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Filmkritik: Jennerwein – Hochsaison: Bayerische Heimatidylle mit schwarzem Humor

22. Oktober 2026

Mit „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ kommt am 5. November 2026 eine der erfolgreichsten bayerischen Krimifiguren auf die große Kinoleinwand. Die Vorlage stammt vom Garmisch-Partenkirchner Schriftsteller und Kabarettisten Jörg Maurer, dessen Alpenkrimis längst Kultstatus erreicht haben. Seit dem ersten Jennerwein-Roman „Föhnlage“ aus dem Jahr 2009 hat sich die Reihe zu einem Bestsellerphänomen entwickelt. Mehr als drei Millionen verkaufte Bücher belegen, dass die Mischung aus Kriminalspannung, bayerischem Lokalkolorit und schwarzem Humor beim Publikum hervorragend ankommt. Die Filmhandlung basiert auf dem 2010 veröffentlichten Roman „Hochsaison“.

Bayern ist schön, Bayern ist gemütlich, und hinter jeder noch so malerischen Bergkulisse lauern menschliche Abgründe. Genau mit diesem Gegensatz spielt der Heimatkrimi „Jennerwein – Hochsaison“, der bayerisches Lokalkolorit mit Kriminalgeschichte, schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie verbindet. Herausgekommen ist ein kerniger Heimatfilm, der sich erfreulicherweise nicht dem üblichen Postkartenkitsch hingibt, sondern die vermeintlich heile Welt des Alpenlandes mit sichtlichem Vergnügen demontiert.

Die bayerische Bergwelt liefert dabei eine eindrucksvolle Kulisse. Doch wo andere Heimatfilme auf romantische Sonnenuntergänge, urige Wirtshäuser und traditionsbewusste Dorfbewohner setzen, interessiert sich „Jennerwein – Hochsaison“ vor allem für die weniger liebenswerten Seiten seiner Figuren. Hinter freundlichen Fassaden verbergen sich Eigeninteressen, Boshaftigkeiten und menschliche Schwächen. Die Idylle wird zur Bühne für eine Geschichte, in der das Verbrechen beinahe selbstverständlich zum Alltag gehört.

Besonders reizvoll ist der eigenwillige Humor. Die Figuren sind keine glattgebügelten Sympathieträger, sondern bisweilen ausgesprochen schrullige Zeitgenossen. Der bayerische Dialekt gehört ebenso selbstverständlich dazu wie die rustikale Mentalität und die Neigung, unangenehme Wahrheiten mit einem deftigen Spruch zu kommentieren. Gerade diese sprachliche und kulturelle Verwurzelung verleiht dem Film seinen besonderen Charakter. Hier wird nicht versucht, bayerische Eigenheiten für ein überregionales Publikum zu entschärfen.

Allerdings hat diese Erzählweise auch ihre Schwächen. Nicht jeder Witz zündet, manche Pointe wird allzu deutlich vorbereitet, und gelegentlich droht der derbe Humor die eigentliche Kriminalgeschichte zu überlagern. Auch die Figurenzeichnung bewegt sich mitunter gefährlich nahe an der Karikatur. Was zunächst als liebevolle Überzeichnung erscheint, kann auf Dauer etwas anstrengend werden. Der Film vertraut stark auf seine skurrilen Charaktere und seine regionale Atmosphäre, während die dramaturgische Geschlossenheit nicht immer dieselbe Aufmerksamkeit erhält.

Dennoch besitzt „Jennerwein – Hochsaison“ eine Qualität, die vielen modernen Heimatproduktionen fehlt: Er nimmt seine Figuren ernst genug, um ihre Schwächen zu zeigen, und gleichzeitig nicht so ernst, dass daraus eine bleischwere Provinztragödie entsteht. Die Mischung aus Krimi und Komödie funktioniert besonders dann, wenn der Film seine Boshaftigkeit nicht übertreibt, sondern beiläufig in scheinbar harmlosen Alltagssituationen aufblitzen lässt.

Interessant ist auch die filmische Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff. Heimat erscheint hier keineswegs als konfliktfreier Sehnsuchtsort, sondern als gesellschaftlicher Mikrokosmos, in dem jeder jeden kennt und gerade deshalb Geheimnisse, Vorurteile und alte Rechnungen eine besondere Bedeutung besitzen. Die Berge mögen majestätisch sein, die Menschen darunter sind es keineswegs immer. Darin liegt eine durchaus reizvolle Brechung traditioneller Heimatfilmklischees.

„Jennerwein – Hochsaison“ ist sicherlich kein subtiler Kriminalfilm und auch keine fein austarierte Gesellschaftssatire. Dafür ist er zu rustikal, gelegentlich zu grob und mitunter zu sehr auf den schnellen Lacher bedacht. Doch gerade diese Ungehobeltheit gehört zu seinem Wesen. Der Film will unterhalten, provozieren und seine bayerische Herkunft keineswegs verleugnen.

Am Ende bleibt ein unterhaltsamer Heimatkrimi mit Ecken und Kanten, der seine Stärken vor allem aus dem Lokalkolorit, den eigenwilligen Figuren und dem schwarzen Humor bezieht. Wer einen perfekt konstruierten Kriminalfall erwartet, dürfte gelegentlich die Stirn runzeln. Wer dagegen Freude an bayerischen Geschichten hat, in denen hinter der schönen Alpenkulisse ordentlich Gift verspritzt wird, kommt auf seine Kosten. Denn eines macht „Jennerwein – Hochsaison“ deutlich: Auch im schönsten Bayern ist der Mensch nicht unbedingt besser – nur die Aussicht ist schöner.

Für die Regie zeichnet der finnischstämmige Regisseur Hannu Salonen verantwortlich, der sich im deutschen Fernsehen insbesondere mit Kriminalproduktionen einen Namen gemacht hat. Zu seinen Arbeiten gehört unter anderem die historische Fernsehserie „Oktoberfest 1900“. Salonen verfügt über Erfahrung darin, Spannung mit regionalen Eigenheiten und ausgeprägten Charakteren zu verbinden. Bei „Jennerwein – Hochsaison“ setzt er auf eine Mischung aus Kriminalfilm, schwarzer Komödie und modernem Heimatkino.

Die Hauptrolle des Kommissars Hubertus Jennerwein übernimmt Florian Brückner. An seiner Seite spielen Sarah Thonig, Frederic Linkemann, Eva-Maria Reichert, Helmfried von Lüttichau und Cornelius Obonya. Gerade Helmfried von Lüttichau dürfte vielen Zuschauern durch seine Rolle in der erfolgreichen bayerischen Krimiserie „Hubert und Staller“ bekannt sein. Das Ensemble vereint damit Schauspieler, die bereits umfangreiche Erfahrungen mit regional geprägten Fernseh- und Kinoproduktionen gesammelt haben.

Das Drehbuch stammt von Maximilian Brückner, Linus Herbig-Matten und Dinah Marte Golch. Produziert wurde der Film von Wiedemann & Berg Television in Zusammenarbeit mit RTL Deutschland. Als Produzenten fungieren Benjamin Benedict, Kerstin Nommsen, Quirin Berg und Max Wiedemann. Die Münchner Produktionsfirma ist für zahlreiche erfolgreiche deutsche Film- und Fernsehproduktionen bekannt.

Die Dreharbeiten begannen Mitte November 2025 und fanden unter anderem in Garmisch-Partenkirchen und im österreichischen Seefeld statt. Die winterliche Alpenlandschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Verschneite Berge, Wintersportanlagen und die vermeintliche Beschaulichkeit des oberbayerischen Lebens bilden den reizvollen Gegensatz zu einer Geschichte voller Intrigen, Mordanschläge und menschlicher Abgründe. Für die Bildgestaltung war Kameramann Felix Cramer verantwortlich, die Filmmusik komponierten Martina Eisenreich und Michael Kadelbach.

Bereits 2011 wurde mit „Föhnlage – Ein Alpenkrimi“ ein Jennerwein-Roman für das Fernsehen adaptiert. Damals verkörperte Martin Feifel den eigenwilligen Ermittler. Mit „Hochsaison“ wagt die Buchreihe nun erstmals den Sprung ins Kino. Der neue Film steht damit in einer Tradition bayerischer Kriminalkomödien, die das Heimatgenre bewusst gegen den Strich bürsten. Statt einer verklärten Alpenwelt präsentiert sich Bayern als Schauplatz von Verbrechen, menschlichen Eitelkeiten und gesellschaftlichen Konflikten. Dass dabei ausgerechnet die majestätische Bergwelt als Kulisse dient, gehört zum besonderen Reiz dieser Geschichte. „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ zeigt, dass der moderne Heimatfilm längst mehr sein kann als Trachtenromantik und Bergpanorama.

100. Geburtstag von Peter Thomas

1. Dezember 2025

Am 1. Dezember 2025 wäre Peter Thomas 100 Jahre alt geworden – ein Komponist, der wie kaum ein anderer die Klangwelt des deutschen Films und Fernsehens geprägt hat. „Peter Thomas war einer der größten Komponisten populärer Musik, die wir hatten – das Beispiel einer durchgehend unpeinlichen deutschen Künstlerexistenz“, würdigte ihn einst die Süddeutsche Zeitung.

Tatsächlich hat Thomas im Laufe seines über 50 Jahre währenden Schaffens die Musik zu rund 80 Spielfilmen und über 600 Fernsehproduktionen geschrieben. Seine Melodien entfalteten ihre Wirkung über Jahrzehnte hinweg und verbanden Generationen: Viele dieser Themes und Soundtracks sind bis heute Kult. Von den schaurig-spannenden Edgar-Wallace-Krimis bis zur actiongeladenen Agentenfilmreihe Jerry Cotton, von Straßenfeger-Serien wie Der Kommissar bis zu exotischen Abenteuern – stets verlieh Peter Thomas den Bildern mit seinen Einfällen eine unvergessliche musikalische Stimme.

Kein Wunder, dass man in ihm einen Soundtüftler sah, Deutschlands einfallsreichsten Filmkomponisten der 1960er und 1970er Jahre. Mit Innovationskraft, Herz und einem Augenzwinkern schuf er einen neuen Klangkosmos für die Nachkriegszeit. Ich durfte zusammen mit Markus Elfert vom Filmreport ein interessantes Interview mit seinem Sohn Philip führen dürfen.

Besonders leuchtend strahlt bis heute seine Komposition für die Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ (1966). Diese Musik war in ihrer Art einzigartig und bahnbrechend. Thomas mischte hier Stile, die zuvor kaum zusammen gedacht wurden: treibende Beat-Rhythmen und Jazz-Grooves trafen auf Anklänge an klassische Musik und sogar Zwölfton-Klänge . Mit Mut zur Avantgarde integrierte er elektronische Effekte in den Orchesterklang – ein Novum im deutschen Fernsehen jener Zeit. Gleich zu Beginn der Titelmelodie ertönt ein Countdown, gezählt von Thomas’ eigener Stimme durch einen verzerrenden Vocoder – dies war eine der frühesten Anwendungen eines Vocoders in der Populärmusik überhaupt. Zusammen mit dem Tontechniker Hansjörg Wicha hatte Thomas sogar ein eigenes elektronisches Instrument entwickelt, das „ThoWiephon“, dessen spacige Klänge er hier einsetzte. Statt auf ein großes Symphonieorchester setzte er – auch aus Budgetgründen – auf eine kleine Bandbesetzung und machte „aus der Not eine Tugend“: Im Zentrum seines Orion-Sounds steht eine Hammond-Orgel, damals für viele Ohren ein ungewohnter Klang.

Mit ihrem schwebenden, vibrierenden Sound untermalte sie perfekt die unheimlichen und futuristischen Szenen. Diese ungewöhnliche Mischung verlieh Raumpatrouille Orion einen Soundtrack, der so futuristisch wie verspielt war – Musik „vom Mond“, wie Thomas es nannte, die das Publikum gleichermaßen in Staunen und in gute Laune versetzte. Unvergessen sind die bizarren Tanzszenen der Serie, zu denen Thomas eigens den Modetanz „Galyxo“ erfand – ein hüpfender Weltraum-Twist, der die Zuschauer schmunzeln ließ. Thomas’ Orion-Musik wirkte wie ein eigenes Besatzungsmitglied der Orion: Sie trug die Abenteuer am Rande der Unendlichkeit mit, gab ihnen Herzschlag und Humor und machte die Serie zu einer Legende der TV-Geschichte.

Doch Peter Thomas’ Schaffen beschränkte sich keineswegs nur auf ferne Galaxien – er war ebenso der Meister der Großstadtlichter, des kriminalistischen Nervenkitzels und sogar der heiteren Momente. Seine Soundtracks für die Edgar-Wallace-Filme der 1960er Jahre (beginnend mit Die seltsame Gräfin, 1961) begründeten seinen Ruf; mit swingenden Big-Band-Klängen, unheimlichen Orgelakkorden und ungewöhnlichen Geräuscheffekten schuf er in diesen Krimis eine unverwechselbare Atmosphäre. Insgesamt 18 Filme der Edgar-Wallace-Reihe vertonte er und wurde so zum Stammkomponisten dieser populären Gruselserie. Ich liebe den Soundtrack zum Heuler Die Schlangengrube und das Pendel.

Ebenso prägte er den Sound der acht Jerry-Cotton-Agentenfilme (1965–69) mit rasanten, jazzigen Rhythmen und spannungsgeladenen Themen – Musik, die den Puls der Zuschauer beschleunigte und den rauchigen Glamour des New Yorker Gangstermilieus ins heimische Kino holte. Mit diesen Werken avancierte Thomas zu Deutschlands führendem Komponisten für Kriminal- und Actionfilme jener Ära. Seine Kreativität kannte dabei keine Scheu vor kuriosen Einfällen: In einem Wallace-Titelsong wie “Der Hexer“ verarbeitete er schon mal das Jaulen von Hunden, gellende Schreie und Pistolenschüsse als Teil der Musik – Momente subtilen Humors und selbstironischer Augenzwinkerei, die den Hörer überraschten und doch bestens ins Klangbild passten. Diese spielerische Experimentierlust verlieh Thomas’ Krimi-Scores eine besondere Würze.

Auch im Fernsehen hinterließ Peter Thomas unauslöschliche Spuren. Für Serienklassiker wie „Der Kommissar“ (ab 1969), „Derrick“ (ab 1974) oder „Der Alte“ (ab 1977) steuerte er regelmäßig die Episodenmusik bei. Stets traf er den richtigen Ton für die Stimmung – mal melancholisch-nachdenklich, mal gespannt-düster, mal beschwingt. Seine Musik aus Der Kommissar fand sogar den Weg in die Hitparaden: Das Lied „Du lebst in deiner Welt“, gesungen von Daisy Door in einer Folge 1971, entwickelte sich zum Chart-Erfolg und verkaufte sich über 500.000 Mal. Es war ungewöhnlich, dass ein Stück Filmmusik als Single derartig einschlug – ein weiteres Zeugnis dafür, wie Thomas mit seinen Melodien direkt die Herzen des Publikums erreichte. Selbst in Genres wie Western, Komödie oder Dokumentation fühlte er sich zuhause – ob schmissige Marschmusik für abenteuerliche Cowboy-Geschichten oder experimentelle Klänge für Horror- und Sci-Fi-Stoffe, immer bewies er seine enorme stilistische Bandbreite. Dabei blieb Thomas’ Handschrift stets erkennbar: ein Gespür für eingängige Themen, eine Vorliebe für jazzige Harmonien und ein augenzwinkernder Esprit, der in vielen seiner Stücke mitschwingt.

Heute, ein Jahrhundert nach seiner Geburt, wird Peter Thomas als Legende gefeiert. Sein Einfluss auf das Genre des Soundtracks im deutschsprachigen Raum ist kaum zu überschätzen – er hat gezeigt, dass Filmmusik mutig neue Wege gehen kann, ohne ihre Emotionalität zu verlieren. Viele jüngere Komponisten und Bands haben sein Werk als Inspiration entdeckt; so sampelte etwa die britische Band Pulp einen seiner Orion-Titel (“Bolero on the Moon Rocks“) in einem Popsong, und Hollywood-Regisseur George Clooney verwendete Thomas-Kompositionen aus den 60er Jahren in Confessions of a Dangerous Mind (2002) . Wie ein Nachruf treffend bemerkte, lieferte Peter Thomas gewissermaßen „den Soundtrack der westdeutschen Nachkriegszeit“ – kaum ein bekanntes Kinoabenteuer oder eine TV-Serie der 60er und 70er, die nicht von seinen Klängen mitgetragen wurde. Seine Musik hat das Publikum durch ferne Welten geführt, es zum Lachen und Staunen gebracht und ganze Generationen begleitet. Voll Wärme, Witz und Wagemut erschuf Peter Thomas einen Klangkosmos, der bis heute nachhallt.

Besonders betonen möchte ich die Leistung des Stuttgarter Labels Allscore. Das Label beschäftigt sich mit Filmmusik und veröffentlicht unter anderem Werke des Komponisten Peter Thomas. Allscore veröffentlicht Soundtracks, insbesondere aus den 1960er und 1970er Jahren, sowie Musik aus Genres wie Cinematic Music, Beat, Surf und Lounge. Sobald hier eine neue Schallplatte erscheint, wird bestellt. Bitte mehr.

In diesem musisch-poetischen Sinne verneigen wir uns vor einem großen Maestro. Seine innovativen Klangexperimente, sein musikalischer Humor und seine unerschöpfliche Kreativität haben die deutschsprachige Filmmusik für immer bereichert. Auch wenn Peter Thomas selbst nicht mehr unter uns weilt – seine Melodien leben weiter: als Soundtrack unserer Erinnerungen, als Ohrwürmer und Gänsehaut-Themen, die uns immer wieder daran erinnern, was für ein Abenteuer gute Musik sein kann. Danke, Peter Thomas, für diese fantastischen Klangabenteuer. Und danke an Philip Thomas, das er das Erbe des Vaters weiter hochhält.