Posts Tagged ‘Medienkompetenz’

Noch nie verbrachten Deutsche so viel Zeit am Smartphone

17. Juli 2024

Es kommen wieder die Mahner vor der Smartphone-Nutzung. Noch nie verbrachten Deutsche so viel Zeit am Smartphone. Das ist mit Sicherheit richtig, denn das Smartphone ist kein Telefon, sondern ein Werkzeug im Alltag im Privaten und für die Arbeit.

Ihre intensive Smartphone-Nutzung sehen immer mehr Deutsche kritisch – dennoch nimmt der Konsum weiter zu. Das zeigt eine von Deloitte durchgeführte repräsentative Befragung von 2.000 Konsumenten aus dem Mai 2024.

Quelle: Deloitte / Weiterer Text über ots und http://www.presseportal.de/nr/60247 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.

Fast die Hälfte der Befragten (48%) schätzt, dass der eigene Smartphone-Konsum in den vergangenen zwölf Monaten weiter gestiegen ist. Gleichzeitig hinterfragen immer mehr Menschen ihr Verhalten: Ebenfalls knapp jeder Zweite (49%) verbringt nach eigener Einschätzung zu viel Zeit am Smartphone-Bildschirm (im Vergleich 2019: 38%). Sogar acht von zehn Befragten (84%) unter 35 Jahren finden, dass sie zu viel Zeit am Handy verbringen.

„Die Verbraucherinnen und Verbraucher senden ambivalente Signale. Zwar ist das Smartphone populär wie noch nie, doch immer mehr Menschen sehen ihre lange Bildschirmzeit kritisch. Das wirkt sich zwar aktuell noch nicht auf die Umsätze aus, Netzbetreiber, Hardwarehersteller und Content-Provider sollten diese Stimmungslage aber ernst nehmen“, ordnet Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter des Branchensektors Technology, Media & Telecommunications bei Deloitte, die Ergebnisse ein

Quelle: Deloitte / Weiterer Text über ots und http://www.presseportal.de/nr/60247 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.

Der erste Blick am Morgen
Im Jahr 2024 besitzen nicht nur 92 Prozent der Deutschen ein Smartphone, viele können gar nicht mehr ohne. Das zeigt ein Blick auf die Nutzungsfrequenz der beliebtesten Messaging- und Social-Media-Anwendungen: WhatsApp wird altersübergreifend von mehr als einem Viertel der Befragten (26%) mindestens einmal pro Stunde aufgerufen. Heavy User gibt es auch bei Instagram und YouTube: zehn bzw. acht Prozent loggen sich dort stündlich ein. Zudem sehen 46 Prozent der Deutschen sofort nach dem Aufwachen auf ihr Smartphone. Nicht mitgezählt sind hierbei diejenigen, die lediglich den Handywecker ausschalten. Da fällt mir ein, ich habe gar keinen regulären Wecker mehr. Auch beim Essen nutzen drei von zehn Befragten (30%) den digitalen Alleskönner. Jüngere sogar noch häufiger – unter den 18- bis 25-Jährigen sind es über 60 Prozent.

Fast jeder Fünfte unter 25 führt Schmerzen auf Handynutzung zurück
Exzessives Verhalten kann die physische und psychische Gesundheit, aber auch soziale Fähigkeiten beeinträchtigen. Über alle Altersgruppen hinweg haben 56 Prozent der Befragten bei sich schon solche Nebenwirkungen infolge ihres Smartphone-Konsums beobachtet. Besonders verbreitet sind Einschlafprobleme (48%), Ablenkung von anderen Aufgaben (40%) oder der Zwang, regelmäßig das Smartphone zu checken (36%). Da junge Menschen das Handy am intensivsten nutzen, sind sie auch von den Begleiterscheinungen besonders betroffen: In der Altersgruppe unter 25 nehmen 93 Prozent negative Auswirkungen ihres Konsums bei sich wahr. Fast jeder Fünfte zwischen 18 und 24 Jahren führt physische Beschwerden wie etwa Kopfschmerzen auf das Smartphone zurück (19%).

„Diese Zahlen belegen die gravierenden Folgen eines extremen Nutzungsverhaltens. Im Sinne ihrer unternehmerischen Verantwortung sollten Anbieter den Fokus auf die Qualität der Dienste legen, anstatt die reine Bildschirmzeit weiter in die Höhe zu treiben. So ergeben sich sogar zusätzliche Möglichkeiten der Monetarisierung“, so Dr. Andreas Gentner.

Bislang haben sieben von zehn Befragten (70%) Maßnahmen ergriffen, um die eigene Nutzung einzuschränken. Häufig ist das Ausschalten von Tönen und Benachrichtigungen (32%; 20%). Ein radikales „Digital Detox“ legen jedoch nur 15 Prozent der Befragten ein. Vollständig auf das Smartphone zu verzichten könnten sich nur gut drei Prozent der Deutschen vorstellen.

Alarm: Vertrauen in Demokratie bei Jugendlichen sinkt

9. Februar 2024

Als Medien-Fuzzi bin ich frustriert und motiviert zugleich. 60 % der 18- bis 30-jährigen Deutschen miss­trauen den Medien, sagt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Über diese Zahl bin ich entsetzt und gleichzeitig stelle ich fest, wie wichtig meine Seminare zur Medienkompetenz sind.

Die Ergebnisse der Studie sind heftig. Ermutigend ist das Vertrauen in Bildung und Wissen­schaft, das je drei Viertel der Befragten zum Ausdruck bringen. Und nun wieder heftig: Der EU vertrauen 62 %, der Demokratie sogar nur 59 %. Ich fühle mich als Europäer und Demokrat und ich fühle mich aufgefordert, gegen diese Werte anzukämpfen. Die untersuchte Generation in der Bundesrepublik bringt der Demokratie und der Europäischen Union allerdings mehr Vertrauen entgegen als im Durchschnitt anderer europäischer Länder. Das ist schön, aber noch immer schlecht. Bundesregierung und Bundestag stehen sie jedoch kritischer gegenüber.

Was ist denn in unserem Land los? Natürlich ist Europa und Demokratie anstrengend, aber wenn ich nicht für diese Werte einstehe, dann gehen diese Werte flöten. Veränderung ist wichtig, aber nicht zerstören.

Manipulation der Medien
Ich hielt vor kurzem einen Vortrag über KI und FakeNews und versuchte den Besucherinnen und Besuchern die Veränderung der Welt zu erläutern. Einige von den älteren Gästen wollten davon nichts wissen, sondern lenkten die Diskussion auf die vermeintliche Manipulation der Medien sprechen. Sie haben den Begriff Systemmedien nicht in den Mund genommen, vielleicht gedacht. Es war zu spüren, dass sie mit der Berichterstattung in klassischen Massenmedien, vor allem Radio und Fernsehen nicht einverstanden sind. „Die wollen uns manipulieren, die berichten nicht die Wahrheit“, war zu hören. Zeitung wurde nicht genannt, liegt wahrscheinlich daran, dass eine Zeitung sowieso kaum einer mehr abonniert hat.

Weiter mit der Bertelsmann-Umfrage und den Themen der Jugend. Laut Umfrage machen sie sich die meisten Sorgen um Verletzungen von Menschenrechten, den Klimawandel sowie sexuelle Belästigung. Insbesondere in Bezug auf den Klimawandel sind ihre Befürchtungen allerdings nicht höher als die der älteren Generation. Tatsächlich geben aus der Gruppe der ebenfalls befragten 31- bis 70-Jährigen mehr Menschen an, einer umweltbewussten Lebensweise zu folgen, als es die jüngeren Befragten tun. „Die jungen Erwachsenen sorgen sich weiterhin um den Klimawandel, aber sie besetzen das Thema längst nicht mehr allein. Daher wäre es grundlegend falsch, ihre Sorgen und Ängste darauf zu reduzieren. Wir als Gesellschaft müssen genauer hinsehen, was sie belastet“, betont Anja Langness, Jugendexpertin der Bertelsmann-Stiftung.

Eine große Rolle für junge Menschen spielt zum Beispiel die mentale Gesundheit: 41 Prozent von ihnen geben an, darüber besorgt zu sein – deutlich mehr als ältere Befragte (26 Prozent). Zudem fühlen sich viel mehr junge Erwachsene allein, als es bei den 31- bis 70-Jährigen der Fall ist. Und: Ebenso wie die älteren Befragten gehen sie davon aus, dass sich ihre mentale Gesundheit in den kommenden Jahren verschlechtern wird.

Podcasts und Stop Motion für Kinder mit Migrationshintergrund

6. November 2023

Immer wieder engagiere ich mich für Flüchtlingskinder, weil ich das Recht auf Asyl für ein wirkliches Grundrecht in unserem Staat halte. Im Moment schule ich Flüchtlingskinder in der Asylunterkunft in Oberbayern zur Medienkompetenz und in den Ferien hatte ich ein mehrtätiges Seminar zu den Themen Podcast und Stop-Motion-Film für den engagierten Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V..

Ziel des mehrtätigen Seminars war es Kindern mit Migrationshintergrund aus der Ukraine und Türkei in die abstrakten Themenkomplexe Medien und Demokratie einzuführen. Dabei behandelten ich die Bereiche Audio und Video in Form von Audio- und Videopodcasts sowie Stop Motion-Filme, um die sperrigen Medien und Demokratie den Kindern näher zu bringen und sie unterschiedliche Sichtweisen auf diese Themen zu beleuchten.

In didaktisch sinnvollen Abständen wechselte ich von Theorie zur Praxis, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die verschiedene Medienarten näher zu bringen. Immer wieder wurde nach dem Praxisteil über die Erfahrungen diskutiert. Es waren unterschiedliche Kinder unterschiedlicher Staaten im Kurs und damit auch unterschiedlicher Kulturen. Durch ein spielerisches Herangehen an die abstrakten Themen Medien und Demokratie gelang es mir, ein Wissen zu vermitteln.

Im zweiten Teil des Seminars widmete ich mit den Kindern dem Thema Stop Motion-Filme. Die Kinder wurden spielerisch in die Technik eingewiesen und absolvierten zahlreiche Übungen. Im späteren Teil entwickelten sie eigene Skripte und kleine Drehbücher zu aktverschiedenen Themen. Ein Film drehte sich beispielsweise um das Thema Klimakleber und wurde mit Plüschtieren interpretiert. So wurde das Recht auf Demonstrationsfreiheit thematisiert und wo die Grenzen von solchen Aktionen sind und warum die hinterfragt werden müssen.

Stop-Motion-Filme im Unterricht sind eine bereichernde Möglichkeit, Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu helfen, komplexe Konzepte zu verstehen, kreatives Denken zu fördern und Teamarbeit zu stärken. Die Technik ermöglicht es, das Lernen auf spielerische und unterhaltsame Weise zu gestalten und gleichzeitig wertvolle Fähigkeiten zu vermitteln. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von digitalen Tools und Ressourcen wird die Integration von Stop-Motion-Filmen in den Seminaralltag immer einfacher und lohnender. Den Kindern hat es Spaß gemacht und mir auch.

Technik, die verbindet, damit sich Kundin und Verkäufer verstehen – ein Beispiel

4. November 2023

Kommunikation unter Menschen ist enorm wichtig, um Missverständnisse auszuräumen und sich über Gemeinsamkeiten klar zu werden. Wenn die Menschen mehr miteinander statt übereinander reden, dann klappt es mit der Menschheit auch. Ich nutze beispielsweise Übersetzungssoftware bei meinen Medienkompetenzschulungen für Kinder mit Migrationshintergrund. Meine bevorzugte Software ist dabei deepl.

Bei meinem jüngsten Einkauf bei meinen Lieblingsfischhändler in Fürstenfeldbruck, dem Brucker Hafen, konnte ich eine wunderbare Situation beobachten und genießen. Eingekauft hatte eine Dame aus der Ukraine, die kein Deutsch sprach – zumindest nicht, wenn es um Fische geht. Sie zückte ihr Smartphone und sprach auf Russisch in ihre Übersetzungssoftware.

Mein Fischhändler Koray Menekseoglu ist Türke, der ein perfektes Deutsch spricht. Der Brucker Hafen hat 2011 den Gründerpreis der örtlichen Sparkasse Fürstenfeldbruck verliehen bekommen in der Kategorie StartUp. Also Koray Menekseoglu schaut auf die deutsche Übersetzung der Ukrainerin, spricht seine Antworten auf Deutsch und das Software übersetzt sie auf Russisch zurück. So geht es eine ganze Weile und beide Beteiligten haben sichtlich ihren Spaß. Ich frage mich, warum die Ukrainerin den Text nicht auf Türkisch ausgibt, aber egal. Irgendwann fängt Koray Menekseoglu dann zu scherzen an und das Gespräch endet in einem großen Gelächter. Vielleicht hat die Software Humor nicht richtig verstanden, aber auf jeden Fall haben sich Kundin und Verkäufer gut verstanden und gelacht.

Ich saß auf einen Stuhl und genoss die Szene und die Kommunikation. Technik im Alltag, die verbindet und das ist großartig. Ich versuchte dann meinen Fisch auf Russisch zu bestellen, was allerdings scheiterte. Ich blieb beim Deutsch.

Apple: Neue Möglichkeiten der Online-Präsentation bei Webinaren und Online-Schulungen

7. Juni 2023

Die Keynote zur WWDC von Apple-Chef Tim Cook ließ mich in vielerlei Hinsicht aufhorchen. Zu Vision Pro hab ich mich ja schon geäußert. Als Dozent für Veranstaltungen zum Thema Medienkompetenz finde ich die Neuerung bei den Themen Videokonferenzen, Webwaren und Online-Schulungen interessant. Online-Meetings gehören zu meinen Alltag.

Zum einen gibt es wohl in Vision Pro die Möglichkeit mit Standard-Software wie Teams, Zoom und Webex Seminare im VR-Raum abzuhalten. Da bin ich sehr gespannt darauf. Wie ich auf der Keynote gelesen und von Kollegen aus Cupertino gehört habe, ist der Avatar der Meetingsteilnehmer sehr präzise. Apple nennt sie Persona, eine digitale Darstellung, die durch Techniken des maschinellen Lernens erzeugt wird und Gesichts- und Handbewegungen in Echtzeit darstellt. Aber das kommt ja erst 2024 und wird sicherlich aufgrund des Preises von 3500 Euro für Vision Pro zunächst kein Massenmarkt.

Für den Rest von uns
Interessanter ist da schon das neue Mac-Betriebssystem. Es heißt macOS Sonoma und kommt ab Herbst als Final auf den Mac, die öffentliche Beta kommt nächsten Monat.

macOS Sonoma bringt verbesserte Features für Videokonferenzen, mit denen sich Inhalte interessanter teilen lassen – egal in welcher Videokonferenz-App. In der Keynote nannte Apple die üblichen Verdächtigen Teams, Zoom und Webex. Mit dem neuen Videoeffekt Moderatorenmaske werden Anwender über ihren geteilten Inhalten angezeigt und sind dadurch präsenter. Das musste ich bisher mit Zusatzsoftware machen, damit ich bei meinen Online-Schulungen nicht hinter der Präsentation untergehe oder nur als kleine Kachel erscheine. Künftig kann ich mich via Moderatorenmaske in den Vordergrund meiner Präsentation schalten und meinen Zuhörern näher sein und meine Rolle als Speaker deutlich besser ausüben. Wahrscheinlich bringt der Einsatz von Greenscreen und Licht noch bessere Effekte – das gilt es auszuprobieren.

Außerdem kann ich mich mit Reaktionen ausdrücken, wie ich oder meine Zuhörer sich fühlen, indem wir nahtlos Ballons, Konfetti, Herzen und mehr in das Videobild einfügen. Das ist sicherlich eher eine Spielerei und wird sich der Praxis zeigen, wie es angenommen wird. Im Moment gibt es Herzchen, Klatschen usw. meist am Ende einer Präsentation. Diese Reaktionen lassen sich auch per Handgeste auslösen. Die verbesserte Auswahl zur Bildschirmfreigabe macht es einfacher, bei Videoanrufen Inhalte aus Apps zu teilen. Anwender können dazu auf die grüne Taste oben links in der App klicken. So wird das Teilen von Inhalten aus offenen Fenstern ganz leicht, verspricht Apple.

Groß auf dem Fernseher
Zudem gibt es ein Update für tvOS 17, die Software für Apple TV, was aber wohl nur auf Apple TV 4K laufen wird. Ab diesem Herbst können Anwender on Apple TV 4K die neue FaceTime App auf dem Apple TV nutzen und Anrufe direkt von ihrem Apple TV aus starten oder Anrufe auf dem iPhone oder iPad beginnen und sie dann an ihr Apple TV übergeben. FaceTime auf dem Apple TV nutzt die Vorteile der Kamera-Übergabe und verbindet sich drahtlos mit dem iPhone oder iPad der Nutzer. Es greift dann auf die Kamera und das Mikrofon des Geräts zu und bringt alle Teilnehmer auf dem Fernseher zusammen. Das ist für reine Apple-Umgebungen interessant. Vielleicht nutzen wir dieses Feature im familiären Umfeld, ob es Teilnehmer von meinen Seminaren machen, bleibt abzuwarten.

ChatGPT im Interview

11. März 2023

Die KI-Chatbot ChatGPT bewegt die Gemüter weltweit und hat die Chance, die Kommunikation und Wissensvermittlung auf den Kopf zu stellen. Seitdem OpenAI die KI ChatGPT im Research Preview Mode kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, erstaunt das Tool mit seiner vielfältigen Einsetzbarkeit und dem Umgang mit Sprache, Texten und Aufgaben, die Nutzer an die Künstliche Intelligenz (KI) stellen. Und was diese lernende KI nicht alles kann: In Sekunden Aufsätze und Reden schreiben, Texträtsel lösen, Programme entwickeln, Referate entwickeln, Lebensläufe vorschlagen und vieles mehr. In einer Online-Schulung des Instituts für politische Bildung wurden rund 60 Teilnehmer auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Ein Teilnehmerkommentar angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen: „Ich bin platt, das muss man erst einmal verarbeiten.“

ChatGPT in der Version 3 ist die Abkürzung für Generative Pretrained Transformer, Version 3. Entwickelt wurde sie von dem Non-Profit-Unternehmen OpenAI Inc, das auch die Bild-KI DALL E2 entwickelt hat. Microsoft sicherte sich die Rechte an der Vermarktung des Systems und setzt es probeweise in seiner Suchmaschine Bing ein. Eine akute Gefahr für den Suchmaschinenriesen Google, der mit dem eigenen Chat-Bot BARD die Aufholjagd aufgenommen hat, bisher aber noch nicht so richtig überzeugen konnte. Der Datenbestand von ChatGPT stammt aus dem Jahre 2021. Das bedeutet, dass aktuelle Ereignisse von dem Bot im Moment nicht bearbeitet werden.

Es zeigt sich, dass die Software noch Fehler macht, aber in der Lage ist, zu lernen und sich zu optimieren. Daher ist bei all der Euphorie über ChatGPT vor allem Medienkompetenz beim Nutzer angesagt. Absolut verlässlich sind die Ergebnisse des KI (noch) nicht. Quellenkritik ist angesagt und dennoch sind die Ergebnisse faszinierend.

Was liegt bei einem Seminar der HSS näher, als mit dem Chat-Bot ein Interview über politische Bildung, die HSS und ihre Leitung zu machen.

Auf die Frage: „wie wichtig ist politische Bildung?“ gibt der Bot eine zufriedenstellende Antwort. Dort heißt es unter anderem: „Politische Bildung ist äußerst wichtig für eine funktionierende Demokratie und eine aktive
Bürgerschaft. Sie befähigt Menschen, an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen und sich für ihre Interessen und Anliegen einzusetzen.“

Auch die Frage nach der Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung konnte der Bot korrekt beantworten. „Ja, die Hanns-Seidel-Stiftung ist mir bekannt. Es handelt sich um eine politische Stiftung, die der Christlich-Sozialen Union (CSU) nahesteht und sich für eine freie und demokratische Gesellschaft einsetzt. Die Stiftung fördert Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie internationale Zusammenarbeit und Entwicklungszusammenarbeit.“

Aber im Laufe des Interviews beginnt das System Fehler zu machen und gibt falsche Informationen aus. Auf die Frage nach dem Vorsitzenden und dem Generalsekretär werden Fehlinformationen präsentiert. ChatGPT behauptet, dass der aktuelle Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung Markus Söder sei, der auch Ministerpräsident des Freistaats Bayern in Deutschland ist. Der Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung sei aktuell Johannes Hintersberger. Beide Informationen sind falsch.

Als ChatGPT auf den Fehler hingewiesen wird und mit Markus Ferber als Vorsitzenden und Oliver Jörg als Generalsekretär konfrontiert wird, weicht die Software zurück und erfindet Informationen. „Es tut mir leid, mein vorheriger Antwort war nicht auf dem neuesten Stand. Tatsächlich war Markus Ferber bis April 2021 der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Oliver Jörg war bis Ende 2020 Generalsekretär. Ich bitte um Entschuldigung für die Verwirrung.“ SIEHE SCREENSHOT4
Als eindeutig die Position der Herren Ferber und Jörg vom Menschen klargestellt wird, nimmt der Bot die neuen Informationen in seine Datenbank auf. „Vielen Dank für die Korrektur. Es tut mir leid, dass meine vorherige Antwort nicht auf dem neuesten Stand war. Markus Ferber ist in der Tat der aktuelle Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Oliver Jörg ist der Generalsekretär. Ich werde meine Datenbank aktualisieren, um sicherzustellen, dass ich korrekte Informationen habe. Nochmals vielen Dank für Ihre Korrektur und Entschuldigung für etwaige Unannehmlichkeiten.“

Erstes Fazit nach der Online-Schulung. Die Möglichkeiten von ChatGTP sind enorm, das System macht Fehler und der bedienende Mensch muss über Medienkompetenz verfügen. Ein alleiniger Verlass auf die KI wäre fatal. Die HSS wird sich in weiteren Seminaren des Instituts für politische Bildung mit den Herausforderungen der KI-Systeme beschäftigen. Die nächsten Seminare sind in Planung.

Der Artikel erschien ursprünglich auf der Website der HSS.

Bedeutung sozialer Netzwerke als Informationsquelle steigt weiter

7. Februar 2023

Vor Corona war ich drei Tage die Woche an deutschen Schulen und habe Vorträge über Medienkompetenz gehalten. Das ist im Moment nur noch sporadisch, weil sich die Schulen im Moment mehr mit Lehrermangel und Stundenausfällen herumschlagen. Dennoch möchte ich das Thema Medienkompetenz am heutigen Safer Internet Day wieder in Erinnerung rufen.

Im Moment kann ich kaum von Erfahrungen vor Ort zurückgreifen, weil ich schlichtweg zu wenig an Schulen bin. Daher ziehe ich Studien heran, denen ich vertraue. Hier eine aus Österreich. Ich bin der Meinung, dass sich österreichische und bayerische Schülerinnen und Schüler nicht so stark unterscheiden.

Es gibt die neue Veröffentlichung: „Jugendliche und Falschinformationen im Internet“. Die Studienergebnisse zeigen auf, dass Österreichs Jugendliche beim Umgang mit Informationen im Internet in einem Dilemma stecken: Die Jugendlichen informieren sich zu Alltagsthemen vor allem über soziale Medien, vertrauen den dort bezogenen Informationen jedoch kaum. Es gibt große Wissenslücken und Probleme bei der Bewertung von Informationsquellen. Gleichzeitig sinkt der Konsum von klassischen Medien unter Jugendlichen stetig.
Eindeutig steht im Mittelpunkt die Aussage: Die Bedeutung sozialer Netzwerke als Informationsquelle steigt weiter an.
Es gilt der alte Spruch: Wenn die Nachricht wichtig für mich ist, wird sie den Weg zu mir finden. Gleichzeitig geht auch den Konsum von klassischen Papierzeitungen zurück.

Die sozialen Netzwerke stehen an erster Stelle und werden von 80 Prozent der befragten Jugendlichen mindestens wöchentlich genutzt (2017: 59 %). YouTube wird, mit einem besonders deutlichen Zuwachs von 75 Prozent der Jugendlichen, zumindest wöchentlich zur Information über tagesaktuelle Themen verwendet (2017: 27 %). Danach folgen Streaming-Plattformen mit 59 Prozent, dann Fernsehen (2023: 54 %, 2017: 59 %) sowie Blogs und allgemeine Webseiten (2023: 48 %). Rund vier von zehn Jugendlichen nutzen Webseiten klassischer Medien (2023: 39 %, 2017: 20 %), Wikipedia (2023: 39 %, 2017: 9 %), sowie Radio (2023: 37 %, 2017: 33 %). Podcast werden noch von 24 Prozent der Jugendlichen genutzt. Gedruckte Tageszeitungen und Magazine spielen nur noch bei 17 Prozent der Jugendlichen eine relevante Rolle.

Interessant finde ich den Anstieg von Influencern. Ich habe mehrere Online-Seminare zu diesem Themenkomplex gehalten und die Reaktion war interessant: Ältere Zuschauer schütteln den Kopf, jüngere nicken dagegen. Die Macht von politischen Influencern wie Reichelt oder Tichy darf nicht unterschätzt werden.

Für mich steht fest: Ich mache weiter in Sachen Medienkompetenz und biete für unterschiedliche Zielgruppen entsprechende Vorträge und Seminare an. Wer was braucht, bitte melden.

Meine Workshops für Flüchtlingskinder

7. September 2022

Eine besondere Herausforderung galt es für mich zu bestehen. Ich dufte drei Medienkompetenz-Vorträge vor Flüchtlingskindern halten. Der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.sprach mich auf Empfehlung einer ehemaligen Kursteilnehmerin an (Danke Gabi), ob ich bei dem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern) mitmachen würde. Ja mache ich, weil es ein wichtiges Thema für unsere Gesellschaft ist.

Der Verein macht sehr viel, wie zum Beispiel das Projekt ZUSAMMEN STARK. Hier werden junge Menschen mit und ohne Flucht- und Migrationsgeschichte zusammengebracht. In den Workshops können sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre begegnen, gemeinsam Neues erschaffen und sich dabei vorurteilsfrei kennenlernen. An meinem Medienkompetenz-Workshops nahmen drei Flüchtlingskinder teil, die mit ihren Eltern in einer Unterkunft in Bad Tölz leben.

Meine Seminarteilnehmer
Ich war sehr überrascht, wie gut die Kinder zwischen 9 und 13 Jahren Deutsch sprechen können. Und dennoch war es für mich eine gewisse pädagogische und didaktische Herausforderung, kompliziertes Fachwissen in einfachen Worten zu vermitteln, ohne dass der Inhalt auf der Strecke bleibt. Meine zahlreichen Vorträge in Grundschulen haben mir geholfen die Themen Social Media, Games und FakesNews zielgruppengerecht zu strukturieren und an die Zielgruppe zu bringen. Den Kindern hat es gefallen, sonst wären sie nicht freiwillig wiedergekommen. Abwechslung, Pausen, Medienwechsel – alles musste eingeplant werden.

Die Workshops dauerten in der Regel vier Stunden. Ich rückte mit Kabeltrommel, Beamer und Laptop im Jugend- und Bürgerhaus Lettenholz in Bad Tölz an.

Wichtig für mich war aber auch das gegenseitige Kennenlernen. Die Kinder kamen aus Afghanistan und Nigeria und hatten auf ihrer Flucht mit ihren Eltern viel erlebt. Das junge Mädchen aus Afghanistan berichtete von den Zuständen in ihrer Heimat, von den Taliban und von ihrer Flucht über die Türkei, Griechenland, Italien und Deutschland. Zufall: In Deutschland war sie bevor ihre Familie nach Bad Tölz in Oberbayern kam, bei mir um die Ecke im Auffanglager in Fürstenfeldbruck einquartiert. Dieser Zufall war dann gleich Gesprächsthema und schuf Vertrauen. Bewundernswert: Die junge Muslimin lernte auf ihrer Flucht die türkische und italienische Sprache und kann sich wunderbar in diesen Sprachen ausdrücken. Die sozialen Medien nutzt sie meist auf türkisch. Deutsch lernte sie und ihre Familie schnell in der Bundesrepublik, so dass ihre ältere Schwester eine Ausbildung als Zahnarzthelferin antreten konnte.

Auch interessant: Das Smartphone ist das Hauptkommunikations- und -Informationsmittel. Festnetztelefonie ist unbekannt und Zeitungen werden nicht gelesen. Der Unterschied zwischen seriösen Tageszeitungen, Anzeigenblättern und Boulevardzeitungen ist nicht bekannt, weil der kulturelle Hintergrund ein ganz anderer ist. Informationen werden über Messenger und soziale Netzwerke getauscht mit der Gefahr in die Falle von FakeNews zu gehen. TikTok ist das wichtigste Medium meiner Seminarteilnehmer.

Wie wichtig das gemeinsame Praxis ist, zeigte sich bei den praktischen Übungen und beim Gaming. Kindern lernen hervorragend beim Spielen. Wir spielten Geschicklichkeitsspiele und lernten anhand von Story Cubes Geschichten zu erzählen.

Zusammen Stark
Im Jahr 2019 begann bei dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. das Projekt „Zusammen Stark“. Die Berater unterstützen neu zugewanderte, dauerhaft bleibeberechtigte Menschen mit Migrationshintergrund sowie Asylbewerber, ihren Alltag in Deutschland zu bewältigen. Das Projekt zur Stärkung von Kinderrechten richtet sich an die vom Verein betreuten Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Kindern und Jugendlichen. Speziell wird das Programm in den Flüchtlingsunterkünften in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Miesbach angeboten. Ich war bei einem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern).

Somit war ich das erste Mal im Auftrag der UN unterwegs und leistete mit meinen Vorträgen meinen persönlichen Beitrag.

Informationskrieg Putins entgegen wirken durch Medienkompetenz

26. Juli 2022

In meinem wöchentlichen kostenlosen Newsletter gehe ich auch immer auf dem Informationskrieg in der Ukraine ein. Als Journalist habe ich die Schwierigkeit, welcher der beiden Kriegsparteien soll ich glauben, wenn ich die Informationen nicht überprüfen kann. Das ist ein echtes Problem. Also heißt es kritisch sein und wenn möglich, die Informationen auf ihre Plausibilität checken.

Olga Kotlytska betreibt mit Kolleginnen den Sender „Radio Wahrheit für Russland“

Diese Chance hat die russische Bevölkerung nicht, nachdem in Russland die Medien einer Zensur unterliegen. Dennoch gibt es Möglichkeiten auch unter Putin an unabhängige Informationen zu kommen. Wie diese hier: Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, die ukrainische Reporterin Olga Kotlytska zu treffen, die mit Kolleginnen zusammen den Radiosender „Radio Wahrheit für Russland“ betreibt. Zusammen mit meiner Kollegin Maria Filina habe ich Olga Kotlytska nach Geretsried eingeladen, um bei unserer Veranstaltung „Wir müssen reden“ sich vorzustellen.

Russische und ukrainische Journalistinnen haben in München den Sender „Radio Wahrheit für Russland“ gegründet. Olga Kotlytska erzählte mir von dem Senderkonzept. Mit unabhängigen Berichten über den Krieg wollen sie der russischen Propaganda entgegenwirken. Sie machen ein Radioprogramm aus München in russischer Sprache. Einmal pro Woche zeichnen sie in München auf und gehen auf Sendung – und zwar neben Youtube und Telegram vor allem auf Kurzwelle. Anders als Websites werden diese nur zum Teil von Russland geblockt und haben eine hohe Reichweite. Die Hörer lassen sich anders wie im Netz nicht nachverfolgen. Radio an und fertig. Kein Stream im Netz, dessen IP-Adresse für russische Behörden nachvollziehbar ist, wer was wann gehört hat.

„Radio Wahrheit für Russland“ will mit Interviews und Berichten gegen die russische Propaganda wirken – und das mit kleinen Erfolg, wie Mails beweisen, so Olga Kotlytska.

Auch die Bitkom in Berlin schaut auf die Berichterstattung im Ukraine-Krieg. Ob über Blogs, Messenger-Kanäle oder Video-Plattformen: Kremltreue Nachrichtenangebote und selbst ernannte „alternative Medien“ verbreiten nicht erst seit Beginn des Ukraine-Krieges pro-russische Propaganda und gezielte Desinformation im Netz. Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger zeigt sich dafür allerdings nicht empfänglich, so die Bitkom: So geben lediglich 4 Prozent an, russische Medien für vertrauenswürdig zu halten, wenn es um den Wahrheitsgehalt von Informationen zum Krieg in der Ukraine geht. 3 Prozent sagen dies über die russische Regierung. Im Gegenzug halten 87 Prozent die russische Regierung für wenig bis überhaupt nicht vertrauenswürdig und 80 Prozent sagen dies über russische Medien. Die übrigen können die Vertrauenswürdigkeit nicht beurteilen oder machen dazu keine Angabe. Das ist das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren. Umgekehrt wird der ukrainischen Regierung (78 Prozent) und den ukrainischen Medien (70 Prozent) von einem deutlichen größeren Teil der Befragten Vertrauen geschenkt. Insbesondere der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldet sich nahezu täglich in sozialen Medien, um seine Sichtweise auf den Krieg gegen sein Land zu teilen. „Der rechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird von einer massiven Desinformationskampagne begleitet, mit der der Kreml destabilisierend wirken und in westlichen Ländern bewusste falsche Narrative setzen will. Die allermeisten Menschen trauen russischen Medien nicht. Viele erkennen die zahlreichen Inhalte und Posts, die direkt oder mittelbar auf den Kreml zurückgehen, allerdings als solche nicht. Es wird immer wichtiger und dringender, die Medienkompetenz in der gesamten Breite der Gesellschaft zu entwickeln“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Da stimme ich ihn zu. Zusammen mit meinen Kollegen Maria Filina und Thomas Gerlach führe ich Seminare zum Thema Fake News durch, um die Medienkompetenz zu verbessern.
Fast drei Viertel der Deutschen (72 Prozent) sorgen sich über die Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Medien zum Krieg in der Ukraine. 57 Prozent finden es schwierig, Informationen über den Krieg in der Ukraine richtig einzuordnen und 62 Prozent der Internetnutzer prüfen die Vertrauenswürdigkeit einer Quelle, bevor Informationen im Netz geteilt werden. Das werte ich als großen Aufklärungserfolg.
Jeder und jede sechste (17 Prozent) konsumiert seit dem Krieg in der Ukraine auch mehr internationale Nachrichten als zuvor.

Buchtipp: Einfach erklärt – Social Media – Cybermobbing – Deine Daten im Web von Manfred Theisen

20. April 2022

Grundsätzlich bin ich ja in Sachen Medienkompetenz an deutschen Schulen unterwegs, aber ich denke, die Vorträge werden aufgrund von Corona erst zum Schuljahresende und hoffentlich zum neuen Schuljahr wieder beginnen. Daher nutze ich die Zeit, um mich ein wenig auf den Literaturmarkt umzusehen und bin aufgrund eines Tipps des Twitterkollegen Astrozwerge auf das lesenswerte Buch Einfach erklärt – Social Media – Cybermobbing – Deine Daten im Web von Manfred Theisen gestoßen.

Zunächst dachte ich, dass es sich wieder um so ein hyperpädagogisches Werk mit mahnenden Zeigefinger handelt, wie es von vielen analogen Vertretern herausgegeben wird, um die Angst bei analogen Eltern zu schüren. Ich habe mich geirrt.
Das Buch ist wirklich gut. Es ist für Kinder ab zehn Jahre geschrieben und zwar gut geschrieben. Natürlich ist die Sprache einfach, aber der Inhalt ist technisch richtig und sehr gut aufbereitet. Das wichtige Thema Daten im Netz wird gut erklärt. Der gewaltige Bogen reicht von der Nachrichtenpyramide und Nachrichtenschwelle über die richtige Suche mit Suchmaschinen und Verschwörungsmythen bis hin zu verschiedenen sozialen Netzwerken und Messengern. Die Themen Geldverdienen und Influencer sowie Persönlichkeitsrechte kommen ebenso vor wie Cybermobbing und Online Games.

Und vielleicht ist der enorme Spagat das einzige Problem des Buches. Der inhaltliche Umfang ist sehr groß und würde bei meinen Vorträgen ein gesamtes Wochenseminar ausmachen. Manfred Theisen erklärt jeden Themenkomplex, reißt ihn an und kann natürlich nicht in die Tiefe der Materie eintauchen, obwohl er mit jeder gedruckten Zeile genau weiß, was er da veröffentlicht. Vielleicht kann der Bindlacher Verlag Loewe sich einen Ruck geben und diese Medienkompetenz-Reihe erweitern bzw. aufbauen und vertiefen. Sehr gut sind auch die Illustrationen von Ole Häntzschel, der eigentlich ein Spezialist für Infografiken ist und daher die richtige Wahl für die unterhaltsame und faktenvermittelnde Illustration ist.
Ich empfehle das Buch Familien zu Hause und der Schulfamilie, die sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen. Mit rund 13 Euro ist das Buch Einfach erklärt – Social Media – Cybermobbing – Deine Daten im Web von Manfred Theisen auf jeden Fall einen Blick wert und wenn ich meine Vorträge an Grundschulen wieder halte, dann weise ich auf jeden Fall auf diesen Buch hin.