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Eigentlich ist der Digitalpakt Schule selbstverständlich

23. Februar 2019
Ausgemistete Hardware an einer Schule

Ausgemistete Hardware an einer Schule

Ich danke allen Beteiligten, dass der Digitalpakt Schule in Deutschland endlich zustande gekommen ist. Unser Land braucht solche Beschlüsse und gut, dass die Politik über ihren Schatten gesprungen ist. Aber eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein. Was jetzt als große Tat gefeiert wird, ist eigentlich nur eine Pflichtaufgabe, das Land voranzubringen. 

Unsere Schulen müssen digital fit gemacht werden und der Digitalpakt Schule ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Schulen in Deutschland sollen in den kommenden fünf Jahren rund fünf Milliarden Euro für die Anschaffung von digitalen Geräten wie zum Beispiel Laptops und Tablets bekommen.

Ich halte dreimal die Woche Vorträge an deutschen Schulen.

Ich halte dreimal die Woche Vorträge an deutschen Schulen.

Wer allerdings glaubt, das jetzt Deutschlands Zukunft gesichert ist, den muss ich enttäuschen. Das Geld aus dem Digitalpakt Schule ist wichtig, doch Geld allein löst nicht unser Problem. Ich bin mit meinem Tag der Medienkompetenz dreimal die Woche an Schulen in Deutschland unterwegs und schule Schüler, Lehrer und Eltern in Sachen Digitalisierung. Dabei fällt mir auf: Es sprechen viele Leute immer von Hardware, die mit den Geldern aus dem Digitalpakt Schule angeschafft werden kann. Also Computer, Beamer, Smartboards und anderes Zeug. Das ist schön und gut. Aber Hardware-Anschaffung ist nicht gleich Digitalisierung. Kreidetafel raus und Smartboards rein – das ist nur Augenwischerei und die Reduzierung darauf, wird unser Land nicht voranbringen. 

Digitalisierung heißt nicht gleich besserer Unterricht.

Es ist mehr, viel mehr als nur neue Rechner oder iPads. Das Denken muss digital werden. Die Bildung muss digital werden. Das Denken muss sich ändern. Lässt sich aus analogen Lehrern, digitale Pädagogen machen? Ja, das denke ich schon, wenn das Geld auch in die Fortbildung investiert wird. Und die Lehrkräfte müssen dazu bereit sein, sich auf das digitale Denken einzulassen. Ich höre immer wieder so Sprüche wie beispielsweise: „Ach Herr Lange, ich hab doch nur noch 10 Jahre, warum soll ich den Zirkus mitmachen?“ Bei solchen Aussagen könnte ich die Wand hochgehen, denn ihr habt das wertvollste Gut, nämlich unsere Kinder. In der freien Wirtschaft hätte ich solche Leute als Chefredakteur, der ich mal war, sofort entlassen. Das Beamtenrecht schützt dagegen solche Bremser.

Aber nochmal: Bildung muss digital werden. Ich sehe viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die Konzepte für ihre Schülerinnen und Schüler entwickeln. Es beginnt mit den Büchern. Meine Kinder schleppen in ihren Schulränzen etliche Kilogramm an Büchern täglich in die Schule. Jede Mama, jeder Papa kann ein Lied davon singen. Wir haben leider nur einen Büchersatz an Schulbüchern und die Kinder müssen den zwischen Wohnort und Schule hin und her schleppen. Für einen zweiten Büchersatz ist kein Geld da. Also Schulbücher müssen digital sein. 

Und dann sprechen wir mal über Arbeitsgeräte. Meiner Erfahrung nach verfügen fast alle Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse über ein eigenes Smartphone. Das wäre für mich das Arbeitsgerät der digitalen Gegenwart.

Humor: Alte Rechner an einer Schule im Archiv.

Humor: Alte Rechner an einer Schule im Archiv.

Humor: Alte Rechner an einer Schule im Archiv.

Humor: Alte Rechner an einer Schule im Archiv.

Und ich wiederhole meine Forderung nach IT-Betreuung der Schulen. Ich vergleiche Schulen mal mit einem mittelständischen Unternehmen – und ich weiß, das der Vergleich hinkt. Der Direktor ist der CEO, die Lehrer sind das Management und die Schüler sind die Mitarbeiter. Jedes mittelständische Unternehmen in der Größe einer Schule hat eine eigene IT-Abteilung. In der Schule gibt es einen engagierten Kollegen als Systemadministrator oder das System wird von einem Sachaufwandsträger wie die städtische IT durchgeführt. Das kann nicht funktionieren. Wir müssen Schulen komplett umbauen. Beamer und Smartboards rein reicht durch den Digitalpakt nicht aus. Was meint ihr?

Wearables als Spicker in Schule und Uni

10. Februar 2015

Da ich in der Regel zweimal die Woche an Schulen mit meinen Tag der Medienkompetenz unterwegs bin, gehe ich bei der Lehrerfortbildung ausführlich auf das Thema Wearables ein. Ich bin erstaunt, wie wenig Ahnung hier einige Pädagogen haben – nicht alle, aber einige. Die Möglichkeit, Wearables beim Spicken einzusetzen, ist kaum bekannt. Was soll schon dabei sein, wenn der Schüler auf seine Uhr in der Prüfung schaut?

Die Pebble ist die meistverkaufteste Smartwatch bisher.

Die Pebble ist die meistverkaufteste Smartwatch bisher.

Wenn ich mit den Schülern spreche, dann sind diese Experten in Sachen Spicken. Ich staune nicht schlecht, wie sich das Spicken seit meiner Schulzeit technisch weiterentwickelt hat. Und die Schüler checken die Möglichkeiten von Wearables. Einige haben die ersten Uhren wie Samsung Galaxy Gear oder Pebble schon im Einsatz und nutzen sie als Gedächtnisstütze in Klausuren. Ein kurzer Blick auf die Smartwatch löst so manches Problem in der schriftlichen Prüfung.

Auch Samsung mischt da mit.

Auch Samsung mischt da mit.

Im Klassenzimmer wird durch Wearables aufgerüstet und bevor Unis und Schulen im vollen Umfang mit den Hightech-Möglichkeiten konfrontiert werden, ziehen die Lehranstalten in Belgien und Großbritanien schon den Stecker. Die City University in London und die belgische Arteveldehogeschool in Gent haben das Tragen von Uhren während einer Prüfung untersagt. Somit klappt das Spicken mit einer Smartwatch dann nicht mehr.
Und bayerische Schulen? Bei meinen Veranstaltungen in den Schulen gibt es von Seiten der Direktoren dazu keine konkrete Aussage. Mal sehen, ob ich bei der vorgesetzten Behörde, dem Kultusministerium jemanden finde, dem das Problem bewusst ist.
Ach ja, ich freue mich schon auf April, wenn die Apple Watch kommt und den Markt der Wearbles aufrollt. Vielleicht fällt der Groschen bei den zuständigen Behörden, wenn die Marktmacht von Apple in den Schulen und Unis ankommt.

Mal sehe, was die Apple Watch so alles kann.

Mal sehe, was die Apple Watch so alles kann.

Brauchen Lehrer digitale Nachhilfe?

2. Dezember 2014

Etwa ein- bis zweimal pro Woche bin ich an Schulen mit meinem Tag der Medienkompetenz unterwegs und schaffe es mit Erfolg, das Thema digitaler Wandel in die Familien zu bringen. Aufhänger ist natürlich das Thema Soziale Netzwerke, also Facebook, Whats App und Co. Ich halte das Thema Medienkompetenz für enorm wichtig und sehe massiven Handlungsbedarf – vor allem bei Eltern.

Vortrag im Hort der Lehrerfortbildung Dillingen.

Vortrag im Hort der Lehrerfortbildung Dillingen.

Neulich war ich im Hort der bayerischen Lehrerfortbildung zu Gast, in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen, und habe Seminarlehrer zum Thema soziale Netzwerke fit gemacht. Es bewegt sich etwas bei dem Thema Medienkompetenz. Morgen bin ich in Berlin und spreche auf der Online Edca in der Hauptstadt und halte auf dem Schoolforum ein Implusreferat zu diesem Themenkomplex.
Da bekomme ich heute ein interessante Meldung von der D21 auf den Tisch. Inhalt: Lehrer haben ein Problem mit digitaler Medienkompetenz und brauchen Nachhilfe.

Abb.4_FortbldgTeilnahme_Lehrer
Medienkompetenz, also der souveräne Umgang mit Computern und dem Internet, gilt heute als Schlüsselqualifikation für einen chancenreichen Start ins Berufsleben. Digitale Bildung soll nach dem Willen der Bundesregierung deshalb in allen Schulstufen und Schulfächern Einzug halten. Die größte Herausforderung liegt bei den Lehrkräften: Über die Hälfte aller Lehrer in Deutschland ist 50 Jahre und älter. Mit fortschreitendem Alter nimmt digitale Souveränität im Bundesdurchschnitt rapide ab, das zeigt die Studie D21-Digital-Index 2014. Dem entsprechend beurteilen auch Lehrer über 50 ihre Computerkenntnisse als eher schlecht. Grundsätzlich gibt es nicht genügend ausreichend qualifizierte Lehrer, die Schülern den Umgang mit Medien, mit den eigenen Daten und mit Informationen im Netz vermitteln können, so sagt die Initiative D21. Die genaue Studie gibt es hier zum kostenlosen Download.
Ich stelle bei meinen Lehrerfortbildung fest, dass diese Äußerung mach Nachhilfe sehr pauschal ist. Es hängt von dem einzelnen Lehrer ab und Forderung „Lehrer müssen in die digitale Nachhilfe“ ist mir zu pauschal. Es gibt solche und solche Lehrer. Und weil jeder einen Lehrer in der Schule hatte, ist jeder bei dem Thema Experte. Dennoch: Nicht wegzudiskutieren ist aber die digitale Spaltung in den Lehrerzimmern. Freilich gehen Junglehrer und Referendare an das Thema anders heran, weil sie im Studium mit IT gearbeitet haben. Aber für mich ist es keine Sache zwischen jung und alt, sondern zwischen digital und analog. Und, es ist eine Sache, wie ernst ich meinen Beruf nehme. Es gibt Pädagogen, die nehmen ihren Beruf als Berufung und es gibt – sorry – einfach faule Menschen. Letztere haben mit ihrem Job geistig abgeschlossen und werden durch das Beamtenrecht geschützt. Es ist eine grundsätzliche Auffassung, wie ich meinen Beruf ansehe und darf nicht nur auf das Thema digitale Medien reduziert werden. Der Lehrerjob hat sich radikal verändert.
Ich stelle auch fest, dass der Verwaltungsaufwand in den Schulen enorm geworden ist. Das Rundschreiben des Kultusministerium ist eine Botschaft des Schreckens im besten Verwaltungsdeutsch. Andere Organisationsformen müssen sich an den Schulen etablieren und iPads und Co gehören endlich in den flächendeckenden Unterricht. Mensch, wir leben im 21. Jahrhundert.