Adieu Tivoli

Ich gehe gerne ins Kino, sehr gerne. Der Gang in das Lichtspieltheater hat etwas Magisches. Es ist der Eintritt in eine fremde Welt, in eine Welt der Illusion. Hier werden die Geschichten der Moderne erzählt.

In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck haben die großen Kinos geschlossen. Das Capitol und die Amper Lichtspiele wurden geschlossen. Jetzt geht das große Kinosterben in der Landeshauptstadt München weiter. Zum Jahreswechsel schließt das Tivoli-Kino in der Fußgängerzone. Das Kino wurde 1959 eröffnet als München noch 130 Kinos hatte. Nun sind es nur noch 30 und bald noch eines weniger. Das Tivoli in der Neuhauser Straße war kein Krawall-Kino in denen US-Massenware aus Hollywood lief. Es war auch kein Kunstkino in dem Autorenfilme der alten Zeit über die Leinwand flimmerten. Es war eine schöne Mischung von Kunst- und Publikumsfilme, die in dem 50er Jahre Ambiente liefen.

Heute können die Betreiber die Pacht für die Räume nicht mehr leisten, trotz Zuschüsse des Freistaats. Es wurde in den vergangenen Jahren nur die Betriebskosten bezahlt, die Pacht blieb man schuldig. In Zahlen bedeutet dies 300.000 Euro pro Jahr.

Das Tivoli ist kein Multiplex und kann auch mit den Multilex-Komplexen nicht konkurrieren. Das Tivoli wollte dies nicht. Aber auch eine geänderte Verwertungskette Film bricht dem Tivoli den Hals. Die Filme laufen nur noch kurz im Kino, durch Filmpiraterie und Web bleiben die Zuschauer weg und zudem werden die gezeigten Filme schnell auf DVD veröffentlicht und in der Glotze gezeigt. Am 6. Januar 2011 ist Schluss mit Kino, dann zieht Douglas in zwei Etagen ein.

Meine persönlichste Erinnerung an das Tivoli war eine Vorführung von Loriots „Papa ante Portas“. Das Kino war schlecht besucht und ich wollte noch etwas zum Naschen besorgen. An der Kasse traf ich zwei Ikonen: Heinz Rühmann und Victor von Bülow alias Loriot. Diese beiden großen Männer des deutschen Films standen hinter mir in der Reihe. ich sprach sie an und danke vor allem Loriot für sein Werk. Rühmann nickte nur, während Loriot ein paar freundliche Worte mit mir wechselte. Danke für diese Begegnung, danke für das Tivoli. Danke für das Kino.

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2 Antworten to “Adieu Tivoli”

  1. coke4all Says:

    tja … ich kann nichts trauriges daran finden. Gegen ein Erlebnis wie das Treffen von Rühmann und Bülow kommt natürlich kein negatives Argument mehr an — was immer man negatives gegen diese Kino sagen mag, wiegt natürlich nicht eine solche positive Erinnerung auf.

    Meine Erinnerungen an das Tivoli gehen bis ins Jahr 1983 zurück, damals mit der Klasse „Die Weiße Rose“ angeschaut … und schon damals war das Kino eigentlich nur furchtbar. Dieser Eindruck hat sich auch bei keinem der wenigen weiteren Besuche geändert. Ein Kinogang soll — besonders bei diesen Preisen — ein Erlebnis sein. Im Tivoli war es eigentlich immer nur eine Qual.

    Dass einzig traurige ist, dass nun Douglas dort einzieht. Der wievielte ist das nun in der Fußgängerzone?

  2. Seakino Says:

    @coke4all: Ist jetzt nur die Frage warum du das Tivoli-Kino als Qual bezeichnest.
    Einfach irgend einen negativen Kommentar zu schreiben ohne Begründung, warum du so ein Erlebnis hattest ist ziemlich sinnlos.

    Ich betraue die Schließung sehr, ist es ein einzigartiges Schmuckstück in der Kinolandschaft.
    Das Kino besitzt einen unglaublich tollen Charme, trotz seines Alters besitzt es eine absolut top Technik, super Ton- und Bildqualität, die Sitze sind ebenso äußerst bequem.
    Die Filme waren immer gut – wobei das Kino diese ja nur abspielt und nicht selber produziert 😉

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