Bob Dylan: Das Düsseldorfer Konzert 2013

Bob Dylan in Concert bedeutet immer ein gewisses Risiko für alle Beteiligen. Ich habe Konzerte erlebt, wo der Meister betrunken auf der Bühne herumtorkelte und ich habe Konzerte erlebt, wo ich den Song and Danceman grandios aufspielen hörte. Mein Konzertbesuch in Düsseldorf im Oktober 2013 war einer der letzteren Erfahrungen.

Dylan und seine famose Begleitband waren exzellenter Laune und spielten eine eindrucksvolle Show. Die Vorband sparte sich Dylan gleich und ging pünktlich um 20 Uhr zur Sache. Kein „Columbia recording artists“ mehr wie früher, sondern ohne Begrüßung der rund 9000 Fans in der Mitsubishi Electric Halle musizierte der 71jährige Musikant mit seiner Band.

Nüchtern die Show bei Dylan.

Nüchtern die Show bei Dylan.

Und natürlich gab es wieder keine Best of-Show. Wer Dylan-Konzerte besucht, der kennt die Eigenart des Meisters, viel Unbekanntes zu spielen. Und das Bekannte wird immer wieder interpretiert, so dass die Fans „Simple Twist of Fate“ oder „Tangled Up in Blue “ zunächst nur am Text erkannten. Aber das macht ja den Reiz einer Dylan-Show aus. Der Künstler gibt uns keine Best of-Variante seiner Songs, sondern übt sich an Neuinterpretationen. Mal scheitern sie grandios, mal schreiben sie Musikgeschichte.

Stunden vor dem Konzert bildeten sich lange Schlangen.

Stunden vor dem Konzert bildeten sich lange Schlangen.

Ein paar junge Besucher schauten daher etwas verwirrt, als sie keinen der gespielten Songs erkannten. Ja, ja, so ist das hier. Der Meister verlangt viel von seinem Publikum. Aufmerksam und Bereitschaft sich auf Neues einzulassen – auch mit der Gefahr einen kompletten Mist zu erhalten.

Nun in Düsseldorf mussten wir uns darüber keine Sorgen machen. Dylan, der sich cool am Bühnenrand postierte und ab und zu im grotesk dylanscher Art mitwippte, hatte, seine Band und sich voll im Griff. Er ist enorm präsent auf der Bühne und auch wenn er ab und zu ans Keyboard geht, ist er immer Herr der Lage. Für die Musiker muss es enorm schwer sein, die Hunderte von Songs im Kopf zu haben, auf die Fingerbewegungen ihres Chefs zu reagieren und trotzdem eine coole Show abzuliefern. In Düsseldorf waren viele Songs des neuen Albums dabei.

Die Fans quittierten die Songs mit Applaus und nahmen sogar die vernuschelte Pausenansage mit den Worten wahr: „Er spricht. Er spricht zu uns.“ Hier gibt es keinen mündlichen Dialog mit dem Publikum. Kein „I can’t hear you“ oder „It’s wonderful here in Blabla“. Es geht um die Musik, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es gibt kein Anbiedern und verbale Stimmungsmache, kein „You feel allright?“ Wenn Dylan Lust hat, stellt er höchstens mal seine Band vor – in Düsseldorf hatte er dafür zumindest keine Lust. Am Ende gab es ein Gruppenbild und eine gemeinsame Verbeugung. Die Fans haben für Musik bezahlt und die haben sie bekommen. Der Musikant hat seinen Job gemacht und geht nach rund zwei Stunden stumm von der Bühne und direkt ins Nobelhotel an der Kö.

Und die Fans? Sie diskutieren, welcher Song nun welcher war. Ich musste grinsen, dass die beiden letzten Songs des Abends „All allong the Watchtower“ und „Blowing in the Wind“ waren. Ich sehe hier den Aufruf Dylans ihn aus seiner Never Ending Tour zu entlassen, nach dem Motto „The must be a way out of here“ und „How many roads …“ Aber dies ist wahrscheinlich zu viel interpretiert. Dylan ist das halbe Jahr auf Tour und muss es wohl nicht mehr wegen des Geldes machen. Er ist wohl ein Getriebener, der auf die Bühne vor sein Publikum muss, um es mit einer weiteren Dylan-Maske zu verwirren. Welchen Dylan wir in Düsseldorf gehen haben, muss sich mit zeitlichen Abstand zeigen. Im vergangenen Jahr in München hatten wir einen enormen bluesigen, gar punkigen Dylan gehört. In Düsseldorf hörten wir einen Musikanten, der in sich ruht.

Wer Geld loswerden wollte, konnte es hier tun.

Wer Geld loswerden wollte, konnte es hier tun.

Die Fans haben es nicht leicht, schließlich lässt sich Dylan schon lange nicht mehr vereinnahmen. So nervten in der Pause und nach dem Konzert die Anhänger der Glaubensbewegung „zwölf Stämme“, die ihr Werbematerial mit geklauten Dylan-Fotos an den Mann bringen wollten. In den Medien waren diese Herrschaften wegen Ermittlungen gegen sie wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und Verletzung der Aufsichts- und Fürsorgepflicht aufgefallen. Bei Dylan gaben sie sich als Friedensfreunde. Auf solche Fans kann ich verzichten.

Hier die Setlist des Abends:

Things Have Changed

She Belongs to Me

Beyond Here Lies Nothin‘

What Good Am I?

Pay in Blood

Waiting for You

Duquesne Whistle

Tangled Up in Blue

Love Sick

Set 2:

High Water (For Charley Patton)

Simple Twist of Fate

Early Roman Kings

Forgetful Heart

Spirit on the Water

Scarlet Town

Soon after Midnight

Long and Wasted Years

Zugabe:

All Along the Watchtower

Blowin‘ in the Wind

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