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Podcast: Warum guter Journalismus mehr ist als eine Schlagzeile

3. Mai 2026

Zum heutigen Tag der Pressefreiheit starte ich ein neues Podcast-Projekt als Beiratsmitglied des PresseClubs München. Der PresseClub München startet mit „Ganz nah“ einen neuen Videopodcast, der hinter die Kulissen des Journalismus blicken will. Das Leitmotiv des Formats lautet: „Wir reden nicht über Schlagzeilen, sondern darüber, wie sie entstehen.“


In der ersten Folge spreche ich mit Dr. Uwe Brückner, dem Vorsitzenden des PresseClubs München. Im Mittelpunkt stehen der PresseClub als Ort des journalistischen Austauschs, Brückners persönlicher Weg in den Journalismus und die Frage, wie sich Medienarbeit in Zeiten von Digitalisierung, wirtschaftlichem Druck und Künstlicher Intelligenz verändert. Hier der Podcast zum Anschauen.

Brückner beschreibt den PresseClub München als einen besonderen Ort: als Netzwerk, Denkraum und Treffpunkt für Journalistinnen und Journalisten, Medienschaffende und Menschen aus dem öffentlichen Leben. Die Lage am Münchner Marienplatz, mit Blick auf das Rathaus, sei dabei mehr als nur ein Standortvorteil. Sie stehe sinnbildlich für Nähe zu Öffentlichkeit, Politik und Stadtgesellschaft. Der Club verstehe sich als Plattform für Austausch, Medienkompetenz und journalistische Qualität.

Im Gespräch blickt Brückner auch auf seine eigenen Anfänge zurück. Schon als Schüler kam er über ein Schüler-Presse-Seminar mit dem Journalismus in Berührung. Ursprünglich wollte er Pianist werden, doch schließlich führte ihn sein Weg in die Kulturberichterstattung, zum Fernsehen und später in leitende Funktionen bei verschiedenen Sendern. Journalismus sei für ihn mehr als ein Beruf, sagt Brückner: Er sei eine Haltung und vor allem eine Dienstleistung an der Gemeinschaft. Geprägt habe ihn dabei auch seine fränkische Herkunft und das Engagement seiner Eltern in Vereinen. Gemeinwohl, Zuhören und das genaue Hinsehen seien bis heute zentrale Motive seiner Arbeit.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die journalistische Arbeit hinter den Kulissen. Brückner betont die Bedeutung von Quellen, Netzwerken und persönlichem Vertrauen. Entscheidend sei nicht nur, was gesagt werde, sondern auch, wer etwas sage, in welchem Zusammenhang und mit welcher Haltung. Gerade in einer Zeit, in der Informationen immer schneller verbreitet werden, brauche es journalistische Sorgfalt, Distanz und Einordnung.

Auch über den Wandel der Medien spreche ich mit Brückner ausführlich. Themen wie wirtschaftlicher Druck, Lokaljournalismus, Online-Nutzung, Podcasts und Künstliche Intelligenz spielen dabei eine zentrale Rolle. Brückner sieht die Krise des Journalismus weniger als inhaltliche Krise, sondern vor allem als wirtschaftliche und strukturelle Veränderung. Vertrauen und Glaubwürdigkeit seien weiterhin die wichtigste Währung journalistischer Arbeit – besonders im Lokalen. Zugleich eröffneten neue Formate wie Podcasts Chancen, Themen vertiefend und nah an den Menschen zu erzählen.

Mit Blick auf Künstliche Intelligenz zeigt sich Brückner offen, aber kritisch. KI könne journalistische Arbeit unterstützen, dürfe aber nicht dazu führen, dass Menschen nur noch in ihrer eigenen Informationsblase bestätigt würden. Entscheidend bleibe, dass Quellen überprüfbar, Informationen faktenbasiert und journalistische Standards gewahrt bleiben.

Zum Abschluss richtet Brückner den Blick auf die Zukunft des PresseClubs München. Der Club wolle junge Journalistinnen und Journalisten stärker einbinden, Mentoring fördern und zugleich vom Erfahrungsschatz langjähriger Mitglieder profitieren. Themen wie Demokratiebildung, Medienkompetenz, Qualitätsjournalismus und der Austausch zwischen Generationen sollen künftig eine noch größere Rolle spielen. Damit setzt die erste Folge von „Ganz nah“ den Ton für ein Format, das nicht nur über Medien spricht, sondern den Entstehungsprozess von Journalismus sichtbar machen will.
Geplant ist eine monatliche Fortsetzung der Reihe „Ganz nah“.

Von Gamern lernen: Gamification als neuer Trend

1. November 2012

Mit Augenklappe auf dem Podium der Medientage und dennoch nicht blind beim Thema Gamification.

Mit Augenklappe auf dem Podium der Medientage und dennoch nicht blind beim Thema Gamification.

Wenn Elemente von Videospielen in andere Bereiche wie Marketing übertragen werden, dann spricht man von Gamification. Auf den Medientagen München 2012 hatte ich die Ehre, ein Panel mit zwei hervorragenden Referenten moderieren zu dürfen: Ibrahim Mazari und Markus Breuer – der eine Gameexperte, der andere Agenturvertreter. Das Panel war wohl ein Rest der sich auflösenden Munich Gaming, für die es noch kein neues Datum gibt.

Lassen sich Elemente des Spiels überhaupt auf andere Bereiche übertragen? Ein eindeutiges Ja. Allerdings taten es sich die anwesenden Medienvertreter der Medientage sichtlich schwer, was mir im Nachhinein von mehreren Seiten bestätigt wurde. Das Land der Dichter und Denker ist an ernsthafter Information interessiert und will seine Zeit nicht mit Spielen vertrödeln. Mir sagte ein Manager: „Wer spielt, der hat wohl nichts zu tun!“ Falsche Einstellung meiner Meinung nach, denn dann hat er die Chance nicht begriffen.

Nehmen wir als Beispiel Foursquare. Bei diesem geobasierte Dienst checke ich mit meinem iPhone an verschiedenen Orten ein und bekomme dafür Punkte, die in ein Ranking mit meinen Freunden einfließen. Wenn ich öfters an einem Ort einchecke, habe ich zudem die Chance Bürgermeister/Mayor zu werden. Kehre ich an verschiedenen Orten wie beispielsweise Flughäfen ein, erhalte ich ein Abzeichen. Alles ist natürlich mit Facebook und Twitter gekoppelt, damit meine Freunde auch wissen, welch toller Hecht ich bin. Das macht Spaß, der Wettbewerb bringt Motivation und dient der Vernetzung. Ein anderer geobasierter Dienst war Gowalla. Das war zu kompliziert und ist nach seinem Kauf durch Facebook in der Versenkung verschwunden.

Zu Gamification gehören also Erfahrungspunkte, Highscores, Fortschrittsbalken, Ranglisten, virtuelle Güter oder Auszeichnungen. Es kann enorm zur Kundenbindung an ein Produkt beitragen. Positive Beispiele gibt es viele, die meisten aber in den USA, denn der Deutsche spielt nicht.

So lässt sich hervorragend mit dem System Lerninhalte vermitteln. Nicht stupides Vokabelpauken ist angesagt, sondern eine spielerische Herangehensweise. Der Lernende ist motiviert und setzt das Erlernte sofort um. So muss Bildung aussehen.

Ein anderes Beispiel ist eine Konferenz. Der Besucher erhält Punkte für besuchte Vorträge, könnte an Wettbewerben teilnehmen, kann Feedbackbögen ausfüllen und am Ende gibt es vielleicht noch ein kleines Gewinnspiel. Die Medientage München wäre hier eine wunderbare Möglichkeit gewesen, Gamification live zu erleben. Allerdings als ich während der Paneldiskussionen auf mein iPhone blickte und bei Foursquare einchecke, sah ich, dass nur 14 Leute dort waren. Und dies bei Medienleuten, aber wahrscheinlich war es den Herrschaften zu kindisch sich zu beteiligen. Man ist ja schließlich wichtig. Oder, noch schlimmer: Die Medienschaffenden haben es nicht verstanden und merken gar nicht, wie der Zug in Richtung Medienzukunft ohne sie abfährt. Auf einer jüngsten Microsoft-Konferenz wurde Gamification angewendet. Die Teilnehmer erhalten Auszeichnungen für bestimmte Slots und beginnen zu sammeln.