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Podcast: Warum guter Journalismus mehr ist als eine Schlagzeile

3. Mai 2026

Zum heutigen Tag der Pressefreiheit starte ich ein neues Podcast-Projekt als Beiratsmitglied des PresseClubs München. Der PresseClub München startet mit „Ganz nah“ einen neuen Videopodcast, der hinter die Kulissen des Journalismus blicken will. Das Leitmotiv des Formats lautet: „Wir reden nicht über Schlagzeilen, sondern darüber, wie sie entstehen.“


In der ersten Folge spreche ich mit Dr. Uwe Brückner, dem Vorsitzenden des PresseClubs München. Im Mittelpunkt stehen der PresseClub als Ort des journalistischen Austauschs, Brückners persönlicher Weg in den Journalismus und die Frage, wie sich Medienarbeit in Zeiten von Digitalisierung, wirtschaftlichem Druck und Künstlicher Intelligenz verändert. Hier der Podcast zum Anschauen.

Brückner beschreibt den PresseClub München als einen besonderen Ort: als Netzwerk, Denkraum und Treffpunkt für Journalistinnen und Journalisten, Medienschaffende und Menschen aus dem öffentlichen Leben. Die Lage am Münchner Marienplatz, mit Blick auf das Rathaus, sei dabei mehr als nur ein Standortvorteil. Sie stehe sinnbildlich für Nähe zu Öffentlichkeit, Politik und Stadtgesellschaft. Der Club verstehe sich als Plattform für Austausch, Medienkompetenz und journalistische Qualität.

Im Gespräch blickt Brückner auch auf seine eigenen Anfänge zurück. Schon als Schüler kam er über ein Schüler-Presse-Seminar mit dem Journalismus in Berührung. Ursprünglich wollte er Pianist werden, doch schließlich führte ihn sein Weg in die Kulturberichterstattung, zum Fernsehen und später in leitende Funktionen bei verschiedenen Sendern. Journalismus sei für ihn mehr als ein Beruf, sagt Brückner: Er sei eine Haltung und vor allem eine Dienstleistung an der Gemeinschaft. Geprägt habe ihn dabei auch seine fränkische Herkunft und das Engagement seiner Eltern in Vereinen. Gemeinwohl, Zuhören und das genaue Hinsehen seien bis heute zentrale Motive seiner Arbeit.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die journalistische Arbeit hinter den Kulissen. Brückner betont die Bedeutung von Quellen, Netzwerken und persönlichem Vertrauen. Entscheidend sei nicht nur, was gesagt werde, sondern auch, wer etwas sage, in welchem Zusammenhang und mit welcher Haltung. Gerade in einer Zeit, in der Informationen immer schneller verbreitet werden, brauche es journalistische Sorgfalt, Distanz und Einordnung.

Auch über den Wandel der Medien spreche ich mit Brückner ausführlich. Themen wie wirtschaftlicher Druck, Lokaljournalismus, Online-Nutzung, Podcasts und Künstliche Intelligenz spielen dabei eine zentrale Rolle. Brückner sieht die Krise des Journalismus weniger als inhaltliche Krise, sondern vor allem als wirtschaftliche und strukturelle Veränderung. Vertrauen und Glaubwürdigkeit seien weiterhin die wichtigste Währung journalistischer Arbeit – besonders im Lokalen. Zugleich eröffneten neue Formate wie Podcasts Chancen, Themen vertiefend und nah an den Menschen zu erzählen.

Mit Blick auf Künstliche Intelligenz zeigt sich Brückner offen, aber kritisch. KI könne journalistische Arbeit unterstützen, dürfe aber nicht dazu führen, dass Menschen nur noch in ihrer eigenen Informationsblase bestätigt würden. Entscheidend bleibe, dass Quellen überprüfbar, Informationen faktenbasiert und journalistische Standards gewahrt bleiben.

Zum Abschluss richtet Brückner den Blick auf die Zukunft des PresseClubs München. Der Club wolle junge Journalistinnen und Journalisten stärker einbinden, Mentoring fördern und zugleich vom Erfahrungsschatz langjähriger Mitglieder profitieren. Themen wie Demokratiebildung, Medienkompetenz, Qualitätsjournalismus und der Austausch zwischen Generationen sollen künftig eine noch größere Rolle spielen. Damit setzt die erste Folge von „Ganz nah“ den Ton für ein Format, das nicht nur über Medien spricht, sondern den Entstehungsprozess von Journalismus sichtbar machen will.
Geplant ist eine monatliche Fortsetzung der Reihe „Ganz nah“.

Wo Bayerns Wirtschaft ein Gedächtnis bekommt: Eine bewegende Begegnung mit der Geschichte im Wirtschaftsarchiv

19. April 2026

Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv in München wird bayerische Wirtschaftsgeschichte nicht nur bewahrt, sondern lebendig vermittelt. Beim Besuch des PresseClub München begrüßte Archivleiter Dr. Harald Müller die Gäste gemeinsam mit seinem kleinen Team und gab zunächst einen Einblick in Aufgaben, Geschichte und Selbstverständnis der Einrichtung, bevor es später in die Magazine ging, dorthin also, wo Wirtschaftsgeschichte buchstäblich greifbar wird. Das Archiv, so machte Müller gleich deutlich, ist eine vergleichsweise junge Institution innerhalb der deutschen Archivlandschaft. Während staatliche, kommunale oder kirchliche Archive auf jahrhundertelange Traditionen zurückblicken, entstanden Wirtschafts- und Unternehmensarchive erst mit dem tiefgreifenden Wandel durch die Industrialisierung. Als sich im 19. Jahrhundert Produktionsweisen, Arbeitswelt und gesellschaftliche Strukturen massiv veränderten, wurde deutlich, dass moderne Geschichte ohne die Quellen der Wirtschaft gar nicht mehr angemessen geschrieben werden kann. Hinzu kam das Interesse der Unternehmen an ihrer eigenen Vergangenheit: Jubiläen, Traditionspflege und die Darstellung des eigenen Werdegangs nach außen machten historische Dokumente plötzlich zu einem wichtigen Gut. Aus diesem Zusammenspiel von wissenschaftlichem Interesse und unternehmerischem Selbstverständnis gingen die ersten Wirtschaftsarchive hervor.

Das Bayerische Wirtschaftsarchiv selbst hat seine Wurzeln in einer 1986 gegründeten Einrichtung der IHK für München und Oberbayern. Schon damals war die Idee angelegt, ein gesamtbayerisches Archiv zu schaffen, doch zunächst hielten sich die übrigen Industrie- und Handelskammern zurück. Erst als sich das Archiv positiv entwickelte, wuchs die Unterstützung. Einen wichtigen Schub brachte früh die Übernahme des Löwenbräu-Archivs, ein spektakulärer Bestand mit großer Symbolkraft für München. 1994 wurde daraus schließlich offiziell das Bayerische Wirtschaftsarchiv als Gemeinschaftseinrichtung aller bayerischen Industrie- und Handelskammern. Bis heute, erläuterte Müller, ist genau das der entscheidende Rahmen: Das Archiv wird im Wesentlichen von den bayerischen IHKs finanziert und versteht sich als Einrichtung der wirtschaftlichen Selbstverwaltung. Staatliche oder kommunale Zuschüsse erhält es nicht. Gerade darin liegt seine Besonderheit, aber auch seine Fragilität, denn ein regionales Wirtschaftsarchiv ist rechtlich keineswegs zwingend vorgesehen.

Anders als öffentliche Archive kann das Bayerische Wirtschaftsarchiv nicht auf eine gesetzliche Ablieferungspflicht bauen. Unternehmen sind, abgesehen von bestimmten steuerrechtlichen Aufbewahrungsfristen, nicht verpflichtet, ihre Unterlagen dauerhaft archivieren zu lassen. Deshalb funktioniert Wirtschaftsarchivwesen in gewisser Weise umgekehrt: Das Archiv wartet nicht auf Akten, sondern geht aktiv auf Unternehmen zu. Gesucht werden traditionsreiche Firmen, bedeutende Arbeitgeber, branchentypische Betriebe oder wirtschaftshistorisch besonders interessante Sonderfälle. Dabei ist oft viel Überzeugungsarbeit nötig, denn viele Unternehmen wissen selbst nicht genau, was sich noch in Kellern, Dachböden oder alten Aktenschränken befindet. Vor allem aber braucht es Vertrauen. Müller schilderte eindrucksvoll, wie lang dieser Weg sein kann: Die längste Übernahme seiner Laufbahn dauerte vom ersten Kontakt bis zur tatsächlichen Abgabe ganze 17 Jahre. Das Archiv der Firma Conradi, ursprünglich eine Bleistiftfabrik, später Hersteller hitzebeständiger Kohlenstoffprodukte, konnte erst nach dem Tod des Eigentümers übernommen werden. Solche Geschichten zeigen, dass Archivarbeit nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Geduld, Fingerspitzengefühl und strategisches Denken verlangt.

Die Bestände des Bayerischen Wirtschaftsarchivs sind daher oft fragmentarisch. Häufig handelt es sich nicht um vollständig erhaltene Firmenüberlieferungen, sondern um ausgewählte Dokumente, die sich retten ließen. Das gilt auch für prominente Bestände wie das Krauss-Maffei-Archiv. Dieses kam aus einer konkreten Gefährdungslage heraus ins Archiv, als die Zukunft des Unternehmens unsicher war und man wichtige Unterlagen und historische Objekte in Sicherheit bringen wollte. Doch auch hier handelt es sich nicht um eine geschlossene Unternehmensüberlieferung, sondern um eine über Jahre von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zusammengestellte Sammlung. Gerade solche Beispiele machen deutlich, dass Wirtschaftsarchive oft das bewahren, was andernfalls unwiederbringlich verloren wäre.

Bei der Auswahl der Unterlagen geht das Archiv mit großer Sorgfalt vor. Da Platz, Personal und Ressourcen begrenzt sind, kann nicht einfach alles übernommen werden. Ziel ist vielmehr, mit möglichst wenig Material möglichst viel wirtschaftshistorische Aussagekraft zu sichern. Besonders wichtig sind serielle Überlieferungen wie Jahresabschlüsse, Prüfberichte, Gesellschafterprotokolle, Werbemittel oder Produktinformationen, also Dokumente, aus denen sich Entwicklung, Struktur und Selbstverständnis eines Unternehmens nachvollziehen lassen. Gleichzeitig wird bewertet und reduziert: Nicht jede technische Detailzeichnung oder jede Einzelschraube eines Maschinenplans kann archiviert werden. Es geht darum, die wesentlichen Linien der Unternehmensgeschichte zu bewahren, ohne die Bestände unüberschaubar werden zu lassen.

Auch thematisch versucht das Archiv, die bayerische Wirtschaft in ihrer Breite abzubilden. Dabei spielen regionale und branchenspezifische Schwerpunkte eine große Rolle. In Oberfranken etwa sind Textilindustrie oder Spielwarenhersteller besonders relevant, in München Brauereien oder traditionsreiche Industriebetriebe. Zugleich wird darauf geachtet, Lücken in den Beständen gezielt zu schließen. Was bereits gut dokumentiert ist, muss nicht in derselben Dichte ein weiteres Mal gesammelt werden; dafür rücken andere Branchen oder Regionen stärker in den Fokus. So entsteht nach und nach ein facettenreiches Bild der bayerischen Wirtschaftsgeschichte.

Ein eigenes Kapitel ist die Zeit des Nationalsozialismus. Müller betonte, dass es in den Beständen des Bayerischen Wirtschaftsarchivs zwar durchaus kriegsbedingte Verluste gebe, etwa durch Bombenangriffe oder Zerstörungen wie in Bayreuth oder Würzburg, auffällige bewusste Säuberungslücken aber bislang kaum erkennbar seien. Zugleich verwies er darauf, dass die NS-Vergangenheit der großen Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten vielfach wissenschaftlich aufgearbeitet worden sei, nicht zuletzt im Zuge der Debatten um Zwangsarbeit und Entschädigung. Das habe auch das Wirtschaftsarchivwesen professionalisiert. Heute verschiebt sich das Interesse stärker hin zur Erforschung individueller Schicksale, etwa jüdischer Unternehmerfamilien oder arisierter Betriebe. Gerade hier können archivalische Splitter, einzelne Akten oder beschädigte Geschäftsbücher, die noch Brandspuren tragen, eine enorme historische Aussagekraft entfalten.

Ein zentrales Zukunftsthema ist die Digitalisierung. Dr. Müller machte dabei sehr deutlich, dass digitale Archivierung eine der größten Herausforderungen für Archive überhaupt darstellt. Einzelne digitale Unterlagen wie Fotosammlungen, Werbematerialien oder Gesellschafterprotokolle kann das Bayerische Wirtschaftsarchiv bereits übernehmen und systematisch erfassen. Schwieriger wird es jedoch bei komplexen digitalen Dokumentenmanagementsystemen, Datenbanken oder ganzen IT-Strukturen von Unternehmen, für deren dauerhafte Übernahme bislang oft die technischen Voraussetzungen fehlen. Hinzu kommen Fragen der Kompatibilität, der Datensicherheit und der langfristigen Lesbarkeit von Formaten. Auch die Erwartung, Archivgut umfassend im Internet verfügbar zu machen, sieht Müller kritisch. Zum einen sind viele Bestände Eigentum der Unternehmen, zum anderen wächst mit Künstlicher Intelligenz die Sorge vor Manipulation und Entstellung digitaler Quellen. Gerade deshalb, so sein zugespitztes Argument, gewinnen die Originale in Papierform eher wieder an Bedeutung. Digitalisiert wird dennoch, allerdings vor allem aus konservatorischen Gründen oder zur internen Nutzung. Ein möglicher nächster Schritt könnte ein geschützter digitaler Lesesaal sein, in dem Nutzer zeitlich begrenzten Zugriff auf ausgewählte Digitalisate erhalten. Eine vollständige Online-Stellung ganzer Archivbestände hält das Bayerische Wirtschaftsarchiv dagegen weder für realistisch noch für verantwortbar.

Neben der reinen Bewahrung historischer Quellen versteht sich das Archiv zunehmend auch als Dienstleister und Vermittler. Anfragen von Journalisten, Forschern oder Studierenden sind ausdrücklich willkommen und können unkompliziert per E-Mail gestellt werden. In den meisten Fällen, so betonten die Mitarbeiter, könne man weiterhelfen oder zumindest an andere Archive verweisen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit wurde in den vergangenen Jahren ausgebaut, etwa über LinkedIn, Newsletter, Beiträge in IHK-Medien, Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Münchner Museen oder den Tag der Archive. So wird deutlich, dass das Bayerische Wirtschaftsarchiv kein abgeschlossener Ort für Spezialisten sein will, sondern ein offenes Haus, das Wirtschaftsgeschichte für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich macht.

Der Besuch des PresseClub München machte damit anschaulich, wie vielschichtig die Arbeit eines Wirtschaftsarchivs ist. Es geht um historische Forschung, um Rettung gefährdeter Quellen, um Vertrauen im Umgang mit Unternehmen und um die Frage, wie die Überlieferung der Wirtschaft in einer digitalen Welt gesichert werden kann. Vor allem aber wurde deutlich, dass das Bayerische Wirtschaftsarchiv mit seinem kleinen Team eine große Aufgabe erfüllt: Es bewahrt jene Spuren der Wirtschaft, ohne die sich die Geschichte Bayerns nicht vollständig erzählen ließe.

Blogger sorgen für mehr Medienkompetenz

11. April 2019

Blogs sind längst Teil der Massenkommunikation geworden. Waren früher Massenmedien klassische Sender-Empfänger-Modelle, bei denen journalistisch gestaltete Produkte an Leser, Hörer und Seher übermittelt wurden, so hat sich dies durch das Web 2.0 stark geändert. Heute hat jeder mit seinem Smartphone ein Massenmedium in der Hosentasche und kann nach Belieben senden und empfangen. Ein gut vernetzter Blogger kommt an die Reichweite eines klassischen Massenmediums heran, seine Veröffentlichungen haben Wirkung. Und damit übernimmt der Blogger aber auch Verantwortung. Ich habe für den Bloggerclub diesen Beitrags für das Magazin des PresseClubs München geschrieben.

Franz Neumeier (r.) und ich vom Bloggerclub im Gespräch mit dem PresseClub-Vorsitzender Peter Schmalz.

Eine Verantwortung, die von jedem Blogger Medienkompetenz verlangt. Das mag auf den ersten Blick erstaunen, denn bislang definierten wir Medienkompetenz eher vom Nutzer her und fordern daher von den Schulen, diese Kindern schon möglichst früh zu vermitteln. Bei den Produzenten klassischer Medien, den Journalisten, wurde die Kompetenz, mit Medien verantwortungsvoll umzugehen, ohnehin vorausgesetzt. Dies zu lernen, ist Teil ihrer Ausbildung als Volontär oder Absolvent einer Journalistenschule. Auch wenn spektakuläres Fehlverhalten Einzelner gelegentlich Zweifel wecken.

Wie eng verzahnt beide Seiten der Medienkompetenz sein können, zeigen Studien, wonach viele Jugendliche den Unterschied zwischen Werbung und redaktionellen Beiträge nicht kennen. Für sie ist jede Veröffentlichung das Gleiche. Das aber bedeutet einerseits, den jungen Menschen Mechanismen und Artenvielfalt der medialen Welt erläutern und ihnen die Fähigkeit zum Unterschieden beizubringen. Andererseits ist der Blogger verpflichtet, Werbung und Sponsoring zu kennzeichnen und damit seine Leser darüber zu informieren, wenn er einen gesponserten Beitrag sendet, für den er Geld oder Gegenleistung erhalten hat. Er muss sich also diese Kompetenz erwerben in seinem Medium.

Blogger werden ins Kanzleramt eingeladen.

Der Münchner Bloggerclub hat hier mit seinem strengen Bloggerkodex, auf den sich alle Mitglieder verpflichten, Maßstäbe gesetzt, die weit über Bayern hinaus als vorbildlich gelten. „Wir kennzeichnen Werbung transparent und deutlich“, heißt es darin. Ebenfalls als Werbung gelte jeder Beitrag, „für den wir bezahlt werden oder eine geldwerte Leistung erhalten, die nicht dem Ziel der Berichterstattung dient“. Darüber hinaus definiert der Bloggerkodex die notwendigen Regelungen für Kooperationen mit Unternehmen. All dies dient einer transparenten Kommunikation gegenüber den Besuchern eines Blogs und findet auch bundesweite Anerkennung: Als Vertreter der Bloggerinnen und Blogger wurde der Münchner Bloggerclub im vergangenen Jahr zum Runden Tisch „Influencer Marketing“ ins Bundeskanzleramt eingeladen.

Mehr noch als traditioneller Journalismus ist Bloggen eine bunte Spielwiese der Kreativität, gepaart mit den drei T: Text, Technik und Team. Und doch verzahnen sich beide Medienwelten immer wieder. Das beginnt schon bei den Texten, wo für beiden als Basis aller Arbeit gilt: Komplizierte Sachverhalte so aufbereiten, dass der Leser sie versteht. Nicht missionieren ist angesagt, sondern vermitteln – und das möglichst unterhaltend. Dabei steht nicht die Selbstverwirklichung im Vordergrund, sondern der Dienst am Leser. Allerdings trägt der Blogger eine besondere Verantwortung: Die alleinige. Er produziert und sendet, in der Regel prüft kein anderer den Text auf Fehler. Schreibfehler sind ärgerlich, aber lässlich. Juristische Fehler dagegen können bedrohlich werden. Hier gehört zur Medienkompetenz des Blogger, Persönlichkeits- und Urheberrechte zu kennen, das Impressum nicht als vermeintliche Nebensache zu vernachlässigen und den klassischen Satz zu beachten: „Audiatur et altera pars“, also korrekt zu recherchieren und „auch die andere Seite hören“.

Wer bloggt, wird sich automatisch mit Texten beschäftigen, auch wenn er nur einen Foto- oder Videoblog betreibt. Und je mehr ein Blogger textet, desto mehr stößt er auf die journalistischen Darstellungsformen. Schreiben wie einem der Schnabel gewachsen ist, hat nur einen gewissen Erfolg in begrenzten Fankreisen. Wer erfolgreich in der Blogosphäre sein will, der kommt um die Grundlagen des journalistischen Handwerkszeugs nicht herum. Der Blogger muss Stellung beziehen, ob er einen Nachrichtenblog oder einen Meinungsblog betreiben will. Und er muss sich mit dem Aufbau seiner Texte beschäftigen. Dabei stößt er zwangsläufig auf die Nachrichtenpyramide oder die Ordnung durch Absätze, die nach inhaltlichen und weniger nach optischen Gesichtspunkten gesetzte werden. Sich mit Aufbau und Struktur der Texte zu beschäftigen, schärft die Medienkompetenz.

Und wie der Journalist muss auch der seriöse Blogger sorgsam umgehen mit seinen Quellen. Nachdem Blogger zunehmend zu Pressekonferenzen und auch zu vertraulichen Hintergrundgesprächen eingeladen werden, müssen Blogger die Regeln kennen und beachten, die in dieser Kollegen-Gemeinschaft gelten. Eine simple, aber wichtige besteht aus den drei Ziffern 1, 2 und 3. Läuft ein Gespräch „unter 1“, dürfen alle Information mit dem Namen des Gesprächspartners zitiert werden („Bundeskanzlerin Merkel sagte: ‚Angesichts der aktuellen Finanzkrise hat die Bundesregierung …“) , „unter 2“ dürfen Information und das Umfeld der Quelle zwar wiedergegeben, aber nicht direkt zitiert werden ( „Wie aus Kreisen der CDU zu erfahren war…“), „unter 3“ aber dürfen die Informationen nicht öffentlich verwertet werden. Journalist wie Blogger haben sie ausschließlich als Hintergrund erhalten, der Anlass für weitere Recherchen geben oder in Artikel und Kommentare indirekt einfließen könnte. Das Problem: Es ist eine ungeschriebene Regel, die rechtlich nicht bindend ist. Doch wer dagegen verstößt, riskiert beim nächsten Mal vor der Tür zu stehen.

Das zweite T gehört der Technik. Wer bloggt, verfasst nicht nur Texte, er schießt auch Fotos, dreht Videos oder produziert Audiopodcasts. Im besten Falle schafft er daraus einen multimedialen Blog. Das verlangt aber auch technisches Know-how im Umgang mit Hard- und Software. Zwar wird die Technik immer intuitiver, aber dennoch muss die Funktionsweise erst einmal verstanden werden. Obwohl der Umgang mit der IT, das Einhalten eines Workflows und das Datei-Ablagesystem auf dem Server oder in der Cloud heute zu den Grundkenntnisse gehören sollten, ist es bemerkenswert, dass die nachwachsende digitale Gesellschaft sich beim Umgang mit dem Rechner schwer tut. Ihr fällt es leicht, mit dem Smartphone oder dem Tablet umzugehen, sie versteht dagegen immer weniger von Dateistrukturen auf herkömmlichen Systemen. Hier ist die technische Medienkompetenz unbedingt zu stärken.

Das gilt auch für den Umgang mit Suchmaschinen. Wer bloggt, der will gefunden werden. Das Angebot im Netz ist riesig, und der einzelne Blogpost wird nur gefunden, wenn ihn eine Suchmaschine indiziert und in die Datenbank aufnimmt. Das bedeutet, der Blogger muss sich mit Suchmaschinen auskennen und deren Funktionsweise verstehen. Er muss seine Texte im besten Falle für die Suchmaschine optimieren. Diese Suchmaschinenoptimierung oder Search Engine Optimization (SEO) verändert natürlich die Texte. Der Blogger muss sich fragen: Schreibe ich Texte für den Menschen oder schreibe ich auffindbare Texte für Google und Co. Eine Gretchenfrage, die den Blogger beschäftigen muss und die zugleich täglich seine Medienkompetenz aufs Neue schult.

Das dritte T gehört dem Team. Blogger sind Teamplayer. Ein Blog ist klassisches Projektmanagement und wenn der Blog größer wird, wird automatisch das Team größer. Das Zusammenspiel als Team macht dann diesen Erfolg aus. In der Regel sind Blogger Einzelkämpfer, arbeiten aber auch in Netzwerken zusammen. Spezielle Kollaborationswerkzeuge haben sich bewährt: das Mini-Projektmanagement-Werkzeug Trello, das Terminfindungstool Doodle oder einfach die Zusammenarbeit über die Cloud wie Google Doc, Office 365 oder iCloud. Vor allem Corporate Blogger müssen absolut teamfähig sein. Sie schreiben ja nicht ihr persönliches Blog, sondern an einem Unternehmensblog. Corporate Blogs treten in unterschiedlichen Formen auf und können unterschiedliche Funktion haben. Charakteristisch für Corporate Blogs ist, dass sie dazu dienen, Kommunikations- oder Marketingziele des Unternehmens zu verfolgen. Sie werden in der Regel von Mitarbeitern eines Unternehmens oft in Verbindung mit externen Bloggern geführt. Corporate Blogs können sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation eingesetzt werden. Hier gibt es keinen Platz für Egos sondern Teamfähigkeit steht im Vordergrund.

Schließlich eine rasant wachsende Herausforderung, die Blogger und Journalisten gleichermaßen bewältigen müssen: Die Fake News. Vor wenigen Jahrzehnten war die Informationsbeschaffung ein echtes Problem. Aufwendig musste in Archiven und Bibliotheken recherchiert werden. Manche Journalisten wurden nur aufgrund ihres persönlichen Archivs von Verlagen angestellt, ihr Informationsschatz war ihr höchstes Gut.
Heute können Infos aller Art mühelos im Netz abgerufen werden. Nicht mehr die Information beschaffen, sondern sie zu bewerten ist die neue Herausforderung: Wahr oder falsch, Tatsache oder Fake? Wie Journalisten müssen auch Blogger lernen, den Wahrheitsgehalt einer Nachricht zu bewerten. Ließ früher das schlampige Aussehen einer Website zu Vorsicht mahnen, verhelfen heute Content Managementsystemen (CMS) fast jeder Website
zum seriösen Outfit. Kommt die Meldung gar noch im Layout eines sozialen Netzwerkes wie Facebook daher, dann funktioniert das alte Bewertungssystem des Aussehens nicht mehr.
Der Blogger von heute braucht also Medienkompetenz, um Fake News zu identifizieren. Auch dazu gibt es eine Reihe von Werkzeugen: Was ist die Originalquellen? Haben andere die Information auch zitiert? Videos lassen sich beispielsweise mit dem kostenlosen Datafinder von Amnesty International zurückverfolgen. Ein gesundes Misstrauen ist bei der Informationsrecherche im Netz angesagt. So mancher ist auf gefälschte oder gar frei erfundene Politikerzitate hereingefallen.

Bloggen und Journalismus verschmelzen mehr und mehr. Selbst Edelfedern der Printbranche haben sich mittlerweile Blogs zugelegt, so mancher Blogger wurde Redaktionsmitglied bei Verlagen oder Radio- und TV-Sendern. Wie die Arbeit verzahnt, so gleichen sich auch die Anforderungen an. Wie zum Beispiel die der Medienkompetenz.

Unter 1, unter 2 und unter 3 – Umgang mit Quellen

8. Juli 2015

Umgang mit den Quellen war Teil der Ausbildung der Tageszeitung.

Umgang mit den Quellen war Teil der Ausbildung der Tageszeitung.

„Herr Lehrer, ich weiß was!“ – diese Attitüde bemerke ich derzeit verstärkt im Journalismus. Kaum hat man eine Information, wird sie herausgeplärrt ohne Rücksicht auf die Quelle. Ziel ist es, der erste zu sein. Die Berufsbezeichnung Journalist ist ja nicht gesetzlich geschützt und damit kann sich jeder als Journalist bezeichnen. Redakteur dagegen ist eine geschützte Berufsbezeichnung. Der Redakteur hat zuvor eine Ausbildung, ein Volontariat, durchlaufen.

Die alten Zeiten im Journalismus sind vorbei.

Die alten Zeiten im Journalismus sind vorbei.

Durch den Verfall der klassischen Massenmedien drängen immer mehr Journalisten auf den Markt. Das Netz brachte uns Blogger und auch ich bezeichne mich als solcher. Jeder kann veröffentlichen und das ist gut so. Leider geht mit dem Ansteigen der Kollegenanzahl nicht immer ein Anstieg der Qualität einher. Dies merkte ich unlängst wieder bei meinen Seminaren im Bereich Journalisten/Pressesprecher. Bei den Teilnehmern fehlt manches Mal das Händchen mit dem richtigen Umgang mit einer Quelle – oder es fehlt das Wissen darüber. Und das ist gefährlich. Als ich neulich die Begriffe „unter 1“, „unter 2“ und „unter 3“ erwähnte, schaute ich in fragende Gesichter. Nicht alles, was ich als Journalist erfahre, darf oder sollte ich herausplärren. Ich weiß, die Konkurrenzsituation hat sich in den Medien dramatisch verschärft, nur wer als erster die News hat, der hat gewonnen. Das gilt vor allem im Onlinegeschäft. Dennoch sägen wir Journalisten uns den Ast ab, auf den wir sitzen, wenn wir den richtigen Umgang mit der Quelle nicht gelernt haben. Veröffentlichen wir alles sofort, haben wir vielleicht eine heiße Geschichte, einen Coup, aber die Quelle wird uns nichts mehr verraten. Und der Ruf des Journalisten ist beschädigt, was gerade im Lokaljournalismus einem Todesurteil gleicht. Die Quellen müssen sich auf uns Journalisten verlassen können.

Hintergrundgespräch oder Interview - hier mit Christiane Kubrick.

Hintergrundgespräch oder Interview – hier mit Christiane Kubrick.

Mein Volontärsvater beim Münchner Merkur, eine Art Ausbilder – in meinem Fall ein Sportredakteur – nahm mich in meinem Volontariat auf die Seite und erklärte mir in deutlicher Sprache die Sprachcodes „unter 1“, „unter 2“ und „unter 3“. Er weihte mich in das Gentlemen’s Agreement der Sprachcodes ein und achtete streng auf deren Einhaltung.

Was darf ich aus meinem Gespräch von Jan Harlan veröffentlichen?

Was darf ich aus meinem Gespräch von Jan Harlan veröffentlichen?

Unter 1: die Information darf bei direkter Nennung der Quelle wörtlich wiedergegeben werden. Also: Bürgermeister Erwin Lindemann erklärte: „Wir haben kein Geld für den Bau einer neuen Umgehungsstraße!“
Unter 2: die Information und das Umfeld der Quelle dürfen zwar wiedergegeben, aber nicht direkt zitiert werden. Also: Wie aus gut unterrichteten Kreisen des Rathauses zu erfahren war, fehle das Geld für den Bau einer neuen Umgehungsstraße.
Unter 3: die Information darf nicht öffentlich verwertet werden. Sie dient ausschließlich für den eigenen Hintergrund des Journalisten. Das Hintergrundgespräch war in meiner Ausbildung heilig. Ich wurde in Bonn zu Hintergrundgesprächen geladen, um die Regierungspolitik besser verstehen zu können. Die gewonnenen Informationen waren dann Anlass für weitere Recherchen. Bestes Beispiel in der Geschichte des Journalismus war natürlich Deep Throat in der Watergate-Affäre. Nur durch die geheime Quelle Deep Throat wurde die Regierung Nixon gestürzt.
Leider kennen viele Journalisten diese Sprachcodes nicht mehr – oder viel schlimmer: Sie halten sich wider besseren Wissens nicht daran. Es besteht seitens der Quelle keine rechtliche Möglichkeit, auf die Einhaltung der Sprachcodes zu pochen. Die Zusammenarbeit zwischen Quelle und Journalisten basiert auf Vertrauen. Der Pressekodex sagt zwar: „Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.“ Allerdings ist der Pressekodex auch nur eine Selbstverpflichtungserklärung der klassischen Massenmedien, also ein zahnloser Tiger.
Mich würde unter 1 interessieren, wie haltet ihr es mit dem Umgang mit Quellen?

Jörg Sadrozinski von der DJS schult seine Schüler noch im Quellenumgang.

Jörg Sadrozinski von der DJS schult seine Schüler noch im Quellenumgang.