Kritik: Bob Dylan in der Frankenhalle Nürnberg 2018

Ich weiß selbst nicht mehr, das wievielte Konzert von Bob Dylan ich nun gesehen habe. Es waren viele. Ich habe gute und schlechte gesehen, das Konzert in der Nürnberger Frankenhalle am 22. April 2018 war auf jeden Fall eines der guten, der sehr guten sogar. 

Der jährliche Bob Dylan  für mich - dieses Mal in der Nürnberger Frankenhalle.

Der jährliche Bob Dylan für mich – dieses Mal in der Nürnberger Frankenhalle.

Bob Dylan war befand sich mal wieder auf seiner Never Ending Tour, machte in Nürnberg Station und ich war mal wieder dabei. Gerade Nürnberg und zwei Tage nach dem Geburtstag von Hitler. Hatte ich erwartet, dass er Statements zu den Zuständen in Deutschland abgibt? Natürlich nicht, Dylan sagte wie immer kein Word. 1978 wurde ihm auf der Bühne auf dem Zeppelinfeld bewusst, an welchem historischem Platz er sich befand. Ich sah ihn 1987 schlecht gelaunt mit Tom Petty und Kollegen in der Frankenhalle und nun wieder in der Frankenhalle. Und es war ein wundervoller Abend mit dem Song and Danceman. 

Tolle Bühne, tolle Atmosphäre und Bob Dylan in weißen Cowboystiefeln.

Tolle Bühne, tolle Atmosphäre und Bob Dylan in weißen Cowboystiefeln.

Und ich traf sie wieder die Dylanologen, die jede Interpretation von His Bobness kritisch würdigen. Und ja, ich bin auch so einer – und ich bin genervt von dem fränkischen Ehepaar neben mir, die eine Best of-Show hören wollten und ein typisches Dylan-Konzert bekam. Sie verstanden die Welt nicht mehr, obwohl sich die Übelkrähe Dylan alle Mühe gab. Er sang sich in unsere Herzen. 

Fans auf dem Weg zur Frankenhalle, in der Bob Dylan gastiert.

Fans auf dem Weg zur Frankenhalle, in der Bob Dylan gastiert.

Bob Dylan öffnete sein American Songbook, wobei er unendliche viele Songs in dieses Songbook eingetragen hatte. Dylan spielte einige seiner Klassiker, aber grundsätzlich in einer neuen Interpretation. Ich genoss die großen Meilensteine, die von seiner exzellenten Band interpretiert wurden. Oh Mann, war diese Begleitmannschaft gut. Jeder hatte seinen Platz und achtete auf die Weisungen des Meisters. Und wehe wenn sie losgelassen wird – dann rockt die biedere Frankenhalle. Kommandos an die Band kamen über kurze Handzeichen, oftmals reichte ein Blick, ein Nicken aus und die Band wusste, was der Meister will. Dylan selbst war in Bewegung. Der fast 77järhige wechselte zwischen Klavier und Standmikrophon hin und her. Keine Gitarre, kein Gepruste mit der Mundharmonika. Und er sah so cool aus, wenn er das Mikrophon in seinen Arm wiegte, fast zärtlich und den anderen Arm in die Hüfte gestemmt. Bob Dylan, du bist einfach eine coole Sau und wenn du die Songs aus dem American Songbook anstimmst, dann liegt dir das Publikum in der Frankenhalle zu Füßen. Hier wird vom Dylan-Publikum nicht mitgesungen wie bei den Klassikern, sondern hier wird ehrfürchtig gelauscht. Nobody sings Dylan like Dylan hieß es früher einmal. Jetzt muss es heißen: Nobody sings Sinatra like Dylan. 

Die Bühne selbst war spartanisch. Vorhang und Schweinwerfer, die mal reduziert, mal aufgeblendet für gute Atmosphäre sorgen. Keine Lightshow, kein Columbia Recording Artists – nein Bob Dylan legt auf Reduktion Wert. Die Show wird immer minimaler. Die Musiker sind in schwarze Anzüge gekleidet, nur Dylan setzt einen seltsamen Farbtupfer mit seinen weißen (!) Cowboystiefeln. Aber alles war in sich rund, in sich perfekt – und so wurde aus dem Abend Bob Dylan and his Band in der Frankenhalle Nürnberg ein perfekter Abend. Bis zum nächsten Mal Mr. Dylan.

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2 Antworten to “Kritik: Bob Dylan in der Frankenhalle Nürnberg 2018”

  1. Heike Says:

    keine Frage; Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben!

    Ich selbst, habe mich für das Konzert von Bob Dylan, in Leipzig, entschieden. Mit der Bahn angereist und einem guten Kaffee im Schlepptau, gelangte ich mit der Bahnlinie 4 bis zur Arena in Leipzig. 30 Minuten vor Konzertbeginn taten dies aber auch alle anderen 8000 Gäste und so wartete ich geduldig, in der Reihe, bis ich zum Bodycheck gelangte. Einmal eingelassen, trafen sich die Damen, im sozialistischen Wartekollektiv, vor der Damentoilette, wieder. Überglücklich meinen Platz gefunden zu haben, setzte ich mich auf meinen Plastikstuhl und fühlte mich wie ein Hering in der Dose bevor man Ihm die Augen zu drückt. Hier könnte man nun fragen, warum ich mir keinen besseren Platz gewählt habe? Ging leider nicht, direkt beim Veranstalter die Karte bestellt, galt die alte Devise, „Bitte warten Sie werden platziert“!
    Beim Rückruf des Veranstalters, hatte ich um die beste Bassline gebeten und das war, in diesem Konzert, neben dem Schlagzeugsolo, eines meiner Highlights.
    Das Konzert begann und mit der schnelleren, überarbeiteten Version dieser Never-Ending Tour konnte ich mich mehr als anfreunden. Nur mein Nachbar nicht! Fast am Ende des ersten Songs, frug er mich „ ist Bob schon auf der Bühne“?
    Ich selbts schlug mich, zu dieser Zeit, mit der Frage herum, was nur nimmt Bob Dylan zum spielen seines Klaviers? Einen Vorschlaghammer? Noch nie habe ich einen derart harten Anschlag in seinen Konzerten erlebt. Um ehrlich zu sein, ich verließ die lauten Klänge und verlagerte mich auf Rhythmus und Harmonie. Von da an wurde das Konzert ein Erlebnis. Das Vorbild für die Intros wollte ich gewesen sein, getragen auf Wolke 7, gelangte man mühelos von einem Song in den anderen, wenn ja wenn die Konzertfreundin hinter mir nicht der Überzeugung gewesen wäre, alles auf Ihren Videospeicher bannen zu müssen.
    Mein Resümee, ich bin ein Freund der leiseren Töne!
    So verließ ich den Treibsand um Leipzig, nicht um zu jubilieren, doch in Verona sollte ich triumphieren!!!

  2. jakobswegohnegeld Says:

    In the valley below

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