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Buchtipp: Furcht von Bob Woodward

10. April 2019
Ich empfehle die Lektüre von Furcht.

Ich empfehle die Lektüre von Furcht.

Nach der Lektüre dieses Buches habe ich Angst bekommen. Furcht, ja ich habe Furcht gelesen und Furcht bekommen. Für mich ist das Buch von Bob Woodward DAS politische Buch des Jahres 2018. Es zeigt eindrucksvoll, welch labile Persönlichkeit der US-Präsident Donald Trump ist.
Das gefällt mir nicht, aber ich muss mich damit abfinden, dass die Weltmacht USA von einem labilen, rachsüchtigen Egomanen geführt wird. Mit Abscheu müsste ich mich eigentlich von so einem Menschen abwenden, aber das Buch Furcht: Trump im Weißen Haus hat mich in seinen Bann gezogen und ich konnte es nicht aus der Hand nehmen. Immer wieder setzte ich beim Lesen ab und dachte mir: „Das kann doch nicht sein. So schlimm kann doch ein Mann nicht sein, der das mächtigste Amt der Erde inne hat.“ Doch leider ist es wohl so. Ich habe Vertrauen zu Bob Woodward, dass die recherchierten Hintergründe sich so zu getragen haben, wie im Buch beschrieben. Das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt.
Das Duo Bob Woodward und Carl Bernstein war der Grund, warum ich den Beruf des Journalisten ergriffen habe. Die beiden Watergate-Aufdecker faszinierten mich, inspirierten mich, motivierten mich. Ihr Buch All the President’s Men ist ein Klassiker des investigativen Journalismus. Ich halte meine Ausgabe in Ehren. Sobald einer der beiden Autoren ein Buch veröffentlichen, hatte ich es mir gekauft und verschlungen. Bob Woodward ist dabei der intensivere Schreiber.
Mit Furcht hat er seine Eindrücke über Donald Trump veröffentlicht und mit dem USA-Experten Dr. Josef Braml habe ich immer wieder über diese neue Art von Politik gesprochen. Es ist eine Politik der Stärke. Die alten Bündnisse wie Handelsabkommen oder NATO werden sich unter diesem neuen US-Präsidenten verändern und wir müssen sie als Europäer gemeinsam mitgestalten oder wir werden vor vollendeten Tatsachen gestellt. Die Welt ändert sich.
Diese Transformation hat Bob Woodward in seinem Buch hervorragend dargestellt. Es zeigt, wie Trump sein Personal auswählt. Viele der im Buch beschriebenen Persönlichkeiten gibt es schon lange nicht mehr in ihrer Funktion. Das Personalkarussell unter Trump dreht sich schnell, sehr schnell. Während ich diese Zeilen tippe, trat gerade die Heimatschutzministerin der USA, Kirstjen Nielsen, zurück. Präsident Trump gab dies auf Twitter bekannt. Die Ministerin spielte in der umstrittenen Einwanderungspolitik des Präsidenten eine zentrale Rolle. Medienberichten zufolge äußerte sich Trump aber wiederholt unzufrieden über sie und warf ihr fehlende Härte vor. Sie hatte das Heimatschutzministerium eineinhalb Jahre lang geführt. Tags darauf musste der Chef des Secret Service gehen.
Da ist es wieder, dieses Twitter. Trump hat verstanden, wie soziale Netzwerke funktionieren. Für ihn sind viele klassische Massenmedien wie CNN, New York Times oder Washington Post einfach nur FakeNews. Er überspringt die Medien und wendet sich via Twitter direkt an seine Gefolgschaft. Auch ich folge Donald Trump auf Twitter, um zu wissen, was der Herr im Weißen Haus so alles macht. Ob mir die Art der Kommunikation gefällt? Eher nicht, aber ich muss mich wohl mit dem neuen Stil abfinden.
Und diesen Stil beschreibt Bob Woodward sehr gut in seinem Buch. Trump will nicht zuhören, er will schnelle Entscheidungen und keine oberlehrerhaften Belehrungen. Er will Deals machen, Verwaltung soll wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden. Widerspruch oder eine andere Meinung ist wohl nicht angebracht. Der Vorteil ist aber auch, dass Trump in seiner Art schnell Entscheidungen vergisst. Und auch das ist dramatisch. Der Umgangston innerhalb der Regierung ist unterirdisch. Streit, Beschimpfungen, Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Der ehemalige Stabschef John Kelly nennt seinen Chef einen „Idioten“. James Mattis, der ehemalige Verteidigungsminister meint, dass Trumpf eine „Aufnahmefähigkeit und das Verhalten eines Fünft- oder Sechstklässlers“ habe. Das sind schon heftige Aussagen über den mächtigsten Mann der Welt. Aber auch der teilt aus: Der ehemalige Justizminister Jeff Sessions wurde von Trump als „geistig zurückgeblieben“ bezeichnet. Das ist kein gutes Bild über eine handlungsfähige Regierung.
Der rechtsaußen Stratege Steve Bannon ist immer für einen handfesten Streit gut. Er forderte andere auf, einen Faustkampf auszutragen. Fremdschämen war bei mir angesagt, als sich Steve Bannon mit Ivanka Trump fetzte und sie dann schrie: „Ich bin nicht irgendeine Mitarbeiterin. Ich werde es auch niemals sein. Ich bin die First Daughter.“ Köstlich, aber dramatisch.
Bei einer Passage musste ich schlucken. Es geht um die umstrittene Aufkündigung des Handelsabkommens mit Südkorea. Ein Stabsmitarbeiter klaute diesen Brief vom Schreibtisch des Präsidenten, damit das Handelsabkommen nicht gekündigt wird. Dass Woodward dieses Vorgehen beschreibt ist journalistisch ein Hammer, verhindert aber künftig Aktionen zum Schutz von US-amerikanischen Interessen.
Schade, dass es Woodward nicht gelang, mit Trump direkt zu sprechen, obwohl er sich bemüht hatte. Erst in der Drucklegung gelang ihm ein Telefonat mit dem US-Präsidenten, der zunächst offen war, dann aber auf seine These zu FakeNews beharrte.

Für mich ist Furcht: Trump im Weißen Haus ein hervorragendes Buch, das mich massiv aufgeregt hat. Und trotz der Veröffentlichung durch die Reporterlegende Bob Woodward bin ich pessimistisch, dass sich der Regierungsstil von Trump ändert.

Filmtipp: The Secret Man

7. November 2017

Kennen Sie Howard Hughes? Oder vielleicht Charles Colson oder die Herren Gordon Liddy und E. Howard Hunt? Oder wie wäre es mit John Dean, John N. Mitchell, Bob Haldeman und John Ehrlichman? Wahrscheinlich kennen die wenigsten Leser meines Blogs heute diese Namen. Wären wir in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dann würden wir diesen Personen unsere volle Aufmerksamkeit widmen. Diese Personen gehören zum Watergate-Komplex. Der Skandal um US-Präsident Richard Nixon, der ihm das Amt kostete. Nixon wurde durch zwei Reporter der Washington Post (die heute zu Amazon gehört) publizistisch massiv angeschossen und dankte 1974 ab. Die Infos über Richard Nixon an die beiden jungen Reporter lieferte eine geheimnisvolle Quelle namens Deep Throat (ja, nach dem gleichnamigen Porno-Klassiker benannt). Und dahinter verbarg sich niemand anderes als der stellvertretende FBI-Direktor Mark Felt.
Und da wären wir endlich bei dem aktuellen Film „The Secret Man“. Ich habe diesen Film in einem extra für mich eingerichteten Pressescreening sehen können und bin schwer beeindruckt. Es ist ein lohenswerter Politthriller nach meinem Geschmack geworden. Das Thema Watergate fasziniert mich seit meinen frühen Tagen als Reporter. Heute würde man sagen, Mark Felt sei ein Whistleblower gewesen, andere würden ihn als Verräter bezeichnen, wiederum andere, wie seine Familie, als American Hero.

Der Film zeigt eindringlich die Zerrissenheit des stets loyalen und patriotischen Mark Felt. War es Rache, weil er nicht Nachfolger von FBI-Chef Edgar G. Hoover geworden ist, war er vom Politikstil Nixons schockiert? Immer wieder schwenkt das Pendel und der Zuschauer erlebt die Hexenjagd der Nixon-Ära mit. Nixon selbst taucht in dem Film nur in Original-TV-Aufnahmen auf und bleibt auf Distanz. Aber er ist ganz nah, seine Männer stellen die US-Verwaltung auf den Kopf, um die undichte Quelle, den Verräter, zu finden.

Starkes Set bei The Secret Man.

Starkes Set bei The Secret Man.

Das ist kein Film, in dem die Watergate-Reporter als Helden gezeigt werden. Ich muss aber zu geben, dass ich den Moment herbeigesehnt habe, als Mark Felt endlich den jungen Bob Woodward in der Tiefgarage trifft. Endlich sehen wir die andere Seite der Medaille und natürlich schießt mir sofort der Alan Pakula-Film „Die Unbestechlichen“ (All the Presidents Men) von 1978 in den Kopf. Diesen Film habe ich gefühlte 1000 Mal gesehen. „The Secret Man“ werde ich mir ebenso oft ansehen, wenn er auf Bluray nächstes Jahr veröffentlicht wird.
Medial läuft bei mir während der Betrachtung des spannenden Films viel im Kopf ab. Mir fallen die zahlreichen Bücher über Watergate ein, ich habe das Buch Der Informant: Deep Throat – Die geheime Quelle der Watergate-Enthüller aus dem Archiv geholt und wieder gelesen und vor allem „all the President’s men“, der Klassiker des modernen investigativen Journalismus. Mir fallen die wichtigen Filme zum Thema ein, wie eben Die Unbestechlichen oder den auch geniale Frost vs Nixon. Und in diese Reihe gesellt sich jetzt „The Secret Man“ dazu, um das Trio komplett zu machen. Vielleicht mache ich mal ein Filmseminar zu diesem Film-Trio, die Watergate aus ihrer eigenen Sichtweise zeigen: Reporter – Präsident – und nun der Whistleblower.
Aber wenn ich über „The Secret Man“ als spannenden Politthriller schreibe, dann meine ich keinen schnöden Actionstreifen, sondern einen sorgsam durchkomponierten Film nach wahren Begebenheiten. Es geht um nichts mehr als die Unabhängigkeit des FBI von der Regierung. Im Grunde ist dieser Film eine  Allegorie auf moderne Zeiten von Donald Trump. Zumindest war Nixon nicht dumm, aber er war geprägt durch seine Zeit und seinen Machthunger. Oliver Stone hat es in seinem Nixon von 1995 sehr schön dargestellt. Und da taucht Mark Felt als Antiheld auf; Korrekt, loyal (nun nicht immer), ein Familienmensch auf der Suche nach seiner Tochter. Der Demokrat Felt ist anders als der Republikaner Nixon und anders als das Duo Woodward/Bernstein und genau das macht den Reiz dieses Films aus. Felt ist Teamplayer und berechnend.
Mark Felt wird genial dargestellt von Liam Neeson. Zunächst dachte ich in den ersten Minuten des Film, was für ein Technokrat, was für ein Langweiler. Findet man in das Tempo des Films, dann wird die Person immer faszinierender. Regisseur Peter Landesman kann inszenieren und er inszeniert Mark Felt wohl so, wie er wirklich war. Felt ist in kein Langweiler, er hat Macht – absolute Macht. Wenn er leise spricht, wird er gehört. Seine Reaktionen werden wahrgenommen und was er sagt, das gilt. Die Darstellung von Liam Neeson ist hervorragend.

Der entscheidende Anruf.

Der entscheidende Anruf.

Vielleicht gelingt es Peter Landesman es so gut die Geschichte zu erzählen, weil Landsman nicht nur ein visueller sondern auch ein Geschichtenerzähler ist. Landsman arbeitet auch Journalist des New York Magazines und des Harper’s Magazines. Ich mag Landsman seit seinem Politikfilm Parkland von 2013. Der Film zeigt Geschichten um das Attentat auf John F. Kennedy.
Aber zurück zu „The Secret Man“. Der Soundtrack stammt von Daniel Pemberton. Ich stieß das erste Mal bewusst auf diesen Namen als Pemberton den Score für den The Awakening (2011) komponierte und dann wieder 2015 als er die Musik für den Film Steve Jobs schrieb. Bei The Secret Man hat Daniel Pemberton wiederum ganze Arbeit geleistet und sein Score trägt den ganzen Film. Leider hab ich den Soundtrack bisher noch nicht auf CD gefunden, sondern nur als Stream.
Eigentlich weiß ich, warum mir die Machart von The Secret Man so gefällt: Ja, es ist das Thema – ja, es sind die Darsteller und die Musik, aber eigentlich ist es der Produzent Ridley Scott. Er ist für mich der Altmeister und sein Werk steht außer Frage. Seit Jahren ist Scott auch als Produzent tätig und hier erfolgreich.
Also mein Fazit: Nimmt euch zwei Stunden Zeit und schaut euch The Secret Man in Ruhe an. Lasst euch nicht verwirren, auch wenn ihr die Namen Howard Hughes, Charles Colson, Gordon Liddy, E. Howard Hunt, John Dean, John N. Mitchell, Bob Haldeman und John Ehrlichman nicht kennt. Lasst euch darauf ein und zieht Parallelen zu heute. Mal sehen, wann der nächste Whistleblower von Format auftaucht.

Buchtipp: Panama Papers von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier

11. April 2017

Ehre wem Ehre gebührt. Ich gratuliere dem Enthüllungsteam der Süddeutschen Zeitung um Bastian Obermayer und Frederik Obermaier zum Pulitzer-Preis für ihre Arbeit um die Panama Papers. Das ist Journalismus, wie er sein muss. Der Pulitzer-Preis ist quasi der Oscar der Journalistenbranche und wird 101. Mal verliehen. Dieses Mal wurden Medienschaffende in 21 Sparten ausgezeichnet, darunter auch das in Washington ansässige Internationale Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ). Dieses Netzwerk trug zur Veröffentlichung der Panama Papers bei. Das Enthüllungsteam der SZ gehört diesem Netzwerk an und hat hier ganze Arbeit geleistet. Der Pulitzer-Preise zeichnet allerdings nur US-amerikanischen Journalismus aus und dennoch können sich die Münchner freuen. „Es ist keine Frage, dass dies ein viel größeres Projekt war“, so der Vorsitzende des Pulitzer-Preis-Gremiums, Mike Pride. Also: SZ, gut gemacht!

Das Buch zur Story: Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung

Das Buch zur Story: Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung

In der Krise liegt die Chance, so heißt es immer so schön. Der Journalismus befindet sich in einer tiefen Krise, denn alte Rezepte von Presse, Funk und Fernsehen funktionieren nicht mehr so, wie es Medienverantwortliche der alten Zeit gerne hätten. Die Digitalisierung entlässt ihre Kinder, um bei Wolfgang Leonhard zu klauen. Dennoch: Präsident Trump lässt die Branche zu neuen Ruhm in den USA kommen. Und solider recherchierter Journalismus ist wichtiger denn je. Die Veröffentlichung um die Panama Papers haben dies gezeigt und die haben auch gezeigt, dass Journalismus mit der Zeit gehen muss.
In ihrem Buch Panama Papers zeigen die beiden SZ-Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier wie die Verbindung zwischen alten und neuem Journalismus gelingen kann. Der Umgang mit digitalen Quellen, die Recherche an Terabyte großen Datenmengen musste gelernt sein. Vor rund einem Jahr kam dann die SZ in Deutschland mit der Bombe heraus. Rund 200.000 Briefkastenfirmen betrieb die Kanzlei Mossack Fonseca in denen Prominente, Sportler und auch Politiker ihr Geld geparkt hatten. Die Themen Steueroasen und Geldwäsche wurden weltweit diskutiert und führte zu Ermittlungen auf der ganzen Welt. Eine Leistung, die eine einzelne Zeitung nicht leisten kann, dafür das Internationale Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ). Die Digitalisierung muss endlich von einer konservativen Branche wie Zeitungsverlagen akzeptiert werden.
Schöne Worte gab es aus den USA: “Wir sind nicht in einer Phase des Niedergangs des Journalismus, sondern mitten in einer Revolution“, sagte der Vorsitzende des Pulitzer-Preis-Gremiums Mike Pride. Journalisten stünden heute unter anderem dank des Internet völlig neue Mittel zur Verfügung und sie nutzten sie gewinnbringend. Klingt alles sehr gut, dennoch sind Veröffentlichungen wie die Panama Papers für mich erst mal eine Ausnahme in der Welt des Journalismus. Aber an dem heutigen Tag will ich nicht jammern und kritisieren, sondern gratulieren.
Als die Meldung mich gestern Abend via Twitter von Frederik Obermaier  erreichte, holte ich noch nachts das Buch Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung hervor, das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Der Verlag hatte es mir zur Rezension überlassen. Es zeigt den mühsamen Weg der Recherche dieser brisanten Materie. Anfangs war ich vom Stil des Buches nicht angetan, es waren mir zu viele private Schnupfengeschichten enthalten. Als ich dann zum journalistischen Recherchepart kam, wollte ich die Lektüre nicht unterbrechen. Es war ein bisschen wie meine erste Lektüre von Bernstein und Woodward mit ihrem All the president’s men. Es war spannend, unterhaltend, was 400 Reporter aus 80 Ländern um Schwarzgeld-Machenschaften aufdeckten. Ich empfehle ausdrücklich das Buch Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier jeden, der sich über guten Journalisten interessiert, jeden, der über die Lügenpresse skandaliert und jedem Medienunternehmer, der im Zeitalter der Digitalisierung bestehen will – und das gilt auch für schwäbische Unternehmer.