Posts Tagged ‘Kubrick’

Würdigung für Rainer Erler

28. November 2013

Natürlich habe ich meine Regiegötter wie Kubrick, Bergmann, Hitchcock. Aber es gibt auch andere, die immer etwas im Hintergrund standen, aber mein filmisches Leben stark beeinflusst haben. Dazu gehört vor allem auch Rainer Erler.

Seine Filme und Bücher haben mich geprägt und mich für Science Fiction und Science Fact sozialisiert. So freut es mich sehr, dass Erler von der Branche nicht vergessen wurde. Vor kurzem wurde der TV-Filmregisseur mit dem Deutschen Regiepreis Metropolis ausgezeichnet. Was mich massiv ärgert ist, dass ich nicht dabei war. Darüber bin ich echt sauer. Ich hätte Rainer Erler für mein Leben gerne getroffen und mit ihm gesprochen.

Nun es ist, wie es ist. Mit der Ehrung würdigte der Bundesverband der Film- und Fernsehregisseure Erlers Lebenswerk. Der 80-Jährige gilt als der bedeutendste Autor und Regisseur deutscher Fernsehfilme, begründete die Jury ihre Entscheidung. Eine ausführliche Würdigung gibt es auf der Website des Bundesverbandes.

Viele Bücher und Filme hat Erler produziert und endlich gibt es auch das erste eBook beim hockebooks Verlag. Es ist von der hervorragenden Reihe Das blaue Palais. Erschienen ist Das Blaue Palais 1: Das Genie Die Filme wurde ein paar Kilometer von meinem Wohnort entfernt gedreht und immer wieder schaue ich mir die Sachen auf DVD an. Ich habe darüber geschrieben. Ich kann jedem die Filme und die Bücher empfehlen. Sie machen Spaß und regen zum Nachdenken an. Gerade das Thema Ethik in der Wissenschaft wurde in in dem Blauen Palais hervorragend aufgearbeitet. Chapeau Herr Erler.

Mein Autogramm von Rainer Erler.

Mein Autogramm von Rainer Erler.

In meinem Arbeitszimmer hängt ein Autogramm von Erler vom Dezember 1976. Es zeigt Erler mit Mütze bei Dreharbeiten vor einem Van. Auf dem Wagen ist eine Kamera installiert. Tja, so liefen früher Dreharbeiten ab. Ich habe einmal Jutta Speidel bei einem Event getroffen und mich kurz über ihre Erfahrungen mit Erler unterhalten. Sie spielte damals die Hauptrolle in dem Film Fleisch, ein dramatischer Film von 1979 über den Organhandel. Jutta Speidel meinte nur: „Ach der Rainer, ja, das waren noch andere Zeiten. Es hat Spaß gemacht, aber er hat uns ganz schön gefordert.“ Vielleicht lag es daran, dass die männliche Hauptrolle mit Herbert Herrmann besetzt war. Speidel lebte mit Hermann von 1977 bis 1982 zusammen. Auch das Buch Fleisch gibt es als eBook.

Buchkritik: Horror Cinema

19. März 2012

Der Taschen-Verlag gefällt mir gut, weil er immer wieder Publikationen aus dem Filmbereich auf den Markt bringt, die meinen Geschmack treffen. So auch unlängst wieder, als ich das Buch Horror Cinema für eine längere Bahnfahrt erwarb.

Eigentlich erwartete ich wieder den üblichen Sammelband mit Horror-Filmchen aus all den Jahren, die unter einem Kapitel zusammengefasst werden. Und siehe da, ich sollte recht behalten: Aber nur auf den ersten Blick.

Es ist die klassische Sammlung von Filmen aus allen Zeiten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Aber was ist das denn? Die Texte gehen dann doch tiefer. Die Autoren Jonathan Penner und Steven Jay Schneider verstehen ihr Handwerk und bringen einen neuen Blick auf das umstrittene Horror-Genre. Ihre neuen Gedanken sind wirklich gut und die Recherche des Buches lässt kaum Wünsche offen. Da hat Herausgeber Paul Duncan, der schon bei Taschen mehrere Filmbücher verlegte und interessante Werke über Hitchcock und Kubrick schrieb, einen guten Griff getan. Penner ist selbst Drehbuchautor und arbeitet in der Branche, während Schneider den wissenschaftlichen Background lieferte.

Das Buch ist sehr schön lektoriert und vor allem wunderbar illustriert. Es wurde nicht nur auf die bekannten Standfotos zurückgegriffen, sondern der Leser bekommt Schätze hinter den Kulissen sowie seltene Bilder von Filmchen zu sehen. Selbst ich als alter Horror-Fan hab noch schöne, blutige Sachen entdeckt. Ich würde gerne dem Archiv von David Del Valle einen Besuch abstatten und mich durch die raren Bilder blättern.

Natürlich stellt man schnell fest, welche Filme den Autoren ans Herz gewachsen sind (beispielsweise Wicker Man) und somit ist die Bildauswahl subjektiv. Natürlich ist es kein Wissenschaftswerk in Sachen Filmtheorie. Aber das ist egal, denn die Auswahl macht Spaß und die Bildunterschriften verraten den notwendigen Humor, den wir beim Horrorfilm brauchen.

Schön ist die Mischung zwischen klassischen und modernem Horrorfilm, von Gothic-Horror und Splatter, von Spuk und Grusel, von Terror und Gänsehaut. Also, Freunde der Nacht, die zehn Euro für Horror Cinema sind gut investiert.

Linda schwebt wieder.

Linda schwebt wieder.

Wired ist das neue Omni-Magazin

6. Mai 2011
Meine alten Omni-Ausgaben.

Meine alten Omni-Ausgaben.

Wired, die Prawda der Internetgemeinde, soll ins Deutsche übersetzt werden. Es würde mich sehr freuen und ich melde mich gleich als Abonnent (und Autor). Es heißt, der Condé Nast-Verlag will das wegweisende Magazin als einmalige Beilage des schrecklichen Männermagazins GQ auf den Markt bringen und dann regelmäßig als iPad App starten. Ich gebe Moritz von Laffert, der deutsche Cheffe von Condé Nast, recht, dass die Zeit reif sei, diese Marke nach Deutschland zu bringen.

Ich habe Wired bisher für ein Schweinegeld als Papierausgabe am Bahnhofskiosk gekauft. Als dann die iPad-Variante auf Englisch herauskam, kaufte ich mir das Magazin von Chris Anderson nur noch online. Besser aufbereitet, billiger und schneller – eben meine Prawda des 21. Jahrhunderts. Ich verstehe zwar Englisch, würde mich aber dennoch über eine deutsche Ausgabe freuen. Also Condé Nast gibt dir einen Ruck. Ich mochte Harper’s Bazaar, obwohl es am deutschen Markt nicht einschlug. Es war wohl die falsche Zeit und Papier ist nicht mehr meine Welt.

Als ich von der frohen Kunde hörte, holte ich die Prawda meiner Jugend hervor: Kennt noch jemand das Omni-Magazin? Die US-Ausgabe erschein von Oktober 1978 bis Herbst 1995. Es war ein Science Fiction-Magazin, das ich als Jugendlicher verschlang. Es gab zeitweise auch eine deutsche Ausgabe. Ich glaube, ich entdeckte Omni im Jahr 1984 als ich im Kino den Film „2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ im Kino sah. In der Fortsetzung des legendären Kubrick-Films 2001 saß Roy Scheider als Heywood Floyd am Strand und las das Omni-Magazin. Das war der Durchbruch bei mir. Es war meine Begegnung mit der Zukunft, wie der Claim des Magazins auch hieß. Meine Kollektion hüte ich sehr und blättere die alten Hefte immer wieder gerne durch. Der Zukunftsansatz hat sich erledigt. Was damals Science Fiction war, ist heute längt Realität – vor allem die Aussagen über IT und Computer waren damals nett. Quatsch ist weiterhin die Aussagen über Außerirdischen, aber es war meine Grundlage für Akte X und Co. Ich glaube, eine deutsche Ausgabe von Wired würde ich ebenso aufheben wie die Papiervariante von Omni, wenn denn das Speichermedium der Zukunft klar ist.

„Stanley Kubrick’s Napoleon: The Greatest Movie Never Made“ – muss ich haben

18. Dezember 2009

Es gibt Bücher, die man lesen sollte, wenn man mal Zeit hat. Es gibt Bücher, die man nicht lesen sollte, auch wenn man Zeit hat. Und es gibt Bücher, die man unbedingt lesen muss, egal ob man Zeit hat.

Letzteres ist mir so ergangen, als ich von der Veröffentlichung von „Stanley Kubrick’s Napoleon: The Greatest Movie Never Made“ erfuhr. Das Buch, eigentlich eine Buchsammlung bei Taschen erschienen, musste einfach her. Diese Sammlerausgabe ist auf 1.000 nummerierte Exemplare limitiert und ich hab die Nummer 934, also gerade so Schwein gehabt.

Zehn Bücher in einem fetten kiloschweren Schuber erzählen die kuriose Geschichte von Kubricks unverfilmtem Meisterwerk. Als großer Fan des Regiegenies Stanley Kubrick und Verehrer von „Barry Lyndon“ ist die Buchsammlung eine Offenbarung. Zwischen den Deckeln eines aufwendig gestalteten Buchs finden sich alle Elemente aus Stanley Kubricks Archiv wieder, die der Leser benötigt, um sich vorstellen zu können, wie dieser niemals gedrehte Film über den Kaiser der Franzosen ausgesehen hätte – einschließlich eines Faksimile-Nachdrucks des Drehbuchs.Endlich kann ich nachlesen, wie Kubrick die Geschichte erzählt hätte.

Endlich haben die Spekulationen ein Ende. Endlich muss ich mir keine langweiligen Interpretationen irgendwelcher verschrobener Filmwissenschaftler besorgen. Jetzt ist klar, wie sich das Filmgenie Kubrick das Militärgenie Napoleon vorgestellt hatte. Nachdem die Produktionskosten bei der Detailversessenheit Kubricks ins Unermessliche stiegen, traten die Studios MGM und United Artists auf die Bremse. Produktionsstopp weil unter anderen Rod Steiger in „Waterloo“ mitspielte. „Waterloo“ war ein netter Kostümschinken, doch erreichte er niemals die Tiefe von Kubrick, wollte es aber auch gar nicht.

Vieles von dem recherchierten Material ging später in die Produktion von „Barry Lyndon“ ein. Der Film packt mich heute noch immer, unter anderem wegen der phänomenalen Aufnahmen bei Kerzenlicht mit Nasa-Objektiven.

Kubricks „Napoleon“, dessen Produktion unmittelbar nach dem Kinostart von „2001: Odyssee im Weltraum“ beginnen sollte, war zugleich als Charakterstudie und als bildgewaltiges Epos angelegt, prall gefüllt mit großartigen Schlachtszenen, in denen Tausende von Komparsen mitwirken würden. So wurde beispielsweise die rumänische Armee mobilisiert und sollte antreten. Gedreht werden sollte an Originalschauplätzen, keine Trickaufnahmen mehr wie bei 2001. Für sein ursprüngliches Drehbuch stellte Kubrick zwei Jahre lang intensive Recherchen an, ein Verrückter eben – bei allem Respekt. Mit Unterstützung Dutzender Mitarbeiter und eines Spezialisten von der Universität Oxford trug er eine beispiellose Sammlung an Recherche- und Vorproduktionsmaterial zusammen, darunter etwa 15.000 Fotos von möglichen Drehorten und 17.000 Dias zu Napoleon selbst. Auf seiner besessenen Suche nach jedem Häppchen an Information zu Napoleon, das die Geschichtsforschung zu bieten hatte, ließ Kubrick nichts unversucht. Doch sein Film sollte nicht sein: Die Filmstudios hielten ein solches Vorhaben für zu riskant in einer Zeit, in der historische Filmepen aus der Mode gekommen schienen.

Doch zurück zu den Büchern: Es sind 2874 Seiten voller Träume. Dieses Buch enthält das vollständige Original-Treatment, Essays, die das Drehbuch unter historischen und dramatischen Gesichtspunkten beleuchten, einen Aufsatz von Jean Tulard zu Napoleon im Film sowie eine Abschrift von Gesprächen, die Kubrick mit Professor Felix Markham von der Universität Oxford führte. Dieses einzigartige Werk ist die Krönung jahrelanger Recherchen und Vorbereitungen. Es gibt Lesern die Möglichkeit, den schöpferischen Akt eines der größten Talente des Kinos kennenzulernen, aber es gewährt auch faszinierende Einblicke in die schillernde Persönlichkeit des Napoleon Bonaparte.

Update (21-1-2010): Hier ein großartiger Videovortrag vom Britischen Film Institut von Jan Harlan über den nie gedrehten Film.

Meine Blu ray-Wunschliste

24. Februar 2009

barry

Immer wieder fachsimple ich mit einem Kollegen, welche Blu rays denn als nächstes veröffentlicht werden sollten. Die Anzahl der Filme ist gewaltig, doch kristallisieren sich bei uns ein paar Übereinstimmungen heraus. Da wäre als absolute Nummer ein: die komplette Langfassung von „Herr der Ringe“. Das Werk von Peter Jackson hat mich im Kino gebannt und als Tolkien-Fan absolut aus den Socken gebeamt. Ich denke, in HD-Auflösung und fetten Sound kommen die Kämpfe um Mittelerde nochmals grandios daher. Doch leider hat New Line Cinema noch keinen Veröffentlichungstermin angegeben. Ich stehe zwar auf der Amazon-Merkliste, doch das war es auch schon. Ich kann mir vorstellen, dass „Herr der Ringe“ auf Blu Ray veröffentlicht wird, sobald „Der kleine Hobbit“ in die Kino kommt. Die Dreharbeiten laufen ja bereits.

Nummer zwei der Wunschliste ist natürlich die Star Wars Trilogie und zwar die ursprünglichen Filme: „Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Von mir aus, kann es die neuen Sachen dazu geben, aber die sind nicht wichtig. George Lucas hat sich nicht geäußert, wann die Filme herauskommen und so heißt es warten. Aber die Kämpfe von Luke Skywalker und Darth Vader („Luke, ich bin dein Vater“) gehören einfach dazu. Die Sachen muss man haben auf Blu Ray, also George leg einen Zahn zu und veröffentliche eine geile Box.

Auf dem dritten Platz der Wunschliste steht „King Kong“ in der Verfilmung von Peter Jackson. Zwar hat der Film natürlich seine Schwächen, wie der Affentanz auf dem Eis im Central Park, doch die Fights auf der Totenschädelinsel sind sicherlich eindrucksvoll. Das Warten auf den Affenfilm hat ein Ende. Am 26. März 2009 kommt der Film auf Blu Ray. Ich hab ihn schon bei Amazon vorbestellt. Die Briten sind bereits am 9. März an der Reihe, aber ich weiß nicht, ob die Scheibe eine deutsche Tonspur hat.

Dann kommen auf den nächsten Plätzen meine persönlichen Favoriten. Da wäre der erste Teil von „Jurassic Park“. Die Dinos fand ich im Kino geil, Michael Critchon hat mir immer schon gefallen und ich denke, dass die Viecher in meinem Wohnzimmer richtig reinpassen. Und dann warte ich noch auf die Veröffentlichung zweier Kubrick-Filme. Zum einen „Dr. Seltsam“ und zum anderen auf „Barry Lyndon“. Bei „Dr. Seltsam“ habe ich gelesen, dass Sony den Film im Juni im Format 1:66:1 Widscreen veröffentlichen will. Den Film habe ich als Kind gesehen und richtig Angst bekommen. Parallel sah ich ein Double Feature mit „Angriffsziel Moskau“, der ein ähnliches Thema hatte, aber längst nicht so elegant daher kam. Jahre später habe ich auf einem Filmsammlermarkt mir einen Satz Produktionsfotos von „Dr. Seltsam“ gekauft. Nicht Aushangbilder, sondern wirkliche Produktionsfotos vom Set. Sie hingen eine zeitlang in meinem Jugendzimmer bis sie in einem Ordner verschwunden sind (Archiv). Vor allem natürlich Peter Sellers hat einen vom Hocker. Das ist Schauspielerei.

„Barry Lyndon“ ist mein absoluter Lieblingsfilm. Wieder und immer wieder haben ich mir den Film angeschaut, das Licht und die Atmosphäre genossen. Ein Film der aus Gemälden besteht, packende Handlung und packende Regie. Ich habe von Kubrick so gut wie alles und warte sehnsüchtig auf die Blu ray dieses Meisterwerkes. Ich gelobe, ich bestelle den Film und werde mich zurückziehen und diesen Film ganz in Ruhe genießen, die ganzen drei Stunden und vier Minuten. Also Christine Kubrick, geben Sie das Erbe Ihres Mannes bitte frei. Und wenn möglich, geben Sie im Extra-Bereich die entfallenen Szenen dazu nach denen die Kinowelt dürstet. Ich habe ein Bild dieser Cut-Sequenzen hier angefügt. Und ich will jetzt nicht hören „Ich bin Spartacus“ – den Witz kenne ich schon. 

 

Schockwerbung in der Musik: Sigue Sigue Sputnik

13. Februar 2009

In der Werbung geht es darum, möglichst groß aufzufallen, um Öffentlichkeit für ein Produkt herzustellen. Bestes und sicherlich auch negativstes Beispiel war die Benetton-Werbung mit Aids-Kranken, sterbenden Tieren und ähnlichen Grausamkeiten. Schock als Mittel der Aufmerksamkeit, um in die Medien zu geraten. In der Musik ist es ähnlich. Wer schockt, dem ist eine gewissen Aufmerksamkeit garantiert. Das lange Haar der Rolling Stones, der Lennon-Ausspruch, die Beatles seien berühmter als Jesus, die Kostümshow von Kiss oder die Folterfantasien von Alice Cooper – Show, alles nur Show. In YouTube habe ich eine Schockerinnerung meiner Jugend wieder getroffen: Sigue Sigue Sputnik Diese schrille Kapelle aus der Mitte der 80er Jahren waren eine Fortsetzung des Punks mit Rock´n Roll-Elementen und viel Techno. Klingt jetzt sehr hochtrabend. In Wahrheit war es eine untalentierte Band, die vor allem eines erzeugte: Aufmerksamkeit. Schrille Frisuren, böse-Buben-Auftreten und sicherlich viele Chancen verpasst. Andrew Eldritch (Sisters of Mercy) und auch Annie Lennox (Eurythmics) waren im Gespräch waren im Gespräch bei Sigue Sigue Sputnik einzusteigen, was der Musik gut getan hätte. Aber egal. Die erste Single „Love Missile F1-11“ war ein Hit, schließlich wurde er von Giorgio Moroder produziert wurde. Ich erinnere mich, dass die LP total fett war und kaum in den Plattenschrank passte. Konsequent: Die Pausen zwischen den Songs wurden an Werbekunden versteigert. Passend bei dem Outfit von Sigue Sigue Sputnik war, dass Studio line-Hersteller L`Oreal als Werbekunde vertreten war. Schließlich verbrauchte die Band Unmengen an Haarspray. Nach Werbegesichtspunkten wurde auch der Bandname am Reißbrett ausgewählt: Sigue Sigue Sputnik wurde nach einer Streetgang aus Moskau benannt, von der die Herald Tribune in einem Artikel Anfang 1980 berichtete. In den Videos kommen auch immer wieder Anlehnungen an Uhrwerk Orange von Kubrick vor. Gangs und Gewalt haben ihre Faszination. Ich habe neulich gelesen, dass die seriösen Kritiker der Musikpresse die Bands übrigens als „Sick Sick Sputnik“ bezeichnet haben. Das Werbekonzept ging auf, die Band hatte Erfolg und ich hab mich über einen Beitrag in YouTube gefreut.

Wall•E: Pixars kollektives Filmgedächtnis

15. September 2008

Pixar hat das Problem, dass das Unternehmen mit seinen überaus erfolgreichen Animationsstreifen Filmgeschichte geschrieben hat. Anders verhält es sich bei Dreamworks, die mit Shrek und Kung Fu Panda einfach nur für Unterhaltung und Kasse sorgen. Pixar dagegen muss mit jedem Film neue Maßstäbe setzen, seien sie technischer oder inhaltlicher Natur. Mit Wall•E ist es der Steve-Jobs-Company wieder gelungen, die Filmgeschichte mit einem Meilenstein zu bereichern. Und das Rezept: Um in die Filmgeschichte einzugehen, zitiert man fleißig archetypische Elemente des Filmgeschichte, in diesem Fall des Science-Fiction-Films. Als Quelle der Inspiration standen den Pixar-Verantworlichen zahlreiche Meisterwerke Pate. Allen voran aber die Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“ und „Lautlos im Weltraum (Silent Running)“. Vor allem Kubricks Meisterwerk aus dem Jahre 1968 liefert die Basis für Wall•E. Und die Meisterleistung von Pixar: Wall•E funktioniert auch bei Zuschauern, die das große Vorbild nicht gesehen. Dennoch sind Bilder und Score von 2001 so im Gedächtnis des Zuschauers verankert, dass sie bei Wall•E von einem kollektiven Gedächtnis abgerufen werden. Seien es das rote allsehende Auge von HAL oder die Richard-Strauss-Musik von „Also sprach Zarathrusta“.

Ähnlich wie 2001 kommt Wall•E zu Beginn des Films ohne Dialoge aus. Erst als in 2001 der Mensch den Monolithen entdeckt, gelangt er auf eine höhere Bewusstseinsebene. Und erst als sich Wall•E mit Eve trifft, erwachen Gefühle in ihm. Es gelingt den Pixar-Machern den Robotern von der ersten Minute an menschliche Züge zu geben. Die Einteilung Mann und Frau wird getroffen, obwohl es sich nur um Maschinen handelt. Anspielungen aus dem Realfilm sind gewollt. Anleihen sind R2D2 aus „Star Wars“ und „Nummer 5 lebt“.  Pfeifend rollt Wall•E pflichtbewusst und pfiffig durch die Apokalypse, begleitet von einer Kakerlake, die den Weltuntergang überlebt habt. Schreckliche Endzeitvisionen einer verlassenden Welt sind die ersten Eindrücke des Films. Seinen Charalter formt Wall•E durch Abspielen von Muscial-Sequenzen aus „Hello Dolly“.

Die Symbole aus 2001 kehren immer wieder. Die biblischen Anspielungen mit einem Garten Eden im Weltraum kommen natürlich von „Lautlos im Weltraum“, den vfx-Papst Douglas Trumball inszenierte. Roboter behüten die Pflanzen und Bäume. Auch in Wall•E kümmern sich die Maschinen um das neu erwachende Grün. Die Parallelen sind vorhanden, eine einfache Kopie ist Wall•E aber deshalb nicht. Einen Abstecher in die Religion nimmt Pixar mit dem Roboter Eve, also Eva. Die Maschine hat weibliche, gar mütterliche Züge. Sie trägt das neue Leben, die neue Hoffnung, symbolisiert durch die lebende  Pflanze, in sich. Das Symbol der Mutter wird im englischen Original wieder durch Sigourney Weaver aufgenommen. Ruhm erlangte sie durch die „Alien“-Reihe. Im ersten Teil suchte sie Hilfe bei einem Schiffscomputer, der sich Mutter nannte. In Wall•E gibt sie eben diesem Schiffscomputer ihre Stimme. Mutter ist wieder da. Dann tauchen in Wall•E noch die neu erwachten Menschen John und Mary auf. Johannes und Maria entdecken ihre gegenseitige Existenz. Sie weisen sogar auf das Wasser als Symbol des Heiligen Geistes mit den Worten „Wir haben sogar einen Pool“ hin.

Alles in allem ein gewaltiger Film, der mit oder ohne Metaebene  brillant funktioniert. Der Zuschauer kann sich zwei Stunden perfekt unterhalten lassen oder er kann Symbole des Science-Fiction-Films genießen.

Einen ausführlichen Bericht über Wall•E gibt es in der neuen DIGITAL PRODUCTION (www.digitalproduction.com).