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Filmkritik: Corpus Delicti

16. September 2026

Es gibt Dystopien, die ihre Zukunft möglichst fremd aussehen lassen. Und es gibt Dystopien, deren eigentliche Stärke darin besteht, dass ihre Zukunft erschreckend vertraut wirkt. „Corpus Delicti“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Lena Stahls Verfilmung des gleichnamigen Romans von Juli Zeh erzählt von einer Gesellschaft, die auf den ersten Blick beinahe beneidenswert erscheint: Die Menschen sind gesund, der Staat sorgt für Sicherheit, Krankheiten werden bekämpft und wissenschaftliche Erkenntnisse bestimmen politische Entscheidungen. Vernunft scheint über Ideologie gesiegt zu haben. Und genau darin liegt der Schrecken.
Denn „Corpus Delicti“ erzählt nicht von einer klassischen Diktatur mit Uniformen, Aufmärschen und allgegenwärtiger sichtbarer Gewalt. Die Herrschaft trägt hier das freundliche Gesicht der Fürsorge. Sie verspricht Gesundheit, Sicherheit und ein langes Leben. Dafür verlangt sie Daten, Kontrolle, Disziplin und die Bereitschaft, das eigene Verhalten den Vorgaben des Systems unterzuordnen. Freiheit verschwindet nicht mit einem großen Knall, sondern wird Stück für Stück gegen vermeintliche Sicherheit eingetauscht.

Der Film basiert auf Juli Zehs 2009 erschienenem Roman, dessen gesellschaftspolitische Sprengkraft über die Jahre eher größer als kleiner geworden ist. Zeh entwarf darin eine Gesundheitsdiktatur des 21. Jahrhunderts, in der körperliches Wohlergehen zur höchsten Bürgerpflicht erhoben wird. Lena Stahl macht daraus einen dystopischen Thriller, der politische Fragen mit einer sehr persönlichen Geschichte verbindet.

Hinter der Kamera ist der Film prominent besetzt. Die Kamera führt Philipp Haberlandt, die Musik stammt von Volker Bertelmann und Lennart Saathoff. Bertelmann – international auch als Hauschka bekannt – gewann für „Im Westen nichts Neues“ den Oscar für die beste Filmmusik. Hoffe, dass der Score auf Vinyl erscheint.

Im Mittelpunkt steht Mia Holl, gespielt von Hannah Herzsprung. Mia ist Wissenschaftlerin und zunächst keineswegs eine Rebellin. Im Gegenteil: Sie gehört zu jener Gesellschaft, die auf Rationalität, Messbarkeit und wissenschaftliche Evidenz vertraut. Das macht die Figur so interessant. Sie kämpft nicht gegen das System, weil sie grundsätzlich gegen Regeln wäre. Sie beginnt erst dann zu zweifeln, als ihr Bruder Moritz des Mordes beschuldigt wird. Die Beweise scheinen eindeutig. Das System hat seine Daten, seine Analysen und seine wissenschaftlich abgesicherten Schlussfolgerungen. Für die sogenannte Methode ist der Fall damit praktisch erledigt. Doch Mia glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Plötzlich kollidieren zwei Wahrheiten miteinander: die Wahrheit der Daten und die Wahrheit persönlicher Erfahrung.

Aus diesem Konflikt entwickelt „Corpus Delicti“ seine stärkste Idee. Was geschieht mit einer Gesellschaft, die Wissenschaft nicht mehr als Methode des Zweifelns begreift, sondern aus ihren Ergebnissen eine politische Unfehlbarkeit konstruiert? Wissenschaft lebt eigentlich davon, dass Erkenntnisse überprüfbar, Hypothesen widerlegbar und Ergebnisse diskutierbar bleiben.

Das System in „Corpus Delicti“ hat diesen Grundgedanken pervertiert. Es benutzt Wissenschaft nicht mehr ausschließlich als Werkzeug der Erkenntnis, sondern als Legitimation von Macht. Wer widerspricht, erscheint deshalb nicht einfach als politischer Gegner. Er wird zum Gegner der Vernunft erklärt. Das ist wesentlich gefährlicher. Hannah Herzsprung ist für diese Geschichte eine ausgezeichnete Besetzung, denn Mia Holl braucht keine klassische Actionheldin zu sein. Ihre eigentliche Bewegung findet im Denken statt. Aus einer Frau, die an die Rationalität des Systems glaubt, wird eine Zweiflerin. Und in einem System, das keinen Zweifel duldet, wird bereits das Stellen einer Frage zum revolutionären Akt. Ihr Bruder Moritz, gespielt von Damian Hardung, steht stärker für Individualität, Freiheit und die Möglichkeit, unvernünftig sein zu dürfen. Gerade darin steckt eine der faszinierendsten Fragen des Stoffes: Hat ein Mensch ein Recht darauf, ungesund zu leben? Darf er Risiken eingehen? Darf er seinem Körper schaden? Und wo endet die Verantwortung des Staates für seine Bürger?

„Corpus Delicti“ verweigert sich der einfachen Antwort. Natürlich ist Gesundheit etwas Positives. Natürlich wünschen wir uns Schutz vor Krankheiten, und selbstverständlich können wissenschaftliche Erkenntnisse Leben retten. Die Dystopie funktioniert gerade deshalb so gut, weil sie nicht auf einem offensichtlich bösen Gedanken basiert. Die Methode beginnt mit einem Versprechen, dem kaum jemand widersprechen würde: Wir wollen, dass Menschen gesund sind. Das Problem entsteht erst durch den nächsten Schritt: Deshalb müssen sie gesund sein. Aus einem Recht wird eine Pflicht, aus Fürsorge wird Kontrolle, aus Prävention wird Überwachung und aus dem Menschen schließlich ein Datensatz.

Besonders interessant ist dabei Heinrich Kramer, verkörpert von Alexander Fehling. Kramer ist Journalist, aber keineswegs automatisch Vertreter einer freien, kritischen Öffentlichkeit. Gerade diese Figur zeigt, wie wichtig Sprache für autoritäre Systeme ist. Macht funktioniert nicht ausschließlich durch Polizei und Gerichte. Sie funktioniert über Begriffe, Erzählungen und öffentliche Deutung. Wer bestimmt, wer vernünftig ist? Wer entscheidet, wer radikal ist? Wann wird aus einem Zweifler ein Staatsfeind? Damit berührt „Corpus Delicti“ einen hochaktuellen Kern politischer Kommunikation. Ein System muss seine Gegner nicht unbedingt zum Schweigen bringen, wenn es ihm gelingt, ihre Glaubwürdigkeit zu zerstören. Wer außerhalb des akzeptierten Meinungskorridors steht, kann als irrational, gefährlich oder gesellschaftsschädlich markiert werden.

Lena Stahl setzt dabei bewusst auf die Mechanismen eines Thrillers. Das ist für die Verfilmung eine nachvollziehbare Entscheidung, denn Juli Zehs Roman ist stark von philosophischen und juristischen Auseinandersetzungen geprägt. Literatur kann lange Gedankenräume öffnen, Argumente gegeneinanderstellen und innere Widersprüche ausführlich untersuchen. Kino braucht dagegen Bilder, Konflikte und Bewegung. Die Suche nach der Wahrheit über Moritz wird deshalb zum dramaturgischen Motor. Mia gerät immer tiefer in einen Apparat hinein, dessen Macht sie zuvor selbst akzeptiert hat. Je mehr sie zweifelt, desto stärker wird sie vom System beobachtet. Schließlich wird aus der Wissenschaftlerin selbst eine Verdächtige. Darin besitzt die Geschichte eine beinahe kafkaeske Qualität. Mia muss nicht einmal etwas Spektakuläres tun. Schon ihre Abweichung wird zum Problem. Wer sich einem System verweigert, das behauptet, ausschließlich dem Wohl des Menschen zu dienen, muss in dessen Logik irgendwann entweder irrational oder gefährlich sein.

Besonders spannend ist „Corpus Delicti“ deshalb als politischer Film. Die Geschichte lässt sich nicht bequem einer einzigen politischen Richtung zuordnen. Sie handelt von einem grundsätzlichen Konflikt moderner Gesellschaften: Wie viel Freiheit sind wir bereit für Sicherheit aufzugeben? Diese Frage betrifft Gesundheitsdaten ebenso wie digitale Überwachung, biometrische Systeme, Algorithmen oder künstliche Intelligenz. Jede einzelne Technologie kann einen vernünftigen Nutzen besitzen. Problematisch wird es dort, wo aus vielen einzelnen Informationen ein nahezu vollständiges Bild des Menschen entsteht. Wer schläft wann? Wer bewegt sich wie viel? Welche Krankheiten hat jemand? Was isst er? Wo befindet er sich? Mit wem kommuniziert er? Welche Risiken geht er ein? Die technische Möglichkeit, all diese Informationen zu erfassen, führt zwangsläufig zur politischen Frage, wer sie verwenden darf und zu welchem Zweck. Genau hier entfaltet „Corpus Delicti“ seine beklemmende Aktualität. Der Film erzählt letztlich weniger von Gesundheit als von Daten. Gesundheit ist die moralische Legitimation für die Datenerfassung. Denn gegen Überwachung lässt sich protestieren. Gegen Gesundheit zu protestieren klingt dagegen absurd. Darin liegt die Raffinesse des Systems: Es definiert sein politisches Ziel so positiv, dass jeder Widerspruch automatisch verdächtig erscheint.

Der Film stellt damit eine Frage, die weit über seine Handlung hinausweist: Was geschieht, wenn eine Gesellschaft keine Abweichung mehr erträgt? Demokratie besteht schließlich nicht nur aus Mehrheitsentscheidungen. Sie lebt auch vom Recht des Einzelnen, anders zu leben, anders zu denken und sogar Entscheidungen zu treffen, die andere für falsch halten. Eine vollkommen optimierte Gesellschaft müsste zwangsläufig einen Teil dieser Freiheit beseitigen, denn Freiheit produziert Unordnung. Menschen rauchen, trinken, essen zu viel, schlafen zu wenig, treiben keinen Sport, verlieben sich in die falschen Menschen, glauben Unsinn und treffen schlechte Entscheidungen. Das ist ineffizient, aber es ist menschlich. Die eigentliche Provokation von „Corpus Delicti“ besteht deshalb in dem Gedanken, dass eine vollkommen vernünftige Gesellschaft möglicherweise eine zutiefst unmenschliche Gesellschaft wäre.

Damit liegt „Corpus Delicti“ irgendwo zwischen Science-Fiction-Dystopie, Politthriller und Justizdrama. Die Geschichte erinnert in ihrer Grundidee an Orwell, „Gattaca“ oder auch „Minority Report“, verfolgt aber einen ausgesprochen deutschen, juristisch-politischen Ansatz: Nicht die Technik selbst ist der eigentliche Gegner, sondern die Vorstellung, aus Daten ließe sich eine objektive und unangreifbare Wahrheit ableiten. Wobei ich Gattaca deutlich eleganter und nicht so deutsch sperrig mit dem Zeigefinger empfang.
Es werden die Menschen im Film nicht ausschließlich durch Angst kontrolliert. Das System bietet ihnen etwas an: Gesundheit, Sicherheit, Ordnung und die Befreiung von vielen Risiken des Lebens. Auch Parallelen zu „Gattaca“ drängen sich auf. Dort entscheidet genetische Optimierung über gesellschaftliche Möglichkeiten, bei „Corpus Delicti“ ist es die körperliche und gesundheitliche Normierung. In beiden Fällen entsteht Unterdrückung aus dem Versprechen der Verbesserung. Gerade für das deutsche Kino ist dieser Stoff deshalb bemerkenswert. Science-Fiction wird hierzulande noch immer vergleichsweise selten als ernsthafte gesellschaftspolitische Kinogattung verstanden. „Corpus Delicti“ zeigt, welches Potenzial darin steckt. Man braucht keine gigantischen Raumschlachten, um über Zukunft zu erzählen. Manchmal genügt eine Gesellschaft, die beschlossen hat, nur noch das Beste für ihre Bürger zu wollen – und eine Frau, die plötzlich fragt, wer eigentlich bestimmt, was dieses Beste ist.

Vielleicht ist das die entscheidende Stärke von „Corpus Delicti“: Die Geschichte zwingt uns nicht, zwischen Gesundheit und Krankheit zu wählen. Sie zwingt uns, über die Grenze zwischen Verantwortung und Bevormundung nachzudenken. Wann wird Schutz zur Kontrolle? Wann wird Wissenschaft zum Herrschaftsinstrument? Wann wird Datenerfassung zur Überwachung? Und wann verwandelt sich das Versprechen einer besseren Gesellschaft in die Forderung nach einem besseren Menschen? „Corpus Delicti“ ist deshalb keine Dystopie über eine ferne Zukunft. Es ist eine Warnung vor einem uralten politischen Reflex: dem Wunsch, Menschen zu ihrem eigenen Glück zwingen zu wollen. Der gefährlichste Staat ist vielleicht nicht jener, der offen verkündet, dass ihm der einzelne Mensch gleichgültig ist. Viel schwieriger ist ein Staat zu erkennen, der behauptet, alles nur zu unserem Besten zu tun. Genau deshalb besitzt Juli Zehs Geschichte eine solche Kraft – und genau deshalb ist ihre Verfilmung im Jahr 2026 so bemerkenswert aktuell. Am Ende bleibt eine Frage, die weit über den Kinosaal hinausreicht: Wie viel Freiheit sind wir bereit aufzugeben, wenn man uns dafür Sicherheit verspricht? Und vielleicht noch wichtiger: Merken wir überhaupt, wann wir sie aufgegeben haben?
Der Film läuft 103 Minuten, ist FSK 12 und startet am 1. Oktober 2026.

Meine Vinyl im Juli 2026

31. Juli 2026

Vinyl erlebt seit Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Für viele Musikliebhaber ist die Schallplatte weit mehr als ein Tonträger – sie ist ein bewusstes Musikerlebnis. Das große Cover lädt zum Betrachten ein, das Auflegen der Platte wird zu einem kleinen Ritual und der warme, analoge Klang vermittelt vielen Hörern eine besondere Nähe zur Musik. Während Streaming unbegrenzten Zugriff auf Millionen von Songs bietet, steht Vinyl für Entschleunigung und Wertschätzung: Man hört ein Album oft bewusst von Anfang bis Ende. Zudem sind Schallplatten begehrte Sammlerstücke, deren Gestaltung und Haptik den Musikgenuss um eine greifbare Dimension erweitern.

Shadow Kingdom von Bob Dylan
Mit über 80 Jahren blickte Bob Dylan nicht einfach auf seine Klassiker zurück – er zerlegte sie, arrangierte sie neu und schuf mit Shadow Kingdom eines der ungewöhnlichsten Projekte seiner späten Karriere. Das Werk ist weder ein klassisches Livealbum noch eine gewöhnliche Neuaufnahme. Es ist eine künstlerische Neuinterpretation des eigenen Schaffens und zeigt, dass Dylans Musik auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung wandelbar bleibt.

Als Shadow Kingdom im Juli 2021 erstmals als Streaming-Event erschien, erwarteten viele Fans ein gewöhnliches Konzert. Tatsächlich präsentierte Regisseurin Alma Har’el einen stilisierten Schwarz-Weiß-Film, der Bob Dylan in einer zeitlosen, fast surrealen Bar-Atmosphäre zeigte. Die Musiker traten maskiert auf, Statisten bevölkerten den Raum, und die Inszenierung erinnerte eher an einen Film noir als an einen klassischen Konzertmitschnitt.

Die Musik war jedoch keine Liveaufnahme vor Publikum. Stattdessen entstanden die Stücke zuvor im Studio und wurden für den Film verwendet. Im Juni 2023 erschien schließlich der gleichnamige Soundtrack als eigenständiges Album mit 14 Titeln, darunter 13 neu eingespielte Dylan-Klassiker sowie das Instrumentalstück „Sierra’s Theme“.

Der besondere Reiz von Shadow Kingdom liegt nicht in neuem Songmaterial, sondern in der radikalen Neubetrachtung alter Werke. Dylan verzichtet weitgehend auf die energiegeladenen Arrangements der Originale und setzt stattdessen auf ein reduziertes Klangbild.

Lieder wie „Tombstone Blues“, „Queen Jane Approximately“, „Forever Young“ oder „Watching the River Flow“ wirken langsamer, ruhiger und teilweise beinahe jazzig. Gitarren, Kontrabass, Akkordeon und dezente Streicher ersetzen den rockigen Druck früherer Versionen. Auffällig ist außerdem der nahezu vollständige Verzicht auf Schlagzeug, wodurch die Musik offen und intim wirkt.

Auch Dylans Stimme spielt eine zentrale Rolle. Während sie in den vergangenen Jahrzehnten häufig als rau oder brüchig beschrieben wurde, wirkt sie auf Shadow Kingdom überraschend kontrolliert und erzählerisch. Die Songs erhalten dadurch einen anderen emotionalen Schwerpunkt: Statt jugendlicher Rebellion stehen Erinnerung, Melancholie und Gelassenheit im Vordergrund.

Viele Künstler veröffentlichen im hohen Alter Neuaufnahmen ihrer größten Erfolge. Dylan verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Er versucht nicht, die Originale möglichst originalgetreu nachzubilden. Vielmehr behandelt er seine eigenen Lieder so, als wären sie traditionelle Folk-Songs, die sich mit jeder Generation verändern dürfen.

Dieses Prinzip begleitet seine Karriere seit Jahrzehnten. Auf Tourneen hat Dylan seine Songs regelmäßig so stark umarrangiert, dass sie teilweise kaum wiederzuerkennen waren. Shadow Kingdom führt diese Arbeitsweise konsequent fort und macht sie zum eigentlichen Konzept des Albums.

Dadurch entsteht kein nostalgischer Rückblick, sondern eine neue Perspektive auf bekannte Werke. Die Texte bleiben weitgehend erhalten, ihre Bedeutung verändert sich jedoch durch Tempo, Instrumentierung und Dylans heutige Stimme.

Neben der Musik trägt vor allem die visuelle Gestaltung zum Eindruck von Shadow Kingdom bei. Der Film verzichtet auf große Bühnen, Lichteffekte oder Publikumsreaktionen. Stattdessen dominiert eine künstliche, traumähnliche Welt aus Schatten, Rauch und wechselnden Figuren. Diese Inszenierung verstärkt den Eindruck, dass Dylan nicht auf einer Bühne steht, sondern durch Erinnerungen wandert. Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. Der Titel Shadow Kingdom – „Schattenreich“ – passt deshalb sowohl zur Bildsprache als auch zum musikalischen Konzept.

Die Musikkritik reagierte überwiegend sehr positiv. Gelobt wurden insbesondere die kreativen Neuarrangements sowie Dylans Fähigkeit, jahrzehntealte Songs mit neuer Bedeutung aufzuladen. Auf Metacritic erreichte das Album einen Metascore von 84 Punkten und erhielt ausschließlich positive Kritiken. Auch unter Fans entwickelte sich Shadow Kingdom zu einem Diskussionsobjekt. Während viele die ruhige, intime Atmosphäre und die neuen Interpretationen schätzen, vermissen andere die Energie der Originalaufnahmen oder sehen das Album eher als Begleitwerk zum Film. In Fan-Foren wird zudem häufig darüber diskutiert, ob es sich eher um ein Studioalbum, einen Soundtrack oder ein verkleidetes Livealbum handelt – ein Zeichen dafür, dass sich das Projekt bewusst einfachen Kategorien entzieht.

Shadow Kingdom nimmt innerhalb von Bob Dylans Diskografie eine Sonderstellung ein. Es enthält keine neuen Kompositionen, wirkt aber dennoch keineswegs wie eine klassische Best-of-Sammlung. Stattdessen zeigt es, wie konsequent Dylan seine eigene Musik immer wieder verändert und weiterentwickelt. Gerade im Kontext seiner späten Karriere fügt sich das Album logisch in sein Schaffen ein. Schon Werke wie Shadows in the Night oder Triplicate beschäftigten sich mit Neuinterpretationen bekannter Songs – allerdings stammten diese ursprünglich von anderen Komponisten. Auf Shadow Kingdom richtet Dylan diesen interpretatorischen Blick erstmals konsequent auf sein eigenes Werk.

Shadow Kingdom ist kein Album für Hörer, die möglichst originalgetreue Versionen von Dylans Klassikern erwarten. Es ist vielmehr eine künstlerische Reflexion über Erinnerung, Zeit und musikalische Veränderung. Die bekannten Songs erscheinen in einem völlig neuen Licht und beweisen, dass große Kompositionen nicht an eine einzige Aufnahme gebunden sind.

Gerade diese Offenheit macht das Album zu einem bemerkenswerten Spätwerk. Bob Dylan zeigt einmal mehr, dass Stillstand nie zu seinem Selbstverständnis gehörte. Selbst seine berühmtesten Lieder bleiben für ihn lebendige Werke, die sich mit jeder Lebensphase verändern dürfen.

Man on the Moon – Dr. Herbert Pichler (1969)

Man on the Moon von Dr. Herbert Pichler ist keine gewöhnliche Schallplatte und schon gar kein Musikalbum im klassischen Sinn. Vielmehr handelt es sich um ein einzigartiges Zeitdokument, das den historischen Flug von Apollo 11 und die erste bemannte Mondlandung in einer Mischung aus Originalaufnahmen, Kommentaren und dokumentarischer Aufbereitung festhält. Die 1969 veröffentlichte LP erschien bei Philips, enthält authentische NASA-Aufnahmen, ein aufwendig gestaltetes Klappcover sowie ein Poster mit Farbfotos der Mission und wurde unmittelbar nach der Mondlandung veröffentlicht.

Dr. Herbert Pichler, in Österreich als „Mondpichler“ bekannt, war Mediziner, Weltraummediziner und der prägende Fernsehkommentator der Apollo-Missionen im ORF. Seine Begeisterung für die Raumfahrt ist auf jeder Minute dieser Aufnahme spürbar. Anders als heutige Dokumentationen lebt Man on the Moon nicht von spektakulären Spezialeffekten oder nachträglicher Dramatisierung, sondern von der unmittelbaren Atmosphäre jener Julitage des Jahres 1969. Pichler ordnet die Ereignisse sachlich, verständlich und mit ansteckender Faszination ein, ohne den wissenschaftlichen Anspruch aus den Augen zu verlieren.

Besonders beeindruckend ist die Wirkung der Originalkommunikation zwischen NASA und Astronauten. Auch Jahrzehnte später erzeugen die historischen Funkmitschnitte eine Spannung, die viele moderne Produktionen kaum erreichen. Man hört förmlich die Nervosität im Kontrollzentrum, die Konzentration der Astronauten und schließlich den Moment, der Geschichte schrieb. Die Platte vermittelt damit das Gefühl, selbst Zeitzeuge eines der größten technischen und gesellschaftlichen Meilensteine des 20. Jahrhunderts zu sein.

Aus heutiger Sicht besitzt Man on the Moon einen besonderen Charme. Die Sprache, der dokumentarische Stil und die analoge Klangqualität spiegeln die Aufbruchsstimmung der späten 1960er-Jahre wider – eine Zeit, in der die Raumfahrt noch als grenzenloses Zukunftsversprechen galt. Gerade diese historische Authentizität macht den Reiz der LP aus. Sie ist weniger Unterhaltung als vielmehr ein akustisches Museumsexponat.

Für Vinylsammler, Raumfahrt-Enthusiasten und Liebhaber außergewöhnlicher Schallplatten gehört Man on the Moon zu den faszinierendsten Dokumentar-LPs ihrer Zeit. Sie erinnert daran, dass Schallplatten nicht nur Musik transportieren können, sondern auch Geschichte bewahren. Wer sich auf dieses ungewöhnliche Hörerlebnis einlässt, erhält eine bewegende Momentaufnahme jenes Augenblicks, in dem die Menschheit erstmals einen anderen Himmelskörper betrat – eingefangen auf schwarzem Vinyl mit einer Authentizität, die bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren hat.

Rendez-Vous – Jean-Michel Jarre

Mit Rendez-Vous erreichte Jean-Michel Jarre 1986 einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere. Nach den eher experimentellen Klängen von Zoolook kehrte der französische Elektronik-Pionier zu eingängigeren Melodien zurück, ohne dabei seinen visionären Anspruch aufzugeben. Das Album verbindet majestätische Synthesizerflächen mit orchestraler Dramatik und der Faszination für Raumfahrt – ein Werk, das bis heute als eines der bedeutendsten Alben der elektronischen Musik gilt.

Schon der Opener baut eine feierliche Atmosphäre auf, bevor sich die Musik in die epische Second Rendez-Vous entfaltet. Hier zeigt sich Jarre auf dem Höhepunkt seines kompositorischen Könnens: hymnische Melodien, pulsierende Sequenzen und eine Dynamik, die gleichermaßen futuristisch wie emotional wirkt. Die Stücke fließen nahezu nahtlos ineinander und erzeugen den Eindruck einer einzigen musikalischen Reise durch den Weltraum.

Der größte Hit des Albums ist zweifellos Fourth Rendez-Vous, dessen markante Melodie bis heute zu Jarres bekanntesten Kompositionen zählt. Der Titel vereint eingängigen Synth-Pop mit der monumentalen Klangästhetik, für die Jarre berühmt wurde. Besonders live entwickelte sich das Stück zu einem Publikumsliebling und gehört bis heute zum festen Bestandteil seiner Konzerte.

Beeindruckend ist auch die klangliche Vielfalt. Jarre setzt digitale und analoge Synthesizer wie den Elka Synthex, Yamaha DX7 und Fairlight CMI ein und verbindet deren kalte Präzision mit warmen, fast romantischen Melodiebögen. Dadurch wirkt Rendez-Vous trotz seiner technischen Basis erstaunlich menschlich und emotional. Das Album klingt typisch nach den 1980er-Jahren, besitzt aber gleichzeitig eine zeitlose Eleganz, die viele Produktionen dieser Epoche vermissen lassen.

Über allem schwebt jedoch die tragische Geschichte von Last Rendez-Vous (Ron’s Piece). Das Stück war ursprünglich für den NASA-Astronauten Ronald McNair vorgesehen, der es während der Challenger-Mission mit seinem Saxophon aus dem All aufnehmen wollte. Nach der Challenger-Katastrophe wurde das Werk zu einer bewegenden Hommage an die sieben Astronauten. Diese Hintergrundgeschichte verleiht dem ohnehin melancholischen Finale eine außergewöhnliche emotionale Tiefe.

Rendez-Vous markiert zugleich den Beginn von Jarres spektakulären Großveranstaltungen. Das Album entstand im Zusammenhang mit seinem legendären Konzert in Houston zum 150-jährigen Stadtjubiläum und zum 25-jährigen Bestehen des NASA Johnson Space Centers – eine Verbindung von Musik, Technologie und visueller Inszenierung, die Jarre endgültig als Meister multimedialer Live-Performances etablierte.

Aus heutiger Sicht ist Rendez-Vous weit mehr als ein Klassiker der elektronischen Musik. Es verbindet die melodische Stärke von Oxygène mit der technischen Experimentierfreude späterer Werke und schlägt die Brücke zwischen Pop, New Age und orchestraler Elektronik. Kaum ein anderes Album vermittelt das Gefühl von Aufbruch, Hoffnung und kosmischer Weite so eindrucksvoll wie dieses.
Rendez-Vous ist ein Meisterwerk der Synthesizer-Musik. Jean-Michel Jarre gelingt hier die seltene Balance zwischen technischer Perfektion und emotionaler Ausdruckskraft. Fast vier Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung hat das Album nichts von seiner Faszination verloren und gehört nach wie vor zu den wichtigsten Werken der elektronischen Musikgeschichte.

John Williams – The Fury (1978)

Mit The Fury schuf John Williams 1978 einen der eindrucksvollsten, zugleich aber oft unterschätzten Soundtracks seiner Karriere. Zwischen den monumentalen Erfolgen von Star Wars und Superman komponiert, zeigt die Musik zu Brian De Palmas übernatürlichem Thriller eine andere Seite des Komponisten: düster, psychologisch vielschichtig und von einer permanenten unterschwelligen Bedrohung geprägt. Es ist eine Filmmusik, die weit weniger auf eingängige Themen setzt als auf emotionale Spannung, orchestrale Raffinesse und dramatische Zuspitzung.

Schon die Eröffnung macht deutlich, dass Williams hier nicht den Weg heroischer Melodien beschreitet. Stattdessen entfaltet sich eine Atmosphäre aus Unsicherheit, Angst und geheimnisvoller Vorahnung. Die Streicher arbeiten mit nervösen Figuren, Holzbläser und Harfe sorgen für schimmernde, fast unwirkliche Klangfarben, während die Blechbläser immer wieder mit scharfen Akzenten die Gefahr ankündigen. Das London Symphony Orchestra setzt diese komplexe Partitur mit beeindruckender Präzision um.

Besonders bemerkenswert ist Williams’ Fähigkeit, die übersinnlichen Fähigkeiten der jugendlichen Protagonisten musikalisch hörbar zu machen. Immer wieder wechseln lyrische Passagen von beinahe zerbrechlicher Schönheit mit explosiven orchestralen Ausbrüchen. Dadurch entsteht eine musikalische Spannung, die weit über den eigentlichen Film hinaus funktioniert und auch ohne Bilder ihre Wirkung entfaltet.

Im Mittelpunkt steht das elegante Hauptthema, das melancholische Schönheit mit unterschwelliger Tragik verbindet. Es gehört zwar nicht zu den bekanntesten Melodien des Komponisten, besitzt aber eine emotionale Tiefe, die sich erst nach mehrmaligem Hören vollständig erschließt. Gerade diese Zurückhaltung macht einen großen Reiz des Albums aus. Williams verzichtet auf schnelle Effekte und entwickelt seine musikalischen Ideen mit großer Geduld.

Der absolute Höhepunkt ist das monumentale Finale. Hier entfesselt Williams das gesamte Orchester in einer der spektakulärsten Schlusssequenzen seiner Laufbahn. Gewaltige Blechbläser, rasende Streicher und wuchtige Schlagwerke steigern sich zu einer musikalischen Explosion, die den Schrecken der Bilder kongenial widerspiegelt. Dieses Finale zählt bis heute zu den eindrucksvollsten Action- und Horrorpassagen der Filmmusikgeschichte und zeigt Williams auf dem Höhepunkt seiner orchestralen Meisterschaft.

Gerade im Vergleich zu seinen berühmteren Werken wird deutlich, wie experimentierfreudig der Komponist hier arbeitet. The Fury verzichtet weitgehend auf eingängige Ohrwürmer und fordert vom Hörer Aufmerksamkeit. Dafür belohnt der Soundtrack mit einer außergewöhnlich dichten Atmosphäre und einer enormen kompositorischen Komplexität. Man erkennt Einflüsse spätromantischer Komponisten ebenso wie moderne Filmmusiktechniken, ohne dass Williams jemals seine eigene musikalische Handschrift verliert.

Die restaurierten Veröffentlichungen der vollständigen Filmmusik zeigen zudem, wie detailreich die Partitur tatsächlich ist. Viele feine orchestrale Nuancen, die im Film teilweise unter Dialogen verschwinden, treten hier deutlich hervor und machen das Album zu einem faszinierenden Hörerlebnis.

The Fury ist deshalb kein Soundtrack für den schnellen Konsum, sondern eine Filmmusik, die entdeckt werden möchte. Wer bereit ist, sich auf ihre düstere, psychologisch aufgeladene Klangwelt einzulassen, erlebt John Williams von einer Seite, die oft im Schatten seiner großen Blockbuster steht. Gerade deshalb gehört The Fury zu den spannendsten und künstlerisch anspruchsvollsten Werken seines Schaffens – ein orchestrales Meisterstück, das eindrucksvoll beweist, dass Williams weit mehr ist als nur der Komponist großer Abenteuer- und Heldenmelodien.

Salò oder die 120 Tage von Sodom von Ennio Morricone

Der Soundtrack zu Pier Paolo Pasolinis Film „Salò oder die 120 Tage von Sodom“ aus dem Jahr 1975 spielt eine entscheidende Rolle für die verstörende Wirkung des Werkes. Die Musik stammt von Ennio Morricone, der auf eine klassische, zurückhaltende und teilweise beinahe elegante Klangsprache setzt. Gerade dieser Kontrast zwischen der kultivierten musikalischen Oberfläche und den Bildern von Gewalt, Erniedrigung und Machtmissbrauch verleiht dem Film seine besondere emotionale Härte.

Morricone verzichtet weitgehend auf eine dramatische Untermalung, die das Geschehen kommentieren oder moralisch einordnen würde. Stattdessen erklingen ruhige Klavierpassagen, Walzer, Marschmusik und bekannte Lieder, die eine scheinbar normale oder sogar festliche Atmosphäre erzeugen. Die Musik wirkt dadurch kühl und distanziert. Sie bietet dem Publikum keine emotionale Entlastung, sondern verstärkt das Gefühl, Zeuge eines streng organisierten und ritualisierten Systems der Unterdrückung zu sein.

Besonders prägend ist die Verwendung des Liedes „Son tanto triste“ sowie von Tanz- und Unterhaltungsmusik aus der Zeit des italienischen Faschismus. Die Musik verweist auf bürgerliche Kultur, gesellschaftliche Konventionen und eine Welt äußerer Ordnung. Gleichzeitig zeigt der Film, wie leicht diese kulturelle Fassade mit Grausamkeit und totalitärer Herrschaft verbunden sein kann. Die Musik steht deshalb nicht nur im Gegensatz zu den Bildern, sondern wird selbst zu einem Bestandteil der Inszenierung von Macht.

Der Soundtrack von „Salò“ ist kein klassischer Filmscore mit eingängigen Leitmotiven oder emotionalen Höhepunkten. Seine Wirkung entsteht vielmehr aus Zurückhaltung, Wiederholung und bitterer Ironie. Morricones Musik macht das Geschehen nicht erträglicher, sondern noch beklemmender. Sie unterstreicht Pasolinis Aussage, dass Gewalt und Entmenschlichung nicht zwangsläufig im Chaos stattfinden, sondern auch hinter einer Fassade aus Bildung, Kunst, Ordnung und gesellschaftlichem Anstand verborgen sein können.

Never Mind the Bollocks von Sex Pistols

Die Sex Pistols-Platte „Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols“ ist mehr als nur ein Album – sie ist ein kulturgeschichtlicher Sprengsatz. 1977 veröffentlicht, bündelt sie die Wut, den Lärm und die Provokation des britischen Punk in ihrer reinsten Form. Songs wie „God Save the Queen“, „Anarchy in the U.K.“ oder „Pretty Vacant“ klingen bis heute wie ein Angriff auf Establishment, Langeweile und musikalische Selbstzufriedenheit.

Die Platte ist roh, direkt und kompromisslos, aber zugleich erstaunlich präzise produziert. Johnny Rottens beißender Gesang, Steve Jones’ massive Gitarrenwände und die rebellische Haltung der Band machten das Album zu einem Meilenstein. „Never Mind the Bollocks“ war kein höfliches Musikangebot, sondern eine Kampfansage – und genau deshalb bleibt es eine der wichtigsten und einflussreichsten Rockplatten aller Zeiten.

Magie aus Stein – Ein Tag an der Universität Glasgow

18. Juli 2025

Eindrucksvoll, sehr eindrucksvoll ist das Gebäude der Universität Glasgow. Touristen sagten mir, es erinnere sie an Harry Potter. Auf jeden Fall ist die Uni einen Besuch wert. Der Campus lädt zum Spazieren ein und natürlich schaute ich auch zur Memorial Chapel rein, bei der gerade eine Probe lief und ich einfach mitgegangen bin.

Die Memorial Chapel der Universität Glasgow ist ein eindrucksvolles, neogotisches Bauwerk im Herzen des historischen Campus auf dem Gilmorehill. Sie wurde 1929 eingeweiht und erinnert an die Studierenden und Mitarbeiter der Universität, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren. Die Kapelle besticht durch ihre ruhige, erhabene Atmosphäre, hohe Gewölbe, kunstvolle Glasfenster und eine fein gearbeitete Innenarchitektur.

Sie wird sowohl für Gottesdienste und Gedenkveranstaltungen als auch für Konzerte und akademische Zeremonien genutzt und ist ein Ort des stillen Gedenkens und der spirituellen Sammlung innerhalb der lebendigen Universitätsgemeinschaft.

Der Campus
Der Campus der Universität Glasgow liegt im Westen der Stadt auf dem Gilmorehill und zählt zu den schönsten Universitätsanlagen Großbritanniens. Geprägt wird er durch das imposante Hauptgebäude im neogotischen Stil mit seinen Türmen, Arkaden und Innenhöfen, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Der Campus verbindet historische Architektur mit modernen Lehr- und Forschungseinrichtungen und bietet weitläufige Grünflächen, Museen, Cafés und Bibliotheken. Die Atmosphäre ist lebendig und international, geprägt von Studierenden aus aller Welt. Der Blick über den nahegelegenen Kelvingrove Park bis hin zur Skyline Glasgows macht den Campus zu einem inspirierenden Ort zum Lernen und Leben. Ich habe mich niedergelassen und mir über diesen Campus nachgedacht. Ich selbst habe an keiner Campus-Uni studiert, was ich heute bedauere.

Hunterian Museum in Glasgow
Das Hunterian Museum in Glasgow ist das älteste öffentliche Museum Schottlands und gehört zur Universität Glasgow. Es wurde 1807 gegründet und geht auf die umfangreiche Sammlung des Arztes, Anatomen und Wissenschaftlers William Hunter (1718–1783) zurück, einem ehemaligen Studenten der Universität. Das Museum befindet sich heute im Hauptgebäude der Universität auf dem Campus Gilmorehill und präsentiert eine vielseitige Sammlung aus den Bereichen Medizin, Naturwissenschaften, Archäologie, Kunst und Geschichte.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der medizinischen Sammlung Hunters, die Präparate, wissenschaftliche Instrumente und anatomische Studien umfasst. Ergänzt wird dies durch bedeutende naturkundliche Exponate, darunter Fossilien, Mineralien und zoologische Präparate. Auch Objekte aus der römischen Archäologie, insbesondere Funde vom Antoninuswall, sind ausgestellt. Neben der Dauerausstellung zeigt das Hunterian Museum regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen und bietet einen Einblick in die Forschungsarbeit der Universität.

Das Museum ist öffentlich zugänglich und kostenlos zu besichtigen. Es dient nicht nur als Schaumuseum, sondern auch als Lehr- und Forschungsstätte und ist Teil des größeren Verbunds der Hunterian Collections, zu dem auch die Hunterian Art Gallery, das Mackintosh House und das Zoology Museum gehören.

Filmkritik: Der Exorzist – Bekenntnis

29. Januar 2024

Im Kino hatte ich ihn verpasst und daher nahm ich mir die Zeit die Fortsetzung eines der wichtigsten Horrorfilme überhaupt in Ruhe auf Bluray anzusehen: Der Exorzist – Bekenntnis

Es ist natürlich eine Herausforderung sich mit einem Meisterwerk messen zu wollen und David Gordon Green musste natürlich daran scheitern. Aber: Ganz so übel empfand ich den Film allerdings nicht, wenn man als Zuschauer ein paar Abstriche macht. Optisch und vom Tonschnitt wurde das Original zitiert, das macht unglaublich Spaß, aber Optik und Ton machen noch lange keinen guten Film aus.

Das Exorzist-Universum ist inzwischen gewachsen. Immer mehr Filme zu diesem interessanten Themenbereich tauchen auf, manche gut, manche weniger gut. Mir hat der Exorzist des Papstes ein Freude gemacht. Unser Exorzist das Bekenntnis überspringt die offiziellen Nachfolger Exorzist 2 – der Ketzer und Exorzist III und setzt einige Jahre später nach Regens Heimsuchung durch einen Dämon ein. Auch dieses Mal geht es um Kinder und einen Dämon, der dieses Mal in zwei Kinder einfährt.

Kurz der Inhalt: Seit dem Tod seiner Frau zieht Victor Fielding (Leslie Odom) die gemeinsame Tochter Angela (Lidya Jewett) allein groß. Als Angela mit ihrer Freundin Katherine (Olivia Marcum) nach tagelangem Verschwinden im Wald zurückkehrt, ohne sich an irgendetwas erinnern zu können, wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die Victor zwingt, sich dem abgrundtief Bösen zu stellen …

Das ist eine klassische Horrorstory. Aber es macht noch lange Einengungen Exorzisten-Film aus. Es fehlt der Kern des Films. Wir haben den Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft dieses Mal nur angedeutet, was ja das Original von 1973 ausgemacht hat. Der Exorzist – Bekenntnis ist populärer, bietet sich dem Massengeschmack des heutigen Publikums an und bietet keine Provokationen gegen Aufklärung und Rationalismus an. Es ist ein reines Unterhaltungsprodukt, das aber an den Kinokassen eher floppte und daher wurden Regisseur David Gordon Green weitere Fortsetzungen entzogen. Green hatte ja mit den ersten beiden Teilen von Halloween wegweisendes gedreht. Der Teil 3 war absoluter Müll. Langsam verliere ich nach dem Ansehen von Exorzist – das Bekenntnis die Fähigkeit von Regisseur David Gordon Green, sich mit dem Stoff ernsthaft zu beschäftigen. Schade, ich hatte mich nach 50 Jahren auf eine Bereicherung des Thema gefreut und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Glaube und Wissenschaft erwartet. Da reicht das Auftauchen der Originaldarsteller Ellen Burstyn als Chris MacNeil und Linda Blair als Regan Teresa MacNeil nicht aus. Und ein wenig Tubular Bells ist fein, aber auch nur eine nette Erinnerung. So ist Exorzist – Das Bekenntnis ein solider Horrorfilm, aber keine Offenbarung, schade.

Experimentelle Archäologie: Mit einem Flusskriegsschiff die Donau entlang

19. November 2021

Mit einem spätantiken Flusskriegsschiff die Donau von Regensburg nach Budapest zu rudern, das ist wahrlich eine große Herausforderung. Geschichtsstudis aus Regensburg haben sich 2006 auf so ein Experiment eingelassen und heraus kam unter anderem das Buch und die DVD Exploratio Danubiae: Ein rekonstruiertes spätantikes Flusskriegsschiff auf den Spuren Kaiser Julian Apostatas.

Ich fand das Buch im örtlichen Bücherschrank und war sofort neugierig. Es ist lebendige experimentelle Archäologie. Diese widmet sich der Beantwortung archäologischer Fragestellungen mit Hilfe eines wissenschaftlichen, unter kontrollierten Bedingungen durchgeführten und vollständig dokumentierten Experimentes. Klingt komisch, ist aber super spannend, denn es werden experimentelle Praxis und die Theorie der althistorische Forschung unter einen Hut gebracht.
Es galt folgendes Projekt umzusetzen: 49 Studierende der Universität Regensburg reisten auf einem Nachbau eines spätantiken römischen Flusskriegsschiffes im Sommer 2006 knapp drei Wochen auf der Donau bis nach Budapest. Das Buch samt BR-Dokumentation auf DVD in SD ist sowohl Reisebericht als auch eine praxisorientierte Dokumentation.

Schade, dass es zu dieser Zeit keine sozialen Netzwerke gegeben hat, denn dann wäre diese Wissenschaftsreise noch verbreiteter. So wählte man das Buch und das Fernsehen als Massenmedium. Heute wäre auf der Galeere ein Wissenschaftsblogger dabei und hätte die Botschaft verbreitet. Interessant zu sehen, sind die beteiligten Studis, die sich freiwillig für die Reise meldeten und sogar 150 Euro Passage bezahlten, damit sie den ganzen Tag bei Wind und Wetter rudern mussten. Die in die Rolle einer spätantiken Schiffsbesatzung geschlüpften Studenten und Wissenschaftler bewältigen zudem ein körperlich anstrengendes Testprogramm, dessen Resultate zum Verständnis der spätantiken Flottenorganisation an Rhein und Donau beitragen. 180000 Ruderschläge hatte jeder zu bewältigen.So macht Wissenschaft Spaß und bitte, bitte mehr davon und nachzulesen in Exploratio Danubiae: Ein rekonstruiertes spätantikes Flusskriegsschiff auf den Spuren Kaiser Julian Apostatas

Filmtipp Rainer Erler

21. November 2011

Im Moment liebe ich die Filme von Rainer Erler. Ich entdeckte ihn wieder beim Aufräumen im Keller, als ich die Bücher zu seiner Blauen Palais-Reihe in die Finger bekam. Das war Science-Fiction mit Niveau und es war völlig neu für mich. Keine Weltraumkämpfe oder böse Monster, auf die ich als Kind und Jugendlicher stand, sondern Science Fact. Wissenschaftsthriller mit einem Hauch von Science Fiction.

Als Jugendlicher entdeckte ich durch Rainer Erler eine neue Welt: Science Fiction mit Anspruch und das alles im deutschen Fernsehen. Zug um Zug kaufte ich mir bei Amazon ein Teil seines Werkes auf DVD zusammen. Leider hab ich die Reihe Blaue Palais (1974–1976) noch nicht gefunden, sie ist noch nicht einmal veröffentlicht. In YouTube gibt es alle fünf Folgen in VHS-Qualität. Was mich sehr freut, dass Blaue Palais wurde in Schloss Weyern im Landkreis gedreht und ich war ich als Kind oft im Biergarten. Im Schloss sind heute Eigentumswohnungen. Ich hab stattdessen ein Autogramm von Rainer Erler an der Wand in meinem Arbeitszimmer hängen.

Die Filme hatten Ethik, Wissenschaft, Kernenergie, Organhandel zum Inhalt – Themen, die noch Jahre später aktuell sind. Natürlich ist das Erzähltempo der Filme im Vergleich zu heute langatmig, doch die Filme waren faszinierend und das sind sie noch immer. Schaut mal rein und lernt einen deutschen Filmvisionär kennen. Hier eine Auswahl: Rainer Erler Kultfilme (6 DVDs)