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Medienkompetenz: Sprachforscher wollen Wahrheitsgehalt von Infos im Netz sichtbar machen

13. Februar 2014
Wahr oder falsch? Brennt das London eye?

Wahr oder falsch? Brennt das London eye?

Ist eine Information im Internet vertrauenswürdig? Im Moment verbringe ich einen Teil meiner Schulung mit Medienkompetenz. Zur Vorbereitung von Referaten u.a. wird in der Regel auf Wikipedia und Co gegangen und kopiert. Doch ist die Info überhaupt wahr und kann ich mich auf dem Informationsgehalt verlassen?

Damit diese Frage künftig beantwortet werden kann, arbeitet der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck seit Anfang des Jahres im Rahmen des Projekts „Pheme“ mit Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen aus England, Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Spanien und Kenia zusammen. Ziel der Forscher ist es, ein automatisches Analyseverfahren zu entwickeln, das dem Internetnutzer schnell und verlässlich mitteilt, ob er einer gefundenen Information trauen kann oder eher nicht. Die Ergebnisse werden in zwei Fallstudien getestet, Testgebiete sind Medizinische Informationssysteme und digitaler Journalismus. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, hat ein Gesamtvolumen von rund 4,3 Millionen Euro und wird von der EU mit rund drei Millionen Euro gefördert. Ich finde diese Forschung super interessant.

Der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck

Der Saarbrücker Sprachtechnologe Thierry Declerck

„Das Wahrzeichen Londons, das London Eye, brennt.“ Ein Satz wie dieser verbreitet sich über Facebook, Twitter und Co. explosionsartig. Aber stimmt er auch? Die Folgen solcher Falschmeldungen sind unberechenbar – je nach Brisanz des Inhalts ist von Gewaltexzessen bis hin zum Einbruch von Aktienmärkten alles möglich. Die Frage der Vertrauenswürdigkeit von Informationen im Netz stellt sich daher immer dringlicher. Auch jeder, der schon nach Krankheitssymptomen gesucht hat, kennt das Problem. Aber wie misst man den Wahrheitsgehalt von Online-Informationen? Und das schnell genug? Gemeinsam mit seinen internationalen Forschungspartnern will der Sprachtechnologe Thierry Declerck hierfür Antworten finden. Die Wissenschaftler arbeiten an einer robusten Methode, die jeweils zuverlässig angibt, wie vertrauenswürdig eine Information ist. „Wir konzentrieren uns dabei auf vier Arten problematischer Informationen: die Spekulation, die kontroverse Diskussion, die Fehlinformation und die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Tatsachen“, erklärt er.

Für mich klingt das alles nach Science Fiction, aber wir sind wohl nicht weit von einer Lösung entfernt. Eine der größten Herausforderungen hierbei ist die Datenflut. „Mehrere tausend Textnachrichten werden jede Sekunde neu eingestellt. Daher wenden wir Methoden an, um große Datenmengen zu verarbeiten, so genannte Big Data-Analysen“, sagt Declerck, der in der Computerlinguistik der Saar-Universität am Lehrstuhl von Professor Hans Uszkoreit und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz forscht. „Wir verbinden statistische Methoden mit präzisen sprachwissenschaftlichen Analysen. Die Lösung liegt in der Kombination der verschiedenen Verfahren. Im Projekt arbeiten hierzu Wissenschaftler unterschiedlicher Ausrichtung zusammen“, erläutert er. Computerlinguistische Sprachanalysen werden verknüpft mit Informationen aus sozialen Netzwerken, Inhalte werden mit zuverlässigen Datenbanken abgeglichen, statistisch geprüft und mittels Grafiken ausgewertet. Die Aussage wird gleichsam durch verschiedenste Filter geschickt; am Ende steht eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, die für oder gegen die Wahrheit spricht.

Declercks Aufgabe im Projekt ist die Sprachtechnologie. Er baut dabei auf Vorarbeiten im EU-Projekt „TrendMiner“ auf: „Wir haben Methoden entwickelt, die es möglich machen, aus der Datenflut Themen und Trends herauszufischen, die im Internet aktuell diskutiert werden. So lassen sich etwa Stimmungen erkennen.“ Mit Hilfe eines komplexen Systems aus Sprachverarbeitungs-Modulen will der Forscher jetzt die Informationen weiter auswerten, sie von ihrer Bedeutung und von Besonderheiten im Satzbau her erfassen. „Zum Beispiel wollen wir Satzstrukturen, die Zweifel am Wahrheitsgehalt einer Aussage ausdrücken, sowie bestimmte Schlüsselwörter wie ´scheinbar` oder ´nicht` automatisch erkennen“, sagt Declerck. Im Ausgangsbeispiel mit dem London Eye würde das System die Häufung von Zweifel wie „Stahl brennt doch gar nicht“ oder „Ich bin am London Eye, hier brennt nichts“ in seine Wahrheits-Analyse einbeziehen. Hierzu entwickelt Declerck derzeit mathematische Algorithmen: In Zahlen übersetzt, lassen sich Muster und Strukturen erkennen – die Informationen werden berechenbar.

Besonderer Knackpunkt für die Forscher wird die Unbeständigkeit der Wahrheit in unserer realen Welt sein. Was heute wahr ist, kann morgen schon falsch sein: „Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Zum Beispiel ist eine Aussage der Form ´X ist Präsident des Landes Y` nur so lange wahr, wie der genannte Präsident auch tatsächlich amtiert. Unser System muss sich also ständig anpassen können“, erklärt er. Daher verknüpft er die zu überprüfenden Informationen mit den entsprechenden Daten in zuverlässigen Quellen, z.B. Online-Nachschlagewerken wie DBpedia. „Hinter den Texten solcher Datenbanken liegen verschlüsselte, maschinenlesbare Informationen. Wir nutzen diese derzeit sozusagen als Spielwiese, um Gesetzmäßigkeiten zu finden und neue leistungsfähige Algorithmen zu entwickeln“, sagt der Sprachtechnologe.

Die EU fördert das Projekt „Pheme“ als „Specific Targeted Research Project (STREP)“. Partner im Projekt sind in England die University of Sheffield (Koordinator), das Kings College London, sowie die University of Warwick, in Österreich die Modul Universität Wien, in der Schweiz swissinfo.ch, in Bulgarien Ontotext, in Spanien ATOS Spain SAU, in Kenia Ushahidi und in Deutschland die Universität des Saarlandes.

Social Media: Facebook-Messenger greift WhatsApp an

25. November 2013

In meinem Seminaren über Sozialen Netzwerken stelle ich fest, dass Schüler neben Facebook auch WhatsApp parallel nutzen. Es ist kein entweder oder, sondern ein gleichzeitiges Nutzen. Die Schüler haben sich in geheimen, geschlossenen Gruppen auf Facebook organisiert und schicken Meldungen, Fotos, Audio über WhatsApp-Gruppen. Wer den Netzwerken nicht angehört, der bleibt draußen und ist vom Informationsfluss abgeschnitten.

Datenschützer schütteln über den Leichtsinn den Kopf. Über NSA jammern und die persönlichsten Daten des Adressbuches auf einem US-Server speichern, der jede Nacht synchronisiert. Wie doof ist das denn? Aber Hauptsache ein paar Cent gespart, denn Geiz ist ja so geil. Dabei gilt der Spruch mehr denn je: Unsere Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Wer über Kundendaten verfügt, der verfügt über bares Geld – Big Data lässt grüßen.

Immer wieder bekomme ich Spam-Mails, die von WhatsApp-Nutzer herausgeballert werden, ohne dass die User es wohl mitbekommen. Meine Reaktion ist in der Regel sehr hart. Ich fordere die Absender auf, mich aus ihrem Adressbuch zu löschen und dies nicht mit freundlichen Worten.

Spam-Mails von WhatsApp

Spam-Mails von WhatsApp

Inzwischen hat WhatsApp die Nutzung der klassischen SMS überholt. Andere, sichere Messenger-Dienste wie das hervorragende Threema, haben gegen die Übermacht von WhatsApp im Moment keine Chance. In der Schule muss nur ein Option Leader den Ruf nach WhatsApp ausgeben und schon folgt die Peer Group dem Ruf. Medienkompetenz ist in der Schafherde nicht gefragt. WhatsApp plündert das Adressbuch und überspielt es in die USA. Ein Virus verbreitete sich Juli 2013 über Android-Telefonen bei alter Software – ich habe darüber gebloggt. Im Oktober wurde der Dienst bereits gehackt und einige User bekamen eine Mail über Freiheit für Palästina.

WhatsApp wurde gehackt.

WhatsApp wurde gehackt.

Interessant ist, wie Facebook auf die Herausforderung von WhatsApp reagiert. Ich bin mir sicher, dass Facebook an einer feindlichen Übernahme des Messenger-Dienstes sehr interessiert ist. Bis es soweit ist, peppt die Zuckerberg-Firma den hauseigenen Messenger-Dienst auf, zuletzt Mitte November. So findet sich im Facebook Messenger jetzt etwas versteckt auch eine Telefonie-Funktion. Es ist nun möglich, der App die eigene Telefonnummer zuzuweisen. Diese wird nicht in der persönliche Chronik angezeigt. Nach dem Motto: Wenn Facebook meine Daten hat, dann braucht sie WhatsApp nicht extra.

Was bedeutet dieses neue Feature? Facebook-Nutzer können nun auch mit jenen Kontakten über den Facebook Messenger chatten, mit denen sie nicht auf Facebook befreundet sind. Es wird nur deren Mobilfunknummer benötigt.

Wer die aktuelle Version des Messangers installiert, wird beim ersten Start gefragt, ob er auch über seine Handy-Kontakte mit der App synchronisieren möchte. Nach Drücken von OK, wird das komplette Adressbuch automatisch mit dem Facebook-Kontaktverzeichnis abgeglichen.

Anschließend wird der User gefragt, ob er über seine Telefonnummer gefunden werden will. Beim wiederum Drücken von OK wird im Facebook-Profil die Einstellung „Wer kann mich über meine Telefonnummer finden?“ auf „öffentlich“ gesetzt.