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Batman Tag 2021 – ich feier die Fledermaus

18. September 2021

Heute am 18. September ist der Tag des Handwerks und zugleich ist heute der internationale Batman-Tag. Für mich sind beide Termine wichtig, arbeite ich doch für das bayerische Friseurhandwerk und bin ein Fan der Fledermaus.

Für die hiesigen Fans des Fledermaus-Detektivs gibt es an diesem Tag in den Comic-Shops viele Aktionen, in deren Mittelpunkt der Dunkle Ritter steht. Unter anderem gibt es Batman-Gratis-Comic-Material und Sonderpublikationen für Sammler. Interessant für mich ist die Veröffentlichung des Batman: The World-Bandes, der auch in einer auf 666 Exemplaren limitierten und signierten Version vorhanden ist.

Es ist Anthologie-Band, in dem Batman den Joker um den Globus verfolgt und dabei 14 Länder passiert. Für die Umsetzung der Kapitel wurden jeweils einheimische Kreativteams gefunden, um die Geschichten umzusetzen. Also 14 Länder, 14 Kreativteams in einer Geschichte – das Konzept gefällt mir. Natürlich gibt es auch eine in Deutschland, genauer in Bayern spielende Episode, die vom Münchner Duo Benjamin von Eckartsberg (Story) und Thomas von Kummant (Artwork) erstellt wurde.


Batman sind für mich aber nicht nur die Comics, sondern vor allem die Filme. Es soll ja noch ein neuer Batman in die Kinos kommen, aber heute greife ich zu den erschienen Klassikern, die unterschiedlicher nicht sein können.

Ich bin ein absoluter Fan der Tim Burton Reihe von 1989. Die quietschbunten Popcorn-Filme hatte ich damals in Kino gesehen und kaufte sie mir später auf Laserdic, UMD-Träger und Bluray. Es war Spaß mit großen Namen der damaligen Zeit und es steckte sehr viel Symbolik in diesen Unterhaltungsfilmen, obwohl sie von Folge zu Folge schlechter wurden. 1992: Batmans Rückkehr (Regie: Tim Burton), 1995: Batman Forever (Regie: Joel Schumacher) und dann 1997: Batman & Robin (Regie: Joel Schumacher).

Dann kam Jahre später Christopher Nolan 2005 und ließ den dunklen Rächer in einem Dreiteiler wieder auferstehen. Batman Begins haute richtig rein, The Dark Knight lebte vor allem durch Heath Ledger in der Rolle als Joker. 2012 erschien der dritte und letzte Teil der Trilogie unter dem Namen The Dark Knight Rises, den ich aber vergleichsweise als schwach empfand. Vielleicht war mein Batman-Fieber in der Zwischenzeit geheilt.

Als ich ein Webinar über die Batman-Filme vorbereite, entdeckte ich eine Perle, die ich lange Zeit nicht mehr gesehen hatte: Batman hält die Welt in Atem von 1966. Der Film basiert auf einer US-Batman-Fernsehserie und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Aber genau das macht seinen Reiz aus, wenn Batman und Robin gegen die Bösewichte zu Felde ziehen. In den Hauptrollen der Comicverfilmung sind Adam West als Batman und Burt Ward als Robin zu sehen. Und wenn ich ehrlich bin: Adam West ist für mich der Batman-Darsteller schlechthin. Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern mir als Kind das Batmobil des Films Batman hält die Welt in Atem geschenkt hatten und ich sehr gerne mit diesem Fahrzeug spielte. Leider ging es im Laufe der Jahre verloren.

Der Film kommt so flott und leichtfüßig daher, hat überdehnte Einfälle und versucht sich als Comic-Film mit entsprechenden Bild-/Ton-Effekten mit Pows, Bangs und Splashs. Er hat den Charme der Sechziger Jahre ohne in den Verdacht von Filmkunst zu kommen. Mir hat er gefallen und er ist für den Batman-Tag genau die richtige Unterhaltung.

Welche Übersetzung von Dune – der Wüstenplanet ist die beste?

1. September 2021

Am 16. September 2021 wird wohl Dune – der Wüstenplanet in die deutschen Kinos kommen und ich freue mich sehr auf die Verfilmung von Denis Villeneuve. Ich war auch mit der Verfilmung Dune – Der Wüstenplanet von David Lynch aus dem Jahre 1984 einverstanden und hätte natürlich gerne mehr Material von Alejandro Jodorowsky und seinem gescheiterten Versuch von 1974 gesehen. Auch die TV-Fassungen Dune: Der Wüstenplanet – Der komplette TV-Mehrteiler von John Harrison aus dem Jahre 2000 haben einen gewissen Charme.
Bis also der erste Teil der wohl bombastischen Neuverfilmung im Herbst in die Kinos kommt, nehme ich meine Dune-Bücher aus dem Schrank und stelle mir die Frage: Welche deutsche Übersetzung von Dune ist eigentlich die beste?

Autor des Wüstenplaneten ist Frank Herbert aus dem Jahre 1966. Was Tolkien mit dem Herr der Ringe-Universum für Fantasy ist, stellt Dune und seine Fortsetzungen für die Science Fiction dar. Nur Isaac Asimovs Foundation-Reihe Die Foundation-Trilogie kommt hier gleichberechtigt heran. Einen Unterschied zwischen Tolkien und Herbert gibt es: Während die Tolkien-Geschichten (bis auf Silmarillion) gut lesbar sind, kämpft sich der geneigte Leser durch die komplexe Welt von Frank Herbert schwer hindurch.
Ich habe den Romanzyklus als Jugendlicher gelesen und war begeistert:
Dune – Der Wüstenplanet
Dune Messiah (1969) Der Herr des Wüstenplaneten Children of Dune (1976) Die Kinder des Wüstenplaneten
God Emperor of Dune (1982) Der Gottkaiser des Wüstenplaneten
Heretics of Dune (1984) Die Ketzer des Wüstenplaneten, 1985
Chapterhouse Dune (1985) Die Ordensburg des Wüstenplaneten

Die Fortsetzungen von Sohn Brian habe ich mir nicht mehr angetan – irgendwann wurde es mir zu kompliziert. Es gab noch zwei Bände Enzyklopädie zum Nachschlagen.
Wie es bei Tolkien gute und weniger gute Übersetzungen von Herr der Ringe gibt (dazu gibt es einen eigenen Blogpost), so gibt es auch bei den deutschen Dune-Übersetzungen starke Unterschiede.
Für den deutschen Markt liegen drei Übersetzungen von Dune vor: Wulf H. Bergner, Roland M. Hahn und Jakob Schmidt

Der kastrierte Klassiker von Wulf H. Bergner
Die erste deutsche Übersetzung stammt aus dem Jahre 1967 von Wulf H. Bergner. Bergner ist einer der großen deutschen Übersetzer mit einem enorm Arbeitspensum – über 500 Bücher hat er übersetzt. Viele, ganz viele SF- und Horrorübersetzungen gehen auf ihn zurück. Dune war eine seiner ersten Übersetzungen. Während seines Studiums in München, das 1965 er mit der „Staatlichen Prüfung für Übersetzer und Dolmetscher“ beendete, hatte er zunächst für den Moewig-Verlag SF-Titel übersetzt und wechselte dann zum Heyne-Verlag. Bergner Übersetzung von Dune ist in einem wunderschönen Nachkriegsdeutsch zu lesen und eigentlich gefällt mir seine Übersetzung von Dune am besten. Es ist eine gehobene Sprache, kein Gebrauchsdeutsch, sondern die Übersetzung passt zu dem epischen Roman von Frank Herbert.

Wie geschrieben, es wäre eigentlich für mich die beste Übersetzung, wäre da nicht ein großes, großes Problem. Die erschiene Fassung von Bergner ist nicht vollständig. Es fehlen etliche Seiten des amerikanischen Romans.
Ich sprach Bergner darauf an. Seine erschütternde Antwort: „Leider verbinden sich für mich mit Dune hauptsächlich negative Erinnerungen: Meine Übersetzung, die ich noch heute nicht schlecht finde, wurde von Lektor Wolfgang Jeschke im Auftrag des Verlags um etwa ein Drittel gekürzt. Der Gedanke daran schmerzt noch heute.“ Und es schmerzt mich als Leser ebenso. Gerne hätte ich Wulf H. Bergner näher befragt, aber er lehnte Interview-Wünsche ab, was ich zutiefst bedauere.

Der große Klassiker von Roland M. Hahn
Der nächste Übersetzer von Dune ist Roland M. Hahn. Mit ihm verbinde ich zahlreiche Filmlexika wie das Lexikon des Science-Fiction-Films oder das Lexikon des Horrorfilms. Die Dune-Übersetzung von Hahn habe ich immer wieder gelesen und sie ist wohl die in der SF-Community am meisten gelesene Ausgabe. Ich habe seine Übersetzung in verschiedenen Buchausgaben in verschiedenen Verlagen und verschiedenen Auflagen angetroffen. 1978 hatte ich die Erstauflage bei Heyne gekauft und wieder und wieder gelesen. Sie war noch mit allerhand Zeichnungen und Bildern von John Schönherr illustriert. Das Cover des Buches zierte ein Wurm in dunklen Sandfarben.

Zum Filmstart von David Lynchs Verfilmung kam 1984 die gleiche Übersetzung von Hahn mit dem Kinoplakat auf dem Cover und 24 Filmfotos zurück. Inhaltlich hat sich nichts geändert. Seine Übersetzung ist vollständig und gilt als Klassiker. Allerdings stelle ich fest, dass sein Deutsch für viele junge Leser zu schwer ist. Die Satzkonstruktionen und technischen Bezeichnungen sind Ausdrücke vergangener Zeiten.

Die junge wilde Übersetzung von Jakob Schmidt
Die altertümliche Sprache von Hahn wurde bei Heyne wohl als Problem erkannt. So gab man eine neue Überstezung Der Wüstenplanet bei Jakob Schmidt in Auftrag, der ein Könner seines Fachs ist. Die Übersetzung von Jakob Schmidt ist somit die aktuelle Übersetzung bei Heyne. Sie erschien von ein paar Jahren und wurde zum bevorstehenden Filmstart mit Filmcover – allerdings ohne Filmfotos neu aufgelegt. Im Vergleich zu Bergner und Hahn ist der 1978 geborene Jakob Schmidt der jüngste im Bunde. Seine Übersetzung die aktuelle lieferbare Version von Heyne. Der Heyne Verlag stellte mir das gerade erschiene Taschenbuch zur Verfügung – vielen Dank an Daniela Gabler dafür.

Vielleicht weil Schmidt der jüngste Übersetzer ist, ist er auch derjenige mit der flottesten Sprache. Das Deutsch wurde vorsichtig modernisiert und vielleicht sprachlich aktualisiert. Die gedrechselte Sprache Hahns, mit der ich großgeworden bin, wurde entschärft. Damit schafft es Dune sicherlich zu einer neuen, zeitgemäßeren, jüngeren Leserschaft.

Allerdings bin ich ein Fan der altertümlichen Sprache der Bergner- und Hahn-Übersetzungen. Mit einigen der modernisierten Anpassungen von Schmid bin ich nicht einverstanden. Durch die einschlägigen Foren gingen schon Diskussionen, ob Uralte Burg mit uralten Steinhaufen übersetzen soll, wie es Schmidt tat und nicht besser bei Gemäuer geblieben wäre. Nun ja, das sind Feinheiten, die vielleicht überlesen werden, mich hat es gestört.

One more Thing: Die Graphic Novel
Außer der Reihe gibt es noch eine weiter Dune-Übersetzung. Und zwar von Katrin Aust. Die übersetzte Dune für die Graphic Novel Dune, die bei Splitter erschienen ist. Ich werde diesem Buch einen eigenen Blogpost widmen.

Micky Maus-Magazin feiert 70. Geburtstag

20. August 2021

Hier kommt die Maus. Und ich meine die Micky Maus. Das Micky Maus-Magazin feiert heute mit der Ausgabe 18/2021 seinen 70. Geburtstag. Mit bisher über 3.300 erschienenen Ausgaben und mehr als 1,3 Milliarden verkauften Heften ist die deutschsprachige Ausgabe des Micky Maus-Magazins bis heute laut Verlagsangaben das erfolgreichste Kinder-Magazin Europas. Ebenso wie das Magazin feiert auch die Berliner Egmont Ehapa Media GmbH ihr 70-jähriges Bestehen. Die Erstausgabe des Micky Maus-Magazins im Jahr 1951 ist gleichbedeutend mit der Gründung des damaligen Ehapa-Verlags, welcher damals wie heute die Heimat aller Entenhausen-Comics ist.

Da gratuliere ich dem Senior natürlich gerne, will aber nicht mit aktuellen Material nerven. Nein, ich hab was Besonderes:
Zum Geburtstagsfest gehe ich mal 20 Jahre zurück, als das Micky Maus-Magazin seinen 50. Geburtstag groß feierte. Im Archiv hab ich die damalige Jubiluämsinformationsmappe herausgesucht. Ich hab sie damals abgelegt und sie nun wieder aus meinem persönlichen Archiv geholt.

Das Micky Maus-Magazin ist 70 – hier die Mappe zum 50. Geburtstag.

Das Highlight vor 20 Jahren: Das erste Micky Maus Magazin aus dem 1951 gab es als Nachdruck als Geburtstagsgeschenk. Die Ausgabe war eingeschweißt in goldenes Glanzpapier. Sie kostete am 29. August 2001 genau 3,40 Mark und war Ausgabe 36. Ich hab sie noch verschlossen gelassen, denn die Geschichte von damals gibt es ja immer zu lesen. Vielleicht öffnen meine Kinder die Ausgabe irgendwann nach meinen Ableben.

Zudem lagen in der Mappe zwei Druckfahnen der Cover der Ausgaben 37 und 38 vom 6. September 2001 und 13. September 2001. Und dann war die Welt nicht mehr die selbe wie zuvor: Der 11. September 2001 veränderte alles.

Aber blicken wir mit Freude zurück auf schönere Zeiten. Zum 50. Geburtstag gab es eine umfangreiche Spezialausgabe der Sprechblase mit gut recherchierten Hintergrundberichten. Die Sprechblase ist ein deutschsprachiges Comicmagazin, das zwischen 1978 und 2007 im Norbert Hethke Verlag erschien. Ich weiß gar nicht, ob es das Fachmagazine heute noch existiert.

Zum 70. Geburtstag werde ich mir die Geschichte bis zum 50. Geburtstag in Ruhe zu Gemüte führen. Schön war ein Interview mit dem damaligen MM-Marketingmann Jörg Risken über die Zukunft des MM-Magazins. Auf die Sprechblasen-Frage, was man den Magazin zum Sechzigsten wünsche, antwortete Risken: „Das wäre 2011. Ich bin Realist. Die Auflage ist nicht mehr wie heute. Der Markt zerfällt immer stärker und die demographische Entwicklung spricht auch gegen einen langfristigen Aufwärtstrend. Aber wir werden zweifelsohne noch bestehen und Marktführer sein, daran glauben wir fest.“ Der Mann hat Recht behalten und ist noch immer im MM-Verlag beschäftigt.

Schauen wir mal in die Geschichtsbücher: Das Micky Maus-Magazin wurde in den Fünfziger Jahren zum Synonym für Comic-Hefte allgemein und ab 1964 zur elftgrößten Jugendzeitschrift der Welt. Die Micky Maus hatte eine Startauflage von 300.000 Exemplaren und überschritt zeitweilig eine Auflage von über einer Million Hefte pro Woche. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei.

Begonnen hatte alles eher zufällig, als 1951 ein Vertreter der Walt Disney Productions nach Stuttgart kam, wo Das Beste aus Reader’s Digest produziert wurde. Er suchte vier Leute, die ein deutsches Micky-Maus-Heft machen könnten. Und er traf neben dem späteren Verlagsleiter Adolf Kabatek, der für seine Verdienste um die Comic-Kultur später mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden sollte, auf Dr. Erika Fuchs. Es gelang ihm, sie für diese Aufgabe zu interessieren. Dr. Fuchs war skeptisch, doch als ihr Mann sie auf die möglichen pädagogischen Aspekte des neuen Projekts aufmerksam gemacht hatte, sagte sie schließlich zu. Es wurde eine glückliche Verbindung. Und Gatte Fuchs wurde später in den Geschichten von „Daniel Düsentrieb“ verewigt mit dem Spruch: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.“

Die Egmont Harald Petersen Stiftung, die in Dänemark seit 1949 Disney publizierte, gründete zu diesem Zweck in Stuttgart eine Tochtergesellschaft und gab ihr nach den Initialen EHP ihres 1920 verstorbenen Stifters den Namen Ehapa Verlag.
Nach den erforderlichen Vorarbeiten für den Start der neuen Zeitschrift, der pünktlich mit Beginn des Schuljahrs 1951 erfolgen sollte, wurde ein erster Zeitschriftenhit der noch jungen Bundesrepublik Deutschland geboren. Obendrein war „die“ Micky Maus auch die erste deutsche Zeitschrift, die vollständig in Farbe gedruckt wurde. Anders als die amerikanischen Originalausgaben, die grob gerastert im Offsetdruck entstanden, bot die neue, im Kupfertiefdruckverfahren gedruckte Zeitschrift dem Leser ein sattes Lesevergnügen.

Anfangs erschien das Micky Maus-Magazin noch monatlich, aber ab Dezember 1951 gab es Sonderhefte. Anfang 1956 wurde die Zeitschrift auf 14-tägiges Erscheinen umgestellt. Anders als im Heimatland von Micky Maus, wo man nur wenige durchgehende monatlich erscheinende Heftreihen und daneben viele Einzelpublikationen veröffentlichte, wollte man nicht zu viele verschiedene Publikationen auf den übersichtlicheren deutschen werfen, sondern lieber die Erscheinungsfrequenz intensivieren.
Seit Ende 1957 erscheint das Micky Maus-Magazin wöchentlich. Im Lauf der Zeit entwickelten sich daraus zahlreiche Ableger.

Beim Durchblättern der ersten Hefte fällt auf, dass die Redaktion mit einigen Problemen gerechnet hatte. So konnte man zum Beispiel im ersten deutschen Micky Maus-Heft vom 29. August 1951 den Hinweis finden: „Ihr braucht diese wunderschönen bunten Hefte nicht heimlich zu kaufen, sondern dürft sie Euch regelmässig jeden Monat wünschen. Ihr werdet nämlich bald merken, auch die Erwachsenen haben ihre stille Freude daran.“

In der Tat waren in den frühen 50er Jahren die Jugendschützer in Sachen Film und Zeitschriften äußerst aktiv, um die bundesdeutsche Jugend vor verderblichen Einflüssen zu schützen. Das ging soweit, dass 1955 ein Versuch gestartet wurde, Comics generell gerichtlich verbieten zu lassen. Dieser Versuch scheiterte. Es wurden allerdings einige Comics namentlich aufgeführt, die moralisch als absolut unbedenklich eingestuft wurden. Und zwar: Nick Knatterton, Prinz Eisenherz und Micky Maus.

Persönlicher Nachruf auf Uli Stein

5. September 2020

Seine Maus begleitete mich an den Lüftungsschlitzen meiner ersten beiden Autos. Es war eine Maus in der Lederjacke, die ich liebgewonnen hatte. Sie stammte von Uli Stein, der vor kurzem im Alter von 73 Jahren in Hannover verstorben ist.

Ich mochte die Figuren von Uli Stein. Ich hatte neben der Stoffmaus im Auto auch einen Eierbecher im Mausdesign von ihm. Der ist im Zuge von Umzügen verloren gegangen, die Maus mit Lederjacke existiert heute noch – im Keller.
Und ich mochte seine Comics mit seinen Mäusen, Pinguinen, Schweinen und mehr. Seine Menschen hatten immer dicke Nasen – das fand ich sympathisch.
Als das Internet noch absolutes Neuland war, bekam ich ein Comicbuch mit seinen Zeichnungen geschenkt, die sich rund um das WWW drehten. Es waren einige gelungene Witze darunter – ich glaube das Buch hieß Notebook. Das Covers der schwarzen Buches war eine Zeichnung mit zwei Mäusen. Eine am Computer, eine mit Schild in der Tür stehend: Auf dem Schild die Aufschrift: http://www.ab-ins-Bett.de Das ist in unserer Familie zu geflügelten Satz geworden, wenn meine Kinder mal wieder zu lange vor der Kiste sitzen.
Vielen Dank lieber Uli Stein, du hast unser Leben bereichert und ich wünsche dir, dass du dort oben weiter so viel Freude verbreitest.

Persönlicher Nachruf auf den Asterix-Zeichner Albert Uderzo

25. März 2020

Meine Asterix aus den vergangenen Jahren.

Meine Asterix aus den vergangenen Jahren.

Ohne ihn hätte es die weltberühmten Comic-Helden Asterix und Obelix nicht gegeben: Nun ist Albert Uderzo im hohen Alter von 92 Jahren im Kreis seiner Familie an einem Herzinfarkt verstorben.
Gemeinsam mit dem Geschichtenerzähler René Goscinny erschuf er das Asterix-Universum, welches seit Generationen für Jung und Alt ein weltweiter gallischer Dauerrenner ist. Sein Motto lautete, dass das Arbeiten in der Comic-Branche jung hält.
Ich wurde zu Asterix gezwungen. Ich mochte die Figuren überhaupt nicht. Als ich Schüler war und miserable Englischnoten hatte, kamen meine Eltern auf die Idee, mir die englische Version von Asterix und Kleopatra zu kaufen. Es war eine Qual und die beiden gallischen Helden waren bei mir unten durch.
Englisch besserte sich und bei einem Familienurlaub im Garadasee in Italien gab es einen Zeitschriftenstand mit deutschsprachigen Zeitungen. Als einzige Comics gab es nur Asterix auf Deutsch und aus dieser Not heraus, näherte ich mich Asterix. Im Laufe der Jahre kaufte ich mir mehr und mehr der Hefte, konnte auf Parties lateinische Sprüche zum Angeben aufsagen und „Die spinnen die Römer“ wurde zu meinem Wortschatz. Jetzt ist mit 92 Jahren der Asterix-Zeichner gestorben.
Albert Uderzos langjähriger deutscher Verlag Egmont Ehapa Media GmbH zur traurigen Nachricht: „Die Welt hat einen großen Zeichner verloren. Zugleich bleiben wir reich beschenkt zurück mit den einzigartigen Comic-Geschichten aus Gallien. Durch die Abenteuer von Asterix wird Albert Uderzo uns und den Lesern in bunter, humorvoller Erinnerung bleiben. Wir bedanken uns bei ihm für eine vertrauensvolle und außergewöhnliche verlegerische Partnerschaft über ein halbes Jahrhundert und für all seine pointierten Zeichnungen und Geschichten.“ Einige der Comics hab ich mal aus dem Archiv geholt und stelle sie in diesem Video vor. Mein Lieblings-Asterix ist „Asterix bei den Schweizern“.

Albert Uderzo wurde am 25. April 1927 geboren. Alles deutete darauf hin, dass er mit seinen Händen Großes vorhatte: Albert Uderzo kam mit sechs Fingern an jeder Hand zur Welt. Seine Eltern beschlossen jedoch diese beiden überzähligen Finger entfernen zu lassen. Als Sechsjähriger Knirps lieferte er schon die ersten, beinahe druckreifen Zeichnungen zu Hause ab. Da erst bemerkte man, dass der Junge farbenblind war. Auch dieses Hindernis konnte ihn nicht stoppen. Mit 14 Jahren engagierte ihn ein Pariser Verlag. Mit 18 zeichnete er bereits seine eigenen Comic-Strips. Das Zeichentalent scheint ihm wirklich in die Wiege gelegt worden zu sein, denn er besuchte zu keiner Zeit eine Kunstakademie. Seinen unverwechselbaren Strich bringt er sich selbst bei und verbessert sich durch permanentes Üben. 1951 schlägt seine große Stunde. Er begegnet Jean Michel Charlier und insbesondere René Goscinny. Mit Charlier
entstehen die Abenteuer der beiden tollkühnen Piloten „Tanguy und Laverdure“. Zusammen mit René Goscinny entwickelt er zunächst „Umpah-Pah“. Zwischen den beiden Künstlern bahnt sich eine lebenslange, sehr innige Freundschaft an. Seinen großen Durchbruch feierte er 1961, als die gallischen Abenteuer in Frankreich schon in Form von kompletten Comic-Geschichten in 48-seitigen Alben erscheinen. Der Asterix-Funke zündet und nur wenige Jahre später und begeistert in ganz Europa.
Seinen größten Verlust erlebte er 1977: Nach dem plötzlichen Tod seines besten Freundes René Goscinny wollte das Zeichnergenie mit Asterix Schluss machen. Aber seine Fans überzeugten ihn weiterzumachen und so soll es auch jetzt sein: Auch wenn er diese Welt verlassen hat, durch Asterix wird der großartige Künstler in den Herzen der Leser für immer weiterleben.

Persönlicher Nachruf auf Claire Bretécher

16. März 2020

Leider komme ich erst heute dazu, der vor kurzem verstorbenen Claire Bretécher zu gedenken. Die französische Comiczeichnerin verstarb bereits am 11. Februar 2020 im Alter von 79 Jahren.
Ich traf auf ihre Comics als Schüler etwa Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ich kam von den Marvel- und DC-Helden und machte einen Abstecher über Asterix und Lucky Luke, liebte die Comicgeschichten aus YPS und Zack und verehrte abgöttisch das MAD-Magazin. Und dann drückte mir mein Schulkumpel Alexander Faroga auf dem Schulhof eine Sammlung von Claire Bretécher in die Hand. Das Buch hieß „die Frustrierten“ und es erschien im Rowohlt-Verlag. Die Comics waren anders als die Comics, die ich bisher gelesen hatte, ganz anders.
Die Bildergeschichten thematisierten Probleme einer intellektuellen großstädtischen Wohlstandsgesellschaft. Sie konfrontierte mich mit Feminismus, diskutierten Fragen der Kirche, der Religion und ich erfuhr von ihr Theorien der antiautoritären Erziehung, die ich bisher nur aus den schweren deutschen und grottenlangweiligen Autorenfilmen kannte. Nicht, dass ich als Schüler alle diese Probleme selbst erlebt, geschweige denn sie verstanden hatte, aber der Stil von Claire Bretécher gefiel mir. Sie zeichnete und verfasste die Comic selbst, es waren schwarzweiß-Geschichten, reduziert.


In Deutsch erschienen fünf Bände der Frustrierten, die ich mir nach und nach kaufte. Meinen Kumpels sagte ich nichts davon. Ich glaubte, diese Comics wären uncool, denn wir standen ja auf den Schenkelklopferhumor von MAD und Co. Als ich Jahre später die Comics von Ralf König stieß, allen voran Der bewegte Mann, erkannte ich Claire Bretécher wieder. Die große Dame des französischen Comics hat einen gewaltigen Einfluss auf die Comicszene hinterlassen.
Claire Bretécher hat in den Siebzigerjahren mit „Die Frustrierten“ nicht irgendeinen Comicklassiker geschaffen, sondern den ersten feministischen Comic und eine der komischsten Serien überhaupt. Sie war eine der ersten Comiczeichnerinnen, die ihre eigenen Geschichten zeichnete, Geschichten von echten Frauen, ihrem Frust und ihrer Lust. Dass auch der darin enthaltene Kampf der Frauen um Gleichberechtigung heute noch so aktuell ist, hätte sie sich wohl kaum träumen lassen.
2016 wurde sie beim Comic-Salon Erlangen als erste Frau mit dem Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk des Max-und-Moritz-Preises ausgezeichnet. Ich wollte damals den Comic Salon besuchen, um Claire Bretécher zu treffen. Irgendwas kam dazwischen. Nun werde ich sie nicht mehr treffen, schade.
Im Juni erscheinen die Frustrierten in einer neuen Auflage alsDie Bibliothek der Comic-Klassiker: Die Frustrierten. Nach den Frustrierten kamen in den neunziger Jahren die Comics zu Agrippine, die habe ich allerdings noch nicht gelesen.

Ausstellungtipp Moebius – jetzt virtuell

14. März 2020

Die Moebius Ausstellung in Brühl war der Hammer.

Die Moebius Ausstellung in Brühl war der Hammer.

Nachdem die Schule ausfällt, wollte ich euch eigentlich den Tipp geben, sich die absolut geniale Moebius Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl des LVR anzusehen. Doch nix da. Das Museum wurde gestern aufgrund Corona geschlossen. Ich wollte die sehenswerte Ausstellung jedem Comic- und Kunstinteressierten ans Herz legen. Was nun bleibt, ist ein virtueller Streifzug durch diese Ausstellung.
Der französische Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938–2012) ist unter dem Namen Moebius international bekannt geworden. In Brühl war die bisher umfangreichste Ausstellung zum Werk dieses Multitalents zu sehen. Moebius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction und inspirierte zahlreiche Filme etwa von George Lucas, Ridley Scott oder Hayao Miyazaki. In der Ausstellung hingen beispielsweise verschiedene Entwürfe von Abyss, die aber aus rechtlichen Gründen leider nicht fotografiert werden durften.

Bei Moebius verschwimmen die Grenzen zwischen Comicstrip und bildender Kunst. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit.
Die Ausstellung widmete sich dem umfangreichen Werk von Moebius in thematisch gegliederten Bereichen: Ausgehend von grundlegenden Ideen in seinen Notizbüchern („Carnets“) über kolorierte Zeichnungen, Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken und Objekten wird das Spektrum seiner Zeichenkunst ausgebreitet.

Moebius erfand und entwickelte über Jahre hinweg ikonische Figuren wie den stummen Krieger Arzak, Major Grubert, John Difool aus L’Incal (zusammen mit Alejandro Jodorowsky) oder die Raumfahrer Stell und Atan. Mit ihnen zusammen lässt er auch die Betrachtenden in die unendlichen Welten seiner Imagination reisen. Außerdem malte Moebius abstrakte Kompositionen, die aufgrund ihres ungewöhnlichen Formenrepertoires und der zeichnerischen Dichte eine eigenständige Werkgruppe bilden.
Die Ausstellung widmete sich Jean Girauds umfangreichem Schaffen. Sie versammelte rund 450 Arbeiten aus dessen zumeist unter der Signatur „Moebius“ entstandenen Bildgeschichten und ordnet sie verschiedenen Themenbereichen zu (wie »Natur und Metamorphose«, »Der Traum vom Fliegen und Fallen«, »Die innere Wüste und ihre Darstellung«, »Wanderer zwischen den Welten« oder »Die Utopie kolorierte Zeichnungen, szenisch gegliederte Comicfolgen, Skizzen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken und Objekten wird das Spektrum seiner Zeichenkunst ausgebreitet.

Begleitend zur Ausstellung erschien ein Katalog mit 272 Seiten, über 260 Abbildungen und Beiträgen von Patrick Blümel, Isabelle Giraud, Jean Giraud, Achim Sommer, Friederike Voßkamp und Jürgen Wilhelm. Er ist als gebundene, zweisprachige Museumsausgabe (Deutsch/Englisch) zum Preis von 49,90 € erhältlich. Ich kann diesen Katalog ausdrücklich empfehlen.

Zu den acht Themenbereichen in der Ausstellung gibt es je ein großformatiges Foto an den Wänden, das sich mit dem Smartphone und der Augmented Reality App Artivive digital animieren lässt. Die interaktive App lässt sich kostenlos im Google Playstore und im Apple iTunes Store downloaden.

Natur und Metamorphose
„Wir wandeln uns kontinuierlich, meist in Reaktion auf verschiedenste Reize, sichtbare wie unsichtbare, innere wie äußere, die zu einer Bewegung des Lebens, einer physischen und psychischen Metamorphose in uns führen. Für mich ist das Prinzip der plastischen Metamorphose, das meine Zeichnungen prägt, kein Fetisch oder zeichnerischer Einfall, sondern ein Sinnbild für den Wandel, der sich in unserem Inneren fortwährend vollzieht.“

Spiritualität und Alchemie
„Man sollte sein ganzes Leben damit verbringen, alle Facetten des eigenen Seins und Wesens zu entdecken und alles, was es darstellt: Feuer, Luft, Erde und Wasser, die Grundelemente, aber auch die animalischen und gefühlsmäßigen Archetypen, sowie insbesondere den physiologischen Funktionstypus. Gleichermaßen die mehr engelhaften Strukturen.“

Der Traum vom Fliegen und Fallen
„Die eigentliche Geburtsstunde von Moebius als einem etablierten Phänomen schlug mit Arzach. Als Junge hat mich im Alter von etwa 14 oder 15 Jahren die Entdeckung der Science-Fiction ungeheuer beeindruckt. Inzwischen ist sie Teil meiner Bildsprache und meines geistigen Gemeinguts, und das ganz spontan. So ähnlich verhielt es sich mit dem Western auch. Western und Science-Fiction kamen dann zusammen: Das in Arzach beschriebene Universum ähnelt in starkem Ausmaß einer Art imaginärem Wilden Westen, versetzt auf einen nicht weniger imaginären Planeten. Mit der Figur des Gestalt mit hoher phrygischer Mütze in Kegelform, versehen mit Ohrlaschen und Mützenschirm. Ihr wurde Tribut gezollt, indem es verschiedene Versionen, Wiederholungen, subtile Veränderungen gab, die hinzukamen und für eine Weiterentwicklung des Charakters sorgten: Mal war er richtiggehend bösartig und beängstigend, extraterrestrisch und reptilienhaft. Dann wieder gab er sich engelsgleich. Oder er warf sich in symbolisch aufgeladene Posituren, entlehnt von den Präraffaeliten oder dem Darstellungskanon klassischer griechischer Statuen. Er wurde ein Mann, androgyn, eine Frau. So hat sich die Persönlichkeit von Arzac im Laufe der Jahre leicht gewandelt. Es gab eine Zeit, da wurde er sogar zum Starwatcher.“

Die innere Wüste und ihre Darstellung
„Ich hatte wirklich ein inniges Verhältnis, eine ganz starke Neigung zur Wüste, vor allem zur nordamerikanischen, die sehr eigentümlich ist, ab und an getupft mit in regelmäßigen Abständen wachsenden Grasbüscheln, mit Kakteen, die wie reglose Wesen dastehen, und Felsblocken in unwirklichen, fast schon organischen Formen.“

Wanderer zwischen den Welten
„Mein Ausgangspunkt liegt in der Science Fiction der 1960er Jahre und ihren vorherrschenden Theorien rund um die Zeit: Alle kreisen um die Idee, dass Zeit in verschiedene Ströme unterteilt werden kann, dass jeder Moment zu jedem Zeitpunkt zahlreiche Möglichkeiten birgt. Diese Zeitströme trocknen aus oder laufen weiter, sie finden allerdings immer gleichzeitig statt. Ich habe das aber immer in einem sehr literarischen, traumähnlichen Licht betrachtet: So als ob wir im Traum dazu in der Lage sind, Tangenten zwischen diesen verschiedenen Zeiten und Räumen zu betreten.“

Abstraktionen
„Eines der Abenteuer der zeitgenössischen Kunst besteht darin, in den Teil seiner selbst abzutauchen, der nicht vollständig belegt ist von sozialer Domestizierung, Höflichkeitsformen und der Notwendigkeit, in einer komplex strukturierten Gesellschaft zu überleben. Beim Betrachten lösen die kleinformatigen Werke ungeheuer starke Gefühle in mir aus, weil ich unmöglich erkennen kann, was sie darstellen.
[Es gibt] Momente, da denkt man, das ist organisch, könnte aber auch mineralisch sein, vielleicht ja Basaltablagerungen oder halbtransparente Steine, in Lehmkrusten eingeschlossene Schmucksteine, mit Luftblasen, zwiebelförmigen Einschlüssen, teils auch Schlangen, allerdings mit keinen echten, denn sie besitzen keine Schuppen, bilden vielmehr röhrenartige Formen, so genau lässt sich das nicht sagen. Vielleicht sind es auch Organe.“
„Das ist nichts weiter als eine chaotische Anordnung völlig beliebiger Formen. Und dann, im Bestreben, Elemente auszumachen, manövriert man sich allmählich in eine ausweglose Situation und stellt sich die Frage: Was mag das wohl sein? Also beginnt man, Formen zusammenzuführen, sie zu schließen, manche von ihnen auch zu erweitern, aber nicht so sehr aus einem Abenteuergeist heraus als vielmehr im Bemühen um Strukturierung, um Einordnung, um Sinnstiftung, um einen ästhetischen Sinn, der natürlich meinem eigenen Geschmack entsprechen soll, denn ich möchte mich nach keiner Schule richten.

Da bin ich dann in der Blase meiner vollständigen persönlichen Zufriedenheit, egoistisch, dem Egoismus verfallen, total. Aber stets mit der Fähigkeit, diese seltsame Ursuppe in etwas durchaus Lebendiges für diejenigen zu verwandeln, die sie betrachten und sich sagen: ›Eigenartig ist das schon, aber da steckt etwas dahinter, denn es ist gut gemacht. Man sieht, das ist in sich stimmig, das passt.
Das ist genauso, wie es sein soll.‹ Was aber dort dargestellt ist, weiß man nicht. Etwas nicht Erkennbares, dafür aber wiedergegeben in vollendeter Weise. Das finde ich wunderbar. Vergleichbares findet sich etwa auch in der Arbeit der Surrealisten, im Bereich der Literatur und bei Texten. Die großen Dichterinnen und Dichter dieser Zeit experimentierten in diese Richtung. Den Automatismus erhoben sie zu ihrem Ausgangspunkt und schauten dann, in welchem Abenteuer sie gelandet waren. Sie kamen aus der Taucherglocke hervor und ließen – schwupp – den Schmetterling fliegen. Das gefällt mir.“

Die Utopie des Wunderbaren
„Ich denke, dass meine Kunst mein Leben widerspiegelt, und nicht umgekehrt, so wie das bei anderen Künstlern der Fall ist. Deren Leben spiegelt ihre Kunst wider. Aber das ist nichts für mich, obwohl es sehr verlockend sein kann. Es war eine bewusste Entscheidung, und für mich eine sehr große Ent- scheidung, da mein Leben in gewisser Weise zu einer Reflektion meiner Kunst wurde.“

Der doppelte Mensch
„Ich bin ein Anhänger der kontrollierten Schizophrenie. Die Schizophrenie ist ein vollkommen positiver menschlicher Zustand. Man beginnt, sie Schizophrenie zu nennen, wenn es entgleist, wenn man es nicht mehr kontrolliert. Dann wird es zu etwas, was man behandeln muss. […] Die Schizophrenie, das heißt, die Fähigkeit, getrennte, unterschiedliche Register in sich zu haben und sie zu nutzen, nicht um zu manipulieren, sondern um das zu tun, was man zu tun hat, um in der Welt zu überleben, das ist essentiell.“

Filmkritik: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

14. Februar 2020
„Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ hat mich ratlos hinterlassen. Auf dem ersten Blick besitzt der Film aus dem DC-Universum keinerlei Sympathie-Figuren. Alle Figuren sind ordinär, brutal, gewalttätig, gewissenlos – es ist Trash pur, was uns Regisseurin Cathy Yan und der Drehbuchautorin Christina Hodson da präsentieren. Der Spaß, Familien die Haut von den Gesichtern zu ziehen, erschließt sich mir einfach nicht.
Ich hatte eine Einladung zum Kinobesuch von meinem Kollegen Markus von Filmreport bekommen, der wiederum zwei Eintrittskarten und Cocktails von der 35mm Bar im Münchner Mathäser gewonnen hatte – vielen Dank dafür.
Ich hatte den Vorgänger „ Suicide Squad“ von 2016 kaum etwas Unterhaltendes abgewinnen können, so war ich auf die Fortsetzung „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ gespannt. Wie wird entwickelt sich die Figur der wahnsinnigen Harley Quinn weiter? Nachdem der Joker seine Freundin fallen ließ, dreht die Dame nun völlig ab und mordet sich durchs Leben. Aber es gibt noch schlimmerer Halunken in dem Film, was das Morden der schrillen Dame relativieren soll.
Schrill, bunt, obszön ist ihre Welt der Fäkalsprache. Natürlich müssen Comicverfilmungen überzogen sind, aber so richtig gezündet hat die bunte Welt der Bilder bei mir nicht. Und das ging anderen wohl auch so. In den USA wurde kurzerhand der Titel des Films geändert, damit die Zuschauer ins Kino kommen. Harley Quinn Wurde im Titel vorangestellt, um eine Google-Optimierung zu erreichen. Am Startwochenende hatte Warner mit 50 Millionen US-Dollar in den USA gerechnet, es kamen aber 33 Millionen US-Dollar in die Kassen. Als Grund wurden der seltsame Humor und die Erzählstruktur genannt.
Interessant fand ich an dem Film dagegen wirklich die Erzählweise. Immer wieder wird der Zuschauer durch Rückblenden und Zeitsprünge aus dem Erzählfluss gerissen. Der Film springt zurück, setzt neu an und zeigt dadurch andere Sichtweise. Vielleicht hat das den einen oder anderen Zuschauer verwirrt, mir hat diese ungewöhnliche Erzählweise in einem Blockbuster gefallen.
Und als Filmfan habe ich die Anspielungen genossen. Da wird wunderbar zitiert aus Tope Hoopers „ Das Kabinett des Schreckens“ von 1981 zitiert, es scheint ein wenig Kubricks Der Tiger von New York durch und auch Bösewicht Scaramanga aus dem Bond-Film „der Mann mit goldenem Colt“ von 1974 lässt grüßen.
Wie geschrieben fand ich „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ auf den ersten Blick einen belanglosen und unnötigen Trash. Einen Tag später drehen sich meine Gedanken um die Emanzipation der Figuren. Auf einer tieferen Ebene ist „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ ein wirklich ein emanzipatorischer Kampf gegen Unterdrückung, ein Auflehnen gegen die Macho-Kultur, wie sie oft auch in Comic-Verfilmungen zu finden ist. Weibliche Superhelden hatten bisher eng sitzende Kostüme, vielleicht mit ein ein bisschen Leder und knappen Stoff. Das ist hier nicht der Fall.
Die Macherinnen des Films, die handelnden Charaktere sind weiblich und haben unter Männern in ihrem Umfeld gelitten. Es ist keine Drei Engel für Charlie-Variante, sondern eher Thelma & Louise. Dr. Harleen Quinzel/Harley Quinn (Margot Robbie) hatte sich in den Joker verliebt und wurde von ihm abserviert. Zuvor bestand ihr Leben aus Schläge und Ablehnung. Sie biss sich durch, erlangte den Doktortitel und fiel nach ihrer Trennung in den white Trash zurück. Die Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) wird im Revier von Männern übergangen. Ihr Boss ist korrupt, die anderen Polizisten ebenso. Die kleine Taschendiebin wächst bei gewalttätigen Pflegeeltern auf der weibliche Robin Hood mit Armbrust hat gar die ganze Familie verloren. Ach ja, die Sänger – vergessen wir es. Die Figuren sind eindimensional und trotz interessanter Ansätze werde ich mir ein weiteres Sequel nicht mehr antun.
Bemerkenswert ist höchstens der Score von Daniel Pemberton – das Musikalbum mit Bum-Bum-Sängern kann mir gestohlen bleiben.

AR erweitert Moebius-Ausstellung #moebius

25. September 2019

Wer Zeit hat, sollte sich die geniale Moebius-Ausstelling im Max Ernst-Museum in Brühl ansehen. Ich hab von München die 4,5 stündige einfache Bahnfahrt auf mich genommen, um mir das Werk des französischen Comic-Künstler anzusehen – und es hat sich gelohnt. In den nächsten Tagen werde ich über die Ausstellung und meine Eindrücke bloggen.


Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt bis zum 16. Februar 2020 die in Deutschland bislang umfangreichste Ausstellung mit visionären Bildwelten des französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938–2012), der unter dem Namen „Mœbius“ international bekannt geworden ist. Die Retrospektive „Mœbius“ mit rund 450 Werken ist in enger Zusammenarbeit mit Mœbius Production entstanden.
Mœbius durchbrach Grenzen. Und die Ausstellung setzt auch auf neue innovative Konzepte. Da das gesamte Max Ernst Museum mit kostenlosem WLAN versorgt ist, kamen die Ausstellungsmacher auf die Idee augmented reality in die Museumskonzeption einzusetzen.

AR oder augmented reality bedeutet erweiterter Realität. Per Smartphone-App können Zusatzinhalte in die Realität eingespielt werden. Am Eingang zur Ausstellung steht ein Banner mit dem Ausspruch „Mit augmented reality Moebius entdecken“. Der Besucher wird aufgefordert, die kostenlose AR-App Artivive für iOS und Android zu laden.

An den Kunstwerken in der Ausstellung und im Katalog gibt es ein AR-Zeichen. Wer mit dem Smartphone die acht Großfotos der Ausstellung scannt, der erweckt so die Bilder zum Leben. So lässt sich die Sache in sozialen Netzwerken teilen den Hasttags #moebiusandme #moebius #maxernstmuseum oder  #mobius_production. Die AR-App sorgt dafür, dass Bewegung in die Bilder kommt. Das macht unglaublich Spaß und öffnet eine neue Dimension für Kunst.
Und AR funktioniert nicht nur in der Ausstellung in Brühl, sondern auch zu Hause. Für rund 50 Euro gibt es einen ausgezeichneten Katalog zur Moebius-Ausstellung mit AR-Inhalten. Das ist für mich eine moderne, innovative Museumskonzeption.

 

London: Treffen mit Prominenz der Comic-Szene

4. Juli 2018

Treffen in London mit Comic-Stars. Hier meine Ausbeute.

Treffen in London mit Comic-Stars. Hier meine Ausbeute.

Wenn ich schon mal in London bin, muss ich auch eine Autogrammstunde bei Forbidden Planet wahrnehmen. In London befindet sich der Mega Store mit Comics, Manga, Literatur, Merch und Plunder – also genau der richtige Laden für mich. Im Untergeschoss ist die umfangreiche Comic-Abteilung und stundenlang kann ich hier meine Euros oder britischen Pfund gegen Papier tauschen. Und man kann Prominenz aus der Comic-Szene treffen – und genau das hab ich gemacht. Ich traf auf den Autoren Cullen Bunn und den Zeichner/Autor Ryan O‘Sullivan. 

Regelmäßig veranstaltet Forbidden Planet Autogrammstunden. So auch an diesem Tag. Das Team von Forbidden Planet baute einen Tisch mit Stühlen auf, dahinter wurde ein Banner aufgestellt und es gab eine Auslage mit verschiedenen Werken der beiden Künstler. Zusammen mit anderen Besuchern stellte ich mich in die Schlange und ließ mir verschiedene Comics signieren. In meinem Fall waren es Void Trip von Ryan O‘Sullivan und Deadpool Kills the Marvel Universe. 

Ryan O‘Sullivan war mir vor allem aus der Dark Souls Reihe bekannt. Er hat auch Warhammer gezeichnet und The Evil Within. Seine Serie Void Trip fand ich in London besonders interessant. Es ist die Geschichte von Ana und Gabe, die beiden letzten Menschen in der Galaxie. Sind sind am Ende ihrer Kräfte, haben kein Benzin und Essen mehr, sind geistig nicht unbedingt auf der Höhe, aber sie sind auf der Suche nach dem gelobten Hippie-Land Euphoria. Das Buch beinhaltet ihre Suche. Zudem gab es noch eine limitierte Autogrammkarte – ich hab die Nummer 51 von 200. 

Bei Cullen Bunn geht es dagegen blutiger zu. Deadpool Kills the Marvel Universe ist Splatter pur und das muss auch mal sein. Was passiert, wenn sich Deadpool entschließt, es mit allen Marvel Superhelden aufzunehmen? Wenn der Söldner mit der großen Klappe loszieht, um die Fantastischen Vier, Spider-Man, Wolverine, die X-Men und den ganzen Rest plattzumachen, dann ist ein Schlachtfest angesagt. In Deutschland ist das Buch Deadpool killt das Marvel-Universum bei Panini erschienen. 

Nach dem Lesen wandern die Comics nun in mein persönliches Archiv. Vielleicht steigen sie im Wert. Einen persönlichen Wert für mich haben die Sachen allemal. Und ich erinnere mich als ich mal einen Abend mit der wunderbaren Sarah Burrini verbringen durfte. Hab damals auch darüber gebloggt.