Posts Tagged ‘Natur’

PresseClub München: Slowenien setzt beim Gesundheitstourismus auf Natur, Individualität und Lebensqualität

2. Oktober 2026

Thermalwasser, medizinische Kompetenz, Bewegung, gesunde Ernährung und viel Natur: Bei einer Veranstaltung im PresseClub München präsentierte sich Slowenien als Gesundheits- und Wellnessdestination, die weit über den klassischen Kuraufenthalt hinausgehen will. Im Mittelpunkt steht zunehmend die Frage, wie Menschen ihre Gesundheit erhalten können, bevor Beschwerden entstehen.

Slowenien ist klein, doch gerade darin sehen die Tourismusverantwortlichen des Landes eine große Stärke. Zwischen Alpen und Adria, Wäldern, Weinregionen und Thermalquellen liegen oft nur kurze Wege. Diese Vielfalt soll künftig noch stärker für einen nachhaltigen Gesundheits- und Wellnesstourismus genutzt werden. Hier der komplette Vortrag als Video:

Bei einer Veranstaltung im PresseClub München unter dem Titel „Slowenien – Gesundheit und Wohlbefinden“ stellten Vertreter des slowenischen Tourismus und der Naturheilbäder ihre Konzepte vor. Rebeka Kumer Bizjak, Leiterin des Slowenischen Tourismusamtes in München, zeichnete zum Auftakt das Bild eines Landes, in dem Natur nicht nur Kulisse, sondern wesentlicher Bestandteil des touristischen Angebots ist.

„Slowenien ist ein Land faszinierender Kontraste“, erklärte Rebeka Kumer Bizjak. Alpenlandschaften, mediterrane Einflüsse, historische Städte, moderne Kultur, ausgezeichnete Gastronomie und eine ausgeprägte Thermaltradition lägen auf engem Raum beieinander. Gerade für Reisende, die Erholung mit Aktivität, Kulinarik und Kultur verbinden möchten, eröffne dies zahlreiche Möglichkeiten.

Eine besondere Rolle spielt dabei das Wasser. Slowenien verfügt über zahlreiche Thermal- und Mineralwasserquellen und eine lange Tradition der Naturheilbäder. Für Kumer Bizjak passt dies zu einem grundsätzlichen Wandel im Reiseverhalten. Gesundheit, Wohlbefinden und ein bewusster Umgang mit den eigenen Ressourcen würden für viele Gäste wichtiger. „Alles, was Sie hier erleben, kann Teil eines Weges zu mehr Wohlbefinden werden“, fasste sie den Anspruch zusammen.

Vom klassischen Kurort zum Gesundheitszentrum
Dass traditionelle Heilbäder keineswegs ein Auslaufmodell sind, machte Saša Požar, Leiterin des Verbandes der slowenischen Naturheilbäder, deutlich. Im Gegenteil: Der Boom von Gesundheitskliniken und sogenannten Longevity-Angeboten sei für die Thermen eher Chance als Konkurrenz.

„Kliniken bieten wichtige Diagnostik, moderne Technologien und personalisierte Programme. Heilbäder können aber etwas hinzufügen, das sich nicht einfach technisch herstellen lässt: Natur, natürliche Heilfaktoren, Ruhe und Wohlbefinden an einem Ort“, sagte Požar.

Entscheidend sei ein verändertes Gesundheitsbewusstsein. Menschen beschäftigten sich heute zunehmend mit ihrer Gesundheit, bevor sie krank würden. Sie wollten möglichst lange aktiv, leistungsfähig und selbstständig bleiben. Damit verändere sich auch die Funktion der Heilbäder. „Die Thermen entwickeln sich von Orten, die man besucht, wenn man krank ist, zu Orten, die man besucht, um gesund zu bleiben“, brachte Požar den Wandel auf den Punkt.

Gerade angesichts von Stress und hoher Belastung im Alltag gewinne dieser Ansatz an Bedeutung. Ein Aufenthalt solle nicht lediglich ein paar angenehme Tage ermöglichen. Ruhe, guter Schlaf, Bewegung, Naturerlebnisse und bewusste Ernährung könnten zusammenspielen. „Die Menschen brauchen Möglichkeiten, körperlich und mental wieder Kraft zu schöpfen, Zeit in der Natur zu verbringen und wieder zu sich selbst zu finden.“

Thermalwasser trifft medizinisches Wissen
Die besondere Stärke Sloweniens sieht Požar in der Verbindung natürlicher Ressourcen mit medizinischem Fachwissen. Auf einer Fläche von gut 20.000 Quadratkilometern finden sich Thermal- und Mineralwasser, Heilklima und weitere natürliche Heilfaktoren. „Natur allein reicht nicht aus“, betonte Požar. „Wenn wir sie aber mit dem Wissen unserer medizinischen Fachkräfte und mit unserer jahrhundertelangen Erfahrung verbinden, entsteht eine Kombination, die die slowenischen Heilbäder besonders macht.“

Zwölf slowenische Naturheilbäder gehören dem Verband an. Dabei gebe es bewusst kein einheitliches Konzept. Einige Einrichtungen konzentrierten sich stärker auf medizinische Anwendungen und Rehabilitation, andere auf Wellness, Prävention, Familien oder Aktivurlaub. Auch die jeweilige Landschaft präge das Angebot.

Ein Vorurteil möchte Požar dabei ausräumen: dass Thermal- und Heilbäder vor allem etwas für ältere Menschen seien. „Das ist ein überholtes Bild.“ Junge Gäste kämen inzwischen wegen Fitness, Gesundheitsvorsorge oder Digital Detox, Familien wegen gemeinsamer Erlebnisse und ältere Gäste, um ihre Mobilität und Gesundheit möglichst lange zu erhalten.

Gerade die Generation Z beschäftige sich teilweise früher mit Ernährung, Bewegung und Gesundheit als frühere Generationen. Wellness und Prävention seien damit längst keine Frage des Alters mehr. „Heilbäder sind nicht für alte Menschen. Sie sind für Menschen, die auf sich achten und möglichst gesund alt werden wollen.“

Drei Landschaften, drei Gesundheitswelten
Wie unterschiedlich solche Angebote aussehen können, erläuterte Jože Berus, Direktor der Terme Krka. Das Unternehmen verbindet mehrere Standorte, die auf einer gemeinsamen Gesundheitsphilosophie basieren, landschaftlich und inhaltlich jedoch unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Dolenjske Toplice gehört zu den traditionsreichen Thermalorten Sloweniens und liegt in einer waldreichen Umgebung. Ruhe, Erholung und medizinische Anwendungen stehen hier im Mittelpunkt. Šmarješke Toplice verbindet Gesundheitsangebote stärker mit Bewegung und verfügt unter anderem über einen Schwerpunkt im Herz-Kreislauf-Bereich. An der Adriaküste wiederum nutzt das Talaso Strunjan die natürlichen Bedingungen des Meeres für Thalassotherapie.

„Die Philosophie ist ähnlich, aber die Natur ist jeweils eine andere“, erklärte Berus. „Wir haben Wald, Hügellandschaft und Meer.“ Genau diese Umgebung werde gezielt in die Programme einbezogen.

Dabei spielen medizinische Fachkräfte weiterhin eine zentrale Rolle. Ärzte, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Sportexperten arbeiten gemeinsam an individuell abgestimmten Angeboten. Neben Behandlung und Rehabilitation gewinnt die Prävention an Bedeutung.

Auch das Sicherheitsgefühl sei insbesondere für ältere Gäste wichtig. Medizinische Teams vor Ort könnten ihnen ermöglichen, einen Urlaub zu genießen und gleichzeitig zu wissen, dass im Bedarfsfall professionelle Hilfe vorhanden ist.

Gesundheit geht auch durch den Magen
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist für Berus die Gastronomie. „Essen ist eine der wichtigsten Säulen der Gesundheit. Und wenn wir reisen, erinnern wir uns oft besonders an das, was wir gegessen haben.“

Deshalb setze Terme Krka möglichst auf regionale Rohstoffe und frisch zubereitete Speisen. Industriell vorgefertigte Lebensmittel seien weitgehend aus den Küchen verbannt worden. Je nach Gesundheitsprogramm könnten zudem individuelle Ernährungspläne entwickelt werden, beispielsweise für Menschen mit Diabetes, Zöliakie oder besonderen gesundheitlichen Zielen.

Wichtig sei dabei, dass gesundes Essen nicht nach Verzicht schmecke. „Das Essen muss nicht nur gesund sein, sondern auch gut schmecken. Die Gäste sollen es genießen.“ Idealerweise endet ein Gesundheitsaufenthalt deshalb nicht mit der Heimreise. Die Gäste sollen Wissen über Ernährung, Bewegung und einen gesundheitsbewussteren Lebensstil mitnehmen und in ihren Alltag integrieren können.

Individuelle Programme statt Wellness von der Stange
Dieser Ansatz zieht sich durch viele Angebote. Ärzte, Ernährungsfachleute, Physiotherapeuten, Sporttrainer und Köche sollen nicht nebeneinander, sondern gemeinsam arbeiten. Wandern und Radfahren, Thermalwasser und Massagen, medizinische Untersuchungen, Entspannung und Ernährung werden miteinander verbunden.

„Es geht darum, alle Bereiche unseres Lebens zusammenzubringen“, erklärte Berus. Ziel seien zunehmend maßgeschneiderte Programme statt standardisierter Wellnesspakete. Genau darin sieht auch Požar die Zukunft der Branche. In fünf oder zehn Jahren werde Wohlbefinden weniger ausschließlich mit Verwöhnen und klassischer Wellness verbunden sein. „Der Schwerpunkt wird stärker auf langfristiger Gesundheit liegen – auf Angeboten für Menschen, die gesund bleiben wollen.“

Slowenien bringe dafür gute Voraussetzungen mit: natürliche Heilfaktoren, medizinische Kompetenz und eine Thermaltradition, die teilweise Jahrhunderte zurückreiche.

Kein Massentourismus als Zukunftsmodell
Für Berus ist klar, dass Slowenien im Gesundheitstourismus nicht über Masse wachsen sollte. „Wir sind ein kleines Land mit rund zwei Millionen Einwohnern. Unser Weg kann nicht der Massentourismus sein.“

Statt immer größere Anlagen zu errichten und möglichst viele Gäste aufzunehmen, gehe es darum, die Qualität bestehender Angebote weiterzuentwickeln. „Unsere Vision sind individuelle Programme und hochwertige Leistungen mit einem Mehrwert für den Gast.“

Požar sieht gerade in der überschaubaren Größe Sloweniens einen Vorteil. Die Entfernungen seien kurz, sodass sich ein Aufenthalt in einer Therme problemlos mit Kultur, Gastronomie, Natur oder einem Ausflug ans Meer verbinden lasse. Gesundheitstourismus müsse deshalb nicht bedeuten, eine Woche ausschließlich innerhalb einer Thermalanlage zu verbringen. „In Slowenien ist alles nah beieinander“, sagte Požar. „Wer in ein Heilbad kommt, kann gleichzeitig Städte kennenlernen, die Landschaft erleben oder ans Meer fahren. Es gibt weit mehr zu entdecken als nur das Spa-Programm.“

Damit formuliert Slowenien einen Anspruch, der über klassische Wellness hinausgeht. Der Aufenthalt soll Erholung bieten, zugleich aber Anregungen für den Alltag liefern. Gesundheit wird dabei als Zusammenspiel von medizinischer Kompetenz, Bewegung, Ernährung, Natur und mentaler Erholung verstanden.

Oder, wie es bei der Präsentation in München immer wieder anklingt: Der moderne Kurgast soll nicht erst kommen, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Er soll kommen, damit es möglichst lange gut funktioniert.

Buchtipp: Die neunundsechzig Stationen des Kisokaido von Andreas Marks und Rhiannon Paget

19. Juli 2026

In der Zeit vor Corona war ich sehr viel auf Reisen. Nun bin ich die meiste Zeit zu Hause und verschlinge Bücher, gehe mehr virtuell auf Reisen oder nehme den Zug. Das Flugzeug nehme ich nur noch ganz selten. Jetzt habe ich einen Reiseführer aus alter Zeit gefunden, aus ganz alter Zeit. Es ist ein ganz besonderer Reiseführer aus Japan, ein Land, das ich gerne einmal bereisen möchte, ja mit dem Flugzeug.

Der Reiseführer beschreibt die Rasthäuser von der Reise von Tokio nach Kyoto. Nun das wäre originell, aber nicht der Bringer. Aber der Reiseführer stammt aus dem Jahr 1835 als Tokio noch Edo hieß. Die Bilder sind eindrucksvolle Holzschnitte, die der Taschen Verlag in einem Buch Die neunundsechzig Stationen des Kisokaido aufgelegt hat. Meine Frau überraschte mich mit diesem XXL-Buch, das mich in eine andere Zeit entführte. Der Weg durch Japan wurde Anfang des 17. Jahrhunderts vom damaligen Herrscher Tokugawa Ieyasu angelegt. Auf dem mühsamen Weg von Edo (dem heutigen Tokio) nach Kyoto ließ er in regelmäßigen Abständen Rastplätze einrichten, an denen Gasthäuser, Läden und Restaurants den erschöpften Reisenden Kost und Logis boten.

Ein zentrales Motiv der gesamten Serie ist das Reisen. Während Reisen in Europa des 19. Jahrhunderts häufig als Abenteuer oder Entdeckungsreise dargestellt wurde, vermittelt der Kisokaidō einen anderen Eindruck. Der Weg ist Teil des Alltags. Händler transportieren Waren, Beamte reisen zwischen den Provinzen, Pilger ziehen zu Tempeln, Familien sind unterwegs. Dadurch entsteht eine Erzählung über Bewegung, Begegnung und Vergänglichkeit – Themen, die tief in der japanischen Ästhetik verwurzelt sind.

Im Jahre 1835 erhielt der Holzschnitzer Keisai Eisen den Auftrag, die Reise auf der Kiso-Straße in einer Reihe von Schnitten abzubilden. Nachdem er 24 Holzschnitte fertiggestellt hatte, wurde Eisen durch Utagawa Hiroshige abgelöst, der die Reihe von 70 Holzschnitten schließlich 1843 vollendete.

Besonders bemerkenswert ist die unterschiedliche Handschrift der beiden Künstler. Keisai Eisen richtet seinen Blick stärker auf den Menschen. Seine Blätter wirken lebendig, manchmal sogar theatralisch. Er interessiert sich für Charaktere, Mode und das geschäftige Leben in den Stationen. Seine Figuren stehen im Mittelpunkt, während die Landschaft eher den Rahmen bildet.

Utagawa Hiroshige verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Bei ihm werden Landschaften zum eigentlichen Protagonisten. Berge, Flüsse, Wälder, Regen, Schnee oder Nebel bestimmen die Bildwirkung. Die Menschen erscheinen häufig klein und fast beiläufig, wodurch die Natur eine geradezu spirituelle Präsenz erhält. Dieser Blick auf die Landschaft beeinflusste später zahlreiche europäische Künstler des Impressionismus und Postimpressionismus, darunter Monet und Van Gogh.

Sowohl Eisen als auch Hiroshige waren renommierte Holzschnittkünstler. In den Bildern lassen beide ihre charakteristische Handschrift erkennen, ohne dabei den harmonischen Gesamteindruck zu verraten. Von der belebten Ausgangsstation Nihonbashi bis zur Festungsstadt Iwamurata wählte Eisen in seinen Bildern gedecktere Farben, zeichnet sich jedoch durch die Darstellung von Personen – vor allem glamourösen Frauen – aus und schwelgt in Momentaufnahmen des Treibens entlang der Strecke, vom Beschlagen eines Pferdes bis zum Fegen von Reis. Hiroshige demonstriert mit atmosphärischen Szenen, wie souverän er die Landschaftsdarstellung beherrscht, von den friedvollen Ufern des Ota bis zum Furcht einflößenden Wada-Pass und einem Aufstieg zwischen Yawata und Mochizuki im Mondschein.

Die Sammlung Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō stellt nicht nur einen Höhepunkt der Holzschnittkunst dar – mit kühnen Kompositionen und experimentellem Einsatz von Farbe –, sondern bildet auch einen reizvollen Bildteppich vom Japan des 19. Jahrhunderts, lange bevor die Industrialisierung über das Reich der aufgehenden Sonne hereinbrach.
Die XL-Ausgabe von Taschen zeigt das einzige bekannte Exemplar dieser Serie, das fast vollständig aus seltenen Erstdrucken besteht, und lässt so den Bilderzyklus in großem Format und gebührender Pracht wiederauferstehen.
Das Buch wurde von Andreas Marks und Rhiannon Paget aufbereitet und herausgegeben. Andreas Marks studierte ostasiatische Kunstgeschichte an der Universität Bonn und wurde an der Universität Leiden mit einer Dissertation in Japanologie zu Schauspielerdrucken des 19. Jahrhunderts promoviert. Von 2008 bis 2013 war Marks Direktor und Chefkurator des Clark Center for Japanese Art im kalifornischen Hanford. Seit 2013 ist er Mary Griggs Burke Curator of Japanese and Korean Art, Leiter der Abteilung für japanische und koreanische Kunst sowie Direktor des Clark Center for Japanese Art am Minneapolis Institute of Art. Rhiannon Paget studierte an der Universität der Künste in Tokio und promovierte über japanische Kunstgeschichte an der University of Sydney. Sie ist Kuratorin für asiatische Kunst am John & Mable Ringling Museum of Art in Sarasota, Florida, und hat Studien zu japanischen Holzschnitten, Textilien, Brettspielen und Nihonga veröffentlicht.

Der von Andreas Marks und Rhiannon Paget herausgegebene Bildband ordnet jedes Blatt kunsthistorisch und geografisch ein. Die hochwertige Reproduktion – insbesondere in der großformatigen Ausgabe – erlaubt es, Details der Drucktechnik und Farbgebung zu erkennen, die in kleineren Veröffentlichungen oft verloren gehen. Damit wird das Buch selbst zu einem Kunstobjekt und nicht nur zu einem Nachschlagewerk. Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō“ ist kein gewöhnlicher Bildband, sondern eine visuelle Reise durch das Japan des 19. Jahrhunderts. Die Verbindung aus Landschaft, Alltag, Architektur und menschlichen Begegnungen macht die Serie zu einem einzigartigen Zeitdokument. Während Eisen das Leben entlang der Straße mit erzählerischer Lebendigkeit einfängt, verwandelt Hiroshige dieselbe Route in eine poetische Meditation über Natur, Jahreszeiten und Vergänglichkeit. Gerade diese Balance zwischen dokumentarischer Genauigkeit und künstlerischer Verdichtung erklärt, warum die Serie bis heute als einer der Höhepunkte der japanischen Holzschnittkunst gilt und weltweit zu den bedeutendsten Werken der Ukiyo-e-Tradition gezählt wird.

Zwischen Nebel und Legende – Ein Spaziergang entlang des River Ness

28. Juli 2025

Der River Ness entspringt am Nordostende des Loch Ness bei Fort Augustus und fließt dann nur etwa 11 Kilometer in nordöstlicher Richtung bis zur Stadt Inverness, wo er in den Moray Firth (eine Bucht der Nordsee) mündet.

Meine Frau und ich verbrachten einen Nachmittag bei diesem Fluß, gingen spazieren und schauten auf den Fluss. Natürlich hielten wir Ausschau nach Nessie – vergeblich übrigens.

Der River Ness fließt nicht einfach – er gleitet, still und würdevoll, wie ein alter Erzähler, der seine Geschichten nur jenen anvertraut, die mit offenem Herzen lauschen. Zwischen den Hügeln der schottischen Highlands, wo der Nebel morgens wie ein silberner Schleier über dem Wasser liegt, beginnt seine kurze, aber bedeutungsvolle Reise: vom tiefdunklen Loch Ness bis zur Nordsee, durch das Herz von Inverness.

Hier, wo der Fluss geboren wird, beginnt auch die berühmteste Legende Schottlands. Denn in den dunklen Tiefen des Loch Ness – dort, wo das Licht kaum den Grund erreicht – soll sie leben: Nessie, das scheue Ungeheuer, das mehr Sehnsucht als Schrecken in sich trägt. Und wenn sie sich wirklich zeigt, dann nicht aus Gier oder Wut, sondern vielleicht aus Neugier, aus Einsamkeit – oder aus Liebe zur Stille, wie sie nur dieser Fluss kennt.

Manche sagen, Nessie bewege sich manchmal durch die Mündung des Lochs in den River Ness, fast wie ein heimlicher Gruß an die Stadt, die ihren Namen trägt. Vielleicht, so flüstert der Wind in den Zweigen, folgt sie nicht nur Strömungen, sondern Erinnerungen – an eine Zeit, in der Magie und Natur noch untrennbar waren. Manchmal, in besonders klaren Nächten, wenn der Mond silberne Wege auf das Wasser malt, meint man, sie gesehen zu haben: einen sanften Schatten, eine Bewegung, die sich nicht erklären lässt – nur erträumen. Nun ja, im Traum, aber vor allem in Souvenir-Läden habe ich Nessie gefunden.

Der River Ness ist mehr als Wasser zwischen zwei Ufern. Er ist ein Fluss aus Geschichten, aus Liedern und Blicken, aus stiller Sehnsucht. Verliebte spazieren an seinen Ufern entlang, Hand in Hand, während Möwen rufen und das Wasser leise gegen das Ufer schlägt. Und vielleicht – nur vielleicht – trägt der Fluss auch ihre Träume fort, hinab in den Moray Firth, hinaus in die Welt.

Denn wer den River Ness sieht, sieht nicht nur einen Fluss. Er sieht ein Band zwischen Mythos und Wirklichkeit, zwischen Herz und Himmel. Und irgendwo tief darin – zwischen Wasserpflanzen, Nebel und jahrhundertealter Legende – lebt vielleicht wirklich ein Wesen, das unsere Fantasie nährt. Nicht, weil es Angst macht. Sondern weil es uns glauben lässt, dass es im Verborgenen noch Wunder gibt.

Circle of Wise
Der Circle of Wise ist ein eingerichteter Steinkreis, eingebettet in die üppige Vegetation der Ness Islands. Der Name suggeriert Verbindung zu alten Traditionen: Steinkreise stehen in Schottland symbolisch für uraltes Wissen und spirituelle Zentren. Er erinnert symbolisch an historische Kreisformen und zieht Besucher in seinen Bann.

Der Bereich dient als Freiluftbühne oder Versammlungsort für kulturelle Veranstaltungen, kleine Performances oder meditative Momente in der Natur. Umgeben vom ruhigen Flusswasser, alten Bäumen und durchgehend grünem Uferbereich ist der Circle of Wise ein Lieblingsplatz für Spaziergänger, Nachdenkliche und Fotobegeisterte – besonders bei Sonnenuntergang entfaltet sich hier eine fast magische Atmosphäre.

Goldene Tropfen aus Nebel und Feuer – Meine Liebeserklärung an den schottischen Whiskey

23. Juli 2025

Ich lasse nur zwei Länder zu, die es wirklich verstehen, einen guten Whiskey zu erschaffen: Japan und Schottland. Nun in Japan war ich (noch) nicht, aber ich liebe Schottland.

In Schottland ist Whiskey keine bloße Spirituose – er ist ein Gedicht in flüssiger Form, eine stille Liebeserklärung an das Land, das ihn hervorbringt. Zwischen nebelverhangenen Highlands, sanften Hügeln und schroffen Küsten wird der schottische Whiskey nicht nur destilliert, sondern gelebt. Er wächst aus den klaren Bächen, dem torfigen Boden und der salzigen Meeresluft – und trägt in jeder Nuance die Seele einer jahrhundertealten Kultur in sich. Natürlich – und da gibt es keine Diskussion: Whiskey ist Alkohol und nur in Maßen zu genießen – nicht in Massen.

Schon das Betreten einer Destillerie hat etwas Magisches: der warme Duft von Gerste, das sanfte Gluckern des Brennens, das Knistern alter Holzfässer in dunklen Lagerhäusern. Hier, wo Zeit kein Feind ist, sondern ein Verbündeter, reift der Whiskey langsam – Jahr für Jahr, Tropfen für Tropfen. Er nimmt das auf, was ihn umgibt: das Klima, das Holz, die Geschichte. Und manchmal scheint es, als ob er auch die Sehnsucht seiner Schöpfer in sich bewahrt. Dieses Mal habe ich keine Destillerie besucht, sondern beschränkte mich auf das Konsumieren des Getränks in Restaurants, Pubs und Bars.

In jeder Region zeigt sich der Whiskey von einer anderen Seite. Der Süden gibt sich mild und zugänglich, wie ein Lächeln am Kamin. Die Speyside ist süß, fruchtig, voller Leichtigkeit – ein Frühlingstag im Glas. Die Inseln, vor allem Islay, erzählen von Stürmen, Feuer und Salz – rau, intensiv, unvergesslich. Und in den Highlands begegnet einem die ganze Wucht und Weite der Landschaft: kraftvoll, würzig, voller Tiefe.

Ein Glas schottischer Whiskey ist ein Moment der Stille in einer lauten Welt. Er verlangt keine Eile, kein Spektakel – nur Aufmerksamkeit, Hingabe, vielleicht das leise Klingen zweier Gläser in der Dämmerung. Getrunken in guter Gesellschaft mit meiner Frau, am besten mit Blick auf einen See oder ein knisterndes Feuer, entfaltet er seine volle Romantik: nicht aufdringlich, sondern ehrwürdig. Wie eine Liebe, die langsam wächst und bleibt. Wir genossen das Getränk bei jeder Mahlzeit, bei jeden abendlichen Ausflug in den Pub. Und wir probierten viel aus. Im Malt Room in Inverness testeten wir Whiskey-Flights. Whiskey-Flights sind Verkostungssets, bei denen mehrere verschiedene Whiskeys in kleinen Mengen nebeneinander serviert werden – meist in Gläsern à 1–2 cl. Ziel ist es, die Unterschiede in Geschmack, Aroma, Farbe und Stil bewusst zu erleben und miteinander zu vergleichen. Die Flights wurden auf einem Holzbrett oder Tablett serviert, manchmal mit Beschreibungen oder in geführten Tastings. Sie eignen sich perfekt für mich, um den eigenen Geschmack zu entdecken und um Nuancen zu vergleichen. So etwas stelle ich mir in Deutschland auch vor, um Whiskey unters Volk zu bringen. Und ich meine nicht Whiskey-Cola.

Vielleicht ist es das, was schottischen Whiskey so besonders macht: Er ist mehr als Genuss. Er ist Erinnerung, Vertrautheit, ein Versprechen. Ein Gefühl, das man nicht benennen, nur spüren kann – wie die Hand eines geliebten Menschen, die sich wortlos in die eigene legt. Wer einmal in Schottland einen Whiskey getrunken hat, weiß: In diesem goldenen Glanz schimmert nicht nur das Licht – sondern ein Stück Heimat, ein Hauch Ewigkeit, ein leiser Kuss auf der Zunge.

Whiskey – das flüssige Gold Schottlands – ist weit mehr als ein Getränk. Für die Schotten ist Whiskey Teil ihrer Identität, ein Symbol des Stolzes und ein Bindeglied zwischen Geschichte, Natur und Mensch. Die rauen Landschaften, von Nebelschwaden umhüllt, schenken dem Wasser und dem Getreide ihren einzigartigen Charakter. In den Destillen, oft schon seit Jahrhunderten in Familienhand, lebt das Wissen alter Generationen fort. Jede Flasche erzählt von Leidenschaft, Heimatgefühl und der Liebe zur eigenen Kultur.

Whiskey begleitet unzählige Momente: er wird zur Geburt des ersten Kindes verschenkt, als Trostspender in schweren Zeiten geteilt und bei Hochzeiten voller Freude ausgeschenkt. Wenn das Torffeuer brennt und der Regen an die Fenster trommelt, wärmt ein guter Scotch Herz und Seele gleichermaßen. Für viele Schotten gehört ein Dram zum Alltag, aber auch zu großen Feierlichkeiten – ein Ritual, das verbindet.

Schon das gälische Wort für Whiskey, „Uisge Beatha“ – das „Wasser des Lebens“ – bringt zum Ausdruck, wie tief das Getränk verwurzelt ist. Es steht für die unbändige Natur, die Gemeinschaft und den Stolz eines kleinen Landes mit großer Seele. Whiskey bedeutet für die Schotten Erinnerung, Tradition und Zukunft zugleich. Ein Stück Moder in jedem Glas, aus Schottland für die Welt.

Vom Leid zur Leidenschaft: Wie ich in Schottland das Bahnfahren neu entdeckte

8. Juli 2025

Ich bin in Deutschland ein leidenschaftlicher und leidgeprüfter Nutzer der Deutschen Bahn und bei meinem Urlaub in Schottland wollte ich die Leistungsfähigkeit der schottischen Bahn testen. Wir fuhren von Edinburgh nach Glasgow, nach Inverness und Stirling und zurück nach Edinburgh.

Fest steht für mich: Das Zugfahren in Schottland ist einfach und flexibel. Der Ticketkauf ist sowohl digital als auch vor Ort möglich, und der Zugang zu den Gleisen ist an die Größe des Bahnhofs angepasst. So konnte ich bequem und sicher die landschaftlichen und kulturellen Höhepunkte Schottlands entdecken.

Das Zugfahren in Schottland ist eine komfortable und landschaftlich reizvolle Möglichkeit, das Land zu erkunden. Das Bahnnetz verbindet alle größeren Städte wie Edinburgh, Glasgow, Aberdeen und Inverness sowie viele kleinere Orte und Dörfer, insbesondere im dicht besiedelten Zentralschottland. Auch abgelegene Regionen, etwa die Highlands, sind mit dem Zug erreichbar, wobei die Strecken oft durch beeindruckende Natur führen. Die Taktung in die abgelegenen Regionen ist natürlich nicht sehr dicht.

Ticketkauf
Fahrkarten für Zugreisen in Schottland können auf verschiedene Arten erworben werden:
Online: Über die Webseiten der Bahngesellschaften, wie ScotRail, oder über Buchungsplattformen wie Trainline. Wir haben zunächst uns in ScotRail orientiert. Hier lassen sich auch Sparpreise und Angebote finden.
Klarer Tipp ist die App-Variente: Die ScotRail-App ermöglicht den Kauf und die Verwaltung von Tickets direkt auf dem Smartphone.
Bahnhof: An größeren Bahnhöfen gibt es Fahrkartenschalter und Ticketautomaten. Ist der Schalter geschlossen, steht meist ein Automat zur Verfügung. Das haben wir nicht ausprobiert, aber in den Bahnhöfen waren immer freundliche Schotten vor Ort.
Im Zug: Auf weniger frequentierten Strecken oder an kleinen Bahnhöfen ohne Automaten kann das Ticket auch direkt beim Schaffner gekauft werden. Allerdings sind dort nicht immer alle Ticketarten, insbesondere Sparpreise, verfügbar. Einen Kontrolleur haben wir mehrmals getroffen, aber in Glasgow war der Kontrolleur vom Dialekt schwer verständlich.

Es gibt verschiedene Ticketarten, darunter flexible „Anytime“-Tickets, die eine freie Zugwahl am Geltungstag erlauben, sowie günstigere „Off-Peak“-Tickets für Fahrten außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Für Touristen sind auch Pässe wie der „BritRail Spirit of Scotland Pass“ erhältlich, die unbegrenzte Fahrten an mehreren Tagen ermöglichen. Wir haben die Off-Peak-Tickets genutzt.

Zugang zu den Gleisen
An vielen größeren Bahnhöfen in Schottland ist der Zugang zu den Bahnsteigen durch automatische Schranken geregelt. Diese Schranken lassen sich mit dem gültigen Ticket oder einem Barcode öffnen. Wer ein digitales Ticket oder einen Bahnpass besitzt, kann diesen an den Lesegeräten scannen. Sollte kein Barcode-Lesegerät vorhanden sein, steht meist ein besetzter Seiteneingang zur Verfügung, an dem das Personal das Ticket kontrolliert und den Zugang gewährt. Damit wird das Thema Schwarzfahren angegangen.

An kleineren Bahnhöfen, insbesondere in ländlichen Regionen, gibt es oft keine Bahnsteigsperren. Hier ist der Zugang zu den Gleisen frei, und die Fahrkarten werden erst im Zug kontrolliert. In den großen Bahnhöfen wie Glasgow Queen Street oder Edinburgh Waverley ist das Passieren der Schranken mit dem Ticket jedoch obligatorisch, sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen des Bahnsteigs.

Interessant war auch, dass in jedem Bahnhof Hilfen für Rollstuhlfahrer bereitstanden. Es handelt sich um gelbe Rampen. In den größeren Bahnhöfen gab es dazu eigenes Servicepersonal, die unterstützen konnten.

Erholung am Tag des Gartens

13. Juni 2021
Processed with Focos

Heute ist der Tag des Gartens. Der Tag des Gartens wird seit 1984 am zweiten Sonntag im Juni in Deutschland gefeiert und soll die Bedeutung des Gartens – und vor allem des Kleingartens – in das öffentliche Bewusstsein rücken. Ins Leben gerufen wurde er 1984 vom damaligen Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e. V. (BDG), Hans Stephan, „um einer breiten Öffentlichkeit die Freude an einem Garten und an der Natur nahe zu bringen. Daher ein Blick in unseren Garten bei Regen.

Meine Frau hat bei uns den grünen Daumen und für sie ist die Gartenarbeit auf der einen Seite eine Last, auf der anderen Seite eine Art von Meditation. Ich helfe ein wenig mit, bin aber eher für die zahlreichen Vögel des Gartens zuständig. Und ich genieße den Garten, arbeite ab und zu im Garten in der Sitzecke Provence. Neulich haben wir die Bierbank aufgestellt und K2 hat Freundinnen eingeladen, gegrillt und gechillt. Der Garten als Erholungsoase. Ich freue mich über unseren Garten.