Rückblick auf meine Matinee: Die Glücksritter (Trading Places, 1983)

John Landis’ Die Glücksritter ist auf den ersten Blick eine temporeiche Verwechslungskomödie mit Eddie Murphy und Dan Aykroyd. Bei genauerem Hinsehen ist der Film aber eine ziemlich bissige Satire auf Klassendenken, Rassismus, Geldgier und den Glauben, der soziale Status eines Menschen sei entweder angeboren oder allein durch Leistung verdient. Der Originaltitel Trading Places bringt das genauer auf den Punkt als der deutsche Titel: Es geht um das Tauschen von Plätzen – sozial, wirtschaftlich und moralisch. Ich hatte den Film bei meiner Matinee im Scala. Die nächste Matinee ist ein wunderbarer Film der 80er Jahre: The Breakfast Club am Sonntag, 12. Juli. Karten gibt es hier.

Der Film erschien 1983, wurde von John Landis inszeniert und von Timothy Harris und Herschel Weingrod geschrieben. Die Hauptrollen spielen Dan Aykroyd als Louis Winthorpe III, Eddie Murphy als Billy Ray Valentine, Jamie Lee Curtis als Ophelia, Denholm Elliott als Butler Coleman sowie Don Ameche und Ralph Bellamy als die Duke-Brüder. Die Geschichte dreht sich um zwei alte, reiche Börsenmakler, die aus einer Laune heraus eine Wette abschließen: Was passiert, wenn man einem privilegierten Mann alles nimmt und einem mittellosen Außenseiter plötzlich Reichtum, Ansehen und Einfluss gibt? Hier der Vortrag auf meiner Matinee zum Anschauen.

Die Handlung ist bewusst einfach konstruiert. Louis Winthorpe III ist ein wohlhabender, kultivierter, eingebildeter Mann der oberen Gesellschaft. Billy Ray Valentine ist ein armer Trickbetrüger, der sich auf der Straße durchschlägt. Randolph und Mortimer Duke manipulieren beide Leben: Winthorpe wird verleumdet, verliert Beruf, Verlobte, Wohnung und Vermögen; Valentine wird in die Firma der Dukes geholt und erhält genau jene Chancen, die Winthorpe zuvor selbstverständlich besaß. Aus dieser Versuchsanordnung entwickelt der Film seine zentrale Frage: Sind Menschen „von Natur aus“ erfolgreich oder werden sie durch Umstände, Bildung, Netzwerke und Geld geformt?

Gerade darin liegt die politische Schärfe des Films. Die Duke-Brüder betrachten Menschen wie Versuchstiere. Für sie sind Winthorpe und Valentine keine Persönlichkeiten, sondern Spielmaterial. Ihre Wette ist der eigentliche Skandal: Zwei Männer, die durch Kapital fast unbegrenzte Macht besitzen, zerstören Leben aus Langeweile. Der Film zeigt damit eine Gesellschaft, in der Reichtum nicht nur Besitz bedeutet, sondern Zugriff auf Institutionen, Polizei, Justiz, Arbeitsmarkt und soziale Reputation.

Louis Winthorpe ist anfangs keineswegs ein sympathischer Held. Er ist höflich, aber arrogant; gebildet, aber blind für seine eigenen Privilegien. Erst als ihm alle Sicherheiten entzogen werden, begreift er, wie dünn die Fassade von Ansehen und Würde ist. Sein sozialer Absturz ist komisch inszeniert, aber bitter gemeint. Der Film macht deutlich: Gesellschaftlicher Status kann erstaunlich schnell verschwinden, wenn Geld, Wohnung, Arbeit und soziale Anerkennung wegfallen.

Billy Ray Valentine wiederum ist nicht deshalb erfolgreich, weil er plötzlich „veredelt“ wird, sondern weil er Fähigkeiten besitzt, die im alten Umfeld nur kriminalisiert oder missachtet wurden: Beobachtungsgabe, Schlagfertigkeit, Menschenkenntnis, Improvisation. Sobald diese Fähigkeiten in einem anderen sozialen Rahmen eingesetzt werden, gelten sie plötzlich als geschäftstüchtig. Das ist einer der klügsten Punkte des Films: Talent ist nicht gleichmäßig sichtbar, weil Gesellschaften entscheiden, welche Talente belohnt und welche bestraft werden.

Der Film arbeitet stark mit Elementen der klassischen Screwball-Komödie. Reiche werden lächerlich gemacht, soziale Rollen werden vertauscht, Liebes- und Betrugshandlungen laufen ineinander, und am Ende werden die Mächtigen durch ihre eigene Gier geschlagen. Kritiker haben Trading Places deshalb häufig mit sozial bewussten Komödien der 1930er- und 1940er-Jahre verglichen, etwa mit Filmen von Preston Sturges oder Frank Capra. 

Besonders interessant ist die Verbindung zu Mozarts Le nozze di Figaro. John Landis nutzte Motive aus dieser Oper bewusst als musikalischen Bezugspunkt. In Figaro setzt sich ein Diener gegen die Anmaßungen seines adeligen Herrn zur Wehr; in Die Glücksritter wehren sich Winthorpe, Valentine, Ophelia und Coleman gegen die Macht der Duke-Brüder. Auch hier wird eine hierarchische Ordnung nicht frontal revolutioniert, aber listig unterlaufen. 

Die Inszenierung lebt stark von den Gegensätzen: Philadelphia im Winter, elegante Clubs, Börsenräume, Luxushäuser, Obdachlosigkeit, Gefängniszellen, Weihnachtsdekoration und soziale Kälte. Landis nutzt die Weihnachtszeit nicht als gemütliche Kulisse, sondern als ironischen Kontrast. Während überall Nächstenliebe behauptet wird, handeln fast alle Figuren zunächst aus Eigennutz. Das macht den Film auch zu einer zynischen Weihnachtskomödie.

Eddie Murphy ist der große Motor des Films. Seine Energie, sein Timing und seine Fähigkeit, Rollen innerhalb der Rolle zu spielen, geben Die Glücksritter enorme Lebendigkeit. Billy Ray Valentine ist Trickster, Überlebenskünstler und später Mitverschwörer gegen das System. Dan Aykroyd spielt dagegen hervorragend den Zusammenbruch eines Mannes, der sein ganzes Leben für naturgegeben hielt. Seine Komik entsteht aus dem Verlust der Kontrolle. Jamie Lee Curtis als Ophelia ist ebenfalls wichtig: Sie ist nicht nur romantische Nebenfigur, sondern eine pragmatische Frau, die die Spielregeln des Geldes besser versteht als viele Männer im Film.

Trotzdem ist Die Glücksritter nicht frei von Problemen. Manche Witze über Rasse, Geschlecht und soziale Milieus sind deutlich im Ton der frühen achtziger Jahre verankert und wirken heute stellenweise unangenehm oder grob. Besonders der Umgang mit Stereotypen zeigt, dass der Film zwar Rassismus kritisiert, aber selbst nicht immer frei von klischeehaften Darstellungen ist. Auch Ophelia wird einerseits als kluge, selbstbestimmte Figur gezeichnet, andererseits stark sexualisiert. Diese Ambivalenz gehört zur heutigen Neubewertung des Films.

Das Finale an der Warenterminbörse ist mehr als nur ein komödiantischer Coup. Die Helden besiegen die Dukes mit deren eigenen Waffen: Insiderwissen, Spekulation, Marktmanipulation und Timing. Moralisch ist das interessant, weil der Film das System nicht abschafft. Winthorpe und Valentine werden nicht zu Revolutionären, sondern schlagen die Kapitalisten, indem sie bessere Kapitalisten werden. Genau darin steckt eine gewisse Begrenzung der Satire: Der Film kritisiert Gier, aber am Ende besteht der Sieg darin, selbst reich zu werden.

Dennoch funktioniert der Schluss dramaturgisch hervorragend. Die Duke-Brüder, die Menschen wie Waren behandelt haben, werden selbst vom Markt vernichtet. Das ist die poetische Gerechtigkeit des Films. Aus der sozialen Versuchsanordnung wird eine Rachekomödie: Die Figuren, die benutzt wurden, übernehmen die Kontrolle über das Spiel.

Filmgeschichtlich gehört Die Glücksritter zu den prägenden amerikanischen Komödien der achtziger Jahre. Der Film war ein großer Publikumserfolg und spielte laut den verfügbaren Produktionsdaten weltweit rund 120 Millionen Dollar ein. Außerdem erhielt er mehrere Auszeichnungen und Nominierungen, unter anderem eine Oscar-Nominierung für Elmer Bernsteins Filmmusik sowie BAFTA-Auszeichnungen für Jamie Lee Curtis und Denholm Elliott. 

Die Glücksritter ist bis heute unterhaltsam, weil der Film seine Gesellschaftskritik nicht trocken formuliert, sondern in Tempo, Dialogwitz und Situationskomik verpackt. Seine zentrale Beobachtung bleibt aktuell: Wer oben steht, hält Erfolg gern für Charakter; wer unten steht, wird schnell für sein Scheitern verantwortlich gemacht. Landis’ Film dreht diese Behauptung um und zeigt, wie stark Herkunft, Geld, Zufall und Macht darüber entscheiden, wer als Gewinner und wer als Verlierer gilt.

Als Komödie ist Die Glücksritter schnell, laut und stellenweise derb. Als Satire ist er nicht perfekt, aber erstaunlich treffsicher. Der Film lacht über Reiche, über Börsenrituale, über Standesdünkel und über die Vorstellung, dass gesellschaftlicher Erfolg etwas Naturgegebenes sei. Sein Humor ist manchmal gealtert, seine Grundidee aber nicht: Menschen sind mehr als ihr Kontostand, und eine Gesellschaft, die alles zur Wette macht, ist selbst der eigentliche Witz.
Die nächste Matinee ist ein wunderbarer Film der 80er Jahre: The Breakfast Club am Sonntag, 12. Juli. Karten gibt es hier.

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