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Peer Gynt im Scala Kino: Wenn Klassik zum Kinoerlebnis wird

29. Juni 2026

Ein Starter Start in eine neue Form eines Kulturangebots im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Im Vorfeld der Kulturnacht verwandelte sich das Kino im Rahmen des Projekts „Klassik im Kino“ in eine Konzertbühne für das musikalische Märchen „Peer Gynt“.

Präsentiert wurde das Programm vom Duo Klaviolino mit Oleksandra Zabolotna (Geige) und Kateryna Byelousowa (Klavier). Grundlage des Abends ist die berühmte Schauspielmusik von Edvard Grieg nach Motiven des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Hier die Aufzeichnung der Veranstaltung.

Peer Gynt ist eine Geschichte voller Sehnsucht, Traum und Verlorenheit. Zwischen norwegischen Bergen, dunklen Wäldern und geheimnisvollen Gestalten sucht Peer nach dem großen Leben, nach Ruhm, Freiheit und sich selbst. Doch je weiter ihn seine Abenteuer tragen, desto deutlicher wird, dass der eigentliche Zauber nicht in der Ferne liegt, sondern in der Treue eines Herzens, das auf ihn wartet. Solveig wird dabei zur stillen, leuchtenden Kraft dieser Erzählung: Sie liebt nicht laut, nicht fordernd, sondern mit einer Geduld, die stärker ist als Zeit und Irrtum. In ihrer Liebe findet Peer am Ende das, was er sein Leben lang gesucht hat – Geborgenheit, Vergebung und die zarte Gewissheit, dass ein Mensch erst dort wirklich ankommt, wo er geliebt wird. Griegs Musik verleiht dieser romantischen Reise eine unvergleichliche Schönheit: mal hell wie ein Sonnenaufgang über den Fjorden, mal geheimnisvoll wie ein Märchen aus der Tiefe der Nacht, mal innig wie ein letzter Blick zurück auf ein versäumtes Glück.
Durch die Verbindung von Live-Musik und erzählter Handlung entstand ein atmosphärisches Konzerterlebnis, das klassische Musik auch für Menschen zugänglich machte, die bisher wenig Berührung mit diesem Genre hatten.


Die nächste Aufführung soll die Zauberflöte am 26./27 September sein. Hier mal ein Unboxing der klassischen Vinyl-Ausgabe.

Peer Gynt passt ideal in die Populäre Musik. Hier mal ein paar Beispiele, die mir eingefallen sind: Gerade „In der Halle des Bergkönigs“ so beliebt: Das Stück funktioniert wie ein perfektes Rockprinzip: ein einfaches Riff, ständige Wiederholung, wachsender Druck, steigendes Tempo, immer mehr Lautstärke. Genau das macht auch viele Rocksongs stark. Man kann es als musikalische Verfolgungsjagd hören – Peer gerät immer tiefer in die Welt der Trolle, und die Musik verliert Schritt für Schritt die Kontrolle.

Electric Light Orchestra – „In the Hall of the Mountain King“
ELO nahm Griegs Thema auf dem Album On the Third Day auf und machte daraus eine typische Siebziger-Jahre-Mischung aus Rockband, Streichern und klassischem Pathos. Besonders reizvoll: Das Stück wirkt bei ELO weniger wie reine Klassik, sondern wie ein düsterer Progressive-Rock-Ritt mit Orchesterdramaturgie.

Savatage – „Prelude to Madness“ / „Hall of the Mountain King“
Die US-Metal-Band Savatage veröffentlichte 1987 das Album Hall of the Mountain King. Das Instrumental „Prelude to Madness“ greift Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ direkt auf und führt in den Titelsong über. Hier wird Peer Gynt endgültig heavy: bedrohlich, theatralisch, mit Metal-Gitarren und dunkler Fantasy-Atmosphäre.

The Who – „Hall of the Mountain King“
Auch The Who spielten mit dem Grieg-Motiv. Ihre Version zeigt, wie gut das Thema in den Rock der Sechziger passt: ein klassisches Motiv, das durch Gitarren, Schlagzeug und Bandenergie plötzlich frecher und roher wirkt.

Rainbow / Ritchie Blackmore – klassische Anklänge
Ritchie Blackmore war immer stark von klassischer Musik beeinflusst. Auch wenn nicht jedes Zitat direkt Peer Gynt ist, passt die Ästhetik: dramatische Läufe, barocke Gesten, dunkle Märchenstimmung. Gerade im Hardrock und frühen Metal ist Griegs Bergkönig fast ein Urbild für das bedrohlich-phantastische Riff.

Trent Reznor & Atticus Ross – „In the Hall of the Mountain King“
Nicht Rock im klassischen Sinne, aber wichtig für die moderne Rock- und Industrial-Ästhetik: Für The Social Network gestalteten Trent Reznor und Atticus Ross das Stück als kalte, elektronische, bedrohliche Version. Das zeigt, wie wandelbar Griegs Motiv ist – vom Trollreich bis in die digitale Gegenwart.

Erasure – „In the Hall of the Mountain King“
Auch im Synthpop wurde das Thema aufgegriffen. Erasure zeigt eine andere Lesart: weniger Gitarrenwucht, mehr elektronische Verspieltheit. Trotzdem bleibt die Grundidee dieselbe: ein Motiv, das sich steigert, antreibt und fast zwanghaft nach vorne drängt.