Posts Tagged ‘Kultusministerium’

Digitalisierung in der Schule – positives Beispiel

26. Februar 2018
Die Kreidetafel kann auch im digitalen Zeitalter bleiben. Der Inhalt des Unterrichts muss sich ändern.

Die Kreidetafel kann auch im digitalen Zeitalter bleiben. Der Inhalt des Unterrichts muss sich ändern.

Dieses Jahr müssen die bayerischen Schulen ein Digitalisierungskonzept für ihre jeweilige Schule dem Bayerischen Kultusministerium vorlegen. Schulen sollen/müssen ins 21. Jahrhundert befördert werden. Ich bin durch meinen Tag der Medienkompetenz in der Regel dreimal die Woche an Schule unterwegs und schaue mir immer wieder Konzepte der Pädagogen an, was sie unter Digitalisierung verstehen.
Für mich steht fest: Internet und damit die Digitalisierung verändert unser Privat- und Arbeitsleben, die ganze Gesellschaft radikal. Ähnlich wie die Erfindung des Johannes Gutenberg verändert die Digitalisierung alle Bereiche des Lebens – und damit auch Schule. Jetzt treffe ich an besagten Schulen natürlich – wie immer im Leben auch – auf Totalverweigerer: „Wissen Sie, meine letzten 15 Jahre des Berufslebens will ich mich damit nicht mehr beschäftigen.“ OMG – nein, ich will kein Lehrerbashing betreiben. Die Aussage wäre witzig, wenn sich diese Lehrerinnen und Lehrer blöderweise nicht um Kinder kümmern würden.
Aber davon will ich heute nicht erzählen. Digitalisierung bedeutet auch nicht, die Kreidetafel abzuschrauben und einen Beamer oder Smartboards aufzustellen. Das ist Hardware und die richtige Hardware am richtigen Platz ist sinnvoll, hat aber mit Digitalisierung nichts zu tun. Digitalisierung geht tiefer und darf nicht an Hardware festgemacht werden. Es geht an das Grundsätzliche: Was ist Bildung? Wie wird Bildung vermittelt?
Vor kurzem traf ich auf einem Seminar Das Gymnasium Schrobenhausen ist dabei schon sehr weit. Es muss sich die Art des Lernens ändern. Ich habe die beiden Lehrern Johannes Kremsreiter und Michael Schindler getroffen, die zudem eigene Lösungen für ihren Digital-Unterricht entwickelt haben.

Wearables als Spicker in Schule und Uni

10. Februar 2015

Da ich in der Regel zweimal die Woche an Schulen mit meinen Tag der Medienkompetenz unterwegs bin, gehe ich bei der Lehrerfortbildung ausführlich auf das Thema Wearables ein. Ich bin erstaunt, wie wenig Ahnung hier einige Pädagogen haben – nicht alle, aber einige. Die Möglichkeit, Wearables beim Spicken einzusetzen, ist kaum bekannt. Was soll schon dabei sein, wenn der Schüler auf seine Uhr in der Prüfung schaut?

Die Pebble ist die meistverkaufteste Smartwatch bisher.

Die Pebble ist die meistverkaufteste Smartwatch bisher.

Wenn ich mit den Schülern spreche, dann sind diese Experten in Sachen Spicken. Ich staune nicht schlecht, wie sich das Spicken seit meiner Schulzeit technisch weiterentwickelt hat. Und die Schüler checken die Möglichkeiten von Wearables. Einige haben die ersten Uhren wie Samsung Galaxy Gear oder Pebble schon im Einsatz und nutzen sie als Gedächtnisstütze in Klausuren. Ein kurzer Blick auf die Smartwatch löst so manches Problem in der schriftlichen Prüfung.

Auch Samsung mischt da mit.

Auch Samsung mischt da mit.

Im Klassenzimmer wird durch Wearables aufgerüstet und bevor Unis und Schulen im vollen Umfang mit den Hightech-Möglichkeiten konfrontiert werden, ziehen die Lehranstalten in Belgien und Großbritanien schon den Stecker. Die City University in London und die belgische Arteveldehogeschool in Gent haben das Tragen von Uhren während einer Prüfung untersagt. Somit klappt das Spicken mit einer Smartwatch dann nicht mehr.
Und bayerische Schulen? Bei meinen Veranstaltungen in den Schulen gibt es von Seiten der Direktoren dazu keine konkrete Aussage. Mal sehen, ob ich bei der vorgesetzten Behörde, dem Kultusministerium jemanden finde, dem das Problem bewusst ist.
Ach ja, ich freue mich schon auf April, wenn die Apple Watch kommt und den Markt der Wearbles aufrollt. Vielleicht fällt der Groschen bei den zuständigen Behörden, wenn die Marktmacht von Apple in den Schulen und Unis ankommt.

Mal sehe, was die Apple Watch so alles kann.

Mal sehe, was die Apple Watch so alles kann.

Brauchen Lehrer digitale Nachhilfe?

2. Dezember 2014

Etwa ein- bis zweimal pro Woche bin ich an Schulen mit meinem Tag der Medienkompetenz unterwegs und schaffe es mit Erfolg, das Thema digitaler Wandel in die Familien zu bringen. Aufhänger ist natürlich das Thema Soziale Netzwerke, also Facebook, Whats App und Co. Ich halte das Thema Medienkompetenz für enorm wichtig und sehe massiven Handlungsbedarf – vor allem bei Eltern.

Vortrag im Hort der Lehrerfortbildung Dillingen.

Vortrag im Hort der Lehrerfortbildung Dillingen.

Neulich war ich im Hort der bayerischen Lehrerfortbildung zu Gast, in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen, und habe Seminarlehrer zum Thema soziale Netzwerke fit gemacht. Es bewegt sich etwas bei dem Thema Medienkompetenz. Morgen bin ich in Berlin und spreche auf der Online Edca in der Hauptstadt und halte auf dem Schoolforum ein Implusreferat zu diesem Themenkomplex.
Da bekomme ich heute ein interessante Meldung von der D21 auf den Tisch. Inhalt: Lehrer haben ein Problem mit digitaler Medienkompetenz und brauchen Nachhilfe.

Abb.4_FortbldgTeilnahme_Lehrer
Medienkompetenz, also der souveräne Umgang mit Computern und dem Internet, gilt heute als Schlüsselqualifikation für einen chancenreichen Start ins Berufsleben. Digitale Bildung soll nach dem Willen der Bundesregierung deshalb in allen Schulstufen und Schulfächern Einzug halten. Die größte Herausforderung liegt bei den Lehrkräften: Über die Hälfte aller Lehrer in Deutschland ist 50 Jahre und älter. Mit fortschreitendem Alter nimmt digitale Souveränität im Bundesdurchschnitt rapide ab, das zeigt die Studie D21-Digital-Index 2014. Dem entsprechend beurteilen auch Lehrer über 50 ihre Computerkenntnisse als eher schlecht. Grundsätzlich gibt es nicht genügend ausreichend qualifizierte Lehrer, die Schülern den Umgang mit Medien, mit den eigenen Daten und mit Informationen im Netz vermitteln können, so sagt die Initiative D21. Die genaue Studie gibt es hier zum kostenlosen Download.
Ich stelle bei meinen Lehrerfortbildung fest, dass diese Äußerung mach Nachhilfe sehr pauschal ist. Es hängt von dem einzelnen Lehrer ab und Forderung „Lehrer müssen in die digitale Nachhilfe“ ist mir zu pauschal. Es gibt solche und solche Lehrer. Und weil jeder einen Lehrer in der Schule hatte, ist jeder bei dem Thema Experte. Dennoch: Nicht wegzudiskutieren ist aber die digitale Spaltung in den Lehrerzimmern. Freilich gehen Junglehrer und Referendare an das Thema anders heran, weil sie im Studium mit IT gearbeitet haben. Aber für mich ist es keine Sache zwischen jung und alt, sondern zwischen digital und analog. Und, es ist eine Sache, wie ernst ich meinen Beruf nehme. Es gibt Pädagogen, die nehmen ihren Beruf als Berufung und es gibt – sorry – einfach faule Menschen. Letztere haben mit ihrem Job geistig abgeschlossen und werden durch das Beamtenrecht geschützt. Es ist eine grundsätzliche Auffassung, wie ich meinen Beruf ansehe und darf nicht nur auf das Thema digitale Medien reduziert werden. Der Lehrerjob hat sich radikal verändert.
Ich stelle auch fest, dass der Verwaltungsaufwand in den Schulen enorm geworden ist. Das Rundschreiben des Kultusministerium ist eine Botschaft des Schreckens im besten Verwaltungsdeutsch. Andere Organisationsformen müssen sich an den Schulen etablieren und iPads und Co gehören endlich in den flächendeckenden Unterricht. Mensch, wir leben im 21. Jahrhundert.

Schülerzeitungspreis Die Raute: Der Amtschef ist Kollege

19. November 2013

Aufmerksame Blogleser wissen es, ich bin oft in Sachen Schülerzeitung unterwegs. Und so auch wieder vor kurzem: Als Jury-Mitglied nahm ich an der Preisverleihung der Raute teil. Die Raute ist ein Schülerzeitungspreis der Hanns-Seidel-Stiftung, zu dem ich einige Ideen beigetragen habe. Inzwischen wurde der Preis zum vierten Mal vergeben und ich war zum ersten Mal bei der Preisverleihung dabei. Schön war es, muss ich sagen und ich bin schon stolz auf mein Zutun.

Die Verlegung wurde vorgenommen von Peter Müller (KuMi), Franz Guber und Hans Zehetmair (beide HSS).

Die Verlegung wurde vorgenommen von Peter Müller (KuMi), Franz Guber und Hans Zehetmair (beide HSS).

210 Schülerzeitungen hatten sich an der diesjährigen Ausschreibung beteiligt. Dr. Peter Müller, Amtschef im Bayerischen Kultusministerium, und Stiftungsvorsitzender Prof. Hans Zehetmair überreichten den mit insgesamt 4.500 Euro dotierten Preis an fünfzehn Redaktionsteams. Sehr nett, war die Rede von Peter Müller, der von seiner Schülerzeitungszeit erzählte. Das ist wichtig, denn wenn der Amtschef des Kultusministeriums ein Schülerzeitungsmacher war, dann rennen wir mit dem Thema bei ihm offene Türen ein.

Als Jury-Mitglied durfte ich vorne sitzen.

Als Jury-Mitglied durfte ich vorne sitzen.

In diesem Zusammenhang war eine Bemerkung eines Schülers nett, der hinter mir saß. Er meinte zu seinem Nachbarn: „Cool, dann kann ich zum Müller jetzt auch Kollege sagen, denn wir Schülerzeitungsredakteure sind ein immer ein Team.“ Respekt vor so viel Chutzpe. Das gefällt mir am journalistischen Nachwuchs.

Wie schon im vergangenen Jahr wurde der Preis in fünf Schularten (Hauptschule/Mittelschule, Realschule, Gymnasium, Förderschule und Berufliche Schulen mit FOS/BOS) und jeweils in drei Kategorien vergeben: „Journalistischer Einzelbeitrag“, „Kreativität und Gestaltung“, „Informationsvielfalt“.

Es war wunderbar zu sehen, wie sehr sich die jungen Redakteure über den Preis gefreut haben. Ein junger Bub, der gerade mal bis zum Bistrotisch reichte, erklärte mir stolz beim anschließenden Empfang: „Wissen Sie, das ist mein allererster Preis, den ich je bekommen habe.“ Hab ich ihm gerne geglaubt und ihn nochmals beglückwünscht. Der kleine Mann wuchs in dem Moment sichtlich. Motivation ist schließlich alles. Was er in Latein oder Mathe gelernt hat, wird er wahrscheinlich vergessen, aber diesen Moment der Ehrung sicherlich niemals.

Der Amtschef des KuMi im Gespräch mit mir.

Der Amtschef des KuMi im Gespräch mit mir.

In diesem Jahr siegten die Redaktionen folgender Schülerzeitungen: Pippifax, HKS World, Kunterbunte Schatztruhe, V.I.N., Volltreffer, Schilly Schote, paparazzi, eigenleben, wortwechsel, freestyle, die idee, egon, Camerjäger, Konkret, Herbert.

Viele der Preisträger werde ich wohl wiedersehen und weiter schulen. Ich freue mich darauf. Die Sieger bekommen eine Schulung und zusammen mit einem Kollegen optimieren wir die Zeitungen. Wichtig ist, dass wir die jungen Zeitungsmacher ernst nehmen und uns konkret um die Probleme kümmern. Diese sind in erster Linie gar nicht mehr journalistischer Art. Vielmehr drehen sich viele Fragen um redaktionelle Konzepte und Redaktionsworkflow. Auch werden mehr und mehr Konzepte erarbeitet, wie eine Schülerzeitung im Web 2.0-Zeitalter aussehen könnte. Auf die Ideen bin ich gespannt.

Martin Ruf vom Eigenloben der Klara Oppenheimer Schule.

Martin Ruf vom Eigenloben der Klara Oppenheimer Schule.

Medienkompetenz: eBooks in der Schule

9. Januar 2011

In den Weihnachtsferien habe ich gesehen, mit welcher Schullektüre sich meine Neffen beschäftigen müssen: Kafka, Zweig, Mann und Co. Allesamt große Klassiker, die es zu lesen wert sind. In der Regel ist das Copyright abgelaufen und dennoch müssen die Kinder die Schullektüre im Buchhandel erwerben. So kann man eine Branche auch künstlich subventionieren. Druck kostet fast nichts, Vertrieb findet nur auf Bestellung statt und Lizenzgebühren an die Autoren müssen kaum noch bezahlt werden. Also Verkaufspreis entspricht fast dem Reingewinn – das ist ein Geschäftsmodell auf Kosten der Schüler.
Viele der Klassiker findet sich im Projekt Gutenberg – und zwar kostenlos. Einfach das PDF laden und fertig ist Geschichte. Natürlich ist die Verbreitung von entsprechenden eBook-Readern noch ein Problem, aber PDF kann natürlich auch auf Laptops und anderen Rechnern ausgegeben werden. Dazu braucht es nicht zwingend ein iPad, Kindle oder eBook-Reader. Vielleicht wäre dies ein Schritt in die richtige Richtung und stärkt die Medienkompetenz des Landes.
Da fällt mir eine Studie des Branchenverbandes BITKOM in die Hände.  Die meisten Schülerinnen und Schüler wünschen sich einen stärkeren Einsatz elektronischer Medien im Unterricht, wollen auf ihre Schulbücher aber nicht verzichten. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM unter 500 Schülerinnen und Schülern im Alter von 14 bis 19 Jahren ergeben. Danach sind 29 Prozent der befragten Schüler der Ansicht, elektronische Medien wie E-Books oder Lernprogramme könnten Schulbücher vollständig ersetzen. Die große Mehrheit ist dagegen der Meinung, das sei nicht der Fall.
Im Vergleich zu gedruckten Büchern bieten elektronische Lernmedien eine Reihe von Vorteilen. So enthalten E-Books neben Texten und Bildern auch Sprachaufnahmen und Filme. Zudem können sie automatisch aktualisiert und ergänzt werden. Die BITKOM meinte: „Ein modularer Aufbau der elektronischen Lerneinheiten mit differenzierten Inhalten und Tests macht es einfacher, die Schüler individuell zu fördern.“
Nach den Ergebnissen der BITKOM-Umfrage wünschen sich 84 Prozent der Schüler, dass elektronische Medien im Unterricht stärker eingesetzt werden. 92 Prozent sagen, dass neue Medien Schulstunden interessanter machen und 79 Prozent, dass sie zum besseren Verständnis der Lehrinhalte beitragen. Laut Umfrage hapert es in vielen Schulen aber noch an der Basisausstattung mit PCs. Bei 43 Prozent aller Schüler werden Computer im Unterricht entweder gar nicht oder seltener als einmal pro Woche eingesetzt. Die BITKOM weiter: „Eine gute Ausstattung mit Computern, Internet-Zugängen und Whiteboards ist die Grundlage für einen modernen Unterricht.“  Ebenso wichtig wie die Technik seien gut geschulte Lehrer, die neue Lernkonzepte in der Praxis umsetzen können. Und hier sehe ich das größte Problem. Ich will nicht auf die Lehrer schimpfen. Es gibt sehr viele Pädagogen, die einen hervorragenden Job machen. das kann ich aus eigener Erfahrung und der meiner Kinder bestätigen. Bei meinen zahlreichen Schulungen und Fortbildungen für Lehrkräften stelle ich aber eine massive Technikfeindlichkeit fest, die in der Regel aber aus Unsicherheit mit der Materie stammt.
Hier gilt es Medienkompetenz zu beweisen und die Schulung des Lehrpersonals zu intensivieren. Und gleichzeitig müssen die politischen Verantwortlichen mit der Materie vertraut werden. Kultusministerien, Schulbehörden, vorgelagerte Ämter – hier ist ein großer Bildungsbedarf. Packen wir es an, es geht um unsere Zukunft. Es geht um unsere Kinder.