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Gut behütet in der Münchner Fußgängerzone – Zunftzeichen bei Hut Breiter

19. April 2017
Irgendwas ist neu beim Breiter in München.

Irgendwas ist neu beim Breiter in München.

Auch wenn es heute nicht mehr so angesagt ist außer in Hipster Kreisen, trage ich gerne Hüte. Ich finde der Hut ist ein wunderbares Kleidungsstück. Er hält den Kopf warm und kleidet mich. Ich kaufe meine Hüte u.a. beim Hutkönig am Dom in Regensburg, in Hamburg bei Falkenhagen und in meiner Geburtsstadt München bei Breiter am Dom.
Bei meinem jüngsten Einkauf bei Breiter in der Münchner Fußgängerzone bemerkte ich einen Unterschied. Etwas an der Ladenfassade an der Kaufinger Straße ist anders. Neues Logo? Nein! Neue Farbe? Nein! Es ist das Zunftzeichen des Zylinderhuts. Der ist neu. Da musste ich bei Geschäftsinhaber Alexander Breiter nachfragen.

Das historische Zunftzeichen ist wieder da.

Das historische Zunftzeichen ist wieder da.

„Schön ist ein Zylinderhut, wenn man ihn besitzen tut, doch von ganz besonderer Güte sind die Breiter Hüte …“ so dichtete Adalbert Breiter kurz nach dem ersten Weltkrieg einen seiner Werbereime. Reim dich oder ich fress dich. Einen klassischen Zylinder besitze ich zwar nicht, dafür einen Klappzylinder oder Chapeau Claque, den ich bei Breiter erworben habe.
Frisch aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt übernahm Adalbert Breiter den 1863 gegründeten Familienbetrieb und eröffnete 1918 das Huthaus in der Kaufinger Straße in München. Statt der heute üblichen Neonwerbung wurden damals kunstvolle Zunftzeichen an den Läden und Werkstätten angebracht. Als ehemaliger Pressereferent der Handwerkskammer für München und Oberbayern mag ich das sehr. Je prunkvoller um so besser, im Falle von Hut-Breiter ein riesiger Metergroßer vergoldeter Zylinderhut.

Schön ist der Zylinder geworden.

Schön ist der Zylinder geworden.

Der Zylinder wurde zusammen mit dem Laden bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1944 zerstört. Hitler du bist ein Arschloch. Nach dem Krieg fehlte das Geld zum Wiederaufbau. Als Ende der 80er Jahre ein erneuter Anlauf gemacht wurde, das Zunftzeichen wieder anzubringen, machten die städtischen Behörden von München einen Strich durch die Rechnung. München sei eine Weltstadt und kein Museum, hieß es damals als Begründung.
Jetzt nach über 70 Jahren wurde das Zunftzeichen wieder genehmigt. Eine absolut richtige Entscheidung, wie ich finde. Nach alten schwarzweiß Bildern wurde der Zylinderhut vom Münchner Kunstschmied Nüssel in Handarbeit originalgetreu nachgebildet und anschließend mit Blattgold überzogen. Das Bayerische Fernsehen begleitete die Schmiedearbeit im Rahmen der Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“. Lineares Fernsehen schaue ich schon lange nicht mehr, doch war der Film in YouTube vorhanden.


Ich finde das Zunftzeichen prima. Eines der letzten Familienbetriebe in der Münchner Fußgängerzone zeigt mit diesem vergoldeten Zylinder Flagge. Das ist gut so und meine Gratulation an die Familie Breiter.

Adieu Tivoli

21. Dezember 2010

Ich gehe gerne ins Kino, sehr gerne. Der Gang in das Lichtspieltheater hat etwas Magisches. Es ist der Eintritt in eine fremde Welt, in eine Welt der Illusion. Hier werden die Geschichten der Moderne erzählt.

In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck haben die großen Kinos geschlossen. Das Capitol und die Amper Lichtspiele wurden geschlossen. Jetzt geht das große Kinosterben in der Landeshauptstadt München weiter. Zum Jahreswechsel schließt das Tivoli-Kino in der Fußgängerzone. Das Kino wurde 1959 eröffnet als München noch 130 Kinos hatte. Nun sind es nur noch 30 und bald noch eines weniger. Das Tivoli in der Neuhauser Straße war kein Krawall-Kino in denen US-Massenware aus Hollywood lief. Es war auch kein Kunstkino in dem Autorenfilme der alten Zeit über die Leinwand flimmerten. Es war eine schöne Mischung von Kunst- und Publikumsfilme, die in dem 50er Jahre Ambiente liefen.

Heute können die Betreiber die Pacht für die Räume nicht mehr leisten, trotz Zuschüsse des Freistaats. Es wurde in den vergangenen Jahren nur die Betriebskosten bezahlt, die Pacht blieb man schuldig. In Zahlen bedeutet dies 300.000 Euro pro Jahr.

Das Tivoli ist kein Multiplex und kann auch mit den Multilex-Komplexen nicht konkurrieren. Das Tivoli wollte dies nicht. Aber auch eine geänderte Verwertungskette Film bricht dem Tivoli den Hals. Die Filme laufen nur noch kurz im Kino, durch Filmpiraterie und Web bleiben die Zuschauer weg und zudem werden die gezeigten Filme schnell auf DVD veröffentlicht und in der Glotze gezeigt. Am 6. Januar 2011 ist Schluss mit Kino, dann zieht Douglas in zwei Etagen ein.

Meine persönlichste Erinnerung an das Tivoli war eine Vorführung von Loriots „Papa ante Portas“. Das Kino war schlecht besucht und ich wollte noch etwas zum Naschen besorgen. An der Kasse traf ich zwei Ikonen: Heinz Rühmann und Victor von Bülow alias Loriot. Diese beiden großen Männer des deutschen Films standen hinter mir in der Reihe. ich sprach sie an und danke vor allem Loriot für sein Werk. Rühmann nickte nur, während Loriot ein paar freundliche Worte mit mir wechselte. Danke für diese Begegnung, danke für das Tivoli. Danke für das Kino.

Weihnachtsshopping im Netz

16. November 2010

Weihnachten kommt, das ist gewiss. Und dieses Jahr liegt der Heilige Abend völlig zu meiner Überraschung am 24. Dezember. Also knapp etwas über einen halben Monat Zeit die Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Das ganze Jahr habe ich eine Liste geführt und nun wird eingekauft.

Doch wo wird eingekauft? Ich liebe Shoppen, Klamotten anprobieren, hier und dahin zu laufen und mich beraten zu lassen. Doch auf den Trubel in der Landeshauptstadt München hab ich keine Lust. Ich mag mich nicht durch überfüllte Fußgängerzonen odre Kaufhäuser quälen oder mich mit genervten Verkäufern herumschlagen, die ihren Beruf nur als Job verstehen. Ich kaufe, wie die Jahre zuvor auch, im Internet.

Und auch da bin ich nicht allein, wie jetzt der Branchenverband BITKOM feststellte. Etwa 22 Millionen Deutsche werden in diesem Jahr Weihnachtsgeschenke im Internet kaufen. Das sind 57 Prozent mehr als im Vorjahr und entspricht knapp jedem dritten Bundesbürger ab 14 Jahren. Hinzu kommen weitere 17 Millionen, die Interesse am Online-Kauf von Präsenten haben, aber noch unentschlossen sind. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM.

Vor allem junge Menschen ordern ihre Weihnachtsgeschenke im Netz. In der Altersgruppe von 14 bis 29 Jahren gehen 44 Prozent im Internet auf Shopping-Tour. Auch jeder siebte Senior ab 65 Jahren kauft im Web ein (14 Prozent). Kleinere Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern: Während 33 Prozent der Männer Präsente im Web ordern wollen, sind es bei den Frauen 29 Prozent. Überdurchschnittlich häufig kaufen Angestellte Weihnachtsgeschenke im Web (41 Prozent), bei den Arbeitern sind es lediglich 29 Prozent.

Das passt zu einer Meldung von mir, dass die Geschäfte ins Web wandern. Wer nicht bei seinen Kunden online ist, der versäumt sein Geschäft und das Geschäft der Zukunft. Verraten wird allerdings nichts, was ich denn zu Weihnachten kaufe. Nur soviel: Die Gattin und ich haben ausgemacht, dass es bei uns nur was Kleines werden wird. Nun ja, ein Diamantring kann auch recht klein sein.

 

iPad: Angelogen im O2-Shop

3. August 2010

Ich habe ein iPad 3G und nun will ich endlich eine UMTS-Karte. WLAN ist fein, aber ich bin oft unterwegs und will nicht immer Mails umständlich am iPhone tippen. Und: Ich hab die Nase voll vom Tarifdschungel und hab mich am vorbildlichen Blog des iPad-Spezialisten Michael Krimmer orientiert.

Mein Beschluss steht fest: Ich nehm den Datentarif Blue M von O2. 1 GByte an Daten reicht aus – lässig. Und ich finde es grundsätzlich besser, im Real Life Sachen zu kaufen, wenn die Beratung stimmt. Da ich in der Landeshauptstadt München Kunden besuchte, stattete ich zwei O2-Läden einen Besuch ab. Gleich vorab: Und ich werde nie wieder diese Läden betreten – nie wieder. Bei beiden Läden wollten die Betreiber zum Schluss eine Anschlussgebühr in Höhe von 25 Euro. Auf der Website von O2 steht davon nichts. Eine Dame im Shop in der Münchner Fußgängerzone begründete diese 25 Euro mit den Worten: „Sie können die Karte dann gleich mitnehmen und im Internet müssen Sie zwei, drei Wochen darauf warten.“

Das war einfach nur gelogen. Die Website von O2 meldete mir, dass ich die Karte in zwei bis drei Werktagen bekomme. Eiskalt hatte mich diese Kundenberaterin angelogen. Das ist absolut schlechtes Geschäftsverhalten. Ich habe im Netz bestellt und siehe da – innerhalb von zwei Tagen war die Karte per DHL da.

Ich hatte ja immer schon den Verdacht, dass so mancher Betreiber von TK-Läden nicht ganz koscher sind, aber so eine dreiste Lüge ist mir noch nie vorgekommen. Jetzt bin ich durch meine berufliche Vergangenheit ein technisch interessierter Kunde, doch einem Laien wie meinen Vater zieht dieser Laden nur das Geld aus der Tasche. Ich fordere den Laden auf: Hängt das Schild mit der Aufschrift „Beratung“ sofort ab.

Aber ganz so einfach macht es O2-Online mit seinen Kunden nicht. Google lieferte mir die Bestellseite für den Datentarif, diese lässt sich allerdings nicht mit dem iPad bedienen. Das ist meiner Meinung nach Schrott. Wenn ich schon Datentarife für das Apple Device anbiete, muss die Seite auch über das Device zu bedienen sein. Aber so ist es einfach lächerlich und zeigt einfach meiner Meinung nach: Ihr seid nur an meinem Geld interessiert, Service ist nicht das Ding.

Also dann eben die Bestellung am MacBook. Und auch schon der nächste Hammer. Im Bestellprozess kreuzt das System an, dass ich einverstanden bin, dass mich o2 zuspamt und meine Daten speichert (für sechs Monate). Ist das eigentlich legal?

Aber ich habe alle Hürden umschifft und bin nun stolzer Besitzer einer UTMS-Karte und wenn mich O2 noch einmal ärgert, bin ich einfach weg. Ich löse mich quasi in Luft auf.

Buchstäblich: Werbung vor der Kirche

26. September 2008

Als Freund von Marketingideen freue ich mich immer über neue Maßnahmen. Interessant war eine Diskussion, die vor kurzem in der Münchner Fußgängerzone stattfand. Hier steht die St. Michaelskirche in der Neuhauser Straße. Sie ist die größte Renaissancekirche in München und wurde zum Wegweiser des Barocks im süddeutschen Raum. Die St. Michaelskirche wird derzeit renoviert und wir wissen: die katholische Kirche ist Geld gegenüber nicht abgeneigt. Also hängte man vor die zu renovierende Fassade eine große Plane. Darauf war eine Werbung eines privaten TV-Senders zu sehen. Hier wird für die Disney Camp Rock geworben, das in Pro 7 läuft. Ein älteres Ehepaar schaute sich das Plakat an und fing an über Sinn und Unsinn zu diskutieren. Interessanterweise gab es keine Debatte, ob man Werbung vor eine Kirchefassade hängen darf oder nicht, sondern was so ein Plakat der Kirche wohl bringt. Nun die Höhe der Einnahmen kenne ich auch nicht. Die Marketingidee ist gelungen. Ich habe aber gemerkt, wie mich die Kommerzialisierung dennoch getroffen hat. Eine Kirche mit Pro 7-Werbung? Wie wäre es denn, wenn man die Gebetsbücher mit Küchenrezepten von Dr. Oekter ausstattet? Oder im Altarraum ein Leuchtlaufband aufstellt und für Coke Werbung macht? Wir können auf jeden Fall froh sein, dass in Pro 7 nicht „Das Omen“ oder „Exorzist“ läuft. Hier würde die Werbung zumindest zum Thema passen.