Mit „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ kommt am 5. November 2026 eine der erfolgreichsten bayerischen Krimifiguren auf die große Kinoleinwand. Die Vorlage stammt vom Garmisch-Partenkirchner Schriftsteller und Kabarettisten Jörg Maurer, dessen Alpenkrimis längst Kultstatus erreicht haben. Seit dem ersten Jennerwein-Roman „Föhnlage“ aus dem Jahr 2009 hat sich die Reihe zu einem Bestsellerphänomen entwickelt. Mehr als drei Millionen verkaufte Bücher belegen, dass die Mischung aus Kriminalspannung, bayerischem Lokalkolorit und schwarzem Humor beim Publikum hervorragend ankommt. Die Filmhandlung basiert auf dem 2010 veröffentlichten Roman „Hochsaison“.

Bayern ist schön, Bayern ist gemütlich, und hinter jeder noch so malerischen Bergkulisse lauern menschliche Abgründe. Genau mit diesem Gegensatz spielt der Heimatkrimi „Jennerwein – Hochsaison“, der bayerisches Lokalkolorit mit Kriminalgeschichte, schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie verbindet. Herausgekommen ist ein kerniger Heimatfilm, der sich erfreulicherweise nicht dem üblichen Postkartenkitsch hingibt, sondern die vermeintlich heile Welt des Alpenlandes mit sichtlichem Vergnügen demontiert.
Die bayerische Bergwelt liefert dabei eine eindrucksvolle Kulisse. Doch wo andere Heimatfilme auf romantische Sonnenuntergänge, urige Wirtshäuser und traditionsbewusste Dorfbewohner setzen, interessiert sich „Jennerwein – Hochsaison“ vor allem für die weniger liebenswerten Seiten seiner Figuren. Hinter freundlichen Fassaden verbergen sich Eigeninteressen, Boshaftigkeiten und menschliche Schwächen. Die Idylle wird zur Bühne für eine Geschichte, in der das Verbrechen beinahe selbstverständlich zum Alltag gehört.

Besonders reizvoll ist der eigenwillige Humor. Die Figuren sind keine glattgebügelten Sympathieträger, sondern bisweilen ausgesprochen schrullige Zeitgenossen. Der bayerische Dialekt gehört ebenso selbstverständlich dazu wie die rustikale Mentalität und die Neigung, unangenehme Wahrheiten mit einem deftigen Spruch zu kommentieren. Gerade diese sprachliche und kulturelle Verwurzelung verleiht dem Film seinen besonderen Charakter. Hier wird nicht versucht, bayerische Eigenheiten für ein überregionales Publikum zu entschärfen.
Allerdings hat diese Erzählweise auch ihre Schwächen. Nicht jeder Witz zündet, manche Pointe wird allzu deutlich vorbereitet, und gelegentlich droht der derbe Humor die eigentliche Kriminalgeschichte zu überlagern. Auch die Figurenzeichnung bewegt sich mitunter gefährlich nahe an der Karikatur. Was zunächst als liebevolle Überzeichnung erscheint, kann auf Dauer etwas anstrengend werden. Der Film vertraut stark auf seine skurrilen Charaktere und seine regionale Atmosphäre, während die dramaturgische Geschlossenheit nicht immer dieselbe Aufmerksamkeit erhält.

Dennoch besitzt „Jennerwein – Hochsaison“ eine Qualität, die vielen modernen Heimatproduktionen fehlt: Er nimmt seine Figuren ernst genug, um ihre Schwächen zu zeigen, und gleichzeitig nicht so ernst, dass daraus eine bleischwere Provinztragödie entsteht. Die Mischung aus Krimi und Komödie funktioniert besonders dann, wenn der Film seine Boshaftigkeit nicht übertreibt, sondern beiläufig in scheinbar harmlosen Alltagssituationen aufblitzen lässt.
Interessant ist auch die filmische Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff. Heimat erscheint hier keineswegs als konfliktfreier Sehnsuchtsort, sondern als gesellschaftlicher Mikrokosmos, in dem jeder jeden kennt und gerade deshalb Geheimnisse, Vorurteile und alte Rechnungen eine besondere Bedeutung besitzen. Die Berge mögen majestätisch sein, die Menschen darunter sind es keineswegs immer. Darin liegt eine durchaus reizvolle Brechung traditioneller Heimatfilmklischees.
„Jennerwein – Hochsaison“ ist sicherlich kein subtiler Kriminalfilm und auch keine fein austarierte Gesellschaftssatire. Dafür ist er zu rustikal, gelegentlich zu grob und mitunter zu sehr auf den schnellen Lacher bedacht. Doch gerade diese Ungehobeltheit gehört zu seinem Wesen. Der Film will unterhalten, provozieren und seine bayerische Herkunft keineswegs verleugnen.

Am Ende bleibt ein unterhaltsamer Heimatkrimi mit Ecken und Kanten, der seine Stärken vor allem aus dem Lokalkolorit, den eigenwilligen Figuren und dem schwarzen Humor bezieht. Wer einen perfekt konstruierten Kriminalfall erwartet, dürfte gelegentlich die Stirn runzeln. Wer dagegen Freude an bayerischen Geschichten hat, in denen hinter der schönen Alpenkulisse ordentlich Gift verspritzt wird, kommt auf seine Kosten. Denn eines macht „Jennerwein – Hochsaison“ deutlich: Auch im schönsten Bayern ist der Mensch nicht unbedingt besser – nur die Aussicht ist schöner.
Für die Regie zeichnet der finnischstämmige Regisseur Hannu Salonen verantwortlich, der sich im deutschen Fernsehen insbesondere mit Kriminalproduktionen einen Namen gemacht hat. Zu seinen Arbeiten gehört unter anderem die historische Fernsehserie „Oktoberfest 1900“. Salonen verfügt über Erfahrung darin, Spannung mit regionalen Eigenheiten und ausgeprägten Charakteren zu verbinden. Bei „Jennerwein – Hochsaison“ setzt er auf eine Mischung aus Kriminalfilm, schwarzer Komödie und modernem Heimatkino.
Die Hauptrolle des Kommissars Hubertus Jennerwein übernimmt Florian Brückner. An seiner Seite spielen Sarah Thonig, Frederic Linkemann, Eva-Maria Reichert, Helmfried von Lüttichau und Cornelius Obonya. Gerade Helmfried von Lüttichau dürfte vielen Zuschauern durch seine Rolle in der erfolgreichen bayerischen Krimiserie „Hubert und Staller“ bekannt sein. Das Ensemble vereint damit Schauspieler, die bereits umfangreiche Erfahrungen mit regional geprägten Fernseh- und Kinoproduktionen gesammelt haben.
Das Drehbuch stammt von Maximilian Brückner, Linus Herbig-Matten und Dinah Marte Golch. Produziert wurde der Film von Wiedemann & Berg Television in Zusammenarbeit mit RTL Deutschland. Als Produzenten fungieren Benjamin Benedict, Kerstin Nommsen, Quirin Berg und Max Wiedemann. Die Münchner Produktionsfirma ist für zahlreiche erfolgreiche deutsche Film- und Fernsehproduktionen bekannt.
Die Dreharbeiten begannen Mitte November 2025 und fanden unter anderem in Garmisch-Partenkirchen und im österreichischen Seefeld statt. Die winterliche Alpenlandschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Verschneite Berge, Wintersportanlagen und die vermeintliche Beschaulichkeit des oberbayerischen Lebens bilden den reizvollen Gegensatz zu einer Geschichte voller Intrigen, Mordanschläge und menschlicher Abgründe. Für die Bildgestaltung war Kameramann Felix Cramer verantwortlich, die Filmmusik komponierten Martina Eisenreich und Michael Kadelbach.
Bereits 2011 wurde mit „Föhnlage – Ein Alpenkrimi“ ein Jennerwein-Roman für das Fernsehen adaptiert. Damals verkörperte Martin Feifel den eigenwilligen Ermittler. Mit „Hochsaison“ wagt die Buchreihe nun erstmals den Sprung ins Kino. Der neue Film steht damit in einer Tradition bayerischer Kriminalkomödien, die das Heimatgenre bewusst gegen den Strich bürsten. Statt einer verklärten Alpenwelt präsentiert sich Bayern als Schauplatz von Verbrechen, menschlichen Eitelkeiten und gesellschaftlichen Konflikten. Dass dabei ausgerechnet die majestätische Bergwelt als Kulisse dient, gehört zum besonderen Reiz dieser Geschichte. „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ zeigt, dass der moderne Heimatfilm längst mehr sein kann als Trachtenromantik und Bergpanorama.
