Posts Tagged ‘paparazzi’

20. Todestag von Lady Diana – journalistische Reflektionen

31. August 2017
Diana verkauft sich noch immer gut.

Diana verkauft sich noch immer gut.

Heute jährt sich zum 20 Mal der Todestag von Lady Diana und ich muss gestehen, ihr Unfalltot hat mich damals betroffen gemacht. Ich erinnere mich noch, wie ich aufgewacht bin und von dem Unfall in Paris gehört habe. Internet gab es damals für mich nicht, also waren Radio und Fernsehen meine Nachrichtenquellen. Das Programm wurde für Sondersendungen unterbrochen.
Als später die Beerdigung im Fernsehen übertragen wurde, nahm ich mir den Tag frei und schaute mir den Gottesdienst und den Trauerzug durch London an. Es war ein großes Ereignis: Nicht nur der Adel kam zum Gottesdienst, sondern auch die Show- und Modewelt. Elton John sang Candle in the Wind und auch die Queen verneigte sich vor dem Sarg. Ihre damals jungen Kinder taten mir sehr leid, hinter dem Sarg der Mutter laufen zu müssen.

Journalistische Sicht auf Diana
Als Journalist reflektierte ich, was geschehen ist. Ich sah sofort in der Todesmeldung die große Story. Diana tot. Only bad news are good news – so lautet ein Lehrspruch in der Branche, der damals und heute funktioniert. Schlechte Nachrichten verkaufen sich einfach gut.
Und Diana war ein Lehrbuchbeispiel für journalistisches Denken. Am besten verkaufen sich Themen aus Klatsch & Tratsch, Geld, Gesundheit und Sex. Alle vier Themenkomplexe waren schlagartig erfüllt und darum hatte die Todesmeldung so eine enorme Wirkung bei uns:
Klatsch & Tratsch liegt auf der Hand: Diana war ein Top-Promi, litt unter den Medien, spielte aber auch mit ihnen. Sie gehörte eine zeitlang dem britischen Königshaus an und war durch öffentlichkeitswirksame Aktionen die „Königin der Herzen“ geworden. Schon allein dieser Titel ist Klataschstoff pur. Man denke nur an ihr caritatives Engagement im Aids-Umfeld.
Geld ist auch klar. Diana war keine arme Frau und den genauen Kontostand kenne ich nicht. Aber durch ihren Lebensstil scheint es so, dass sie sich um Geld keine Sorgen machen musste. Nach der Scheidung soll sie rund 400.000 britische Pfund pro Jahr bekommen. Zudem war ihr neuer Freund Dodi Al-Fayed kein armer Schlucker. Sein Vater ist Mohamed Al-Fayed, dem die Harrods-Shop-Kette gehört. Seine Mutter war Samira Kashoggi, Schwester des berühmten Waffenhändlers.
Gesundheit ist bei einer Todesmeldung natürlich klar, denn es gibt beim Tod keine Gesundheit mehr. Der Tod beendet das Leben, bei Diana auf einer drastischen Weise durch den Unfall mit einem betrunkenen, unter Medikamenten stehenden Fahrer. Sie starb nicht im Bett an Altersschwäche, sondern sie wurde brutal aus dem Leben gerissen. Der Mercedes, der gegen den Betonpfeiler im Autotunnel unter der Place de l’Alma in Paris krachte, sah schlimm aus. Hier kommt dann der Klatsch wieder dazu und verstärkt die Todemeldung noch.
Sex sells – die alte Regel klappt immer. Wer ist eigentlich dieser damaligen Freund Dodi Al-Fayed, der mit Diana zu Tode kam? Die Welt der Schönen und Reichen ist einfach faszinierend. Fotos von Zärtlichkeiten auf Dodis Schiff heizten die Fantasie der Klatschpresse und ihrer Leser an.

Rolle der Medien beim Tod von Diana
Wenn ich zurückdenke, dann müssen wir auch über die Rolle der Medien reden. Waren es die Paparazzi, die Mitschuld am Unfall hatten? Diese besondere Spezies von Kollegen, die einfach drauf halten, sobald sie einen Promi vor die Linse bekommen. Mit zahlreichen Motorrädern wurde der Mercedes von Diana und Dodi verfolgt, um den perfekten Schuss für das perfekte Bild zu bekommen. Regeln gibt es in diesem Geschäft nicht.
Und als es dann nach dem Unfall hieß, es existieren keine Fotos von der sterbenden Diana, konnte ich es nicht glauben. Alle wollen den Verunglückten geholfen haben, das ich nicht lache, Paparazzi sind keine Amateure und ich kann mir bei diesen Geiern nicht vorstellen, dass sie nicht auf den Auslöser gedrückt haben und den Todekampf auf Film bannten. Diana war ja schwer verletzt, andere waren tot.
Und ich sollte recht behalten. Am 21. April 2004 strahlte der US-amerikanische Sender CBS Bilder der sterbenden Diana aus und brach damit ein Tabu. Diana war aber verpixelt.
Erst im Jahre 2011 kam in der Doku Unlawful Killing das Foto unzensiert und in hoher Auflösung zu sehen. Die Doku gibt es in YouTube zu finden. 2006 druckte die italienische Zeitschrift Chi erstmals ein unzensiertes Foto der sterbenden Diana, das Foto war allerdings ziemlich grobkörnig. Es zeigt Diana im Profil, wie sie gerade vom behandelnden Notarzt Sauerstoff bekommt. Die Google Bildersuche bringt die Aufnahmen noch immer.
Nun, die Mediendiskussion war entfacht. Und heute? Das Smartphone hat weitere Schranken fallen lassen. Verschwörungstheoretiker haben Aufwind. Ich stelle fest: Mein Thema Medienkompetenz ist wichtiger denn je.

Schülerzeitungspreis Die Raute: Der Amtschef ist Kollege

19. November 2013

Aufmerksame Blogleser wissen es, ich bin oft in Sachen Schülerzeitung unterwegs. Und so auch wieder vor kurzem: Als Jury-Mitglied nahm ich an der Preisverleihung der Raute teil. Die Raute ist ein Schülerzeitungspreis der Hanns-Seidel-Stiftung, zu dem ich einige Ideen beigetragen habe. Inzwischen wurde der Preis zum vierten Mal vergeben und ich war zum ersten Mal bei der Preisverleihung dabei. Schön war es, muss ich sagen und ich bin schon stolz auf mein Zutun.

Die Verlegung wurde vorgenommen von Peter Müller (KuMi), Franz Guber und Hans Zehetmair (beide HSS).

Die Verlegung wurde vorgenommen von Peter Müller (KuMi), Franz Guber und Hans Zehetmair (beide HSS).

210 Schülerzeitungen hatten sich an der diesjährigen Ausschreibung beteiligt. Dr. Peter Müller, Amtschef im Bayerischen Kultusministerium, und Stiftungsvorsitzender Prof. Hans Zehetmair überreichten den mit insgesamt 4.500 Euro dotierten Preis an fünfzehn Redaktionsteams. Sehr nett, war die Rede von Peter Müller, der von seiner Schülerzeitungszeit erzählte. Das ist wichtig, denn wenn der Amtschef des Kultusministeriums ein Schülerzeitungsmacher war, dann rennen wir mit dem Thema bei ihm offene Türen ein.

Als Jury-Mitglied durfte ich vorne sitzen.

Als Jury-Mitglied durfte ich vorne sitzen.

In diesem Zusammenhang war eine Bemerkung eines Schülers nett, der hinter mir saß. Er meinte zu seinem Nachbarn: „Cool, dann kann ich zum Müller jetzt auch Kollege sagen, denn wir Schülerzeitungsredakteure sind ein immer ein Team.“ Respekt vor so viel Chutzpe. Das gefällt mir am journalistischen Nachwuchs.

Wie schon im vergangenen Jahr wurde der Preis in fünf Schularten (Hauptschule/Mittelschule, Realschule, Gymnasium, Förderschule und Berufliche Schulen mit FOS/BOS) und jeweils in drei Kategorien vergeben: „Journalistischer Einzelbeitrag“, „Kreativität und Gestaltung“, „Informationsvielfalt“.

Es war wunderbar zu sehen, wie sehr sich die jungen Redakteure über den Preis gefreut haben. Ein junger Bub, der gerade mal bis zum Bistrotisch reichte, erklärte mir stolz beim anschließenden Empfang: „Wissen Sie, das ist mein allererster Preis, den ich je bekommen habe.“ Hab ich ihm gerne geglaubt und ihn nochmals beglückwünscht. Der kleine Mann wuchs in dem Moment sichtlich. Motivation ist schließlich alles. Was er in Latein oder Mathe gelernt hat, wird er wahrscheinlich vergessen, aber diesen Moment der Ehrung sicherlich niemals.

Der Amtschef des KuMi im Gespräch mit mir.

Der Amtschef des KuMi im Gespräch mit mir.

In diesem Jahr siegten die Redaktionen folgender Schülerzeitungen: Pippifax, HKS World, Kunterbunte Schatztruhe, V.I.N., Volltreffer, Schilly Schote, paparazzi, eigenleben, wortwechsel, freestyle, die idee, egon, Camerjäger, Konkret, Herbert.

Viele der Preisträger werde ich wohl wiedersehen und weiter schulen. Ich freue mich darauf. Die Sieger bekommen eine Schulung und zusammen mit einem Kollegen optimieren wir die Zeitungen. Wichtig ist, dass wir die jungen Zeitungsmacher ernst nehmen und uns konkret um die Probleme kümmern. Diese sind in erster Linie gar nicht mehr journalistischer Art. Vielmehr drehen sich viele Fragen um redaktionelle Konzepte und Redaktionsworkflow. Auch werden mehr und mehr Konzepte erarbeitet, wie eine Schülerzeitung im Web 2.0-Zeitalter aussehen könnte. Auf die Ideen bin ich gespannt.

Martin Ruf vom Eigenloben der Klara Oppenheimer Schule.

Martin Ruf vom Eigenloben der Klara Oppenheimer Schule.