Posts Tagged ‘Single Malt’

Ardbeg Twenty Something Committee Release liegt vor

3. November 2017

Soll ich oder soll nicht? Mein Lieblingswhisky-Hersteller hat ein neues Getränk aufgelegt und ich bin mit mir im Ringen. Es kommt ein 23jähriger Single Malt aus dunkler Zeit daher und eigentlich muss ich ihn haben: Der Ardbeg Twenty Something Committee Release.
Das Getränk, das seit gestern auf dem Markt ist, reizt mich absolut, zudem es zu Ehren des Ardbeg Committees abgefüllt wurde, bei dem ich mit dabei bin. Ich kämpfe also mit mir.

Der Ardbeg Twenty Something Committee Release.

Der Ardbeg Twenty Something Committee Release.

Die Farbe des Ardbeg Twenty Something ist Altbronze. Der Geruch – süßer Holzrauch vermischt sich mit Vanillecreme, Sherrynoten, Aromen von brennenden Tannenzapfen und Schokolade. Am Gaumen setzt sich die reichhaltige Schokolade mit Vanilleschoten, getrocknete Früchte und etwas Fenchel fort. Der Nachhall ist lang und endet mit einem Hauch von Schärfe. Lecker und ich bin sehr neugierig.
Die Geschichte des Ardbeg Twenty Something ist einfach wunderbares Storytelling. Destilliert in der Brennblase, die heute Besucher im Hof der Ardbeg Destillerie begrüßt, in einer Zeit, als Ardbeg für immer verloren schien. Eine Phase mit fast komplett versiegter Produktion und ungewisser Zukunft. Trotz kalter Brennblasen und großer Stille in der Destillerie reifte der Single Malt im Warehouse und überdauerte diese dunkle Zeit. Der Beharrlichkeit einer kleinen Gruppe einheimischer Whisky-Enthusiasten damals ist es zu verdanken, dass Ardbeg gerettet wurde und bis heute besteht. Unter ihnen war auch ein junger Mann namens Mickey Heads, heute Ardbegs Destillerie-Manager. Ich habe im Frühjahr Mickey Heads gesprochen. Ich muss sagen, ein faszinierender Mann mit Geschmack.
Mickey Heads, Destillerie-Manager und Vorsitzender meines Ardbeg Committees sagt: „Der Ardbeg Twenty Something ist ein Blick zurück auf Ardbegs turbulente Vergangenheit und bestätigt eindrucksvoll, dass diese Destillerie niemals verschwinden darf.“ Ehemalige amerikanische Bourbon-Fässer und spanische Oloroso-Sherryfässer, ausgewählt von Bill Lumsden, Director of Distilling, Whisky Creation & Whisky Stocks bei Ardbeg, liefern reiche und tiefe Geschmacksnoten mit einem unglaublich rauchig-seidigen Aroma.
Wisst ihr, weshalb ich dieses Mal nicht zuschlagen werde? Es ist der Preis. Die Flasche hat mit 480 Euro ihren Preis und so sehr es mich juckt. Dieses Mal bestelle ich nicht. Ich bleibe hart – oder vielleicht doch nicht …

Ardbeg An Oa – Single Malt 2017

15. September 2017

Whisky-Tasting ist immer ein Spaß – vor allem wenn ein Single Malt von Ardbeg in den Gläsern ist. Am 1. Oktober erscheint die neue Kreation Ardbeg mit dem ungewöhnlichen Namen An Oa. Ardbeg stellte mir vorab eine Probe zur Verfügung, die ich auch zugleich mit meinem Food-Blogger Kollegen Thomas Gerlach verköstigte. Das Resultat gibt es hier in diesem Video zu sehen.

Der „Mull of Oa“ ist der südwestliche Ausläufer der schottischen Hebrideninsel Islay, auf der ich immer noch nicht war. Der Ardbeg An Oa ist somit eine Hommage an diese Gegend, ich finde es eine schöne Idee. In einem ehemaligen Getreidespeicher der Ardbeg Destillerie eingerichtet, verfügt der neu erbaute Gathering Room über ein großes stehendes Holzfass aus feinster französischer Eiche. Hier wird der Arbeg An Oa zum Leben erweckt, wie Ardbeg in seiner Pressemitteilung schreibt. Partien wertvoller Pedro Ximénez Fässer vermischen sich mit der Würze aus neuen Eichenfässern sowie der typischen Ardbeg-Intensität ehemaliger Bourbon-Fässer. Soweit der Hintergrund des 46,6 prozentigen Getränks.
Viel wichtiger ist der Geschmack. Als Freund dieser Destillerie habe ich einige Ardbegs schon verkostet und war sehr neugierig auf den neuen Wurf. Nach der Verköstigung steht für mich fest: Gelungen, absolut gelungen und Ardbeg An Oa wird auch meiner Frau schmecken.

Ardbeg An Oa – offizielle Tasting Notes
Ich halte mich jetzt an den Waschzettel, der von Ardbeg versendet wurde. Hier also die offiziellen Tasting Notes:
An der Nase:
Rund, mit subtilem Apfelholzrauch, weichem Toffee, Anis, Melasse und Datteln. Noten von saftigen Früchten wie Pfirsich, dazu Banane. Mit einigen Tropfen Wasser die klassischen Ardbeg-Noten mit Limone, Pinienharz, Fenchel, Leder mit Seife und Teer. Ein leichter Wachsgeruch, wie von flüssigem Kerzenwachs, mit einem Hauch geräucherter Kräuter, insbesondere Oregano und Basilikum.
Am Gaumen:
Sanfte, cremige Textur, die zu einer großen Sirupsüße führt, mit Noten von Milchschokolade, Melassetoffee, Anis, Orange und Lapsang Souchong Rauchtee. Sanfte, süße Gewürze wie Muskat und Zimt, etwas Zigarrenrauch und sehr außergewöhnliche Aromen gegrillter Artischocken. Langanhaltend und süß, mit floralen Untertönen, Minztoffee und den leicht malzigen Noten eines Kekses.
Im Nachhall:
Anhaltend verführerisch, dezent dennoch intensiv, mit Aromen von Anis, Hickory- Rauch und dem Geruch eines Holzfeuers in der Ferne.

Ardbeg Day 2017 – Der Kampf des Lobsters um Ardbeg Kelpie

5. Juni 2017

Ardbeg Day 2017 – was ist das für eine Welt? Da fahre ich mit dem Zug 7,5 Stunden einfach nach Berlin, um mir am Ardbeg Day 2017 den Kampf zwischen einem Lobster und einem Meeresungeheuer namens Kelpie anzusehen. Zwei Männer in Monsterkostümen ringen, prügeln und stoßen sich in einem Ring in auf dem Veranstaltungsgelände von Greifswald und wir alle haben einen riesigen Spaß.


Ardbeg hatte zum diesjährigen Ardbeg Day nach Berlin eingeladen und die Freunde des torfigen schottischen Single Malt-Whiskys sind dem Ruf gefolgt, Während der Ardbeg Day 2016 bei fettem Sonnenschein in Hamburg stattfand, versammelte sich die Genießercommunity dieses Jahr in Berlin bei Regen. Das Wetter erinnerte ein wenig an Schottland und tat so der Stimmung keinen Schaden. Wer braucht schon Sonne bei den Erinnerungen an das ferne Schottland? Das Veranstaltungsgelände von Greifswald war ein ehemaliges Postlagerhaus und erinnert entfernt an die berühmte Destillerie auf Islay und war damit die ideale Partylocation.

Dr. Michael Homberg traf ich in Berlin.

Dr. Michael Homberg traf ich in Berlin.

Nun, was zieht man eigentlich zu so einem Event an? Schottland? Nun, dann musste natürlich Tweed her. Anders als viele Berliner, die im urbanen T-Shirt erschienen, wollte ich den Tag auch modisch würdigen. Also das neue Tweed-Jacket vom Herrenausstatter Felbinger aus Immenstadt angezogen. Ich liebe Tweed und Klaus Felbinger konnte einen wunderbar leichten Tweed-Stoff besorgen. Dazu klassisches weißes Hemd und gelbe Fliege. Ursprünglich wollte ich eine Tweed-Fliege tragen, aber die warm mir eindeutig zu warm. Also eine gelbe Seidenfliege, die natürlich eher nach Glenmorangie erinnert als an Ardbeg. Aber um 5:30 Uhr beim Aufstehen waren mir solche Überlegungen egal, denn ich musste den Zug nach Berlin erwischen. Alles hat geklappt. Fahrt mit dem übervollen ICE nach Berlin Gesundbrunnen. Ich hatte es versäumt zu reservieren und hatte Glück. Die alte Bahnregel gilt: Der erste Platz ist der richtige Platz. Und ich hatte wohl den letzten freien Platz im ICE und musste ihn erst in Berlin Hauptbahnhof räumen. Glück muss der Mensch haben. Die eine Station nach Gesundbrunnen konnte ich stehen. Dann weiter mit der S-Bahn zur Greifswalder Straße und bei Regen ein paar Hundert Meter zu Fuß.

Freundliche Damen begrüßten mich am Ardbeg Day

Freundliche Damen begrüßten mich am Ardbeg Day

Die Registrierung war auf jeden Fall schon ein Erlebnis. Grüngewandelte hübsche Damen mit geschminkten Meeresverzierungen im Gesicht empfingen die rund 500 Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum Einstand gab es ein Polariod-Foto mit den Damen und ein Tasting-Glas voller Ardbeg Ten. Schön zu sehen, wie jeder Teilnehmer mit seinem Bild aus der Sofortbildkamera wedelte – das Wedeln ist dann doch ein Relikt aus den achtziger Jahren, damit die Bilder sich schneller entwickeln. Heute eigentlich nicht mehr nötig, aber gewedelt wurde trotzdem und dazu schottisches Wasser des Lebens genossen.

Spieltag am Ardbeg Day
Das Ardbeg-Team hat eine ganze Reihe von Attraktionen vorbereitet. Es war im Grunde eine Art Spielplatz für Erwachsene. Man wurde in Teams eingeteilt, wie Kugelfisch oder Krabbe, und musste gegeneinander antreten. Ich hätte gerne das Team Hering gehabt, was es allerdings nicht gab. Da ich auf Einladung von Ardbeg an diesem Tag dabei sein durfte, war ich auch keinem Team zugeordnet, spielte allerdings auch fleißig mit – quasi außer Konkurrenz. Alle Spiele drehten sich um Kelpie, wobei sich die berechtigte Frage stellte: Was ist eigentlich dieser Kelpie? Was ist eigentlich daran, an den ganzen Mythen rund um Kelpie? Sicher ist, die neue Ardbeg Abfüllung Kelpie ist von einer mysteriösen Kreatur names Kelpie unter Wasser gerissen worden. Die Spiele dienten dazu, die neue Abfüllung aus den Fängen von Kelpie wieder an Land zu bringen. Und was macht man nicht alles, wenn man wunderbaren Ardbeg den ganzen Tag über genießen kann und der Pegel entsprechend steigt.


Doch Kelpie ist nicht so einfach einzufangen, denn dieses Wesen wird von fünf Wassergeistern und Ungeheuern beschützt. Außerdem kann Kelpie nur von seinem Erzfeind, dem Lobster, gefangen werden, da er als einziges Wesen nicht vom Zauber in den Bann gezogen wird. Klingt irgendwie logisch, wenn man einige Ardbeg intus hat. Um die Kräfte des Lobsters zu schonen und sie sogar noch zu steigern, machen die Teilnehmer des Ardbeg Days sich auf den Weg, um die fünf Ungeheuer zu bekämpfen. Folgende Spiele galt es zu absolvieren:

Dank an Tobias Russ von Ardbeg.

Dank an Tobias Russ von Ardbeg.

Trident Hanging am Ardbeg Day
Wenn Merman, halb Mann halb Fisch, seinen Dreizack durch die Lüfte schwingt, erzeugt er starke Stürme. Die Aufgabe: Ergreift seinen Dreizack und besiegt ihn. Zwei Personen aus unterschiedlichen Teams treten gegeneinander an. Wer sich am längsten am Dreizack festhält, gewinnt.

Skylla Wall am Ardbeg Day
Skylla, wunderschön und ungeheuerlich zugleich, ist niemals satt. Mit einem Ball müssen die geöffneten Mäuler ihrer Hundeköpfe getroffen werden. Zwei Personen aus unterschiedlichen Teams treten gegeneinander an. Jede Person hat fünf Würfe. Wer am meisten Löcher trifft, gewinnt.

Skylla Wall am Ardbeg Day

Skylla Wall am Ardbeg Day

Charybdis Labyrinth am Ardbeg Day
Wie Charybdis aussieht, weiß niemand, doch ihre Taten sind ungeheuerlich. In ihrem Sog zieht sie alle in die Tiefe. Es muss also dem Wasserwirbel ausgewichen werden. In teamübergreifender Zusammenarbeit muss der Ball von einem Ende des Labyrinths zum anderen geleitet werden, ohne im Wasserwirbel zu verschwinden.

Fishing Ships am Ardbeg Day
Cthulhu, im Wesen Krake, Mensch und Drache, ruht in der Tiefsee. Doch wenn er erwacht, ist niemand vor ihm sicher. Zwei Zweierteams treten gegeneinander an. Das Team, das die meisten Boote aus dem Wasser fischt, gewinnt. In meiner Jugend hieß das Entenfischen.

Nessie Memory am Ardbeg Day
Ob Nessie existiert, ist ungewiss. Drei Personen treten gegeneinander an und decken im Wechsel zwei Karten auf. Nach jedem Spielzug bleibt eine Karte offen liegen, die andere wird wieder umgedreht. Wer ein Kartenpaar offenlegt, nimmt die Karten aus dem Wasser heraus und ist nochmal an der Reihe. Das Team, welches Nessie-Paar findet, gewinnt.

Nessie Memory am Ardbeg Day

Nessie Memory am Ardbeg Day

Ardbeg Kelpie enthüllt
Ach ja und eigentlich ging es ja um den Ardbeg Kelpie. Am Abend wurde die Abfüllung enthüllt und jeder der zahlenden Gäste erhielt eine Flasche. Ardbeg Kelpie ist nach den legendären Wassergeistern benannt, die in den tiefen Gewässern rund um Ardbeg ihr Unwesen treiben. Die intensiven Aromen, die an öliges Torf, salzigen Seetang und teeriges Tauwerk erinnern, stammen von frischen Eichenfässern aus der Schwarzmeerregion, vermischt mit dem unverwechselbaren Geschmacksprofil von Ardbeg. Auf eine Woge schwarzen Pfeffers folgt ein herzhafter Schwall Speck und dunkle Schokolade. Unglaublich tief. Ab 12. Juni gibt es das Getränk offiziell zu kaufen.

Die Idee zum Ardbeg Kelpie


Der oberste Abfüllen von Ardbeg und Whisky Creator Bill Lumsden wanderte über das Gelände und sprach mit den Besuchern. Er wollte wissen, wie ihnen das neue Getränk mundete. Ich schnappte ihn mir gleich zum Interview und wollte von Bill Lumsden wissen, wie er denn auf die Idee zum Ardbeg Kelpie kam. Seine Antwort ist super interessant:

Ardbeg Twenty One – ich liebe Geschichten

18. September 2016
Bereit zum Tasting: Ardbeg Twenty One

Bereit zum Tasting: Ardbeg Twenty One

Ich trinke gerne schottischen Whisky. Aber ich mag nicht nur das Getränk, sondern ich mag auch die Geschichten hinter dem Getränk. Und damit mag ich die Ardbeg-Whiskys, die immer schöne Geschichten erzählen. Wie nun auch wieder bei der neuesten Abfüllung Ardbeg Twenty One.
Der 46prozentige Ardbeg Twenty One hat einen leichten Goldton und in der Nase kitzeln die Aromen von teerigem Rauch, Arbeg Eiskrem und schwarzen Pfeffer mit Kräuternoten. Der Geschmack ist ein Gedicht – es ist ein pfeffrig, prickelndes Gefühl mit Anklang von Lakritze, Holzkohle, Pfefferminze und Vanille. Ein Hauch von Gewürzen, der zu einem langen, beruhigenden Wiederhall nach Kohleteer, Anissamen und rauchiger Butter führt. Damit ein Single Malt aus dem Hause Ardbeg nach meinem Geschmack.
Aber dieser Ardbeg hat noch mehr, viel mehr zu bieten als den Geschmack. Dieser Ardbeg hat eine wunderbare Geschichte zu erzählen. Diese Geschichte begann vor 21 Jahren als die Destillerie in Schottland massive Schwierigkeiten hatte. Die Destillerie auf der abgelegenen schottischen Insel Islay war fast zum Erliegen gekommen. Das Geschäft lief nicht.
Trotz aller Widrigkeiten und finanzieller Probleme raufte sich eine Gruppe von Mitarbeitern zusammen und stellte ein paar Fässer für die Abfüllung ins Warehouse. Sie wollten mit dem Whisky ein Symbol setzen, den ungezähmten schottischen Geist der Destillerie am Leben erhalten. Unter den Mitarbeitern der junge Mickey Heads, der heute der Destillerie-Manager von Ardbeg ist.

Ab 21. September für 370 Euro erhältlich.

Ab 21. September für 370 Euro erhältlich.

Ardbeg überlebte. Die Glenmorangie Company stieg bei Ardbeg ein, übernahm die Destillerie und bewahrte Ardbeg vor dem Ende. Ardbeg nahm einen rasanten Aufschwung, setzte auf Vernetzung und Fans wie die 120000 Mitglieder des Ardbeg Committees und liefert wunderbaren Whisky. So war es an der Zeit, den Inhalt der Fässer vor 21 Jahren nun in Flaschen abzufüllen und eine limitierte Anzahl auf den Markt zu bringen. 370 Euro kostet der edle Tropfen und wird ab 21. September 2016 im Onlinestore von Ardbeg angeboten. Freilich bin ich dabei.
Mit meinem Kollegen und Foodblogger Thomas Gerlach habe ich ein Tasting durchgeführt – vielen Dank an Ardbeg für die kostbare Probe. Anbei das Tasting-Video:

Wasser des Lebens mit oder ohne e
Immer wieder bekomme ich Mails von Lesern des Blogs, die noch mehr Hintergründe zum Whisky haben wollen. Ich versuche einmal, die wichtigsten Fragen zu beantworten. Das Wort Whisky bedeutet so viel wie „Wasser des Lebens“. Es hat einen schottischen (beatha), als auch einen irisch-gälischen (uisce beatha) Ursprung. Und dann kam der Streit um den Buchstaben e. Heißt es nun Whisky oder Whiskey?
Bis zum 20. Jahrhunderts wurde das Destillat noch ohne e geschrieben. Dann kamen Brennereien aus dem irischen Dublin aus Marketinggründen auf die Idee ein e einzufügen, um sich von der schottischen Konkurrenz zu unterscheiden. Heute ist es so, dass es sich in Schottland und Kanada Whisky schreibt, während es in Irland und den Vereinigten Staaten Whiskey heißt. Die Amerikaner sind dabei nicht ganz so streng: Bei ihnen gelten beide Schreibweisen, je nach Tradition der Brennerei. Egal, ob mit oder ohne e, die Zutaten sind immer die gleichen: Getreide, Wasser und Hefe.
Die Regeln für Whisky sind streng. In den USA darf das Destillat als Whisky verkauft werden, wenn es mindestens zwei Jahre gereift ist. Die Schotten und Iren sind noch strenger, da müssen es mindestens drei Jahre sein. In der Regel reift Whisky aber viel, viel länger. Bei zehn bis 15 Jahren werden die meisten Whiskys für den Genießer interessant.

490.000 Euro für eine Flasche
Die Preise können auch schnell in die Höhe schießen. Der teuerste Whisky ist der Macallan M. Von ihm gibt es nur vier Flaschen. Das Getränk ist eine Mischung aus sieben Whiskys aus spanischen Sherry-Fässern. Die Whiskys wurden zwischen den 1940ern und 1990ern gebrannt. Eine von den vier Macallan M-Flaschen erzielte im Januar 2014 bei Sotheby’s in Hongkong die Rekordsumme von 628.000 US-Dollar (rund 490.000 Euro).

Whisky wird nach Herkunft und Produktion unterschieden.
Die Iren produzieren vier unterschiedliche Sorten ihres Whiskeys: Pure Pot Still Whiskey, Single Malt, Grain Whiskey und Blends. Irischer Whiskey wird in der Regel mit dem Pure Pot Still Whiskey verbunden, der aus gemälzter und ungemälzter Gerste hergestellt wird. Irische Blends sind eine Mischung aus Grain mit Pot Still und Single Malt. Der irische Whiskey ist in der Regel milder im Geschmack.
Bei den Schotten geht es torfiger zur Sache und die Vielfalt ist größer. Experten unterscheiden grundsätzlich zwischen Unblended Whiskys und Blended Whiskys. Bei Unblended Whiskys darf, wie es der Name schon sagt, nur eine einzige Getreidesorte verwendet werden. Einzig das Mischen von Destillaten aus einer einzigen Getreideart ist gestattet. Wohl am berühmtesten ist dabei der Single-Malt-Whisky. Blended Whiskys werden vom Blender gemischt, müssen aber gleichbleibende Qualität und damit den gleichen Geschmack haben.
In den USA wird gerne der Bourbon Whiskey getrunken. Sein Name stammt aus Bourbon County in Kentucky.

Die Sache mit dem Eis
Bis auf den amerikanischen Bourbon darf Whisky nicht mit Eis getrunken werden. Das Eis betäubt die Sinne und verändert den Geschmack. Das Wasser des Lebens schmeckt verwässert. Ich habe es selbst erlebt, dass US-Touristen vom Gelände einer schottischen Destillerie verwiesen wurden, weil sie für ihren Single Malt Eiswürfel haben wollten. Das gilt als Affront unter Whisky-Liebhabern.
Es ist aber möglich, Whisky mit Wasser zu verköstigen. Whisky hat in der Regel einen Alkoholanteil von 40 bis 50 Prozent und schmeckt scharf. Gerade Einsteiger in die Welt des Whiskys dürfen aus Geschmacksgründen stilles, mineralarmes Wasser ohne Eigengeschmack dazu geben, um dem Geschmack des Whiskys mehr Raum zu geben. Aber Eis geht gar nicht.

Einfach der Hammer: Völlig losgelöst Ardbeg Supernova 2015

14. September 2015

Ich mag den Ardbeg gerne, sehr gerne. Jetzt wurde mir eine besondere Ehre zu Teil. Noch vor dem offiziellen Verkaufsstart erhielt ich eine Probe des Ardbeg Supernova 2015 zum Verkosten. Vielen Dank dafür – ich habe mich gefreut und bin dankbar.


Zusammen mit meinem Kollegen und Foodblogger Thomas Gerlach habe ich dieses kostbare Schluck flüssigen Torfes verköstigt. Lecker Leute, verdammt lecker der Ardbeg Supernova 2015.
Was ist jetzt das Besondere an diesem Whisky? Im Jahr 2011 sendete die schottische Whisky Destillerie zum ersten Mal für ein Forschungsprojekt Proben mit Eichenholzpartikeln zur Reifung auf die internationale Raumstation ISS. Zur Feier der nun vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse präsentiert Ardbeg nun die fünfte und finale Edition des Ardbeg Supernova – ein Traum. Es ist ein strohgoldener Single Malt, der allerdings irdisch reifte. Statt dem für Ardbeg üblich verwendeten Malz mit einem Phenolgehalt von 55ppm setzte die auf der schottischen Insel Islay beheimatete Destillerie ein torfgeräuchertes Malz mit galaktischen 100ppn ein.

Flüssiges Gold: Ardbeg Supernova 2015

Flüssiges Gold: Ardbeg Supernova 2015

Das Ergebnis war für mich als langjähriger Ardbeg-Fan eine Überraschung. In der Nase ein pfeffriges Aroma mit würzigen Kräutern, gefolgt von geräucherten Früchten, Seetang und Fenchel. Und dann kommt der erste Schluck: Zack, der explodiert. Eine wahre Geschmacksexplosion von Gewürzen, gesalzenem Karamell und Rauch, gemischt mit medizinischen Noten, schwarzem Tee und Chillischärfe. Aber damit hat der Ardbeg Supernova 2015 seine Trümpfe noch lange nicht ausgespielt. Im Nachgang ist der Whisky extrem lang und pfeffrig – ein Erlebnis für meine verwöhnten Geschmackssinne.
Der Ardbeg Supernova 2015 ist mit einem Alkoholgehalt von 54,3 Prozent Vol. nicht kühlfiltriert abgefüllt und wird jetzt verkauft. Allerdings nicht für jedermann, Nur registrierte Ardbeg Committee Mitglieder kommen in den Genuss dieses edlen und seltenen Getränkes. Aber ich hoffe, die NASA hat auch ein paar Flaschen abbekommen. Gerne würde ich zusammen mit dem Kollegen die Destillerie in Schottland einmal besuchen.
Die Reifung von Whisky im Weltraum hat weitreichende Auswirkungen auf das Geschmacksbild, wie Ergebnisse des ersten Weltraumexperiments der Ardbeg Destillerie zeigen. Im Jahr 2011 wurden Proben der schottischen Brennerei zur Internationalen Raumstation ISS geschickt, um den Einfluss der Mikrogravitation auf die Whiskyreifung und das Geschmacksprofil zu ergründen. Nach Rückkehr und erfolgter Auswertung mit Vergleichsproben, die auf der Insel Islay reiften, konnten noch nie dagewesene Aromenspektren in der im Weltraum gereiften Spirituose nachgewiesen werden. Mich wundert es, dass es die ISS-Astronauten und Kosmonauten das Zeug nicht einfach weggetrunken haben.
Das Experiment begann im Oktober 2011, als Ampullen mit ungereiftem Ardbeg Destillat und Holzpartikeln von Ardbeg Fässern vom US-Raumfahrtforschungsunternehmen Nanoracks LLC zur ISS geschickt wurden. Rund 400 Kilometer über der Erde, umkreisten die Vials die Erde mit 27.500km/h für knapp drei Jahre. Nach ihrer Rückkehr zur Erde, wurden die Ampullen, zusammen mit Kontrollproben, die im Warehouse No. 3 in der Ardbeg Destillerie reiften, von unabhängigen Whiskyexperten und Wissenschaftlern um Dr. Bill Lumsden, Director of Distilling and Whisky Creation bei Ardbeg, analysiert. In drei der vier Untersuchungen stellten sie große Unterschiede zwischen den beiden Proben fest. Dr. Bill Lumsden sagt: „Die Reifung auf der ISS verlief deutlich anders: Sowohl in der Geruchs- als auch in der Geschmacksverkostung zeigten sie mehr vom rauchigen, phenolischen Charakter und rauchige Aromen, die ich auf der Erde noch nie wahrgenommen habe. Ardbeg hat schon einen komplexen Charakter, aber die Ergebnisse unseres Experiments in der Schwerelosigkeit offenbaren einen deutlichen Gegensatz.“ Laboranalysen, die auf die Inhaltsstoffe des Destillats schauten, brachten signifikante Unterschiede der beiden Probenreihen zum Vorschein und demonstrierten, dass die Gravitation deutlichen Einfluss auf die Reifung von Destillaten hat. Dr. Bill Lumsden dazu: „Unsere Erkenntnisse könnten eines Tages auch Auswirkungen für die gesamte Whisky-Industrie haben: In Zukunft können Wissenschaftler die Bestandteile und deren Verhältnisse zueinander in Whiskys unterschiedlichen Alters vorhersagen.“
Jeffrey Manber, Vorstandsvorsitzender des Kooperationspartners Nanoracks LLC, sagt: „Es ist nicht ganz einfach, echte Pioniere im Unternehmensbereich zu finden. Mit einem Partner wie Ardbeg sehen wir zuversichtlich in die Zukunft der kommerziellen Weltraumforschung, insbesondere im Bereich der Aromenbildung und welche Veränderungen es für Konsumprodukte im Allgemeinen bedeutet.“
Ardbeg dankt der NASA und dem Weltraumprogramm, dass dieses Experiment unternommen werden konnte und stellt zur Veröffentlichung der Ergebnisse die fünfte und finale Version seines stark getorften Single Malts, den Ardbeg Supernova 2015 vor. Und ich danke Ardbeg für die Ehre einer Probe.

Der nördlichste Kiosk Deutschlands liegt auf Helgoland

16. Juli 2015

Mit Helgoland verbinde ich viele Eindrücke. Wer um die Insel spaziert, wird auf viele bekannte Attraktionen und Sehenswürdigkeiten stoßen. Die Inselgruppe Helgoland und Düne gehört seit 1890 zum deutschen Staatsgebiet. Ich denke, das bekannteste Wahrzeichen der Insel ist die Lange Anna. Die Lange Anna ist eine 47 Meter hohe freistehende Felsnadel im äußersten Nordwesten der deutschen Nordseeinsel.

Der letzte deutsche Kiosk vor England liegt in Helgoland.

Der letzte deutsche Kiosk vor England liegt in Helgoland.

Was es aber auch gibt, ist der nördlichste Kiosk Deutschlands. An der Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 520 findet sich die Parfümerie Ellen, gegenüber der Schule und Friedhof. Kein besonderes Schild weist auf die Besonderheit des Ortes hin.
„Es ist der letzte Kiosk Deutschlands, dann können Sie nur noch in England einkaufen“, wird der Besucher von Ellen Fähland freundlich begrüßt. Ellen Fähland betreibt nicht nur die Parfümerie Ellen, sondern auch die Ferienwohnung Ingeborg. In ihrem Kiosk gibt Waren, wie überall auf der Insel.

Adresse: Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 520 auf Helgoland

Adresse: Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 520 auf Helgoland

Das Besondere ist eben nur die einzigartige Lage: Eis, Andenken, Mützen, Nippes, Zigaretten, Alkohol – und natürlich Duty Free. Für das vierzig Kilometer vom Festland entfernte Helgoland gelten Sonderregelungen: Die Gemeinde ist zwar Teil des deutschen Wirtschaftsgebiets, zählt aber weder zum Zollgebiet der Europäischen Union, noch werden deutsche Verbrauchssteuern erhoben. Gerade das Thema Alkohol-Verkauf wird in dem Laden groß geschrieben, der Schwerpunkt liegt auf Single Malt.

Na denn Prost.

Na denn Prost.

Wer auf den Fußmarsch zur Langen Anna ist, der kann sich im Kiosk mit Proviant noch eindecken – und erst auf dem Rückweg den Alkohol erwerben. Aber unbedingt auf die Zollbestimmungen achten. Der deutsche Zoll kontrolliert auf dem Festland sehr streng. Also entweder den Single Malt auf Helgoland vernichten, oder die erlaubten Waren einführen.

  • 200 Zigaretten oder 100 Zigarillos oder 50 Zigarren oder 250 Gramm Rauchtabak
  • 1 Liter alkoholische Getränke mit mehr als 22 Vol% oder 2 Liter alkoholischer Getränke mit bis zu 22 Vol%
  • 500 Gramm Kaffee oder 200 Gramm Kaffeeauszüge
  • 50 ml Parfüm oder 250ml Eau d´Toilette

Bei mir im Glas: Ardbeg Uigeadail

1. Juli 2015
Der neue Ardbeg kam als Probe zu mir.

Der neue Ardbeg kam als Probe zu mir.

Die Postsendung sah schon etwas seltsam aus. In einem kleinen Paket kam eine Probe zu mir nach Hause. Der Inhalt des gut gepolsterten Pakets war ein verschraubtes Gläschen mit einer bernsteinartigen Flüssigkeit. Irgendwie erinnerte es mich an eine Urinprobe beim Arzt. Aber als ich die Aufschrift auf dem Glas las, da ging mir das Herz auf: Ardbeg Uigeadail
Als Fan des Ardbeg Single Malt und Teilzeit Food-Blogger erhielt ich die Ehre, eine Kostprobe der neuen Ardbeg Uigeadail-Edition zu erhalten. Vielen Dank dafür.

Die Probe fühlt sich in meiner Ardbeg-Familie wohl.

Die Probe fühlt sich in meiner Ardbeg-Familie wohl.

Ich mag den schottischen Whisky und besonders die Getränke von der Insel Islay: Rauchig, torfig, herb. Hier nimmt der Ardbeg bei mir eine besondere Rolle ein und sehr gerne, würde ich die Destillerie besuchen und die Atmosphäre aufsaugen. Irgendwann, irgendwann – meine Tweed-Jacke habe ich bereits von den westlichen Hebriden. Diese urtümliche raue, vom Wind und Wetter gezeichnete Insel ist das Zuhause von acht Single Malt Destillieren – von denen Ardbeg eine der Kleinsten ist.
Bis ich auf die westschottische Insel Islay komme, probiere ich den Ardbeg eben bei mir zu Hause. Ardbeg ist meiner Meinung nach am stärksten getorfte Single Malt Whisky, sicherlich aber der torfigste aller Islay Malts. Was ihn für mich legendär macht, ist die unnachahmliche perfekte Balance zwischen Rauch und Süße, bekannt als das Torfparadox.
Der Ardbeg Uigeadail ist ein besonderes Getränk in der Ardbeg-Familie. Dieser Single Malt verdankt seinen Namen dem See aus dem Ardebg sein torfiges Wasser bezieht. Ardbeg Uigeadail ist eine exklusive Komposition, gereift in Ex-Sherry und Ex-Bourbon-Fässern. Der Geschmack ist reichhaltig, süß, salzig und rauchig mit Noten von Karamell, Schokolade und Rosinen. Der Alkoholgehalt liegt bei 54,2 Prozent und er schmeckt mir.


Während der re:public 15 #rp15 in Berlin war ich mehrmals Gast bei verschiedenen Whisky-Tastings. In Guerilla-Manier traf sich eine Gruppe Gleichgesinnter am Affenhügel oder auf dem Hof und probierte unterschiedlichste Whisky-Sorten. Ein Ardbeg war leider bei meinen Tastings nicht dabei. Es gab bei mir Schweizer Whisky zum Probieren. Ich brachte zu den Tastings mein Nosing-Glas mit – freilich mit Ardbeg-Aufdruck. Aber die Aktionen haben wirklich Spaß gemacht.

tasting

 

 

Schottischer Nationalstolz – meine Erfahrungen

18. September 2014
Am Tag des Referendums werde ich meine Schottland-Fahne hissen.

Am Tag des Referendums werde ich meine Schottland-Fahne hissen.

Einige Male durfte ich Schottland besuchen und ich habe mich in das Land und seine Leute verliebt. Sogar meine Hochzeitsreise habe ich in diese raue, aber herzliche Schottland gemacht. Jetzt ist die Unabhängigkeit der stolzen Schotten möglich. Wie sich die Schotten entscheiden, sollen sie unter sich ausmachen, dazu brauchen sie keine Ratschläge von mir oder anderen.
Ich erinnere mich nur an verschiedene Erlebnisse, die ich in diesem Land hatte. Sie drehen sich um den Nationalstolz dieses stolzen Volkes.
Das erste Ereignis trug sich bei einer Pressereise nach Schottland zu, um die schottische Spieleentwickler-Szene kennenzulernen. Ich hatte vergessen, Geld zu tauschen. Der Euro ist ja in Schottland nicht Zahlungsmittel. In Edinburgh gelandet, steuerte ein Kollege, der das gleiche Schicksal hatte, und ich zu einer Umtauschbude am Flughafen. Es war nichts los und die junge Dame hinter dem Counter war sichtlich gelangweilt von ihrem Job, von ihren Kunden und von der Welt an sich. Wir gaben unsere Euro und bekamen britische Pfund dafür. Die Queen blickte uns von den Geldscheinen streng an: Queen Elisabeth II, Königin der Briten. Mein Kollege, der in Schottland studiert hatte und die Gebräuche des Landes kannte, schüttelte den Kopf. Er schob die britischen Pfund wieder zurück über die Tresen und bestand höflich auf schottische Pfund. „Wir sind in Schottland und wollen schottische Pfund“ so oder ähnlich war seine Aussage.
Was dann geschah, konnte ich zunächst nicht glauben. Die gelangweilte junge Frau in der Wechselstube schien wie ausgewechselt. Sie blühte auf. Sie lachte, sie scherzte, sie freute sich und sie überreichte uns wortreich die schottische Pfund. Und dann kam sie hinter ihren Tresen hervor und umarmte uns. „Willkommen in Schottland“ sagte sie nicht ohne schwerem Akzent. Wow, soviel Nationalstolz hatte ich nicht erwartet und war begeistert. Mein allererster Eindruck von Schottland.
Mein zweites Erlebnis in Sachen Nationalstolz hatte ich auf unserer Hochzeitsreise. Wir waren irgendwo in den Highlands bei BB bei einer alten schottischen Lady. Nach dem Frühstück mit Tee packte meine Frau die Koffer in den Mietwagen, während ich mich ans Bezahlen machte. Ich zog die geforderten 30 Pfund aus meiner Börse und wollte sie der Wirtin überreichen. Als ich bemerkte, dass ich britische Pfund erwischt hatte, nahm ich die Geldnoten wieder und gab der Dame schottische Pfund. Sie beäugte mich und fragte mich dann, warum ich das gemacht habe. Ich antwortete sinngemäß: „Sie sind Britin, aber Ihre Heimat ist Schottland. Ich bin Deutscher, fühle mich aber als Bayer.“ Die Frau strahlte, klopfte mir auf die Schulter. Sie gab mir 10 Pfund augenzwinkernd zurück und lud mich ein, einen Whisky zu trinken. Alkohol so kurz nach dem Frühstück? Aber ich wollte die Dame nicht enttäuschen und so setzten wir uns aufs Sofa und tranken ein, zwei Gläser des hochprozentigen Single Malts. Die Frau erzählte mir etwas in schweren schottischen Akzent und ich habe eigentlich nichts verstanden. Irgendwann kam meine Frau ins Zimmer, um zu schauen, warum ich denn so lange brauchte. Sie entdeckte mich auf dem Sofa sitzend mit der alten Dame, den Whisky in der Hand. Ich will nicht sagen, dass wir den ersten Ehekrach hatten, aber es war nahe dran. „Ich belade das Auto und du betrinkst dich schon in aller Frühe.“
Um Whisky dreht sich auf meine dritte Erinnerung. Wer in Schottland ist, der muss eine oder mehrere Destillerien besuchen. Der Whisky-Trail ist eine Sehenswürdigkeit. Wir machten dies natürlich auch mit und genossen den Whisky. Bei einer Besichtigung waren wir eine kleinere Gruppe, darunter auch zwei US-amerikanische Touristen. Wir lernten die Lagerung der Fässer, den Zauber der Destillerie und die Geheimnisse des Single Malte kennen. Am Ende der geführten Tour gab es natürlich den Whisky zum Probieren (und zu kaufen). Wir griffen interessiert nach unseren Nosinggläser. Die amerikanischen Touristen machten hier eine folgenschwere Bemerkung, die sie bereuten. Sie baten unseren schottischen Guide um ein wenig Eis für ihren Whisky.
Sofort kippte die Stimmung. Aus dem geselligen, redseligen Schotten wurde ein einsilbiger Sturschädel. Er nahm den beiden Amerikanern ihre Nosinggläser ab und sagte: „Ihr seid hier fertig, ihr könnt jetzt gehen.“ Single Malt mit Eis sei eine Todsünde. Die beiden Amerikaner spürten, dass es in dieser Frage keine Diskussion gab und zogen wortlos ab. Für den Bayern geht auch keine Weißwurst mit Ketchup – recht haben die Schotten.