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Buchtipp: Panama Papers von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier

11. April 2017

Ehre wem Ehre gebührt. Ich gratuliere dem Enthüllungsteam der Süddeutschen Zeitung um Bastian Obermayer und Frederik Obermaier zum Pulitzer-Preis für ihre Arbeit um die Panama Papers. Das ist Journalismus, wie er sein muss. Der Pulitzer-Preis ist quasi der Oscar der Journalistenbranche und wird 101. Mal verliehen. Dieses Mal wurden Medienschaffende in 21 Sparten ausgezeichnet, darunter auch das in Washington ansässige Internationale Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ). Dieses Netzwerk trug zur Veröffentlichung der Panama Papers bei. Das Enthüllungsteam der SZ gehört diesem Netzwerk an und hat hier ganze Arbeit geleistet. Der Pulitzer-Preise zeichnet allerdings nur US-amerikanischen Journalismus aus und dennoch können sich die Münchner freuen. „Es ist keine Frage, dass dies ein viel größeres Projekt war“, so der Vorsitzende des Pulitzer-Preis-Gremiums, Mike Pride. Also: SZ, gut gemacht!

Das Buch zur Story: Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung

Das Buch zur Story: Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung

In der Krise liegt die Chance, so heißt es immer so schön. Der Journalismus befindet sich in einer tiefen Krise, denn alte Rezepte von Presse, Funk und Fernsehen funktionieren nicht mehr so, wie es Medienverantwortliche der alten Zeit gerne hätten. Die Digitalisierung entlässt ihre Kinder, um bei Wolfgang Leonhard zu klauen. Dennoch: Präsident Trump lässt die Branche zu neuen Ruhm in den USA kommen. Und solider recherchierter Journalismus ist wichtiger denn je. Die Veröffentlichung um die Panama Papers haben dies gezeigt und die haben auch gezeigt, dass Journalismus mit der Zeit gehen muss.
In ihrem Buch Panama Papers zeigen die beiden SZ-Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier wie die Verbindung zwischen alten und neuem Journalismus gelingen kann. Der Umgang mit digitalen Quellen, die Recherche an Terabyte großen Datenmengen musste gelernt sein. Vor rund einem Jahr kam dann die SZ in Deutschland mit der Bombe heraus. Rund 200.000 Briefkastenfirmen betrieb die Kanzlei Mossack Fonseca in denen Prominente, Sportler und auch Politiker ihr Geld geparkt hatten. Die Themen Steueroasen und Geldwäsche wurden weltweit diskutiert und führte zu Ermittlungen auf der ganzen Welt. Eine Leistung, die eine einzelne Zeitung nicht leisten kann, dafür das Internationale Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ). Die Digitalisierung muss endlich von einer konservativen Branche wie Zeitungsverlagen akzeptiert werden.
Schöne Worte gab es aus den USA: “Wir sind nicht in einer Phase des Niedergangs des Journalismus, sondern mitten in einer Revolution“, sagte der Vorsitzende des Pulitzer-Preis-Gremiums Mike Pride. Journalisten stünden heute unter anderem dank des Internet völlig neue Mittel zur Verfügung und sie nutzten sie gewinnbringend. Klingt alles sehr gut, dennoch sind Veröffentlichungen wie die Panama Papers für mich erst mal eine Ausnahme in der Welt des Journalismus. Aber an dem heutigen Tag will ich nicht jammern und kritisieren, sondern gratulieren.
Als die Meldung mich gestern Abend via Twitter von Frederik Obermaier  erreichte, holte ich noch nachts das Buch Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung hervor, das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Der Verlag hatte es mir zur Rezension überlassen. Es zeigt den mühsamen Weg der Recherche dieser brisanten Materie. Anfangs war ich vom Stil des Buches nicht angetan, es waren mir zu viele private Schnupfengeschichten enthalten. Als ich dann zum journalistischen Recherchepart kam, wollte ich die Lektüre nicht unterbrechen. Es war ein bisschen wie meine erste Lektüre von Bernstein und Woodward mit ihrem All the president’s men. Es war spannend, unterhaltend, was 400 Reporter aus 80 Ländern um Schwarzgeld-Machenschaften aufdeckten. Ich empfehle ausdrücklich das Buch Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier jeden, der sich über guten Journalisten interessiert, jeden, der über die Lügenpresse skandaliert und jedem Medienunternehmer, der im Zeitalter der Digitalisierung bestehen will – und das gilt auch für schwäbische Unternehmer.

Persönlicher Nachruf über Helmut Dietl

31. März 2015

Ein Stück Münchner Seele ist mit dem Tod von Helmut Dietl von uns gegangen. Der große bayerische Regisseur und Drehbuchautor starb gestern im Alter von 70 Jahren.
Seine Filme haben mich sehr beeinflusst und viele Dialoge sind in meinen Sprachgebrauch übergegangen. Die Zeilen aus der Feder von Dietl sind in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.
Als gelernter Zeitungsmann zitierte ich oft zum Spaß die Sprüche vom Baby: „Wer reinkommt, das bestimm’ ich.“ oder „Edda schreib!“ Ich witzelte mit einem Kollegen immer wieder die Überlegungen vom Monaco „Wo tät jetzt so eine wohnen?“ und „ich bin ja in der italienischen Angelegenheit unterwegs“. Mir lag einmal bei einer Polizeikontrolle und der Frage nach Alkohol der Ausspruch vom Monaco auf der Zunge: „Ja freilich, was sonst“ – aber ich hab mich nicht getraut. Und in Bayreuth muss ich immer wieder an den Monaco denken, wenn ich mit den Bildungsbürgern über Wagner diskutiere: „Ein rechter Scheissdreck war’s. Altmodisch bis provinziell war’s. Des war’s!“ Schtonk! hielt uns den Spiegel äh Stern vor und Rossini brachte mich auf die Namensidee als Vater.
Jetzt werden in den Gazetten viele Nachrufe verfasst und über die Bedeutung brauche ich mich nicht weiter zu äußern. Dietl war einer der ganz Großen des deutschen Films – nicht mehr, nicht weniger. Lieber Herr Dietl, meine Heimatstadt München hat Ihnen viel zu verdanken und ich wandle in Schwabing gerne auf Ihren filmischen Spuren.
Aber mit den Münchner Medien hatte er am Ende gebrochen. Es ist bezeichnend, dass Dietls Tod von der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit als erstes gemeldet wurde. Ihr hatte er auch ein Exklusivinterview über seine tödliche Krankheit gegeben. Die Süddeutsche Zeitung aus München hat ihn so mit seiner bescheuerten Kritik über Zettl geärgert, dass er mit der Münchner SZ brach, was ich absolut verstehen kann. Hier wollte sich die SZ in ihrer hochnäsigen Art mal wieder über andere erheben.

Eberhard Sinner mit Helmut Dietl beim CSU-Filmgespräch.

Eberhard Sinner mit Helmut Dietl beim CSU-Filmgespräch.

Ich selbst habe Helmut Dietl ein paar Mal getroffen. Zum ersten Mal im Juli 2012 bei einem CSU-Filmgespräch. Dort saß er in einem Leinenanzug auf Einladung von Simon Rehak auf dem Podium. Der ehemalige bayerische Medienminister Eberhard Sinner sprach mit ihm. In der anschließenden öffentlichen Fragerunde diskutierten wir über Downloads seiner Filme. Damals zeigte ich mich mit meinem Kollegen Thomas Gerlach enttäuscht, dass es Kir Royal und Monaco Franze nicht als Download bei iTunes oder Amazon gab, sondern nur auf klassischen DVDs. Mein Kollege Thomas Gerlach hat in seinem Nachruf über das Gespräch gebloggt. Die Rechteinhaber wollten dies nicht, sagte er uns.

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.

Nach dem Filmgespräch sprachen wir unter sechs Augen weiter. Dietl war nicht im digitalen Zeitalter angekommen, verwechselte auf dem Podium Wikileaks mit Wikipedia. Und erst bei dem persönlichen Gespräch anschließend taute er auf. Das Eis brach eine Bemerkung von mir, dass ich meine Tochter nach einer seiner Filmfiguren benannt habe. Das hat ihn wirklich berührt und er blickte mir tief in die Augen, bedankte sich und schüttelte mir die Hände. Er gab mir auf mein iPad ein Autogramm für K2.

Ein Autogramm für K2

Ein Autogramm für K2

Leider konnte ich ihn dieses Jahr nicht mehr treffen. Ich hätte die Chance gehabt, mich von ihm zu verabschieden. Mein Kollege Artur Kolbe hatte für die HSS eines seiner hervorragenden Filmgespräche mit Helmut Dietl organisiert. Ich sollte den Termin dokumentieren, aber mir kam ein anderer Auftrag dazwischen. Ich verpasste Helmut Dietl und darüber ärgere ich mich. Artur Kolbe besorgte mir daher ein mir gewidmetes Autogramm von Helmut Dietl, auf das ich sehr stolz bin. Dannach gab es keine Gelegenheit mehr.

Eines der letzten Dietl-Autogramme.

Eines der letzten Dietl-Autogramme.

Vielen Dank Helmut Dietl für die ganzen Filme, für die stundenlange Unterhaltung und für die Inspiration. Ich möchte es mal mit dem Monaco sagen. „A bisserl was geht immer …“ Wenn das mal kein Lebensmotto ist.

Zeitenwende Abendzeitung – es geht vorbei

6. März 2014

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Das kam mir als erstes in den Sinn, als ich vom Insolvenzantrag der Abendzeitung München im Netz hörte. Wieder eine weniger, kam mir dann in den Sinn. Um fast alle Kollegen tut es mir leid. Aber ich denke, die Zeitenwende ist nicht aufzuhalten. Von einer Götterdämmerung hab ich sogar gelesen. Na, na, na. Auch wenn sich noch ein Investor findet, ich glaube nicht an die Zukunft des Traditionsblattes, wenn nur der Geldgeber ausgewechselt wird.

Die Abendzeitung ist eine Lokalzeitung und das bedeutet hohe Kosten in der Redaktion und im Anzeigenbereich. Die Abendzeitung nennt gegenüber der großen Schwester SZ als Gründe: “sinkende Anzeigenerlöse, sinkende Leserzahlen, immense Druckkosten.” Und diese Kosten sind der Eigentümerfamilie davon gelaufen. Von bis zu 70 Millionen Euro Verlust seit 2001 spricht man in den Gazetten. 2013 machte die Familie 10 Millionen Miese. Eine Auflage von rund 100.000 Exemplaren reichen nicht aus, um die Kosten zu decken und neue Geschäftsfelder wurden wohl nicht gefunden. Jetzt wurde die Reißleine gezogen und Insolvenzantrag gestellt.

Damit wird es in München wieder eine Zeitung weniger geben und das Sterben im Blätterwald wird damit nicht zu Ende sein. Weitere Zeitungen werden folgen, die vielbeschworene Qualität im Journalismus wird bei diesem Geschäftsmodell weiter abnehmen, weil kein Geld mehr da ist, um gute Arbeit zu bezahlen. Bei der Abendzeitung arbeiten im Moment 40 Redakteure. Mal sehen, wieviele noch bleiben dürfen, falls ein neuer Investor gefunden wird, der sein Geld verbrennen will.

Ich gestehe: Ich war kein Leser der Abendzeitung. Aber ich lese kaum noch Holzmedien und der Online-Auftritt mag vielleicht auf dem richtigen Weg gewesen sein, hat aber wohl nicht eine relevante Reichweite als lokales Medium, die für eine Werbevermarktung ausreicht.

Abendzeitung war für mich immer Michael Graeter.

Abendzeitung war für mich immer Michael Graeter.

Abendzeitung München bedeutet für mich immer Michael Graeter alias Baby Schimmerlos. Seine Kolumnen habe gerne gelesen und mein Onkel vermachte mir ein paar Sammelbände von Graeter. Den Rest kaufte ich bei eBay nach. Doch wie die Promi-Berichterstattung ist auch die Berichterstattung der Abendzeitung für mich erst einmal Geschichte. “Wer reinkomt, das bestimm ich”, so war es beim Baby in Kir Royal. Übrigens, der Graeter liegt mit Schlaganfall im Krankenhaus – auf diesem Wege gute Besserung.

Und wohin geht es? Ich bin davon überzeugt, dass etwas Neues kommt. Und Zeitungen wird es immer geben. Aber ich denke nicht, zu diesem Preismodell. Ich glaube, dass es einen Markt für gut recherchierten Journalismus gibt. Es gibt eine Art von Elite (doofes Wort), die bereit ist, für sauber aufbereitetes Material richtig Geld zu bezahlen, sicherlich bis zu 100 Euro im Monat. Hohe Auflagen wird es nicht geben. Und es wird der Markt an billig produzierten, reichweitenstarken und anzeigenfinanzierten Blätter geben. Dazwischen wird der Markt sich radikal verändern und es wird zu weiteren Schließungen von Traditionsblättern kommen. Die Abendzeitung wird nicht das letzte Blatt sein.

 

Image-Werbung für die BILD

10. März 2009

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Jede Zeitung bekommt die Leser, die sie verdient. Um ihre Zielgruppe richtig anzusprechen, müssen auch Tageszeitungen Zielgruppenwerbung schalten. Wir erinnern uns an die FAZ, hinter der immer ein kluger Kopf ist. Hier wird dem Leser geschmeichelt. Wenn du die FAZ liest, dann bist du ein Checker. Die Süddeutsche probiert es mit Humor und appelliert an kluge Eltern.

Ja und was macht die BILD? Früher gab es Claims, Slogans wie „BILD dir deine Meinung“ oder „Nichts ist härter als die Wahrheit“. Derzeit gibt es an Straßenbahnen und Bahnhöfen, also dort wo Leute warten und normalerweise eine Zeitung lesen, eine neue Kampagne mit neuen Motiven. Eines davon hab ich in Nürnberg am Bahnhof entdeckt: „Danke für die Titt´n!“ Na, wenn das keine Aussage ist! Darunter ist dann die Zielgruppe mit Foto abgebildet.

Früher hatte die BILD noch immer an irgendeine Form von Intellekt appelliert. Das ist nun vorbei: Blanke Brüste sind das was zählt. Naja, auch irgendwie ehrlich. 

Leute, lest mehr Zeitung!

17. Oktober 2008

Am Münchner Hauptbahnhof fällt mir derzeit eine Werbung der Süddeutschen Zeitung auf. „Schenken Sie Ihren Kindern schlaue Eltern. Lesen Sie die Süddeutsche Zeitung.“ Eine nette Idee, die Eltern zu motivieren, eine SZ zu abonnieren. Schließlich wollen Eltern immer intelligente Hechte sein und die Kinder sollen nicht blöde aufwachsen. Gefällt mir gut. Nebenbei erfüllt die Werbung einen weiteren Zweck: Sie bindet Kinder an eine Zeitung, bestenfalls an die Süddeutsche. Grund: Es ist erwiesen, dass Kinder in der Regel zu einer Tageszeitung greifen, wenn sie es aus ihrem Elternhaus gelernt haben. Also wenn Papa morgens beim Frühstück hinter einer Zeitung verschwindet, dann hat es was pädagogisch Gutes. Ist in einem Haushalt keine Zeitung vorhanden, dann sind die Chancen schlecht, dass der Nachwuchs überhaupt zur Zeitung greift. Also mehr Zeitungen lesen und so Jobs in der Zeitungsbranche retten.