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Dropkick Murphys in München: Wenn Punkrock nach Schweiß, Herz und Freiheit klingt

8. Juli 2026

Es gibt Konzerte, bei denen man Musik hört. Und es gibt Konzerte, bei denen man sich danach fühlt, als hätte einem jemand das Herz einmal kräftig durchgeschüttelt, abgestaubt und wieder an den richtigen Platz gesetzt. Der Auftritt der Dropkick Murphys am 30. Juni 2026 in der Musik-Arena des Tollwood Sommerfestivals in München gehörte eindeutig zur zweiten Sorte. Schon vor dem ersten Ton lag dieses besondere Knistern in der Luft: ein Gemisch aus Vorfreude, Bierbecher, Bandshirts, Sommerabend und der stillen Gewissheit, dass hier gleich keine bloße Show beginnen würde, sondern ein kollektiver Ausbruch.

Die Dropkick Murphys sind keine Band, die höflich anklopft. Sie treten die Tür ein, nehmen dich am Kragen und ziehen dich mitten hinein in ihren wilden Kosmos aus Punkrock, irischem Folk, Arbeiterstolz, Trotz, Melancholie und unbändiger Lebensfreude. Genau das passierte auch auf dem Tollwood. Die Musik-Arena wurde nicht einfach bespielt, sie wurde übernommen. Vom ersten Moment an war da dieser Druck, dieses Rollen, dieses Stampfen: Gitarren wie offene Stromleitungen, Schlagzeug wie Maschinenraum, Dudelsack und Folk-Melodien wie der Ruf einer alten, widerspenstigen Seele. Und der Auftritt war ein massives Statement gegen Trump, denn die Band stammt nicht aus Irland oder Schottland, sondern aus den USA. Punkrock-Band kommt aus Boston, die seit den 1990er Jahren irische Folk-Tradition mit harter Punk-Energie verbindet. Dudelsack, Mandoline, treibende Gitarren und raue Chöre prägen ihren unverwechselbaren Sound. Ihre Musik klingt nach Kneipe, Arbeiterstolz, Rebellion und Gemeinschaft.

München bekam an diesem Abend keine weichgespülte Festivalunterhaltung, sondern eine Band, die immer noch weiß, woher sie kommt. Ihre Songs tragen Narben, aber sie verstecken sie nicht. Sie feiern sie. Und genau deshalb funktioniert diese Musik live so überwältigend. Wenn Tausende Stimmen gemeinsam brüllen, singen, lachen und schwitzen, wird aus einem Konzert plötzlich eine Gemeinschaft auf Zeit. Für ein paar Stunden sind Alter, Beruf, Alltag und Sorgen egal. Da stehen Menschen nebeneinander, die sich nicht kennen, und singen, als hätten sie ihr Leben lang auf diesen Moment gewartet.

Besonders stark war dieser Wechsel zwischen brachialer Energie und sentimentaler Wucht. Die Dropkick Murphys können prügeln, ohne stumpf zu werden. Sie können Pathos, ohne peinlich zu wirken. Sie können Melodie, ohne ihre Kanten abzuschleifen. In solchen Momenten verwandelte sich das Tollwood-Zelt in eine einzige bebende Bewegung.

Gerade in München passte dieser Auftritt erstaunlich gut. Das Tollwood ist ohnehin ein Ort, an dem Kultur, Haltung und Lebensfreude zusammenkommen. Die Dropkick Murphys brachten dazu den Soundtrack der Aufrechten mit: laut, kämpferisch, emotional und doch voller Wärme. Man spürte: Diese Band spielt nicht von oben herab. Sie spielt auf Augenhöhe. Sie spielt für die Leute, nicht nur vor den Leuten. Das aktuelle Motto „For the People“ war deshalb mehr als ein Albumtitel oder Konzertversprechen. Es war der Kern dieses Abends.

Natürlich ist diese Musik nicht fein ziseliert, nicht elegant, nicht zurückhaltend. Sie will es auch gar nicht sein. Sie ist ein Faustschlag auf den Tresen, eine Umarmung im Gedränge, ein Chor aus heiseren Kehlen. Wer hier Perfektion im klinischen Sinn suchte, war am falschen Ort. Wer aber erleben wollte, wie lebendig Rockmusik sein kann, wenn sie nicht glattgebügelt wird, bekam einen Abend, der lange nachhallt.

Am Ende blieb dieses seltene Gefühl zurück, das gute Konzerte auslösen können: Man geht hinaus in die Nacht und ist ein bisschen erschöpft, ein bisschen taub, aber innerlich heller als vorher. Und man hat Lust auf ein kaltes Bier. Die Dropkick Murphys haben München nicht einfach besucht. Sie haben das Tollwood für einen Abend in eine irisch-amerikanische Punkrock-Kathedrale verwandelt. Laut, ehrlich, sentimental, kämpferisch — und voller Herz. Mir hat es gefallen.

Der letzte große Blues: Eric Claptons leiser Abschied in München

22. Mai 2026

Ich war sehr gespannt, denn ich wollte Eric Slowhand Clapton endlich mal live erleben. Ich bin Clapton-Fan der Zeiten der Yardbirds, Cream, Blind Faith, Derek and the Dominos, aber auch einiger Solo-Blues-Scheiben. Also für großen Taler eine Eintrittskarte eine Karte für die Olympia-Halle gekauft und das letzte Konzert der Tour auf dem Festland angeschaut.

Vorband war ein ausgezeichneter Andy Fairweather Low, der schon lange mit Clapton und auch Roger Waters spielt. Tadelloser Mann.
Als Eric Clapton die Bühne der Münchner Olympiahalle betrat, lag sofort diese eigentümliche Spannung im Raum, die nur Musiker erzeugen können, die längst größer geworden sind als ihre Songs. Achtzig Jahre alt ist Clapton inzwischen, gezeichnet von Krankheiten, Rückenschmerzen und jener Müdigkeit, die man bei vielen seiner Generation nicht mehr übersehen kann – und doch steht da noch immer dieser Mann mit der Stratocaster, der für mehrere Generationen der Inbegriff des eleganten Bluesrocks geblieben ist. Schon der erste Ton machte klar: Hier geht es nicht mehr um Spektakel. Nicht um gigantische Bühnenbilder oder die verzweifelte Jagd nach Jugendlichkeit. Clapton spielte in München kein Konzert, er zelebrierte ein musikalisches Vermächtnis.

Und genau darin lag die Größe dieses Abends – aber auch seine Schwäche. Denn emotional war das Konzert stellenweise überwältigend. Wenn Clapton in „Tears in Heaven“ jede Note beinahe vorsichtig anschlug, schien die riesige Halle plötzlich still zu atmen. Da war keine pathetische Inszenierung, keine kalkulierte Sentimentalität. Nur diese fragile Stimme, die längst brüchig geworden ist und gerade deshalb glaubwürdig wirkt. Man hörte einem alten Mann zu, der nicht mehr versucht, gegen die Zeit anzusingen. Diese Ehrlichkeit hatte etwas Berührendes. Viele Künstler altern auf der Bühne peinlich. Clapton altert sichtbar – und gerade dadurch würdevoll.

Auch musikalisch blieb er in vielen Momenten unerreichbar. Seine Soli wirkten nie protzig, nie eitel. Während andere Gitarrenhelden ihres Formats jeden Song zur Technikdemonstration aufblasen, spielte Clapton reduziert, fast stoisch. Gerade bei Bluesstücken zeigte sich, warum sein Spitzname „Slowhand“ bis heute funktioniert: Er braucht keine Geschwindigkeit, um Intensität zu erzeugen. Jede Phrase saß. Jeder Bend erzählte mehr als ganze Alben jüngerer Virtuosen. Aber die Zeiten von Clapton is God sind vorbei.

Und dennoch blieb nach knapp zwei Stunden ein seltsamer Beigeschmack zurück. Denn so meisterhaft das Konzert klang, so wenig Risiko steckte darin. Die Setlist wirkte über weite Strecken wie ein routinierter Rückblick auf ein Lebenswerk, das man längst auswendig kennt. Natürlich jubelte die Halle bei „Layla“, natürlich funktionierten „Golden Ring“ oder „Cocaine“ noch immer. Aber genau darin lag das Problem: Vieles fühlte sich beinahe zu perfekt eingeübt an, zu kontrolliert, zu sicher. Man spürte selten echte Überraschung oder spontane Explosionen. Clapton spielte wie jemand, der nichts mehr beweisen muss – was menschlich verständlich ist, musikalisch aber manchmal etwas steril wirkte.

Besonders auffällig war dabei die Distanz zum Publikum. Clapton sprach kaum, lächelte selten, ließ Song auf Song folgen. Während andere Altmeister ihre Konzerte inzwischen fast wie autobiografische Erzählungen gestalten, blieb er kühl und zurückgenommen. Vielleicht hat Clapton dies von seinem alten Kumpel Dylan gelernt, der keine Silbe auf der Bühne äußert. Das kann man als britische Noblesse interpretieren. Man kann es aber auch als emotionale Barriere empfinden. Die Olympiahalle feierte ihn bedingungslos, doch zwischen Bühne und Publikum entstand nie ganz jene magische Nähe, die große Konzerte unvergesslich macht.

Vielleicht liegt genau darin mittlerweile die Tragik Eric Claptons. Er ist einer der letzten Giganten seiner Epoche, aber seine Musik wirkt heute oft wie aus einer anderen Zeit konserviert. Der Blues, den er spielt, besitzt Würde, Wärme und handwerkliche Vollkommenheit – aber manchmal fehlt ihm die Dringlichkeit. Der Schmerz ist noch da, die Wut nicht mehr. Selbst die stärkeren elektrischen Momente blieben kontrolliert, beinahe geschniegelt. Nichts geriet außer Kontrolle. Nichts brannte wirklich.

Und trotzdem: Als am Ende die letzten Akkorde verklungen waren, erhob sich die Olympiahalle beinahe geschlossen. Nicht nur aus Begeisterung, sondern auch aus Respekt. Man applaudierte nicht einfach einem Konzert, sondern einem Musiker, dessen Karriere seit mehr als einem halben Jahrhundert Teil der Rockgeschichte ist. Vielleicht war dieser Abend deshalb weniger ein Triumph als ein melancholischer Abschied von einer Ära. Eric Clapton zeigte in München keinen jungen, wilden Bluesrocker mehr. Er zeigte einen alten Meister, der gelernt hat, mit leisen Tönen zu altern.

Und genau deshalb wird dieses Konzert vielen länger im Gedächtnis bleiben als manch lautere, spektakulärere Show. Ich war dankbar ihn nochmal gesehen zu haben und das war mir sehr wichtig.