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Buchtipp: Eine Liebeserklärung an die goldene Ära von LucasArts: Als Videospiele meine Fantasie eroberten

18. Mai 2026

Das aufwändig gestaltete Bildband „Rogue Leaders: The Story of LucasArts“ von Rob Smith (256 Seiten, Hardcover) ist ein beeindruckender Rückblick auf die ersten 25 Jahre des legendären Spieleherstellers LucasArts. Smith spannt den Bogen von der Gründung durch George Lucas im Jahr 1982 bis zu den Veröffentlichungen von 2008 und verbindet seine Erzählung mit über 300 Konzeptzeichnungen, Storyboards und Skizzen. Viele dieser Abbildungen stammen aus Spielen wie The Secret of Monkey Island, Grim Fandango und Star Wars: Knights of the Old Republic – aber auch von nie veröffentlichten Projekten. Allein diese visuelle Fülle macht das Buch für mich zu einem Fest für Nostalgiker und Retrogamer, so wie ich es einer bin.

Ausstattung und Aufbau
Das großformatige Werk ist als edles Coffee‑Table‑Book konzipiert. Eine lentikulare, wechselnde Covergestaltung – je nach Blickwinkel sieht man Purple Tentacle, Guybrush Threepwood, LEGO‑Indy oder Darth Vader – sorgt schon beim ersten Anblick für Begeisterung. Ich habe den Abend gerne mit diesem Cover gespielt, es erinnerte mich an die alten silbernen Perry Rhodan-Bände mit dem 3D-Cover. Der Innenteil ist reich bebildert, doch die Texte sind eher knapp gehalten: Zwar erzählt Smith die Geschichte von LucasArts chronologisch, aber einzelne Spiele und Entwicklungsphasen werden oft nur kurz angerissen. Wer tiefgehende Einblicke in Produktionsprozesse erhofft, wird enttäuscht, während Fans der Kunstabteilung mit Zeichnungen, Box‑Art und Screenshots auf ihre Kosten kommen.

Inhaltliche Highlights
Trotz der Kürze der Texte gelingt es Smith, viele spannende Details einzuflechten. Er beschreibt die ersten Jahre als Lucasfilm Games, als noch keine Star Wars-Lizenzen genutzt werden durften, und hebt frühe Genre‑Experimente hervor – von Flugsimulationen wie PHM Pegasus bis hin zu den innovativen Point‑and‑Click‑Abenteuern. Besonders erfreulich ist die Aufmerksamkeit für die klassischen Adventure‑Titel der frühen 1990er‑Jahre: Smith würdigt die Entwicklung des SCUMM‑Skriptsystems und die Ausbildung der jungen Designer Tim Schafer und Dave Grossman in der internen „SCUMM‑University“. Interviews und Anekdoten – etwa Tim Schafers irrwitziges Bewerbungsgespräch, bei dem er unbeabsichtigt zugibt, eines der Spiele piratiert zu haben und sich anschließend mit einer Cartoon‑Bewerbung rettet – geben dem Buch einen persönlichen Touch. Zu loben sind die vielen bisher unveröffentlichten Konzeptzeichnungen und Puzzle‑Flowcharts, darunter alternative Cover‑Entwürfe für Monkey Island 2 und Briefe von George Lucas an das Team.

Das Buch beleuchtet nicht nur die Klassiker, sondern auch unverwirklichte Projekte wie Sawyer, ein geplanter Nachfolger zu Zombies Ate My Neighbours, und Knights of the Old Republic 3. Diese Einblicke in die „Was wäre wenn?“-Geschichten des Studios sind für Fans besonders reizvoll.

Manche wichtige Titel wie die späten Monkey Island-Teile oder Grim Fandango erhalten leider weniger Aufmerksamkeit als erwartet. Weil es ein Buch ein offizielles LucasArts‑Produkt ist, kommt im Vorwort von Meister George Lucas auch keine Kritik an der schwierige Firmengeschichte auf. Es ist im Grunde alles Sonnenschein.

Hommage an eine prägende Ära
Trotz dieser Schwächen ist „Rogue Leaders“ ein unverzichtbares Buch für alle wie mich, die mit LucasArts großgeworden sind. Die zahlreichen, liebevoll reproduzierten Artworks, Storyboards und bisher unveröffentlichten Materialen machen es zu einer Schatzkiste für Retro‑Spieler. Smiths chronologischer Überblick zeigt die kreative Spannbreite des Studios – von Arcade‑Shootern und Simulationen über die legendären Adventures bis zu den späteren Star Wars-Epen. Die Geschichten hinter Klassikern wie Maniac Mansion und Day of the Tentacle wecken nostalgische Gefühle und verdeutlichen, wie innovativ LucasArts in seiner Hochzeit war.

Ich als Fanboy und Leser spüre die Begeisterung für diese Spiele und ihre Bedeutung für die Videospielkultur: Die SCUMM‑Abenteuer setzten Maßstäbe im Storytelling, X‑Wing und TIE Fighter belebten das Flug‑Simulationsgenre, und Knights of the Old Republic prägte Rollenspiele bis heute. Das Buch mag ein optisch opulenter Überblick sein, doch es erinnert daran, wie viele kreative Risiken LucasArts einging und wie stark diese Titel die Kindheit und Jugend vieler Spieler prägten. Für Retro‑Fans und Kunstliebhaber ist es daher eine lohnende Anschaffung – ein liebevoller Dank an ein Studio, das die Videospielkultur nachhaltig geprägt hat