Sack Reis: DVB-T2 kommt und mich interessiert es nicht

Heute kommt das neue TV, aber nicht zu uns. DVB-T2 ist uns egal.

Heute kommt das neue TV, aber nicht zu uns. DVB-T2 ist uns egal.

Heute ist also der Tag der Tage: DVB-T wird abgeschaltet und Zug um Zug durch DVB-T2 ersetzt. Und wisst ihr was? Es ist mir egal. Während ich damals bei der Einführung des „Überall Fernsehens“ von DVB-T noch interessiert, vielleicht ein bisschen nervös war, ist es mir heute schlichtweg egal. Die neue Technik soll neben mehr Programmen auch eine bessere Bildqualität bieten.
Zwar bombardiert mich die Werbung auf allen Kanälen, aber ich muss zugeben: Lineares Fernsehen ist mir schnuppe – DVB-T2 kann gerne kommen und gehen, ich werde das Zeug nicht nutzen.

Gründe gegen DVB-T2
Das hat mehrere Gründe. Der offensichtlichste Grund ist: Wir empfangen unsere TV-Programme über Satellit. Wir haben eine Schüssel auf dem Dach und könnten mehrere Hundert TV-Sender empfangen. Könnten – wenn ich die Sender in die Programmplatzliste einprogrammieren würde. Ich habe 70 Sendeplätze mit Sender gefüllt, dann hatte ich keine Lust mehr.
Interessant ist, welche Reihenfolge wir bei den Sender haben. Meine Eltern haben: Platz1: Das Erste/ARD, Platz 2: ZDF, Platz 3: BR, Platz 4: ARTE, Platz 5: RTL, Platz 6: SAT 1, Platz 7: Pro7 usw. Mit einer solchen Senderplatzwahl wurde ich sozialisiert. Ich habe damit gebrochen: Bei uns startet es mit: Platz 1: ARTE, Platz 2: BBC, Platz 3: CNN, Platz 4: ZDF info, Platz 5: n24, Platz 6: Das Erste/ARD, Platz 7 ZDF.

Lineares Fernsehen ist out – und damit DVB-T2
Der zweite Grund ist ein viel wichtiger. Ich komme mir jetzt ein bisschen so vor, wie diese Typen aus den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die missionarisch unterwegs waren mit den Worten: „Wir haben keinen Fernseher, wir haben bewusst darauf verzichtet.“ Mann, oh Mann gingen mir diese Typen damals auf den Senkel. Bei jeder Party, wenn meine Kumpels und ich über TV-Serien diskutierten, kam so einer daher und sagte mit einem Vorwurf in der Stimme seinen Satz: „Wir haben keinen Fernseher, wir haben bewusst darauf verzichtet.“ Ich wollte über Judy aus Colt für alle Fälle reden und er kam mit der Verblödung durch die Medien. Ich glaube, jeder kannte so einen Typen. Ich habe als Kind und Jugendlicher gerne fernsehen geschaut. TV war einstmals Kulturgut und wenn es auch nur Trash-TV war. Fernsehserien prägten uns, formten uns, nahmen Einfluss auf uns – Fernsehen verband uns.
Heute muss ich feststellen: Das Thema lineares Fernsehen hat sich bei uns in der Familie erledigt. Es gibt im Grunde nur noch drei Sachen, die ich live sehen möchte: EM wenn die Deutschen spielen, WM wenn die Deutschen spielen und die 24 Stunden von LeMans. Der Rest ist mir egal. Ich möchte heute nicht in der Haut von Programmmachern stecken, die ein Programmschema zusammenbasteln müssen. Mich interessiert der Inhalt des lineares Fernsehens nur noch bedingt. Amazon, Netflix, Apple TV, die Mediatheken und vor allem YouTube haben dem klassischen TV den Rang abgelaufen. Meine Kinder schauen kein klassisches Fernsehen mehr und wenn sie ans TV-Gerät gehen, dann nur dann, um die Playstation 3/4 oder Nintendo-Konsolen anzuschalten. TV ist tot – und heute könnte ich wie diese nervigen Typen aus den Achtzigern sagen: „Wir haben keinen Fernseher, wir haben bewusst darauf verzichtet.“ Stimmt aber auch nicht, denn es wäre gelogen. Es kommt nur bedingt etwas, was mich interessiert. Und K1 hat es wunderbar ausgedrückt: „Papa, ich muss nicht dann fernseh schauen, wenn die Leute vom Fernsehen es wollen.“

K1/2 schalten die Glotze nur noch zum Spielen ein.

K1/2 schalten die Glotze nur noch zum Spielen ein.

Und in so eine Zeit fällt die Einführung von DVB-T2. Ich habe noch ein paar Antennen für Überall-TV in der Schublade gehabt. Damit hätte ich – theoretisch DVB-T unterwegs bei meinen Seminaren usw. schauen können. Hab ich aber kaum gemacht. Diese Antennen, Software und Kabel fliegen einfach jetzt in den Elektroschrott. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Das Nutzungsverhalten unserer Familie hat sich komplett geändert.

Private Sender wollen Geld für DVB-T2
Wir zahlen die Rundfunkgebühr als Zwangsabgabe. Ich murre und habe aber grundsätzlich kein Problem, wenn ich für freien, unabhängigen Journalismus im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen eine Abgabe zahlen muss. Ich bin mit der journalistischen TV-Berichterstattung im Großen und Ganzen zufrieden, habe aber ein Problem damit, wenn ich mir gebührenfinanzierte Serien im TV anschauen soll. Darauf kann ich komplett verzichten. Informations- und Bildungsauftrag ja, Unterhaltungsauftrag nein. Ich finde die Apps der TV-Sender sehr, sehr gut. Aber das ist ein anderes Thema.

Werbung bietet mir neue Geräte an. Mir egal.

Werbung bietet mir neue Geräte an. Mir egal.

Jetzt lese ich, dass einige private TV-Sender eine Jahresgebühr für DVB-T2 haben wollen. Sagt mal, geht es euch noch gut? Privatfernsehen sollte doch werbefinanziert sein. Jetzt wollen die Herrschaften eine Art Abo für ihren Programminhalt haben. Keine Zwangsgebühr wie bei den Öffentichrechtlichen, sondern eine Art Abo – was im Grunde das Gleiche ist. Für was denn? Der Schrott, der über die Mattscheibe (nein LED-Bildschirm) flimmert, der interessiert mich nicht. Ich schaue kaum Unterschichtenfernsehen, wie diese Privatsender einstmals genannt wurden. Die Programminhalte interessieren mich nicht die Bohne. Die Versorgung über die öffentich-rechtlichen Sender reicht mir völlig aus.
Die neuen Receiver-Geräte kosten etwa 30 Euro. Rund 40 Programme kann man empfangen, davon 16 öffentlich-rechtliche kostenfrei. Die Privatsender strahlen über den Anbieter Freenet aus, der dafür 69 Euro im Jahr berechnet.
Ich kann die Argumente für DVB-T2 durchaus verstehen: Die neue Technik soll neben mehr Programmen auch eine bessere Bildqualität bieten. Alles nachvollziehbar und dennoch bleibt die Tatsache: Der Inhalt interessiert mich nicht mehr. Hier liegt doch das Problem. DVB-T2 ist mir egal. Jetzt kann ich endlich sagen. „Wir haben keinen DVB-T2, wir haben bewusst darauf verzichtet.“

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6 Antworten to “Sack Reis: DVB-T2 kommt und mich interessiert es nicht”

  1. Diet Says:

    Danke für Deine treffende Analyse!
    Mit dem „ich brauch das nicht“-Typen kann ich mich gut identifizieren. Als Kinder (bin Jahrgang ’67) haben wir relativ wenig ferngesehen. Serien und Kindersendungen gabs aus Prinzip nicht, bestenfalls mal Nachrichten oder Sport oder mal was Wissenschaftliches. Natürlich hat man, wenn die Eltern nicht zuhause waren, heimlich irgendwas angeschaut, aber das hat mich nicht sonderlich geprägt, glaube ich. Fernsehen war für mich also immer schon Nebensache.
    Seit ich mit Mitte 20 zuhause ausgezogen bin, habe ich keinen Fernseher und ihn bisher auch nicht vermißt. Ebensowenig wie meine Freundin, mit der ich seit 22 Jahren zusammen bin. Für (Kino-)Filme auf DVD hab‘ ich mir irgendwann mal ein Billig-Beamer-Angebot bei Aldi geholt, den wir auch immer mal wieder genutzt haben. Sport schaue ich manchmal auf dem PC/Mac im Stream an (eigentlich nur nordischen Wintersport, Ballsport interessiert mich nicht). Und das war’s. Nebenbei wüßte ich gar nicht, wo ich die Zeit hernehmen sollte, um mich vor den Fernseher zu setzen. Dazu bin ich viel zu viel unterwegs (Spazierengehen, Geocaching, etwas Laufsport).
    Stellt sich also die Frage nach DVB-T(2) überhaupt nicht 😉
    Höchstens die, warum ich überhaupt Rundfunkgebühren zahlen soll. Denn auf den wenigen Sport im Stream könnte ich auch verzichten. Nur Radio höre ich im Auto auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig.

  2. Sebastian Says:

    Ich bin Jahrgang ’90 und schaue/besitze seit mehr als 5 Jahren kein TV mehr. Ab und zu schaue ich mit meinen Eltern einen Tatort, doch selbst das interessiert mich nicht mehr. Nachrichten bekomme ich über das Internet und Serien/Filme werden über Netflix konsumiert…

  3. Ingo Stange Says:

    Sehr schön geschrieben😎
    Was mir in Deinem Berichtet noch gefehlt hat, ist die Tatsache, dass man trotz bezahlen noch mit Werbung (wofür die Sender auch kassieren) gequälten wird.
    Zudem kommen noch, dass man für jedes Gerät welches man nutzen will, auch noch Gebühren zahlen müsste.
    Gruß Ingo

  4. Gast Says:

    Hier jemand aus dem jüngeren Jahrgang (Ende der ’90er): Ich brauche es ebenfalls nicht.

    Ich habe als Kind gerne Fernsehen geschaut (Kinderserien – logisch), aber mittlerweile läuft fast nur noch Müll. Ich verstehe nicht, warum es ernsthafte Zielgruppen für Trash-Sendungen (RTL, viele auf SAT.1 etc.) gibt – leider auch in meinem Alter.

    DVB-T2 bleibt bei uns aus dem Haus. Wir haben zwar noch IP-TV, aber das wird so gut wie nie benutzt und mit dem nächsten Vertragswechsel fällt das wohl auch weg. 🙂

  5. Manu Says:

    Im großen stimmt dieser Artikel schon, jedoch finde ich es bisschen witzig das schnell und unkompliziert über die Privaten gemeckert wird (ja die haben nur Schrott in eigenen Produktion, jedoch haben sie auch die Amerikanischen Serien die wirklich sehr gut sind) und man aber selber auf Platz 1 der Sender liste aber dann ARTE haben… Das was ARTE so ausstrahlt kann man genau wie die eigenen Produktionen der Privaten nur unter den Konsum von Betäubungsmittel wohl gut finden.

  6. Johannes Rosswog Says:

    Viel schlimmer finde ich die Werbung. Kein Beitrag bei den Privaten ohne alle paar Minuten Werbung. Mittlerweile schon so kurz und dafür oft das es nicht mal mehr für die Toilette reicht. Und für den Mist noch zahlen. Zum Glück ist Sat noch frei und danach gibt’s eben keine Privaten mehr.

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