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Persönlicher Nachruf zum Tod von Keith Emerson

12. März 2016

Zum ersten Mal hörte ich ihn im Schulunterricht in den achtziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Im Musikunterricht nahmen wir gerade Programmmusik durch. Gustav Holst – die Planeten und von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung waren meine Highligts. Am Ende der Unterrichtsstunde holte unser Musiklehrer Herr Kemper eine Schallplatte hervor und spielte uns die Rockversion von Bilder einer Ausstellung vor: Emerson, Lake & Palmer: Pictures at an Exhibition. An den Keyboards der legendäre Keith Emerson, der jetzt im Alter von 71 Jahren verstarb.
Mich haute es im Musiksaal der Schule vom Stuhl. So einen Sound haben meine jungen Ohren damals noch nicht gehört. Das Zusammenspiel der drei Musiker war perfekt. Die Abfolge war damals: Promenade: – The Gnome – Promenade und dann ein Synthesizersolo. Was war jetzt das?
So einen Klang kannte ich nicht. Ich war von den Top Ten im Radio den Klang von Roland gewohnt, Mike Oldfield spielte gerade ein wenig mit dem Fairlight herum, Jean-Michel Jarre experimentierte mit Loops. Doch der Klang vom Moog auf der Schallplatte von ELP überragte einfach alles. Ich war gebannt, fasziniert, begeistert über die Wärme dieses elektronischen Instruments. Ich wollte mehr, viel viel mehr. Keith Emerson war für mich der Zauberer – der Magier, der aus dem riesigen Moog-Koloss mit Kabel, Schalter und Lichter so eine Musik hervorbringen konnte. Von dieser Minute an war ich Fan dieser progressiven Formation. Bis heute häufe ich Aufnahmen von ELP an, kaufte die Alben auf LP, später auf CD, orderte Bootlegs, und saugte YouTube-Videos auf. Ich verfolgte die wechselvolle Geschichte der Band. Höhenflüge, Bankrott, Vereinigungen, Trennungen, Aufbäumen und immer wieder neue Ansätze.
Natürlich gab es für mich viele gute Keyboarder: Richard Wright von Pink Floyd, Rick Wakeman von Yes seien hier stellvertrend genannt. Aber Keith Emerson war im Tasten-Olymp. Der Richard Wagner des Rocks spielte nicht nur fantastisch, sondern war auch eine richtig coole Frontsau. Er zeigte, dass Keyboarder nicht im Hintergrund stehen müssen – nein: Keith Emerson stand gleichberechtigt auf der Bühne. Bei ELP waren drei Vollblutmusiker voll präsent – die wenigste Show machte vielleicht Frontman Greg Lake. ELP brachte die Gigantomie auf die Bühne. Das Klavier schwebte und drehte sich, die Orgel wurde mit Messern traktiert. Das alles machte auf mich Eindruck. Ich war als Zuhörer und als Zuschauer Teil der Show: Welcome back my friends to the show that never ends.


Ich folgte Keith Emerson auch auf seinen Solopfaden. Ich erwarb gute und schwache Alben von ihm aus dem Soundtrack-Genre. Irgendwie musste Emerson sein Einkommen sichern. Italo-Horror und Godzilla vertonte er, bei Nighthaws versuchte er sogar zu singen. Ich hab die Alben alle, aber die Begeisterung stellte sich nicht mehr ein. Ein Verbrechen war übrigens das Christmas Album.
Mein wirkliches Interesse kam erst wieder bei Emerson, Lake & Powell zurück. Hier blühte für mich Keith Emerson wieder auf. Three war ok, das Comeback von Nice war wunderschön und die anschließende Keith Emerson Band war hörenswert.
Nun ist Keith Emerson von uns gegangen. Weggefährte und Ausnahmedrummer Carl Palmer veröffentlichte in Facebook einen schönen Nachruf: Keith Emerson habe “ein zartes Gemüt, dessen Liebe zur Musik und Leidenschaft für die Performance als Keyboard-Spieler noch viele Jahre unerreicht bleiben werden.“

Der Nachruf via Facebook von Carl Palmer über Keith Emserson.

Der Nachruf via Facebook von Carl Palmer über Keith Emserson.

Gerade eben starb George Martin und dieses Jahr 2016 ist ein grausames Jahr für meine Musikwelt: David Bowie und Lemmy machten den Anfang. Jetzt ist ein weiterer Held meiner Jugend gestorben. Keith Emerson hat mein musikalisches Bewusstsein erweitert, hat mich zu neuen musikalischen Ufern gebracht und er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Nach Angaben der Polizei hat sich Keith Emerson erschossen – die Gründe gehen uns nichts an. Die Musikwelt hat einen weiteren Ausnahmemusiker verloren. What a Lucky Man he was.

ELP wollen nicht mehr – und das ist gut so

6. Dezember 2011

Eine Supergroup meiner Jugend wird wohl nicht mehr zusammen auftreten: Emerson, Lake & Palmer (ELP) haben sich wohl endgültig getrennt – und wenn ich ehrlich bin: Gut so, denn die Luft war irgendwie raus.

ELP waren für mich beim ersten Hören eine Offenbarung. Ich lauschte sie zum ersten Mal im Musikunterricht an der Schule. Unser progressiver Musiklehrer brachte uns Programmmusik näher und da hörte ich erstmals die Bilder einer Ausstellung von Mussorgski in der Interpretation von ELP: Pictures at an Exhibition. Da war es um mich geschehen. Der Sound haute mich vom Hocker. Eine Engelsstimme von Greg Lake, Powerdrums von Carl Palmer und die Keyboard-Orgien von Keith Emerson. Ich kaufte die Schallplatten des Trios. Ich lernte sogar Gitarre und versuchte mich an den Läufen von The Sage von Greg Lake.

Für mich waren die besten Scheiben Tarkus, Brain Salad Surgery und das 3er Live-Album Welcome Back My Friends to the Show That Never End. Von Brain kaufte ich mir sogar einen Original Giger. Die anderen ELP-Alben waren ok, aber nicht unbedingt richtungsweisend. Interessant waren die zahlreichen Bootlegs der Band. Die Zeit des Art-Rocks brachte hervorragendes Material von Genesis, Yes und von Pink Floyd.

Im neuen Jahrtausend war es ruhiger um ELP geworden. Ich wollte eigentlich zum Londoner High Voltage Rock Festival 2010 fliegen, als ELP seinen Auftritt zum 40. Bandjubiläum hatte. Aber irgendwie schaffte es nicht. Ich kaufte mir später die Aufnahme über Kanäle aus London und war schlichtweg enttäuscht. Engelchen Lake kann nicht mehr singen, Palmer ist müde (lag auch an einem Auftritt, den er mit Asia davor hatte) und nur noch Emerson hatte noch ein paar Glanzpunkte. In Youtube kursieren Videos von dem Auftritt und ich entdeckte auch eine Blu ray mit dem 40th Anniversary Reunion Concert.

Vorsicht: Es ist wirklich nur was für Hardcore-Fans. Wer ELP nicht kennt, schaut euch die Sache nicht an. Es gibt geile Aufnahmen bei YouTube, aber das ist nur noch was für alte Männer wie mich, die sehsüchtig an alte Zeiten zurückdenken.