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20. Todestag von Lady Diana – journalistische Reflektionen

31. August 2017
Diana verkauft sich noch immer gut.

Diana verkauft sich noch immer gut.

Heute jährt sich zum 20 Mal der Todestag von Lady Diana und ich muss gestehen, ihr Unfalltot hat mich damals betroffen gemacht. Ich erinnere mich noch, wie ich aufgewacht bin und von dem Unfall in Paris gehört habe. Internet gab es damals für mich nicht, also waren Radio und Fernsehen meine Nachrichtenquellen. Das Programm wurde für Sondersendungen unterbrochen.
Als später die Beerdigung im Fernsehen übertragen wurde, nahm ich mir den Tag frei und schaute mir den Gottesdienst und den Trauerzug durch London an. Es war ein großes Ereignis: Nicht nur der Adel kam zum Gottesdienst, sondern auch die Show- und Modewelt. Elton John sang Candle in the Wind und auch die Queen verneigte sich vor dem Sarg. Ihre damals jungen Kinder taten mir sehr leid, hinter dem Sarg der Mutter laufen zu müssen.

Journalistische Sicht auf Diana
Als Journalist reflektierte ich, was geschehen ist. Ich sah sofort in der Todesmeldung die große Story. Diana tot. Only bad news are good news – so lautet ein Lehrspruch in der Branche, der damals und heute funktioniert. Schlechte Nachrichten verkaufen sich einfach gut.
Und Diana war ein Lehrbuchbeispiel für journalistisches Denken. Am besten verkaufen sich Themen aus Klatsch & Tratsch, Geld, Gesundheit und Sex. Alle vier Themenkomplexe waren schlagartig erfüllt und darum hatte die Todesmeldung so eine enorme Wirkung bei uns:
Klatsch & Tratsch liegt auf der Hand: Diana war ein Top-Promi, litt unter den Medien, spielte aber auch mit ihnen. Sie gehörte eine zeitlang dem britischen Königshaus an und war durch öffentlichkeitswirksame Aktionen die „Königin der Herzen“ geworden. Schon allein dieser Titel ist Klataschstoff pur. Man denke nur an ihr caritatives Engagement im Aids-Umfeld.
Geld ist auch klar. Diana war keine arme Frau und den genauen Kontostand kenne ich nicht. Aber durch ihren Lebensstil scheint es so, dass sie sich um Geld keine Sorgen machen musste. Nach der Scheidung soll sie rund 400.000 britische Pfund pro Jahr bekommen. Zudem war ihr neuer Freund Dodi Al-Fayed kein armer Schlucker. Sein Vater ist Mohamed Al-Fayed, dem die Harrods-Shop-Kette gehört. Seine Mutter war Samira Kashoggi, Schwester des berühmten Waffenhändlers.
Gesundheit ist bei einer Todesmeldung natürlich klar, denn es gibt beim Tod keine Gesundheit mehr. Der Tod beendet das Leben, bei Diana auf einer drastischen Weise durch den Unfall mit einem betrunkenen, unter Medikamenten stehenden Fahrer. Sie starb nicht im Bett an Altersschwäche, sondern sie wurde brutal aus dem Leben gerissen. Der Mercedes, der gegen den Betonpfeiler im Autotunnel unter der Place de l’Alma in Paris krachte, sah schlimm aus. Hier kommt dann der Klatsch wieder dazu und verstärkt die Todemeldung noch.
Sex sells – die alte Regel klappt immer. Wer ist eigentlich dieser damaligen Freund Dodi Al-Fayed, der mit Diana zu Tode kam? Die Welt der Schönen und Reichen ist einfach faszinierend. Fotos von Zärtlichkeiten auf Dodis Schiff heizten die Fantasie der Klatschpresse und ihrer Leser an.

Rolle der Medien beim Tod von Diana
Wenn ich zurückdenke, dann müssen wir auch über die Rolle der Medien reden. Waren es die Paparazzi, die Mitschuld am Unfall hatten? Diese besondere Spezies von Kollegen, die einfach drauf halten, sobald sie einen Promi vor die Linse bekommen. Mit zahlreichen Motorrädern wurde der Mercedes von Diana und Dodi verfolgt, um den perfekten Schuss für das perfekte Bild zu bekommen. Regeln gibt es in diesem Geschäft nicht.
Und als es dann nach dem Unfall hieß, es existieren keine Fotos von der sterbenden Diana, konnte ich es nicht glauben. Alle wollen den Verunglückten geholfen haben, das ich nicht lache, Paparazzi sind keine Amateure und ich kann mir bei diesen Geiern nicht vorstellen, dass sie nicht auf den Auslöser gedrückt haben und den Todekampf auf Film bannten. Diana war ja schwer verletzt, andere waren tot.
Und ich sollte recht behalten. Am 21. April 2004 strahlte der US-amerikanische Sender CBS Bilder der sterbenden Diana aus und brach damit ein Tabu. Diana war aber verpixelt.
Erst im Jahre 2011 kam in der Doku Unlawful Killing das Foto unzensiert und in hoher Auflösung zu sehen. Die Doku gibt es in YouTube zu finden. 2006 druckte die italienische Zeitschrift Chi erstmals ein unzensiertes Foto der sterbenden Diana, das Foto war allerdings ziemlich grobkörnig. Es zeigt Diana im Profil, wie sie gerade vom behandelnden Notarzt Sauerstoff bekommt. Die Google Bildersuche bringt die Aufnahmen noch immer.
Nun, die Mediendiskussion war entfacht. Und heute? Das Smartphone hat weitere Schranken fallen lassen. Verschwörungstheoretiker haben Aufwind. Ich stelle fest: Mein Thema Medienkompetenz ist wichtiger denn je.

Gebt Scharfmachern keine Chance!

14. November 2015

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Sind die Anschläge von Paris der europäische 11. September? In einer gemütlichen Runde mit meiner Familie saß ich gestern nacht, als mich die Breaking News via Twitter erreichten. Der Hashtag lautete #Paris. Zunächst glaubte ich, dass es sich um das Fußballspiel Frankreich gegen Deutschland handelte. Am Sportgeschehen vollkommen desinteressiert, wollte ich die Meldung schon wegdrücken, als ich mich eines Besseren besann und nach dem Hashtag in Twitter suchte. Der Journalist in mir wurde hellwach: Terroralarm in Paris. Geiseln, Schüsse, Sprengstoffanschläge – die französische Hauptstadt im Ausnahmezustand. Die traute Runde war schlagartig zu Ende, gebannt sah ich auf das Smartphone und folgte den aktuellen Entwicklungen. Tweet um Tweet kam herein und zeigte, welche Dimension der Terror annahm. Erschreckt sah ich mir eine Persicope-Übertragung aus Paris an. Die Zuschauerzahl schnellte in die Höhe, Hunderte, Tausende, Zehntausende – Kommentare wurden abgegeben. Durch Social Media war ich dabei, bekam Eindrücke, Meinungen, Perspektiven.

Ich sah die Hetzer-Tweets von AfD, ich sah die Aussagen von Zündlern, die aus ihren braunen Löchern hervorkommen. Ich sah die Aussagen von besorgten Bürgern, die sich wieder zu Wort meldeten. Mir wurde schlecht. Aber ich las auch die Tweets voller Empathie und Mitgefühl, ich las in den sozialen Medien auch die menschliche Seite.

Die Nacht schlief ich unruhig. Morgens musste ich ein Seminar leiten und mir gingen die Anschläge nicht aus den Kopf.

In den Seminarpausen sah ich mir die neuen Entwicklungen an. Es schaukeln sich die Meinungen hoch. Ich mahne euch: Bewahrt euch eure Menschlichkeit. Immer wieder lese ich von der Angst vor den Flüchtlingen. Diese armen Menschen fliehen doch vor genau diesem Terror, den wir in Paris sehen konnten. Glaubt ihr wirklich, dass sich der IS-Terrorist mit Waffen bepackt über die Balkanroute zu Fuß aufmacht, um nach Deutschland zu kommen?

Fallt nicht auf die Rattenfänger herein, die jetzt wieder nach drakonischen Maßnahmen rufen. Bewahrt Ruhe, trauert und überlegt dann, wie man ohne Wahlkampfgeschrei sich der Herausforderung stellt. Meine Hochachtung vor Frau Merkels Aussage: „Wir weinen mit Ihnen.“ Gebt den Scharfmachern keine Chance, denn Eskalation ist die Reaktion, die sie wollen.

Smartphone ersetzt den Diaabend (leider)

1. September 2014

Jetzt beginnt die Zeit, in der alle wieder aus dem Urlaub zurückkehren. In den alten Zeiten konnte ich mich darauf verlassen, dass in ein, zwei Wochen Einladungen zu Diaabenden ins Haus flatterten. Damals konnte ich mich entscheiden, ob ich die stundenlange Qual von ambitionierten Hobbyfotografen auf mich nehmen wollte, oder ob ich einfach kniff. Ausreden gab es viele, wie an diesem Abend haben wir leider keine Zeit oder das Kind ist krank geworden oder meine Schwiegermutter feiert Geburtstag.
Doch mit dem guten, alten Zeiten ist es vorbei. Das Smartphone ist schuld daran. Die Leute machen heute ihre Urlaubsfotos mit dem Smartphone. Die Kompaktkamera ist nahezu abgelöst durch die Megapixel-Auflösung der Smartphone Kameras. Und damit beginnt das Problem: das Smartphone ist immer dabei. Und ich habe keine Chance, den Urlaubsbildern am Smartphone zu entgehen. Kaum treffen sich Freunde auf der Straße, schon zückt einer sein Smartphone und quält mich mit den Urlaubsbilder vom jüngsten Urlaub. Und da die meisten mit dem Smartphone nicht fotografieren können, erleide ich Qualen. Noch schlimmer ist es, wenn ich im Hochformat-Smartphone querformatige Bilder anschauen muss. Übrigens, es heißt in der Fotografie Hochformat nicht hochkant – hochkant ist beim Schreiner/Tischler.

Na, in welcher Stadt war ich im Urlaub?

Na, in welcher Stadt war ich im Urlaub?

Leute, ich will eure schrecklichen Bilder vom Gardasee, Kroatien oder aus der Toskana nicht sehen. Ich will auch nicht wissen, hinter welcher Ecke der Eiffelturm zu sehen wäre oder warum man mit einem kleinen Blitz vom Smartphone nicht den ganzen Hamburger Hafen ausleuchten kann. Solchen Leuten würde ich gerne das Smartphone einfach wegnehmen durch ein klassisches Telefon ersetzen. Und zudem den Leuten noch ein absolutes Fotografierverbot erteilen.
Ich will wieder zurück zu den alten Diaabenden bei Freunden, bei denen es wenigstens zu qualvollen Bildern einen Käseigel oder eine Schinkenplatte zu essen gab.

Nach New York zieht es viele.

Nach New York zieht es viele.

Zum Thema Urlaub passt folgende Meldung, die mich gerade erreichte. Der führende Reisegroßhändler Tourico Holidays hat das Buchungsverhalten seiner europäischen Kunden analysiert und herausgefunden, dass Reisen in die USA immer beliebter werden. So ist New York mit 8% der Buchungen vom dritten auf den zweiten Platz der meistbesuchten Städte gestiegen und liegt bei den Buchungen nun fast gleichauf mit Paris, in das ebenfalls 8% reisen wollten. Also werde ich wohl Smartphone-Fotos von NYC und Paris in den folgenden Wochen sehen. Auf den Plätzen drei und vier der beliebtesten Städte liegen London mit 7% (im Vorjahr noch auf Platz 2) und Amsterdam mit 4%, das sich somit vom sechsten Platz auf den vierten verbessert hat. Neu in der Top 5 ist auch Las Vegas, ebenfalls mit 4% der Buchungen, das von Platz 10 auf Platz 5 gestiegen ist. Las Vegas ist übrigens eine eigene Welt entweder liebt man es oder man hasst es. Auf keinen Fall darf man Vegas ernst nehmen.

Keinesfalls ernst nehmen: Las Vegas

Keinesfalls ernst nehmen: Las Vegas

Orlando hat sich vom 15. auf den 12. Platz verbessert. Herausgefallen aus der Top 5 der beliebtesten Reiseziele im Vergleich zum Vorjahr sind Rom, das vom vierten auf den neunten Platz gefallen ist und Madrid, das sich jetzt, nach dem fünften Platz in 2013, auf dem achten Platz befindet.
Die Experten von Tourico Holidays vermuten als Grund für die steigende Beliebtheit Nordamerikas, dass die USA als Reiseland immer günstiger werden. Allerdings haben sich die Herrschaften nicht zum Thema Einreise geäußert. Ich liebe die USA, aber die Einreise erinnert mich an beste DDR-Zeitem. Noch 2013 mussten Besucher für eine Übernachtung in New York City im Schnitt 227 US-Dollar bezahlen, aktuell sind es noch 219 US-Dollar. In Las Vegas fielen die Preise von 123 US-Dollar auf 117 US-Dollar und in Orlando von 98 US-Dollar auf 81 US-Dollar für eine Übernachtung.
Die führenden Quellmärkte sind für den Reisegroßhändler Spanien, UK, Italien, Deutschland und Rumänien in 2014. Das größte Wachstumsplus kam jedoch aus anderen Märkten. Die Buchungen aus Frankreich sind um 30% gestiegen, die aus der Schweiz sogar um 63%.
Für die Auswertung hat Tourico Holidays die Daten aus den ersten beiden Quartalen aus 2013 und 2014 miteinander verglichen. Das Unternehmen ist im Reisegroßhandel führend in der Verarbeitung großer Datenmengen. Aktuell erhält der Reisegroßhändler täglich 90 Millionen Suchanfragen von fast 5.000 Kunden und wiederum deren Klienten aus über 100 Ländern weltweit.

Nicht Venedig, sondern Las Vegas zeigt das Bild.

Nicht Venedig, sondern Las Vegas zeigt das Bild.

Buchkritik: Andrej Tarkovskij: Schriften, Filme, Stills

18. Januar 2013
Chance vertan - das Buch über Tarkovskij ist eine Frechheit.

Chance vertan – das Buch über Tarkovskij ist eine Frechheit.

Es gibt ein paar Regisseure, die ich wirklich verehre. Dazu gehört mit Abstand Stanley Kubrick, dicht gefolgt von Alfred Hitchcock und der dem Massenpublikum meist verborgene Russe Andrej Tarkovski. Seine Filme wie Stalker, der Spiegel, Solaris oder das Opfer (um nur einige zu nennen) gehören zu den schönsten und eindringlichsten Werken, die je auf Film gebannt wurden. Dazu kommt eine poetische und persönliche Auseinandersetzung mit Kunst. Dieser großartige Künstler verstarb mit 54 Jahren in Paris. Einen guten Überblick auf DVD liefert diese DVD Collection.

Ich kann mich nicht sehr gut, an seinen letzten Film 1985 das Opfer erinnern. In einem vollbesetzten Studentenkino in München sah ich das Meisterwerk. Vor mir saß ein Paar: Sie eine intellektuelle Studentin, die sich für den Film interessierte. Er war mehr an ihr interessiert und ging ihr zuliebe wohl in den Film mit – ohne zu wissen, auf was er sich da einließ. Als seine Hand immer wieder zu seiner Freundin wanderte und sie seine Hand mit den Worten „Ich will den Film sehen!“ wegstieß. Das ging einige Zeit so und irgendwann platze ihm der Kragen. Sie gerieten in Streit. Er: „Du immer mit diesen komischen Filmen“. Sie: „Ich will nicht immer das Actionzeug von dir sehen!“ Schreierei im Kino und dann Trennung unter Applaus des gesamten Kinopublikums. Endlich konnten wir das Opfer wieder in Ruhe genießen.

Inzwischen hab ich viel Material über Tarkovski gelesen und gesehen. Immer wieder tauchen Bücher zu diesem visionären Genie auf. So auch das Buch Andrej Tarkovskij: Schriften, Filme, Stills beim renommierten Schirmer/Mosel-Verlag. Ich freute mich wirklich darauf und war sauer, als ich das Buch in den Händen hielt. Auf 319 Seiten werden zwar sehr interessante Familienfotos und Texte angeboten, aber die abgebildeten Filmbilder sind eine Frechheit. Das Buch ist mit 68 Euro nicht gerade ein Billigprodukt und wird sowieso nur von Tarkovski-Sammlern gekauft. Die kann ich über die Bildqualität nur warnen. Es sind kaum bessere Screenshots von DVD und das seitenweise. Unscharf, Farbverschiebungen – lächerlich. Bei der Produktion wurde nicht das 35 Millimeter Material verwendet. Die Auflösung der DVD-Prints reicht nicht für den hochwertigen Druck, den ich bei Schirmer/Mosel gewohnt bin und leider macht der Bildteil einen Großteil des Buches aus. Das ist schlampig und einem Andrej Tarkovski nicht würdig.

Szene aus Stalker - wunderbares Set, wunderbarer Film.

Szene aus Stalker – wunderbares Set, wunderbarer Film.

Happy birthday Apple-Retail Stores

19. Mai 2011

Die Apple-Retail Stores werden zehn Jahre alt und wie es aussieht, liegen Neuerungen in der Luft, wenn man den einschlägigen Apple-Newsdiensten glauben will: Urlaubssperre, passwortgeschützte Trainings-PDF, Meetings für 7 Uhr usw. Vielleicht hat sich Steve Jobs was Neues für den 10. Geburtstag der Stores einfallen lassen.

Egal: Die Apple Retail Stores sind auf jeden Fall ein glänzendes Geschäftsmodell. Mein erster Besuch eines Stores war 2002 in Palo Alto. Ich besuchte auf Einladung von Apple die Keynote mit Lampen-iMac und wir schauten dann den Store an, der in einem für die USA historischem Gebäude untergebracht war. Das Konzept war und ist hervorragend: Große Präsentationstische mit coolen Geräten, bemühte mobile Verkäufer, eine Genius Bar für knifflige (Consumer-)Fragen, eine Kinderecke um auch Zwerge für den Mac zu gewinnen. Sehr schön finde ich persönlich den Schulungsbereich. Ich habe in den USA immer wieder Workshops von Industriegrößen besucht, wie mehr erzählten wie ich mein iLife bediene. Immer wieder wurde das Konzept des Stores ausgezeichnet, zuletzt im Dezember 2010 von der Industrial Designers Society of America (IDSA). Begründung: Das Konzept habe ein konsistentes Marken-, Produkt- und Service-Erlebnis geschaffen. Und ich sag danke für ein kostenloses schnelles WLAN. In den Stores konnte ich super meine Arbeit machen. Als kleines Geburtstagsgeschenk habe ich mal ein paar meiner Filme von Apple Retail Stores hier eingebaut. Und ich möchte an einen Begegnung mit den Verkäufern erinnern, die ich in Santa Monica hatte und auch darüber geschrieben habe.

So gut die Idee der Stores aber auch ist, sie waren der Todesstoß für die Macworld Expo. Jeden Januar pilgerte die Apple-Gemeinde nach San Francisco, um sich die Keynote von Steve und dann die Messe anzuschauen. Aufgrund der Retail Stores braucht Apple keine Messe mehr und hat sich von ihrer Messe, der Macworld zurückgezogen. Dann und wann schaut Apple noch auf Messen vorbei, wie der NAB oder jetzt der BookExpo America. Bei letzterer soll wahrscheinlich das iPad und der iBook-Store promotet werden.

Apple bekommt mehr Kunden (und Käufer) durch die Stores als durch eine lokale Messe. 2002 gab es pro Store im Schnitt noch 56.000 Besucher. 2010 lag die Zahl bei 553.310. Das ist der Todesstoß für eine Messe und damit das Aus für mich und den USA-Reisen.

Ich habe viele Retail Stores besucht: Eindrucksvoll waren natürlich der Store in San Francisco mit einer imposanten Glastreppe, der Flagship Store in London, die vielen kleinen Stores in US-Einkaufszentren wie LA, San Diego, Las Vegas. Ich war bei der Eröffnung des Münchner Stores im Dezember 2008 dabei (und bekam kein T-Shirt mehr ab). Jetzt steht bald der Besuch des eindrucksvollen New Yorker Stores auf dem Programm. Kaufen muss ich nichts, aber schauen. Den größten Eindruck hat auf mich der Pariser Apple Store gemacht. Er ist unter dem Louvre, direkt vor den Spitze der Stein- und Glaspyramide. Hier stimmt die Umgebung und auch sonst einfach alles.

Mein Paris: Abgefahrene Frisurenshow von Karloff

13. November 2010

Kennen Sie Karloff? Nein, nicht Boris Karloff, sondern Wilfried Karloff. Er ist ein avantgardistischer Friseur aus Paris, wenn man ihn so bezeichnen darf. Seine Frisurenshows sind abgefahren und ich hatte das Glück, bei der Hairworld 2010 in Paris eine seiner Shows zu erleben. Völlig abgedreht. Bei der Musik von Autechre werden Modelle gestylt und monströs hergerichtet. In meinen Video habe ich die Musik von Autreche durch andere ersetzt aufgrund von Copyrightproblemen.

Den Modellen werden aufwändige Haarteile befestigt – Hair-Extensions der besonderen Art. Irgendwie habe ich den Alien-Eindruck bei den Modellen nicht losbekommen. Ich fand die Show aufgefahren. Wie mir aber die anwesenden Friseure bestätigt haben, ist es als Show genial, doch Anregungen für den Alltag haben sie von Wilfried Karloff nicht bekommen. Und da haben sie recht. Die Frisuren sind spektakulär, aber sie sind nicht modisch. Mode auf diesem Niveau soll provozieren – was die Kreationen von Wilfried Karloff auf jeden Fall erfüllen. Aber sie sollen auch inspirieren und das tun sie leider nicht. Nur Show und sei sie auch noch so avantgardistisch ist nun mal keine Mode. Mit einer Ausnahme: Der Gothic-Bereich: Hier kommen die Frisuren sicherlich an, obwohl sie für die Umsetzung wohl zu teuer und aufwändig sind. Und da passt auch wieder der Name Karloff.

 

Mein Paris: Trommeln was das Zeug hält

12. November 2010

Was machen 2000 Friseure in einer Halle zusammen? Krach, aber richtig. Nein, nicht was ihr jetzt denkt, die Friseure bei der Wella-Frisurenshow International Trend Vision Award haben richtig Krach gemacht und es war super. Wella, oder besser P&G, hat eine Industriehalle in Paris gebucht und mit riesigen Aufwand zur Party-Location umgerüstet. Es war die Halle Freyssinet, 55 Boule Vincent Auriol, in der auch die großen Modeschauen stattfinden. Modernste Präsentationstechnik, fetter Sound, Essen für 2000 Besucher, zu wenig Toiletten – alles Superlative. Bevor Wella vier neue Frisurentrends vorstellte und dann das beste Young Talent und die beste Farbe kürte, wurde richtig eingeheizt. Und zwar mit simplen Plastikrohren in verschiedenen Farben.

Ein paar Akteure kamen auf den Catwalk und dirigierten die Besucher: Mal leise schlagen, mal laut schlagen, mal die roten Rohre, mal die violetten – und das Publikum machte voll mit.

Der gesamte Event wurde live ins Internet gestreamt mit einem großen Aufwand. Eine Facebook-Seite begleitete die Veranstaltung. Gleichzeitig launchte Wella seine iPad App und bringt künftig die Frisurenhefte in Apple iBooks-Store. Hier will es Wella wohl wissen und die Amerikaner wollen mit Aufwand die die Vormachtstellung von L`Oreal brechen. Das wurde während der gesamten Frisurenshow deutlich. Leider vergaß man in der Halle das WLAN richtig aufzustellen. Auf der gleichzeitig stattfinden Weltmeisterschaft der Friseure konkurrierten die beiden Unternehmen um die Gunst des Publikums. Wella lud in die Industriehalle, L´Oreal in den Louvre. Mal sehen, wie der Wettstreit ausgeht. Klar geworden ist mir aber, dass man mit ganz einfachen Dingen eine Halle zum Kochen bringen kann und es irren Spaß gemacht hat. Das Publikum war international und der Krach war es auch.

Wella leistete sich in Paris eine fette Show.

Wella leistete sich in Paris eine fette Show.

 

Mein Paris: Essen wie Gott in Frankreich

10. November 2010

Paris ist nicht nur die Stadt der Liebe, sondern auch die Stadt des Essens. Der Satz, Essen wie Gott in Frankreich, kann auf das ganze Land angewendet werden und gilt damit auch für Paris. Aber: Gott muss ein reicher Mann sein, denn Essen in Paris ist teuer. Aber die Qualität ist hervorragend.

Gegessen wird später als bei uns und so hatte ich die Chance einen Tisch zu bekommen. Ich saß schon im Restaurant, dann drängten die Franzosen in die Tempel der Gastronomie. So habe ich im essensverwöhnten Frankreich immer einen Tisch bekommen, allerdings ohne französische Kollegen – die erschienen viel später. Die Bezahlung erfolgt immer Tischweise. Getrennte Rechnungen mögen die französischen Wirte in der Regel nicht. Das Auseinanderrechnen, wer wie viel zahlt, überlassen sie den Gästen.

Fisch garantiert frisch.

Fisch garantiert frisch.

Die französische Küche ist vielseitig. Die grande nation war eine Kolonialmacht und die Vertreter der besetzten Gebiete haben ihr Essen und ihre Kultur nach Frankreich gebracht. Das mag viele Nachteile im heutigen Paris haben, beim Essen hatte es durchaus Vorteile. Gerade Fisch und die nordafrikanische Küche haben es mir im Moment angetan. Couscous mag ich zu Hause weniger, hier aber um so mehr. Zusammen mit der Gigot – der Lammkeule ist das Gericht aus Kichererbsen, Möhren und Zucchini ein Gedicht – je nach Variante gibt es Hühnchen, Lamm oder Rindfleisch dazu. Bon apptit. Dazu kommt die schwarze, scharfe Paste Harissa – je nach Gegend brennt es höllisch gut. Als Beilage den dampfgegarten Gieß. Nun gut, es ist keine Haute Cuisine, aber ich für meinen Geldbeutel durchaus erträglich. Und dazu muss ich nicht extra ins Restaurant gehen. Kleinere frische Mahlzeiten gibt es auf den Markt, beispielsweise vor der Pariser Börse.

Ein Spaziergang über den Markt zeigt die kulinarische Vielfalt dieses Landes. Obst, Gemüse, Käse und viel, viel Fisch. Austern lassen sich gleich am Stand direkt schlürfen zu einem vernünftigen Preis. HIer kann man sich von Stand zu Stand essen. Kleine Portionen hier, kleine Portionen da. Der Standbesitzer lässt mich auch gerne probieren, vor allem wenn ich dann großzügig einkaufe.

Einfach probieren.

Einfach probieren.

Mein Paris: Besuch im Kaffee

9. November 2010
Das Straßencafe - ich liebe es.

Das Straßencafe - ich liebe es.

Zugegeben: Paris hat nicht die Kaffeehauskultur wie Wien oder Italien, aber Pariser Cafes sind ein Hort der Einkehr mit weniger Auswahl an Kaffee aber einer Menge von Geistesfreiheit. Bei meinem Kollegen Thomas Gerlach habe ich neulich etwas über den dritten Ort gelesen und das geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Das Cafe ist der Ort zum Nachdenken, zum Lesen, zum Zur-Ruhe-Kommen. Zu Hause ist Hektik, Waschmaschine oder Kochen, in der Arbeit ist der Chef ein Berserker, da bleibt für das Ich nur der dritte Ort. Bei uns erfüllen Starbucks und Co diese Funktion, in Paris sind es die kleinen Cafes.

Dort angekommen, genieße ich meinen café au lait (Michkaffee) und un grand café noir (Schwarz wie die Nacht),un express, une Noisette (nicht die Milka-Schoko, sondern ein schwarzer Kaffee mit einem Schuss Milch). Zum Essen gibt es in den klassischen Cafes auch etwas einfaches: In der Regel Baguette, Sandwich oder Croissants.In den Cafe-Restaurants oder Bistros gibt es auch warmes Essen und vollwertige Mahlzeiten.

Regel Nummer eins und mit Abstand die wichtigste Regel für die Paris Gastronomie: Setzt dich zu niemanden an den Tisch.

Stundenlang kann ich in einem Straßencafe oder Bistro die Zeit totschlagen und einfach nur Leute anschauen. Leute, die vorbeieilen oder Leute, die auch im Cafe sitzen.Jeder hat seine Geschichte. Und oft zeigt er seine Geschichte durch sein Auftreten. Der Tourist mit Reiseführer in der Hand, die jüngeren mit einer iPhone App von Paris. Die einen elegant – und Paris hat wahrlich elegante Einwohner, die anderen eher casual. Die Businessfraktion mit Anzug und Hemd ohne Krawatte, die lässigen in T-Shirt und Jeans – alle gehen ein und aus.

Damit es trotz November nicht zu kalt wird im Straßencafe gibt es die Heizpilze, die Nürnberg war verboten hat, die Pariser in ihrer Stadt aufstellen: Umwelt hin oder her. Trotz Regen oder Wind lässt sich im Straßencafe Ruhe finden und den dritten Ort genießen. Wenn es doch zu ungemütlich wird, dann geht man eben ins Cafe hinein. An der Theke blättert man in Zeitungen. WLAN ist in der Regel Fehlanzeige, also nimmt man wieder Papier zur Hand. Le Monde ist da beliebt, die Zeitung, die gerade erst von der Pleite gerettet wurde. Gezahlt wird übrigens an der Theke. Die Bedienung kommt zwar den Tisch für die Bestellung, zum Abkassieren bleibt sie hinter ihrer Kasse. Das Trinkgeld bleibt am Tisch liegen oder kommt auf ein extra Tellerchen. Die deutsche Manier, das Trinkgeld direkt zu überreichen, kennen die Franzosen nicht, nehmen aber das Geld trotzdem.

Zeitungslesen gehört dazu.

Zeitungslesen gehört dazu.

Und das Cafe ist ein Ort des Träumens. Schön meine Beobachtung einer jungen Frau. Sie kam mit einem Stapel Hefte in das Cafe und blätterte immer wieder in Zettel. Dann schrieb sie in ein Büchlein fein säuberlich einen Text. Sie versank in ihren Text und nahm das Treiben im Cafe gar nicht mehr wahr. Vielleicht habe ich eine künftige Bestsellerautorin bei der Arbeit beobachtet, vielleicht aber nur eine Studentin beim Ordnen ihrer Mitschriften. Die Idee mit der Bestsellerautorin gefällt mir aber weitaus besser. Solche Gedanken hab ich nur am dritten Ort.

Eine Bestsellerautorin oder doch nur eine Studentin?

Eine Bestsellerautorin oder doch nur eine Studentin?

Mein Paris: Fahren mit der Metro

8. November 2010
Vorlesestunde in der Pariser Metro.

Vorlesestunde in der Pariser Metro.

In Paris braucht man kein Auto und ein Taxi nehm ich in der Regel nur spät am Abend. Das U-Bahn-Netz ist hervorragend ausgebaut, die Metro-Stationen sind optimal über die Stadt verteilt. Es gibt verschiedene Arten von Tagestickets, das umfassendste ist sicherlich das Paris visité – hier sind noch der Eintritt zu ein paar Museen reduziert.

Allerdings Metro-Fahren ist vergleichsweise laut. Und das nicht nur aufgrund des Lärms der fahrenden Züge. Es ist ein wahres Geschepper, Gequietsche und Gerumpel – eben Paris authentisch. Da ist es verständlich, dass der Pariser jeden Alters Kopfhörer aufgezogen hat und sich seine Musik reinzieht. Ach ja Musik: Natürlich wird in der Metro musiziert. Mal mit Kontrabass, mal elektrische Gitarre, mal steigt einer in den Wagon und spielt Akkordeon. Während in Münchner S-Bahnen der Himmel auf die Erde fällt, scheint es hier alltäglich. Und auch wenn gesammelt oder gebettelt wird, sind die Pariser stoisch.

Und die Metro ist eng und bestenfalls kuschelig. Hier vermischen sich die Kulturen. Der Banker nimmt ebenso die U-Bahn, wie der Bauarbeiter oder die coolen Checker mit Migrationshintergrund. Eine Beobachtung machte ich, die mir sehr gefallen hat. Eine Oma ließt ihrer Enkelin aus einem Kinderbuch vor. Um die beiden herum tobt der Bär, der Berufsverkehr ist auf dem Höhepunkt und nervige Touristen fahren von A nach B. Doch Oma und Enkelin lassen sich nicht auf der Ruhe bringen. Oma liest, Enkelin mit goldenen Locken hört zu. Ab und zu schaut sie vom Buch auf – scheinbar kann sie noch nicht lesen – und schaut ihre Oma an. Diese erklärt dem Kind die Worte, nickt und dann geht es weiter mit dem Lesen. Die weißhaarige Frau mit Brille blättert um und Enkelin mit ihrer rosa Tasche hört gebannt der Geschichte zu. So geht es ein paar Stationen. Dann packt Oma das Buch zusammen und Hand in Hand verlassen sie die Metro. So lange es solche Episoden in der U-Bahn gibt, habe ich den Glauben noch nicht verloren.

Musik gehört in der Metro dazu.

Musik gehört in der Metro dazu.