Posts Tagged ‘Never Ending Tour’

Bob Dylan feiert seinen 74. Geburtstag und ich feier mit

24. Mai 2015

Heute feiert einer meiner Helden seinen 74. Geburtstag: Happy Birthday Bob Dylan. Ich gratuliere von ganzem Herzen.
Seit meiner Jugend verfolge ich die Karriere von His Bobness, besuche seine Konzerte und kaufe seine Alben. Er schuf den Soundtrack zu meinem Leben. Ich habe alle Richtungsänderungen des Meisters brav mitgemacht und alle Masken ertragen. Zuletzt habe ich den hervorragenden Auftritt eines nervösen alten Mannes bei der David Letterman-Show angeschaut. Wunderbar finde ich seine Hommage an Sintra und die alte Zeit.


Und immer wieder die Frage: Wer ist nun Bob Dylan? Ich weiß es nicht und im Grunde ist es auch egal. Der Mann zieht mit 74 Jahren sein Ding durch und das ist gut so. Und immer wieder die andere Frage: Was ist das beste Bob Dylan-Album? Ich weiß es auch nicht und es auch das egal. Dylan hat Alben für jede meiner Stimmungen aufgenommen und so kann ich ihn immer wieder hören. Damit wird Dylan nie langweilig. Mal brauche ich den Aufschneider, den Demütigen, den Liebhaber, den Spotter und mal brauche ich einfach den Musiker. Er ist nicht auf einen Stil festgelegt, auch wenn es wir Fans gerne mal so wollen. Im Moment höre ich wieder The Basement Tapes Complete und das punkige Hard Rain Konzert.

Dylan selbst scheint in seiner Sinatra-Phase zu sein und ich sehe ihn bald live auf seinem Konzert in Bamberg. Meine jüngsten Konzerte von ihm in München und Düsseldorf fand ich grandios – der Song and Dance-Man hat Hof gehalten und wir Jünger sind gekommen. Der Meister war hervorragend bei Stimme, gut in Form, gut gelaunt und über die phänomenale Begleitband muss man seit Jahren nichts mehr verlieren.

Dylan_basementWie wird Dylan seinen Geburtstag verbringen? Ich denke nicht, dass er auf einer der Bühnen dieser Welt stehen wird. Am 17. Mai spielte er noch in South Bend, Indianapolis und dann kommt er schon im Juni nach Deutschland. Zum Geburtstag macht er von seiner Never Ending Tour eine Pause. Würde mich für ihn freuen, wenn seine Kinder bei ihm vorbeischauen oder gar eine seiner Ex-Frauen bei ihm anrufen. Aber im Grunde muss uns die Privatperson Dylan egal sein. Der Song und Dance Man interessiert uns und aus diesem Grunde: Alles Gute zum Geburtstag lieber Bob. May You Stay Forever Young

Musiktipp: „Shadows In The Night“ von Bob Dylan

8. Februar 2015

Dylan

Ich verstehe den ganzen Wirbel nicht. Das neue Album von Bob Dylan ist erschienen und his Bobness hat wieder eine der seiner vielen Dylan-Masken aufgesetzt. Shadows in the Night enthält Songs, die einstmals von Frank Sinatra auch interpretiert wurden. Und schon setzt die große Diskussion ein.
Fest steht, das Album ist eine wunderbare Verneigung an Ol’ Blue Eyes und Dylan singt so schön, wie schon lange nicht mehr. Diese Art von Musik muss auch gesungen werden und nicht gekrächtzt von einer geschundenen Altmännerstimme.
Aber tun wir doch nicht so, als ob Dylan hier zum ersten Mal seine Vorbilder ehrt, in dem er ein Album mit ihren Liedern aufnimmt. Wir kennen doch das zehnte Dylan-Album Self Portrait und dessen verspäteter Nachfolger Another Self Portrait mit so manch ähnlichen Song. Aber noch viel, viel wichtiger war doch Dylans Verneigung vor den Größen des Folks: Good as I Been to You (1992) und World Gone Wrong (1993). Diese beiden Alben waren zwar grausam produziert – Dylan hat hier alles selbst gemacht und Recording ist sicherlich nicht sein Ding. Aber das grandiose Shadows in the Night steht in der Tradition dieser beiden Scheiben, eben eine weitere Dylan-Maske.
Beim ersten Anhören von Shadows in the Night erstarrte ich. Der Meister singt, der Meister singt wirklich. Er legt ein Feeling in seine Stimme und seine Begleitband zeigt ihre absolute Klasse. Seit Jahren sind die Herrschaften mit Dylan auf Tour, kennen die Launen des Meisters und sind zu einer Top-Band gereift. Hut ab vor der musikalischen Leistung von Donny Herron (Pedal Steel), Tony Garnier (Bass), Charlie Sexton und Stu Kimball (Gitarre) sowie George G. Receli (Schlagzeug).
Dylan führt im Studio seine Experimente mit dem großen amerikanischen Liedgut fort, die er seit Jahren auf seiner Never Ending Tour zelebriert. Nun interpretiert The Voice Dylan den legendären The Voice Sinatra. Und es ist nicht ein gute Laune-Album wie Swing When You’re Winning von Robbie Williams. Dass wir uns richtig verstehen: Robbie Williams Album ist nett, aber er ist nun mal nicht The Voice. Williams Verdienst ist es, Sinatra-Songs einer neuen Generation zugänglich gemacht zu haben.
Dylan hat diesen Zugang zu einer neuen Generation nicht, er interpretiert die Songs für seine Generation. Leute, die wie er in Würde gealtet sind. Leute, die heute ohne Probleme sagen können, dass sie Songs von Sinatra, Elvis oder gar Doris Day schön finden, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Und verdammt nochmal, Bob Dylan kann wirklich schön singen, nahezu herzzerreißend. Als ich das Album mehrere Male durchgehört hatte, dachte ich an das Spätwerk von Johnny Cash. Auch er ist mit seinen letzten American Recordings-Alben aus seiner eigen Tradition ausgebrochen.
Dylan stößt wieder mal so manchen vor dem Kopf. Das hat Dylan schon immer gerne getan und tut es dieses Mal auch wieder. Die zehn Songs geben eine wunderbare Stimmung wieder. Für mich ist der Klassiker „That Lucky Old Sun“ der wichtigste Song auf dem Album – übrigens auch Johnny Cash hat ihn gesungen.

Bob Dylan: Das Düsseldorfer Konzert 2013

25. Oktober 2013

Bob Dylan in Concert bedeutet immer ein gewisses Risiko für alle Beteiligen. Ich habe Konzerte erlebt, wo der Meister betrunken auf der Bühne herumtorkelte und ich habe Konzerte erlebt, wo ich den Song and Danceman grandios aufspielen hörte. Mein Konzertbesuch in Düsseldorf im Oktober 2013 war einer der letzteren Erfahrungen.

Dylan und seine famose Begleitband waren exzellenter Laune und spielten eine eindrucksvolle Show. Die Vorband sparte sich Dylan gleich und ging pünktlich um 20 Uhr zur Sache. Kein „Columbia recording artists“ mehr wie früher, sondern ohne Begrüßung der rund 9000 Fans in der Mitsubishi Electric Halle musizierte der 71jährige Musikant mit seiner Band.

Nüchtern die Show bei Dylan.

Nüchtern die Show bei Dylan.

Und natürlich gab es wieder keine Best of-Show. Wer Dylan-Konzerte besucht, der kennt die Eigenart des Meisters, viel Unbekanntes zu spielen. Und das Bekannte wird immer wieder interpretiert, so dass die Fans „Simple Twist of Fate“ oder „Tangled Up in Blue “ zunächst nur am Text erkannten. Aber das macht ja den Reiz einer Dylan-Show aus. Der Künstler gibt uns keine Best of-Variante seiner Songs, sondern übt sich an Neuinterpretationen. Mal scheitern sie grandios, mal schreiben sie Musikgeschichte.

Stunden vor dem Konzert bildeten sich lange Schlangen.

Stunden vor dem Konzert bildeten sich lange Schlangen.

Ein paar junge Besucher schauten daher etwas verwirrt, als sie keinen der gespielten Songs erkannten. Ja, ja, so ist das hier. Der Meister verlangt viel von seinem Publikum. Aufmerksam und Bereitschaft sich auf Neues einzulassen – auch mit der Gefahr einen kompletten Mist zu erhalten.

Nun in Düsseldorf mussten wir uns darüber keine Sorgen machen. Dylan, der sich cool am Bühnenrand postierte und ab und zu im grotesk dylanscher Art mitwippte, hatte, seine Band und sich voll im Griff. Er ist enorm präsent auf der Bühne und auch wenn er ab und zu ans Keyboard geht, ist er immer Herr der Lage. Für die Musiker muss es enorm schwer sein, die Hunderte von Songs im Kopf zu haben, auf die Fingerbewegungen ihres Chefs zu reagieren und trotzdem eine coole Show abzuliefern. In Düsseldorf waren viele Songs des neuen Albums dabei.

Die Fans quittierten die Songs mit Applaus und nahmen sogar die vernuschelte Pausenansage mit den Worten wahr: „Er spricht. Er spricht zu uns.“ Hier gibt es keinen mündlichen Dialog mit dem Publikum. Kein „I can’t hear you“ oder „It’s wonderful here in Blabla“. Es geht um die Musik, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es gibt kein Anbiedern und verbale Stimmungsmache, kein „You feel allright?“ Wenn Dylan Lust hat, stellt er höchstens mal seine Band vor – in Düsseldorf hatte er dafür zumindest keine Lust. Am Ende gab es ein Gruppenbild und eine gemeinsame Verbeugung. Die Fans haben für Musik bezahlt und die haben sie bekommen. Der Musikant hat seinen Job gemacht und geht nach rund zwei Stunden stumm von der Bühne und direkt ins Nobelhotel an der Kö.

Und die Fans? Sie diskutieren, welcher Song nun welcher war. Ich musste grinsen, dass die beiden letzten Songs des Abends „All allong the Watchtower“ und „Blowing in the Wind“ waren. Ich sehe hier den Aufruf Dylans ihn aus seiner Never Ending Tour zu entlassen, nach dem Motto „The must be a way out of here“ und „How many roads …“ Aber dies ist wahrscheinlich zu viel interpretiert. Dylan ist das halbe Jahr auf Tour und muss es wohl nicht mehr wegen des Geldes machen. Er ist wohl ein Getriebener, der auf die Bühne vor sein Publikum muss, um es mit einer weiteren Dylan-Maske zu verwirren. Welchen Dylan wir in Düsseldorf gehen haben, muss sich mit zeitlichen Abstand zeigen. Im vergangenen Jahr in München hatten wir einen enormen bluesigen, gar punkigen Dylan gehört. In Düsseldorf hörten wir einen Musikanten, der in sich ruht.

Wer Geld loswerden wollte, konnte es hier tun.

Wer Geld loswerden wollte, konnte es hier tun.

Die Fans haben es nicht leicht, schließlich lässt sich Dylan schon lange nicht mehr vereinnahmen. So nervten in der Pause und nach dem Konzert die Anhänger der Glaubensbewegung „zwölf Stämme“, die ihr Werbematerial mit geklauten Dylan-Fotos an den Mann bringen wollten. In den Medien waren diese Herrschaften wegen Ermittlungen gegen sie wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und Verletzung der Aufsichts- und Fürsorgepflicht aufgefallen. Bei Dylan gaben sie sich als Friedensfreunde. Auf solche Fans kann ich verzichten.

Hier die Setlist des Abends:

Things Have Changed

She Belongs to Me

Beyond Here Lies Nothin‘

What Good Am I?

Pay in Blood

Waiting for You

Duquesne Whistle

Tangled Up in Blue

Love Sick

Set 2:

High Water (For Charley Patton)

Simple Twist of Fate

Early Roman Kings

Forgetful Heart

Spirit on the Water

Scarlet Town

Soon after Midnight

Long and Wasted Years

Zugabe:

All Along the Watchtower

Blowin‘ in the Wind