Posts Tagged ‘Lemmy’

Musiktipp: Clean Your Clock von Motörhead

21. Juni 2016

Als im vergangenen Jahr Motörhead in München gastierte, wollte ich mich eigentlich von Lemmy verabschieden. Es war jedem Fan klar, dass es mit dem Frontman der Band langsam zu Ende ging. Ich hatte noch nie ein Motörhead-Konzert besucht und leider kam es auch dieses Mal nicht dazu. Ich musste an den beiden Tagen als Lemmy und Band in München aufspielten für einen Kunden arbeiten. Bald darauf verstarb Lemmy und sein Tod war der Auftakt für ein schlimmes Jahr des Rock’n Roll.

Clean_Your_Clock
Nun, jetzt erschien eine CD und DVD vom letzten Auftritt in München. Der Titel Clean Your Clock. UDR Records nahm die Shows am 20. und 21. November 2015 im Zenith in München auf und veröffentlichte jetzt das Album und eine DVD.
Mein erster Gedanke war: Das ist doch reine Leichenfledderei. Kaum ist der Lemmy unter der Erde, da beginnt die Geschäftemacherei. Als ich ein wenig darüber nachdachte, dass mein erster Eindruck der Leichenfledderei falsch war. Als wieder ein paar Tage ins Land gingen, bestellte ich mir die CD dann doch. Ich wollte Lemmy hören und zwar genau bei dem Konzert, das ich verpasst hatte. Den Konzertfilm wollte ich nicht sehen, aber die Musik des Rocker wollte ich unbedingt hören.
Als ich den Download von Amazon anhörte, kamen mir fast die Tränen. Ja, ich mag ihn einfach diesen Kerl und seine Art von Rock’n Roll. Kein Zweifel, die Stimme von Lemmy war angegriffen und nicht mehr so fest, wie in früheren Konzerten. Aber das wussten wir. Wir haben die YouTube-Videos gesehen, bei denen Lemmy Konzerte abbrechen musste und traurig von der Bühne ging. In München hat er durchgehalten und Motörhead haben ein gutes Konzert abgegeben. Immer voll auf die Ohren, die volle Dröhnung. Die Auswahl der Songs war prima, altes und neues Zeug und dazwischen ein paar launige Worte an das Münchner Publikum. Beim Anfeuern der Fans unterstützte ihn die Band, wenn Lemmy ein wenig aus der Puste kam. Phil Campell hilft seinem Kumpel und spielt sich nicht nach vorne. Motörhead ist Lemmy und Lemmy ist Motörhead. Alles in allem eine gute Rock’n Roll-Show, wie man es von Motörhead gewohnt war. Lemmy Kilmister, Philip Campbell und Mikkey Dee rocken diesen 16 Titel sehr gut.
Natürlich, es gibt bessere Konzerte von Lemmy, aber es ist eben eines der letzten Konzerte. Es kann kein No Sleep Till Hammersmith werden und das muss es nicht. Ich verneige mich vor diesem Riesen. Nein, dieses Album ist keine Leichenfledderei. Das haben wir oft bei Jimi Hendrix erleben müssen, dass jede Note dieses Gitarrengottes veröffentlicht wurde, sei sie noch so uninspiriert gewesen. Das ist bei Clean Your Clock nicht der Fall und ich hoffe, dass die Leichenfledderei wie bei Hendrix nicht einsetzen wird.

Persönliche Gedanken zum Tod von Prince

23. April 2016
Purple Rain war es nicht am Todestag von Prince. Aber Purple war der Sonnenuntergang.

Purple Rain war es nicht am Todestag von Prince. Aber Purple war der Sonnenuntergang.

Fürwahr, es ist ein schlimmes Jahr für den Rock’n Roll. Viele meiner musikalischen Helden sind verstorben. Wer den Blog verfolgt, der weiß, wie ich um Lemmy, Keith Emerson und David Bowie getrauert habe und noch trauere. Jetzt ist Prince verstorben und für die Musikwelt war es ein Schock.
Ich muss zugeben, ich war kein allzu großer Prince-Fan. Aber meinen Respekt hat dieser Musiker, der sich zur Wehr gesetzt hatte. Vielleicht oute ich mich jetzt als Banause, aber Funk war nicht mein Ding und die zahlreichen Alben von Prince gingen meist an mir vorbei.
Ich erinnere mich an meine Jugend als Purple Rain auf den Markt kam. Das Video mit Rüschen und Motorrad gefiel mir. Und auch der Song hat mir gefallen. Unter meinen Freunden entbrannte der kindliche Streit, wer der bessere Musiker sei: Michael Jackson oder Prince. Mir war es egal, weil ich keinen von beiden so sehr verehrte. Es war ein Streit unter verblendeten Jugendlichen. Heute rückblickend hätte ich mich auf die Prince-Seite geschlagen, weil der kleine Mann musikalisch viel auf der Pfanne hatte. Wie gesagt, es war im großen und ganzen nicht meine Art von Musik, aber das größere musikalische Talent hatte zweifelsohne Prince. Jetzt können Michael Jackson und Prince im Himmel den Streit weiter austragen. Groß bewandert war ich in Prince-Songs nicht. Ich mochte Sign o‘ the Times und ich fand Kiss wunderbar witzig, aber die ganzen Metamorphosen des von Prince hin zum Symbol und Tafkap machte ich nicht mit.
Nach deinem Tod habe ich jetzt zahlreiche Prince-Alben durchgehört und ein paar Live-Videos gesehen und ich muss mich heute entschuldigen. Der Mann hatte Talent, absolut. Leider habe ich es zu seinen Lebzeiten nicht erkannt. Prince war mir meist egal. Heute ist er mir nicht mehr egal. Es ist schade, dass ich erst durch den Tod von Prince auf ihn richtig aufmerksam geworden bin. Dafür möchte ich mich bei ihm entschuldigen. Ich denke, dieser Mann hatte wahnsinniges Talent und mit 57. Jahren ist es viel zu früh zum Sterben, egal was die endgültige Todesursache war.
Respekt habe ich vor seinem Kampf gegen die Musikindustrie und gegen die Kostenloskultur des Netzes. Er war ein Wahrer seiner Rechte. Er schaffte es, sich gegen Konzerne und Fans aufzulehnen und seine Marke zu verknappen. Diese Verknappungspolitik haben ihn viele übel genommen. Beim Schreiben dieses Nachrufes ist es mir erst aufgefallen, wie erfolgreich der Rechteinhaber Prince im Internet war. Es ist schwierig an Bild- und Videomaterial über ihn zu kommen. YouTube und andere Plattformen sind fast leer.
Ein paar Tage vor seinem Tod hatte ich Prince nochmals auf dem Schirm. Die beiden Musikerinnen Heidi Joubert und Kiddo Kat spielten eine Session in der Frankfurter S-Bahn. Sie performten Kiss und das Handyvideo anlässlich der Frankfurter Musikmesse ging durch die sozialen Netzwerke. Die beiden Damen und die Zuschauer legten sich voll ins Zeug und zeigten, wie cool dieser Song eigentlich war.

Persönlicher Nachruf zum Tod von Keith Emerson

12. März 2016

Zum ersten Mal hörte ich ihn im Schulunterricht in den achtziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Im Musikunterricht nahmen wir gerade Programmmusik durch. Gustav Holst – die Planeten und von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung waren meine Highligts. Am Ende der Unterrichtsstunde holte unser Musiklehrer Herr Kemper eine Schallplatte hervor und spielte uns die Rockversion von Bilder einer Ausstellung vor: Emerson, Lake & Palmer: Pictures at an Exhibition. An den Keyboards der legendäre Keith Emerson, der jetzt im Alter von 71 Jahren verstarb.
Mich haute es im Musiksaal der Schule vom Stuhl. So einen Sound haben meine jungen Ohren damals noch nicht gehört. Das Zusammenspiel der drei Musiker war perfekt. Die Abfolge war damals: Promenade: – The Gnome – Promenade und dann ein Synthesizersolo. Was war jetzt das?
So einen Klang kannte ich nicht. Ich war von den Top Ten im Radio den Klang von Roland gewohnt, Mike Oldfield spielte gerade ein wenig mit dem Fairlight herum, Jean-Michel Jarre experimentierte mit Loops. Doch der Klang vom Moog auf der Schallplatte von ELP überragte einfach alles. Ich war gebannt, fasziniert, begeistert über die Wärme dieses elektronischen Instruments. Ich wollte mehr, viel viel mehr. Keith Emerson war für mich der Zauberer – der Magier, der aus dem riesigen Moog-Koloss mit Kabel, Schalter und Lichter so eine Musik hervorbringen konnte. Von dieser Minute an war ich Fan dieser progressiven Formation. Bis heute häufe ich Aufnahmen von ELP an, kaufte die Alben auf LP, später auf CD, orderte Bootlegs, und saugte YouTube-Videos auf. Ich verfolgte die wechselvolle Geschichte der Band. Höhenflüge, Bankrott, Vereinigungen, Trennungen, Aufbäumen und immer wieder neue Ansätze.
Natürlich gab es für mich viele gute Keyboarder: Richard Wright von Pink Floyd, Rick Wakeman von Yes seien hier stellvertrend genannt. Aber Keith Emerson war im Tasten-Olymp. Der Richard Wagner des Rocks spielte nicht nur fantastisch, sondern war auch eine richtig coole Frontsau. Er zeigte, dass Keyboarder nicht im Hintergrund stehen müssen – nein: Keith Emerson stand gleichberechtigt auf der Bühne. Bei ELP waren drei Vollblutmusiker voll präsent – die wenigste Show machte vielleicht Frontman Greg Lake. ELP brachte die Gigantomie auf die Bühne. Das Klavier schwebte und drehte sich, die Orgel wurde mit Messern traktiert. Das alles machte auf mich Eindruck. Ich war als Zuhörer und als Zuschauer Teil der Show: Welcome back my friends to the show that never ends.


Ich folgte Keith Emerson auch auf seinen Solopfaden. Ich erwarb gute und schwache Alben von ihm aus dem Soundtrack-Genre. Irgendwie musste Emerson sein Einkommen sichern. Italo-Horror und Godzilla vertonte er, bei Nighthaws versuchte er sogar zu singen. Ich hab die Alben alle, aber die Begeisterung stellte sich nicht mehr ein. Ein Verbrechen war übrigens das Christmas Album.
Mein wirkliches Interesse kam erst wieder bei Emerson, Lake & Powell zurück. Hier blühte für mich Keith Emerson wieder auf. Three war ok, das Comeback von Nice war wunderschön und die anschließende Keith Emerson Band war hörenswert.
Nun ist Keith Emerson von uns gegangen. Weggefährte und Ausnahmedrummer Carl Palmer veröffentlichte in Facebook einen schönen Nachruf: Keith Emerson habe “ein zartes Gemüt, dessen Liebe zur Musik und Leidenschaft für die Performance als Keyboard-Spieler noch viele Jahre unerreicht bleiben werden.“

Der Nachruf via Facebook von Carl Palmer über Keith Emserson.

Der Nachruf via Facebook von Carl Palmer über Keith Emserson.

Gerade eben starb George Martin und dieses Jahr 2016 ist ein grausames Jahr für meine Musikwelt: David Bowie und Lemmy machten den Anfang. Jetzt ist ein weiterer Held meiner Jugend gestorben. Keith Emerson hat mein musikalisches Bewusstsein erweitert, hat mich zu neuen musikalischen Ufern gebracht und er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Nach Angaben der Polizei hat sich Keith Emerson erschossen – die Gründe gehen uns nichts an. Die Musikwelt hat einen weiteren Ausnahmemusiker verloren. What a Lucky Man he was.

Via YouTube-Stream: Die Trauerfeier von Lemmy

11. Januar 2016

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Es war schon wieder ein komisches Gefühl. Es war die zweite Trauerfeier, die ich vom Bett aus verfolgte. Lemmy wurde zu Grabe getragen und ich war live via Stream dabei. Nach der Feier im Netz um Steve Jobs eben nun Lemmy. Allerdings waren die Voraussetzungen andere: Beim Apple-Chef Steve Jobs hab ich gelauscht und war nachdenklich, beim Heimgang von Lemmy hab ich getrunken und gelacht. Genau so wollte er es wohl.


Gegen 23:30 Uhr unserer Zeit sollte der Stream via YouTube starten. Aber es verspätete sich eine halbe Stunde. Zeit genug ein paar Motörhead-Songs in meinem Hotelzimmer zu hören und ein paar Bierchen zu zischen.


Als die Trauerfeier gegen 24 Uhr begann, wurde ich schlagartig nüchtern. Ich hörte die Trauerreden, sah wie ergriffen die Familie, die Mitarbeiter, die Crew, die Freunde, den Schuster und die Musikszene war. Lemmy ist gegangen. Viele weinen, hatten Tränen in den Augen. Die Trauer und Ergriffenheit übertrug sich auf mich. Viele der Redner erinnerten an die Geschichten, die sie mit Lemmy erlebt hatten. Jeder hatte seine eigene, persönliche Geschichte mit Lemmy. Und ich hörte immer wieder die Schlagworte: Ehrlich, gradlinig, unbeugsam, aufrecht, humorvoll – und natürlich trinkfest. Ich kannte Lemmy nicht, ich mochte nur seine Alben. Er war einer der letzten Rock’n Roller und ich glaube, er hatte das Herz am richtigen Fleck. Er war kein konstruiertes Kunstprodukt, kein Resultat von Marketingabteilungen, die nach Marktforschung einen Hampelmann für die Hitparade schufen. Er war einfach Lemmy – nicht mehr, nicht weniger. Er war Lemmy. Wir brauchen wieder mehr Lemmys – in der Musik, in der Gesellschaft, in der Politi. Und wir brauchen wieder mehr Rock’n Roll – das ist gewiss.


„We are Motörhead and we play Rock’n Roll“ – so begannen die Konzerte und damit war alles gesagt. Mensch Lemmy, wir vermissen dich. Bei all der Trauer musste ich über einige der Stories über ihn lachen. Scheinbar mochte der Motörhead-Chef die Komikergruppe Monty Pythons. Es hieß, dass er sich im Tourbus gerne Fawlty Towers ansah. Und er lachte über die gleichen Witze wie ich – gerade in Bezug auf seine deutschen Freunde. Don’t mention the war!


Irgenwann im Laufe er zweieinhalbstündigen Übertragung vergaß ich, dass ich in einem Hotelzimmer saß und am iPad Pro die Zeremonie ansah. Die Trauerredner im schwarzen Leder, mit Kavalleriehüte, mit langen Mäntel, mit Tattoos nahmen Abschied und nicht wenige leerten ein Glas Jack Daniels bei ihrer Rede. Würdig, humorvoll war der Abschied und feucht fröhlich. So auch bei mir. Ich machte mir noch ein paar Bier auf und prostete dem Verstorbenen zu. Wie hieß es doch im Vorfeld von Seiten des Motörhead-Managements: „Also wo immer ihr auch seid, trefft euch mit anderen Motörheadbangern und Freunden. Geht in eure Lieblingskneipe, in euren Lieblingsclub, stellt sicher, dass ihr Internetzugang habt und stoßt mit uns an. Oder besucht einfach eure Freunde und feiert Lemms Leben daheim.“ Das hab ich gemacht. Via Twitter chattete ich mit ein paar Lemmy-Anhängern weltweit.
Und auch meine Frau, nicht unbedingt ein klassischer Motörhead-Fan mit Kutte, ist bis nachts aufgeblieben und war dem Mythos von Lemmy erlegen. 300 Kilometer entfernt von mir verfolgte sie die Trauerfeier und wir stießen trotz Entfernung auf Lemmy an.
Leider fiel gegen Ende der Übertragung der Ton bei Dave Grohl aus.

Aber sein Beitrag muss witzig gewesen sein, wenn man die Gesichter ansah. Dann setzte der Ton wieder ein und die riesigen Marshall-Verstärker wurden eingeschaltet. Der Bass von Lemmy wurde mit Rückkopplung an die Boxen gelegt und das war es. Die Stiefel, der Hut, der Bass. Ein würdiges Ende eines Rock’n Rollers.

Das Schlussbild der Übertragung.

Das Schlussbild der Übertragung.

Persönlicher Nachruf auf Lemmy von Motörhead

29. Dezember 2015

Oh nein, nicht auch Lemmy. Eine Ikone des Rock’n Roll ist gegangen und es tut mir leid. Jetzt sehe ich nicht unbedingt so aus, als ob ich Motörhead-Fan bin, doch der dann doch überraschende Tod von Lemmy Kilmister hat mich getroffen. Lemmy war mein ganzes musikalisches Leben da und nun soll er weg sein? Es hieß doch, Lemmy würde ewig leben! In meinem musikalischen Herzen lebt der Rock’n Roller weiter.

Die Nachricht von Lemmy Tod auf der offiziellen Website. Hört seine Musik laut.

Die Nachricht von Lemmy Tod auf der offiziellen Website. Hört seine Musik laut.

Lemmy hatte Charakter. Lemmy war eine Konstante. Jedes Jahr wenn Lemmy Kilmister ein Motörhead-Album auf den Markt brachte, kaufte ich die Musik und hörte sie, ich sog sie auf. Musikalisch waren die Alben nie eine Überraschung, aber ich wollte Konstante und ich wollte Gradlinigkeit, wenn ich Motörhead auflegte. Ich wollte eine harte Form des Rock’n Roll, nicht gekünstelt, nicht geschönt.
Das erste Mal bewusst stieß ich auf Motörhead, als mir in der Schule die Schallplatte No Sleep ‚til Hammersmith in die Hände fiel. So eine Live-Platte hatte ich noch nie gehört: Das Zeug war hart, viel härter als die Mucke, die ich damals als Hardrock hörte: Härter als The Who, härter als Deep Purple und sogar härter als ACDC – und dabei war die Musik von Motörhead doch einfach nur Rock’n Roll. Und so hatte mich Lemmy mit seiner ehrlichen Musik überzeugt. Ich kaufte mir an einem Wochenende im Sound, dem örtlichen Musikladen in Fürstenfeldbruck, die Scheiben Studioalben Overkill (1979), Bomber (1979) und Ace Of Spades (1980). Und seitdem habe ich mir jedes Mal die neue Motörhead gekauft sobald ein Album erschien – erst auf Vinyl, später auf CD.
Lemmy war immer da. Lemmy wird immer sein. Zwar nicht in der ersten musikalischen Riege, aber ich hatte und habe meine Lemmy-Tage. Es gibt Zeiten, da musste Lemmy einfach sein. Vor Jahren sah ich mal eine Dokumentation über ihn. Mir imponierte irgendwie, dass er in dieser Doku die Mono-Sammlung der Beatles kaufen wollte. Der Rock’n Roller ging genau wie unsereins an die Kasse eines Musikladens und fragte nach den Beatles. Es ist einfach ein guter Mann, wenn er solche Musik mag und auch als harter Mann dazu steht.
Und jetzt Krebs! Auf der Facebook-Seite von Motörhead steht, dass er die Nachricht vor wenigen Tagen erhalten hat und nun ist er verstorben. An Weihnachten feierte er seinen 70. Geburtstag. Jetzt spielt Lemmy mit Elvis und John Lennon, er säuft mit Janis und Jim und er zeigt dort oben, was ein Mann mit Charakter ist. Auf der Website heißt es: „Bis dahin, bitte: Spielt Motörhead, spielt Hawkwind laut, spielt Lemmys Musik laut“. Das mach ich und ich geh jetzt was trinken.

Via Facebook wurde die Nachricht verbreitet.

Via Facebook wurde die Nachricht verbreitet.

Musiktipp: Bad Magic von Motörhead

1. September 2015

Bad_Magic

Wahrscheinlich würde ein Typ wie Lemmy Kilmister mir sofort eine reinhauen, wenn ich Spießer sage, dass mir das neue Motörhead-Album gefällt. Wahrscheinlich würde Lemmy zu mir kommen, sich meine gut bürgerlichen Verhältnisse mit Doppelhaushälfte und Hybridauto, Gemüsegarten und gekehrten Bürgersteig kurz ansehen, ausspucken und dann einfach zuschlagen. Aber ich geb es ja zu: Bad Magic gefällt mir.
In meiner Jugend gehörte Motörhead zum lautesten, was es in der Musikwelt so gab. Lautstärke hin oder her, aber Lemmy mit seinen fast 70 Jahren und unsteten Lebenswandel lebt den Rock’n Roll, er fühlt den Rock’n Roll und er schert sich nur bedingt um meine bürgerliche Konventionen. Sicher, der Herr Lemmy Kilmister gehört nicht gerade zu intellektuellen Musikszene Großbritanniens und seine Wohneinrichtung, die auch NS-Symbole enthält, verachte ich – und dennoch: Lemmy Kilmister ist sich treu geblieben. Er ist seiner Musik treu geblieben und lebt den Geist von Elvis, Beatles und im Falle von Bad Magic den Geist der Rolling Stones. Auf Bad Magic covered Motörhead den Stones-Klassiker Sympathy For The Devil.
Die 13 Songs des 22. Studio Albums sind genau so wie Lemmy-Fans sich Songs von Motörhead vorstellen: Vor allem geradlinig und sofort zum Thema kommend. Stimmlich ist Lemmy nach gesundheitlichen Problemem gut drauf. Statt Jackie gibt es jetzt eben nur noch Wodka.
Kompromisslose Songs wie Victory Or Die oder fast zärtlich wie Till The End der alte Mann beherrscht sein Genre zu 100 Prozent.
Ich könnte viel über die Power der Songs schreiben, über die Weiterführung des Rock’n Roll philosophieren, aber Lemmy-Fans brauchen nur wissen: Bad Magic lohnt sich, kauft das Album und ihr werdet viel Freude haben. Lemmy ist am Leben und er macht Musik, auch live. Gerne hätte ich den Mann im November live in München gesehen, aber ich muss an den Konzerttagen arbeiten, Spießer eben. Und ich sage es, wie vor jeder Tour: Mensch, das wird wohl die letzte Tour von Lemmy sein. Warten wirs ab und nun setz ich meine Spießer-Kopfhörer von Shure auf und geh zum Rasenmähen mit Lemmy in den Ohren. Eben meine Art von Rock’n Roll.