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Musiktipp: 1970 von Bob Dylan

27. Februar 2021

Natürlich war gestern Feiertag – das neueste Album meines Helden Bob Dylan ist erschienen. Es heißt 1970 und befasst sich auf drei CDs mit Outtakes aus eben diesen Jahr 1970. Und nun auch offiziell veröffentlicht sind die kompletten Aufnahmen mit Ex-Beatles George Harrison aus dieser Zeit.

1970 war eine kreative Zeit des Meisters – so auch der Titel des neuen Bin Dylan Albums.

Der eifrige Bootleg-Sammler hatte schon einige der Songs, aber nicht in einer überarbeiteten Tonqualität. Besonders die Harrison-Aufnahmen sind in 1970 klarer, leben aber in erster Linie vom historischen Bezug. Leider kamen die beiden damals nicht über die Aufnahme dieser paar Songs hinaus. Wir haben das später stattfindende geniale Concert for Banglesh im Ohr. Erst Jahrzehnte später vertieften sie ihre Kooperation bei den Travelling Wilburys und zeigten, welche Kreativität in den Musikanten stecke. 1970 war es eine nette Zusammenkunft und ein bisschen Gespiele. Alte Klassiker „I Met Him On A Sunday (Ronde-Ronde)“ von den Shirelles, „All I Have To Do Is Dream“ von den Everly Brothers oder „Matchbox“ von Carl Perkins wurden aufgenommen und natürlich „Yesterday“.

Das Album erschien als hochtrabend als 50th Anniversary Collection, was wunderbar klingt, aber im Grunde nur ein Rechteschutz darstellt. Nach 50 Jahres läuft der Copyrightschutz in der EU aus und bevor die Aufnahmen für den bald 80jährigen Dylan an finanziellen Wert verlieren, wird mit uns Fans nochmals Kasse gemacht. Und wir legen gerne unsere Euros für altes Material hin und freuen uns auf mehr alten Content in den nächsten Jahren.

Eigentlich kamen die 1970 Aufnahmen schon im Dezember 2020 in homöopathischen Kleinstauflagen auf den Markt und werden in entsprechenden Foren extrem teuer gehandelt. Der Bedarf bei uns Fans nach diesem Futter war so enorm, dass Sony jetzt beschloss 1970 in großer Auflage zu veröffentlichen.

Nun, es ist klar, dass 1970 nur etwas für Hardcore-Fans von His Bobness ist. Es sind Alterntivversionen von bekannten Aufnahmen – aber zum Teil sind es starke Versionen und Futter für Dylanfreaks. Ich habe mich beispielsweise in die seltsame Version von Lily of the West verliebt, die auf dem geschmähten Album Dylan erschienen ist. Zudem hören wir viermal „Sign On The Window“, fünfmal „Went To See The Gipsy“ und „If Not For You“ gleich achtmal. Diese kreative Zeit des Meisters wurde bereits in den Alben „Self Portrait“, „New Morning“, „Dylan“ sowie die Bootleg Series-Ausgaben „Another Self Portrait“ und „Travellin‘ Thru’“ dokumentiert und 1970 legt noch eines auf die Schippe – bitte mehr.

Hier die genaue Trackliste mit Aufnahmedatum:

Tackliste: (CD 1)

  1. März 1970
  2. I Can’t Help but Wonder Where I’m Bound
  3. Universal Soldier – Take 1
  4. Spanish Is the Loving Tongue – Take 1
  5. Went to See the Gypsy – Take 2
  6. Went to See the Gypsy – Take 3
  7. Woogie Boogie
  8. März 1970
  9. Went to See the Gypsy – Take 4
  10. Thirsty Boots – Take 1
  11. März 1970
  12. Little Moses – Take 1
  13. Alberta – Take 2
  14. Come All You Fair and Tender Ladies – Take 1
  15. Things About Comin’ My Way – Takes 2 & 3
  16. Went to See the Gypsy – Take 6
  17. Untitled 1970 Instrumental #1
  18. Come a Little Bit Closer – Take 2
  19. Alberta – Take 5
  20. Mai 1970 (Session mit George Harrison)
  21. Sign on the Window – Take 2
  22. Sign on the Window – Takes 3-5
  23. If Not for You – Take 1
  24. Time Passes Slowly – Rehearsal
  25. If Not for You – Take 2
  26. If Not for You – Take 3
  27. Song to Woody – Take 1
  28. Mama, You Been on My Mind – Take 1
  29. Yesterday – Take 1

Trackliste: (CD 2)

  1. Just Like Tom Thumb’s Blues – Take 1
  2. Medley: I Met Him on a Sunday (Ronde-Ronde)/Da Doo Ron Ron – Take 1
  3. One Too Many Mornings – Take 1
  4. Ghost Riders in the Sky – Take 1
  5. Cupid – Take 1
  6. All I Have to Do Is Dream – Take 1
  7. Gates of Eden – Take 1
  8. I Threw It All Away – Take 1
  9. I Don’t Believe You (She Acts Like We Never Have Met) – Take 1
  10. Matchbox – Take 1
  11. Your True Love – Take 1
  12. Telephone Wire – Take 1
  13. Fishing Blues – Take 1
  14. Honey, Just Allow Me One More Chance – Take 1
  15. Rainy Day Women #12 & 35 – Take 1
  16. It Ain’t Me Babe
  17. If Not for You
  18. Sign on the Window – Take 1
  19. Sign on the Window – Take 2
  20. Sign on the Window – Take 3
  21. Juni 1970
  22. Alligator Man
  23. Alligator Man [rock version]
  24. Alligator Man [country version]
  25. Sarah Jane 1
  26. Sign on the Window
  27. Sarah Jane 2

Trackliste: (CD 3)

  1. Juni 1970
  2. If Not for You – Take 1
  3. If Not for You – Take 2
  4. Juni 1970
  5. Jamaica Farewell
  6. Can’t Help Falling in Love
  7. Long Black Veil
  8. One More Weekend
  9. Juni 1970
  10. Bring Me Little Water, Sylvie – Take 1
  11. Three Angels
  12. Tomorrow Is a Long Time – Take 1
  13. Tomorrow Is a Long Time – Take 2
  14. New Morning
  15. Untitled 1970 Instrumental #2
  16. Juni 1970
  17. Went to See the Gypsy
  18. Sign on the Window – stereo mix
  19. Winterlude
  20. I Forgot to Remember to Forget 1
  21. I Forgot to Remember to Forget 2
  22. Lily of the West – Take 2
  23. Father of Night – rehearsal
  24. Lily of the West
  25. August 1970
  26. If Not for You – Take 1
  27. If Not for You – Take 2
  28. Day of the Locusts – Take 2

Musiktipp: „Shadows In The Night“ von Bob Dylan

8. Februar 2015

Dylan

Ich verstehe den ganzen Wirbel nicht. Das neue Album von Bob Dylan ist erschienen und his Bobness hat wieder eine der seiner vielen Dylan-Masken aufgesetzt. Shadows in the Night enthält Songs, die einstmals von Frank Sinatra auch interpretiert wurden. Und schon setzt die große Diskussion ein.
Fest steht, das Album ist eine wunderbare Verneigung an Ol’ Blue Eyes und Dylan singt so schön, wie schon lange nicht mehr. Diese Art von Musik muss auch gesungen werden und nicht gekrächtzt von einer geschundenen Altmännerstimme.
Aber tun wir doch nicht so, als ob Dylan hier zum ersten Mal seine Vorbilder ehrt, in dem er ein Album mit ihren Liedern aufnimmt. Wir kennen doch das zehnte Dylan-Album Self Portrait und dessen verspäteter Nachfolger Another Self Portrait mit so manch ähnlichen Song. Aber noch viel, viel wichtiger war doch Dylans Verneigung vor den Größen des Folks: Good as I Been to You (1992) und World Gone Wrong (1993). Diese beiden Alben waren zwar grausam produziert – Dylan hat hier alles selbst gemacht und Recording ist sicherlich nicht sein Ding. Aber das grandiose Shadows in the Night steht in der Tradition dieser beiden Scheiben, eben eine weitere Dylan-Maske.
Beim ersten Anhören von Shadows in the Night erstarrte ich. Der Meister singt, der Meister singt wirklich. Er legt ein Feeling in seine Stimme und seine Begleitband zeigt ihre absolute Klasse. Seit Jahren sind die Herrschaften mit Dylan auf Tour, kennen die Launen des Meisters und sind zu einer Top-Band gereift. Hut ab vor der musikalischen Leistung von Donny Herron (Pedal Steel), Tony Garnier (Bass), Charlie Sexton und Stu Kimball (Gitarre) sowie George G. Receli (Schlagzeug).
Dylan führt im Studio seine Experimente mit dem großen amerikanischen Liedgut fort, die er seit Jahren auf seiner Never Ending Tour zelebriert. Nun interpretiert The Voice Dylan den legendären The Voice Sinatra. Und es ist nicht ein gute Laune-Album wie Swing When You’re Winning von Robbie Williams. Dass wir uns richtig verstehen: Robbie Williams Album ist nett, aber er ist nun mal nicht The Voice. Williams Verdienst ist es, Sinatra-Songs einer neuen Generation zugänglich gemacht zu haben.
Dylan hat diesen Zugang zu einer neuen Generation nicht, er interpretiert die Songs für seine Generation. Leute, die wie er in Würde gealtet sind. Leute, die heute ohne Probleme sagen können, dass sie Songs von Sinatra, Elvis oder gar Doris Day schön finden, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Und verdammt nochmal, Bob Dylan kann wirklich schön singen, nahezu herzzerreißend. Als ich das Album mehrere Male durchgehört hatte, dachte ich an das Spätwerk von Johnny Cash. Auch er ist mit seinen letzten American Recordings-Alben aus seiner eigen Tradition ausgebrochen.
Dylan stößt wieder mal so manchen vor dem Kopf. Das hat Dylan schon immer gerne getan und tut es dieses Mal auch wieder. Die zehn Songs geben eine wunderbare Stimmung wieder. Für mich ist der Klassiker „That Lucky Old Sun“ der wichtigste Song auf dem Album – übrigens auch Johnny Cash hat ihn gesungen.

Neues Dylan-Album steht in den Startlöchern

21. Juli 2013

Wie ein kleines Kind freue ich mich jedes Mal, wenn ich höre, dass Bob Dylan ein neues Album veröffentlichen wird. Dieses Mal wird es am 27. August so weit sein. Wir Fans bekommen die zehnte Ausgabe der Bootleg Serie zu hören. Und für dieses kleine Jubiläum hat sich Schlizohr Bob etwas besonderes einfallen lassen: Another Self Portrait

dylan

Es handelt sich um Outtakes und Demos aus der Country- und Schlagerzeit des Meisters. Als 1970 das ein Doppelalbum Self Portrait auf den Markt kam, fiel es bei Fans und Kritikern komplett durch. Was sollte dieses Zeug? Abgedroschene Schlager von Dylan. Das wollten seine Fans nicht hören.

Erst Jahre später erkannte man wie wichtig dieses Album war. Es zeigte den Übergang vom Protest zu Kommerz, der sich in der Rock- und Popwelt vollzog. Der Individualismus wurde aufgegeben und der Mainstream eroberte sich seinen Platz.

Mit der Veröffentlichung von Another Self Portrait wird diese Diskussion wieder aufflammen. Noch heute ist auf Self Portrait eines der ungeliebten Dylan-Alben. Mal sehen, was die Bootleg Serie jetzt bringt.

Schade, dass nicht alle Songs, die Dylan gemeinsam mit George Harrison aufgenommen hat, jetzt veröffentlicht werden. Es gab wunderbare Nashville-Sessions, die illegal die Runde machen. Was mich aber besonders reizt, ist eine frühe Demo des Meisterwerks When I Paint My Masterpiece. Zudem wird endlich das Konzert von Bob Dylan & the Band auf der Isle of Wight vom 31. August 1969 komplett legal veröffentlicht. Hoffentlich wurde der Sound gegenüber den Bootlegs überarbeitet. Das Album enthält Songs aus der Ära Nashville Skyline, Self Portrait und New Morning. Am 27. August wissen wir mehr, das Album wird in zwei Versionen erscheinen. Als Doppel-CD Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10 und als vierfach CD Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10– ach ja eine Vinyl-Ausgabe Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10 [Vinyl LP] gibt es auch. Übrigens, wenn ich mir etwas wünschten dürfte, dann die kompletten The Basement Tapes in hörbarer Aufmachung.

Hier aber schon mal die von Columbia veröffentlichte Trackliste des Albums:

CD 1

1. „Went to See the Gypsy“ (demo)
2 „In Search of Little Sadie“ (without overdubs, Self Portrait)
3. „Pretty Saro“ (unreleased, Self Portrait)
4. „Alberta #3“ (alternate version, Self Portrait)
5. „Spanish Is the Loving Tongue“ (unreleased, Self Portrait)
6. „Annie’s Going to Sing Her Song“ (unreleased, Self Portrait)
7. „Time Passes Slowly #1“ (alternate version, New Morning)
8. „Only a Hobo“ (unreleased, Greatest Hits II)
9. „Minstrel Boy“ (unreleased, The Basement Tapes)
10. „I Threw It All Away“ (alternate version, Nashville Skyline)
11. „Railroad Bill“ (unreleased, Self Portrait)
12. „Thirsty Boots“ (unreleased, Self Portrait)
13. „This Evening So Soon“ (unreleased, Self Portrait)
14. „These Hands“ (unreleased, Self Portrait)
15. „Little Sadie“ (without overdubs, Self Portrait)
16. „House Carpenter“ (unreleased, Self Portrait)
17. „All the Tired Horses“ (without overdubs, Self Portrait)

CD 2
1. „If Not For You“ (alternate version, New Morning)
2. „Wallflower“ (alternate version, 1971)
3. „Wigwam“ (original version without overdubs, Self Portrait)
4. „Days of ’49“ (original version without overdubs, Self Portrait)
5. „Working on a Guru“ (unreleased, New Morning)
6. „Country Pie“ (alternate version, Nashville Skyline)
7. „I’ll Be Your Baby Tonight“ (Live With the Band, Isle Of Wight 1969)
8. „Highway 61 Revisited“ (Live With the Band, Isle Of Wight 1969)
9. „Copper Kettle“ (without overdubs, Self Portrait)
10. „Bring Me a Little Water“ (unreleased, New Morning)
11. „Sign on the Window“ (with orchestral overdubs, New Morning)
12. „Tattle O’Day“ (unreleased, Self Portrait)
13. „If Dogs Run Free“ (alternate version, New Morning)
14. „New Morning“ (with horn section overdubs, New Morning)
15. „Went to See the Gypsy“ (alternate version, New Morning)
16. „Belle Isle“ (without overdubs, Self Portrait)
17. „Time Passes Slowly #2“ (alternate version, New Morning)
18. „When I Paint My Masterpiece“ (demo)

Die vierfach-CD enthält das Konzert und eine Version von Self Portrait samt umfangreichen Buch.

Bob Dylan & the Band at Isle of Wight – August 31st, 1969
1. „She Belongs to Me“
2. „I Threw It All Away“
3. „Maggie’s Farm“
4. „Wild Mountain Thyme“
5. „It Ain’t Me, Babe“
6. „To Ramona“/“Mr. Tambourine Man“
7. „I Dreamed I Saw St. Augustine“
8. „Lay Lady Lay“
9. „Highway 61 Revisited“
10. „One Too Many Mornings“
11. „I Pity the Poor Immigrant“
12. „Like a Rolling Stone“
13. „I’ll Be Your Baby Tonight“
14. „Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn)“
15. „Minstrel Boy“
16. „Rainy Day Women #12 & 35“