingungen und betrieblicher Praxis zu unterscheiden. Diese Vereinfachung sei zwar populär, helfe aber in der Sache nicht weiter. Notwendig seien vielmehr vernünftige Lösungsansätze und ein gemeinsamer Austausch auf Augenhöhe. Nach seiner Beobachtung melden sich in Diskussionen häufig gerade jene Betriebe besonders laut zu Wort, die selbst sehr gut ausbilden und mit berechtigter Kritik auf Schwachstellen hinweisen. An die Betriebe hingegen, in denen Ausbildung tatsächlich mangelhaft laufe und besonders viele Auszubildende abspringen, komme man oft nur schwer heran. Genau darin liege eine der großen Herausforderungen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Kommunikation. Häetlein betont, dass das Friseurhandwerk dringend eine bessere und klarere Kommunikation brauche. Viele Betriebe würden die Ausbildungsordnung und den Ausbildungsrahmenplan nicht richtig lesen oder missverstehen. Wenn dort etwa allgemein von „Haare schneiden“ oder „Haare farblich verändern“ die Rede sei, dann sei das keineswegs altmodisch oder unkonkret, sondern bewusst offen formuliert. Diese Begriffe umfassen sämtliche modernen Techniken und Methoden und geben den Betrieben größtmöglichen Gestaltungsspielraum. Die Ausbildungsordnung schränke also nicht ein, sondern ermögliche sehr viel mehr, als viele glaubten. Das Problem sei oft nicht der Rahmen, sondern dass seine Möglichkeiten zu wenig erkannt und genutzt würden.

Auch beim Thema Digitalisierung widerspricht Hertlein einfachen Heilsversprechen. Die Digitalisierung werde die Nachwuchsprobleme nicht allein lösen, könne aber eine wichtige Rolle spielen. Sie sei im Ausbildungsrahmenplan längst vorgesehen, nur werde sie vielerorts nicht konsequent umgesetzt. Digitale Tools könnten nicht nur im unternehmerischen Alltag eines Salons, etwa bei Kundenbindung, Mitarbeitergewinnung oder Kommunikation, eine wichtige Rolle spielen, sondern auch direkt in der Ausbildung. So könnten Auszubildende mit digitalen Werkzeugen arbeiten, sich mit KI Frisurenkonzepte erstellen lassen oder Schnittformen grafisch und dreidimensional darstellen. Solche Anwendungen seien kein Allheilmittel, gehörten aber selbstverständlich zu einer modernen Ausbildung.

Für Hertlein liegt die Aufgabe der Verbände deshalb vor allem darin, stärker aufzuklären, gute Beispiele sichtbar zu machen und erfolgreiche Ausbildungsbetriebe als Vorbilder herauszustellen. Best-Practice-Beispiele könnten zeigen, wie gute Ausbildung heute funktioniert. Zugleich müssten Betriebe, die Schwierigkeiten in der Ausbildung haben, ermutigt werden, sich Unterstützung zu suchen, Kooperationen einzugehen und ihre Ausbildungsstrukturen zu überdenken. Denn die Chancen, die das duale System und die bestehenden Regelungen bieten, seien groß – sie müssten nur konsequent genutzt werden.

Am Ende beschreibt Hertlein das Friseurhandwerk als eine sehr emotionale Branche, die dadurch besonders anfällig sei – sowohl für positive Hypes als auch für negative Stimmungen. Gerade in sozialen Medien würden einfache Schuldzuweisungen oft schneller verbreitet als differenzierte Erklärungen. Umso wichtiger sei es, sachlich zu bleiben, Potenziale sichtbar zu machen und den Blick stärker auf Lösungen statt auf Schuldfragen zu richten. Seine Botschaft ist klar: Nicht das duale Ausbildungssystem ist das eigentliche Problem, sondern die Art, wie Ausbildung in Teilen der Branche gelebt wird. Wer den Nachwuchs gewinnen und halten will, muss Ausbildung moderner, verbindlicher, intensiver und glaubwürdiger gestalten.

Podcast: Friseurhandwerk im Wandel: Zwischen Kleinstbetrieb, Ausbildungskrise und Spezialisierung

26. März 2026

Ich durfte wieder einen Podcast Hertlein & Lange für den LIV Friseure und Kosmetiker Bayern aufnehmen. Bildungsexperte Christian Hertlein beschreibt das Friseurhandwerk als eine sehr vielfältige Branche, die derzeit von einem hohen Anteil an Solo-Selbstständigen und Kleinstbetrieben geprägt ist. Hier der Podcast:

Daneben gebe es einen mittleren Bereich mit kleinen Teams von ein bis vier Mitarbeitenden sowie größere Betriebe und Filialisten. Für die Zukunft sieht er jedoch deutliche Verschiebungen: Der klassische Familienbetrieb mit gewachsener Struktur verliere an Bedeutung, während kleinere Einheiten und Formen gemeinsamer Selbstständigkeit zunehmen dürften. Gleichzeitig stünden auch große Filialkonzepte unter Druck, weil sich Standorte und Kundenverhalten verändern.

Besonders kritisch bewertet Hertlein die Zunahme von Klein- und Kleinstbetrieben mit Blick auf die Ausbildung. Je kleiner ein Betrieb sei, desto schwieriger werde es, qualitativ hochwertige Ausbildung im Alltag zu leisten. Für eine gute Ausbildung brauche es aus seiner Sicht mindestens drei bis vier Mitarbeitende, damit Zeit, Anleitung und fachliche Begleitung überhaupt möglich seien. Wenn immer weniger Betriebe diese Voraussetzungen erfüllten, sinke automatisch auch die Zahl der Ausbildungsplätze, was den Fachkräftemangel weiter verschärfe. Gerade deshalb sieht Hertlein seine Aufgabe als Berufsbildungsexperte heute als besonders wichtig an: Es gehe darum, tragfähige Konzepte für Ausbildung, Weiterbildung und Kooperationen zu entwickeln, damit Betriebe trotz schwieriger Rahmenbedingungen Nachwuchs gewinnen und fördern können.

Für die kommenden zehn Jahre wünscht sich Hertlein vor allem eine starke, qualitativ hochwertige Branche mit gutem fachlichem Anspruch und angemessenen Preisen. Idealerweise sollten sich wieder mehr mittlere Betriebsgrößen mit etwa vier bis acht Mitarbeitenden entwickeln, auch wenn dies mit höherem unternehmerischem Risiko verbunden sei. Viele junge Friseurinnen und Friseure scheuten heute genau dieses Risiko, weil Personalführung, Ausfälle, Qualitätsmanagement und wirtschaftliche Verantwortung komplexer geworden seien. Deshalb hält er es oft für sinnvoll, nach der Meisterprüfung zunächst Berufserfahrung als angestellte Fach- oder Führungskraft zu sammeln, statt sofort den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Denn seit der Wegfall früherer Wartezeiten den direkten Anschluss von Ausbildung, Meisterprüfung und Selbstständigkeit erleichtert habe, fehle manchen jungen Meisterinnen und Meistern noch die nötige praktische Reife.

Auch in Quereinsteigern und Rückkehrern in den Beruf sieht Hertlein Potenzial, etwa bei Menschen, die nach einer Familienphase wieder in den Salonalltag einsteigen wollen. Allerdings sei auch hier Einarbeitung, Schulung und fachliche Weiterentwicklung nötig, was kleinere Betriebe oft weder zeitlich noch finanziell leisten könnten. Größere Teams hätten hier deutlich bessere Möglichkeiten. Als wichtigen Zukunftsweg nennt Hertlein daher Kooperationen: in Städten etwa das Teilen von Ladenlokalen, im ländlichen Raum eher die Zusammenarbeit zwischen Betrieben bei einzelnen Dienstleistungen, Spezialisierungen, Ausbildung oder Mitarbeiterschulungen. Insgesamt erwartet er, dass die Zahl der Spezialisten weiter zunimmt. Gerade in kleineren Strukturen sei es schwierig, das gesamte Leistungsspektrum dauerhaft auf hohem Niveau anzubieten. Deshalb werde sich aus seiner Sicht künftig mehr Spezialisierung durchsetzen als die breite Tätigkeit des Generalisten.

Zwischen Fachkräftemangel und Integration: LIV-Podcast beleuchtet Migration im Friseurhandwerk

19. Januar 2026

Im Podcast des Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern sprach ich mit Christian Hertlein, Bildungsexperte des Landesinnungsverband Friseure und Kosmetiker, über ein Thema, das weit über das Friseurhandwerk hinausreicht: Migration und Zuwanderung. Der Podcast markiert zugleich den Auftakt einer neuen Podcast-Staffel für das Jahr 2026 – nach erfolgreichen ersten Folgen ein bewusst gesetztes Signal zur Fortsetzung des Formats.

Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, welche Rolle Migration für das Friseurhandwerk heute spielt – und in Zukunft spielen muss. Hertlein macht deutlich: Zuwanderung ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrzehnten Teil der Branche. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren prägten Anwerbeabkommen und die sogenannte Gastarbeitergeneration den deutschen Arbeitsmarkt. Auch das Friseurhandwerk profitierte später von deren Kindern, die in Deutschland aufwuchsen, die Sprache beherrschten und sich selbstverständlich integrierten.

Die heutige Situation sei jedoch nur bedingt vergleichbar. Während frühere Zuwanderung gezielt arbeitsmarktpolitisch gesteuert war, kommen heute viele Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland. Diese brächten oft traumatische Erfahrungen mit und benötigten deutlich mehr Unterstützung. Gerade im Friseurhandwerk, das Hertlein treffend als „Mundwerk“ beschreibt, stellen Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede eine besondere Herausforderung dar – sowohl im Kundenkontakt als auch im Teamalltag.

Ein zentrales Problem sieht Hertlein in der mangelnden Bündelung von Unterstützungsangeboten. Zwar existierten Sprachkurse, sozialpädagogische Begleitung und Förderprogramme, doch vielen Betrieben fehle der Überblick. Eine klare zentrale Anlaufstelle, etwa über Handwerkskammern oder Berufsschulen, könnte hier Abhilfe schaffen. Gleichzeitig kritisiert er, dass vorhandene Angebote von Betrieben nicht immer ausreichend genutzt werden – oft aus Zeit- und Organisationsgründen.

Ein weiteres großes Thema des Podcasts ist die kontrovers geführte Debatte um Barbershops. Hertlein warnt eindringlich vor Pauschalurteilen. Nicht jeder Betrieb mit migrantischem Hintergrund sei automatisch illegal oder problematisch. Vielmehr müsse klar unterschieden werden zwischen regulär geführten Betrieben mit Meisterqualifikation und solchen, bei denen tatsächlich rechtliche Defizite bestehen. Populistische Verkürzungen schadeten nicht nur dem Handwerk, sondern der gesamten gesellschaftlichen Debatte.

Gleichzeitig plädiert Hertlein für mehr Geduld. Integration sei kein kurzfristiger Prozess, sondern brauche Zeit – oft eine ganze Generation. Positive Beispiele gebe es jedoch viele: junge Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung absolvieren, die Meisterprüfung ablegen und sich erfolgreich selbstständig machen. Solche Entwicklungen zeigten, dass das System grundsätzlich funktioniere, wenn Unterstützung, Eigeninitiative und klare Regeln zusammenkämen.

Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick nach vorn. Migration biete nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen – etwa durch neue Dienstleistungen, zusätzliche Kompetenzen und eine stärkere Vielfalt im Handwerk. Entscheidend sei, differenziert zu diskutieren, Ruhe in die Debatte zu bringen und sich nicht von populistischen Stimmen treiben zu lassen.

Der Podcast macht deutlich: Das Friseurhandwerk steht exemplarisch für viele gesellschaftliche Fragen rund um Migration, Integration und Fachkräftesicherung. Lösungen sind komplex – einfache Antworten gibt es nicht. Genau darin liegt die Stärke des Gesprächs: Es setzt auf Einordnung, Erfahrung und Dialog statt auf Schlagworte.

Podcast: Künstliche Intelligenz im Friseurhandwerk: Ergänzung statt Ersatz

12. November 2025

Ich habe im Rahmen meines wöchentlichen Newsletters gefragt, ob ich stärker ins Podcasten einsteigen soll. Die Mehrheit der Abonnenten sagte Ja. Also taste ich mich weiter vor.

Im Rahmen eines Podcasts des Landesinnungsverbandes Friseure & Kosmetiker Bayern sprach ich mit dem stellvertretenden Landesinnungsmeister und Berufsbildungsexperte Christian Hertlein über die Chancen und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz (KI) für die Friseur-Branche. Dabei wurde deutlich: Digitale Technologien gewinnen auch im Friseurwesen zunehmend an Bedeutung – sie ersetzen jedoch nicht die zentralen Kompetenzen des Handwerks.

„Empathie, Kreativität und handwerkliches Geschick sind die drei Eigenschaften, die den Friseurberuf auch in Zukunft unverzichtbar machen“, betonte Hertlein. KI könne den Beruf nicht ersetzen, sondern biete vielmehr zusätzliche Werkzeuge, um Salons moderner, effizienter und kundenorientierter zu gestalten.
Schon heute ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten – von automatisierten Kundeninformationen über KI-generierte Bilder für Marketingmaterialien bis hin zu digitalen Tools, die Auszubildende bei der kreativen Gestaltung von Frisuren unterstützen. Hertlein sieht darin auch Chancen für die berufliche Bildung: „Wenn junge Menschen lernen, präzise mit KI zu arbeiten, stärkt das sowohl ihre Sprachkompetenz als auch ihre Kreativität.“

Damit diese Potenziale ausgeschöpft werden können, sei es notwendig, Berufsschulen und Betriebe gezielt zu schulen und Lehrpläne an die neuen Anforderungen anzupassen. Auch die Verbände stünden in der Verantwortung, die Digitalisierung aktiv zu begleiten und praxisnahe Schulungsangebote bereitzustellen.

Das Gespräch macht deutlich: Die Digitalisierung ist auch im Friseurhandwerk längst Realität. Für die Betriebe bedeutet das, rechtzeitig den Anschluss zu finden, um Wettbewerbsfähigkeit, Kundenbindung und Ausbildungsqualität langfristig zu sichern.

Podcast: Wie tickt der Berufsnachwuchs?

9. Mai 2025

Ich hab ja versprochen, dass ich dieses Jahr mehr im Bereich Podcast machen werde. Ich nähere mich in der Regel von der filmischen Seite dieses Thema als Videopodcast, aber Zug um Zug spiele ich auch Audio-Podcasts aus.

Als einen sehr angenehmen Gesprächspartner habe ich den stellvertretenden Landesinnungsmeister des bayerischen Friseur- und Kosmetikerhandwerks Christian Hertlein empfunden.

Ich traf ihn in der Kreishandwerkerschaft Fürth zu einem Gespräch über Berufsnachwuchs. Wie ticken eigentlich Jugendliche und wie müssen sich Friseursalons darauf einstellen. Die Aussagen gelten aber nicht nur für Friseurbetriebe, sondern im Grunde für jede Art von Ausbildungsbetrieben der neuen Generation Z. Wer Lust hat, bitte gerne mal hineinhören.

Handwerk erleben – Chance auf eine Zukunft mit Herz, Hand und Verstand!

24. März 2025

Die „Woche der Ausbildung“ im Handwerk, die vom 24. bis 28. März 2025 stattfindet, ist eine bundesweite Initiative, um Jugendliche für eine duale Ausbildung im Handwerk zu begeistern und Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung zu unterstützen. Sie wird von Organisationen wie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), den Innungen und auch den Handwerkskammern getragen.

Ich engagiere mich hier und habe für diese Woche zwei Podcasts für Kunden produziert, die sich dem Thema Ausbildung im Handwerk widmen. Zum einen mit dem Berufsbildungsexperten des Friseurhandwerks Christian Hertlein, zum anderen mit Bäckermeister Martin Reicherzer.
Eine duale Ausbildung im Handwerk ist Startpunkt für eine Bildungskarriere mit Sinn, Sicherheit und Zukunft.

Fokus auf das Friseurhandwerk
Das Friseurhandwerk verbindet Kreativität, handwerkliches Geschick und Kundenorientierung. Die dreijährige Ausbildung umfasst sowohl praktische Tätigkeiten im Betrieb als auch theoretische Inhalte in der Berufsschule. Lernfelder reichen von der Pflege von Haaren und Kopfhaut über das Schneiden und Stylen.

Mein Gesprächspartner Christian Hertlein ist selbst Friseurmeister in Franken und gilt in Deutschland als der Experte für Berufsbildung im Friseurhandwerk, sowohl auf bayerischer als auch auf deutscher Ebene. Ich traf ihn in Fürth zu einem sachlichen, aber unterhaltsamen Gespräch ohne Geschwätz.
Ein typischer Arbeitstag eines Friseurs beginnt mit der Vorbereitung des Salons, gefolgt von Kundengesprächen, Haarpflege, Schneidetechniken und Beratung zu Frisuren. Der Beruf erfordert ein hohes Maß an Präzision und die Fähigkeit, auf individuelle Kundenwünsche einzugehen.

Fokus auf das Bäckerhandwerk
Das Bäckerhandwerk bietet eine ebenso vielfältige Ausbildung. Diese umfasst die Herstellung von Teigen, Kenntnisse über Backverfahren sowie Hygiene- und betriebswirtschaftliche Aspekte. Die Ausbildung erfolgt dual in Betrieb und Berufsschule und legt großen Wert auf die Vermittlung praktischer Fertigkeiten.

Das Bäckerhandwerk ist geprägt von Tradition und Innovation: Neben klassischen Rezepturen wird zunehmend auf Nachhaltigkeit und hochwertige Rohstoffe geachtet. Initiativen wie „Back dir deine Zukunft“ fördern den Nachwuchs durch moderne Lernangebote wie Videos und Tutorials, die theoretische Grundlagen und praktische Techniken vermitteln.
Ich sprach mit Bäckermeister Martin Reicherzer, der Bäckereien in Fürstenfeldbruck und Aubing betreibt. Sein Unternehmen bildet erfolgreich Lehrlinge in den Berufen Bäcker, Konditor und Bäckereifachverkäufer aus.

Woche der Ausbildung
Die „Woche der Ausbildung“ bietet Jugendlichen die Möglichkeit, Einblicke in Berufe wie Friseur oder Bäcker zu gewinnen. Praktika oder Schnuppertage helfen dabei, erste Erfahrungen zu sammeln und eine fundierte Berufswahl zu treffen. Gleichzeitig können Betriebe potenzielle Auszubildende kennenlernen und für sich gewinnen.

Beide Berufe zeigen für mich exemplarisch, dass das Handwerk nicht nur Tradition bewahrt, sondern auch zukunftsorientiert agiert – sei es durch innovative Ausbildungsansätze oder den Einsatz moderner Technologien.